Die Auswirkung einer parasozialen Beziehung zu der Figur "Batman" auf die Einstellung zu prosozialem Verhalten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Theoretischer Hintergrund

2. Methode

3. Ergebnisse

4. Diskussion

Literatur

1. Theoretischer Hintergrund

Prosoziales Verhalten ist ein zentrales Merkmal menschlichen Miteinanders und daher ein wichtiges Thema sozialpsychologischer Forschung. Der mediale Einfluss auf das Ausführen prosozialen Verhaltens ist auf Grund heterogener Forschungsergebnisse bisher nicht eindeutig beschrieben. Viele Studien setzen dabei verschiedene Schwerpunkte und auch die Klassifikation prosozialen Verhaltens scheint bisher nicht eindeutig geklärt. Laut Gleich (2012) liegen bereits einige Befunde vor, die darauf hinweisen, dass das Rezipieren prosozialer Medieninhalte im Gegensatz zu neutralen die Tendenz, prosoziales Verhalten auszuführen beim Rezipienten verstärkt.

Die folgende Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, ob das Rezipieren von Superheldenfilmen einen Einfluss auf die Intention hat, prosoziales Verhalten auszuführen. Aufgrund der Aktualität beschränkt sich die Untersuchung auf Filmszenen des Films „Batman – The Dark Knight“ von Christopher Nolan aus dem Jahr 2008, anhand welcher die Auswirkung spezifischer Filmszenen auf prosoziales Verhalten untersucht wird.

Nach Six, Gleich und Gimmler (2007, S. 170) definiert sich prosoziales Verhalten als ein „... freiwilliges Verhalten mit dem Ziel einer anderen Person etwas Gutes zu tun“. In interpersonalen Interaktionen zeichnet sich dieses unter anderem als Helfen, Unterstützen, Teilen oder der unentgeltlichen Übernahme von Verpflichtungen aus (Six, Gleich & Gimmler, 2012). Dies kann sowohl aus dem Ziel sich selbst (egoistisch motiviert) oder anderen Personen (altruistisch motiviert) zu nützen resultieren (Stroebe, Jonas & Hewstone, 2007). Ob ein Mensch prosozial handelt, hängt dabei häufig von einem Kosten-/ Nutzenvergleich ab. Hilfe zu leisten bedeutet in einigen Situationen sich selbst einer Gefahr auszusetzen, Verletzungen zu riskieren, sowie auch die Situation zu über- oder zu unterschätzen. Viele Personen haben dabei Angst, keine wirksame Hilfe zu leisten oder mit der Situation überfordert zu sein. Positiven Nutzen hingegen sehen Personen in den Gefühlen, die aus Hilfeleistungen resultieren. Sie fühlen sich danach durch ein gutes Gewissen erleichtert und sehen den Nutzen in einer Steigerung des Selbstwertgefühls sowie einer gesteigerten sozialen Anerkennung (Stroebe, Jonas & Hewstone, 2007).

Ein wichtiger Schritt in der kindlichen Entwicklung um prosoziales Verhalten auszuführen liegt dabei im Erlernen von Empathie. Der Begriff Empathie beschreibt die „Erfahrung, unmittelbar an Emotionen bzw. Intentionen einer anderen Person teilzuhaben und sie dadurch zu verstehen“ (Batinic & Appel, S. 163). Es handelt sich dabei um eine emotionale Reaktion, die es in Verbindung mit einer kognitiven Komponente ermöglicht, die subjektive Perspektive eines anderen nachzuvollziehen. Hervorgerufen wird dies durch die spezifische Situation einer anderen Person, die sich in einer bestimmten Gefühlslage befindet. Empathie spielt daher eine wichtige Rolle bei Moralgefühlen wie zum Beispiel Gerechtigkeitsgefühlen oder Schuldgefühlen (Bischof-Koehler, 2009).

Für die vorliegende Untersuchung sind jedoch nicht alleine die gängigen Konstrukte von Bedeutung. In den letzten Jahren rückte das Phänomen der „parasozialen Beziehungen“ vermehrt in den Vordergrund medienpsychologischer Forschung. Erstmals trat dieses Konzept in Forschungen von Horton und Wohl im Jahr 1965 auf. Damals ging es um die Frage, wie sich mediale Beziehungen auf Seiten des Rezipienten und der Medienperson („persona“) gestalten. Die heutige Definition des Begriffs der parasozialen Interaktion beschreibt eine einseitige, aber scheinbar zwischenmenschliche Beziehung zwischen dem Rezipienten und persona aufgrund von wiederholten parasozialen Interaktionen (Batinic & Appel, 2008). Dies beinhaltet eine Bindung des Zuschauers an eine mediale Bezugsperson. Die psychologische Bindung zu diesen Personen ist dabei ähnlich der Beziehung zu einem realen Partner (Batinic & Appel, 2008).

