Archetypen in der Kommuniaktion. Terminologie, Verwendung und Wirkungsebenen


Fachbuch, 2015
113 Seiten

Leseprobe

0. Vorwort

Zu Archetypen und deren Verwendung in der absichtsvollen Kommunikation

In dem folgenden Beitrag zur Medienkritik soll ein Blick auf die Verwendung der sogenannten Archetypen in der absichtsvollen Kommunikation geworfen werden. Derart, dass auf der Basis der Analysen von Carl Gustav Jung zum Archetyp als unbewusste Verhaltensmöglichkeit des Einzelnen und des Kollektivs, die Verwendung dieser veranlagten psychischen Strukturen als Grundlage absichtsvoller Sozialtechnik der Public-Relations und politischen Werbung dargestellt wird. Dabei werden die zwei Grundlegenden seelischen Strukturen, des Ich´ und des Du´ – der Begriff des Selbst und des Gegenüber´ als Fundament der genuinen zwei bis fünf Archetypen des Menschen verstanden, die mit Blick auf die praktische Verwendung in der absichtsvollen Kommunikation weiterentwickelt – und dargestellt werden sollen. Dabei ist sich der Autor bewusst, dass es sich bei den Archetypen um eine begrenzte Anzahl von „Urbildern“ handelt – je nach Lesart, zwei bis fünf, Seelenstrukturen – und das es kultur- und sozialisationsabhängig eine unbegrenzte Anzahl von vor allem bildlichen Ableitungen gibt.

Diese Schrift will und kann nicht alle möglichen Typen und Schemata, Handlungsmuster oder Strukturen der Seele und der seelischen Verarbeitung darstellen. Dies auch nicht, weil es bei acht Milliarden Menschen auch acht Milliarden unterschiedliche Differenzierungen von Typen gibt, deren abstrakte Grundlagen jedoch kulturell evident sind – und also auf einer abstrakten Ebene sehr ähnliche Manifestationen von Vorstellungen bis Bildern existieren, trotz individueller und historischer Unterschiede. Schließlich sind die äußeren Reize, welche die Psyche, besser den Komplex aus Körper, Seele und Geist, dazu anregen in Träumen oder psychotischen Zuständen, als auch in unterschiedlichen Bewusstseinsgraden, das Unterbewusste dazu anregen, bildliche Vorstellungen von Seelenstrukturen zu generieren. Sigmund Freud und Carl Gustav Jung diente die freie Assoziation und Traumdeutung der Tiefenanalyse, um Gründe für pathologisches Verhalten zu finden, und um insbesondere neurotische Patienten zu heilen. Die Anzahl der kulturell dominanten bildlichen Vorstellungen, die Wirkung in der Seele des Einzelnen und einer Gruppe haben und aus der Tiefe des individuellen und kollektiven Unbewussten stammen und auf sie referieren, ist nicht unendlich.

Die Möglichkeit der bildlichen Darstellungen der Archetypen, als innere und äußere Reize ist gegenüber der begrenzten Anzahl der Typen, der Struktur der Menschenseele – oder Volksseele (oder sollte ich sagen der kollektiven Bürgerseele: sic!) wohl aber unbegrenzt.

Die unbegrenzte Anzahl der archetypischen Bilder stützt sich auf die zwei bis fünf Basisstrukturen – und ein kreativer Mensch kann bei deren erste Ableitung leicht zu über 30 differenzierbare Schemata kommen, die bei dem Rezipienten hohe Betroffenheit, ja Ergriffenheit auslösen, einen Zustand der Berührung der Seele, der weniger bewusst als bewegend ist. Die Bilder verlieren in Erklärung und Beschreibung ihren Zauber.

Die bildlichen Schemata stellen in der Tat eine Antastung der Seele durch Marketingfachleute, Spin-Doctors und Politische Berater dar, oftmals ohne sich bewusst zu sein, wie energiegeladen solche Bilder (Zeichen) sind – und welches Aktionspotential sie besitzen. Sie können integrierende Funktionen übernehmen oder lösen Dissoziationen aus, sie gehen unter die Haut und greifen die Seele an, können krank machen – aber auch Sinn stiften und heilen. Darum ist Verantwortung und Empathie für den Sozialingenieur ein absolutes MUSS!, will er durch Bilder und Zeichen eine Reaktion beim Rezipienten, dem Wähler, dem Kunden oder Konsument, hervorrufen – oder durch Zeichenverwendung die Verhaltensdispositionen hervorbringen und zum Verhalten und zur Einstellungsbildung beitragen.

Ist ein Archetypus einmal bewusst und wird dieser manifest und auf ein Objekt oder Subjekt projiziert, dann sind entsprechende Verhaltensäußerungen wahrscheinlich. Es ist leicht einsehbar, dass nicht nur Bilder als Reize dies vermögen, sondern auch Texte, mit bedeutungstragenden Zeichen Archetypen komponieren und Bilder im Kopf konstruieren können. So können auch Buchstaben, künstlerische Darstellungen oder Karikaturen das Individuum in der Tiefe der Seele betreffen, den Einzelnen – wie die Gruppe. Die Gegenüberstellung des Ich´ mit dem Du´ ist eine Spiegelkommunikation durch das sich erkennende Selbst (Schellenbaum, 1989)1 mit dem Außen – und kann im günstigen Fall zur Individuation führen. Aber auch eine innere Zerrissenheit kann durch tiefenpsychologisch wirkende Kommunikation ausgelöst werden, ein Diskrepanz zwischen Ich und DU. Die Seele strebt nach innerem Gleichgewicht (Homöostase), der Organismus reagiert mit Kompensation und bringt Vorstellungen oder sogar physische Reaktionen auf die „Störung“ des Seelenfriedens hervor.

