Gerechter Krieg im Mittelalter und der Neuzeit am Beispiel der Konzeption Thomas von Aquins und der Satzung der Vereinten Nationen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung ...1

2. Das Konzept des gerechten Krieges bei Thomas Aquinas ...2
2.1 Von der Sünde zur Möglichkeit eines gerechten Krieges ...2
2.2 Die drei Voraussetzungen des bellum iustum ...4
2.3 Ius in bello bei Thomas Aquinas ...4
2.4 Schlussfolgerungen und Unklarheiten ...5

3. Sanktionslegitimation in der SVN ...7
3.1 Aufbau der OVN ...8
3.2 Ius ad bellum in der SVN ...9
3.2.1 Der Friedensbegriff der OVN ...9
3.2.2 Der Gewaltbegriff der OVN ...10
3.2.3 Die Feindstaatenklauseln der SVN ...11
3.3 Ius in bello in der SVN ...12
3.3.1 Nicht-militärische Sanktionsmaßnahmen ...13
3.3.2 Militärische Sanktionsmaßnahmen ...13
3.4 Schlussfolgerung und Kritik ....14

4. Ein Vergleich der Konzeptionen ...15
4.1 Allgemeine Unterschiede ...16
4.2 Eine Entsprechung der causa iusta ...16
4.3 Eine Entsprechung des auctoritas principis ...18
4.4 Eine Entsprechung der recta intentio ...19

5. Schluss ...19

Endnoten ...III

Literaturverzeichnis ...VI

Internetquellen ...VI

1.Einleitung

Der Naturzustand als creatio ex nihilo des ersten Rechtszustandes ist eine hypothetische Position. Kaum vorstellbar sind die Konzepte des bellum omium contra omnes. Das mag damit zusammen hängen, dass sich aktuelles Recht immer auf eine Geschichte des Rechts stützt; geschehe dies nun implizit oder ausdrücklich. Hinter jedem Recht stehen ein älteres Recht und eine Vorstellung von Gerechtigkeit – im Naturzustand das Recht des Stärkeren – welche in den Paragraphen und Überzeugungen der Verfasser weiter wirken. Das bedeutet nicht, dass Recht immer aufeinander aufbaut; der Kern desselben stets erhalten bleibe. Jedoch ist es möglich, in dem ‚Heute’ die Spuren des ‚Gestern’ zu entdecken und die Gegenwart über die Vergangenheit auszudeuten; die großen Fragen zu stellen: Was hat sich verändert? Was hat sich verbessert, was verschlechtert? Was ist noch übrig geblieben aus einer alten Zeit, das über die Jahre wie eine Pflanze gewachsen und, teils bis hin zur Unkenntlichkeit, gewuchert ist?

Thomas Aquinas lebte in einer Zeit, die wir als Mittelalter bezeichnen. Es ist eine Bezeichnung, die, zumindest nicht immer unberechtigt, mit Unterentwicklung und Elend assoziiert wird. Damals systematisierte er die Lehre eines gerechten Krieges, wie sie unter Anderem von Augustinus schon vor Aquinas’ Zeit entwickelt wurde.1 In seiner Zeit wirkt Augustinus also deutlich in die damalige Gegenwart. Im Rahmen dieser Arbeit soll die Frage wegweisend sein, inwiefern Aquinas’ Konzeption des gerechten Krieges in die heutige Zeit wirkt – wie modern sein Konzept des gerechten Krieges noch ist. Um das festzustellen, soll AquinasLehre eines gerechten Krieges mit der, in der Satzung der Vereinten Nationena zum Ausdruck kommenden, Auffassung einer gerechtfertigten Sanktion verglichen werden. Hier stellt sich weniger die Frage nach einer expliziten Bezugnahme auf Aquinas durch die Vereinten Nationen –denn eine solche findet in deren Satzung nicht statt – sondern nach dem, die Jahre überdauerten,Kern einer Vorstellung gerechtfertigter Gewalt auf internationaler Ebene.

Nach einer Aufarbeitung der, zum Vergleich relevanten Aspekte der bellum iustum-Lehre Aquinas und der Bedingungen gerechtfertigter Sanktionen in der SVN, werden diese beiden Konzeptionen in ihren wesentlichen Punkten verglichen. Aufgrund der Komplexität der praktischen Verwirklichung der SVN, findet die Darstellung mit einer starken Orientierung am theoretischen Material statt. Praktische Zusammenhänge werden aufgegriffenb, bilden aber nicht den Schwerpunkt der Untersuchung; für eine Untersuchung der Artefakte der Ansichten Aquinas zum bellum iustum in der SVN ist dies nämlich auch nicht erforderlich.

