Einführung eines Mindestlohnes. Eine kritische Analyse möglicher ökonomischer Auswirkungen


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2. Ziele
1.3. Aufbau

2 Definitionen und Abgrenzungen

3 Darstellung von Bewertungen
3.1 Die neoklassische Theorie
3.2. Das Monopsonmodell
3.3. Theoretische Ansätze mit dynamischer Komponente

4 Mindestlohnforschung
4.1. Vorgehensweise
4.2. Aktuelle Ergebnisse.

Schluss

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Lohn-Beschäftigungs-Diagramm (vollkommene Konkurrenz)

Abbildung 2: Lohn-Beschäftigungs-Diagramm (Monopsonmodell)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

1 Einleitung

1.1 Problemdarstellung

Die Ansicht, dass eine Vollzeiterwerbstätigkeit vor Armut schützen sollte, ist heutzutage in die westlichen Gesellschaften durch die meisten geteilt. Wenn dieser gewünschte Zustand nicht gewährleistet ist, wird ein flächendeckender Mindestlohn gefordert, vor allem durch die Gewerkschaften.1 Die meisten Ökonomen lehnen aber gesetzliche Mindestlöhne noch ab2 und sind wie Stigler (bereit 1946) der Ansicht, dass Mindestlöhne nur Arbeitslosigkeit verursachen, und dass es bessere Mitteln gibt, um Armut zu bekämpfen.3 Jedoch gilt die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns zusammen mit begleitenden Maßnahmen im vereinigten Königreich als positive Erfahrung.4 Dies ist ein Grund dafür, dass die möglichen ökonomischen Auswirkungen von Mindestlöhnen noch höchst umstritten sind.

1.2. Ziele

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die möglichen ökonomischen Auswirkungen der Einführung eines Mindestlohns kritisch zu analysieren. Dafür muss zuerst erläutert werden, was man unter einem Mindestlohn versteht und welche Grundannahmen vorausgesetzt sind. Um die möglichen ökonomischen Auswirkungen der Einführung eines Mindestlohns zu analysieren, kommen verschiedene theoretische Bewertungen in Frage. Die Bewertungen, die am häufigsten von den Ökonomen vertreten werden, werden hier dargestellt und anschließend evaluiert. Um dieses Ziel zu erreichen, wird untersucht, welche Ergebnisse die empirischen Studien bisher hervor gebracht haben.

1.3. Aufbau

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird der Begriff Mindestlohn erörtert und die Problematik abgegrenzt, um die Rahmenbedingungen dieser Arbeit zu definieren. Anschließend werden im dritten Teil verschiedene ökonomische Bewertungen über die Einführung eines Mindestlohns dargestellt. Abschließend wird im vierten Teil versucht, diese Bewertungen dank empirischen Studien zu bewerten.

2 Definitionen und Abgrenzungen

Diese Arbeit wird auf ökonomische Auswirkungen innerhalb einer sozialen Marktwirtschaft ab dem zwanzigsten Jahrhundert begrenzt.

Unter Mindestlohn versteht man einen bindenden Lohn, der von den Arbeitgebern nicht unterschritten werden darf. Ein Mindestlohn kann per Gesetz oder durch tarifvertragliche Regelung eingeführt werden. Ein Mindestlohn soll Arbeitnehmer gegen Ausbeutung durch die Arbeitgeber und ferner gegen Armut schützen.5

3 Darstellung von Bewertungen

3.1 Die neoklassische Theorie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Lohn-Beschäftigungs-Diagramm (vollkommene Konkurrenz)

Die Neoklassische Theorie stützt sich auf das Modell der vollkommenen Konkurrenz. Die Bedingungen für eine vollkommene Konkurrenz könnten über mehrere Seiten detailliert dargestellt werden. Zusammengefasst: alles, was das Marktgleichgewicht stören könnte, wird hier pauschal ausgeschlossen, oder als vernachlässigbar bewertet. Relevant für die neoklassische Theorie ist, dass ein Gleichgewichtslohn über den Marktmechanismus erreicht wird, und dass Änderungen an dieser ausgeglichenen Situation nur kurzfristig auftreten können. Demzufolge ist jeder Markteingriff zu vermeiden. Aus dieser Vorstellung lassen sich zwei verschiedene Fälle bzgl. eines Mindestlohns ableiten.

