Burnout bei jungen Führungskräften. Ursachen, Verlauf und Prävention


Hausarbeit, 2015
30 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abstract

2. Einleitung

3. Burnout
3.1 Definition „Burnout“
3.2 Symptomatik
3.2.1 Freudenberger Zwölf Stadien vs. Burisch Sieben Kategorien
3.2.2 Vier-Phasen-Modell von Prieß
3.3 Ursachen
3.3.1 Individuelle Ebene
3.3.2 Zwischenmenschliche Ebene
3.3.3 Institutionelle Ebene
3.3.4 Stress
3.3.5. Burnout bei jungen Führungskräften

4. Selbstmanagementkonzept
4.1 Käfer-Modell
4.2 Zeitmanagement
4.3 Resilienz
4.4 Persönliche Lebensführung

5.Schluss
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Abstract

Die Krankheitstage aufgrund von Burnout sind im letzten Jahrzehnt rasant angestiegen. Insbesondere junge Führungskräfte sind dem Risiko eines Burnouts ausgesetzt. In dieser Arbeit werden die Ursachen für Burnout und der Verlauf eines Burnout-Prozesses dargestellt. Anschließend wird in einem Selbstmanagementkonzept gezeigt, worauf junge Führungskräfte achten können, um Burnout präventiv zu begegnen.

2. Einleitung

Die Anzahl der Burnout-Betroffen hat sich in den letzten Jahren deutlich vervielfacht. Dies zeigt die Studie vom BKK Bundesverband auf, bei der die Daten von etwa zehn Millionen BKK-Versicherten analysiert wurden. Diese Statistik zeigt einen stetigen Anstieg seit dem Jahr 2004 von 4,6 Krankheitstagen im Jahr pro tausend Versicherte, die aufgrund des Burnout-Syndroms nicht bei der Arbeit erschienen sind, auf 87,5 Tage im Jahr 2012. Von 2012 auf 2013 sinkt die Statistik erstmals wieder (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 „Krankheitstage durch das Burnout-Syndrom“, Quelle: Vom Autor konstruiert (vgl. BKK Bundesverband 2014)

Dies zeigt auf, welch großen Stellenwert das Thema Burnout in der heutigen Gesellschaft einnimmt. Dementsprechend spezialisieren sich immer mehr Berater darauf, Burnout-Gefährdeten und Burnout-Betroffenen zu helfen (vgl. Burisch 2014, S. 219). Allein in Deutschland gehen die durch Burnout entstandenen Kosten in den Milliardenbereich (vgl. Burisch 2014, S. 241). Viele Unternehmen versuchen die Kosten durch Burnout zu verringern, indem sie zunehmend höheren Wert auf die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter legen.

Die Veränderungen des Berufslebens führen dazu, dass Arbeitnehmer sich zunehmend Stress ausgesetzt fühlen und der Gefahr unterliegen, in einen Burnout-Prozess zu geraten. Der Beruf nimmt bei vielen Arbeitnehmern einen zunehmend hohen Stellenwert ein und beeinflusst damit auch das Privatleben.

Berufseinsteiger stellen eine besondere Risikogruppe dar. Besonders die Anzahl an Person zwischen 30 und 35 Jahren, die sich aufgrund eines Burnouts in klinische Behandlung begeben, befindet sich im Ansteigen (Lehky 2011, S. 171). Vor allem bei jungen Führungskräften ist das Selbstvertrauen aufgrund mangelnder Erfahrung gering. Diesen Mangel an Erfahrung versuchen sie durch einen erhöhten Arbeitseinsatz auszugleichen. Kann der dadurch entstehende Stress nicht ausgeglichen werden, erschöpft sich der Berufseinsteiger schnell (siehe Kapitel 2.3.5) (vgl. Burisch 2010, S. 67).

Der Leistungsgedanke ist in Deutschland besonders ausgeprägt. So gaben Befragte einer Online-Umfrage an, dass sie „fleißig und ehrgeizig sein“ als die für sie wichtigsten Werte betrachten (Tröster 2013, S. 11). Zudem steigt bei vielen Arbeitnehmern die Angst um den Arbeitsplatz immer weiter an. Vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise strengen sich Arbeitnehmer aufgrund des Konkurrenzkampfes besonders an, ihren Arbeitsplatz behalten zu können (Tröster 2013, S. 13).

Im Zuge der weltweiten Vernetzung wurden Prozesse immer weiter beschleunigt. Smartphones ermöglichen die Arbeit überall, sodass die ständige Erreichbarkeit eine immer größere Rolle spielt. Zeiten der Unerreichbarkeit, wie es sie früher gab und die oft auch zum Abschalten und Ausruhen genutzt wurden, gibt es so heute kaum mehr. Die heute Generation ist mit diesem Fortschritt bereits aufgewachsen und sehen dies als normal an (vgl. Lehky 2011, S. 11 f.).

