Der Film "Jenseits der Stille" im Unterricht. Eine Analyse unter didaktischen Aspekten


Hausarbeit, 2014
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inhaltsangabe

3 Themen im Film
3.1 Gehörlosigkeit als Behinderung
3.2 Eifersucht zwischen Geschwistern
3.3 Verantwortung für Andere
3.4 Ablösungsprozesse in der Eltern-Kind-Beziehung
3.5 Musikalische Begabung

4 Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht
4.1 Fächerübergreifendes Projekt zum Thema Gebärden-sprache
4.2 Möglichkeiten im Musikunterricht
4.3 Möglichkeiten im Deutschunterricht
4.3.1 Lesen-Umgang mit Texten und Medien
4.3.2 Sprechen
4.3.3 Schreiben

5 Schluss

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wenn man sich an die eigene Schulzeit zurückerinnert oder an Stunden aus dem Praktikum denkt, wird ein Film oft nur in Kombination mit einem gelesenen Buch oder als „Belohnung“ am Ende einer längeren Unterrichtseinheit, manchmal auch als Lückenfüller vor den Ferien, gezeigt. Dass der Einsatz eines Films im Deutschunterricht auch gezielt und didaktisch durchdacht stattfinden kann, soll anhand einiger Möglichkeiten im Rahmen dieser Hausarbeit aufgezeigt werden. Wichtig ist dabei ein reflektierter Umgang mit dem Medium, durchdachte Szenenauswahl und anschließende Behandlung ausgewählter Themen und Inhalte. Die Arbeitsaufträge müssen der jeweiligen Klasse immer angepasst sein und deren Interesse und Wissensniveau entsprechen, um die Schüler(innen) nicht zu überfordern, sondern zu fordern.

Wie klingt das Fallen des Schnees? Wie viel Verantwortung kann ich übernehmen und wann laste ich mir zu viel auf? Welche Probleme treten in der Pubertät zwischen Eltern und Kinder auf? Wie gelingt der Abnabelungsprozess von den Eltern und warum ist dieser so wichtig? Fragen wie diesen soll in der folgenden Arbeit nachgegangen werden und anhand ausgewählter Themen und Szenen des Films „Jenseits der Stille“ von Caroline Link behandelt werden. Anschließend soll aufgezeigt werden, wie bestimmte Inhalte und Themen des Films didaktisch sinnvoll aufbereitet werden und im Deutschunterricht oder im fächerübergreifenden Unterricht eingesetzt werden können. Hierbei wird, soweit dies möglich ist, auch Bezug auf den Lehrplan der Sekundarstufe 2, insbesondere der Mittelschule, genommen.

2 Inhaltsangabe

Bei dem Film „Jenseits der Stille“ handelt es sich um einen Spielfilm, der in der Regie von Caroline Link gedreht wurde. Die DVD erschien 2008 im Vertrieb der universum film GmbH.

Lara wächst als hörendes Kind von gehörlosen Eltern auf. Sie übernimmt früh viel Verantwortung und hilft ihren Eltern mit Dolmetschen, um ihren Alltag bewältigen zu können. Als sie die Liebe zur Musik entdeckt und nach Berlin zu ihrer Tante Clarissa zieht, um sich auf die Aufnahmeprüfung am Konservatorium vorzubereiten, kommt es zum Bruch zwischen Lara und ihrem Vater.

3 Themen im Film

Der Film bietet zahlreiche Möglichkeiten, an Unterrichtsinhalte anzuknüpfen. Im Folgenden werden nun die verschiedenen Themen- komplexe aufgezeigt, anschließend an ausgewählten Beispielen erläutert, wie man einige dieser im (Deutsch-)Unterricht behandeln könnte. Es handelt sich hierbei nur um Vorschläge, die beliebig gekürzt oder erweitert werden können. Außerdem bieten manche Inhalte des Films mehr, andere weniger Raum für Reflexion. Auch ist es von der jeweiligen Klasse, Interesse der Schüler(innen) und Aktualität der Thematik abhängig, bestimmte Inhalte im Unterricht zu behandeln oder nicht.

