Das Wiccatum. Eine Einführung in die heutige Religion der Hexen und ihre Entstehung


Seminararbeit, 2013

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Der Ursprung des Wiccatums

3. Organisation
3.1. Der Coven - Der Hexenzirkel
3.2. Die Initiation
3.3. Das Buch der Schatten

4. Kultausübung
4.1. Glaubensinhalte
4.2. Göttin und Gott
4.3. Die Rituale
4.3.1. Der Kreis
4.3.2. Die rituelle Nacktheit
4.4. Werkzeuge und Utensilien
4.5. Der Jahreszyklus
4.6. Die vier Elemente und die Elementale
4.7. Die unterschiedlichen Traditionen des Wiccatums
4.8. Typologie
4.8.1. Priester und Priesterin
4.8.2. Feministin und Feminist
4.8.3 Florane Hexen und florane Hexer

5. Das Wiccatum in der Gesellschaft

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Unter dem Begriff ''Wiccatum'' können sich die meisten Menschen wahrscheinlich nicht sehr viel vorstellen. In gängigen Nachschlagewerken ist der Begriff ''Wicca'' nicht zu finden, jedoch findet man unter dem Begriff ''witch'' einen Zusammenhang mit ''Wicca'', denn Wicca ist die Religion der Hexen. (vgl. Fischer 2007, 54) Der Begriff ''Hexe'' ist in der heutigen Gesellschaft eher mit negativen Konnotationen versehen und von Stereotypen geprägt. Wenn jemand behauptet, er sei eine Hexe, wird er in den meisten Fällen nicht ernst genommen. Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, fernab aller Stereotype, die Kultausübung der Wiccaner darzustellen und einen Gesamtüberblick über das Wiccatum zu geben.

Das Wiccatum ist die weltweit führende Religion im Neuheidentum1 und wird auch ''Alte Religion'' genannt, da es eine pagane2 Naturreligion ist, die ihre Ursprünge in der Altsteinzeit hat. Die Anhänger schließen sich im Normalfall in einem Hexenzirkel, dem Coven zusammen, in dem sie Rituale und magische Arbeiten verrichten. Dualismus spielt für sie eine wichtige Rolle, was sich in der Verehrung der beiden Götter, Dreifache Göttin und Zweifacher Gott, widerspiegelt. Sie feiern die acht Jahreskreisfeste, deren Zyklus sich grösstenteils am Mondlauf orientiert. Ihr wichtigster Leitsatz lautet: ''Tue was du willst, solange du niemandem schadest.''

Das Thema dieser Arbeit ist ein relativ zeitnahes und aktuelles Thema, da die Anfänge des ''modernen'' Wiccatums in den 1940er bis 1950er Jahren liegen und es mittlerweile zu den mitgliederreichsten paganen Gruppierungen gehört. (vgl. ebd. 97f.) Mit dieser Arbeit ''Das Wiccatum - Eine Einführung'' kann aufgrund der vorgegebenen Länge nur ein Überblick über die Religion und Kultausübung der Wiccaner gegeben werden und leider nicht in die Tiefe der Religion eingegangen werden. Fragen nach der Herkunft des Wiccatums, Glaubensinhalten und der gesellschaftlichen Stellung werden in dieser Arbeit beantwortet.

Zunächst wird ein Überblick über die geschichtliche Herkunft des Wiccatums gegeben. Danach wird die Organisation des Wiccatums erläutert und das System des Covens erklärt. Die Initiation, die nötig ist um in einen Coven aufgenommen zu werden folgt im darauffolgenden Kapitel. Anschließend wird auf das ''Book of Shadows'' eingegangen, welches bei der Initiation überreicht wird. Der nun folgende Hauptteil widmet sich der Kultausübung des Wiccatums. Eine Erläuterung der Glaubensinhalte, des Gottes und der Göttin, der Rituale, bei welchen diese Gottheiten verehrt werden, der Werkzeuge, die bei den Ritualen verwendet werden, der Feste und Feiertage, die die Rituale beinhalten, der Elemente die bei den Ritualen eine wichtige Rolle spielen und der unterschiedlichen Wicca -Traditionen und -Typen ist in ihm zu finden. Zum Schluss folgt eine Betrachtung des Wiccatums in der Gesellschaft, die auf Interviews von Wiccanern gestützt ist, in denen sie aus ihrem Alltagsleben und Erfahrungsschatz berichten. Es wird dargestellt, wie die Gesellschaft auf Wiccaner reagiert und umgekehrt, wie sich die Wiccaner in der Gesellschaft verhalten.

