Der Abschied vom Cyborg? Die Verschmelzung von Mensch und Technik als Chance wieder Mensch zu sein


Hausarbeit, 2013
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Mensch im technischen Wandel

2. Der Cyborg Begriff im geschichtshistorischen Kontext
2.1. Eine Analyse des Begriffs „Cyborg”
2.2. Neu Definition des Cyborg-Begriffs

3. Was heißt es, Mensch zu sein?
3.1. Darstellung des Menschen und die Interaktion mit Maschinen im Film
3.2. Unterscheidung vom Tier

4. Ausblick in die Zukunft: Die Auswirkung einer möglichen technischen Singularität
4.1. Die Chancen und Risiken einer technischen Singularität auf Basis des Singularitätsbegriff nach R. Kurzweil

5. Fazit - Das baldige Ende der Übergangsform

6. Literaturverzeichnis

1. Der Mensch im technischen Wandel

Zukünftige Generationen werden eine Welt ohne technische Hilfsmittel nur als archaisches Gedankenspiel kennenlernen. Die Nutzung von Technik im Alltag ist nicht mehr wegzudenken, doch ob dieser Sachverhalt nun eine positive oder negative Auswirkung auf den Menschen hat, lässt sich nicht ohne weitere Überlegungen beantworten. Vor diesem Hintergrund habe ich mir die grundsätzliche Frage gestellt, ob der Mensch durch diese Entwicklung bald vor einer „Verschmelzung“ mit der Technik steht und dadurch wieder zu sich selber finden kann. Um diesen Gegenstand auszuleuchten, will ich im ersten Diskurs auf das Thema Cyborg eingehen, um auf Basis dessen das Verständnis des Menschseins zu analysieren. Daraufhin werde ich die Chancen und Risiken einer technischen Singularität diskutieren und zum Schluss die Ergebnisse zusammentragen.

2. Der Cyborg Begriff im Geschichtshistorischen Kontext

Nach der darwinistischen Evolutionstheorie entwickeln sich Organismen von Generation zu Generation weiter, passen sich den Umweltbedingungen an und sichern somit ihr Überleben. Hierbei ist der Entwicklungsprozess in gewisser Weise „unbewusst“, da der Organismus nicht aktiv, per Befehl oder Anweisung, der nächsten Generation mitteilt, was die momentane Situation oder Herausforderung ist und wie diese verbessert werden müsste. Vielmehr reagieren die Neuronen und Zellen entsprechend der äußeren Einflüsse und lenken die Stimuli über biochemische Prozesse in die DNS des aktuellen Organismus, welcher dann eine „optimierte“ neue Generation hervorbringt. Doch dieser Vorgang hat sich fundamental in den 1960ern geändert, als der Mensch im Begriff war, sich von der Schwerkraft der Erde zu lösen und den Weltraum zu erforschen. Dieses war der Zeitpunkt, als die Wissenschaftler Manfred Clynes und Nathan Kline in Ihrem Aufsatz „Cyborgs and Space“,1 den Begriff „Cyborg“ prägten und damit den theoretischen Weg für die Fahrt ins All ebneten. Schauen wir uns zunächst diesen Begriff genauer an, um zu verstehen, wie der Versuch unternommen wurde, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik in Form von Sprache greifbar zu machen.

