Lerntypentheorie. Pädagogische Konsequenzen für den Lehrer


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 3,0


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Vater „der Lerntypen“

3. Definition vom Lernen
3.1 Definition von Didaktik
3.2 Definition des Wahrnehmungskanals

4. Lerntypen nach Vester
4.1 Visueller Lerntyp
4.2 Motorischer Lerntyp
4.3 Auditiver Lerntyp
4.4 Kommunikativer Lerntyp

5. Weitere Lerntypen

6. Pädagogische Konsequenzen

7. Weitere Pädagogische Möglichkeiten

8. Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Sage es mir, und Ich werde es vergessen!

Erkläre es mir, und Ich werde mich erinnern!

Lass es mich selber tun, und Ich werde verstehen!“1

Konfuzius

Motorisch, visuell, auditiv oder kommunikativ? Welcher Lerntyp bin ich? So gut wie jedem Schüler wurde schon einmal nahe gelegt einen Lerntypentest zu machen, oder er wurde eben dieser im Unterricht durchgeführt.Es sei elementar wichtig und für das effektive Lernen förderlich, nachzuvollziehen, auf welche Art Wissen am besten trans - portiert wird. Das heißt, wie man lernen möchte, wie man am besten Lernstoff aufnimmt und eben welches Lernumfeld am sinnvollsten ist. Mir wurden einige Ansätze der Lerntypentheorie bereits in der Schule vermittelt. Ich fand heraus, in welchem Lerntypus ich „zu Hause“ bin. Ich beobachtete, welche Sinnesreize und Wahrnehmungskanäle mir halfen, Gelerntes schnell und einfach zu verarbeiten sowie zu speichern. Bereits in der Grundschulpädagogik werden erste Ansätze der Lerntypentheorie vermittelt, um den Schülern aufzuzeigen, welcher Lerntypus ihnen entspricht und wie sie mithilfe der optimalen Sinnesreize und Wahr - nehmungskanäle gelerntes schnell und einfach verarbeiten und speichern können. Jedoch was passiert mit diesem gewonnen Ergebnis?

Die Lerntypentheorie besagt, man habe den besten Lernerfolg mit dem Wissen um seinen Lerntypen. Aber, ist das wirklich alles? Reicht es aus, zu wissen, ob ich lesen oder zuhören muss, oder ist es ausreichend, einen Film zu schauen? Ist dieses Ergebnis so ausschlaggebend, das ich als angehender Pädagoge den Unterricht auf allen vier Ebenen gestalten sollen, um sicherzugehen, dass jeder Lernende den Lernstoff verstanden hat? Ist es nicht wichtiger das Lernen zu strukturieren, auf Lernmethoden und Lernstrategien zurückzugreifen und für ein geeignetes Lernumfeld zu sorgen? Eben zu lernen, wie man lernt? Die Relevanz dieses Thema soll in dieser Hausarbeit näher beleuchtet werden, da es in der Praxis eine Vielzahl Dozenten zu geben scheint, welche nur einen Lerntypus bedienen, welcher sich durch zuhören und mitmachen charakterisiert.

Zuerst soll hier auf F. Vester den „Vater der Lerntypen“ und seine Sichtweise zu den Lerntypen eingegangen werden.Dieser Darstellung folgt einer Definition der Begriffe Lernen und Lehren, sowie was unter einem Wahrnehmungskanal zu verstehen ist. Daraus ableitend werden die verschiedenen Lerntypen dargestellt und beschrieben.Der Abschluss bildet einen Diskussion eventueller pädagogischer Konsequenzen und Lösungsversuche.

