Rekonstruktion der Vorstellungen vom Altern und von Einstellungen zur (stationären) Pflege bei türkischen Gastarbeitern der ersten Generation


Magisterarbeit, 2013
118 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Migrationsgeschichte der ersten Generation türkischer Gastarbeiter

3 Forschungsstand. Altersbilder und Pflegevorstellungen der türkischen Migranten

4 Methodisches Vorgehen
4.1 Leitfadengestützte narrative Interviews
4.2 Wichtige Grundprinzipien der dokumentarischen Methode
4.3 Interpretationsvorgehen
4.4 Erwartungen an die dokumentarische Methode
4.5 Teilnehmergewinnung und Qualitatives Sampling
4.6 Beschreibung der Interviewpartner und -partnerinnen

5 Ergebnisse
5.1 Alterseinstellungen der ersten Generation türkischer Gastarbeiter
5.1.1 Alltag im Alter
5.1.2 Das chronologische, physische und psychische Alter
5.1.3 Alter und Tod
5.1.4 Generationsbeziehungen im Alter
5.1.5 Altern in Deutschland und in der Türkei
5.1.6 Pendelmigration und Rückkehrgedanken
5.1.7 Wünsche im Alter
5.1.8 Geschlechtsspezifische Altersbilder
5.1.9 Alter und Religion
5.1.10 Fazit. Altersvorstellungen der ersten Generation türkischer Gastarbeiter
5.2 Pflegeeinstellungen der ersten Generation türkischer Gastarbeiter
5.2.1 Selbstständigkeit. Eine zentrale Strategie zur Abgrenzung von Pflegebedürftigkeit
5.2.2 Passivität als Ausdruck von Pflegebedürftigkeit
5.2.3 Einstellung zu Pflegeheimen
5.2.4 Alter, Pflege und Tod
5.2.5 Fazit. Pflegevorstellungen der ersten Generation türkischer Gastarbeiter

6 Ausblick und Diskussion der Forschungsergebnisse

7 Literaturverzeichnis

8 Tabellenverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

10 Anhang
10.1 Soziodemographischer Fragebogen
10.2 Interviewtranskriptionsregeln

1 Einleitung

Die ehemaligen türkischen Gastarbeiter sind jung an Jahren nach Deutschland zugereist und erreichen nunmehr sukzessive ihren Lebensabend als Migranten in Deutschland. Damit altert eine gesamte Kohorte: „Statistischen Hochrechnungen zufolge wird sich dieser Anteil [der über 60-jährigen Ausländer und Ausländerinnen, K.G.] stetig erhöhen und bis 2010 im Vergleich zum Jahr 1999 mehr als verdoppelt haben und bis 2030 auf 2,5 Mio. ansteigen.“ (Schenk 2008, S. 160). Diese Entwicklung ist kein plötzlich auftretendes Phänomen, vielmehr rechnen Experten und Expertinnen bereits seit längerer Zeit mit einem erhöhten Versorgungs- und Pflegebedarf dieser Personengruppe. Dennoch findet diese Tatsache seitens der staatlichen Versorgungssysteme bislang kaum Resonanz. Eine Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Gestaltung der Pflegeversorgung, die auch auf Akzeptanz der Personen mit Migrationshintergrund stößt, ist die Kenntnis von Alterns- und Pflegevorstellungen in der Migrantenpopulation. Hier knüpfte ein Forschungsprojekt an, welches am Institut für Medizinische Soziologie durchgeführt wurde und in dessen Rahmen ich mich mit der Rekonstruktion von Alters- und Pflegevorstellungen der ersten Gastarbeitergeneration türkischer Herkunft befasste und darauf basierend meine Magisterarbeit erarbeiten konnte. Auch die türkischen Rentner verfügen, so ein Ergebnis meiner Arbeit, über einen nur geringen Kenntnisstand hinsichtlich professioneller Pflegeangebote. Eine kooperative Zusammenarbeit zwischen der Zielgruppe und der sie zu versorgenden Systeme scheint m. E. unumgänglich. Mit der vorliegenden Studie möchte ich eine Brücke zwischen beiden Seiten bauen und eine Grundlage für weiterführende Studien zu kultursensibler Pflege im Alter schaffen. Diese Arbeit versteht sich als einen ersten Schritt, der von der Zielgruppe ausgeht und für eine Bewegung in der Praxis der Versorgungsinstitutionen sorgen soll.

Um dem Leser das Nachvollziehen der Alters- und Pflegeeinstellungen der ersten Generation türkischer Migranten zu erleichtern, erläutere ich in Kapitel 2 die typische Migrationsgeschichte der ehemaligen Gastarbeiter. In Kapitel 3 stelle ich den Forschungsstand zu Altersbildern und Pflegevorstellungen der türkischen Migranten vor und leite hieraus Forschungslücken ab. Bereits in diesem Kapitel werden einige Orientierungen meiner Interviewpartner angedeutet. Mit einem qualitativ rekonstruktiven Vorgehen war es mir möglich, darauf aufbauend alters- und pflegerelevante Orientierungen differenzierter zu analysieren und weitere zu rekonstruieren. Näheres über das methodische Vorgehen und dem Sampling erfährt der Leser in Kapitel 4. In Kapitel 5 führe ich die Ergebnisse meiner Interviewanalysen aus. Dieses Kapitel teilt sich in zwei Unterkapitel, da die Alterseinstellungen von den Pflegeeinstellungen systematisch getrennt interpretiert wurden. Beide Unterkapitel werden jeweils mit einem aufschlussreichen Fazit beendet. In dem in Kapitel 6 enthaltenen Ausblick werden einige der neuen Erkenntnisse dieser Studie in Bezug zum Forschungsstand gesetzt und Impulse für weitere Forschungen gegeben. Abschließend fasse ich verschiedene Handlungsempfehlungen bezüglich kultursensibler Pflege zusammen.

Schließlich möchte ich darauf hinweisen, dass ich im weiteren Verlauf meiner Magisterarbeit in der Wir-Form schreiben werde, da diese Arbeit im Rahmen eines Forschungsprojekts im Institut der medizinischen Soziologie an der Charité verfasst wurde und einen Teil des Endberichtes umfasst.

2 Migrationsgeschichte der ersten Generation türkischer Gastarbeiter

Um die zu rekonstruierenden Orientierungen der Interviewten besser nachzuvollziehen, möchten wir zunächst im Folgenden die Migrationsgeschichte der türkischen Gastarbeiter in ihren wesentlichen Grundzügen kurz beschreiben.