2. Das Konzept des gerechten Krieges bei Thomas Aquinas

Im Rahmen der umfassenden Schrift Summa Theologica, entstanden in der Mitte des 13. Jahrhunderts, behandelt Thomas Aquinas unterschiedliche theologische und philosophische Fragestellungen. Neben Fragen, die eindeutig in den Bereich der Theologie fallen, wie einer Betrachtung des genetischen Sechstagewerks, behandelt er auch Themen, die sich in der akademischen Philosophie wieder finden; so beispielsweise die Frage nach der Möglichkeit eines gerechten Krieges. Auch hier ist die Perspektive Aquinas eindeutig geprägt von seinem religiösen Hintergrund. Das wird unter anderem schon anhand der, von Aquinas einleitend aufgelisteten Leitfragen deutlich. Während die Fragen nach der Möglichkeit eines legitimen Krieges und der Zulässigkeit von Täuschung in Form eines Hinterhaltes zu den philosophisch verwertbaren Untersuchungsaspekten gehören, fallen die zwei weiteren Fragestellungen eher in den Bereich rein theologischer Erwägungen. Deswegen sollen Aquinas’ Ausführungen zum Thema der Legitimation von Krieg an Feiertagen und der Abwägung einer Erlaubnis für Kleriker Krieg zu führen, in dieser Arbeit keine nähere Betrachtung erfahren. Da Aquinas aber, trotz seines vorläufigen Ergebnisses, Krieg sei immer Sünde und somit verboten, schließlich doch zu einem Konzept des gerechten Krieges gelangt, wird seine theologische Argumentation im Folgenden kurz dargestellt und nachvollzogen.

2.1 Von der Sünde zur Möglichkeit eines gerechten Krieges

Bei seinen Untersuchungen ging Thomas Aquinas stets streng systematisch vor. So finden sich zu Beginn seiner Betrachtungen über die Rechtmäßigkeit von Krieg vier theologische Argumente, die alle zu dem Schluss kommen, dass Krieg immer eine Sünde sei.2 Erstens, so Aquinas, würde mit Strafe ausschließlich der Sünde begegnet. In der Bibel würde mit Mt 26,52 jedem, der zum Schwert greift, sein ebenfalls durch ein Schwert verursachter Tod angekündigt, was Aquinas zufolge als göttliche Strafe zu verstehen ist. Zweitens sei auch alles Sünde, was dem göttlichen Gebot widerspricht. Erneut wird mit zwei angeführten Bibelstellen (Mt 5,39 und Römer 12,19) belegt, dass die Gläubigen Zuversicht auf das göttliche Gericht üben sollen, statt sich erfahrenem Unrecht aktiv zu widersetzen. Drittens sieht Aquinas im Krieg eine Verletzung der Tugend des Friedens.3 Da den Tugenden entgegengesetztes aber verboten sei, müsse dies auch auf Krieg zutreffen. Zuletzt zieht er aus dem kirchlichen Verbot der Turniere, also den Kriegsübungen, den Schluss, dass somit auch der Ernstfall, der Krieg, untersagt sei.

Im Anschluss setzt er sich mit diesen Punkten auseinander. Das erste Argument widerlegt er, indem er Augustinus zitiert. Dieser führt eine andere Bibelstelle (Lukas 3,14) an, in der Verhaltensregeln für Soldaten gegeben werden. Diese beziehen sich nicht auf das Kämpfen an sich, sondern auf deren Vergütung. Daraus schlussfolgert Aquinas, dass Kriegsdienst nicht ausnahmslos verboten sei. Gleichsam als Vertiefung und Erläuterung dieses Zitats entwickelt er im Anschluss seine Lehre eines gerechten Krieges. Bevor diese im nächsten Kapitel vorgestellt wird, soll zuerst dargestellt werden, wie er mit den verbleibenden drei Argumenten gegen einen legitimen Krieg verfährt.