Entweder der Mindestlohn ist gleich oder kleiner als der Gleichgewichtslohn und hat gar keine Wirkung, oder er ist höher als der Gleichgewichtslohn und verursacht unfreiwillige Arbeitslosigkeit, denn weder die Arbeitgeber, noch die Arbeitnehmer können die Produktivität steigern, um die zusätzlichen Lohnkosten abzudecken. Auf dem Arbeitsmarkt würde dieser Angebotsüberhang langfristig bestehen. Unfreiwillig Arbeitslose könnten in die Schwarzarbeit oder Scheinselbständigkeit abwandern. Weniger würden arbeiten, dafür jedoch für einen etwas höheren Lohn. In der Summe, würde die Gesamtnachfrage bestenfalls gleich bleiben, wahrscheinlich würde sie aber sinken.6

Kritiker der Neoklassischen Theorie beziehen sich auf die Vielzahl von Annahmen und Vereinfachungen des Modelles der vollkommenen Konkurrenz und argumentieren, dass diese Bedingungen so gut wie nie eintreffen würden.7 Ferner sei dieses Modell zu rigide, weil die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und Mitarbeiter nicht berücksichtigt werde. Auch wird diesem Modell Subjektivität vorgeworfen, denn es wäre entworfen worden, um bestimmte politische Interessen zu unterstützen.8

Nachdem die vollkommene Konkurrenz als Modell für die Bewertung eines Mindestlohns in Betracht gezogen worden ist, wird das Gegenteil als Grundannahme berücksichtigt. 9

3.2. Das Monopsonmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 2: Lohn-Beschäftigungs-Diagramm (Monopsonmodell)

Das Monopsonmodell geht davon aus, dass es einen einzigen Arbeitgeber auf den Arbeitsmarkt gibt. Logischerweise kann dieser einzige Arbeitgeber hier keine Arbeitskräfte von der Konkurrenz abwerben, was bedeutet, dass er höhere Löhne anbieten muss, wenn er mehr Mitarbeiter einstellen möchte. Dazu muss der Arbeitgeber allen Mitarbeitern dasselbe Lohnniveau gewähren und muss daher die Löhne von seinem bisherigen Personal erhöhen, wenn er zusätzliche Mitarbeiter einstellt.10 Im Endeffekt kann der Arbeitgeber das Lohnniveau auf dem Arbeitsmarkt über die Anzahl von Beschäftigten bestimmen.

Als Folge nutzt der Arbeitgeber diese Machtposition aus, um seine Gewinne zu maximieren. Dafür wählt er die Anzahl von Beschäftigten so aus, dass die Grenzkosten der Arbeitskräfte dem Wert des Grenzprodukts entsprechen.11 Anders formuliert: der Arbeitgeber bestellt zusätzliche Arbeitskräfte, solange die zusätzlichen Gewinne höher sind als die zusätzlichen Kosten. Der damit entstehende Lohn wird als „Dumping-Lohn des Monopsons“ beschrieben.12 Ein Mindestlohn könnte die richtige Maßnahme sein, um diese Machtposition auszugleichen.

Aber ein Mindestlohn kann hier wirkungslos sein, wenn dieser niedrieger ist als der Dumping-Lohn des Monopsons.13 Wirkungsvoller wäre es, wenn der Mindestlohn über den Dumping-Lohn des Monopsons, aber unter dem Schnittpunkt der Grenzkosten mit der Arbeitsnachfragekurve angesetzt wäre. In diesem Fall würde dieser Mindestlohn greifen, und der Arbeitgeber könnte nur noch entscheiden über die Anzahl der Mitarbeiter, die er zu diesem Lohn beschäftigen würde. Die Beschäftigung wäre dann angebotsdeterminiert und höher als beim Dumping-Lohn des Monopsons. Unfreiwillige Arbeitslosigkeit würde hier nicht eintreffen.14

Die Beschäftigung wäre am höchsten, wenn der Mindestlohn dem Marktgleichgewichtslohn bei vollkommener Konkurrenz gleichen würde. Unfreiwillige Arbeitslosigkeit würde auch hier nicht eintreten.15

Steigt der Mindestlohn über diesen optimalen Wert, dann ist das Arbeitsmarktergebnis nachfragedeterminiert. Es entsteht ein Überhang an Arbeitsangebot, was unfreiwillige Arbeitslosigkeit bedeutet. Aber solange sich der Mindestlohn unter dem Schnittpunkt der Grenzkosten mit der Arbeitsnachfragekurve befindet, sind Beschäftigungsanzahl und Lohnniveau höher als ohne Mindestlohn.16

Allerdings ist der Effekt eines Mindestlohns auf die Beschäftigung negativ, wenn dieser höher als der Schnittpunkt der Grenzkosten mit der Arbeitsnachfrage angesetzt ist.17

An dieser Stelle kann festgehalten werden, dass im Monopsonfall ein Mindestlohn eindeutig positive Effekte auf die Beschäftigung haben kann.18 Jedoch gilt, dass Arbeitsmärkte mit Nachfragemonopol selten sind.19

Das Monopsonmodell hat aber an Bedeutung zugenommen, weil manche Ökonomen meinen, dass dieses Modell die Realität eher entspricht als das Modell der vollkommenen Konkurrenz. Der Vorteil des Monopsonmodells sei, dass es eine Machtposition der Arbeitgeber berücksichtigt. Diese Machtposition -trotz einer Vielzahl von potenziellen Arbeitgebern- wäre durch verschiedene Friktionen am Arbeitsmarkt zu erklären.20

Das Modell der vollkommenen Konkurrenz und das Monopsonmodell könnten als zu statisch beschrieben werden. Beide Modell berücksichtigen weder das Änderungspotenzial von Arbeitnehmern, Unternehmen und staatlichen Institutionen, noch die Beziehung des Arbeitsmarkts mit den anderen Märkten.21 Nun werden theoretische Ansätze, die eine dynamische Komponente berücksichtigen, untersucht.