2. Der Ursprung des Wiccatums

Eine eindeutige Bestimmung des Ursprungs des Wiccatums ist nicht möglich, Forscher und Wiccaner sind sich darüber immer noch nicht einig und viele Vermutungen und Ansichten sind noch nicht belegt. Es gibt jedoch einige Fakten, die in diesem Kapitel dargelegt werden, die die bekanntesten Theorien zum Ursprung des Wiccatums untermauern.

1921 wurde das Buch ''The Witch-Cult in Western Europe'' von der Anthropologin Margaret Murray veröffentlicht, in welchem sie behauptet, dass die ''Alte Religion'' aus dem Paläolithikum (Altsteinzeit) stamme und die Urreligion, ein Fruchtbarkeitskult des europäischen Kontinents sei. (vgl. Fischer 2007, 60) Die frühesten Vorstellungen über den Gott und die Göttin stammen aus dem Paläolithikum. Diese Art der Göttervorstellungen sind im Gedankengut des heutigen Wiccatums zu finden. (vgl. Crowley 1998, 22) Nach diesen Ansichten hätte das Wiccatum schon vor dem Christentum bestanden und wäre durch die Christianisierung in der Öffentlichkeit untergegangen. Es lebte jedoch in Form des Wissens und der Bräuche in den Menschen weiter und man kann es als eine Art ''kollektives Gedächtnis / Unterbewusstsein'' betrachten. (vgl. Fischer 2007, 60f.)

Gerald Brousseau Gardner wird als ''Wiederentdecker'' des modernen Hexenkults bezeichnet. (vgl. ebd., 61) Er ist sehr wahrscheinlich der Gründer und der Schöpfer des Wicca. Selbst bezeichnet er sich gerne als ''Reanimateur eines uralten Hexenkults''. (vgl. Neger 2009, 68f.) Er wurde 1884 geboren und lebte auf Malaysia, in den englischen Kolonien. Durch sein privates Interesse an Archäologie, Anthropologie und Ethnologie kam er in Kontakt mit okkulten, magischen Bewegungen und Religionen. Gardner kehrte mit 52 Jahren, im Jahre 1939 nach England, New Forest zurück. Er trat dem ''Rosicrucian Theatre at Christchurch'' in Hampshire bei, durch welches er ''Old Dorothy'' kennenlernte, die eine Hexe in einem Coven war, der sich der ''Alten Religion'' vermacht hatte. Gardner wurde im Jahre 1939 von ihr initiiert und blieb bis in die späten 1940er Jahre in diesem Coven. 1946 besuchte er Aleister Crowley (englischer Okkultist) und wurde in den ''Ordo Templi Orientis'' initiiert. Von ihm stammt der Leitsatz des Wiccatums ''Tue, was du willst, sei das ganze Gesetz.'' 1949 veröffentlichte Gardner unter seinem Hexennamen ''Scire'' seinen ersten, fiktiven Roman ''High Magic's Aid'', mit dem Ziel die Menschen über das Überleben der paganen Hexenkunst aufzuklären. Sein zweites Buch ''Witchcraft Today'', das im Jahre 1954 veröffentlicht wurde, enthält das Wissen der Hexen und brachte dieses an die Öffentlichkeit. Dies war ihm möglich, da 1951 der ''Witchcraft Act'' in England, der Hexerei und Wahrsagerei unter Strafe stellte, aufgehoben wurde. Margaret Murrays These, das Wiccatum entstamme der frühgeschichtlichen Zeit Europas, war sehr ausschlaggebend für Gardner und er orientierte sich an ihr. (vgl. Fischer 2007, 61-63) In den 60er Jahren kam es dann auch zu Veröffentlichungen von Gardner's Schülerinnen, wie zum Beispiel von Doreen Valiente und Patricia Crowther. (vgl. Wichmann 1990, 23) Gardner wurde zum ''Vater der neuen Hexenbewegung'' und durch die CovenNeugründungen seiner Schüler verbreitete sich das Wiccatum. (vgl. Fischer 2007, 63) So entstanden auch die beiden Hauptrichtungen, Gardnerian-Wicca und Alexandrian-Wicca1.(vgl. Crowley 1998, 21) Er entwickelte Rituale und Tradition und übertrug diese in das Buch der Schatten (Book of Shadows)2.

