"Ich mach' nochmal ein Praktikum". Eine Generation zwischen Festanstellung und Arbeitslosigkeit


Hausarbeit, 2014
20 Seiten

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

2. EINLEITUNG

3. NUTZEN VON PRAKTIKA IM WANDEL DER ZEIT
3.1$SICHT$DER$PRAKTIKANTEN$
3.2$SICHT$DER$UNTERNEHMEN$

4. HERAUSFORDERUNGEN DER GENERATION PRAKTIKUM
4.1$HERAUSFORDERUNGEN$DURCH$WIDERSPRÜCHLICHE$NUTZENARGUMENTE$
4.2$ F LOUNDERING $>$EINE$BELASTUNG$DER$ALLGEMEINEN$LEBENSSITUATION$

5. FAZIT

6. LITERATURVERZEICHNIS

7. ANHANG

1. Abbildungsverzeichnis

Alle Abbildungen befinden sich im Anhang, da eine Darstellung im Fließtext nicht sinnentsprechend wäre.

- Abbildung 1: Bundes Agentur für Arbeit (2014), Anzahl der sozialversi- cherungspflichtig beschäftigten Praktikanten und Volontäre in Deutsch- land von 1999 bis 2011, über Statista : http://de.statista.com

- Abbildung 2: INSM (2014), Welche Hemnisse zur Schaffung neuer Ar- beitsplätze gibt es in Ihren Unternehmen?, über Statista : http://de.statista.com

- Abbildung 3: IW Köln; Stifterverband für die deutsche Wissenschaft (2010), Investitionen von Unternehmen in akademische Bildung im Jahr 2009 (in Millionen Euro), über Statista : http://de.statista.com

- Abbildung 4: Statistisches Bundesamt (2014), Anzahl der Studierenden an Hochschulen in Deutschland vom Wintersemester 2002/2003 bis 2012/2013, über Statista : http://de.statista.com

- Abbildung 5: Uni Kassel; VALERA (2014), Anteil der befragten Unter- nehmen, der folgende Kriterien bei der Einstellung von Absolventen als sehr wichtig oder zumindest wichtig einstuft, über Statista : http://de.statista.com

- Abbildung 6: univativ GmbH (2011), Welche Position haben Sie beim Be- rufseinstieg eingenommen?, über Statista : http://de.statista.com

2. Einleitung

Betrachtet man den Trend der Praktikantenbeschäftigungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, so fällt eine wachsende Zahl von Praktikantenstellen auf (vgl. Abbildung 1). Die Situation der Berufseinsteiger hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Immer mehr Absolventen betreten den Arbeitsmarkt. Im Vergleich zu denen, die 30 Jahre zuvor ihr Studium abgeschlossen haben, kommt es heutzutage häufiger vor, dass auch nach erfolgreichem Hochschul- abschluss Praktika absolviert werden. 2007 waren es laut einer Studie der DGB Jugend ca. 40% der Absolventen, die nach dem Studium noch ein Prak- tikum absolvierten (Grühn et al. 2007:6). Matthias Stolz veröffentlichte An- fang 2005 erstmals einen Artikel unter dem Titel Generation Praktikum in der ZEIT, hier stellte er die Situation junger Arbeitsuchender, die sich von einer befristeten Anstellung zur nächsten begaben dar. Heute ist der Begriff Gene- ration Praktikum allgegenwärtig, den Satz „Ich mache noch mal ein Prakti- kum“ hört man noch immer häufig (vgl. Stolz 2005: 2 f.).

Dennoch gibt es auch konträre Meinungen. Die Generation Praktikum sei kein Massenphänomen, viel mehr eine subjektive Wahrnehmung (vgl. Briedis et al. 2007:10). Auch gibt es Studien, welche zu der Erkenntnis führen, dass ein Großteil der Absolventen den Berufseinstieg über eine Festeinstellung findet (vgl. Abbildung 6).

Studien untermauern beide Perspektiven, doch langfristige Erfassungen zum Phänomen Generation Praktikum sind auf Grund der Aktualität des Themas nicht vorhanden. Sowohl die eine, als auch die andere Position, hat ihre Be- rechtigung.

Im Rahmen dieser Seminararbeit gilt es, das Phänomen Generation Praktikum näher zu beleuchten und sich der Fragestellung zu widmen, ob die Gesell- schaft ihm Aufmerksamkeit schenken sollte, auch wenn es sich um kein Mas- senphänomen handelt. Hierzu wird zunächst der Nutzen von Praktika im Wandel der Zeit aufgezeigt und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrach- tet. In einem nächsten Schritt wird auf die Herausforderungen der Generation Praktikum eingegangen, um abschließend zu beantworten, ob die Gesellschaft dem Phänomen, wenn es auch nicht die breite Masse betrifft, Beachtung schenken sollte.