Im Jahre 1961 schlossen Deutschland und die Türkei ein Anwerbeabkommen ab, mit dem die Einwanderung der sog. türkischen Gastarbeiter in die Bundesrepublik Deutschland begann. Ziel dieses Abkommens war für Deutschland den Arbeitskräftemangel - bedingt durch das hohe Wirtschaftswachstum - in Deutschland zu kompensieren. Auch die Türkei erhoffte sich durch z. B. Geldüberweisungen der Gastarbeiter die Verbesserung der türkischen Handelsbilanz. Gemäß einem Rotationsprinzip war für die Gastarbeiter nach zweijährigem Arbeitsaufenthalt eine Rückkehr in die Türkei vorgesehen. Dann sollten neue Gastarbeiter angeworben und eingearbeitet werden. In der Türkei würden die remigrierten Gastarbeiter durch die in Deutschland angelernten modernen Arbeitstechniken die Effizienz der türkischen Industrie steigern. Anfangs funktionierte die Rotation. Dann wurde sie jedoch sowohl für die Gastarbeiter als auch für die Betriebe, die die angelernten Arbeitskräfte nicht verlieren wollten, weniger interessant. Auf die Bleibegründe der Gastarbeiter werden wir weiter unten eingehen. Für eine Genehmigung der Einwanderung nach Deutschland als Gastarbeiter wurden die Bewerber durch ein Auswahlverfahren im Heimatland von einem deutschen Arzt auf körperliche Funktionstüchtigkeit untersucht. Die schwachen bzw. chronisch Kranken erhielten keine Einreisegenehmigung. Diese Auswahluntersuchungen sollten gewährleisten, dass die angehenden Gastarbeiter auch unter den ihnen vorbehaltenen schweren bzw. gesundheitsbelastenden Umständen (z.B. Fließbandarbeit, Akkordlohn) hohe Leistungen erbringen. Solche Arbeitsstellen traten deutsche Arbeitnehmer ungern an oder forderten einen höheren Lohn. Im Bundesarbeitsblatt von 1970 werden weitere Vorteile der Gastarbeiterschaft für den deutschen Staat aufgezählt: „So haben die Ausländer im Vergleich zu den deutschen Arbeitnehmern einen niedrigeren Infrastrukturbedarf. Der größte Teil der Ausländer ist nur im produktiven Alter bei uns. So entfallen vor allem die hohen Heranbildungskosten für die Jugendlichen und darüber hinaus auch ein Teil der Alterskosten (z.B. Altersheime). […] In diesem Zusammenhang ist der Beitrag der ausländischen Arbeitnehmer zur Sicherung der Finanzierung der deutschen Rentenversicherungsträger von besonderem Interesse“ (Klee 1972, S. 32, zitiert nach Rosenmöller 4/1970). Viele Gastarbeiter entschieden sich jedoch länger in Deutschland zu arbeiten als es ursprünglich gedacht war. Die Rückkehr erforderte nämlich eine sehr stabile finanzielle Grundlage, da sich die Wirtschaftslage in der Türkei in einem prekären Zustand befand und die Rückkehr unter diesen Umständen zu riskant geworden wäre. So strebten die Gastarbeiter erst nach ausreichender Ersparnis für einen erfolgreichen Neuanfang die Rückkehr in das Heimatland an. Deutschland war jedoch weder politisch noch gesellschaftlich auf das Verbleiben der Gastarbeiter vorbereitet und die Unzufriedenheit mit dieser Situation zeigte sich in den mehr oder weniger ideologisch begründeten Einwanderungsbegrenzungen und Rückkehrforderungen. Um die Anzahl der zumeist nicht remigrierenden Gastarbeiter nicht weiter zu steigern, wurde z. B. der Anwerbestopp (auch bedingt durch die Ölkrise) im November 1973 eingeführt. Die Entscheidung der bereits eingewanderten Gastarbeiter in Deutschland länger zu arbeiten, führte zum Nachzug der Familienangehörigen als die nun einzig legale Form der Einwanderung für Gastarbeiterfamilien. So zogen diese aus Wohnheimen und Baracken in kleine und günstige Wohnungen, wo sie im Beisammensein der Familie weiterhin sparen konnten. Auch diese Unterkünfte waren provisorisch und daher zumeist ohne Komfort, da – wie ursprünglich beabsichtigt - der Aufenthalt in Deutschland mit dem Erreichen des Sparziels aufgegeben werden sollte. So wandelten sich die türkischen Migranten von ehemaligen Gastarbeitern zu „Dauergästen“ (Marqués 1972, S.140) mit Rückkehrabsichten, die sich ab einer gewissen Aufenthaltszeit nun die volle Rente zu sichern versuchten. Neben einigen anderen Versäumnissen im Bereich der Ausländerpolitik wurden insbesondere die sozialen Fragen der Niederlassung nicht diskutiert. Die erhoffte Integration bzw. Anpassung der türkischen Gastarbeiter in die deutsche Gesellschaft war aus der ökonomischen und ausländerpolitischen Perspektive aussichtslos. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand im November 1983 ein Gesetz zur Förderung der bereits erwähnten Rückkehrbereitschaft von Ausländern. Demzufolge wurde nur den arbeitslosen Gastarbeitern und Kurzarbeitern eine finanzielle Rückkehrhilfe angeboten, um die Anzahl der Arbeitslosen und damit die Anzahl der ‚nicht integrationsfähigen‘ Gastarbeiter in Deutschland zu senken. Das Rückkehrförderungsgesetzt führte einen psychologischen Druck bei den Gastarbeitern herbei, da sie sich gedrängt fühlten, eine Entscheidung über ihre zukünftige Bleibe zu treffen (vgl. Hunn 2005, S.530). „Die […] Beiträge stellen [nämlich] keine wirkliche Rückkehrhilfe dar. […] Die Rückkehrprämie reichte auch zusammen mit der vorzeitigen Auszahlung von Rentenversicherungsbeträgen in den meisten Fällen nicht aus, mit diesem Startkapital eine neue berufliche Zukunft und eine angemessene Alterssicherung aufzubauen“ (Kühl 1987, S.29). Hunn ist der Meinung, dass „die türkischen Migranten der ersten Generation ihren Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland vielfach als Zwang empfanden“ (2005, S.528). Das Dilemma bestand darin, dass das Migrationsziel nicht soweit erreicht werden konnte, um eine erfolgreiche Rückkehr zu realisieren, und das Leben in Deutschland unter schwierigen Arbeitsverhältnissen wie auch bezüglich der kulturellen Differenzen mit der deutschen Gesellschaft immer schwieriger wurde. Heute sind die ehemaligen Gastarbeiter immer noch geprägt von ihren Rückkehrabsichten. In der vorliegenden Studie werden wir auch auf die Rückkehrorientierung der Interviewten eingehen. Viele der Interviewpassagen werden durch einen Rückbezug auf die Migrationsgeschichte besser verständlich.

