Verlust oder Chance? Der Große Brand von Hamburg 1842


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hamburgs Stadtentwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts
2.1. Frühindustrialisierung, Expansion und Planung „extra mura“
2.2. Planung „intra muros“ und allmähliche Modernisierung

3. Der Große Brand 1842
3.1. Verlauf des Großen Brandes
3.2. Ausmaß des Brandes
3.3. Gründe

4. Hamburg nach dem Großen Brand von 1842
4.1. Wiederaufbaupläne
4.1.1. Ideen und Entwürfe der Technischen Kommission
4.1.2. Gesetzlicher Rahmen
4.2. Veränderungen am Stadtbild
4.2.1. Gebäude
4.2.2. Verkehr und Straßen
4.2.3. Ausgewählte Einzelbeispiele – Alsterarkaden/Glockengießerwall
4.3.3. Wohnen und beginnende Citybildung

5. Der Große Brand als Verlust oder Chance? – Ein Fazit.

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des besuchten Hauptseminars „Die Stadt in der Neuzeit“ wird sich diese Seminararbeit der Stadtentwicklung Hamburgs im 19. Jahrhundert widmen. Den meisten städtebaulichen Projekten wie der Stadterweiterung oder der Neuordnung der Gesamtstadt oder einzelner Stadtabschnitte liegen langfristige Überlegungen und verschiedene Entwürfe zugrunde. Absichten, die mit der Neukonzeption einer Stadt verfolgt werden, können dabei verschiedenste sein. Prestigegründe, Bestrebungen sich den wandelnden Rahmenbedingungen anzupassen (Einwohnerzahl u.Ä.) oder auch der allgemeine Wunsch nach Modernisierung sind Motive für Veränderungen des Stadtbildes. Katastrophen, wie Kriege oder große Brände, liegen nicht unmittelbar in der Gewalt der Menschen der betroffenen Stadt und zwingen diese doch durch die Zerstörung einzelner Stadtquartiere oder der Gesamtstadt zum Neuaufbau. Von Bränden waren in der Geschichte mehrere größere Städte betroffen, jedoch ist der Verlauf des Neuaufbaus der einzelnen äußerst different.

Um die Art des Wiederaufbaus in Hamburg, welches durch den Großen Brand von 1842 eine enorme Zerstörung erfuhr, aufzuzeigen, ist es zunächst im zweiten Kapitel nötig, die Hansestadt in seiner Entwicklung und seinem Bebauungsstil zu Beginn des 19. Jahrhunderts darzustellen. Der Große Brand selbst in seinem Verlauf und Ausmaß soll dann im Weiteren beschrieben werden, um anschließend das neubebaute Hamburg vorstellen zu können. Die Seminararbeit beschäftigt sich mit der übergeordneten Fragestellung, ob der Große Brand als Verlust oder als Chance für Hamburg und seine Bewohner im 19. Jahrhundert zu deuten ist. Diese Problematik wird im letzten Kapitel zum Abschluss betrachtet und diskutiert.

Als Literatur wird in dieser Abhandlung vor allem mit Evi Jung-Köhlers „Verlust und Chance“ gearbeitet, da sie detailliert die städtebaulichen Veränderungen beschreibt. Zur Darlegung des Großen Brands empfiehlt sich außerdem „Der Hamburger Brand von 1842“ von Harry Braun und Manfred Gihl.

Bedeutend für das Verständnis der einzelnen Veränderungen sind Zeichnungen, Lithografien, Gemälde und Fotographien. Daher wird diese Seminararbeit einen relativ hohen Umfang an bildlichen Quellen aufweisen, welche beispielsweise die neuen Bebauungen oder Details zum Brand zeigen und aus den beiden schon erwähnten Werken stammen.

2. Hamburgs Stadtentwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts

2.1. Frühindustrialisierung, Expansion und Planung „extra mura“

Hamburg war zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine stark wachsende Stadt. Schon vor dem Großen Brand entwickelte es sich allmählich zu einer modernen Großstadt. Die Einwohnerzahl stieg von 120500 Personen im Jahr 1811 auf 171013 im Jahr 1850. Durch die wachsende Bevölkerung blieb nicht mehr genug Wohnraum in der Stadt selbst, sodass Umsiedlungen auf das Land die Folge waren. Im Zuge dessen wurden viele umliegende Festigungsanlagen abgerissen. Nach dem Ende der Franzosenherrschaft begann die Entfestigung der Stadt 1819 zur Öffnung Hamburgs zu den Vorstädten. Außerdem wurde ein grüner Alleegürtel um die einstige Umgrenzung der Stadtmauern angelegt. Ein einheitliches Stadterweiterungsprinzip existierte vor dem Großen Brand von 1842 jedoch noch nicht.