Ob Gardner nun wirklich dem oben genannten Coven, dem ''New Forrest Coven'' begegnete und von ''Old Dorothy'' Clutterbuck in ihn initiiert wurde, ist nicht bewiesen. Bewiesen ist es jedoch, dass Clutterbuck existierte und mit Gardner in Verbindung stand und dass Gardner seinen eigenen Coven gründete, aus dessen Hohepriesterinnen weitere Coven durch deren Neugründungen entstanden und der Hexenkult somit über Europa und die USA verbreitet wurde. Die wichtigsten Hohepriesterinnen aus Gardner's erstem Coven sind: Doreen Valiente, Eleanor (Rae) Bone, Madge Worthington, Patricia Crowther und Monique Wilson.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Gardner unabhängig von seinen Quellen, für die ''Wiederentdeckung'' des Hexenkults verantwortlich ist. Durch ihn wurde dem Hexenkult der Weg in die Öffentlichkeit bereitet, ''[…] ohne den das Wiccatum heute sicher keine solchen Ausformungen und Ausdehnungen erhalten hätte.'' (vgl. Fischer 2007, 63f.)

3. Organisation

Im folgenden Kapitel wird die Organisationweise des Wiccatums in Coven beschrieben und die Initiation zum Thema gemacht, welche nötig ist um in einen Coven aufgenommen zu werden. Außerdem wird es um das ''Buch der Schatten'' gehen, welches bei der Initiation überreicht wird.

3.1. Der Coven - Der Hexenzirkel

Ein Coven, auch Hexenzirkel genannt, ist die Versammlung von traditionell 13 Hexen. Fischer leitet das Wort vom lateinischen ''convenire'' ab, was ''sich einfinden'' und ''zusammenkommen'' bedeutet, da der Sinn des Covens in der Gemeinschaft besteht. Die Zahl 13 ist für den magischen Ablauf essentiell, da eine höhere Mitgliederzahl diesen beeinträchtigen würde. Dennoch besteht ein Coven oftmals aus weniger als 13 Mitgliedern. (vgl. Fischer 2007, 73f.) Als ''praktikables Minimum'' wird die Anzahl von 4 Mitgliedern gesehen. (Neger 2009, 82) Die meisten Coven dienen als Ausbildungszirkel, in welchen Arbeitsgemeinschaften bestehend aus einem männlichen und einem weiblichen Teil zu finden sind, welche die Polarität1 herstellen. (vgl. Fischer 2007, 73f.) Die Struktur des Covens geht eindeutig auf den Wicca-Begründer Gerald B. Gardner zurück. (vgl. Neger 2009, 82)

Der Coven dient den Wiccanern als Familienersatz, der Mitglieder aus mehreren Generationen beinhaltet die in engem, sozialem Kontakt stehen und der seine eigene Sprache und Wissen besitzt. Fischer sieht die Funktion des Familienersatzes als die bedeutsamste Rolle des Covens an. Ursprünglich war der Coven eine hierarchisch geführte Gruppe von Wiccanern und diente nicht als Familienersatz. Es gab eine Hohepriesterin, welche den Coven gemeinsam mit dem Hohepriester leitete und das Recht des letzten Wortes besaß. Dafür musste sie auf Verlangen der Mitglieder die Gesetze der Hexenkunst befolgen. (vgl. Fischer 2007., 74)