3 Forschungsstand. Altersbilder und Pflegevorstellungen der türkischen Migranten

Eine der ersten Studien über Altersbilder der ersten Generation türkischer Arbeitsmigranten erstellte die Sozialpädagogin Baklan im Jahre 1988. Die sogenannten ‚Gastarbeiter‘ hatten zur Erhebungszeit das Rentenalter noch nicht erreicht. Das Erkenntnisinteresse der Studie richtete sich auf die Erwartungen an die Altersgestaltung und Einstellungen zur Freizeit im Alter. Im Hinblick darauf wurden qualitative Interviews mit 47 bis 50 jährigen türkischen Migranten geführt. Die Studie bietet einen Rückblick in die Zeit der erwerbstätigen türkischen Arbeitsmigranten aus der ersten Generation und verdeutlicht – in Kontrastierung mit aktuellen Studien - den Wandel der Alterseinstellungen dieser Migrantengruppe (vgl. z. B. Wettich 2007). Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Interviewpartner das Thema Alter mit starken Rückkehrplänen in die Türkei koppeln. Es dominiert die Vorstellung, bereits im Alter von ca. 50 Jahren an der Endphase ihres Lebens angelangt zu sein und das Rentenalter nicht mehr erreichen zu können. Deshalb streben sie danach bzw. wünschen sich nach der langwierigen und für die Gesundheit ungünstigen Schicht- und Akkordarbeit in der Fremde, die letzten schönen Jahre in ihrem Heimatland zu verbringen. Die starken Rückkehrorientierungen führen jedoch zu einem Konflikt mit der jüngeren Generation, auf deren finanzielle Hilfe sich die Eltern im Ruhestand in der Türkei nicht verlassen möchten. Vielmehr möchten diese umgekehrt ihre Kinder und Enkel in Deutschland auf finanzieller Ebene sowie auf mentaler Ebene als Berater, Erzieher, Respektperson bzw. Autoritätsperson unterstützen. Ihre Angst besteht jedoch darin, dass sie von der jüngeren Generation als solche nicht mehr akzeptiert werden könnten. Eine Entfremdung gegenüber der Herkunftskultur bei den jüngeren Generationen beunruhigt die älteren Migranten. Die älteren Migranten machen sich Sorgen darum, dass die jüngere Generation für die Pflege ihrer Eltern nicht zur Verfügung stehen werde. Den Umgang mit den Alten in Deutschland stufen sie als eine beschämende Entwürdigung des Menschen ein und möchten die jüngere Generation in diesem Zusammenhang gegen den „deutschen Virus […] immunisieren“ (Baklan 1988, S. 406). Solch eine feindliche Orientierung gegenüber der deutschen Bevölkerung wird in den Interviews auch in anderen Kontexten (z. B. Arbeitsleben) erkenntlich. Baklan sieht das zentrale Problem der türkischen Arbeitsmigranten weniger in den oben aufgeführten einzelnen Themen, sondern in der noch sehr dürftigen Organisation der Lebensphase „Alter“. Vermutlich wird hier neben den ungewissen Zukunfts- bzw. Altersvorstellungen auch das Problem der negativen Einstellung der türkischen Arbeitsmigranten zur Alten- und Pflegehilfe angesprochen (vgl. Baklan 1988).

In einer aktuellen Studie von Hubert, Althammer und Korucu-Rieger (2009) werden anhand der Repräsentativdaten einer Zusatzbefragung des Generations und Gender Surveys der ersten Welle die objektiven und subjektiven Lebenslagendimensionen und das psychophysische Wohlbefinden der türkischen Migranten im Alter (ab 50 Jahre) in deskriptiv-statistischer Hinsicht untersucht. Die Ergebnisse werden mit den Daten der deutschen Bevölkerung aus der Hauptbefragung des Generations und Gender Surveys verglichen und auf Differenzen überprüft. Die Studie zeigt u. a., dass unzureichende deutsche Sprachkenntnisse, die Isolierung - insbesondere der Frauen - von der Mehrheitsgesellschaft und die negative Einstellung zum Alter gesundheitsbelastende Faktoren darstellen. Das Bemerkenswerte an den Ergebnissen ist, dass türkische Rentner in Deutschland trotz ihrer benachteiligten materiellen Lage und des schlechteren Gesundheitszustandes ein zufriedeneres Leben führen als deutsche Rentner. Schlussfolgernd wird auf die Bedeutung einer auf die Bedürfnisse der Migranten bezogenen Gesundheitspolitik hingewiesen (vgl. Hubert, Althammer, Korucu-Rieger, 2009).

In einem Artikel von Zimmermann (2010) geht es zum einen um den Zusammenhang zwischen islamischen Grundsätzen und Altersbildern von türkischen Migranten in Deutschland. Zum anderen werden diese Altersbilder mit jenen der Deutschen verglichen. Für diese Untersuchung werden qualitative und quantitative Studien (ab 2005) gleichermaßen berücksichtigt. Bezüglich des erst genannten Vergleichs wird gezeigt, dass Einstellungen und Altersbilder von Muslimen in Deutschland mit religiösen Vorgaben übereinstimmen. Wertschätzung, Achtung und Dankbarkeit gegenüber alten Menschen sind u. a. Teil der Altersbilder, welche im Islam als konstitutiv gelten. Diese werden jedoch von den Migranten weniger religiös als vielmehr mit der türkischen Kultur, Tradition und Mentalität begründet. Hinsichtlich des zweit genannten Vergleichs zwischen dem türkischen und deutschen Kulturkreis soll zunächst auf die Gemeinsamkeiten eingegangen werden. Es zeigt sich, dass die Wertschätzung des Alters, die Familie als Ressource für ein gutes Leben im Alter, das Verantwortungsgefühl sowie die Bindung gegenüber den Eltern beiden Kulturen gemein ist. Weder ältere Migranten noch ältere Deutsche möchten aber ihren Kindern – im Falle einer Pflegebedürftigkeit - zur Last fallen oder abhängig von diesen sein. Dennoch werden Alters- und Pflegeheime in beiden Gruppen größtenteils abgelehnt. Die Gründe hierfür sind die Trennung von der Familie, Angst vor Entmündigung und Vereinsamung. Die Unterschiede zwischen den Altersbildern der beiden Bevölkerungsgruppen beruhen insbesondere auf Informationsdefiziten und der sozialen und materiellen Benachteiligung der türkischen Migranten. So ziehen türkische Migranten aufgrund der geringen Rentenhöhe das Pflegegeld professioneller Hilfen vor, weshalb familiäre Pflege bei ihnen häufiger anzutreffen ist als bei der deutschen Vergleichsgruppe. Schlechte Arbeits- und Wohnbedingungen erschweren jedoch zumeist die häusliche Pflege. Die Übernahme der Pflege durch die Kinder wird zudem – auch in der deutschen Vergleichsgruppe - als ein genderspezifisches Problem betrachtet. Töchter erklären sich häufiger für die Pflege der Eltern bereit als Söhne. Aus diesem Grunde sind die türkischen Frauen in ihren verschiedenen Rollen überfordert. Auch Zimmermann verweist auf die große Forschungslücke im Bereich der Pflege von älteren Migranten, insbesondere auf empirischer Ebene und plädiert für eine qualitative Datenerhebung und Auswertung in kleinen Samples, weil standardisierte Repräsentativdaten hier den Ansprüchen der Forschung nicht gerecht werden können (vgl. Zimmermann, 2012).