Neben der beginnenden Entfestigung und der rasant zunehmenden Bevölkerungszahl gelangte die Hansestadt auch wirtschaftlich gesehen zu neuem Ansehen in dem Zeitraum zwischen den Jahren 1800 und 1842: Der Überseehandel florierte und der Dienstleistungssektor bildete sich in Folge dessen weiter heraus. Die von England ausgehende Frühindustrialisierung ebnete desweiteren den Weg für Erneuerungen. Moderne englische Technologien wurden übernommen, auch weil zwischen Hamburg und England reger Schiffsverkehr bestand. Die Dampfschiffverbindung, welche seit 1825 existierte, sicherte nachhaltig gute Handelsbeziehungen. Eine weitere englische Erfindung, die Eisenbahn, kam 1842 in Hamburg zum Einsatz. Das erste Streckennetz, welches von Hamburg nach Bergedorf verlief und somit den ersten Schritt zur Verbindung von Hamburg und Berlin darstellte, wurde kurz vor dem Großen Brand eröffnet. Nun stand nicht nur der Schiffsverkehr zum Transport von Gütern im Fokus, auch der Landverkehr wurde für Hamburg von Bedeutung.

2.2. Planung „intra muros“ und allmähliche Modernisierung

Vor dem Großen Brand waren bereits bauliche Maßnahmen im Stadtkern angefangen worden, zum Teil sogar abgeschlossen. Mehrere alte Gebäude wurden abgerissen und die entstandenen Freiflächen für Neubebauungen genutzt. Ein Beispiel dafür bildet der Abriss des alten Hamburger Domes, welcher durch das Johanneum ersetzt wurde. Im Stadtkern wurden also schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts einige Veränderungen vorgenommen, die wegweisend für die Bebauung nach 1842 waren. Die Neue Börse, welche 1841 fertiggestellt wurde, entstand auf der Fläche des früheren St.-Maria-Magdalenen-Klosters und spielt, wie im Weiteren ersichtlich wird, noch eine tragende Rolle für die Hamburger. „Die in den letzten Jahrzehnten vor dem Brand errichteten Neubauten trugen bereits alle das Stilmerkmal des Klassizismus, der kurz darauf auch den Wiederaufbau großflächig prägte“1, schreibt Evi Jung-Köhler, was unter anderem auch auf die neue Börse zutrifft. Der Rest der Innenstadt, welcher noch nicht saniert wurde, bestand vor dem Großen Brand aus eng gebauten Fachwerkhäusern, also Holz- und Backsteinbauten im barocken oder biedermeierlichen Stil.2

3. Der Große Brand 1842

„Die Straßen sind eng, außerdem für meine englische Rasse ziemlich anrüchig; auf den ersten Blick sieht man ein, warum hier jeder Stiefel trägt. Einen ordentlichen Fußsteig gibt es nicht…Das Wasser durchschneidet die Stadt in allen Richtungen und hätte dem italienischen Genius die Vorbedingungen geliefert zu allem, was nur in der Baukunst schön und herrlich ist. Venedigs Nebenbuhlerin hätte Hamburg sein können und ist ein Durcheinander von hässlichen Gerümpel und stinkender Lache…Doch die erste Voraussetzung für irgendwelche bauliche Schönheit in Hamburg wäre, fürchte ich, ein großer Brand.“3

Dies schrieb Spencer T. Coleridge, ein englischer Dichter, im Jahre 1789 über Hamburg.

3.1. Verlauf des Großen Brandes

Der Brand ereignete sich zwischen dem 5. und 8. Mai 1842. Etwa 1 Uhr nachts brach das Feuer in einem Lagerhaus des Tabakhändlers Edward Cohan in der Deichstraße 44 aus. Auch wenn der Brand schnell bemerkt wurde und die Feuerwehr kurz nach Ausbrechen eintraf, konnte nicht verhindert werden, dass die Flammen auf die Nachbargebäude übergriffen. Die alten Fachwerkhäuser und die hölzernen Schuppen brannten lichterloh. Das lag zum einen an den gelagerten brennbaren Materialien und zum anderen an dem starken Südwestwind dieser Tage. Das Feuer breitete sich mit rasanter Geschwindigkeit4 aus, griff schon am 5. Mai über das Deichstraßenfleet bis zum Rödingsmarkt und der St. Nicolai-Kirche, welche gegen 16 Uhr endgültig den Flammen zum Opfer fiel. Über 1000 Wittkittel, die Bezeichnung der Hamburger Löschmannschaften in dieser Zeit, waren bereits am 5.Mai im Einsatz, um das Feuer zu löschen. Auch wenn die Empfehlung zu Sprengungen schon früh erfolgte, konnte sich erst am Abend zu dieser Maßnahme durchgerungen werden, wenn auch ohne Erfolg am Hopfenmarkt. Am Morgen des 6. Mai wurde dann auch das Rathaus gesprengt, wo zuvor alle wichtigen Akten in Sicherheit gebracht wurden. Aber auch diese Sprengung verhinderte nicht, dass die Flammen sich bis zum Jungfernstieg ausbreiteten. Erst nach dem weiteren Sprengen von Gebäuden, kann dem Feuer vor dem Gänsemarkt Einhalt geboten werden. Die gerade erst eingeweihte Neue Börse im klassizistischen Stil konnte jedoch von den Bürgern und der Feuerwehr durch stundenlangen Einsatz erhalten werden. Am 7. Mai 1842 fällt um 10 Uhr morgens die Petrikirche den Flammen zum Opfer. Erst die Binnenalster und der Glockengießerwall baten dem Feuer eine natürliche Barriere. Die Straße, in der die Flammen als letztes wüteten, heißt zur Erinnerung bis heute Brandsende. 79 Stunden brannte Hamburgs Innenstadt also in diesen Tagen.5