Medizinisch bedarf es hier einer Therapie, einer kontinuierlichen, intervenierenden Kommunikation, die eine begleitete Bewusstmachung der Ursachen für das gestörte psychische Gleichgewicht bewirkt, und Felder der Kompensation anbietet. Es können Ansatzpunkte für die Transformation der Vorstellungen und den Abgleich mit der Realität gefunden werden, die zu einer Veränderung des Ideals der Imagination beitragen, ohne die Anlage zum Archetypus aber verändern zu können. Sinnkrisen aber auch psychotische Zustände sind mittels der geeigneten Kommunikation behandelbar. Schwierig ist aber den Gesamtkontext zu identifizieren, der eine Psychose verursacht, wenn sie auf kulturhistorische oder sozialisierte Schemata basiert, wie bei Religionen und Ideologien oft der Fall. Eine mythologischen Weltsicht ist meist ein tradiertes System ineinandergreifender Elemente, wie sich bei der Religiösität vieler kulturtragender Gesellschaften offenbart. Aber auch diese Vorstellungen sind transformierbar oder es wird versucht dies zu entmystifizieren und säkularisieren, was eine Verschiebung der Projektionsfläche, also der Objekte bedeutet. Transformation und Projektion wird wissenschaftlich begründet und kann an der Veränderung vom Polytheismus zum Monotheismus einerseits, oder an der die Religion ersetzende Zivilisations- und Fortschrittsgläubigkeit andererseits, sowie der Substitution von Gott durch den Markt leicht veranschaulicht und nachvollzogen werden.

Wenn die Aufklärung der Schritt des Menschen aus seine selbstverschuldeten Unmündigkeit darstellt, bedeutet das gleichsam die Entkleidung der Mythologie. Der Mensch, die menschliche Seele und auch ihr Verstand bedarf aber einer Orientierung an einem Grund, der über das rein materialistische Denken hinaus geht, um ihr Sein zu begründen und die eigene Existenz nicht als sinnlos oder zufällig zu begreifen, was leicht in eine melancholische Grundstimmung führt und bei physio-psychologischer Asymetrie auch in Depression, die aber das gesamte System ergreifen kann, wenn Grundelemente ihre Berechtigung zu verlieren scheinen und Massenpsychosen entstehen lassen.

Nach einer begrifflichen Abgrenzung soll hier nun konkreter den Fragen nachgegangen werden:

1. Ob das Konzept der Archetypen auch heute noch Relevanz besitzt?

2. Ob und wie Archetypen in der Kommunikation Verwendung finden, insbesondere in der absichtsvolle Information – in Abgrenzung zu rein endogen verursachten Vorstellungsbildern?

3. Wie diese Archetypen in der Politischen Kommunikation Verwendung finden und ob dies bewusst konzipiert wird?

4. Ob und wie sich Archetypen als auch rhetorisches Mittel einsetzten lassen?

5. Ob Archetypen auch sinnstiftend eingesetzt werden können?

6. Welche Wirkung die bewusste und strategische Verwendung der Archetypen haben kann?

0. Vorwort Seite

1. Zur Terminologie ... 6

2. Das veranlagte Urbild – die Vorstellung einer seelischen Struktur ... 9

a. Zum Konzept der Archetypen

b. Zum Lebens- und Todestrieb bei Sigmund Freud

c. Zum Archetypus bei Carl Gustav Jung

3. Archetypen in der Kommunikation ... 25

a. Archetypen und Mythologie

b. Archetypen in Märchen, Sagen – und dem Internet

c. Archetypen in der Kunst und Kultur

d. Archetypen in der Werbung

e. Archetypen in der Politik

f. Archetypus als kulturelles Symbol

g. Kulturelle Sinnstiftung durch archetypische Symbole

4. Archetypen als Vorstellungen der Seelenstruktur ... 47

a. Verwendung als Story: Die Heldenreise

b. Rhetorik, Konstruktion und Archetypus

c. Der Archetypus als äußerer Reiz

c1. Das abstrakten Zeichen zum Symbol

c2: Das konkrete Bildliche

c3. Die Rhetorischen Mittel

c4. Von der Erregung zum kognitiven Schema

5. Zu Archetypen in der Politischen Werbung ... 75

a. Schema und Bild

b. Inszenierte Ableitungen oder systemisches Fraktal?

c. Beispiele für Archetypen in der Politik

6. Wirkungsebenen der Archetypen 93

a. Transzendentale Funktion und Tendenz

b. Gefahr und Chance der Bildkommunikation

c. Exkurs: Wirkungen auf das System

7. Schlussbemerkungen (Thesen) ... 109

8. Literatur ... 111

1. Zur Terminologie

Der Archetypus wird als Begriff schon seit Platon (* 428 In Athen oder Aigina; † 348 v. Chr. in Athen) gebraucht und bezeichnet nach dem altgriechischen arché , einen Ursprung, den Beginn oder ein Vorbild – eine Art Skizze und Struktur. Aber schon in vorsokratischer Philosophie (600 v. Chr.) wurde aus ontologischer Sicht in der Frage nach den Seienden und dem Ursprung der Welt unter diesem Begriff nach Grundprinzipien gesucht. Die Milesier fragten nach einem Urstoff und Thales bezeichnete das Wasser als einen Solchen, Anaximander bezeichnete abstrakter das Apeiron als das Unbegrenzte, Anaximenes sah die Lust als Urstoff. Pythagoras meinte die Zahl sei das Ordnungsprinzip der Welt und Empedokles differenzierte Feuer, Erde, Wasser und Luft als die vier Grundelemente, die durch die psychischen Wirkkräfte von Liebe und Hass sich verbinden oder trennen.