In einer weiteren Studie führten Turkologie-Studenten der Universität Hamburg mit türkischen Migranten der ersten Generation Interviews über deren Lebens- und Altersvorstellungen durch. Anhand dieser wurde herausgearbeitet, dass die türkischen Migranten der ersten Generation sich für die Zeit des Ruhestands Gesundheit, finanzielle Absicherung, Zeit für die Enkel und den Moscheegang (letzteres gilt für die religiöse Gruppe der Migranten) wünschen. Moscheen und Moscheevereine sind für diese quasi zu Altentreffpunkten geworden. Zudem bestehe eine grundsätzliche Ablehnung gegenüber Pflegeheimen, wobei ein türkisches Pflegeheim, so es dann doch notwendig sein sollte, vorgezogen werde (vgl. Prätor 2009).

Seibel-Erdt und Söhret analysieren im Rahmen ihrer Diplomarbeit anhand der Ergebnisse von problemzentrierten Interviews die Lebenssituation und die subjektive Sichtweise älterer Türken der ersten Migrantengeneration. Auch in dieser Studie werden die beschwerliche Arbeit in der Fabrik und andere migrationsspezifische Lebensumstände, wie z. B. die Trennung von den Kindern in der Heimat, eine unsichere Zukunftsvorstellung bezüglich der Rückkehrpläne und intergenerationale Konflikte als Faktoren für den verschlechterten Gesundheitszustand angeführt. Mit intergenerationalem Konflikt meinen die Autoren z. B., dass die Pflege der Eltern für die Kinder nicht mehr so selbstverständlich ist, wie es in der Türkei früher war. Dennoch ziehen auch viele dieser Befragten die familiäre Pflege der professionellen Hilfe vor (vgl. Seibel-Erdt, Söhret, 1999).

In der ethnologischen Alternsforschung schrieb Mölbert (2005) eine Dissertation zur Lebenssituation, den kulturellen Identitäten, den Altersbildern und zum Alterserleben der türkischen Migranten von 17 bis 72 Jahren. Die Erhebung erfolgte mit verschiedenen Methoden der ethnologischen Feldforschung nach qualitativen und quantitativen Ansätzen. So wird herausgearbeitet, dass sich die Interviewten aufgrund ihrer subjektiv erlebten Eingliederung im sozialen Raum - innerhalb des lokalen Umfeldes bzw. der Herkunftsgesellschaft - aufgehoben fühlen. Das objektive Wissen im gesetzlichen Raum Deutschlands geschützt zu sein, trägt dabei zum Wohlbefinden der Migranten bei. Diese Selbstverortung - sowohl im sozialen als auch im gesetzlichen Raum - beeinflusst aus der Perspektive der Befragten das Altern positiv (vgl. Mölbert, 2005).

Wettich (2007) befasst sich mit dem Wandel der kulturellen Altersbilder in Deutschland, der Türkei und den türkischen Migranten in Deutschland. Das Forschungsinteresse gilt schwerpunktmäßig den älteren Türkinnen und Türken in Deutschland. Die Autorin nutzt bereits vorhandene empirische Studien für ihre Ausführungen und stützt diese, indem sie mit drei älteren und nicht erwerbstätigen türkischen Migrantinnen themenzentrierte Interviews mit Leitfadenfragen durchführt. In ihrer Expertise kommt Wettich zu dem Schluss, dass der Wandel der türkischen Altersbilder migrationsbedingt ist. Ihre Analysen beziehen sich u. a. auf die Definition des Alters, das Generationenverhältnis bzw. den Umgang der jüngeren Generation mit Älteren, die Pflegebedürftigkeit, Pendelmigration und Geschlechterrolle. Dabei ist anzumerken, dass es um die Vorstellungen des eigenen Alterns der Migranten geht, die durch die Lebenserfahrungen vor und nach der Migration geprägt sind. Daher wurden die Untersuchungspersonen auch zu ihren Einstellungen im Kindesalter befragt. Es wurde gezeigt, dass die Migranten als Kind das Alter durch die Generationsabfolge und den Reproduktivitätszyklus definierten. Diese Definition unterlag einem Wandel: Heute bestimmen sie das Alter über das kalendarische Alter und den Gesundheitszustand. Auch veränderte sich das Generationenverhältnis durch die Migration. Aufgrund der individuellen Lohnarbeit verlor das väterliche Erbe seine Bedeutung. Innerhalb der kollektiven Subsistenzwirtschaft in der Türkei war das väterliche Erbe zur Zeit der Großeltern der ersten Arbeitsmigranten essenziell. Das väterliche Erbe verpflichtete demzufolge die Söhne für die Eltern zu sorgen und galt deshalb als eine Art Sicherheit für die Eltern im Alter. Aufgrund der individuellen Lohnarbeit in Deutschland gerieten die Eltern der Migranten in eine finanzielle und soziale Abhängigkeit von ihren Kindern. Zur Minderung dieser unerwünschten Abhängigkeit spielt die Rentenleistung eine bedeutende Rolle. In Kontakt mit der jüngeren Generation vermissen die älteren Migranten bisweilen jene Achtung, welche sie im Kindesalter in der Heimat selbst verinnerlicht haben. Die Übernahme der Pflege seitens der Kinder ist für manche ältere Migranten aufgrund der großen Familiensolidarität nicht ausgeschlossen. Ein anderer Teil der älteren Migranten wünscht sich dagegen professionelle Altenhilfe, da bei den Kindern eine nur geringe Pflegebereitschaft besteht. Auch die Form der Migration veränderte sich mit dem Renteneintritt von der Arbeitsmigration zur Pendelmigration. Bei der Pendelmigration handelt es sich um das meist unregelmäßige Pendeln zwischen der Türkei und Deutschland. Ein Grund für die nicht endgültige Rückkehr ist, dass die Mehrheit der türkischen Migranten im Rentenalter ihre Aufenthaltserlaubnis in der Bundesrepublik und den rechtlichen Zugang zum deutschen Gesundheitssystem nicht verlieren möchte. Anhand der Ergebnisse der Studie wird deutlich, dass die Rolle der Frau von zusätzlichen Belastungen geprägt ist: Während ihre Hauptaufgabe in der Türkei in der Erziehung der Kinder und der Haushaltsführung lag, nahm sie mit der Migration zusätzlich die Rolle der berufstätigen Frau ein und übernahm bisweilen auch die Betreuung der Enkelkinder der nun berufstätigen Kindern. Schlussfolgernd wird auch in dieser Studie auf die Informationsdefizite der Migranten in Bezug zur Versorgung im Alter hingewiesen (vgl. Wettich, 2007).

