Reflektionen über den Sprachgebrauch der “Vielen” und “Wenigen” in den Federalist Papers und den Anti-Federalists


Studienarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Zeitrahmen, soziale Schichten der Kolonien und der Begriff der Eliten

3. Sprachgebrauch Viele / Wenige / Elite

4. Aktuelle Betrachtung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Wir sind in Bezug auf Amerika an den Sprachgebrauch „der ältesten Demokratie der Welt“ gewöhnt. „We, the people“ beginnt die Präambel der Verfassung der Vereinigten Staaten. John Adams schrieb jedoch im Vorfeld der Entstehung der Verfassung in den “Thoughts on Government”: “the first necessary step, then, is to depute power from the Many to a Few of the most wise and good”. Dies käme jedoch einer Aristokratie gleich.

Die Art und Weise, wie diese Machtübertragung geschieht, und an welchen Personenkreis, bestimmt die Benennung der Regierungsform. Die Diskussion darüber fand unter anderem im Zeitraum 1787/1788 in Zeitungsartikeln, die später zu den sogenannten „Federalist Papers“ und „Anti-Federalists“ zusammengefasst wurden, statt. In der Diskussion zwischen den „Federalists“- und „Anti-Federalists“-Autoren wird an mehreren Stellen auf die Vielen oder die Wenigen Bezug genommen, ebenso auf Bildung von Eliten, Vor- und Nachteile der Einschränkungen auf spezielle Gruppen. Doch was ist im Einzelnen nun mit den „Few“ und den „Many“ gemeint? Dies möchte ich in den kommenden Abschnitten analysieren.

Die folgende Arbeit stellt keine linguistische oder sprachwissenschaftliche Analyse der Federalists- und Anti-Federalists dar. Es soll vielmehr in dieser Arbeit die Frage gestellt und erforscht werden, ob sich im Verlauf der Diskussion der Gründerzeit, widergespiegelt in den Federalists und den „Letters of a Federal Farmer“, der Inhalt des Sprachgebrauches der „Vielen“ und „Wenigen“ unterscheidet oder eine Bedeutungsverschiebung stattfindet. Im Zweiten Abschnitt unternehme ich daher den Versuch, herauszuarbeiten, ob es eine gemeinsame Verwendung der Begriffe der „Vielen“ und „Wenigen“ gab, bzw. wer wann welche Begriffe in welchen Zusammenhängen verwendete, um daraus eine mögliche Deutung über die Sichtweise der herrschenden / beherrschten Klasse und der Regierungsform zu erarbeiten. Ebenfalls in diesem Abschnitt gebe ich einen kurzen Überblick über Definitionen des Begriffes „Elite“.

Im weiteren Abschnitt wird dann, unter Reflektion der Verwendung dieser Begriffe, die Befürchtungen der jeweiligen Autoren herausgearbeitet, um dann in der Schlussbetrachtung auf die Frage einzugehen, ob, aus heutiger Sicht gesehen, diese Betrachtungen und Befürchtungen begründet waren.

2. Historischer Zeitrahmen, soziale Schichten der Kolonien und der Begriff der Eliten

Nach Bottomore wurde im 17. Jahrhundert mit „Elite“ Waren von besonderer Qualität bezeichnet. Erst später wurde das Wort auch auf soziale Schichten wie Militär oder Adelsränge verwendet, dann folgte durch Pareto Anfang des 20. Jhd. eine Zuordnung des Begriffes zu Reichtum im Gegensatz zu Armut, und im Zusammenhang mit Reichtum und Macht die Unterscheidung in Regierende und nicht-regierende Elite.[1] Elite beinhaltet oft den Begriff einer Auslese oder Auswahl. Darüber hinaus gibt es die Bezeichnung der Besten und Edelsten, im Sinne von Weisheit, Güte, dem Allgemeinwohl zugetane, den besonders Ausgebildeten und Gebildeten, Philosophen. Im Sinne des Aristotelischen Regierungsvergleichs wird die letztere Bezeichnung in der Politikwissenschaft auch für die Aristokratie verwendet, Herrschaft von „wenigen“ besonders Gebildeten die dem Allgemeinwohle dienen Während die Herrschaft von “wenigen“, die dem Eigennutze dienen, also nur dem Wohle weniger, als „Oligarchie“ bezeichnet wird. Andererseits wird im allgemeinen Sprachgebrauch Aristokratie oft als Bezeichnung des Adels verwendet, Demokratie hat eine positive Besetzung im Sinne von Allgemeinwohl und Partizipation, während hingegen der Begriff der Demokratie bei Aristoteles die Zuordnung des Eigennutzes beinhaltet, alle herrschen zum eigenen Wohle. Inwieweit die Begriffe von den jeweiligen Debattierenden der amerikanischen Revolution im Aristotelischen Sinne verwendet wurden, wäre Thema einer ausgedehnteren Studie, ich werde im Verlauf dieser Arbeit jedoch Bezug auf den Begriff der Oligarchie und Aristokratie nehmen. Der Begriff der Republik, der oft verwendet wird, bezieht sich im Sprachgebrauch eher auf Montesquieu, weniger auf Hobbes Form der Republik, und bezeichnet eine Staatsform, die ein Gebilde aus allen Bürgern formt. In diesem Gebilde werden nun von den Bürgern die Institutionen, Ämter und Amtsträger bestimmt, und in den Diskussionen der Federalists und Anti-Federalists geht es um die Formung eben dieses Gebildes; um Vergleiche zu Stadtstaaten und anderen politischen Gebilden und deren Schicksalen der griechisch-römischen Antike in Literatur und Epos.