2.1 Eine Analyse des Begriffs “Cyborg”

„The Cyborg deliberately incorporates exogenous components extending the self- regulatory control function of the organism in order to adapt it to new environments. “2 Bevor der Begriff Cyborg konstruiert wurde, waren die Grundbausteine bereits Gegenstand der Science-Fiction Hemisphäre des frühen 20. Jahrhunderts. So entwarf der Autor Jean de La Hire 1911 einen Science-Fiction Superhelden namens Nyctalope, welcher die Fähigkeit besaß, nachts zu sehen und mit einem künstlichen Herzen ausgestattet war.3 Hierbei werden die Grenzen des menschlichen Organismus zum einen erweitert (sehen bei Nacht), zum anderen ist hier bereits der Gedanke der technischen Überlegenheit gegenüber dem organischem vorhanden (dieses Thema wird ab Kapitel 3.1 näher betrachtet), denn der Superheld könnte bei Herzproblem theoretisch auch ein organisches Spenderherz tragen. Mitte des 20. Jahrhunderts (1960) dann war der Zeitpunkt gekommen, als zwei wissenschaftlicher sich der Thematik annahmen und fortan den Begriff Cyborg etablierten. Die ursprüngliche Begriffsbedeutung nach Clynes und Kline war sehr praktikabel, ohne jegliche Konnotation und diente der Klassifizierung eines Hilfsmittels, welches dem Menschen ein Überleben in menschenunfreundlichen Bedingungen sicherte. Dieses externe, mechanische Hilfsmittel garantiert, dass die biophysiologischen Abläufe des menschlichen Körpers auch unter nicht irdischen Bedingungen funktionieren. Es dauerte ca. 25 Jahre bis Donna Haraway in ihrem Essay „Ein Cyborg Manifesto“ (1985) sagte: „(…)wir sind alle Cyborgs“4 und damit feststellte, dass sich die Grenze der Welten: Mensch / Maschine, Organisch / Mechanisch (Anorganisch) nun verflüssigt hat. Denn technische Hilfsmittel haben sich nun als alltäglicher Begleiter etabliert (z.B.: das Telefon, oder Medien wie das Fernsehen oder Radio) und werden darüber hinaus zum zentralen Steuerungsinstrument der (westlichen) Arbeitswelt in Form von z.B. Computern. Zwar hat sich die Umweltbedingung nicht direkt für den Menschen verändert (Klima, Temperatur), jedoch ist die Dimension Zeit zum wesentlichen Arbeitsfaktor geworden und durch technische Systeme, wie dem Computer, das Telefon, lässt sich die Kommunikation zwischen Menschen um ein vielfaches beschleunigen.

Doch auch auf der Erde gibt es klimatische Zustände, die eine „Erweiterung“ des menschlichen Körpers bedingen. Daher will ich im nächsten Schritt den Begriff etymologisch ausleuchten, um auf Basis dessen eine angepasste Definition abzuleiten.

2.2 Neu Definition des Cyborg-Begriffs

Zu Beginn will ich einen Blick auf die beiden Teile des Begriffs Cyborgs werfen. Der erste Teil ist eine Kürzung des Wortes „cybernetics“, welches seine Herkunft im griechischen hat und für „Steuermann“ steht.5 Die zweite Komponente ist dem Wort „Organismus“ entnommen, welches seine Wurzel im Begriff „Organ“ hat, dieses lässt sich mit Musikinstrument übersetzen.6 Demnach versteh ich den Begriff Cyborg als „Steuerungsinstrument“.

Bezogen auf den Menschen sehe ich es als Steuerung der biologischen Abläufe. Diesen Gedanken will ich gerne an einem Beispiel festmachen: Als die Urzeitmenschen Tierfelle einsetzten, um die Kälte der Nacht, oder einen harten Winter zu überstehen, haben diese bereits einen Cyborg eingesetzt. Denn das Fell ist in diesem Fall das Steuerungsinstrument, welches die Körpertemperatur auf solch ein Niveau reguliert, dass der menschliche Organismus ohne Probleme überleben kann. Als weiteres Beispiel werde ich das Boot aufführen: Der Mensch kann unter normalen Bedingungen nur eine gewisse Zeit im Wasser überleben, wenn das Wasser jedoch nahe dem Gefrierpunkt ist, ist die Überlebenszeit verschwindend gering. Durch den Einsatz eines Bootes überwindet der Mensch dieses Hindernis und kann nun in einer Umgebung überleben und reisen, die normalerweise aufgrund seines biophysiologischen Aufbaus nicht als Überlebenswert erachtet werden würde. Der Mensch interagiert mit dem Boot, welches wiederum auf die Anweisungen des Menschen reagiert und somit bilden beide zusammen als Einheit einen Cyborg.7

Der Cyborg ist also weniger ein Konstrukt, welches zu einem gewissen Zeitpunkt in der menschlichen Welt aufgetaucht ist, sondern vielmehr ein schon lange bestehendes Mittel, um z.B. auf die wechselnden Umweltbedingungen zu reagieren. Es ist ein Wechselspiel, bei dem beide Akteure eine Einheit bilden, um ein fortbestehen sicherzustellen oder gewisse Hindernisse zu überwinden. Doch warum besteht dennoch eine Auffassung, dass die zwei Akteure im Grunde voneinander zu trennen seien?