Okken, Spallek und Razum (2008) stellen erstmals epidemiologische Daten über Umfang, Art und Häufigkeit der Pflegebedürftigkeit der türkischen Migranten ab 60 Jahren im Vergleich zur hauptsächlich deutschen Vergleichsgruppe bereit. Dafür stellte der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen Westfalen-Lippe die Daten aus Pflegegutachten von den Jahren 2001 bis 2005 zur Verfügung. Aus dieser Analyse resultiert, dass türkische Gastarbeiter im Vergleich zur deutschen Bevölkerungsgruppe seltener als pflegebedürftig eingestuft werden. Insbesondere sprachliche und kulturelle Verständigungsschwierigkeiten bei Pflegebegutachtungen und Informationsdefizite der türkischen Migranten im Bereich der Pflegeansprüche werden als mögliche Erklärungen genannt. Daher plädieren die Autoren der Studie für eine gezielte Aufklärung der türkischen Migranten über ihre gesetzlichen Pflegeansprüche, für mehr - bzw. türkischsprachige Pflegeangebote und unterstützende Angebote für familiäre Pflegepersonen. Wie in vielen Studien wird auch in dieser die defizitäre empirische Datenmenge zur gesundheitlichen Lage von Migranten in Deutschland hervorgehoben. (vgl. Okken u.a. 2008)

In den vorgestellten Expertisen werden verschiedene migrationsspezifische Themen bezüglich des Alterns untersucht. Zentrale Aspekte sind z. B. Gesundheitsbelastungen in der Erwerbszeit, Rückkehrgedanken, subjektives Wohlbefinden im deutschen Staat, Generationenkonflikte, religiöse und genderspezifische Altersbilder, der Wandel von Altersbildern und der Pflegeeinstellungen, familiäre und professionelle Pflege und Informationsdefizite bezüglich Pflegeleistungen. Mit dem vorliegenden Bericht wird es möglich, bereits erforschte Orientierungen der sog. türkischen Gastarbeiter zu bestätigen, aber auch an neue Erkenntnisse über die Alters- und Pflegeeinstellungen zu gewinnen. Zudem gilt es teilweise widersprüchliche Ergebnisse auf neuer empirischer Grundlage zu diskutieren.

4 Methodisches Vorgehen

4.1 Leitfadengestützte narrative Interviews

Narrativ fundierte Interviews erlauben es dem Interviewten über seine Lebenserfahrungen möglichst unbeeinflusst vom Forscher zu erzählen. Dementsprechend haben wir die Interviewten durch einen biographischen Erzählstimulus angeregt, indem wir sie aufforderten, ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Tabelle 1: Auszug aus dem Interviewleitfaden (Teil I)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese biographischen Erzählstimuli[1] sorgten dafür, dass der Erforschte das Interview zunächst selbst strukturierte, indem er eine Auswahl an relevanten Themen aus seiner Lebenswelt traf und diese ‚ungestört‘ erzählen durfte. Dadurch wurde die Selbstläufigkeit des Interviews gewährleistet. Diese Selbstläufigkeit ist aus methodischer Sicht dafür vonnöten, damit die Interviewten ihre sog. „Relevanzsysteme“ (Bohnsack 2008, S.20) entfalten können. Denn nur im Rahmen der Relevanzsysteme – anders gesagt – der Lebenswelt der Erforschten erfahren wir als Forscher die ‚relevanten‘ Lebensthemen bzw. die Orientierungen dieser anhand ihrer Erzählungen. In diesem Sinne möchten wir - da wir nun leitfadengestützte narrative Interviews durchgeführt haben - auf unsere Leitfadenfragen eingehen. Diese bauen nämlich größtenteils auf den Erzählungen der Interviewten auf. Wir haben jedoch in unserer Forschergruppe jene Fragen in den Leitfaden integriert, bei denen wir eine Relevanz für die Interviewten vermuteten. Da alle Leitfadenfragen offen und erzählgenerierend und nicht durch richtungsweisende Vorgaben formuliert sind, wurde die Beeinflussung der Relevanzsysteme der Interviewten weitestgehend vermieden. In der folgenden Abbildung sind die Leitfadenfragen aufgelistet, die während des Interviews an passenden Stellen gestellt wurden. Immanente Nachfragen zur Vertiefung bereits angesprochener Themen sowie Verständnisfragen, werden hier nicht erwähnt.

Tabelle 2: Auszug aus dem Interviewleitfaden (Teil II)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2 Wichtige Grundprinzipien der dokumentarischen Methode

Da die Interviews anhand der dokumentarischen Methode durchgeführt und analysiert wurden, möchten wir im Folgenden wichtige Grundprinzipien dieser Auswertungsmethode aufführen. In ihren individuellen Relevanzsystemen sind der Erforschte wie auch der Forscher in ihrer jeweiligen „Standortgebundenheit“ (Bohnsack 2008, S. 173) verankert, da sie verschiedene Lebenskontexte haben. Erst eine „Unterscheidung“ (Luhmann 2002, S.142-143) zwischen den Relevanzsystemen ermöglicht das Erkennen dieser. Hier möchten wir einige wissenschaftliche Überlegungen Luhmanns zum Beobachten einbringen, um diese Unterscheidung zwischen den Relevanzsystemen bzw. die Standortgebundenheit der Interpretation zu erläutern. Luhmann definiert das „Beobachten [als] das Handhaben einer Unterscheidung zur Bezeichnung der einen und nicht der anderen Seite“ (2002, S.143). Er differenziert zwischen Beobachtung erster Ordnung und Beobachtung zweiter Ordnung. Laut Bohnsack (2008, S.64) zeichnet sich die Beobachtung erster Ordnung durch die Beantwortung der Frage Was beobachtet wird, aus. D.h. der Erforschte erzählt von seinem Standort heraus, was er in seinem Relevanzrahmen erlebt. Die Beantwortung dieser Frage bezeichnet somit die eine Seite der Unterscheidung. Die andere - nicht bezeichnete - Seite der Unterscheidung beschreibt Luhmann als den „blinden Fleck“ (Luhmann 1992, S.85) des Beobachters.