Diese Form findet sich hauptsächlich bei den British Traditional Wicca, bei welchen die Hohepriesterin als Stimme der Göttin fungiert und die Göttin durch die Hohepriesterin die Aktivitäten des Covens lenkt. Die Hohepriesterin und der Hohepriester werden für ein Jahr und einen Tag gewählt, um sich in dieser Zeit zu bewähren. (vgl. ebd., 74)

Durch Raymond Buckland2, welcher die Extension des Wiccatums erleichtern und regeln wollte, kam es zur Demokratisierung und Abwendung der Gradesysteme und dem Entstehen von demokratischen Coven. Die meisten Coven stellen selbst Regeln auf, welche einen Grundkonsens beinhalten, der von allen Mitgliedern akribisch einzuhalten ist. (vgl. ebd., 75)

In den meisten Coven sind die Hohepriesterin und der Hohepriester gleichberechtigt und führen eine partnerschaftliche Priesterschaft, es ist jedoch nicht möglich, ein Ritual ohne die Hohepriesterin abzuhalten. Die Priesterschaft und somit die Leitung des Covens bedeutet große Verantwortung, da die Leitung der Rituale, die Einhaltung der Regeln im Kreis und die Durchführung der Ausbildung zu den Aufgaben gehören. Die Priesterin hat zusätzlich die Aufgabe, die psychischen Energien im Ritual zu leiten. Dafür hat sie eine weibliche Assistentin die ihr während des Rituals hilft, nämlich die Jungfrau des Kreises (''Maiden''). Auch der Priester hat einen Assistenten. In jedem Coven gibt es Außerdem einen Schreiber, der die Rituale in das Buch der Schatten aufzeichnet. (vgl. ebd., 75f.)

In jedem Coven wird die Identität der Gruppe durch Gemeinsamkeit, Symbole, Sozialverhalten, Ritualisierung, Sprache und Geheimhaltung geschaffen. Zur Widerspiegelung der Persönlichkeit und Atmosphäre des Covens dient der Name des Covens, welcher zum Beispiel ein Totemname, eine Gottheit, ein Tier oder ein mystisches Wesen sein kann. (vgl. ebd., 76) Um in einen Coven einzutreten, muss man an einem Initiationsritual teilgenommen haben, welches im nächsten Kaptiel 3.2 dieser Arbeit erläutert wird. (vgl. ebd., 76) Wiccaner, die alleine arbeiten und nicht in einem Coven praktizieren, nennt man ''freifliegende Wicca / Hexe''. (vgl. ebd., 271)

3.2. Die Initiation

Der Eintritt in einen Coven ist nur durch die Teilnahme an einem Initiationsritual möglich. (vgl. Fischer 2007, 76) Nach Neger, sind nur jene als Wicca zu bezeichnen, welche durch Initiation eingeweiht wurden. Im Wiccatum gibt es drei verschiedene Grade, die durch Initiation erreicht werden können. Durch die Initiation des ersten Grades wird man zum Priester bzw. zur Priesterin geweiht. Die Initiation des zweiten Grades führt zum Hohepriester bzw. zur Hohepriesterin und durch die Initiation des dritten Grades wird man zum bzw. zur Ältesten. Eine Initiation kann nur von einem Priesterpaar des dritten Grades durchgeführt werden. (vgl. Neger 2009, 83) In manchen Richtungen ist eine Selbstinitiation anerkannt, dies ist jedoch eine Ausnahme. (vgl. Wichmann 1990, 64)

In der Gardnerian und Alexandrian Richtung besagt das Grundgesetz, dass die Initiation nur von Frau zu Mann oder umgekehrt weitergegeben darf. Die eigenen Kinder bilden eine Ausnahme und dürfen gleichgeschlechtlich initiiert werden. (vgl. ebd., 65)

Nach Wichmann hat die Initiation einerseits die Funktion der inneren Wandlung und führt andererseits zu einer neuen Beziehung zur Wicca-Gruppe, da der Initiierte nun Mitglied ist und alle Rechte und Pflichten besitzt. Die Initiation leistet im sozialen Gebiet die Abgrenzung gegen das Profane. (vgl. ebd., 68f.) Auch Cunningham verweist auf die innere Wandlung und beschreibt die Initiation als inneren Prozess, in welchem sich die Seele an Göttin und Gott annähert. Dieser innere Prozess kann sogar erst Wochen oder Monate nach dem eigentlichen Ritual stattfinden oder einige Zeit davor. (vgl. Cunningham 2005, 98)

Um in den ersten Grad initiiert zu werden, muss vorher lange Zeit engagiert gelernt werden. Im ersten Schritt, darf der Neophyt den Sabbaten beiwohnen und die Mitglieder des Covens kennenlernen. Dies ist sehr wichtig, da die Mitglieder eines Covens zueinander passen müssen um die magische Arbeit nicht zu gefährden. Der Neophyt befindet sich ein Jahr und einen Tag in der Grundausbildung und unterliegt in dieser Zeit viel Arbeit, wie zum Beispiel dem wöchentlichen Beiwohnen der Arbeitsgruppen. (vgl. Fischer 2007, 87)

Dem Initianden ersten Grades kommt die Bedeutung der Einweihung in den Hexenkult zu. Beim Initiationsritual, welches im Kreis des Covens erfolgt, wird der Initiand symbolisch in die Gemeinschaft der Göttin geboren. Der symbolische Tod des Neophyten und die Wiedergeburt als Wiccaner wird szenisch durch die Initiation dargestellt. Die Initiation des ersten Grades hat das Symbol eines nach unten zeigenden Dreiecks, welches Wasser symbolisiert. Außerdem erhält der Initiand in der Gardnerischen Tradition einen Hexennamen. Nach dem Initiationsritual ist der Initiand in den Coven aufgenommen und erhält die magischen Waffen, welche die acht Arbeitsgeräte der Hexen sind und Macht symbolisieren. Außerdem erhält der Initiand die Peitsche, die Leiden symbolisiert und während des Rituals benutzt wurde. Die neue Hexe wird anschließend begrüßt und ihr wird das Gesetz des Wiccatums mitgeteilt: ''Wenn es niemandem schadet, tue was du willst''. (vgl. ebd., 87f.)

Durch den zweiten Grad wird man befähigt, Rituale zu leiten und Hexen des ersten Grades zu unterweisen. Die zweite Initiation erzielt die Begegnung zwischen den zwei Seiten der Persönlichkeit. Sie soll zu einer Begegnung mit dem Unterbewussten führen. Ihr Symbol ist ein Pentagramm1, dessen Spitze nach unten zeigt und den gehörnten Gott symbolisiert. Der Hexenname kann in der zweiten Initiation geändert werden. (vgl. ebd., 87ff.)

Durch den dritten Grad, welcher oftmals Paaren verliehen wird, wird der Wiccaner dazu ermächtigt, einen eigenen Coven zu leiten und Hexen in den ersten und zweiten Grad zu initiieren. Der Initiationsritus enthält einen Akt der rituellen Sexualität in welchem sich Priester und Priesterin vereinigen und in der Rolle von Gott und Göttin eins werden. Dieser Ritus, ''Großer Ritus'' genannt, findet heute meist im privaten Rahmen zwischen den Paaren statt und kann nach der Initiation durchgeführt werden. Die Vereinigung kann in einem symbolischen Akt oder wirklich geschehen. Das Symbol dieses Grades ist ein Pentagramm, dessen Spitze nach oben zeigt und einem Dreieck darüber, dessen Spitze nach oben zeigt und Feuer symbolisiert. Der Kreis im Initiationsritual des dritten Grades darf nur von Wiccanern beigewohnt werden, welche den dritten Grad bereits besitzen. (vgl. ebd., 90)

Bei der Initiation wird dem Neophyten das sogenannte ''Buch der Schatten'' übergeben, um welches es im nächsten Kapitel dieser Seminararbeit gehen wird.