3.3. Theoretische Ansätze mit dynamischer Komponente

Die Gewinntheorie der Löhne bewertet Löhne, wie alle anderen Kosten, als Gewinnverhinderung. Nach dieser Theorie sollten Löhne so niedrig wie möglich bleiben, damit die Unternehmen mehr Geld zu Verfügung haben, um zu investieren und um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Dementsprechend lehnt die Gewinntheorie der Löhne einen Mindestlohn ab, und fördert sogar Löhne unterhalb ihres Marktgleichgewicht-Wertes. Kritiker argumentieren, dass dies Deflation verursachen und Arbeitsplätze zerstören würde.22

Im Gegensatz zur Gewinntheorie der Löhne betont die Kaufkrafttheorie, dass Löhne stärker als die Produktivität steigen sollten. Durch zusätzliche Kaufkraft würden zusätzlicher Konsum und damit zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Die Kaufkrafttheorie spricht also für einen möglichst hohen Mindestlohn. Aber diese Theorie gilt bei ihren Kritikern als genauso einseitig wie die Gewinntheorie (sie wäre allerdings nicht Arbeitsnachfrage- sondern -angebots orientiert). Mit Löhnen über ihrem Marktgleichgewicht-Wert würde Inflation auftreten und das Preisniveau entsprechend steigen. Dies hätte letztendlich negative Ergebnisse.23

Im Unterschied zu dem Modell der vollkommenen Konkurrenz betrachten die Suchtheorien den Arbeitsmarkt als nicht vollkommen transparent, sondern stützen sich auf Transaktionskostenrechnungen. Diese Transaktionskosten berücksichtigen Rekrutierungskosten, Einarbeitungskosten, Abfindungen… usw. auf der Arbeitgeberseite, und Suchkosten, Bewerbungskosten, Umzugskosten…usw. auf der Arbeitnehmerseite. Je höher diese Transaktionskosten sind, desto mehr investieren die Unternehmen, um ihre Mitarbeiter zu behalten, und desto länger bleiben die Arbeitnehmer in ihrem Unternehmen. Ein Mindestlohn könnte diese Transaktionskosten so beeinflussen, dass die Produktivität von allen Arbeitsmarktteilnehmern erhöht würde, und dies hätte eindeutig positive Wirkungen auf die Beschäftigung.24

[...]


1 DGB (2012), S.16-17

2 Vgl. Henneberger/Haug (2010), S. 2

3 Stigler (1946), S. 1

4 Lesch/Mayer/Schmidt (2014), S. 12

5 Gabler Wirtschatfslexikon

6 Henneberger/Haug (2010), S.16

7 Ragacs (2002), S.7 u. Bosch/Weinkopf (2014), S. 18

8 Ragacs (2002), S.7

9 Vgl. Henneberger/Haug (2010), S. 17

10 Vgl. Henneberger/Haug (2010), S. 20 u. Bosch/Weinkopf (2014), S. 18

11 Henneberger/Haug (2010), S.20

12 Henneberger/Haug (2010), S. 22

13 Henneberger/Haug (2010), S. 23-24; vgl. OECD (1998); S.47-48

14 Henneberger/Haug (2010), S. 24

15 Vgl. Henneberger/Haug (2010), S. 25

16 OECD (1998), S. 48

17 S.23; Bosch/Weinkopf (2014), S.18; Stigler (1946), S.60

18 Ragacs (2002), S.14; Henneberger/Haug (2010), S. 32; Bosch/Weinkopf (2014), S.18

19 Vgl. Manning (2003), S.11 ff.

20 Vgl. Bosch/Weinkopf (2014), S.18-19

21 Vgl. Flassbeck/Spiecker (2006)

22 Vgl. Flassbeck/Spiecker (2006)

23 Vgl. Flinn (2006), S. 1060

24 Vgl. Bosch/Weinkopf (2014), S.20

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Einführung eines Mindestlohnes. Eine kritische Analyse möglicher ökonomischer Auswirkungen
Note
1,0
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V294406
ISBN (eBook)
9783656921721
ISBN (Buch)
9783656921738
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mindestlohn, Ökonomie
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Einführung eines Mindestlohnes. Eine kritische Analyse möglicher ökonomischer Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294406

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Einführung eines Mindestlohnes. Eine kritische Analyse möglicher ökonomischer Auswirkungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden