Cyber-Seelsorge? Neue Medien und Verkündigung: Chancen und Grenzen


Seminararbeit, 2004
13 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

KAPITEL 1: Erläuterung der Grundbegriffe

KAPITEL 2: Kirche und Massenkommunikationsmittel
2.1 Christliche Verkündigung und Medien
2.2 Das Medienverständnis der römisch-katholischen Kirche

KAPITEL 3: Die Eucharistiefeier als Grenze der Cyber-Gemeinschaft

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Die soziologischen Untersuchungen der letzten Jahre stellen in den heutigen aufgeklärten Zeiten nichtsdestotrotz eine starke religiöse Sehnsucht quer durch die Gesellschaftsschichten fest: Die Suche nach dem Sinn des Lebens hat Hochkonjunktur; esoterische Gruppen und Sekten jeglicher Art boomen. In dem Supermarkt der religiösen Angebote findet jeder eine Religion nach Maß und wenn nicht, dann doch die entsprechenden Bausteine, um sich selbst eine passende zu basteln. Die technischen Möglichkeiten des Internets unterstützen die Verbreitung von Angeboten und Nachfragen. Auch die römisch-katholische Kirche wagt sich zunehmend auf diesem immer noch wenig erforschten Terrain. Im Februar 2002 erschien das Dokument des Päpstliche Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel „Kirche und Internet“, in dem explizit auf die Problematik des Umgangs mit dem Internet eingegangen wird. Alle wichtigen Stellen der Amtskirche verfügen bereits über eigene Homepages. Die Erzdiözese Wien beschäftigt ein vierköpfiges Team für die Betreuung ihrer Internetseite www.stephanscom.at. Das Amt für Öffentlichkeitsarbeit bietet für pfarrliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Erzdiözese Kurse zur Erstellung einer Homepage.

In Anbetracht dieser rasanten Entwicklungen stellen sich unwillkürlich die Fragen: In wieweit sind die neuen Medien mit dem kirchlichen Auftrag der Verkündigung vereinbar? Ist Seelsorge per Internet möglich und zulässig? Wo sind die Grenzen einer solchen Seelsorge und welche neuen Chancen werden ihr durch die technische Potenz des Internets eröffnet? In der folgenden Seminararbeit ist es nicht möglich, umfangreiche Antworten auf diese Fragen zu bieten. Dennoch will ich versuchen, Konturen dieses Themas zu skizzieren, innerhalb denen gewisse Antworten nachvollziehbar sind. Dabei stütze ich mich auf die empfohlene Apparatliteratur des Seminars und auf mein Hintergrundwissen über Massenmedien im Allgemeinen, das ich mir bei den Recherchen zu meiner Diplomarbeit „Das neue Medienkonzept der Erzdiözese Wien“ erworben habe.

Im ersten Kapitel definiere ich die Grundbegriffe des Themas: Kirche, Verkündigung, Öffentlichkeit und Kommunikation. Im zweiten Kapitel setze ich mich mit der Frage auseinander, ob christliche Verkündigung mit Massenmedien möglich und notwendig ist und untersuche kurz das Medienverständnis der römisch-katholischen Kirche. Im letzten Kapitel zeichne ich die Grenzen einer Cyber-Gemeinschaft im Hinblick auf das römisch-katholische Religionsverständnis. Die Arbeit beende ich mit einer kurzen Zusammenfassung meiner Schlussfolgerungen.

KAPITEL 1: Erläuterung der Grundbegriffe

Um auf das Thema einzugehen, muss man zunächst die Grundbegriffe: Kirche, Verkündigung, Öffentlichkeit und Kommunikation definieren. Vorausschicken möchte ich, dass die Seelsorge auf jeden Fall die Verkündigung beinhaltet, sonst würden wir nicht über Seelsorge, sondern über psychologische Beratung oder Ähnliches sprechen.

· Die Kirche wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil als Communio - eine Gemeinschaft nicht nur ihrer Mitglieder, sondern auch Communio mit der Welt begriffen. Die pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes (GS)[1] stellt fest, dass die Kirche auch wenn sie „in der Zeit [...] von Jesus dem Erlöser“(GS 40) gestiftet wurde, inmitten der Gesellschaft lebt und ein Teil von ihr ist. Also ist sie ihr verpflichtet und muss an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitarbeiten.