Wieso sieht sich der Mensch ohne Hilfsmittel als eine Entität und den Menschen, der ein Hilfsmittel einsetzt als etwas komplett Neues, von dem unter Umständen sogar eine Gefahr ausgeht? Diesen Fragen versuche ich mich im folgenden Kapitel zu nähern, in dem ich darauf eingehe, was einen Menschen ausmacht, wie der Mensch sich selber (in den Medien) Darstellt und was der Unterschied zu anderen Organismen wie den Tieren ist.

3. Was heißt es, Mensch zu sein?

Um die Frage dieses Abschnittes beantworten zu können, will ich erst einmal einen Schritt zurückgehen und grundsätzlich diskutieren, was ein Lebewesen von einem Ding unterscheidet. Ein Lebewesen kann aus biologischem Gesichtspunkt als multizellulärer Organismus beschrieben werden, welcher sich stetig weiter Entwickelt. Hierbei entwickelt jeder Organismus eine persönliche Geschichte, welcher verschiedene Stadien durchläuft. An der Stelle kann eine Unterteilung in „typische Entwicklungsphasen“8 vorgenommen werden. "So wird z.B. das Leben von Menschen in Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter unterteilt, oder das Leben von Insekten in ein Larval- und ein Adultstadium.“9 Ein Ding hingegen ist ein statisches Element, welches auf äußere Einflüsse reagieren kann, jedoch selber keine aktiven Prozesse durchläuft und somit keine persönliche Lebensgeschichte schreibt. Auf Basis der bisherigen Ausführung mag die Vermutung nahe liegen, dass ein mechanisches Konstrukt ein Ding ist, da es keine unmittelbare, persönliche Lebensgeschichte aufzeichnet. Doch mit zunehmender Aufgabenvielfalt steigt auch die Komplexität der Maschinen, welche nicht nur statische Arbeit verrichten (wie etwa ein Telefon die Stimme über eine bestimmte Distanz trägt), sondern nun auch selber Algorithmen und Methoden innehaben, welche komplexe Aufgaben ausüben. Darüber hinaus, ist anzunehmen, dass bald ein Stadium erreicht sein, wo Maschinen dazu in der Lage sein werden, selbstständig und ohne menschlichen Einfluss neue Maschinen zu bauen (Fortpflanzung).

[...]


1 Vgl. Manfred E. Clynes, Nathan S. Kline. In: Chris Hables Gray, Heidi Figueroa-Sarriera, Steven Mentor (Hrsg): The Cyborg Handbook. New York & London 1995, S. 29.

2 Ebd. S. 31.

3 Vgl. Stephensen-Payne, Phil: The Nyctalope on Mars. In: philsp.com, URL: http://www.philsp.com/stableford/translations/nyctalope_on_mars.htm (27.09.2013)

4 Vgl. Haraway, Donna: Die Neuerfindung der Natur. Frankfurt/New York, S. 34.

5 Random House Dictionary: dictionary.com, URL: http://dictionary.reference.com/browse/cybernetics (26.09.2013).

6 Random House Dictionary: dictionary.com, URL: http://dictionary.reference.com/browse/organ (26.09.2013).

7 Vgl. OUlearn: Are we cyborgs? - A cyborg future? (2/5). In: Youtube, 24.06.2008. URL: http://www.youtube.com/watch?v=HyGyJ0aXlbY (28.09.2013)

8 Vgl. Schark, Marianne: Lebewesen versus Dinge: Eine metaphysische Studie. Berlin, 2005. S. 202.

9 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Abschied vom Cyborg? Die Verschmelzung von Mensch und Technik als Chance wieder Mensch zu sein
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Medienkultur und Theater)
Veranstaltung
Basismodul 4: Formate, Genres, Gattungen / Übung: Etablierung und Verlauf: Hybridisierung und Antiessentialität. Technosomatics – Mischwesen der Moderne
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V296224
ISBN (eBook)
9783656940975
ISBN (Buch)
9783656940982
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cyborgs, medientheorien, singulatität, ray kurzweil, technosomatics, mischwesen, medienanalyse, terminator, I Robot, künstliche intelligenz, KI, artificial intelligence, minority report, natur kultur
Arbeit zitieren
Jesse Khala (Autor), 2013, Der Abschied vom Cyborg? Die Verschmelzung von Mensch und Technik als Chance wieder Mensch zu sein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296224

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