2. Der Vater „der Lerntypen“

Frediric Vester postulierte 1975 die vier Lerntypen und die Wahr- nehmungskanäle in seinem Buch „Denken, Lernen, Vergessen.“

In eigenen Untersuchungen stellte er seine Theorie zur Lernbiologie auf. Sie beinhaltet, dass die Eigengewohnheiten bei Menschen für die Auf- nahme, Verknüpfung und Speicherung von Informationen festgelegt seien. Vester geht davon aus, dass die meisten Lerntypen Mischformtypen sind. Wissenschaftlich sind diese Theorien umstritten, da sie nicht effektiv und fehlerhaft seien.1 Pädagogen dagegen greifen sie gerne auf. Vester war ein deutscher Biochemiker, der das vernetzte Denken populär machte. Lernen soll verstanden und nicht auswendig gelernt werden. Jeder Lerntyp wird auf seinen Sinneskanal getriggert, wodurch der Schüler die Information verstanden, verknüpft und gespeichert hat - unabhängig vom Schwierigkeitsgrad. Looß befragte im Jahr 2001 angehende Pädagogen, ob sie ihren Unter- richt nach dem Lerntypen ausrichten. Diese gaben häufig an, den Unterricht nach dem Lerntypenprinzip zu gestalten, um Schülern beim Lernen zu helfen.2

3. Definition vom Lernen

„Etymologisch ist das Wort "lernen" mit "lehren" und "List" verwandt und gehört zur Wortgruppe von "leisten", das ursprünglich "einer Spur nachgehen, nachspüren" bedeutet. "Das Wort "Lernen" geht auf die gotische Bezeichnung für "ich weiß" (lais) und das indogermanische Wort für "gehen" (lis) zurück (Wasserzieher, 1974). Im Gotischen heißt "lais" genau übersetzt "ich habe nachgespürt" und "laists" steht für "Spur".. Die Herkunft des Wortes deutet darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem man einen Weg zurücklegt und dabei zu Wissen gelangt."

Mielke (2001, S. 11)

„Significant learning takes place when the subject matter is perceived by the student as having relevance for his/her own purposes, when the individual has a goal he/she wishes to achieve and sees the material presented to him/her as relevant to the goal, learning takes place with great rapidity.“ (Rogers, 1969, p. 114)

„So gesehen ist Lernen als Erwerb von Reaktionen, Lernen als Wissenserwerb und Lernen als Wissenskonstruktion zu betrachten.“

(Klauer und Leutner, 2007 )

3.1 Definition von Didaktik

“Unter Didaktik (von griechisch:didáskein „lehren“) im weiteren Sinn versteht man Umsetzung des Lehrens und Lernens, ihre theoretische Einbettung und Reflektion. Sie ist die Grundlage zur Beschreibung, Erklärung, Durchführung und Bewertung von Lehr-Lern-Situationen. Sie liefert Modelle zur Planung, Strukturierung und Analyse von Unterricht. So kann man beispielsweise den Unterricht in fünf Momente gliedern: Ziel, Inhalt, Sozial-, Handlungs- und Prozess-Struktur.3

3.2 Definition des Wahrnehmungskanals

Der Mensch hat klassischerweise fünf Sinne, mit denen er Umwelt und ihre vielfältige Informationen wahrnimmt. Vester nennt sie Wahrnehmungs- kanäle. Zu den fünf Sinnen zählen: Sehen (optisch), Hören (akustisch), Riechen (olfaktorisch), Schmecken (gustatorisch) und Fühlen (taktil). Je nach Prägung, welche beispielsweise durch Erziehungerfolgt, kann der Mensch einem sogenannten Lerntypen zugeordnet werden. Vester macht anhand dieser Einteilung vier Lerntypen fest, die im nächsten Punkt erläutern werden sollen.

4. Lerntypen nach Vester

4.1 Visueller Lerntyp

Dieser Lerntyp lernt am besten mit Medien in visueller oder bildlicher Form.Über das beobachten und lesen kann er Informationen aufnehmen, verarbeiten und speichern. Um diesen Prozess effektiv zu unterstütze, eignet sich der Einsatz von Mind - Maps, Tabellen und Grafiken, welche zusätzlich selbständig erarbeitet werden können.

Gelesenes oder selbst Geschriebenes fundiert sich somit sehr schnell. Zuviel visueller Input kann diesen Lerntyp jedoch schnell überfordern.

4.2 Motorischer Lerntyp

Als nächstes beschreibt Vester den motorischen Lerntyp. Wichtig ist hier, dass der Unterricht praxisnah realisiert wird. Ist dieser Lerntyp unmittelbar am Geschehen beteiligt, steigt die Erfolgsquote, schnell und sicher Lernstoff festigen. Bei diesem Lerntyp entstehen Lernerinnerungen an- hand praktischer Arbeit. Rollenspiele, Gruppenarbeiten und Experimente sind hier förderliche Methoden. All dies ermöglicht ihn eigenständige Erfahrungen zu sammeln und sich die Thematik selbst zu erschließen.

4.3 Auditiver Lerntyp

Ein weiterer Lerntyp wäre der auditive Lerntyp. Dieser kann mündlich oft Wort für Wort Gehörtes wiedergeben. Er verarbeitet sehr leicht über das Ohr aufgenommene Informationen und am Wirkungsvollsten lernt dieser Lerntyp mithilfe von Lernkassetten und in Selbstgesprächen durch Immer wieder lautes Vorsagen und melodisches Singen von Texten. Sehr störend für ihn sind Nebengeräusche.

4.4 Kommunikativer Lerntyp

Beim kommunikativen Lerntyp ist sprachliche Auseinandersetzung das Zauberwort. Die Interaktion von Diskussionen und das Zusammenspiel in der Gruppe sind hier angezeigt. Dieser Lerntyp muss immer wieder an- geregt werden. Im Wandel durch Erklärungen oder Widersprechen ent- faltet sich sein kommunikative Potenzial. Effektiv sind in diesem Fall zum Beispiel: Lernen in Gruppen, Dialoge und Diskussionsrunden.

5. Weitere Lerntypen

Es werden zwei weitere Lerntypen, benannt, welche das IFLW - Institut für integrative Lerntherapie und Weiterbildung beschrieben hat. Der medienorientierte Lerntyp benötigt ausschließlich technische Mittel in Form von mediengestützten Materialien zur Aneignung von Lernstoff. Er zieht echten Nutzen aus der heutigen Technik und scheint einen Lehrer nicht mehr zu benötigen. Selbständiges und freies Lernen, mit leichten Vorgaben, reichen scheinbar aus, um das Lernen erfolgreich zu gestalten. Dieser Lerntyp entwickelt frühzeitig eine Präferenz für Computer, Medien und Social Networks.

Beim personenorientierten Lerntyp ist das Verhältnis zwischen Lernenden und Lehrenden ausschlaggebend. Es ist elementar, was für eine Bindung hier besteht. Je enger die Bindung zur Lehrkraft, desto effektiver gestaltet sich Lernergebnis. Einzelunterricht ist hier vorteilhaft, beziehungsweise das Lernen in kleinen Gruppen. Laut IFLW, haben diese Schüler oft Selbstzweifel und auch Probleme, sich in Gruppen zu integrieren.

6. Pädagogische Konsequenzen

Ist die Lerntypentheorie tatsächlich logisch?

Maike Looß beschäftigte sich 2001 mehrfach ausführlich und kritisch mit diesem Konstrukt. Sie fand ein prägnantes Beispiel dafür, was der Lern - typologie widersprach. Es ging um die Gleichung: Druck gleich Kraft durch Fläche. Das Gesetz soll hier verstanden und nicht nur auswendig gelernt werden. Maike Looß erklärt:

„Vester hingegen behauptet, dass durch dieses Beispiel die allgemeine physikalische Definition "Druck gleich Kraft durch Fläche" gelernt werden kann. Der Zusammenhang zwischen den physikalischen Größen soll verstanden bzw. "erfasst" werden. Die Definition soll also nicht einfach auswendig gelernt werden. Nach Vester kann dieser Inhalt - wie im Übrigen jeder Wissensstoff "ganz unabhängig von seinem Schwierigkeits - grad"- auf verschiedene Weise gelernt werden, entsprechend dem jeweiligen Lerntyp des Lerners. Diese Lerntypen seien biologisch de - terminiert, sagt Vester. Er unterscheidet vier Typen:

- Lerntyp 1 lernt auditiv ("durch Hören und Sprechen"),
- Lerntyp 2 lernt optisch/visuell ("durch das Auge, durch Beobachtung"),
- Lerntyp 3 lernt haptisch ("durch Anfassen und Fühlen"),
- Lerntyp 4 lernt rein durch den Intellekt.