Nach Bohnsack (2008, S. 64, 158) bewegt sich auf der Ebene der Beobachtung erster Ordnung der Erforschte innerhalb seines Relevanzrahmens. Der blinde Fleck des Erforschten kann nur durch eine weitere Beobachtung, eine Beobachtung zweiter Ordnung, aufgelöst werden. Auf dieser Ebene bewegt sich nun der Forscher, der aus seinem differenzierten Relevanzsystem heraus den Beobachter erster Ordnung beobachtet. Die Frage lautet auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung: „ Wie, d.h. mit welchen Unterscheidungen beobachtet der Beobachter erster Ordnung, also der Erforschte?“ Der Forscher kann mit der Beantwortung dieser Frage beide Seiten bezeichnen. Und dies gelingt dem Forscher durch die Analyseschritte der formulierenden und reflektierenden Interpretation. Mit der formulierenden Interpretation wird das Was, also der „immanente“ (Mannheim 1980, S.59) Sinn ausgearbeitet und in der reflektierenden Interpretation expliziert der Forscher das sog. „atheoretische“ (Mannheim 1964, S. 132) Wissen des Erforschten. Also die Unterscheidung des Erforschten, die ihm selbst unbewusst ist und als einen blinden Fleck erscheint, wird vom Forscher als das atheoretische Wissen dokumentiert. Der atheoretische Sinn ist eine Begrifflichkeit Mannheims und bezeichnet das handlungsleitende Wissen. Wie in einer Wechselwirkung orientiert das in der gelebten Praxis angeeignete Wissen zugleich diese Praxis, bildet also den Habitus und formt somit das Relevanzsystem einer Person. Es ist also ein in der Handlungspraxis gelerntes und nicht ein theoretisch angeeignetes Wissen ist. Das atheoretische Wissen wird in der Wissenschaft auch als stillschweigendes „implizites Wissen“ (Polanyi 1985) und als verkörperlichtes, einverleibtes „inkorporierte[s]“ (Bordieu 1998, S.730) Wissen bezeichnet. Den im atheoretischen Wissen impliziten Sinn nennt Mannheim Dokumentsinn und die Aufgabe des Forschers ist es - wie bereits erwähnt - diesen Dokumentsinn zur begrifflichen Explikation zu bringen. Der Forscher kann diese insbesondere in den Erzählungen und Beschreibungen der Interviewten erkennen. Dabei ist es notwendig zu erwähnen, dass die Forscher „nicht davon aus[gehen], dass sie mehr wissen als die Akteure oder Akteurinnen, sondern davon, dass letztere selbst nicht wissen, was sie da eigentlich alles wissen, somit also über ein implizites Wissen verfügen, welches ihnen reflexiv nicht so ohne weiteres zugänglich ist“ (u.a. Bohnsack 2001, S. 11). Die Standortgebundenheit des Forschers unterliegt dabei einer „methodische[n] Kontrolle“ (Bohnsack 2008, S. 20). So wurde von Anbeginn die Interpretation der dieser Arbeit zugrunde liegenden Interviews innerhalb unserer Forschergruppe der intersubjektiven Überprüfbarkeit unterzogen, um die Gefahr von Motivunterstellungen im Sinne der Common-Sense zu vermeiden. Die Standortgebundenheit der Forscher soll jedoch als keine bedrohliche Fehlerquelle für den Interpretationsprozess betrachtet werden, sie gilt sogar als „Voraussetzung für die Kreativität der Interpretation“ (Bohnsack 2008, S. 185-186). Somit möchten wir betonen, dass die dokumentarische Interpretation an Vergleichshorizonte gebunden ist. Zunächst bildet der Forscher mit seiner Standortgebundenheit einen gedankenexperimentellen Vergleichshorizont, der – wie erwähnt - im nächsten Interpretationsschritt innerhalb der Forschergruppe methodisch kontrolliert wird. Dann werden die verschiedenen Interviews miteinander verglichen, wie wir im Folgenden beschreiben. Zuvor möchten wir anmerken, dass wir bei der Interpretation der Interviews die vielfältigen analytischen Begrifflichkeiten der dokumentarischen Methode – aufgrund ihrer Komplexität - größtenteils sprachlich nicht genutzt haben, da diese Studie als eine für jede Disziplin sowie für den interessierten Leser barrierefreie zu verstehen sein soll.

4.3 Interpretationsvorgehen

Zunächst wurden für unser Erkenntnisinteresse relevante Interviewausschnitte transkribiert und türkisch geführte Interviews gegebenenfalls übersetzt. Dabei haben wir zunächst auf die Vergleichbarkeit der Themen ein besonderes Augenmerk gelegt. Es wurden thematisch vergleichbare Interviewpassagen zuerst fallintern, d.h. innerhalb eines bestimmten Interviews, auf der Suche nach dem Dokumentsinn, also der Orientierung, miteinander verglichen. Während der Interpretation thematisch ähnlicher Passagen sind wir jedoch auch auf unterschiedliche Orientierungen gestoßen. So haben wir weitere Passagen interpretiert, in denen wir eine Homologie zu den bereits gefundenen Orientierungen vermuteten. Ein weiteres wichtiges Element der dokumentarischen Interpretation ist die Homologiebildung. D.h. der Dokumentsinn bzw. eine Orientierung ist umso valider, wenn sie innerhalb eines Falles, also eines Interviews, reproduzierbar ist. Dies gilt auch für den fallübergreifenden Vergleich, also wenn mehrere Interviews miteinander verglichen werden. Um diese fallübergreifende Vergleichbarkeit zu realisieren, haben wir versucht jedes einzelne Interview durch die Leitfadenfragen gewissermaßen zu standardisieren. Wir haben im fallinternen sowie im fallübergreifenden Vergleich wechselweise anhand des Themas und der Orientierung verglichen. D.h. das Thema und die Orientierung haben während der ganzen Interpretationsphase abwechselnd das gemeinsame Dritte, das sog. tertium comparationis, gebildet.

4.4 Erwartungen an die dokumentarische Methode

Anhand der dokumentarischen Methode möchten wir über die subjektive Meinung der Erforschten hinausgehen und an ihre unbewussten Alters- und Pflegeeinstellungen gelangen, in dem wir deren Handlungspraxis bzw. den Habitus rekonstruieren. Das atheoretische Wissen ist nämlich relativ unabhängig vom subjektiv gemeinten Sinn. Das heißt, auch nicht wörtlich explizierte Einstellungen der Interviewten sollen auf diese Weise vom Forscher zur Wort gebracht werden. Weiterhin gehen wir davon aus, dass der Alters- und Pflegebegriff komplexe Bedeutungsmuster aufweisen. In der dokumentarischen Methode werden zwei Bedeutungsdimensionen voneinander unterschieden. Es ist die Rede vom kommunikativen und vom konjunktiven Wissen. Der kommunikative Sinn ist öffentlich, entfaltet sich auf der Grundlage von Rollenerwartungen und beruht auf rechtlichen Definitionen oder religiösen Traditionen, darunter sind also gesellschaftlich institutionalisierte und reziprok anerkannte soziale Regeln und Strukturen zu verstehen. Die konjunktive Bedeutung eines Begriffes dagegen ist nicht-öffentlich, sie ist milieuspezifisch oder individuell-fallspezifisch. D.h. diejenigen, die zum selben Erfahrungsraum oder Milieu gehören, verstehen einander unmittelbar und intuitiv. Sie bewegen sich also im ähnlichen Relevanzsystem. Für den Interpretationsprozess ist es daher wichtig, dass der Forscher einerseits dem Erfahrungsraum des Erforschten ‚fremd‘ ist, aber gleichzeitig auch eine gewisse Vertrautheit haben sollte. Die Fremdheit ist erforderlich, um die Unterscheidung zu erkennen bzw. das atheoretische Wissen zu explizieren und eine ‚kreative‘ Interpretation zu vollziehen (vgl. oben). Die Vertrautheit mit dem Erfahrungsraum des Erforschten ist für unsere Interpretation deshalb wichtig, um gewisse kulturelle Ausprägungen nicht fehlzudeuten. Aus diesem Grund wurden die Interviews von einer jungen (Fremdheit zu Alter und Pflege) und türkischen[2] (Vertrautheit bezüglich kultureller Ritualen) Interviewerin geführt und unter „methodisch kontrolliertem Fremdverstehen“ (Bohnsack 2008, S.21) interpretiert. Wir möchten in dieser Studie anhand der dokumentarischen Methode die kommunikative Bedeutung von Alter sowie Pflege und deren konjunktive Bedeutung voneinander differenziert ausarbeiten.