Platon bezeichnet nun damit seinen Terminus der Idee als metaphysische Wesenheit, den Archetyp als idealtypischen Vertreter dieser Idee. Die sinnlich wahrnehmbaren Dinge haben durch ihre metaphorische Erscheinung an diesem Ursprung teil, so Platon. Seiner Auffassung nach ist die Idee die abstrakte metaphysische Gestalt des Wahren, die unveränderlich und ewig ist. Die Idee der Dinge sein identisch und vollkommen, nicht aber die phänomenologischen Dinge selbst, die nur Abformen der Ideen sind. Demzufolge sind Archetypen Verstandesdinge (Noumenon), die aus dem Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist generieren – anders als Sinnesdinge (Phainomenon), die anschaulich und kognitiv unmittelbar erfassbar sind. Archetypen sind damit die Basis der Intuition. In der neuzeitlichen Philosophie verwendeten René Descartes und John Locke den Begriff und bezeichneten damit Urbilder, die Grundlage für gedankliche Vorstellungen sind, also das Unbewusste der tieferliegenden Emotionen, der Triebe und den sich hieraus ergebenen psychischen Prozesse mit einschließen. Nach Locke existiert der Archetyp unabhängig von Subjekt, der diesen erkennt und der in ihm wirkt.2 Auch Immanuel Kant sieht in der Kritik der praktischen Vernunft den „natura archetypa“ das Urbild der Natur, die der Mensch nur in deren Nachbildung (natura ectypa) verstandesmäßig erfassen könne, mit seinem Intellekt (intellectus ectypus). In der Kritik der reinen Vernunft stellt Kant der menschlichen Vernunft die göttliche (intellectus archetypus) gegenüber, die im Menschen in Körper und Seele als Urbilder (Prototypon) inne liegen und wirken. Friedrich Nietzsche sah schon die Bedeutung der Traumbilder als Äußerung des Archetypus, der veranlagt und durch den Verstand nicht ohne Weiteres erschließbar sei, wenn er schreibt: „ Im Schlafe oder Träume machen wir das ganze Pensum früheren Menschentums durch.“[3]

Das für die vorliegende Schrift tiefenpsychologische Konzept der Archetypen, als dem kollektiven Unbewussten zugehörigen menschlichen Vorstellungs- und Handlungsmuster entwickelte Mitte des 19. Jahrhunderts Carl Gustav Jung, ein Schüler Sigmund Freunds.[4] Demnach sind Archetypen psychophysische Strukturdominanten, deren Wirkungen das Bewusstsein und Verhalten des Menschen beeinflussen. Sie gelten als vererbte physiologische Potentiale der Wirklichkeitserfahrung, also veranlagte Möglichkeiten der Realitätsinterpretation, die im Unbewussten liegen, aber durch äußere Reize, Zeichen und Bilder – in Träumen, Psychosen, bei eingeschränkter Wachheit in Hypnose, bei Visionen, in Mythen und Märchen und bei Grenzerfahrungen zu Tage treten. Es sind Urprägungen die kulturell bestimmend und sozialisiert sind. Dazu zählen grundlegend die Selbst- und Umwelterfahrung, Gottesbilder, die Differenzierung zwischen dem Ich und Du – gerade die Urerfahrungen wie Geburt, Kindheit, Pubertät, der Erwachsensein und das Alter, aber auch primärer das weibliche (Anima) und männlichen Selbst (Animus) in jedem. Der Archetypus in diesem Sinne ist unbewusst und unanschaulich, findet seinen Ausdruck jedoch in Symbolen, Zeichen mit diffuser, vager bis konkreter Bedeutung, dessen Wirkdimension jedoch mit einer Entmystifizierung abnimmt. In Mythen und Religionen finden sich archetypische Darstellungen von Helden und Gottheiten, deren Charakter nicht gänzlich erschlossen ist. Beispiel hier ist gerade die Sonne – oder der Lichtpunkt bzw. Heilbringende Verklärungen dessen – wie auch entsprechend die Finsternis und das Dunkle. Die Dichotomie und vage Darstellung, die Raum für Phantasie und individuelle Interpretationen lässt, scheint ebenso kennzeichnend, wie eine nicht eindeutige Definition des Archetypus als solchem. Das Theorem ist ein offenes Konzept, ohne eindeutige Definition oder genauen Anzahl möglicher Archetypen. Er ist insofern induktive Anschauung, weil seine Empirie aus eine Vielzahl von Einzelfällen abgeleitet ist, und so auf das Allgemeine – also der Existenz des Typus geschlossen wird, ohne ihn eindeutig und exakt wiederholbar – über eine Intersubjektivität hinaus, nachweisen zu können – zumindest mit den herkömmlichen zurzeit üblichen empirischen Methoden der naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Damit sieht der Autor dieser Schrift den Archetypus als philosophisch-psychologisches Phänomen menschlicher Erfahrung des Unbewussten, der Schöpfung und eines Ursprungs, der sich bisher gewöhnlicher Empirie zu entziehen scheint.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, das der Begriff in der Philologie die Rekonstruktion eines Urtextes bezeichnet, der diesem sehr nahe kommt, in der Literaturwissenschaft eine sprachlich feststehende Charakter mit eindeutigen, differenzierenden Merkmalen kennzeichnet und in der darstellen Kunst entsprechend ein prägnantes, auf die Grundform reduziertes Zeichen beziehungsweise Symbol mit phantasievoller, ausgreifender Bedeutung umreißt. In der Systemtheorie beschreibt ein Archetypus die sich generisch wiederholenden Muster – wie in der Chaostheorie die trotz Entropie immer wieder auftretenden Ordnung in geschlossenen Systemen, die eine Öffnung und Amplifikation ermöglichen, und eine Urordnung und Selbstähnlichkeit höheren Grades vermuten lassen, - und sowohl Attraktoren wie Fraktale ersichtlich machen.

2. Das veranlagte Urbild – die Vorstellung einer seelischen Struktur

Im Folgenden soll nur das psychologische Konzept der Archetypen betrachtet werden.

Einmal – wie es durch C.G. Jung entwickelt wurde – zum anderen auch seinen systemische Relevanz als Teil des kollektiven Unbewussten in Adaption des Systemarchetypus nach Peter M. Senge5.