Aquinas räumt ein, dass diese Gebote durchaus zu beachten seien, allerdings keine ausnahmslose Gültigkeit besäßen.4 „[U]m des Gemeinwohles und auch um des Wohles derer willen, mit denen man kämpft“, sei es gelegentlich sogar geboten zu kämpfen.5 Zur Bekräftigung wird Augustinus wiederholt zitiert. Ihm zufolge würde der Zweck die Mittel heiligen, weil „es nichts Unglückseligeres gibt als die Glückseligkeit derer, die Sünde tun[…]“.6 Auffällig ist, dass das anfängliche Argument gegen die Verteidigung im Angriffsfalle im Rahmen der Widerlegung zu dem Ergebnis der Legitimation eines quasi strafenden Angriffskrieges führt. Das dritte Argument, durch das die Untugendhaftigkeit des Krieges verurteilt wird, wird auch mit einer Zweck-Mittel-Relation entkräftet. So sei der Krieg, der den Frieden zum Zweck habe, gottgefällig und damit legitimiert.7 In Bezug auf das vierte Argument, die Praxis der verbotenen Kriegesübung im Turnier müsse ebenso verboten sein, referiert Aquinas auf die „unblutigen Kriege“ und „Vorübungen zu den Waffen“ der Vergangenheit.8 Bei diesen Akten seien Tötungen und Plünderungen keine zu erwartenden Folgen gewesen; im Gegensatz zu den Kriegsübungen der damaligen Gegenwart. Durch diese Differenzierung entkräftet er auch das letzte Argument.

Der Zweck einer Unternehmung spielt also in der thomistischen Konzeption eines gerechten Krieges eine zentrale Rolle. Kriege um des Friedens willen oder um das Seelenheil der Bekämpften zu gewährleisten verfolgen einen gerechten Zweck und werden unter diesem Gesichtspunkt legitim. Dem Tod an sich wird somit kein absolut negativer Wert beigemessen; nur den Umständen, unter denen er stattfindet, bzw. den Ursachen, auf die er zurückgeht. Das wird auch bei Augustinus überdeutlich, auf den sich Aquinas bei seinen Überlegungen zum bellum iustum häufig bezieht. Dieser schreibt in seiner Schrift Contra Faustum: „Was ist am Kriege zu tadeln? Ist es die Tatsache, dass darin Menschen getötet werden – die doch alle eines Tages sterben müssen -, damit die Sieger in Frieden leben können? Das am Kriege zu beanstanden oder zu verabscheuen, ist kleinmütig und hat mit Gottesfurcht wenig zu tun. Berechtigte Einwände gegen ihn sind die in ihm hervortretenden Gesinnungen, wie Lust zu schaden, grausame Rachgier, Unversöhnlichkeit, Vergeltungswut, Eroberungssucht.“9

Neben diesen verallgemeinerten Kriterien eines gerechten Krieges, nämlich dem gerechten Zweck und der angemessenen Gesinnung, definierte Aquinas, in seinen Ausführungen zum ersten Argument, noch weitere Voraussetzungen für einen gerechten Krieg. Nachfolgend wird diese Konzeption dargestellt.

2.2 Die drei Voraussetzungen des bellum iustum

Ein Fürst befindet sich nicht in der Lage, sein „Recht vor dem Gericht des Vorgesetzten“ zu verteidigen oder einzufordern.10 Dies ist für Thomas Aquinas ein Grund dafür, dass ein Krieg nicht von einer Privatperson veranlasst werden kann, der diese Möglichkeit hingegen offen steht. Auch stehe nur dem Fürsten frei, eine Gruppe Menschen für einen Krieg zusammenzurufen. Diesem komme die Aufgabe zu, die „öffentliche Ordnung“ zu verwalten und somit auch zu schützen.11 Aquinas führt neben zwei Bibelzitaten (Röm 13,4 und Psalm 82(81), 4), welche die göttliche Legitimation des Fürsten zum Krieg führen verdeutlichen sollen, auch eine Textstelle Augustinus’ an. In dieser bezeichnet dieser das kriegsrelevante Berechtigungsverhältnis zwischen Fürst und Volk als der Bewahrung des Friedens geschuldet.

Diese Voraussetzung des gerechten Krieges wird als auctoritas principis bezeichnet.12 Die Berechtigung zum Krieg hängt also, neben dem gerechten Zweck und der lauteren Gesinnung, noch davon ab, von wem dieser Krieg veranlasst wird.

Ein weiteres Kriterium sieht Aquinas in der Begründung des Krieges. Ohne einen gerechten Grund dürfe ein Land nicht angegriffen werden, sondern „diejenigen, die mit Krieg überzogen werden, [müssen] dies einer Schuld wegen verdienen.“13 Für ein entsprechendes, für den Krieg berechtigendes Unrecht nennt er zwei Beispiele, indem er Augustinus zitiert: Entweder wurde eine Stadt oder ein Volk nicht für Übertretungen bestraft oder etwas, das gestohlen wurde, ist nicht zurückgegeben worden.14 Auf die von Aquinas geforderten gerechten Gründe wird in der modernen Literatur mit der lateinischen Bezeichnung causa iusta, auch als gerechte Ursache übersetzt, Bezug genommen.15

Die dritte Voraussetzung eines gerechten Krieges ist für Aquinas die „rechte Absicht“ bzw. lautere Gesinnung der am Krieg beteiligten.16 Augustinus wird dazu erneut zitiert: „Bei den wahren Verehrern Gottes haben auch die Kriege Friedenscharakter bekommen […]“, wenn sie das Ziel der Sicherung des Friedens verfolgen.17 Die recta intentio18 würde korrumpiert, wenn sich „[d]ie Sucht zu schaden, die Grausamkeit des Rachedurstes, ein unversöhnter und unversöhnlicher Geist, die Wildheit des Gegenschlages, die Gier nach Macht“ oder ähnliches an Stelle der Absicht zur Vermehrung des Guten und Herbeiführung des Friedens im Krieg auswirkt.19

2.3 Ius in bello bei Thomas Aquinas

Zu dem Recht im Krieg hat sich Aquinas ebenfalls mitgeteilt. Abgesehen von der, das ius in bello betreffenden, Forderung der recta intentio, behandelt er in einem eigenen Kapitel die Frage, ob der Hinterhalt im Krieg erlaubt sei. Er kommt zu dem Ergebnis, dass ein aktiver Betrug, in Form einer Lüge, nicht akzeptabel sei.20 Dementgegen ist ein Hinterhalt, in Form der Durchführung von, vor dem Feind bewusst verborgenen Kriegsplänen, durchaus legitim.21 Das widerspricht der Auffassung Aquinas zufolge weder der Gerechtigkeit, noch der Aufrichtigkeit, denen als moralischen Forderungen auch im Krieg Folge geleistet werden müssen. Auch den Maßstab der gegenseitigen Rücksicht in Form des „Mt 7, 12 […]:Was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun.“22 sieht Aquinas durch einen Hinterhalt nicht verletzt. Er betont sogar, dass es „ein Zeichen eines ungeordneten Willens“ sei, „wenn einer wollte, es dürfe ihm von anderen nichts verheimlicht werden“.23

In gewisser Hinsicht tangiert auch die Frage nach der Berechtigung von Klerikern und Bischöfen, an Kriegen Teil zunehmen die Frage nach dem ius in bello. Da diese Frage zu stark einseitig-theologische Bedeutung hat, wird eine dahingehende Betrachtung vernachlässigt. Hingegen kann aus Aquinas’ Ausführungen zum vierten Gegenargument zum Krieg, dem kirchlichen Verbot von Kriegsübungen, abgeleitet werden, dass „Tötungen und Plünderungen“ im Krieg nicht als legitim betrachtet wurden.24 Da Tötungen im Kriegsfalle unvermeidlich sind, ist davon auszugehen, dass hier eine implizite Unterscheidung zwischen Kriegsteilnehmern und Nicht-Kombattanten erfolgt. In Verbindung mit der Forderung nach der recta intentio könnte des Weiteren eine Unterscheidung im Hinblick auf eine Verhältnismäßigkeit der Mittel vorgenommen werden. Als unverhältnismäßig, um den Frieden zu gewährleisten, dürften somit beispielsweise Vergewaltigungen, Raub oder Tötung Wehrloser gegolten haben. Aquinas zitiert Augustinus mit den Worten: „Also sollst du auch im Kriege zum Frieden wirken […].“25 Betrachtet man hingegen die von Aquinas zitierte Aussage Augustinus’, dass man die „Widerstrebenden […] mit einer gütigen Strenge strafen“ müsse, stellt sich erneut heraus, dass auch die Strafe, die in ihrer Art und Weise nicht näher definiert wird, auch jenseits der akuten Kampfhandlung eine Rolle im gerechten Krieg zu spielen scheint.