Geht es nun um die Bedeutung des Wortes „Wenige“, führt dies im allgemeinen Sprachgebrauch oft zu einer Verschmelzung mit dem Wort „Elite“, wobei sich dann unter dem Wort „Elite“ verschiedene Zielgruppen oder Inhalte verbergen können. Wie sah es nun gesellschaftlich in den Vereinigten Staaten aus, und kann man bereits bei der Betrachtung der Bevölkerungszusammensetzung eine Schlussfolgerung zu der Verwendung des Begriffes finden?

Die jeweilige Bevölkerung der einzelnen Kolonien war im 18. Jhd. unterschiedlich und stark durchmischt. So gab es in den Südstaaten Großgrundbesitzer mit vielen Sklaven, die Besitzungen waren oft in britischer oder neuenglischer Hand, hoch verschuldet und von außen abhängig. Dort gab es eine Kluft zwischen wenigen Reichen bzw. wenigen herrschenden Großgrundbesitzern und vielen rechtlosen Sklaven. 90 % der Sklaven Amerikas lebten in den Südstaaten, ihre Anzahl betrug ca. ein Fünftel der Bevölkerung.[2]

Der Osten hingegen zeichnete sich durch einen hohen Anteil an englischen Puritanern aus, die in Amerika das gelobte Land sahen, und sich als Auserwählte, Erwählte sahen. Zum Puritanischen Leben gehörte die Einteilung in Freeman und Freeholder, Bezeichnungen für erworbene bzw. erarbeitete Rechte und Besitz. Wer zu einem Freeman oder Freeholder aufstieg bzw. sich diese Titel durch Arbeit und Gewährung durch die Gemeinschaft erwarb, hatte Eigentum in einer der akzeptierten Formen (Grundbesitz, sonstige Güter), wurde in eine religiöse Gemeinschaft aufgenommen, die in den damaligen Zeiten eine Stufe der politischen Partizipation durch Versammlungen beinhaltete, und hatte sich damit das Recht, aktiv am politischen Leben teilzunehmen und zu wählen erworben. Daher kamen in der Zeit der Revolution auch den Predigten und den Diskussionen im Gemeindeverbund eine hohe Bedeutung zu.

Durch diese Verbindung von Kirchengemeinden zu politischer Gemeinschaft waren viele bereits am politischen Leben beteiligt und involviert. Ca. 60-70 % der männlichen, weißen, erwachsenen Bevölkerung der Kolonien besaßen bereits Wahlrecht, ein sehr hoher Wert im Vergleich zu Europa. Anders als England, wo Industrielle, Besitzende und Adelige Wahlrechte bzw. Wahlämter besaßen, und die Kluft zu Bauern und Arbeitern in großer Variation bestand, waren die Kolonien von Amerika anders bevölkert. Auch wenn die indigene Bevölkerung und die Sklaven Entrechtete waren, war das Allgemeingefühl in den Kolonien eher eine ausgeprägte Mitwirkung am täglichen politischen Leben, eine Ausdehnung von Freiheit, wie sie in dieser Form in England nicht bestand.

Diese Politikdurchdrungenheit kann als einer der Faktoren für das Aufbegehren gegen England angesehen werden. Die Kolonien waren sich eines politischen Lebens bewusst und lebten es bereits. Die große Kluft zwischen „wenigen“ Reichen und „vielen“ Entrechteten gab es im Süden als Form der Sklaverei, doch wenn es die weiße Bevölkerung betraf, hatte sie ein anderes Selbstbewusstsein und eine andere Zusammensetzung als in England.

[...]


[1] Bottomore, S. 7,8, 154.

[2] Dippel, S. 30

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Reflektionen über den Sprachgebrauch der “Vielen” und “Wenigen” in den Federalist Papers und den Anti-Federalists
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Veranstaltung
Politisches Denken der Amerikanischen Revolution
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V300945
ISBN (eBook)
9783956876691
ISBN (Buch)
9783668004245
Dateigröße
767 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reflektionen, sprachgebrauch, vielen”, wenigen”, federalist, papers, anti-federalists
Arbeit zitieren
Octavia Gentemann (Autor), 2015, Reflektionen über den Sprachgebrauch der “Vielen” und “Wenigen” in den Federalist Papers und den Anti-Federalists, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300945

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