Archetypen bezeichnen in der analytischen Psychologie Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Verhaltensmuster als Teil eines kollektiven Unbewussten. Ungenau ist die Bezeichnung als Urbilder, da Archetypen oft in symbolischen Bildern ins Bewusstsein gelangen. Bewusstsein ist hier ein Grad der Wachheit, die einen kognitiven Zugang zu psychisch subliminalen Vorgängen ermöglicht, wie etwa die Zuschreibung (Attribution) von Ursachen zu einer Emotion, einem Grund für unspezifische Erregung durch den jeweiligen Menschen, das bewusste Gefühl im Gegensatz zu unspezifischen Emotion. Als tiefenpsychologische Konzept der Archetypen als Teil des kollektiven Unbewussten geht es auf den Schweizer Psychiater und Psychologen Carl Gustav Jung zurück. Nach Jung ist das Kollektive Unbewusste der überpersönliche Bereich des Unbewussten, der seine Existenz nicht persönlichen Erfahrungen verdankt und nicht persönlich erworben ist, sondern veranlagt – durch die Evolutionsgeschichten die Möglichkeit zu Verhalten in sich birgt. Im Gegensatz dazu ist das persönlich Unbewusste, vor allem in Erwachsenenalter, durch kulturelle Einflüsse und Sozialisation geprägt. Jung formulierte seine Theorie auf der Basis von Träumen und Motiven der Kulturgeschichte, wie sie in Religionen, Mythen und Märchen zum Ausdruck kommen induktiv-empirisch im interkulturellen Vergleich. Hierbei zeigt sich, das Grundstrukturen intersubjektiv bei allen Individuen in den Grundzügen ähnlich sind, mit historisch und kulturelle differenzierten Unterschieden. Dies bedeutet auch, das die individuell zu Tage tretenden und bildlich generierten Archetypen über alle Kulturen hinweg ähnlich sind und veranlagte Urformen als Potentiale der Welterfahrung bei allen Menschen existieren.

a. Zum Konzept der Archetypen

Die Grundzüge zu Jungs Theorie des kollektiven Unbewussten lassen sich bis in die Jahrhundertwende 1902 verfolgen.6 Aber erst 1934 stellte er die Theorie dem Fachpublikum und der Öffentlichkeit vor.7 Jung verwendet den Begriff Archetypus in Anlehnung an dessen Gebrauch im antiken Griechenland, bei den Kirchenväter und der Alchemie. Doch ist er auch durch die Anthropologie beeinflusst, die gerade im 19. und 20. Jahrhundert blühte.

Seine Auffassung, das Mythologeme interkulturell sind, ergibt sich aus seinen Traumanalysen und interkulturellen Vergleichen, dass räumlich und zeitlich getrennte, endemische Ethnien dennoch in der Grundstruktur gleich Vorstellungen von Gott und der Welt haben, und das immer wieder ähnliche mythologische Figuren aufträten. Dabei unterschied er die Grundstrukturen von den archetypischen Bildern, die sich kulturhistorisch differenzieren. Der Archetyp sei lediglich die Tendenz Vorstellungen hervorzubringen – und nicht die Vorstellungen selbst. Ein Archetypus existiere nicht ohne die ihr Grundlegende Emotion und energetische Aufladung.[8] Das archetypische Symbol bringt den Menschen mit dem Unbewussten in Kontakt, wenn es endogen oder exogen aktiviert wird und dann wirkt. Die Bedeutung eines Symbols ist diffus und kontextabhängig. Es löst Assoziationen und kognitive Dispositionen aus und regt Schemata an, die semantisch vernetzt sind. Auf diese Weise können Symbole Ideen hervorbringen, Verhalten auslösen und Handlungen initiieren, gerade dann, wenn sie kulturell geprägt sind oder werden.

Es existieren kulturell ähnliche Symbole wie der Kreis, der aus der Sonne oder Mondscheibe abgeleitet ist, und für Ganzheitlichkeit und Göttlichkeit steht. Dies gilt auch für die Große Göttin, als Mutterarchetypus, der vergleichbar in vielen Religionen, als Venus, Gottesmutter oder Mutter Erde vorkommt – als das Leben spendende neben dem Lichtpunkt der Sonne am Himmel. Der Männliche Gott ist oft väterlich oder heldenhaft und findet sich bei den Germanen als Thor oder im vorantiken Ägypten als Re – einer Gottesinkarnation, wie bei Jesus, den Stifter des Christemtums.

Auch der christliche Gott und seine Vertreter sind „Pater“ nostra. Der Lebensbaum der Bibel ist ein weiteres Bild, der als Weltenbaum auch in der Kaballa vorkommt und in der Mythologie der Kelten. Die Gegenüberstellung vom Selbst mit der Außenwelt verkörpert das Ich und Du, und ermöglicht die Individuation gerade so wie die Gottesvorstellung. Die Geschlechtlichkeit und die Gegenüberstellung der Anima mit dem Animus ist Bestimmungsort für Ich und hat auch materielle, irdische Funktion – im Sinne der Fortpflanzung, des Lebenszyklus und Lebensaufgabe.

Dabei ist der Archetypus von Trieb und Instinkt zu unterscheiden, wenn auch der Libido nach Sigmund Freund [9] die energetische Grundlage für die Bewusstwerdung ist. Die Richtung aber, die nach dem Antrieb die kognitive Orientierung nimmt, ist durch das objektivierte Ding und das aktivierte Schema [10] bestimmt. Der Archetypus als bildliche Vorstellung ist Teil der mehr oder weniger bewussten Vorstellung, teil des Geistes – und vermittelt zwischen Materie und Spiritualität, ist gerade zu dazwischen angesiedelt, als ein eingelassene Spiegel des göttlichen Feuers der Sonne. Nach Jungs Veranschaulichung ist die Triebdynamik das eine, infrarote Ende des Lichtspektrums, die archetypischen Bilder des Unbewussten, die aber vorgestellt werden können und in Bewusstsein gelangen, das ultraviolette Ende. Beide Enden bergen nicht sichtbares Potential, das über die sichtbaren Grenzen hinausgehen, wie beim Lichtspektrum. Archetyp, Trieb und Instinkt sind evolutionär eingeprägte Urformen menschlichen Erlebens mit der Möglichkeit des Verhaltens als Denkstruktur und bewussten Handelns hinsichtlich der Vorstellung.

