Psychologisch aufgeladene Superhelden im Film des 21. Jahrhunderts. Das "Neue" an Christopher Nolans "Batman Begins"


Hausarbeit, 2013
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Batman - Der Beginn eines neuen Superheldentypus?

2. Was sind Superhelden?

3. Die Geschichte von Batman - Vom Comic zum Film

4. Batman im Film vor dem 21. Jahrhundert

5. Batmans filmischer Neustart in Batman Begins
5.1. Die Begriffe Story, Backstory(wound) und Plot nach Michaela Krützen
5.2. Die Backstorywound in Batman Begins

6. Fazit - Der Grundtenor der Psychologisierung in Hollywood

7. Literaturverzeichnis

1. Batman - Der Beginn eines neuen Superheldentypus?

Die Batman Trilogie von Christopher Nolan ist das derzeit finanziell erfolgreichste Superhelden Franchise.1 Aus diesem Grund habe ich mir die Frage gestellt, wie es dazu kam, dass ein Hollywood Superhelden Film nicht nur von Action und Kämpfen, sondern ebenso so stark von psychologischen Motiven der Hauptfigur lebt. In dieser Arbeit möchte der Frage nachgehen, was das "Neue" an Christopher Nolans Batman Begins ist und darüber hinaus untersuchen, ob damit zu rechnen ist, dass sein Konzept eine einen Einfluss auf die Produktion von kommenden Superheldfilmen haben wird. Zunächst gehe ich im ersten Kapitel auf die Figur des Superhelden im Allgemeinen ein. Im darauf folgenden Kapitel betrachte ich die Entwicklung Batmans von einer gezeichneten Comicfigur zu einem audiovisuellen Film. Daraufhin werde ich aufzeigen, wie die Batman Filme vor und nach dem 21. Jahrhundert inszeniert wurden. Das letzte Kapitel fasst das Ergebnis dieser Untersuchung zusammen.

2. Was sind Superhelden?

Schauen wir uns das Wort „Superheld“ einmal genauer an. Bei der Betrachtung der Etymologie des Wortes „Superheld“ wird ein sehr glattes Bild porträtiert. Nehmen wir die zwei Elemente des Wortes genauer unter die Lupe. Das Wort „Super“ ist ein Adjektiv mit der Bedeutung „sehr gut, hervorragend, großartig“. „Held“ (lat. Heros) ist nach dem Zedler Lexikon definiert als:

„Einer, der von Natur mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibesstärcke begabet, durch tapfere Thaten Ruhm erlanget, und sich über den gemeinen Stand derer Menschen erhoben.“2

Ein Superheld ist meist mit gottgleichen, übernatürlichen Fähigkeiten bestückt, die ihm neben großer physischer Stärke auch unsterblich werden lassen. Bereits Achilles, die sonst gottgleiche, nahezu unverwundbare Heldenfigur, besitzt in Homers Ilias eine verwundbare Stelle an seiner Ferse. Auch bei neueren Superhelden bedienen sich deren Erschaffer der Idee der einen verwundbaren Stelle. Der eigentlich unverwundbare Superman wird bei Kryptonit in die Knie gezwungen. Oftmals ist die Schwachstelle, eine physische, auf die der halbgöttliche Heros stets Acht geben muss, um nicht bezwungen und damit an der Durchführung seiner Heldentaten verhindert zu werden. Doch was ist, wenn der Superheld kein Halbgott, wie in der griechischen Mythologie, sondern ein normaler, sterblicher Mensch ist? Hier ist die physische Verletzbarkeit allgegenwärtig und stellt somit keine herausragende Eigenschaft der Heldenfigur dar. Genau hier setzen Bob Kane und Bill Finger bei der Erschaffung von Batman an und eröffnen neben einer von Heldentaten erfüllten Welt, eine düstere und tiefenpsychologische Illustration, auf die ich im weiteren Verlauf der Ausarbeitung detaillierter eingehen werde. An dieser Stelle stellt sich die Frage: Ist Batman überhaupt ein Superheld? Er besitzt keine außergewöhnlichen Eigenschaften, die die Natur oder menschliche physikalische Welt außer Kraft setzen und ist obendrein noch von einschneidenden Erlebnissen aus seiner Kindheit geplagt, die nun neben der körperlichen auch eine psychologische Angriffsfläche bieten. Im Wesentlichen sind die Kerneigenschaften eines Superhelden (neben der Tatsache, dass diese „Großartig“ ausgeprägt sind) meiner Auffassung nach: Optisch Auffällig, physische Stärke, Mut. Bei den ersten zwei Eigenschaften besteht kein Zweifel, dass Batman diese besitzt. Doch bei der letzten kann ich an dieser Stelle nicht ohne weitere Überlegungen zustimmen. Ob Batman tatsächlich Mut hat, oder nur ein von Angst geplagter, verletzbarer Mensch ist, lässt sich im Rahmen einer Analyse der psychologischen Motive in Batman Begins (2005) erörtern. Auf diese Frage werde ich im späteren Verlauf dieser Arbeit eingehen. Hierbei wird der Fokus auf dem ersten Teil der Trilogie des Regisseurs Christopher Nolan liegen, weshalb die vorherigen Batman Filme (inkl. des animierten Batman Films), sowie die darauffolgenden The Dark Knight (2008) und The Dark Knight Rises (2012) nur grob skizziert werden. Doch gehen wir erst einmal einen Schritt zurück und betrachten die Entstehung Batmans.

3. Batman vom Comic zum Film

Batmans Entstehung geht zurück bis in die 1930er Jahre, einer politisch-, sowie sozioökonomisch extrem schwierigen Zeit. Zum Einen hatten die USA gerade mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen. Zum Anderen war die Bevölkerung nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland und deren politischen Konsequenzen vor allem Mitte der 1930er mit der Angst eines bevorstehenden Krieges konfrontiert. Um die alltäglichen politischen Konflikte verarbeiten zu können, erfreuten sich Comic- Bücher als Ablenkungsmedium zunehmender Beliebtheit. Die Comic Industrie konzentrierte sich sogar soweit auf das Thema Krieg, dass diese als „War Comic“3 4 bezeichnet wurden. In dieser Zeit etablierten sich Superhelden-Comics im speziellen, da hier stets Lösungen zu vorhandenen Problemen aufgezeigt wurden.5 Der 1934 gegründete Verlag „DC Comics“ hatte mit Superman im Jahre 1938 den „arguably greatest superhero of all“6 7 8 geschaffen. Bob Kane entwickelte eine zu Superman dichotome Batman Figur, dessen optische Erscheinung auf einer Zeichnung von Leonardo da Vinci beruht, in der der Künstler eine Flügelkonstruktion für Menschen zum gleiten entwickelte, welche einer Fledermaus ähnelte. „The Bat-man“ betrat das Licht der Comic-Welt im Rahmen des „Detective Comics Nr. 27“ im Jahre 1939 und etabliert sich neben Superman aufgrund des neuen, andersartigen Stils als erfolgreicher Superheld.9 Bevor Batman den Sprung in das große Kino schaffte, durchlief der auch unter dem Namen „Dunkle Ritter“ bekannte Batman erst kleinere Formate. So bekam Batman prominente Teile in der „Superman Radio-Show“ und eigene Fortsetzungskurzfilme im Kino. Hier bekämpfte Batman das Böse und erfreute sich vor allem bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Der Comic-Auto Bill Finger, welcher zusammen mit Bob Kane die Batman Figur detaillierter ausarbeitete, gab Batman einen jungen Partner Namens Robin. „The thing that bothered me was that Batman didn‘t have anyone to talk to”.10 Doch während Batman auf der Leinwand und im Comic immer mehr Menschen begeisterte, musste er sich nun einem realen Feind stellen, welcher seine Popularität auf eine harte Probe stellte. Das Werk eines Arztes für Psychiatrie stellte die gesamte Comic-Buch Industrie in Frage.11 12 So bestritt Batman seine Taten zusammen mit seinem Partner Robin, welches in der kritischen Phase der 1950er dazu führte, dass der Psychologe und Autor Frederic Wertham in seinem Buch „Seduction of the Innocent“ beide Superhelden als Homosexuell darstellte.

Offensichtlich war dies nicht positiv für das Image des aufstrebenden Batman. Zwar wurde die „Comic Magazine Association of America“ gegründet, um fortan alle Comics zu prüfen, jedoch half dies dem bereits stark geschädigten Image Batmans nicht. In den 1970ern kam es zu Tiefpunkt, sodass der Präsident von „DC Comics“ zum damals noch jungen Comic- und Drehbuchautor Michael Uslan sagte, „Batman ist Tod“. Batman war den Produktionsstudios weitestgehend als humorgeprägter Charakter aus dem TV bekannt, wodurch Michael Uslan große Schwierigkeiten hatte die eigentlich tiefe und ernste Geschichte in die Kinos zu bringen. Nach eigener Aussage erteilte jedes einzelne Studio in Hollywood Michael Uslan und seinem Partner Benjamin Melnicker eine Absage.13 14 Michael Uslan blieb jedoch von seiner Idee überzeugt und nach hartnäckigen weiteren Verhandlungen landete das Projekt bei Warner Bros., welche Tim Burton als Regisseur engagierten und Michael Keaton, nach kontroversen Diskussionen, für die Hauptrolle gewannen.15 Die Gründe dafür und wie sich Batman auf der großen Kinoleinwand entwickelte erörtere ich im folgenden Kapitel.