Der Film ist unter anderem deshalb interessant und sehenswert, da er auf sehr viele unterschiedliche Themengebiete eingeht. So heißt es in WEDDES Arbeitshilfe zum Film „Die vielen Episoden und Ereignisse verbinden sich zu einem Film, der vom allmählichen Erwachsenwerden handelt.“ (WEDDE, 1998, S. 1). Dieses genannte „Erwachsenwerden“ verläuft bei Lara jedoch unter anderen Umständen als bei anderen Kindern, da sie aufgrund ihrer behinderten Eltern gezwungen ist, größere Selbstständigkeit zu entwickeln, als es ihrem Alter eigentlich entspräche. Das Thema Behinderung bzw. Anders Sein nimmt als Thematik sicherlich den größten Teil ein. ABRAHAM nennt, angelehnt an das genannte Arbeitsheft (Vgl. ebd., S. 1f.) fünf Interpretationsansätze, auf die der Film eingeht.

3.1 Gehörlosigkeit als Behinderung

Der Film macht auf unterschiedliche, schwierige Situationen aufmerksam. Häufig sind dies alltägliche Szenen, die für Menschen ohne Behinderung selbstverständlich sind, über die man nicht nachdenkt und somit als gesunder Mensch nicht zu schätzen weiß. Dass ein Gespräch in der Bank oder ein Elternabend in der Schule eine Hürde darstellen können, wird erst deutlich, indem man gezeigt bekommt, wie es sein könnte, wenn man nicht hört. Gerade da man Gehörlosen ihre Behinderung nicht sofort ansieht, muss man erst dafür sensibilisiert werden, dass diese Menschen in ihrem Handeln doch sehr eingeschränkt und auf Hilfe anderer oder auf Hilfsmittel angewiesen sind.

Der Film schafft es, dass sich der Zuschauer sowohl in die Eltern, als auch in Lara hineinversetzen kann. Auch wird aufgezeigt, dass es nicht unmöglich ist, mit einer Behinderung zurechtzukommen und macht somit Mut, mit dem Anders Sein umzugehen. Durch lustige Momente, z. B. indem Lara die Gehörlosigkeit der Eltern beim Gespräch mit der Lehrerin und in der Bank für sich nutzt, bekommt der Film eine gewisse Leichtigkeit.

3.2 Eifersucht zwischen Geschwistern

Dass die Beziehung zwischen Geschwistern nicht immer freundschaftlich verlaufen muss, wird vor allem am Beispiel von Laras Vater und seiner Schwester Clarissa deutlich.

Auf dieses Thema geht der Film vor allem durch eine Rückblende (00:27:50-00:29:02) ein, die die Probleme zwischen Laras Vater und seiner Schwester Clarissa in deren Kindheit zeigen. Hier wird Laras Vater als Kind gezeigt, der beim Vorspiel seiner Schwester laut lacht. Von da an wurde seine Anwesenheit nicht mehr geduldet und ihm somit der Zugang zur Musik verwehrt. Hier wird gezeigt, dass sich die angespannte Stimmung der beiden über Jahre aufgebaut hat und das Verhältnis aufgrund der Behinderung des Vaters nie wirklich freundschaftlich war. Vor allem spielen auch Eifersucht und Neid auf die Tatsache, dass Clarissa hören kann und der Vater nicht, eine Rolle. Die Eltern waren mit der Situation ebenfalls überfordert und sind es bis in die Gegenwart. Da sie die Gebärdensprache nicht sprechen, blieb ihnen ein enges Verhältnis zu ihrem Sohn verwehrt. Diese Tatsache macht deutlich, wie wichtig Sprache und Kommunikation für zwischenmenschliche Beziehungen sind.

3.3 Verantwortung für Andere

Lara übernimmt für ihr Alter in mehrfacher Weise enorme Verantwortung. Zum einen für sich selbst, da sie, als einzige der Familie hören kann und dadurch viele Angelegenheiten ihrer Eltern regeln muss und dies nicht wie bei anderen Kindern ihres Alters von den Eltern übernommen wird. Außerdem übernimmt sie für ihre Eltern Verantwortung, die sie durch Dolmetschen unterstützt und ihnen auch die Welt der „Hörenden“ erklärt (Klingen des Schnees, Wehen der Fahnen im Wind).