4.5 Teilnehmergewinnung und Qualitatives Sampling

Um an die Teilnehmer zu gelangen, haben wir zunächst anhand von Literaturbeständen und durch das private kulturelle Wissen des Forscherteams Informationen über das Leben und somit über die möglichen Aufenthaltsorte der uns interessierenden Gruppe gesammelt. Dann wurde ein soziodemographischer Fragebogen (s. Anhang) mit klassischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Bildung, Familienstand sowie auch mit migrationsspezifischen Merkmalen wie Aufenthaltsstatus, Nationalität, Geburtsland, Aufenthaltsdauer in Deutschland, sozioökonomischer Status, Jahr der Emigration erstellt. Im nächsten Schritt begann die Rekrutierung von Interviewteilnehmern durch elektronische (per E-Mail und Telefon) Anfragen und persönliche Besuche dieser in etlichen Migrantenorganisationen. Darüber hinaus ergaben sich Kontakte durch die Community per Schneeballsystem. Es wurden Migrantenverbände, Hilfsorganisationen, Gemeinden, Sprachvereine, Kulturorganisationen/-zentren, das internationale Pflegehaus Kreuzberg in Berlin, Ansprechpartner in Wohltätigkeitsverbänden, Moscheen sowie weitere ähnliche Einrichtungen für Migranten kontaktiert. Das Projekt wurde meistens den für die Teilnahme infrage kommenden Gruppen persönlich vorgestellt und Fragen vor Ort beantwortet. Je nach Wunsch bekamen die Organisationen eine schriftliche Information zur Studie (s. Abbildung 1) sowie eine Vorlage von Interviewerausweisen. Hauptsächlich wurde der Zweck dieses Projektes betont sowie die methodischen Elemente der Datenerhebung und die Datenschutzregeln. Um gewisse Ängste mancher Interessierten zu beseitigen, wurden einige Leitfadenfragen vor dem Interview vorgeführt. Aufgrund der teilweise schlechteren Sprachkenntnisse einzelner Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden alle Informationsschreiben (sowie die Erhebungsunterlagen) ins Türkische übersetzt.

Abbildung 1: Das Informationsschreiben für potentielle Interviewpartner und -partnerinnen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.6 Beschreibung der Interviewpartner und -partnerinnen

Es wurden insgesamt 13 türkische Migranten und Migrantinnen der ersten Generation interviewt. Sieben von diesen Interviews wurden auf türkisch und sechs auf deutsch durchgeführt. Zur ersten Generation haben wir solche Personen gezählt, die selbst als Gastarbeiter nach Deutschland emigrierten und 63 Jahre und älter sind. Dieser Arbeit liegen fünf sehr ausführlich interpretierte Interviews zugrunde. Diese setzen sich aus zwei weiblichen und drei männlichen Teilnehmern zusammen. Die Altersspanne liegt zwischen 63 und 75 Jahren. Die Frauen verfügen über ein geringes Bildungsniveau. Die Männer sind auf unterschiedlichen Statusebenen (Ausbildung nach der Grundschule oder Studium nach der 10. Klasse) beruflich ausgebildet. Vier[4] der Interviewten besitzen die türkische Staatsangehörigkeit. Sie wohnen in den Berliner Bezirken Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof. Drei der Interviewten schätzen ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig ein, einer als gut und eine als schlecht. Vier der Interviewten besitzen keine Pflegestufe, eine lebt im Pflegeheim und verfügt über eine Pflegestufe. Die Interviews dauerten ca. 30-90 Minuten. Nähere Informationen über die Interviewpartner- und partnerinnen werden in Kapitel 5.1 Alterseinstellungen der ersten Generation türkischer Gastarbeiter gegeben.

5 Ergebnisse

5.1 Alterseinstellungen der ersten Generation türkischer Gastarbeiter

In diesem Teil des Berichtes werden typische auf Alter und Pflege bezogene Orientierungen von türkeistämmigen Personen der sog. ersten Einwanderergeneration herausgearbeitet. Zunächst lernen wir die Interviewten in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen kennen und darin eingebettet ihre Auffassungen vom Alter und Altwerden. Insbesondere durch die Zukunftsfragen, die sich die Interviewten stellen, gelangen wir zu ihren Pflegevorstellungen. So äußern sich die Interviewten u.a. zu einer möglichen Pflegebedürftigkeit ihrer eigenen Person. Die Trennung von Alters- und Pflegevorstellungen ist vor allem eine analytische, tatsächlich besteht ein enger Zusammenhang zwischen Alter und Pflege. Dieser Zusammenhang wird im Kapitel „Pflegeeinstellungen“ rekonstruiert und dargestellt. Auffällig ist die fatalistische Einstellung aller Interviewten. Insbesondere Zukunftsfragen zum höheren Alter und damit verbundene Gedanken zur eigenen Pflegebedürftigkeit werden mit dem Schicksal in Verbindung gebracht.

Diesem Kapitel zugrunde liegen fünf Interviews. Alle fünf Interviewten sind ehemalige türkische Gastarbeiter der ersten Generation. Außer Ahmet haben alle bereits das Rentenalter erreicht. Sie leben nach dem islamischen Religionsbekenntnis. Die Kurzprofile der Interviewten geben einen Überblick über einige für uns wichtige Lebensfakten.

Leyla (w) wurde im Jahre 1936 geboren und ist 1974 als Gastarbeiterin nach Deutschland migriert. Sie wurde aufgrund eines Arbeitsunfalls in die Frührente entlassen und konnte nach den Operationen nicht mehr alleine wohnen. Seither lebt sie in einem türkischen Pflegeheim, weshalb eine Pendelmigration für sie nicht in Frage kommt. Leylas erster Ehemann ist gestorben, vom zweiten Ehemann hat sie sich scheiden lassen. In ihrer zweiten Ehe litt sie sehr unter ihrem Mann, der ihr gegenüber auch gewalttätig war. Leyla ist Mutter von zwei Kindern.

Ahmet (m) wurde im Jahre 1947 geboren und ist 1973 als Gastarbeiter nach Deutschland zugewandert. Er ist glücklich verheiratet und Vater von drei Kindern. Das Rentenalter hat er noch nicht erreicht und ist daher berufstätig. Er spielt mit dem Gedanken, als Rentner in die Türkei zurückzukehren oder zwischen Deutschland und der Türkei zu pendeln.