2.4 Schlussfolgerungen und Unklarheiten

Aquinas weist, teils ausdrücklich darauf hin, dass die drei Kriterien für einen gerechten Krieg nur im Verbund Gültigkeit besitzen.26 Ein Krieg kann ungerecht sein, obwohl er aufgrund eines causa iusta nach dem auctoritas principis begonnen wurde, nämlich, wenn die recta intentio nicht vorhanden ist. Auch würde die öffentliche Ordnung gestört, wenn ein Krieg begonnen würde, der nicht von einer autoritären Person befohlen wurde.27 Für Aquinas bedeutet das also nicht nur, gegen das göttliche Legitimationsrecht zu verstoßen, sondern auch den inneren Frieden zu gefährden, welcher im Zuge einer recta intentio nur verbreitet werden kann, wenn er im Ursprungsland verwirklicht ist.28 Die ‚Bösen’ in die Schranken zu weisen erfordert selbstverständlich, dass der Kriegführende mit dem Guten für das Gute kämpft und sich somit auf dem ‚rechten Weg’ befindet. Sonst würde die paradoxe Situation entstehen, dass man zur Bekehrung des Bösen selbst böse würde und der Bekehrung bedürfe. Deshalb hat Aquinas die eigentlich sündhaften Aspekte des Krieges unter genannten Umständen zu Mitteln der Verwirklichung göttlichen Willens erklärt. Er schreibt, man sei „gewissermaßen von Gott Selbst bevollmächtigt“ zu kämpfen, wenn dies von einem Fürsten oder Richter befohlen wurde und würde sich somit keiner Sünde schuldig machen.29

Ulrike Kleemeier weist darauf hin, dass der Begriff der causa iusta bei Aquinas nicht ausreichend klar konkretisiert worden sei.30 So könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass mit „gerechter Grund“ nur von tatsächlichen Rechtsverstößen oder „auch von einer moralischen Schuld im Sinne einer Sünde die Rede“ sei.31 Sollte letzteres der Fall sein, könnten den genannten gerechten Gründen beispielsweise noch der Schutz des Gemeinwohls32, der Kampf um das Seelenheil der Bekämpften, die (Wieder-)Herstellung des Friedens33 und der Schutz des Staates und seiner Bürger vor „Anschlägen der Feinde“34 hinzugefügt werden Obwohl Aquinas diese Aspekte explizit nur im Zusammenhang mit der recta intentio, und damit einem ius in bello, aufführt, werden sie im Rahmen dieser Arbeit ebenfalls als potentiell gerechte Kriegsgründe aufgefasst. Das scheint ihrer Form nach plausibel und im Hinblick auf die moderne Beurteilung der Unklarheit der Ausführungen Aquinas ebenfalls legitim.

[...]


a Im Folgenden als SVN abgekürzt.

b Die herangezogene Sekundärliteratur (Menk: Gewalt für den Frieden) ist 1992 veröffentlicht worden und berücksichtigt deswegen jüngste Entwicklungen nicht. Ihre ausführliche Darstellung der Zusammenhänge im Beobachtungszeitraum war Anlass, ihre Ergebnisse trotzdem, unter diesem Vorbehalt, in dieser Arbeit zu verwerten.


Endnoten

1 Kleemeier (2003, S.15).

2 Vgl. Aquin (1966, S.82).

3 Vgl. a.a.O., S.83

4 Vgl. a.a.O., S.86

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Vgl. Aquin (1966, S.87).

8 a.a.O., S.87.

9 Zitiert nach: Engelhardt (1980, S.77).

10 Aquin (1966, S.83f. ).

11 a.a.O., S.84.

12 Vgl. Kleemeier (2003, S.15).

13 Aquin (1966, S.84).

14 Vgl. a.a.O., S.84f.

15 Vgl. Kleemeier (2003, S.15).

16 a.a.O., S.85.

17 Zitiert nach Aquin (1966, S.85).

18 Vgl. Kleemeier (2003, S.15).

19 Aquin (1966, S.85).

20 a.a.O., S.93f.

21 a.a.O., S.94.

22 Zitiert nach Aquin (1966, S.93).

23 a.a.O., S.94.

24 Vgl. a.a.O., S.87.

25 Zitiert nach Aquin (1966, S.87).

26 Vgl. Aquin (1966, S.85).

27 Vgl. a.a.O., S.84.

28 Vgl. a.a.O., S.85.

29 a.a.O., S.86.

30 Vgl. Kleemeier (2003, S.16).

31 Ebd.

32 Vgl. Aquin (1966, S.86).

33 Vgl. a.a.O., S.87.

34 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Gerechter Krieg im Mittelalter und der Neuzeit am Beispiel der Konzeption Thomas von Aquins und der Satzung der Vereinten Nationen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Philosophie)
Veranstaltung
Philosophische Konzepte einer Theorie des gerechten Krieges
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V287160
ISBN (eBook)
9783656874324
ISBN (Buch)
9783656874331
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gerechter, krieg, mittelalter, neuzeit, beispiel, konzeption, thomas, aquins, satzung, vereinten, nationen
Arbeit zitieren
Corvin Rabenstein (Autor), 2011, Gerechter Krieg im Mittelalter und der Neuzeit am Beispiel der Konzeption Thomas von Aquins und der Satzung der Vereinten Nationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287160

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