Diese Art der Differenzierung bedarf bereits einer kritischen Analyse. So unterscheiden sich die Lerntypen 1 bis 3 durch die Art des Aufnahme - kanals (Wahrnehmungskanals) für eine Information. Der vierte Lerntyp passt logisch nicht in diese Kategorie, obwohl Vester das behauptet, wenn er schreibt: „Der Inhalt der Erklärung ist in allen vier Fällen der gleiche: Große Fläche, kleiner Druck; kleine Fläche, großer Druck. Nur jeweils über einen anderen Wahrnehmungskanal.“4

Feststellen lässt sich, das drei der Lerntypen über Wahrnehmungskanäle charakterisiert werden, während sich der Vierte auf den Verstehens - prozess bzw. Wahrnehmungsprozess bezieht. Das wirft die Frage, woher der Lernende kommunikative Typ seinen Lernstoff erhält und was die anderen Lernenden mit ihren Informationen anfangen? Looß sieht hier den logischen Fehler, denn wahrnehmen heißt nicht lernen. „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind“ (Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft).“5 Daran wird verdeutlicht, dass der audi - tive sowie optische Lerntyp eine Reihe an Lauten und Zeichen wahrnimmt und diese verarbeitet. Der haptische Lerntyp könnte gegebenenfalls nur von der Blindenschrift profitieren. So gesehen ist Lerntyp vier Voraus - setzung für alle, um die gesendeten Informationen umsetzen zu können, stellt Looß fest. Es muss nicht sein, dass die Erklärungen, die der Lehren - de abgibt immer identisch sind mit den Kanälen der Wahrnehmung. Vester selbst behauptet, die Mehrzahl der Lerntypen sei eine Mischform. Signifi- kant zu wissen ist, dass der Lernende die Daten empfängt und zunächst einmal dem keine Bedeutung beimisst. Er interpretiert sie vorerst. Schluss endlich kommt Looß zu dem Ergebnis, dass der erste und zweite Lerntyp die Formel eventuell auswendig lernt, ohne sie zu verstehen. Lerntyp drei versteht hier, aufgrund fehlender Assoziationen, nicht den Lernstoff. Die Problematik ist, wenn das „Lernen mit allen Sinnen“ das kognitive Lernen ersetzt. Nicht nur das Wahrnehmen der Informationen ist notwendig, der Prozess und das Verständnis von Informationsverarbeitung sind unab- dingbar.

Handlungsorientiertes Arbeiten? Ja, gerne! Aber woher kommen kognitive Leistungen, wie „Überlegen, Erörtern, Planen, Steuerung der Durch- führung, Bewertung der Ergebnisse“ (Bönsch 1998, S. 72). Looß zeigt noch einen weitere irreführende Aussage auf „Wegen der ungebrochenen Popularität eines - gern als wissenschaftlich gesicherter Einwand gegen eine Kritik an Lerntypen und verwandten Ansätzen - vorgebrachten Argumentes sei dieses hier ergänzend erwähnt: Nach mutmaßlich empirischen Untersuchungen (deren Quelle allerdings nicht zu ermitteln ist) behalten wir 10% von dem, was wir lesen, 20% von dem, was wir hören, 30% von dem, was wir sehen, 50% von dem, was wir hören und sehen, 70% von dem, was wir selbst sagen und 90% von dem, was wir selbst tun .“(2001, S. 8)

Es zeigt sich, dass sich bestimmte Informationen nur auswendig lernen lassen, aber sich nicht unbedingt erschließen, wie zum Beispiel das Vokabel lernen oder Mathematik. Die Analyse von Frau Looß zeigt, dass fehlerhafte Lern- und Instruktionstheorien die Effektivität des Unterrichtes möglicherweise aufheben. Des Weiteren fällt bei näherer Betrachtung auf, dass sich die Lerntypentheorie gerade in den Naturwissenschaftsfächern als ungeeignet erweist. Da heute in Lernzielkontrollen eher schnelle Wissensreproduk- tion gefragt ist, werden diese Informationen eher oberflächlich gespeich- ert. Es wird auswendig gelernt, aber nicht behalten.

7. Weitere Pädagogische Möglichkeiten

„Die "Urszene" (Terhart 2009) der Methodik ist von Platon im Dialog Menon beschrieben worden, indem Sokrates durch geschicktes Fragen einen ungebildeten Sklaven zur richtigen mathematischen Erkenntnis führt (Maieutik)...“6

Die Lerntypentheorie ist für die Grundlage und das Verständnis des Lernens unabdingbar. Um ihre Schwächen jedoch zu kompensieren, ist es erfolgversprechend, beim voranschreitenden Lehren dynamisch und flexibel auf den Lernenden einzugehen. Es gibt zurzeit keinen idealen Maßstab, wie man Informationen am sinnvollsten aufnimmt. Maike Looß (2001) erklärt am adaptiven Instruktionsmodell (vgl. Duit 1995), welche Theorien und Modell am effektivsten sein können. Es werden vier Kriterien unterschieden:

„Der Unterricht sollte ...

… Gelegenheiten für die Schüler geben, sinnvoll und selbstbestimmt zu arbeiten und unabhängig vom Lehrer und von anderen Schülern zu denken (d.h. Spielraum für eigene Wissenskonstruktion geben) … Ge- legenheit für die Schüler geben, ihr Vorwissen und ihre Vorerfahrungen mit dem neu zu Erlernenden zu verbinden (d.h. auch, den Selbst- erklärungseffekt zu beachten) … den Lernenden Möglichkeiten zur Interaktion geben, um Bedeutungen auszuhandeln und Konsens zu bilden … Gelegenheiten für die Schüler geben, Lernen als Prozess zu erfahren, der es gestattet, persönlich als schwierig empfundene Aufgaben und Probleme zu lösen (d.h. die bereichsspezifische Selbstwirksamkeit zu erhöhen, z.B. durch anforderungsgerechte Aufgaben, Entwicklung effek- tiver Lern- bzw. Problemlösestrategien).“

Wichtig sind auch Lernmethoden, wie zum Beispiel: Lernen durch Projekte (selbstorientiertes Lernen) oder entdeckendes Lernen und Lernen durch Wiederholen, aber auch, wie Looß ( 2001) beschreibt, lernen durch Nachdenken. Bei selbst geplanten und durchgeführten Experimenten kann es vorkommen, dass unzutreffende Ergebnisse ans Tageslicht kommen. Hier liegt der Fehler, jedoch aber in den falschen Schlussfolgerungen oder am falschen Verständnis, jedoch nicht daran, dass die Wahrnehmungs- kanäle nicht adäquat waren. Nicht zu vergessen ist das Situiertes lernen.

Die Lernenden sollen Probleme durch verschiedene Perspektiven erkennen und alle erlernten Strategien zur Problemlösung abrufen können. Der Lernende muss das konstruierte Wissen sollte eingesetzt und Wissensinhalte verknüpft werden. Diese Methoden und Strategien zeigen auf, wie der Lernende kombinieren kann, Erlerntes abruft und Handlungspläne erstellt. Kompetenzentwicklung ist nicht Inhalt der Lerntypentheorie. Entscheidend ist außerdem die Qualität und Wirk- samkeit des Handelns im Unterricht durch den Lehrenden, dessen Eingreifen in Lernprozesse, die Vermittlung geeigneter Lernstrategien und die Analyse und das Erklären von Unterrichtsstoff. Der Lehrende sollte für ein vertrauensvolles, auf Fairness beruhendes, respektvolles Klassen- klima sorgen. Er kann den Lernenden untereinander Interaktion ermöglichen, ihnen verständlich machen, dass Lernen ein Prozess ist, insbesondere bei Misserfolgen. Auch soll sich der Schüler unabhängig von anderen Lernenden und Lehrern eigene Wissenskonstruktionen erarbeiten und Vorwissen und neu Erlerntes verknüpfen.