Aus Träumen und Mythen der Menschen und Kulturen analysierte Jung die Archetypen als Bestandteil der menschlichen Seele. Die Bewusstwerdung des Selbst ist Grundlage für die Erkenntnis des Du aus dem Ich. Das Ich habe eine Tendenz zum Selbst zu werden und schließe dann den Kontext der inneren und äußeren Welt mit ein. Das Ich erkenne in und durch die umgebenden Lichtpunkte die Umwelt und tiefere Schichten der eigenen Persönlichkeit. Die Sonne ist ein solcher Lichtpunkt, wie der Mond oder die Sterne. Daraus haben sich Mythen entwickelt, die zur Orientierung und Ableitung eines Höheren Sein führten, wie zum Beispiel der altägyptische Sonnengott „Re“ - oder die gottähnlichen Söhne der Sonne, die Pharaonen. Jesus ist eine weitere Form des lichterfüllten Sohnes des Lichtes, des überzeitlichen und räumlich unbegrenzten Gottes als Spiegel des Ichs, das Selbstbewusstsein erst ermöglicht. In diesem Sinne befreit Jesus den Mensch aus seine materiellen Bindung. Das Spiegelbild des Selbst als Schatten des Ichs macht bewusst und gründet die doch irdische Existenz und erdet den Menschen, der die Schatten seiner materiellen Bindung an das Diesseits erkennt im Widerspruch oder als Gegenpol des Göttlichen, sich seiner Triebhaftigkeit und Instinktbindung bewusst wird.

Die Erfahrung der eigenen Geschlechtlichkeit im Gegenüber von weiblichen und männlichen Aspekten des Selbst wiederum verkörpern das Anima und Animusbewusstsein des Menschen, deren Teile mehr oder minder in jedem von uns vorhanden sind. Sie offenbaren sich in zweigeschlechtlichen Darstellungen und Gottheiten. Beide Pole der Geschlechtlichkeit bestimmen die Persönlichkeitsentwicklung im Austausch mit der Umwelt und den auch inne liegenden evolutionären als auch überzeitlichen und unräumlichen Kontexten. Die männlich-weiblichen Teile der Seele können projiziert werden und als tradiertes Rollenverhalten auftauchen - und wenn sie zum Bewusstsein gelangen, durch androgyne Darstellungen oder Hermaphrodismus Konflikte verursachen oder lösen, wie die Fragen der Homosexualität und deren gesellschaftliche Akzeptanz verdeutlichen.

Die Erfahrung des Selbst an der Umwelt und durch das persönliche wie kollektive Unbewusste ist die Entwicklungsinstanz, welche durch die evolutionär und materielle Bindung einerseits und die Erfahrung des Überzeitlichen und raumfreien Seins Entwicklungsinstanz andererseits bestimmt ist und umfasst die menschliche Psyche in ihrer Gesamtheit. [11]

Das Selbst umfasst Licht und Schatten, findet symbolische Darstellung in der Mandala und wird auf überindividuelle Instanzen projiziert, den religiösen oder politischen Führer, der ja eben auch die Gestalt eines symbolischen Archetypus haben kann. Die Verdrängung insbesondere der Grundtypen von Licht und Schatten in der Erkenntnis des Selbst kann beim Einzelnen zu Neurosen führen, aber auch zu psychotischen Zuständen, welche gesamte Gruppen, ja Volksgemeinschaften erfassen kann. Die Unterdrückung der Volksseele, die Fehlattribution und Falschprojektion können gerade bei der zeitgleichen Pression von Trieben, wozu ich nicht nur die Libido, sondern auch alle Grundbedürfnisse des Menschen zählen möchte, wie nach Sozialkontakt oder Kommunikation, irrationale und aggressive Verhaltensäußerungen hervorrufen.

Der erfahrbare Mangel wird unter Begriffen wie „Freiheit“ subsumiert und gelenkt projektiv wirksam. Die energetische Aufladung kann und wird durch kommunikative Mittel und Sozialtechniken angeregt werden. Zum Beispiel widerspricht ein Thema der kulturellen und sozialisierten Empfindung der Menschen und ist emotional aufgeladen, durch Bilder oder mittels Zeichen abstrahiert, und kann gerichtet zur Entladung gebracht werden. Manchmal wittert ein politischer Führer auch nur den Volkswillen und weiß ihn zu motivieren, im Sinne der Ausnutzung des Antriebes durch kognitive Zielorientierung. Dabei ist eine Deformation der Volks- bzw. Bürgerseele anzunehmen, die nicht nur zu Zorn führt (Wutbürger) sondern auch nach Maßgabe der äußeren Kontexte zu Exzessen. Die dunkele Seite der Macht, besser der Seele tritt hervor, die dunkle Gottheit, - begründet und verursacht, ja rechtfertigt Pogrome und Kriege.

Der Verteidigungsgrund des Selbst wird missbraucht, das existentielle Selbstschutzargument tritt hinter Argumenten der humanen Handlung zurück und dient Parolen, die tiefere Schichten der Seele anrühren und aktivieren, nicht aber voll bewusst werden, aber das Selbst motivieren und über Scheinlogik, Wiederholung und soziale Ansteckung Massen bewegen. [12] Hier finden sich Gründe für Feldzüge und Kriege, wie zum Beispiel die „Lebesraum“-Parole der Nazis.

Man mag C.G. Jung und auch Sigmund Freund vorwerfen, sie hätten durch ihre Forschung Beiträge für Psychotechnik in Händen von unverantwortlichen Politikern geliefert. Das Streben nach dem Schönen, Wahren und Guten – der Humanität ist aber nicht eine Frage der Technik, sondern des moralischen Postulates und der ethischen Maxime. Wie die Atomenergie friedlich genutzt werden kann, sollten Erkenntnisse der Sozialwissenschaft und Psychologie, gerade wenn sie die Fundamente der menschlichen Natur und spirituelle Orientierung beleuchten, zum Wohl der Menschheit genutzt werden. Wohl wissend das auch die dunkele Seite der Seele und des Geistes ihre Berechtigung zur Erkenntnis des dem Leben zuträglichen haben. Damit ist nicht nur die psychologische Dimension gemeint, denn Archetypen besitzen eine biologische Grundlage, was bedeutet, dass Leben auch in dieser Hinsicht als lebenswert bezeichnet werden können muss, also hinsichtlich der materiellen Umstände und den Bedingungen, unter denen es sich entwickelt.