3.2. Ausmaß des Brandes

Das Große Feuer von Hamburg 1842 kostete 51 Menschen das Leben. Unter den Opfern waren vor allem zivile Personen, welche durch einstürzende Gebäude ums Leben kamen, aber auch einige Feuerwehrmänner. Desweiteren wurden mindestens 120 Personen verletzt. Insgesamt fiel den Flammen ein Drittel der Altstadt6 zum Opfer, das heißt etwa 72 Straßen und somit „1749 Häuser, 1508 Säle, 488 Buden, 474 Wohnkeller und 102 Speicher“.7 Etwa 20000 Menschen wurden dabei obdachlos. Gebäude, die nicht mehr gerettet werden konnten waren unter anderem die drei mittelalterlichen Kirchen St. Petri, St. Nicolai und die St. Getruden, die Alte Börse, das Rathaus, die Bank, sowie einige Zucht-, Werk- und Armenhäuser. Auch Löschanstalten und Spritzendepots fielen den Flammen zum Opfer. Der insgesamte Schaden an den Gebäuden wurde auf 38 Millionen Courant-Mark geschätzt, wobei der Wert der vernichteten Waren und der Gebäudeeinrichtung auf etwa 58 Millionen Courant-Mark geschätzt wurde. In Euro umgerechnet liegt die Schadenshöhe bei ca. 750 Millionen.8

3.3. Gründe

Die schnelle Ausbreitung des Feuers und die daraus resultierende hohe Schadensbilanz entstanden aus vielerlei verschiedenen Gründen. Zum einen trug die enge Bebauung des Altstadtviertels zu dem großen Ausmaß des Brandes bei, zum anderen natürlich auch der Baustil der Gebäude selbst: Fachwerkhäuser aus Holz und Backstein, überfüllte Speicher und die Buden und Keller der einfachen Arbeiterschaft boten dem Feuer reichlich Nahrung. Außerdem war die Organisation der Löscharbeiten von Chaos geprägt, in den engen Straßen behinderten sich Feuerwehmänner oft gegenseitig und viele Befehle, zum Beispiel zu Sprengungen, wurden viel zu spät gegeben. Das Wetter begünstigte zudem die rasche Ausbreitung des Feuers. Wochen vor dem Brand herrschte schon große Trockenheit und an den Tagen um den 5. Mai wehte starker Süd- bis Südwest-Wind, welcher das Feuer immer weiter von Haus zu Haus trug.9 Auch unüberlegte Handlungen von Menschen führten zur Verschlimmerung des Brandes. Beispielsweise wurde aus der Befürchtung heraus, dass ein Lagerhaus gefüllt mit Schnapsfässern den Brand verschlimmern würde, wohl der alkoholische Inhalt in das Fleet geschüttet. Als zu diesem Zeitpunkt Ebbe war und die Spritzwagen neues Spritzwasser benötigten, holten sie das Wasser aus dem Fleet und löschten somit unbewusst mit einem alkoholischen Gemisch.

[...]


1 Jung-Köhler, Evi: Verlust und Chance, S. 18.

2 Vgl. Ebd., S. 12 – 18.

3 Zitiert nach: Ebd. S. 1.

4 Im Abbildungsverzeichnis unter Abb. 1 befindet sich eine genaue Übersicht des Verlaufs des Brandes.

5 Vgl. Hamburger Feuerwehr-Historiker: Der „Große Brand“ in Hamburg 1842, S. 1-3.

6 Abb. 2 siehe Abbildungsverzeichnis

7 Jung-Köhler, Evi: Verlust und Chance, S. 31.

8 Vgl. Harry Braun, Manfred Gihl: Der Hamburger Brand von 1842, S. 57-58.

9 Vgl. Hamburger Feuerwehr-Historiker: Der „Große Brand“ in Hamburg 1842, S. 4.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Verlust oder Chance? Der Große Brand von Hamburg 1842
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die Stadt in der Neuzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V298450
ISBN (eBook)
9783656947813
ISBN (Buch)
9783656947820
Dateigröße
4253 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verlust, chance, große, brand, hamburg
Arbeit zitieren
Julia Harmatha (Autor), 2014, Verlust oder Chance? Der Große Brand von Hamburg 1842, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298450

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