Der Begriff Generation Praktikum beschreibt in dieser Seminararbeit all jene Absolventen, welche auch nach erfolgreich absolvierter Ausbildung keinen Einstieg in den Arbeitsmarkt durch eine Festanstellung finden oder vorher ei- nige Praktika absolvieren müssen. Da dieses Phänomen vor allem bei Akade- mikern deutlich wird, wird das Augenmerk dieser Seminararbeit auf sie ge- richtet. Mit „Hochschulabschluss“ ist in dieser Seminararbeit sowohl der Fachhochschul- als auch jeder sonstige Hochschulabschluss gemeint.

Methodisch stütz diese Seminararbeit sich auf Literatur, Studien und Statistiken zum Thema, sowie ein Interview mit Prof. Dr. Friedrich Schade, welcher sich explizit mit der Thematik rund um Praktikanten auseinandergesetzt hat und ein Buch zum Thema Praktikantenrecht verfasste.

3. Nutzen von Praktika im Wandel der Zeit

Der Nutzen von Praktika ist vielschichtig, Praktikanten und Unternehmen ziehen Mehrwerte aus dieser Anstellungsart. Der folgende Abschnitt beleuchtet diesen Aspekt im Wandel der Zeit. Zunächst wird hierzu die Sicht der Praktikanten dargestellt, im Folgenden dann jene der Unternehmen.

3.1 Sicht der Praktikanten

Die Entwicklung an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass immer mehr Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss den Arbeitsmarkt betreten. Waren im Wintersemester 02/03 noch 1.939.233 Studenten an deutschen Hoch- schulen immatrikuliert, so ist ihre Anzahl innerhalb von 10 Jahren um fast 29% auf 2.499.409 gestiegen (vgl. Abbildung 4). Die Zahl der Absolventen hat sich im Zeitraum von 2002 bis 2012 sogar fast verdoppelt (vgl. Statistisches Bundesamt 2013:1). Der Wettbewerb unter den Absolventen wird somit immer größer und sie suchen nach neuen Wegen, um sich von ihren Mitbewerbern zu unterscheiden.

Ein Nutzenfaktor von Praktika liegt folglich in der zusätzlichen Qualifikation durch Praxiserfahrung. „Keine Redaktion wird Sie einstellen, weil Sie die richtige Fächerkombination studiert haben. Kein Museum wird Sie beschäftigen, weil Sie Mitglied in einem Studentenclub waren. Und kein Verlag wird Sie als Lektor beschäftigen wollen, weil Sie schöne Weiterbildungskurse besucht haben. Eins aber punktet immer: praktische Erfahrung.“ (Glaubitz 2006:13).

Nicht nur, um sich von anderen zu unterscheiden, sondern um sich persönlich auf die Arbeitswelt vorzubereiten sind Praktika dienlich. Studenten und Absolventen können im Rahmen von Praktika die erlernte Theorie anwenden und ihr Praxis- wissen ausbauen. Neben den reinen Fachkompetenzen werden Softskills ausge- baut, welche im Rahmen der Hochschule oftmals schwer zu vermitteln sind (vgl. Bloss 2014: 17 f.). Tiefe Einblicke in den beruflichen Alltag ermöglichen den Praktikanten außerdem sich zu orientieren und sich bewusst zu werden in wel- chem Bereich oder welcher Branche sie ihre Zukunft sehen (vgl. Schade 2014a).

Weitergehend bilden Praktika häufig den ersten Kontakt zu Unternehmen und bieten den Praktikanten die Möglichkeit ihr berufliches Netzwerk aufzubauen. Nicht selten werden feste Stellen an ehemalige Praktikanten vergeben. In den Jahren 2004/2005 machten über Praktika erlangte Einstellungen 2,3% aller Einstellungen aus (vgl. Rebien et al. 2007:2 und Briedis et al. 2007: 5 f.).

Die oben genannten Nutzenfaktoren gibt es seit Praktika absolviert werden. Sie betreffen jedoch vor allem Personen während der Ausbildung. Praktika während des Studiums zu absolvieren ist im Jahr 2014 nicht außergewöhnlich, sondern die Regel. An vielen Hochschulen gehören Praktika oder Praxissemester sogar zum Curriculum. Von einem Absolventen wird heutzutage erwartet, dass er schon Pra- xiserfahrung gesammelt und sich beruflich orientiert hat (vgl. Abbildung 5). Für Absolventen dagegen ist das Hauptnutzenargument eines Praktikums das Füllen von Lücken im Lebenslauf und eine mögliche folgende Festanstellung (vgl. Hommerich 2009:186). Die Bewerbungsphasen nach dem Studium sind zum Teil sehr langwierig. Um dennoch nicht arbeitslos zu sein und den Lebenslauf konse- quent gefüllt zu halten, absolvieren viele auch nach ihrem Hochschulabschluss noch Praktika, teilweise auch unbezahlt (vgl. Grühn et al. 2007: 11 ff.).