Den theologischen Communio-Gedanken erarbeiteten die Konzilsväter ausführlich 1964 - ein Jahr vor GS - in der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium (LG)[2]. Das Dokument, dessen Entstehung von heftigen Auseinandersetzungen begleitet wurde, bezeichnet gleich im Auftakt die Kirche als „das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott, wie für die Einheit mit der ganzen Menschheit“(LG 1). Die Wirksamkeit der Kirche wird sakramental von der Eucharistie her gesehen. Die Kirche hat „die Sendung, das Reich Christi und Gottes anzukündigen und in allen Völkern zu begründen“(LG 5). Das zweite Kapitel der dogmatischen Konstitution führt uns das Bild der Kirche als Volk Gottes vor Augen und ergänzt damit eine hierarchische Sicht der Kirche, gegen eine Gleichsetzung von Kirche und Klerus. Nicht nur die Hierarchie, sondern auch die Laien haben Anteil am Priesteramt Christi (LG 34). Durch sie übt Christus ebenso sein prophetisches Amt aus. Das Dokument unterscheidet drei Momente, in denen die Laien dieses Amt mit ausüben: die Existenz in Hoffnung, die Evangelisation (Verkündigung) und die Ehe (LG 35). Den Laien wird nicht nur die Möglichkeit eingeräumt, sondern sogar „die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, zu erklären“(LG 37).

Allerdings bleiben die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils bis heute, vier Jahrzehnte danach, in der ekklesiologischen Praxis nicht rezipiert. Das hierarchisch-juridische Modell von Kirche dominiert weiterhin den kirchlichen Alltag. Die 1990 von der römischen Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte Instruktion über die katholische Berufung der Theologen (ThI) zieht eine begriffliche Trennlinie zwischen Kirche und Volk Gottes und macht damit einen deutlichen Rückschritt hinter die Vorstellung der Communio-Kirche des Zweiten Vatikanums[3]. Auch in die Öffentlichkeit präsentiert sich die römisch-katholische Kirche eher als hoch institutionalisierte und zentralisierte Organisation mit hierarchisch strukturiertem Klerus, soziokulturellen Riten und Gesetzen und einer kommunikativ verschlossenen und konservativ bürokratischen Spitze, nämlich die römische Kurie.

· Die Verkündigung des Evangeliums könnte man als die primäre und wichtigste Aufgabe der Kirche und der kirchlichen Kommunikation bestimmen. Diese Aufgabe bestätigt auch die Pastoralinstruktion zur Kommunikation Aetatis novae (AN)[4]: „Die Kommunikation, die in der Kirche und durch die Kirche stattfindet, besteht im wesentlichen in der Verkündigung der Frohbotschaft Jesu Christi. Sie ist die Verkündigung des Evangeliums als prophetisches und befreiendes Wort, das an die Menschen unserer Zeit gerichtet ist.“(AN 9)

[...]


[1] Gaudium et spes, pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute, deutscher Text in: Rahner Karl / Vorgrimler Herbert (Hg.): Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanum, Freiburg i. Br. 1966, 449-552

[2] Lumen Gentium, dogmatische Konstitution über die Kirche, deutscher Text in: Rahner / Vorgrimler. Kleines, 123-197

[3] Vgl. Instruktion über die katholische Berufung der Theologen, Kongregation für die Glaubenslehre, Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz(Hg.), Bonn 1990

[4] Aetatis novae, Pastoralinstruktion zur Kommunikation 20 Jahre nach CeP, Päpstlicher Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel, Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz(Hg.), Bonn 1992

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Cyber-Seelsorge? Neue Medien und Verkündigung: Chancen und Grenzen
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Moraltheologie)
Veranstaltung
Seminar: Cyberethik. Ethische Dimensionen und Problemfelder des Internets
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V30059
ISBN (eBook)
9783638314121
ISBN (Buch)
9783638799317
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cyber-Seelsorge, Neue, Medien, Verkündigung, Chancen, Grenzen, Seminar, Cyberethik, Ethische, Dimensionen, Problemfelder, Internets
Arbeit zitieren
Valia Kraleva (Autor), 2004, Cyber-Seelsorge? Neue Medien und Verkündigung: Chancen und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30059

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