Auch das Arbeitsverhältnis vieler Arbeitnehmer unterliegt einer Veränderung. So werden laut einer Statistik des statistischen Bundesamtes immer mehr Arbeitsverträge befristet ausgestellt. Besonders betroffen sind hiervon die jungen Arbeitnehmer zwischen 25 - 34 Jahren (vgl. TK 2014)

Nach Cherniss sind jedoch auch fordernde Aufgaben und intellektuelle Anregung nötig, um nicht aufgrund von Unterforderung in den Burnout-Prozess zu gelangen (siehe Kapitel 2.3.3). Auch Yerkes und Dodson zeigten schon früh auf, dass Stress bis zu einem gewissen Maße auch leistungssteigernd sein kann und nur mithilfe von Stress das Maximum der eigenen Leistungsfähigkeit erreicht werden kann (siehe Kapitel 2.3.4).

Ausgehend von der Recherche nach den Ursachen für Burnout, wird in dieser Hausarbeit danach gefragt, wie junge Führungskräfte sich vor Burnout schützen können. Dazu wird in der vorliegenden Hausarbeit zunächst geklärt, was Burnout überhaupt ist und wie es entsteht. Dabei wird sowohl auf die Symptome als auch auf die Ursachen und deren Einteilung in verschiedene Bereiche eingegangen.

Im anschließenden Teil wird ein Selbstmanagementkonzept vorgestellt, um zu verdeutlichen, worauf junge Führungskräfte bei ihrer persönlichen Burnout-Prävention besonders achten sollten. Ausgehend vom Käfermodel von Prieß werden dabei die wesentlichen Bereiche Zeitmanagement, Resilienz und persönliche Lebensführung aufgezeigt.

3. Burnout

Burnout ist ein weit verbreiteter Begriff, der oft mit „Ausgebranntsein“ übersetzt wird. Um zu zeigen, dass hinter dem Wort „Burnout“ ein ernstzunehmendes Syndrom steht, wird folgend erläutert, was darunter verstanden wird, welche Symptome dabei auftauchen und wie Burnout entstehen kann.

3.1 Definition „Burnout“

„Burnout“ bezeichnet ein Syndrom, für das es keine allgemeingültige Definition gibt. Der Begriff „Burnout“ wurde erstmals von dem Psychologen Herbert Freudenberger im Jahre 1974 verwendet. Freudenberger wurde auf das Syndrom des Burnouts während seiner Tätigkeit in einer ehrenamtlichen Klinik aufmerksam. Er bemerkte, wie die Mitarbeiter der Klinik Symptome einer physischen und psychischen Erschöpfung aufwiesen. Zudem beobachtete er leichte Reizbarkeit und wachsenden Zynismus gegenüber den Patienten. (vgl. Freudenberger 1974, S. 159 - 165).

Ähnlich wie Freudenberger beschrieb auch die Psychologin Christina Maslach „Burnout“ als ein „Syndrom, das aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung und verminderter subjektiver Leistungsfähigkeit besteht“ (Buruck 2011, S. 5).

Die emotionale Erschöpfung beschreibt den Zustand des eigenen Empfindens und die psychische Belastung. Anhand der persönlichen Leistungseinbußen merkt die Person selbst, dass ihre Kompetenzen und ihre Energie nicht ausreichen. Mit Depersonalisation meint Maslach die Abstumpfung und den Verlust von Empathie (vgl. Maslach und Leiter 2001, S. 402 f.). In ihren Forschungsarbeiten legt sie, wie Freudenberger, den Fokus auf Personen, die bei ihrer Arbeit Kontakt zu Menschen haben (vgl. Burisch 2010, S. 17).

Unterschiede weisen die Definitionen in Hinsicht auf ihre Schwerpunktlegung auf. Freudenberger vertritt den persönlichkeitszentrierten Ansatz. Nach diesem Ansatz gerät der Betroffene in den Prozess des Burnouts aufgrund seiner unrealistischen Zielsetzungen. Diese führen dazu, dass die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht werden können. Die erhoffte Belohnung bleibt aus, was bei der betroffenen Person eine große Enttäuschung hervorruft (vgl. Burisch 2010, S. 50). Eine ausbleibende Belohnung hat zur Folge, dass das Selbstwertgefühl bei der Person deutlich sinkt. Symptome, die für eine unipolare Depression typisch sind, wie beispielsweise eine niedergeschlagene Stimmung und Pessimismus treten auf (vgl. Burisch 2014, S. 63).