Der Archetypus als Struktur kann nicht alleine in der Körperphysiologie zu finden sein wie auch der Geist über den Körper, das Materielle hinaus weist. Als Mittel zwischen Körper und Geist muss die Seele beide Komponenten der Stofflichkeit – wie der absolut immatreriellen Art in sich vereinigen. Die Vorstellung eine Feinstofflichkeit der Psyche, die mit dem Geist verbunden nicht auf bekannte Materienstrukturen angewiesen ist, sogar gänzlich auf sie verzichten kann, kann angenommen werden, will man das Spirituelle der Vorstellungen, also den Ursprung der Idee nicht nur auf Geistesebene sondern auch auf Gefühlsebene begründen, wie es C.G. Jung gerade in den letzten Jahren seiner Korrespondenz mit dem Physiker Wolfgang Pauli [13] andenkt. Die Seele hat eine sogar über die feinstoffliche Grundlage hinausweisende Natur, wie das Leben überhaupt referiert der Geist auf die Seele und damit auf Materie, den Körper. Der Ursprung des Seins ist allgegenwärtig in einem Jeden, evolutionär wie spirituell.

b. Zum Lebens- und Todestrieb bei Sigmund Freud

Grundlage jeglichen Verhaltens ist dessen Antrieb, seine energetische Aufladung. Durch die kognitive Zielorientierung erhält das Verhalten eine objektivierte Richtung und ist damit Handlung, die ins Bewusstsein vordringt. [14] Der Antrieb kann instinkthafter Natur und Trieb sein, wird von äußeren Reizen ausgelöst und ist endogen veranlagt. Instinkte sind angeborenes Verhalten. Um wirklich von Instinktverhalten sprechen zu können, muss ein Verhalten über verschiedenen Gattungen bei Mensch (Menschenaffen) und Tier beobachtbar sein. Darüber hinaus muss es physio-psychologisch verankert, also bereits als Prädisposition vorhanden sein. Zudem muss es, um von Instinktverhalten beim Menschen reden zu können, dieses Verhalten interkulturell beobachtbar sein, also bei allen Menschen. [15] Es ist jedoch bis heute unklar, warum mal der eine – mal der andere Instinkt in vergleichbaren Situationen vorherrscht (Aversion-Appetenz-Verhalten). Es mag an der Dominanz der jeweiligen zur Auslösung von Instinktverhalten relevanten Schlüsselreizes – aber vor allem am Kontext es Reizes liegen, an Veranlagung, Erfahrung und Erziehung gleichermaßen, wie an den Situationsfaktoren, die dem AAM (Angeborenen Auslösungsmechanismus) seine Wirkung entfalten lässt. Basis von Instinktverhalten sind Bewegungen, wie die Flucht bei angsteinflößenden Reizen, die ein Repertoire bzw. Programm von Handlungsabläufen beherbergen und die ohne gelernt zu sein, automatisch ablaufen. Nach Konrad Lorenz besteht Instinktverhalten aus dem angeborenen Erkennen (z. B. Schreck) des Reizes, einem Aktivierungsmechanismus (AAM: Erkennen der Gefahr), der Bewegungskomponente (Weglaufen) und dem inneren Antrieb (physiologisch Grundlage und Anstoß für das Weglaufen: aktionsspezifische Erregung) hierzu. Durch mehrfaches Ablaufen der Verhaltensreaktion kann das Instinktverhalten trainiert und modifiziert werden. (also: doch stehen bleiben, tot stellen).

Damit ein Verhalten als angeboren gelten kann, muss es

- stereotyp sein, also ohne unmittelbare kognitive Kontrolle erregt werden können,

- bei allen Menschen in der selben Grundform veranlagt sein, unabhängig von Sozialisation, Kultur oder persönlicher Erfahrung erkennbar

- Kontext immanent analysierbar, also zeit-, raum,- und evolutionär- bedingt identifizierbar sein

- auch bei endemischen Sozietäten beobachtbar sein,

- auch bei längerer Hinderung an diesem Verhalten, dennoch auftreten.

Dies setzt grundlegend eine Handlungsbereitschaft bei jedem Individuum zu diesen Verhaltensweisen voraus. Diese Appetenz ist gerichtet auf das Objekt, den Schlüsselreiz. Die Vernetztheit auch der Reize und potentiellen, verscheiden Verhaltenskomponenten führt zu einer Reihung von Verhaltenskomponenten, die durch jeweilige Reize mehr oder weniger gestützt, bewusst das semantische Netz aktivieren, und zum Handlungsablauf führen. Kognitiv können so Verhaltensweisen auch auf der Basis von Instinkten – aber vor allem emotional-kognitiv mit geringem Bewusstseinsgrad, programmiert werden. Bei Tieren ist das Verhalten, z.B. jagen und fangen eines Beutetiers, so eher evolutionärgenetisch programmiert. Menschliches Verhalten aber eher kulturell stereotypisiert, dies aber auf der Basis ererbter Dispositionen und durch Regel des Über-Ichs kontrolliert. [16]

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Zum tiefenpsychologischen Konzept Sigmund Freunds. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalyse

Im Unterschied zum Instinkt sind Triebe die energetische Aufladung des jeweiligen Verhaltens und können durch den zivilisierten Menschen unterdrückt werden, bzw. von außer her durch Verhaltensnormen (Über-Ich) reglementiert sein. Sigmund Freud differenziert den Libido (Sexualtrieb) bzw. den Eros (Lebenstrieb) und den auch, wie der Eros, im menschlichen Unterbewussten (Es) eingebrannten Thanatos (Todestrieb, Destrudo), beide als ins Bewusstsein (Ich) drängende energetische „Ladungen“ des menschlichen Daseins. Ohne hier, an dieser Stelle die Gültigkeit der vorgenannten Theorien von Instinkt und Triebverhalten zu behaupten oder beweisen zu wollen - oder zu können, scheint mir doch die Erwähnung erforderlich, da sie Begründungen für tiefenpsychologisch begründbares Verhalten liefern. Gerade Archetypen bedürfen bei der Vorstellung der äußeren oder endogen-psychischen Anregung und der Energie um bildhaft zu werden. Die Polarität zwischen Leben und Tod können Motivationsgrundlage für menschliches Verhalten sein und nur teilbewusst ablaufen. Sie sind in der Erfahrung des Selbst und der Umwelt grundlegend.