4. Batman im Film vor dem 21. Jahrhundert

Tim Burton verantwortete als Regisseur die ersten zwei Batman Kino-Filme: Batman (1989) und Batman Returns (1992). Er legte hierbei den Fokus auf die Themen: Batmans Mysteriosität und Verbrechensbekämpfung in der Stadt Gotham City. Hierbei wurde die Entwicklung von Bruce Wayne zu Batman komplett außen vor gelassen, was wahrscheinlich daran lag, dass Tim Burton kein ausgeprägtes Interesse an der Grundmaterie hatte: „I was never a giant comic book fan, but I've always loved the image of Batman and the Joker.“16 17 18 Bereits im Marketing für den ersten Film wurde deutlich, dass hier die Figur Batman und nicht der Charakter Bruce Wayne und dessen Leben vordergründig thematisiert wurden. Bruce Wayne tritt im Trailer nur 3 Mal sehr kurz in Erscheinung, wohingegen Batman die Bildanteile zusammen mit dem Hauptfeind Joker dominiert. Der Drehbuchautor Samm Hamm ging sogar soweit, dass 18 er eine Backstory , also vorgelagerte erklärende Handlung, als unglaubwürdig ansah: „You totally destroy your credibility if you show the literal process by which Bruce Wayne becomes Batman“.19

[...]


1 Vgl. Toscano, Paul: Highest Grossing Superhero Movie Franchises. In: CNBC.com, 20.06.2011. URL: http://www.cnbc.com/id/32628073/page/1 (10.03.2013).

2 Bayerische Staatsbibliothek München: zedler-lexikon.de, URL: http://www.zedler- lexikon.de/blaettern/einzelseite.html?zedlerseite=&bandnummer=12&seitenzahl=630&dateiformat=1&su pplement= , Seite 630 f. (11.03.2013).

3 Vgl. Goulard, Ron: Comic Book Culture: An Illustrated History. Portland, 2000 S. 159.

4 Ebd.

5 Ebd. S. 102.

6 LoCicero, Don: Superheroes and Gods: A Comparative Study from Babylonia to Batman. North Carolina 2007. S. 163.

7 Vgl. Fardeen Ahmed: The History of Batman (1 of 4). In: Youtube, 03.12.11. URL: http://www.youtube.com/watch?v=AyzI41mz1qA&t=260 (10.03.2013).

8 So lautete der Originalname. Ich werde im weiteren Verlauf bei der Bezeichnung „Batman“ bleiben.

9 Vgl. HeritageAuctions: Detective Comics #27 First Batman Comic Record Price Feb. 25. In Youtube, 01.03.2010. URL: http://www.youtube.com/watch?v=RijN_s_b3lk (10.03.2013).

10 Daniels, Les: Batman - The Complete History: The Life and Times of the Dark Knight. California, 2004 S. 28.

11 Vgl. Fardeen Ahmed: The History of Batman (2 of 4). In: Youtube, 03.12.11. URL: http://www.youtube.com/watch?v=uZwxseZiBpw&t=375 (10.03.2013).

12 Wertham, Frederic: Seduction of the Innocent. New York/Toronto, 1953. S. 190 f.

13 Vgl. Ramey, Bill: AN INTERVIEW WITH MICHAEL USLAN - Part 1. In: Batman-on-film.com, URL: http://www.batman-on-film.com/interview_muslan_2.html (11.03.2013).

14 Vgl. Ramey, Bill: AN INTERVIEW WITH MICHAEL USLAN - Part 2. In: Batman-on-film.com, URL: http://www.batman-on-film.com/interview_muslan_3.html (11.03.2013).

15 Ebd.

16 Salisbury, Mark: Burton on Burton. London, 2006 S. 71.

17 Vgl. TheTrailerGal: The Batman (1989) Original Trailer. In: Youtube, 27.10.10. URL: http://www.youtube.com/watch?v=uZwxseZiBpw (11.03.2013).

18 Für eine genaue Begriffsdefinition siehe Kapitel 4.1..

19 Vgl. Kamal, Nathan: Criminally Overrated: Batman. In: spectrumculture.com, URL: http://spectrumculture.com/2012/07/criminally -overrated-batman. html (11.03.2013).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Psychologisch aufgeladene Superhelden im Film des 21. Jahrhunderts. Das "Neue" an Christopher Nolans "Batman Begins"
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Medienkultur und Theater)
Veranstaltung
Basismodul 1: Einführung in die Medienkulturwissenschaft / Übung: Einzelmedien und mediale Verbundsysteme.
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V296219
ISBN (eBook)
9783656941910
ISBN (Buch)
9783656941927
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
batman, medienwissenschaften, christopher nolan, medienanalyse, medienkultur, einführung medienwissenschaften, psychologie im film, superhelden, superman, hollywood
Arbeit zitieren
Jesse Khala (Autor), 2013, Psychologisch aufgeladene Superhelden im Film des 21. Jahrhunderts. Das "Neue" an Christopher Nolans "Batman Begins", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296219

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