Maslach hingegen vertritt dabei den organisationszentrierten Ansatz und geht dabei vor allem auf das Arbeitsumfeld und nicht auf die Person selbst ein. Sie geht in ihrer Forschung davon aus, dass „Burnout ein Anzeichen einer schweren Funktionsstörung innerhalb einer Organisation“ ist (Maslach + Leiter 1997, zitiert nach Burisch 2014, S. 53). Dabei benennt sie sechs Faktoren, die am Arbeitsplatz auftreten und Burnout verursachen können (siehe Kapitel 2.3.3).

Die Psychologen Wilmar Schaufeli und Dirk Enzmann beziehen sich auf alle Berufsgruppen und fassen in ihrer Definition wie folgt zusammen:

„Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ‚normaler’ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht.“ (vgl. Schaufeli und Enzmann 1998, zitiert nach Burisch 2014, S. 22).

In dieser umfassenden Definition fällt auf, dass die Ursachen der Entstehung von Burnout ausschließlich dem Berufsumfeld zugeschrieben werden. Das Privatleben wird in dieser Definition ausgeblendet. Wie Freudenberger sehen die beiden Psychologen eine unrealistische Erwartung als wesentlichen Aspekt in der Entstehung von Burnout. Den Burnout-Prozess sehen sie als schleichenden länger andauernden Prozess.

3.2 Symptomatik

Burnout wird als Syndrom, also einer Ansammlung verschiedener Symptome, angesehen. Ein einheitliches Krankheitsbild gibt es nicht. Viele der Symptome ähneln auch anderen Krankheiten, beispielsweise einer Depression (vgl. Burisch 2010, S. 15 f.). Im Folgenden werden die zwölf Stadien von Freudenberger den sieben Kategorien von Burisch gegenüber gestellt. Darauf folgt die Verlaufsbeschreibung von Burnout mithilfe des Vier-Phasen-Modell von Prieß.

3.2.1 Freudenberger Zwölf Stadien vs. Burisch Sieben Kategorien

Freudenberger als auch Burisch haben das Erscheinungsbild der Symptome in Stadien bzw. Kategorien eingeteilt. Hierbei müssen nicht alle Symptome auftreten und auch die Reihenfolge muss nicht zwangsläufig eingehalten werden (vgl. Burisch 2010, S. 27). Burisch teilt die Symptome in sieben Kategorien auf, während Freudenberger zwölf Phasen unterscheidet. Beide ordnen den einzelnen Kategorien bzw. Stadien bestimmte Symptome zu.

Burisch beginnt mit den „Warnsymptomen der Anfangsphase“. Dabei nennt er Symptome, die aus einem Überengagement und der dadurch resultierenden Erschöpfung entstehen. Auf diese Symptome geht Freudenberger in seinen ersten zwei Stadien ein, in denen er ebenfalls hohen Ehrgeiz und dem damit verbundenen verstärkten Einsatz für das Ziel als Ursache für einen Erschöpfungszustand beschreibt.

In Stadium drei beschreibt Freudenberger die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse, die aus der Fokussierung auf Berufliches resultiert. In dieser Phase, in der ohne Entspannungs- und Erholungsphasen pausenlos gearbeitet wird, entsteht das Gefühl, keine Zeit mehr zu haben.

Auf das Überengagement für das gesetzte Ziel folgt nach Burisch in der zweiten Kategorie „reduziertes Engagement“. Der früher hohe Arbeitseinsatz wandelt sich nun zu einer erhöhten Anspruchshaltung. Anstatt Geben möchten die Betroffenen nun Nehmen. Wenn dies nicht möglich ist, folgen der Rückzug und die Reduktion des Einsatzes. In Folge werden die Aufgaben am Arbeitsplatz vernachlässigt und nicht mehr mit dem hohen Einsatz, wie in Kategorie eins erledigt (vgl. Burisch 2014, S. 31 ff.).

Freudenberger beschreibt diese Kategorie in den Stadien vier und fünf. Stadium vier zeichnet sich durch die „Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen“ aus. Man möchte seine Zeit nicht mit der Bewältigung von Konflikten nutzen, sondern diese allein zur Arbeitsbewältigung einsetzen. Die eigenen Bedürfnisse werden verdrängt. Hier erscheinen oft erste körperliche Beschwerden, wie etwa chronische Müdigkeit (vgl. Freudenberger 1994, S. 134)

In Stadium fünf werden in Folge des ständigen Übergehens eigener Bedürfnisse und der Verdrängung von Konflikten, die eigenen Werte umgedeutet (vgl. Freudenberger 1994 S. 135). Der Beruf stellt den wichtigsten Lebensinhalt dar und wird die einzige Quelle für das Selbstwertgefühl. Alles andere (Familie, Hobby, Freunde, …) wird untergeordnet (vgl. Kernen und Meier 2008, S. 207; Freudenberger 1994, S. 135 ff.)