C . Zu den Archetypen bei C.G. Jung

Wie bereits eingangs dargelegt, handelt es sich bei den Archetypen dem kollektiven Unbewussten zugeordneten tiefenpsychologische Vorstellungs- und Handlungsmuster. Neben den zwei – bzw. vier Basistypen können, je nach Differenzierung der 1. Ableitungschon über 30 Erscheinungsformen dieser Urbilder analysiert werden. Sie finden in der Dramaturgie bei textlichen Darstellungen ebenso Verwendung wie in der bildenden und darstellenden Kunst und auch in Religionen. Auch Werbung und Marketing bedienen sich archetypischer Bilder, um einen Bezug zum Konsumenten herzustellen. Es ist daher naheliegend zu fragen, ob auch in der Politik, in Verhaltensmustern und visuellen Erscheinungsformen, bei Politikern und politischen Prozessen, Archetypen anzutreffen sind – ob sie nun bewusst inszeniert oder unbewusst als Persönlichkeits- oder Systemstruktur auftreten, ist dabei zunächst gleichgültig.

C1. Die Basistypen als Handlungsmotive

Mit der Geburt betritt der Mensch die Weltbühne, ohne dass jedoch die Säuglingsseele als unbeschriebenes Blatt erscheinen könnte. Die Grundanlage der Umweltwahrnehmung und menschliche Natur ist selbst den Neugeborenen mitgegeben, aus tausenden von Jahren der humanen Evolution. Die Grundemotionen von Angst, Überraschung, Neugier, Abscheu, Scham Zugewandtheit (Liebe, Zuneigung) und Zorn (Abneigung, Hass) sind bereits angelegt und entwickeln sich individuelle als Gefühlskomplex in Kommunikation mit dem Kontext. Durch den Kontakt zur Mutter und zum Vater werden angeborene Reflexe trainiert, zum Beispiel das Greifen und Saugen. Mit der Sehschärfe entsteht ein Bild der Bezugsperson ...und durch der Auseinandersetzung mit dem näherem Umfeld ein erstes Weltbild, das sich im Laufe der Zeit auf der Basis der Urvertrauens zu den Bezugspersonen entwickelt. Die Kinderseele im Alter von drei bis fünf Jahren entwickelt ein Ich-Bewusstsein, das die Grundlage für das Selbstbild auch in späteren Jahren bildet. Die Polarität des Ich-Du ist vorhanden und es entstehen von Jugendalter über die persönliche Reifung bis zu Seele des Alten ein sich stetig änderndes Weltbild aus Erfahrung - jedoch mit strukturellen Konstanten, den Archetypen.

Aus der Ich-Du Polarität projiziert die Seele ein Seins des Überichs, ein mythische Gottesbild, dass für die Erklärung des dem Verstandes nicht erschließbaren Phänomene dient. Zunächst dienen als Erklärungsmodelle die Elternfiguren, später wird das Bild durch eine Gottesvorstellung ersetzt. Die Erkenntnis des Selbst bis nach der Pubertät lässt diesen Schatten wachsen und seinen schützenden und bedrohlichen Charakter ausbilden. Es wird als Natur oder Allmacht verstanden, als etwas, dass dem Menschen Schicksalhaft gegenübersteht und doch Teil des Selbst ist, als Bestandteil der Unbewussten Seele (Es).

Darum können zwei Grundprinzipien des Archetypus unterscheiden werden:

I. Die Allmacht: Gott – das Licht und das Leben spendende, die Eltern – der Vater,...DU – als Gegenbild

II. Das Selbst: ... der Schatten des Ichs, - die Seele, Anima,...Ich im Spiegelbild

Alle weiteren Formen leiten sich aus diesen Grundformen, den Urbildern der Seele, des Selbst und des Anderen ab. Denn die weitere Erfahrungen der Adoleszens bis ins Alter lässt Differenzierungen dieser Typen zu, die im wesentlichen durch zwei Grundtriebe motiviert sind, nämlich den eben schon genanten Drang zur

III. Selbsterhaltung und der Lebensgestaltung (Eros) – und der immer deutlich werdenden Tendenz der

IV. Vergänglichkeit, der dem Streben nach Überleben entgegen gesetzt ist: Thanatos

Das Spannungsverhältnis der zwei Prozesse, des Werdens und Vergehens, ist endogene Handlungsmotivation und wird exogen motiviert und realisiert.

C2. Ableitungen aus den Basistypen

Aus diesen Grundmotiven, und hier kann der Begriff Motiv durchaus als Bild und Struktur verstanden werden, es leiten sich ab:

1. Die Mutter: Der Humus, das Wachstum, das Leben erhaltende, die Erde,...

2. Das Kind: das Lebendige, das Zukünftige, das Kommende und Werdende...

3. Der Magier: Zauberer, geheimes Wissen,...

4. Der Priester: Keuche, Wissende, Gelehrte, Gottesdiener,...

5. Die Nonne: Keuche, Wissende, Helfende,....mit Gott vermählte....

6. Der Weise: Erfinder, Lehrer, Ratgebende,...

7. Der Herrscher: Der Mächtige, Gewaltvolle, Gerechte, Weise,...

8. Der Held: Der Berufene: - kämpfend, edelmütig, reisende, suchend,...

9. Der Erlöser: Helfer, Herold, Botschafter,....

10.Der Rebell: Der Befreier, Erneuerer,...

11. Der Krieger: Kämpfer, Unbesiegbare,...

12.Der Ritter: Der Edle, Streiter, Kämpfer ...

13.Der Narr: Vermittler, Spaßvogel, Witzige, Wahrsprecher,...

14.Der Bettler: Arme, Suchende,...

15.Der Entdecker: Der Neue, Finder, Forscher,...

16.Der Liebhaber: Jüngling, väterlicher Freund,

17.Der Verführer/in: falsche Prophet, dunkle Magier,- auch begehrende Liebhaber/in...