Abzugrenzen ist das Konstrukt der parasozialen Beziehung von dem der Identifikation. Im Kontext der Medienpsychologie beschreibt Wegener (2007) das Konstrukt der Identifikation als die Möglichkeit, sich in die „Lebenssituationen eines anderen hineinzuversetzen“ sowie „Empathie und ein Gefühl von Zugehörigkeit zu entwickeln“ (Wegener, S. 59). Im Gegensatz zu Identifikationsprozessen geht es bei der parasozialen Interaktion nicht um die Übernahme von Verhaltensweisen, sondern um die Teilnahme an einem Kommunikationsprozess (imaginäre Interaktion). Allerdings bieten Medienpersonen dem Rezipienten im Allgemeinen eine Vielzahl von potentiellen Handlungsmöglichkeiten die generell auf das eigene Leben übertragbar sind. Einzelne Handlungsweisen werden im Identifikationsprozess mit einer medialen Person gegebenenfalls übernommen und dienen anschließend der eigenen Identitätsbildung des Rezipienten. Diese Imitation erfüllt dabei häufig einen kompensatorischen oder ergänzenden Zweck, indem der Rezipient bestimmte Verhaltensweisen spezifisch auf seine individuelle Charaktere anpasst (Wegener, 2007).

In aktuellen Studien wird das Konzept der parasozialen Beziehung immer häufiger aufgegriffen. So fanden Forscher der Universitäten Buffalo und der State University of New York heraus, dass die parasoziale Beziehung zu dünnen medialen Frauen die Effekte auf das weibliche Körperbild moderiert (Young, Gabriel & Hollar, 2012). In Anlehnung an diesen Befund zeigte eine weitere Untersuchung, dass die parasoziale Beziehung zu muskulösen Superhelden einen starken Einfluss auf das männliche Körperbild hat (Young, Gabriel & Hollar, 2012). Diese Befunde deuten darauf hin, dass die parasoziale Beziehung einen wichtigen Moderator hinsichtlich der Selbstwahrnehmung und der Identitätsbildung darstellt.

Bereits in früheren Studien ergab sich ein Einfluss medialer Heldenfiguren auf das Verhalten des Rezipienten, unter anderem auf die moralische Entwicklung bei Kindern (Young, Gabriel & Hollar, 2012). In einer Untersuchung zu Geschlechtsunterschieden bezüglich der Favorisierung von männlichen oder weiblichen Helden, fanden Holub, Tisak und Mullins (2008) bei Jungen im durchschnittlichen Alter von 10 Jahren eine deutliche Tendenz männliche, medial populäre Helden auszuwählen, während die Mädchen bei ihren persönlichen Helden kein Geschlecht favorisierten und eher dazu neigen, Personen aus ihrem näheren Umfeld anzugeben. Generell scheinen mediale Helden bei männlichen Personen eine weitaus bedeutendere Rolle zu spielen, als bei weiblichen.

Die vorliegende Untersuchung fokussiert sich daher auf folgende Hypothesen:

Hypothese 1: Die Ausprägung der parasozialen Beziehung zu Batman steigt mit der Einstellung zu prosozialem Verhalten.

Hypothese 2: Personen ohne eine parasoziale Beziehung zu Batman zeigen im Vergleich zu Personen mit einer parasozialen Beziehung zu Batman eine stärkere Beeinflussbarkeit des parasozialen Verhaltens durch Filmszenen: Nach Rezeption einer „positiven“ Szene steigt die Bereitschaft zu prosozialem Verhalten in der nicht-Beziehungsgruppe, bei „negativen“ Szenen sinkt die Bereitschaft.

Hypothese 3: Der positive Zusammenhang zwischen einer parasozialen Beziehung zu Batman und der Einstellung zu prosozialem Verhalten hängt von der Ausprägung der Identifikation mit der Figur Batman und dem Geschlecht ab. In der Gruppe von Männern mit hoher Identifikation ist der Zusammenhang zwischen parasozialer Beziehung und Einstellung zu prosozialem Verhalten am stärksten.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkung einer parasozialen Beziehung zu der Figur "Batman" auf die Einstellung zu prosozialem Verhalten
Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Interdisziplinarität und Teamarbeit in der Gesundheitsversorgung
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V299395
ISBN (eBook)
9783656959922
ISBN (Buch)
9783656959939
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkung, beziehung, einstellung, verhalten, batman
Arbeit zitieren
Laura Klebe (Autor), 2013, Die Auswirkung einer parasozialen Beziehung zu der Figur "Batman" auf die Einstellung zu prosozialem Verhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299395

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