In der dritten Kategorie stehen nach Burisch die „emotionale[n] Reaktionen [..][und] Schuldzuweisungen“. Hierbei entstehen Depressionen und andere emotionale Reaktionen, die nach Freudenberger als Resultat des fünften Stadiums zu sehen sind. Zudem wird entschieden wem die Schuld für den Misserfolg gegeben werden kann. Sieht der Betroffene die Ursachen für die Probleme bei sich selbst, reagiert er depressiv (vgl. Burisch 2010, S. 32). Wird die Schuld anderen Personen oder Umständen zugeschrieben, steigt die Aggression (vgl. Burisch 2010, S. 32). Vergleichbar beschreibt Freudenberger in Stadium sechs, der „Verleugnung der aufgetretenen Probleme“ die Schuldzuweisung. Vor allem der Zeitdruck und das hohe Arbeitspensum werden demnach von den Betroffenen als Ursache für die Probleme angesehen. Zynismus, Bitterkeit, Reizbarkeit, Aggressivität, Intoleranz und abnehmende Flexibilität treten auf und gehen mit deutlichen Leistungseinbußen einher (vgl. Kernen und Meier 2008, S. 208; Freudenberger 1994, S. 138-141).

In der vierten Kategorie nach Burisch folgt der „Abbau“ der „kognitiven Leistungsfähigkeit“, „Motivation“ und der “Kreativität“. Die Denkweisen werden bequemer und ein „rigides Schwarzweißdenken“ (Burisch 2010, S. 26) setzt ein. Auch Freudenberger geht im Stadium sechs auf die schwindende Flexibilität und die dadurch entstehenden Leistungseinbußen ein. Die Entstehung „körperliche[r] Beschwerden“ nennt er bereits im vierten Stadium, während er die Verhaltensänderungen wie beispielsweise den Motivationsverlust in Stadium acht benennt (vgl. Freudenberger 1994, S. 131-146).

In der fünften Kategorie (vgl. Burisch 2010, S. 33 f.) folgt die Verflachung des Lebens. Dabei bezieht Burisch sich auf das emotionale, das soziale und das geistige Leben. Diese Kategorie benennt Freudenberger im siebten Stadium als „Rückzug“, in dem die sozialen Kontakte sowohl bei der Arbeit als auch im privaten Leben auf das Notwendigste minimiert werden. Zudem gibt er den Verlust von Empathie als weiteres Symptom in Stadium neun an und beschreibt das Leben als ein „nur noch (ein) mechanistisches Funktionieren“ (vgl. Kernen und Meier 2008, S. 208)

„Psychosomatische Reaktionen“ betitelt Burisch die sechste Kategorie. Zu diesen Reaktionen zählen beispielsweise Herzklopfen, erhöhter Blutdruck, Rückenschmerzen, Übelkeit und Kopfschmerzen. Er erwähnt ebenso Symptome wie Schlafstörungen, veränderte Essgewohnheiten und die Zunahme von Suchtmittel-Konsum (vgl. Burisch 2014, S. 35). Auch Freudenberger beschreibt in Stadium sieben die Zunahme „falscher Therapien“ wie „Alkohol, Sex, Beruhigungsmittel, Essen, Aufputschmittel und Drogen“. In Stadium acht hingegen, erwähnt er ausschließlich die „beobachtbaren Verhaltensänderungen“ (Freudenberger 1994, S. 144). Diese können sich zeigen, indem Betroffene sich zurückziehen, ihre Erreichbarkeit erschweren, ihre Einstellungen verändern oder mehr als früher rauchen.

Zum Schluss folgt bei Burisch in der siebten Kategorie die „existenzielle Verzweiflung“. Hierbei beschreibt er sogar Selbstmord als eine der wahrscheinlichen Folgen des zuvor durchlaufenen Prozesses (vgl. Burisch 2014, S. 35).

Freudenberger beginnt in Stadium zehn mit der inneren Leere und schildert diese als einen Zustand „unterträglichen seelischen Schmerz(es) und Leiden(s)“. Daraufhin folgen im elften Stadium die „depressive(n) Episoden“, in denen der Verlust des Sinns des Lebens beschrieben wird (vgl. Freudenberger 1994, S. 149-152).