Pädagogen sollten daher entsprechend ihrer Qualifikation den Unterricht nach didaktischen und methodischen Theorien planen und umsetzen. Dabei ist es notwendig, das sie sich emphatisch auf die jeweilige Situation und die Lernenden einstellen können Der neuseeländische Pädagoge John Hattie zeigt in seiner Publikation „Visible Learning for Teachers - Maximizing Impact on Learning“, zusammengefasst aus dem englischen von Dieter Höfer & Ulrich Steffens,7 Methoden und Konzepte zur Unterrichtsgestaltung, Durchführung und Reflexion auf.

Laut Hattie (2012) sollten Lehrer „(1) vielfältige Wege des Verstehens und

(2) vielfältige Formen des Interagierens zu vermitteln und dabei zugleich

(3) vielfältige Gelegenheiten zum Handeln zu eröffnen. Hinsichtlich der Verstehenswege erweist es sich als besonders bedeut- sam, dass die kognitive Flexibilität - ein wesentliches Entwicklungsziel für guten Unterricht - mit der Vielfalt von Perspektiven, Fakten, Fähigkeiten, Vorgehensweisen und tiefgreifenden konzeptuellen Prinzipien erkennbar zunimmt .(S. 101)“ ( Höffer und Steffens 2012)

Hattie schreibt (2012) „Zu einem erfolgreichen Lernen gehören neben den Inhalten, Themen und Konzepten des Unterrichts immer auch die Veranschaulichung durch einprägsame Beispiele und vielfältige Gelegenheiten zum Üben sowie das Behalten fördernde Paraphrasier- ungen und Wiederholungen. Beim jedem Lernen kommen auch Fehler vor. Wichtig ist es für die Lernenden, hierzu zeitnah ein konstruktives Feedback zu erhalten, um die Fehlerursache zu verstehen und den Fehler selbst künftig zu vermeiden. (S. 102)“( Höffer und Steffens 2012)

„Hattie (2012 S. 13) hebt drei Grundsätze besonders hervor: 1) Zum Lernen neuer Inhalte muss die Bedeutung des vorherigen Wissens erkannt werden. 2) Das Neue muss mit dem Vorhandenen stabil verbunden werde, sodass konzeptuelles Verstehen entsteht. 3) Es geht darum, ein Denken über das Denken zu verankern und zu nutzen: Solche Formen der metakognitiven Reflexion bilden die Grundlage einer gelingen- den Selbstregulation im Zuge von Lernprozessen. (S. 102)“( Höffer und Steffens 2012)

8. Zusammenfassung

Alles in allem ist zu sagen , dass sich eine Versteifung auf die Lerntypen oder »Lernen mit allen Sinnen«, »ganzheitliches Lernen« und »handlungs- orientiertes Lernen« nicht effektiv auf das Lehren und auf das Lernen auswirkt. Wie ich bereits in Punkt sieben erläutert wurde. Ganz außer Acht lassen sollte man sie aber auch nicht, da in den oben genannten Methoden die soziale Kompetenz geschult werden kann. Lernen soll auch Spaß machen und Entdeckung sein, dem sollte man Platz gewähren. Sicherlich ist das nicht kontinuierlich möglich, da Lernen harte Arbeit ist (Hattie, 2012). Frau Looß sieht dieses Thema sehr kritisch, da die Tra- dition des kognitiven Lernens vergessen oder neuerdings verschmäht wird. Die „neuen Didaktiker“ nutzen eher die praxisorientierten Konzepte. Wichtig ist, was auch Hattie (2012) betont, die Voraussetzung zur bewussten Lernpraxis und Konzentration. Dabei sollten Lehrende und lernende in der Lage sein sich und ihr Handeln selbst zu reflektieren.

