Veganismus. Jugendkultur oder Wertewandel?


Term Paper, 2015
24 Pages, Grade: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Veganismus

3. Jugendkultur

4. Auswertung der Umfrage
4.1. Die Teilnehmer
4.2. Allgemeine Angaben zum Veganismus
4.3. Gründe
4.4. Gewichtung
4.5. A.V.A.P. - as vegan as possible
4.6. Umfeld
4.7. Zukunft

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

7.1. Liste der Facebookgruppen

1. Einleitung

Seit einigen Jahren kann man seinen Kaffee auch mit Sojamilch bekommen, Tofuwürstchen gibt es in vielfacher Ausführung nicht länger nur im Biomarkt und immer mehr Cafés und Res­taurants mit extra gekennzeichneten rein pflanzlichen Gerichten eröffnen auch außerhalb Ber­lins. Das kommt daher, dass in den vergangenen Jahren ein Thema ins Licht gerückt ist, dass vorher nur als übertriebene Steigerung des Vegetarismus bekannt war: Veganismus.

Wie bei allen Diskursen in der Gesellschaft, die einen schnellen Aufschwung erleben, wird es als Modeerscheinung betrachtet. In diesem Fall geht die vorherrschende Meinung einen Schritt weiter und betrachtet es als Jugendkultur. Die Jugendlichen, die sich mit ihrer Ernäh­rung gegen die Eltern auflehnen, aber wieder „normal" essen, wenn sie erwachsen sind. In dieser Hausarbeit werde ich der Frage nachgehen, ob die Anhänger der veganen Szene tat­sächlich die Kriterien einer Jugendkultur erfüllen, welche Gründe sie zu dieser Lebensweise bewegt haben und schlussendlich, wie es gelingt in einer omnivoren Gesellschaft vegan zu sein.

Diese Arbeit soll kein Plädoyer für den Veganismus sein oder diesen anhand von Zahlen der Massentierhaltung oder gesundheitlichen Aspekten rechtfertigen. Die dargestellten Meinun­gen entstammen den Teilnehmern der Umfrage und dienen dazu, einen Einblick in die Hinter­gründe eines veganen Lebens zu erhalten.

Außerdem stehen sämtliche Begriffen wie „Teilnehmer" und „Veganer" im Folgenden für beide Geschlechter, selbstverständlich soll das kein Ausdruck von Diskriminierung sein.

2. Veganismus

Beim Veganismus handelt es sich um ein „Lebensstilkonzept" (Schwarz 2005, S.157), welches zum Ziel hat, Tieren durch seine Handlungsweisen so wenig wie möglich, bis bestenfalls gar nicht, zu schaden. In erster Linie wird dabei die Ernährung betrachtet. Veganer verzichten auf alle Lebensmittel, für die Tiere getötet oder ausgebeutet wurden. Dabei handelt es sich um Fleisch, Fisch, Gelatine, Eier, Milch und (wenn auch umstritten) Honig. Des Weiteren wird auf Nahrungszusätze verzichtet, deren Herkunft unklar ist, wie beispielsweise die E-Nummern auf Lebensmitteln. Vegane Ernährung geht oft, aber nicht immer, mit dem Konsum von biologi­schen, regionalen Produkten einher.

Eine vegane Lebensweise umfasst jedoch weit mehr, als nur die Ernährung. Gemieden wer­den alle Produkte tierischen Ursprungs, also auch Wolle, Seide, Leder und Pelz, aber auch Kosmetik, die an Tieren getestet wurde, diverse Seifen und Waschmittel. Mit dem Grundsatz, Tieren so wenig wie möglich zu schaden, geht ebenfalls die Ablehnung von Zoos, Zirkussen und der Jagd einher.

Ursprünglich wurden hauptsächlich ethisch-moralische Motive als Gründe für den veganen Lebensstil genannt: Mitleid, Respekt und Achtsamkeit im Umgang mit anderen fühlenden Le­bewesen und der Umwelt. Die vegane Lebensweise versucht unter anderem, gegen Massen­tierhaltung, das Welthungerproblem und den Klimawandel anzusteuern. Vermehrt rücken nun die gesundheitlichen Aspekte ins Zentrum der Aufmerksamkeit, sowohl bedingt durch die vie­len Skandale in der Lebensmittelbranche (Antibiotika, verunreinigtes Fleisch) als auch durch diverse Erkenntnisse der Wissenschaft, in welcher Form dem Menschen der Konsum von tie­rischen Lebensmitteln schadet.