18.Die Hexe: verschlagen, behaart, ungestaltig, böse, intrigant,...

19.Die Fee: wohlgestalt, lieblich, belohnend,...

20.Die Jungfrau: unberührt, unverdorben, würdig, duldig

21.Der Engel,: die Reinheit, Geisterhaftigkeit,....

22.Jüngling: forsch, dynamisch, strebsam,...

23.Das Mädchen: die Verspielte, Verträumte

24.Der Begleiter: Freund, Ratgeber, Mentor

25.Das Kind: - der göttliche Abkömmling,

26.Der Patriarch: Herrscher, Ratgeber, Wissende

27.Der Bruder: Helfer, Begleiter, Ratgeber,

28.Die Schwester: Mutterersatz, Freundin, Helfer,...

29.Der Tod: das Vergehende, Das Endliche

30.Der Teufel: - das Böse, der Abgrund, das Vergehende,

31.Der Schatten:: erkennend, bedrohlich, neuartig,...

32.Gott: - das Überzeitliche, Ungebundene, Raumlose, Ewige, Unendliche,...

33.Animus: das Männliche, Dominante, der Widerpart, das DU

34.Anima: das Weibliche, Sorgende, die Seele, das Selbst, das Ich-bewusst

35.Hermaphrodit: die androgyne Gestalt, das Zweigeschlechtliche….

Ihnen können nicht nur die Basisformen zugeordnet werden, sondern auch die vier (fünf) Grundelemente:

A. Erde, B. Feuer, C. Wasser, D. Luft, -oder auch mehr, der Materie zugeordnet: Metall, Holz, Stein,...oder dem Geist: Wolke, Nebel, Schnee und Eis,...

[Dies ist eine Leseprobe. Grafiken und Tabellen sind nicht enthalten.]

Abbildung :Zwölf Archetypen, Quelle: https://weltenmitwoertern.wordpress.com/2015/02/20/archetypen/

An dieser Stelle ist Raum um deutlich darauf hinzuweisen, dass Archteypen selten in ihrer Reinform bildlich vorkommen oder entstehen. Sie sind, wie die Seele in ein kognitivemotionelles, individuelle und kollektiv bestimmtes Netzwerk eingebunden, das ebenso eine unbegrenzte Anzahl von Mischformen des ein Mehr oder Weniger an typischen Elementen enthält. Man mag die zwei bis fünf Grundtypen der Archetypen als „Säulen der Erde“[17] verstehen, in deren Fundament sich das kollektive wie individuelle Unbewusste [...]


1 Schellenbaum, P.:Gottesbilder. Religion, Psychoanalyse. Tiefenpsychologie, 4. Aufl. UTB, München, 1997

2 Locke, J.: Versuch über den menschlichen Verstand. An Essay concerning Humane Understanding. London: Printed for Tho. Basset. Sold by Edw. Mory, 1690.

3 Nietzsche, F.: Menschlich-Allzumenschliches. Bd. II, Seite 27 ff.

4 Jung, C.G.: Über die Archetypen des kollektiven Unbewussten. In: Gesammelte Werke, Band 9.1., Edition, C.G. Jung, patmos, desw. Die Archetypen und das kollektive Unbewusste.1976. 5. Auflage 1983.

5 Siehe hierzu Kapitel 6.C

6 C.G.,Jung: Zur Psychologie und Pathologie sogenannter occulter Phänomene. Eine psychiatrische Studie. Diss. Univ. Zürich (Medizinische Fakultät). Mutze Verlag, Leipzig 1902.

7 C.G. Jung: Über die Archetypen des kollektiven Unbewussten. Eranos-Jahrbuch 1934, Rhein-Verlag, Zürich 1935, S. 179-229. In bearbeiteter Fassung 1954 publiziert als Von den Wurzeln des Bewußtseins. Studien über den Archetypus. In: Carl Gustav Jung: Gesammelte Werke Band 9/1, Rascher Verlag, Zürich 1954, § 1-86.

8 C.G.Jung: Symbole und Traumdeutung. In: Gesammelte Werke Band 18/1, § 523/589, 1961.

9 Freud, S.: Ges. W. Bd. X, S. 14 – siehe Studienausgabe, Fischer, 2000 -sowie Dahmer, H.: Libido und Gesellschaft, Suhrkamp, Berlin 1982.

10 Schema kann einfach als Wahrnehmungsschablone verstanden werden

11 C. G. Jung: Beiträge zur Symbolik des Selbst. In: Gesammelte Werke 9/2, § 20-27. Aion, 1950.

12 Siehe Le Bon, G.: Psychologie der Massen, deutsch von Eisler, R., Kröner, Stuttgart 2008

13 Meier, C.A. (Hrsg.): Wolfgang Pauli und C. G. Jung. Ein Briefwechsel 1932-1958. Unter Mitarbeit von C. P. Enz und M. Fierz. Springer Verl., Berlin etc. 1992

14 Vgl Kroeber-Riel, W; Gröppel-Klein, A.: Konsumentenverhalten, 10. Aufl., Vahlen, 2013.

15 Siehe Klingenberg, O.: Social Psychology, NY, 1959, S 69.

16 Siehe Immelman, K.: Verhaltensforschung. Ergänzungsband zu Grzimeks Tierleben, Kindler Verlag, Zürich 1974, S. 635

17 Die dramaturgische Verwendung von Archetypen auch bei Follet, K.: Die Säulern der Erde, Bastei-Lübbe, Köln, 2010 (engl. Original 1990).

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Archetypen in der Kommuniaktion. Terminologie, Verwendung und Wirkungsebenen
Autor
Jahr
2015
Seiten
113
Katalognummer
V299661
ISBN (eBook)
9783656960928
ISBN (Buch)
9783656960935
Dateigröße
3271 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
archetypen, kommuniaktion, terminologie, verwendung, wirkungsebenen
Arbeit zitieren
Karl-Peter Gerigk (Autor), 2015, Archetypen in der Kommuniaktion. Terminologie, Verwendung und Wirkungsebenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299661

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