Im allerletzten Stadium, das Freudenberger „Burn-out-Syndrom“ nennt, folgt der „totale(n) Zusammenbruch“ und er empfiehlt zwangsläufig medizinische und psychotherapeutische Hilfe (vgl. Freudenberger 1994, S. 155 f.).

Dies zeigt, dass sowohl Freudenberger als auch Burisch Burnout als langwierigen Prozess ansehen.

Die sieben Kategorien von Burisch und die zwölf Phasen von Freudenberger verdeutlichen den Burnout-Verlauf. Dabei werden den Phasen bzw. Kategorien Symptome zugeordnet. Beide Modelle ermöglichen eine Einschätzung des Burnout-Risikos und zeigen auf, wie weit der Prozess bei betroffenen Personen bereits fortgeschritten ist. Eine eindeutige Zuordnung ist hierbei jedoch nicht möglich, da niemals alle Symptome auftreten und auch die Reihenfolge dem Modellverlauf nicht immer entspricht (vgl. Kernen und Maier 2008, S. 205).

3.2.2 Vier-Phasen-Modell von Prieß

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 „Alarmphase“, Quelle: Vom Autor konstruiert (vgl. Prieß 2013, S. 23)

Prieß beschreibt den Verlauf von Burnout anhand von vier Phasen: Alarmphase, Widerstandsphase, Erschöpfungsphase und Rückzug (vgl. Prieß 2013, S. 22-40). Diesen beschreibt sie am Beispiel eines Konflikts zwischen zwei Personen, erwähnt aber auch, dass das beschriebene Modell ebenso auf Gruppen, Teams und Unternehmen übertragbar ist (vgl. Prieß 2013, S. 40). Prieß verweist darauf, dass sich die Verläufe von Person zu Person unterscheiden und sagt der „Weg zum Burnout ist immer ein individueller“ (Prieß 2013, S. 22). Die Dauer der Phasen hängt dabei von der Person und den jeweiligen Kraftreserven ab.

Der Verlauf nach Prieß beginnt in der Alarmphase (siehe Abb. 2), in der der Konflikt erstmalig bemerkt wird. In dieser sind sich die zwei Personen nicht einig und gelangen zu der Erkenntnis, dass keiner der beiden Personen von seinem Standpunkt abweichen wird. Dies erzeugt eine „Alarmreaktion“ (vgl. Burisch 2010, S. 82) und damit auch die ersten Stresssymptome. Erste psychosomatische Symptome wie beispielsweise Herzrasen oder Schwitzen treten auf (siehe Kapitel 2.2.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 „Widerstandsphase“, Quelle: Vom Autor konstruiert (vgl. Prieß 2013, S. 25)

Anschließend folgt die Widerstandsphase (siehe Abb. 3), bei der sich entscheidet, welche der beiden Personen die Dominanz übernimmt und welche mit dem Rückzug beginnt. Die Person, die anfängt sich zurückzuziehen, ist die Burnout-Gefährdete. Sie merkt, dass ihre Kompetenzen zu gering sind, um zu gewinnen, hat aber auch keine Chance aufzugeben. Es entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit. Letztendlich will sie nur noch das gegenteilige Ziel des Gegenübers erreichen. „Gegen etwas zu sein oder dagegenzuhalten, kostet viel Kraft, am Ende deutlich mehr, als die eigene Person zu vertreten“ (Prieß 2013, S. 33) schreibt Prieß. Immer mehr Stress entsteht und die psychosomatischen Reaktionen beginnen sich zu verschlimmern. Die Gefahr für Suchterkrankungen steigt immer mehr an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 „Erschöpfungsphase“, Quelle: Vom Autor konstruiert (vgl. Prieß 2013, S. 34)

In der Erschöpfungsphase (siehe Abb. 4) beginnt dann der eigentliche Rückzug und wird nun auch in den sozialen Kontakten bemerkbar. Der „Widerstand wird aufgegeben, da die Belastung „als hoch, dauerhaft oder unausweichlich erlebt wird“ (Prieß 2013, S. 34). Die Symptome fangen an chronisch zu werden und die Person fragt sich selbst, weshalb es ihr so schlecht geht, stellt aber keinen Zusammenhang zum Konflikt fest (vgl. Prieß 2013, S. 34 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Burnout bei jungen Führungskräften. Ursachen, Verlauf und Prävention
Hochschule
Brand Academy Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
30
Katalognummer
V296040
ISBN (eBook)
9783656940265
ISBN (Buch)
9783656940272
Dateigröße
690 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
burnout, führungskräften, ursachen, verlauf, prävention
Arbeit zitieren
Merlin Hannemann (Autor), 2015, Burnout bei jungen Führungskräften. Ursachen, Verlauf und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296040

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