Wir behalten von unseren Studien am Ende doch nur das, was wir praktisch anwenden.8

9. Literaturverzeichnis

Bönsch, Manfred 1998: Handlungsorientierung. In: Haarmann, Dieter 1998, S. 72-77 Duit, Reinders 1995: Zur Rolle der konstruk- tivistischen Sichtweise in der naturwissenschaftsdidaktischen Lehr- und Lernforschung. In: Zeitschrift für Pädagogik. 41, 1995, 6,S. 905 - 925

Falk Frühbrodt, Christine - Lerntypen II http://www.iflw.de/wissen/lerntypen III.htm (letzter zugriff: 6.12.`14)

Höfer,D & Steffens U. (2012).„ Visible Learning for Teachers - Maximizing impact on learning ” - Zusammenfassung der praxisorientierten Konsequenzen aus der Forschungsbilanz von John Hattie „Visible Learning”

Looß, Maike (2001). Lerntypen? Ein pädagogisches Konstrukt auf dem Prüfstein. (Dieser Beitrag erschien in: Die Deutsche Schule, 93 (2001) 2, 186-198)

Looß, Maike (1997). „ Man lernt, was Schmerz ist “ - Kritische Anmerkungen zu Frederic Vesters Lerntypentheorie. In: PädForum. Februar 1997, S. 17-21

Mielke, Royemarie (2001, 11) - http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/ Lerndefinitionen. shtml [werner stangl]s arbeitsblätter (letzter zugriff: 6.12.`14)

Rogers, Carl R.Freedom to Learn: A View of What Education Might Become. Columbus, Ohio: Charles E. Merrill Publishing Com - pany, 1969.

Weidemann,B: (1995). Multicodierung und Multimodalität im Lernprozess, in Information und Lernen mit Multimedia im Text, 1995, Seite 53

Vester, Frederic (1998). Denken, Lernen, Vergessen. 25. Auflage, München: dtv

Zimring,Fred-2000 - http://www.ibe.unesco.org/publications/ ThinkersPdf/rogerse.PDF (letzter zugriff: 6.12.`14)

http://www.dudendidactica.de/index.phpoption=com_content&view=article &id=5 4:didaktik-und-methodik&Itemid=76 (letzter zugriff: 6.12.`14)

https://www.uni-due.de/edit/lp/common/lernen.htm(letzter zugriff: 6.12.`14)

http://www.kegel-trainer.de/index.php/ddm-methoden-0?showall=&start=8 (letzter zugriff: 6.12.`14)

http://www.degruyter.com/view/j/kant.2005.96.issue2/kant.2005.96.2.135/k ant.2005.96.2.135.xml (letzter zugriff: 6.12.`14)

Johann Wolfgang von Goethe- http://www.aphorismen.de/suche?f_thema=Lernen (letzter zugriff: 6.12.`14)

[...]


1 https://www.uni-due.de/edit/lp/common/lernen.htm

1 Looß, Maike (2001). Lerntypen? Ein pädagogisches Konstrukt auf dem Prüfstein.

2 Looß, Maike (2001). Lerntypen? Ein pädagogisches Konstrukt auf dem Prüfstein.

3 http://www.duden-didactica.de/index.php?option=com_content&view=article&id=54:didaktik- und-methodik&Itemid=76

4 Looß, Maike (2001). Lerntypen? Ein pädagogisches Konstrukt auf dem Prüfstein.

5 http://www.degruyter.com/view/j/kant.2005.96.issue2/kant.2005.96.2.135/kant.2005.96.2.135.xml

6 http://www.kegel-trainer.de/index.php/ddm-methoden-0?showall=&start=8

7 Höfer,D & Steffens, U. (2012).„Visible Learning for Teachers - Maximizing impact on learning

8 http://www.aphorismen.de/suche?f_thema=Lernen Johann Wolfgang von Goethe

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Details

Titel
Lerntypentheorie. Pädagogische Konsequenzen für den Lehrer
Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin
Note
3,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V288461
ISBN (Buch)
9783656886655
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lerntypentheorie, pädagogische, konsequenzen, lehrer
Arbeit zitieren
Anett Friedrich (Autor), 2014, Lerntypentheorie. Pädagogische Konsequenzen für den Lehrer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288461

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