Der VeBu (Vegetarierbund Deutschland) schätzt die Zahl der vegan lebenden Menschen in Deutschland auf ca. 900.000, das entspricht 1,1% der Gesamtbevölkerung. Vegetarier gebe es inzwischen 7,8 Millionen, was 10% der Gesamtbevölkerung entspricht. 1983 waren es nur 0,6% Vegetarier und Veganer wurden noch gar nicht in gesonderten Studien erfasst (vgl. Ve­getarierbund 2015).

Bis 1944 tauchte die vegane oder vegetarische Lebensweise in verschiedenen Epochen und Religionen immer wieder auf, ab 1789 begann das Konzept des Vegetarismus in seiner heu­tigen Form Gestalt anzunehmen (Schwarz 2005, S.98). Die Diskussionen um die Mensch-Tier Beziehung verstärkten sich, bis 1944 mit der Gründung der Vegan Society UK erstmals die Abgrenzung von Veganern zu Vegetariern vorgenommen wurde. Der Begriff „vegan", einge­führt von Donald Watson, dem Gründer der Vegan Society UK, setzt sich aus den drei An­fangs- und den zwei Endbuchstaben des englischen Wortes „vegetarian" zusammen (vgl. Schwarz 2005, S.75).

Ein weiterer Begriff, der in die Diskussion eingebunden wird, ist der des Speziesismus (vgl. Chimaira Arbeitskreis 2011, S.14). Eingeführt von Richard Ryder, 1983, bedeutet der Begriff analog zum Rassismus die Unterdrückung anderer empfindsamer Lebewesen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer als minderwertig angesehenen Spezies. Viele ethisch motivierte Vega- ner nennen besonders die Bekämpfung des Speziesismus als Hauptziel der veganen Lebens­weise.

Insgesamt hat sich die Masse der vegan, vegetarisch oder einfach bewusst konsumierenden Menschen rasant vervielfacht, welches Thomas Schwarz als Ausdruck einer sozialen, psychi­schen und religiösen Unzufriedenheit sieht (vgl. Schwarz 2005, S.100). Die Frage ist jedoch, ob es sich um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung handelt oder wie so viele andere Dinge auch, als Jugendkultur beginnt und verschwindet, wenn man den Schritt ins Erwachse­nenleben tritt.

3. Jugendkultur

Als Jugendkultur wird eine Wertegemeinschaft von ca. 12-25 Jährigen bezeichnet (vgl.

Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S. 8-12), die sich oftmals als Gegenkultur zu vorherrschenden ge­sellschaftlichen Normen versteht. Jugendkulturen und -szenen bieten Jugendlichen die Mög­lichkeit, sich außerhalb der Wertung der erwachsenen Welt, auszudrücken und zu entwickeln. Jugendszenen setzen sich aus den verschiedensten Gründen zusammen, während im Ver­gleich Lebensstilgemeinschaften von Erwachsenen stark berufsorientiert sind (vgl. Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S. 10).

Trotz der Abgrenzung von der Gesellschaft, haben Jugendkulturen auch eine starke Bedeu­tung für sie. So bezeichnen Heinzlmaier und Ikrath sie als „kulturelle Meinungsführer“ (Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S. 18) und als „sensible[n] Seismograph[en] für gesellschaftliche Missstände“ (Heinzlmaier 2013, S.7), der lange reagiert, bevor die Erwachsenen etwas von den Problemen mitbekommen. Besonders dieser gesellschaftskritische Aspekt daran ließe vermuten, dass Veganismus einer Jugendkultur zuzuordnen ist. In dem Buch „Eine Einführung in die Jugendkulturen: Veganismus und Tattoos“ definiert Schwarz Veganismus nicht als „Jugendkultur im klassischen Sinne“ (Schwarz 2005, S. 117), sondern ordnet diesen musikorientierten Szenen, wie Hardcore beziehungsweise Straight Edge zu. Da aber nicht jeder Veganer automatisch auch Hardcore hört oder Straight Edge Anhänger ist, erscheint es heutzutage doch eher als eigene Subkultur. So betrachtet es auch Ronald Hitzler in seiner Forschung zu verschiedenen Jugendszenen. Er beschreibt es als eine offene Szene, in die jeder ein- und austreten kann, wie er möchte und die sehr heterogen ist. Außerdem betont er, dass es keine einheitliche, übergeordnete Struktur gibt, sondern viele einzelne Organisationen die zum Teil auch in Konkurrenz handeln (vgl. Hitzler 2012).