3.4 Ablösungsprozesse in der Eltern-Kind-Beziehung

Der Film zeigt typische Konflikte zwischen Eltern und Kindern auf. Ablösungsprozesse sind normale Generationsprobleme und treten bei allen Familien auf. Bei Lara werden sie jedoch durch die Behinderung ihrer Eltern verstärkt. Sowohl die Seite der Eltern als auch die der Kinder wird beleuchtet. Lara schafft es, trotz den Verpflichtungen gegenüber ihren Eltern, sich von diesen abzunabeln und somit auf eigenen Beinen zu stehen. Sie erkennt, dass es wichtig ist, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und stellt ihre eigenen Wünsche an erste Stelle. Trotz Schuldgefühlen und Gewissenskonflikten zieht sie zu ihrer Tante nach Berlin, um ihren Traum von der Musikkarriere zu verwirklichen. Im Film wird der Abnabelungsprozess durch einen Filmsprung deutlich. Dieser wird im Film wie folgt dargestellt: Zunächst sieht der Zuschauer Lara als junges Mädchen beim Klarinette spielen. Die Kamera fokussiert das Mädchen und fährt langsam auf sie zu bis zur Nahaufnahme. Dann erfolgt eine Überblendung, die Scheinwerfer werfen grelles Licht auf die Hauptdarstellerin, sodass der Zuschauer sie zunächst nicht mehr erkennt. Als das Licht wieder gedimmt wird, erscheint Lara als junge Frau.

Mit der letzten Szene im Film, als der Vater zum Vorspiel erscheint, wird deutlich, dass auch ihm gelungen ist, sich in gewisser Weise von Lara zu lösen und ihre Entscheidungen zu akzeptieren. Auch wenn ihm die Welt der Musik nicht in dem Maße zugänglich ist, wie sie es hörenden Menschen ist, versucht er Lara zu verstehen und sie auf seine Art durch seine Anwesenheit zu unterstützen.

3.5 Musikalische Begabung

Dass für viele Menschen die Musik Lebensmittelpunkt ist und dies für andere, weniger musikalische Menschen, nur schwer nachvollziehen ist, wird am Beispiel von Lara und ihrem Vater sehr deutlich.

Musik ist jedoch für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens, der nicht nur Freizeitbeschäftigung ist, sondern auch Halt in schwierigen Zeiten gibt. Es wirkt, als hätte Lara im Film die Wahl zwischen der Klarinette und ihrer Familie. Da für sie die Musik von so großer Bedeutung ist, entscheidet sie sich für diese und damit verbunden einem eigenständigen Leben fernab ihrer Familie.

4 Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht

Die genannten Themen bieten auch im Unterricht genügend Spielraum und lassen sich in bestimmten Teilaspekten gut behandeln. Obwohl der Film sicherlich auch für jüngere Schüler geeignet ist, wenn er dementsprechend aufbereitet wird, sind die folgenden Vorschläge für Schüler der 9. oder 10. Klasse geeignet. Der Film kann prinzipiell in allen Schularten der Sekundarstufe 2 behandelt werden. Natürlich wird dann in einer Förderschule ein anderer Maßstab als im Gymnasium gesetzt (Vgl. ABRAHAM, 2009, S. 153ff.)

Der Film kann ab Jahrgangsstufe 7/8 behandelt werden, um jedoch tiefer in die Themengebiete einzudringen, empfiehlt sich Klasse 9 oder 10. Die folgenden Vorschläge sind für die Arbeit mit Klassen der Mittelschule konzipiert. Zunächst wird ein Projekt zum Thema Gebärdensprache mit einigen Ideen vorgestellt. Anschließend werden Möglichkeiten für den Musikunterricht und für den Fachbereich Deutsch für die Bereiche Lesen, Schreiben und Sprechen aufgezeigt, den Film zu behandeln.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Film "Jenseits der Stille" im Unterricht. Eine Analyse unter didaktischen Aspekten
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V295840
ISBN (eBook)
9783656936947
ISBN (Buch)
9783656936954
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
film, jenseits, stille, unterricht, eine, analyse, aspekten
Arbeit zitieren
Stefanie Bär (Autor), 2014, Der Film "Jenseits der Stille" im Unterricht. Eine Analyse unter didaktischen Aspekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295840

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