Es lässt sich festhalten, dass der Nutzen für Praktikanten in der Praxiserfahrung liegt, um sich zu orientieren und sich von Mitbewerbern zu unterscheiden. Des Weiteren bauen Praktikanten ihr Netzwerk an relevanten Kontakten aus und Ab- solventen überbrücken Zeiten der Arbeitslosigkeit oder nutzen Praktika als Sprungbrett. Die letzten beiden Nutzenpunkte haben sich erst innerhalb der letzten 20 Jahre entwickelt, seit der Direkteinstieg nach dem Abschluss der Ausbildung nicht mehr selbstverständlich ist (vgl. Schade 2014b).

3.2 Sicht der Unternehmen

Auch für Unternehmen bietet die Einstellung von Praktikanten Vorteile. Der vor einiger Zeit noch wichtigste Punkt war, dass die Absolventen sehr theoretische Kenntnisse mitbringen und die Unternehmen die Ausbildung durch Praktika kom- plettierten. Zu Zeiten als Praktika noch nicht die Regel waren, war dieser Ausbil- dungsaspekt ein sehr wichtiger, denn Unternehmen konnten so ihre späteren Arbeitnehmer besser auf ihre Position vorbereiten (vgl. Schade 2014c).

Weiterer Nutzen steckt für das Unternehmen im Know-how Transfer, denn Stu- denten sind auf dem aktuellsten Stand der Lehre (vgl. Bloss 2014:20). Abgesehen von der aktuellen Lehre bringt der Praktikant jedoch auch eine unvoreingenom- mene Sicht der Dinge mit und kann so ohne Betriebsblindheit auf andere Weise zu Problemlösungen beitragen als ein festangestellter Mitarbeiter (vgl. Bloss 2014:21).

Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht profitieren Unternehmen von Praktikan- ten. Die Gehälter der Praktikanten liegen deutlich unter denen der festangestellten Mitarbeiter. Die Praktikantenverträge bieten den Unternehmen ein großes Maß an Flexibilität (vgl. Bloss 2014:21). Neben der mangelnden Flexibilität durch zu ri- gide Kündigungsbestimmungen stellen die hohen Lohnnebenkosten einen der Hauptgründe dar, weswegen Unternehmen davor zurückschrecken, neue feste Stellen zu schaffen (vgl. Abbildung 2). Seit der Arbeitsmarkt instabil geworden ist, zählen die betriebswirtschaftlichen Nutzenargumente besonders stark für die Unternehmen. Daher rührt auch die Meinung, Praktikanten würden als billige Ar- beitskräfte ausgenutzt.

Praktikanten sind sehr leistungsbereite Arbeitskräfte, wovon die Unternehmen in besonderem Maße profitieren. Vor allem ist die Motivation der Praktikanten hoch, wenn sie der Tätigkeit nachgehen, um sich Fähigkeiten anzueignen oder, wenn das Praktikum als Sprungbrett genutzt werden soll. Seit Praktika zur Hochschul- ausbildung gehören sind sie für viele Studenten eher „eine lästige Pflicht“ und werden von vielen „nicht als Chance begriffen“ (Schade 2014d). Die besondere Leistungsbereitschaft trifft in Bezug auf die Generation Praktikum folglich bei Absolventen zu. Diese sehen sich in der Situation das Praktikum als Sprungbrett zu einer Festanstellung nutzen zu wollen und geben hierzu häufig jegliche „Kom- fortzone“ auf (vgl. Bloss 2014: 21 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"Ich mach' nochmal ein Praktikum". Eine Generation zwischen Festanstellung und Arbeitslosigkeit
Hochschule
Business and Information Technology School - Die Unternehmer Hochschule Iserlohn
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V300777
ISBN (eBook)
9783656969440
ISBN (Buch)
9783656969457
Dateigröße
1932 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
praktikum, eine, generation, festanstellung, arbeitslosigkeit
Arbeit zitieren
Celina Bade (Autor), 2014, "Ich mach' nochmal ein Praktikum". Eine Generation zwischen Festanstellung und Arbeitslosigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300777

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