Besonders bedeutend für die Organisation und Kommunikation von Jugendszenen allgemein, als auch für die Anhänger des veganen Lebensstils sind soziale Netzwerke. Sie dienen der Vernetzung und Organisation, so dass man auch außerhalb des unmittelbaren Umfeldes in der Lage ist, mit Menschen mit ähnlichen Ansichten in Kontakt zu treten (vgl. Heinzlmaier 2013, S. 61). Sie stiften ein großes Gemeinschaftsgefühl und haben eine „Ventilfunktion“ (Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S. 175), das heißt, sie bieten die Möglichkeit sich über verschiedene, auch emotionsbeladene Themen zu äußern.

Besonders in der veganen Gemeinschaft scheinen die Möglichkeiten, seiner eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen, sehr geschätzt zu werden, so dass ich eine unglaubliche Resonanz und sowohl quantitativ als auch qualitativ hochwertige Antworten auf meine Umfrage erhalten habe.

4. Auswertung der Umfrage

Die Umfrage mit dem Titel „Die Veganismus-Bewegung“ war vom 05.02.2015 bis zum 18.02.2015 online zugänglich und wurde über insgesamt 20 Facebookgruppen der veganen Internetcommunity und die Seite eines bekannten deutschen veganen Supermarktes geteilt. Die Umfrage fragt sowohl nach persönlichen Merkmalen (Geschlecht, Alter, Bildungsab­schluss) als auch nach Daten im Zusammenhang mit der veganen Lebensweise und Einstel­lungen. Unter anderem erfragt sie, wie lange sich die Befragten bereits vegan ernähren, was die Gründe dafür sind und in welchen Lebensbereichen sie außerdem vegan leben. Die Fra­gen nach den Einstellungen habe ich bewusst offen gehalten, da ich die Personen hinter den ausgefüllten Bögen kennenlernen wollte, um sie nicht nur in ein Schema einzuordnen. Außer­dem decken vorgefertigte Antworten in diesem Bereich nicht alle Meinungen ab. Allumfassend kann die Umfrage demnach als eine Mischung aus quantitativer und qualitativer Forschung gesehen werden. Zu Beginn der Umfrage habe ich mich selbst in einem kurzen Text vorge­stellt, damit die Teilnehmer erfahren, wer ihre Antworten zu lesen bekommt. Außerdem wollte ich ein, sofern das über das Internet möglich ist, persönliches Verhältnis schaffen, weshalb ich es trotz Kritik nicht unangebracht finde, dass ich von Zeit zu Zeit Smileys verwendet habe. Mit der Auswahl der T eilnehmer ist es keine repräsentative Umfrage, daher war es nicht das Ziel sie als seriöse, repräsentative Forschung aufzuziehen, sondern ging viel mehr darum, mög­lichst genaue Vorstellungen über die Hintergründe einzelner Veganer zu erhalten.

Da die (positive) Resonanz und Unterstützung, die ich erhalten habe, mich sehr überrascht hat, habe ich eine große Menge an Daten und Antworten erhalten, die ich im Folgenden zu­sammengefasst vorstellen werde.

4.1. Die Teilnehmer

Insgesamt haben 1.798 Menschen teilgenommen, von denen 1.463 die Umfrage bis zum Ende beantwortet haben. Um mögliche falsche oder nicht ernstgemeinte Antworten auszuschließen, werden nur die Daten derer ausgewertet, die die Umfrage abgeschlossen haben.