3.3. Das Buch der Schatten

Jeder Neophyt erhält nach dem Initiationsritual das Buch der Schatten. In manchen Fällen wird das Buch vom Neophyten handschriftlich abgeschrieben. Das Buch der Schatten stellt eine Sammlung von Ritualen, Gebeten, Zaubern und magischen Traditionen dar und jeder Coven besitzt sein eigenes Exemplar. (vgl. Fischer 2007, 269) Die Texte und Regeln im Buch bedürfen einer mündlichen Erklärung. Das Buch der Schatten ist kein Lehrbuch, sondern ein sehr persönliches Buch, in welches die Hexe einträgt, was ihr wichtig ist. Im heutigen Wicca- Kult sind Improvisation und Phantasie wichtige Grundpfeiler, deshalb ist es wichtig, dass sich jeder die Hymnen selbst schreibt oder wenigstens modifiziert. (vgl. Wichmann 1990, 142) Einheitliche Richtlinien über das Aussehen oder den Inhalt des Buches gibt es nicht. Jedoch ist der Inhalt des Buches für den Besitzer verbindlich. (vgl. Fischer 2007, 269) Dennoch gibt es einen Rahmenritus, welcher die Gruppenarbeit erleichtert. (vgl. Wichmann 1990, 142) Somit ist es der Gruppe ermöglicht, auf der Grundlage dieses Rahmens, eigene, darauf aufbauende und zur Gruppe passende Rituale zu entwickeln. Dieser Rahmen führt dazu, dass die Entwicklung der Rituale immer auf einem roten Faden basiert, der das Wiccatum ausmacht. (vgl. Crowley 1998, 15)

Neue Hexen werden dazu ermutigt, einen zweiten, persönlichen Band des Buchs der Schatten zu schreiben, in welches sie Rituale, Zaubersprüche und Anrufungen eintragen, die sie persönlich betreffen und die sie selbst verfassen, da sie ein Teil ihrer spirituellen Entwicklung waren. (vgl. ebd., 15)

4. Kultausübung

Das folgende Kapitel widmet sich der Kultausübung des Wiccatums und behandelt die Themen: Glaubensinhalte, Gott und Göttin, Die Rituale, Werkzeuge und Utensilien, Der Jahreszyklus, Die vier Elemente und die Elementale, Die unterschiedlichen Traditionen des Wiccatums und die Typologie.

4.1. Glaubensinhalte

Im Folgenden wird ein Überblick über die Glaubensinhalte des Wiccatums gegeben. Im Wiccatum spielt der Glaube an die göttliche Kraft eine sehr große Rolle, da die Wiccaner daran glauben, dass sie in allem immanent ist. Sie verehren die Götter, welche für sie nicht allmächtig sind, denn die Wiccaner glauben daran, dass die Götter auch die Hilfe der Menschen durch Evokation1 brauchen und eine Zusammenarbeit mit den Göttern essentiell ist. Im Wiccatum werden zwei Gottheiten verehrt, nämlich die Dreifache Göttin und der Zweifache Gott. Hauptbestandteil des Wiccatums ist es, diesen beiden Göttern durch das Handwerk der Magie zu dienen.

Für die Wiccaner ist das Wiccatum eine pagane Religion, die es seit der Altsteinzeit (Paläolithikum) gibt, deshalb führen sie ihre Bräuche und deren Herkunft auf heidnischen Ursprung zurück. Einige Wiccaner glauben an Reinkarnation, manche glauben daran, nach dem Tod ins ''Sommerland'' zu kommen, bis sie wiedergeboren werden.

Ein Glaube an den Teufel oder das personifizierte Böse existiert im Wiccatum nicht. Denn die Wiccaner glauben an das ''Eine'' zu welchem Gut und Böse zählen und das nicht ohne einen der beiden Aspekte existieren könnte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das Wiccatum. Eine Einführung in die heutige Religion der Hexen und ihre Entstehung
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Theorie der Religionen
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V294798
ISBN (eBook)
9783656925842
ISBN (Buch)
9783656925859
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wicca, Wiccatum, Hexen, Hexe, Kulturwissenschaft, Religion, Magie, Hexerei, Zauberei, Heidentum, heidnisch, westlich-heidnisch, Wiccaner, Kulturwissenschaften
Arbeit zitieren
Sabrina Trivigno (Autor), 2013, Das Wiccatum. Eine Einführung in die heutige Religion der Hexen und ihre Entstehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294798

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