Von diesen 1.463 Teilnehmern waren 74,9% (1.091 Personen) weiblich, 22,7% (331 Perso­nen) männlich, 2,8% (41 Personen) haben keine Angabe gemacht. Mir war es wichtig, das Feld ebenfalls anzubieten, da ich der Meinung bin, dass akzeptiert werden muss, wenn jemand möchte, dass seine Antworten nicht auf Basis seines Geschlechtes ausgewertet werden. Nachträglich betrachtet fehlte noch das Feld mit „anderes", da heutzutage die starre Dichoto­mie zwischen den Geschlechtern nicht mehr unbedingt gegeben sein muss. Das Geschlechterverhältnis in der veganen Szene ist nahezu ausgeglichen (vgl. Hitzler 2012), so dass ich die Tatsache, dass fast dreiviertel der Teilnehmer weiblich waren, mit deren er­höhter Bereitschaft an Umfragen teilzunehmen erkläre.

Da die Umfrage über Facebook verbreitet wurde, hatte ich mit einem altersmäßig eher homo­genen Feld gerechnet, wurde aber erneut eines besseren belehrt. Die jüngste Teilnehmerin
war 13 Jahre alt, der älteste 80. Die meisten kamen aus der Altersstufe zwischen 20 und 30, insgesamt waren ca. 63% zwischen 18 und 32, innerhalb dieser Altersgruppe aber gleichmä­ßig verteilt. Überraschenderweise waren nur 2,5% aller Teilnehmer minderjährig, dafür aber fast 25% über 40. Diese Tendenz ist der erste Anhaltspunkt, der dagegen spricht, den Vega- nismus als Jugendkultur zu bezeichnen. Von den über 40 Jährigen waren sogar 9% über 55. Dafür waren aber die Bildungsabschlüsse eindeutiger (vgl. Grafik 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1

28,6% der Teilnehmer haben einen Hochschulabschluss und 45,9% Abitur oder Fachabitur.

Der Realschulabschluss ist mit 17,4% auch noch recht häufig vertreten, der Hauptschulabschluss mit 2,6% verschwindend gering. Abschlüsse, die unter „andere“ eingetragen wurden sind hauptsächlich das Staatsexamen,

Magister, Meister und Schüler, die ihr Abitur anstreben.

Allgemein herrscht unter den Teilnehmern also ein hohes Bildungsniveau, wie auch Ronald Hitzler auf seiner Seite schreibt (vgl. Hitzler 2012).

Knapp über die Hälfte aller Teilnehmer ist berufstätig, 31,3% studieren aktuell. Die Gruppen Schüler und Auszubildende bewegen sich beide bei ca. 5%. Die Bildungsabschlüsse der Berufstätigen sind auf die verschiedenen Bereiche verteilt, aber auch hier überwiegen eindeutig die sogenannten höheren Abschlüsse (vgl. Grafik 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2

Versucht man nun den „Standardteilnehmer“ zu typisieren, wäre dies eine Frau um die 30 Jahre, mit Abitur und berufstätig.

Zusammenfassend unterstützen diese ersten Ergebnisse die gängige Annahme, dass man besonders im höheren Bildungsniveau auf Menschen mit veganer Lebensweise trifft. Betrach­tet man allerdings die Altersstufen der T eilnehmer, könnte man bereits jetzt eine reine Jugend­kultur ausschließen, da der Anteil der Nicht-Jugendlichen deutlich höher ist, als dies in einer Jugendkultur der Fall wäre. Im weiteren Verlauf werde ich nun versuchen, die unterschiedli­chen mir vorgestellten LebenGesusweisen zu charakterisieren, um eine Zuordnung zu Trend oder Protestkultur vornehmen zu können.

[...]

Excerpt out of 24 pages

Details

Title
Veganismus. Jugendkultur oder Wertewandel?
College
TU Dortmund  (Fakultät Erziehungswissenschaft)
Course
Jugendkulturen - Studierkulturen
Grade
1,0
Author
Year
2015
Pages
24
Catalog Number
V298770
ISBN (eBook)
9783656955269
ISBN (Book)
9783656955276
File size
748 KB
Language
German
Tags
Veganismus, vegan, Jugendkultur, Werte, Gesellschaft, Ernährung, Trend, vegetarisch, omnivor, Bewegung, Jugendszene
Quote paper
Jessica Nagel (Author), 2015, Veganismus. Jugendkultur oder Wertewandel?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298770

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