Nihal (w) wurde im Jahre 1944 geboren und ist 1970 als Gastarbeiterin nach Deutschland gekommen. Sie ist geschieden und Mutter von zwei Söhnen, die in die Drogenszenerie gerieten. Nihals Verhältnis zu ihren Söhnen ist von Gewalt geprägt. Dennoch liebt sie ihre Kinder und wünscht sich ein friedliches Leben mit ihnen und deren Familien. Nihal leidet unter einer depressiven Störung und wurde aufgrund dieser ambulant gepflegt.

Hasan (m) wurde im Jahre 1945 geboren und ist 1974 als Gastarbeiter nach Deutschland migriert. Er ist Vater von fünf Kindern. Einer seiner Söhne lebt in der Türkei und ist pflegebedürftig. Ihn und seine Familie unterstützt Hasan finanziell. Hasan selbst leidet unter Diabetes. Für das Wohl der Gemeinschaft ist er stark engagiert. Auch er spielt mit Rückkehrgedanken in die Türkei.

Ferid (m) wurde im Jahre 1935 geboren und ist 1963 als Gastarbeiter nach Deutschland emigriert. Er hat zwei uneheliche halbdeutsche Töchter, zu denen er eine distanzierte Beziehung hat. Eine Ehe ist Ferid erst im Alter eingegangen und hat seine Frau aus der Türkei nach Deutschland geholt. Von Pendelmigration redet er nicht.

Zunächst befasst sich dieses Kapitel mit den Alterseinstellungen bzw. –definitionen der türkischen Interviewten der ersten Generation. Die Altersorientierungen sind sehr individuell ausgerichtet. Daher ist hier der Altersbegriff als ein relativer zu verstehen, der sich in seinen vielfältigen Bedeutungsdimensionen entsprechend der verschiedenen Lebenssituationen der Interviewten rekonstruieren lässt. Auf Basis dieser Rekonstruktion finden sich drei Alterskategorien: das chronologische, physische und psychische Alter. Diese Alterskategorien werden von den Interviewten in Relation zueinander diskutiert bzw. definiert. Darüber hinaus bietet dieses Kapitel vor dem Hintergrund der Altersorientierungen einen Einblick in verschiedene Lebensbereiche der Interviewten, so dass diese dem Leser in ihren grundlegenden Charakterzügen vertraut werden. Das Kapitel gliedert sich dabei in Themen, die zum einen durch die Leitfadenfragen induziert sind und zum anderen aus den rekonstruierten Orientierungen der Interviewten hervorgegangen sind.

5.1.1 Alltag im Alter

Im Folgenden möchten wir zunächst einige Zitate über den Alltag der Interviewten aufführen, um sie so näher kennenzulernen.

Ferid

Ferid erzählt über seine Aktivitäten als Rentner.

I: Aber, naja jetzt leben Sie ja doch hier und ja...

E: Ich bin Rentner jetzt hier und mal da, oder nur zuhause oder jetzt rumlaufen, das ist alles. (A1m1 [5] : 486-488)

Als Rentner pendelt Ferid zwischen Berlin und einer anderen Stadt in Deutschland.[6] Das heißt, er ist im Alter mobil. Diese Mobilität, die durch das Pendeln entsteht, relativiert Ferid wiederum, in dem er im Anschluss berichtet, dass er sich „nur“ zu Hause aufhält. Seine Häuslichkeit unterbricht er aber auch, um spazieren zu gehen. Sein Alltag ist letztlich durch eine zweifache Relativierung seiner Häuslichkeit (Pendeln-Häuslichkeit-Spaziergang) gekennzeichnet. Dabei lassen sich zwei Pole erkennen, Mobilität und Ruhe, wobei die Mobilität in Ferids Alltag überwiegt.

Weiter unten berichtet Ferid:

I: Nein, ich meine jetzt nicht so Träume, sondern eher so etwas, was Sie jetzt vielleicht auch schon machen und was Sie immer weitermachen möchten.

E: Jaja.

I: Also zum Beispiel Karten spielen oder so.

E: Naja, also wenn ein Mensch ist Rentner, ja. also. Der ist man muss was zum spielen, Unterhaltung haben, Karten spielen oder bissken so Musik machen dadrin oder wo bissken zusammen spazieren gehe, Spaß machen, rumlaufen.

I: Hmm, und das möchten Sie einfach immer weitermachen?

E: Jaja.

I: Also Sie wirken sehr zufrieden. ((schmunzeln))

E: Ja können wir spielen, Sport machen, Sport gehen und da machen, mir so geht gut, aber hoffentlich alle so sein, weiß ich nicht. //Jaaa// Ich möchte alle Menschen gesund sein, nicht nur ich alleine. (A1m1: 505-536)

Ferid räumt im Rentenalter der Unterhaltung einen zentralen Stellenwert ein. Unter Unterhaltung versteht er das Kartenspielen, Musizieren oder Musik hören, Spazieren gehen oder Sport treiben und bei all dem Spaß zu haben. Dabei legt Ferid auf die Gesellschaft seiner Freunde viel Wert. Zudem wünscht er sich Gesundheit für die ganze Menschheit. Sport hat für ihn z. B. positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Für Ferid ist also eine positive Aura seiner Mitmenschen sehr von Bedeutung. An diesem Wunsch erkennt man, dass Ferid das Alleinsein verabscheut und deshalb in gewisser Weise auf die Gesellschaft seiner Mitmenschen angewiesen ist.

So regt sich Ferid über sein soziales Umfeld auf, wenn er die negative Aura seiner Mitmenschen spürt.

I: Aber gibt es denn irgendwelche Dinge, die Sie vielleicht traurig machen, vielleicht über das Älterwerden, weil das hört sich jetzt alles so positiv an. Gibt es da auch irgendetwas was…

E: Ja, gibts auch ab und zu, gibts das. Ja, positiv. Nicht so. Ja, gibts auch, aber selten.

I: Und was ist das dann zum Beispiel?

E: Hää?

I: Und was ist das dann zum Beispiel?

E: Ja, zum Beispiel ((räuspern)), wenn (..) ich möchte zum Beispiel nee, wenn hier kommen hier kommen immer mit anderen Leute spielen immer dann ganz gut, aber die Tage kommen andere Leute //hmm// nee, nich richtig kenne, und diese Leute so, nicht richtig kennen aber die Leute nicht richtig putzen, nicht richtig lachen und meckern, das ist nicht gut, die lieber nicht hinsetzten, ist doch so. //hmm//

I: Okay, also negative Menschen um Sie herum.

E: Negativ gibt auch, warum nicht? Zum Beispiel, zum Beispiel gehen, rumlaufen zwei schön, zwei (?) Leute kommen, und oder neenee, hinterher, gehen die immer so Quatsch reden //hmm// oder so nicht so freundlich, nicht unfreundlich ((nuscheln)) (A1m1: 538-560)

Sein soziales Umfeld – vor allem im Seniorentreff - grenzt Ferid ein, so dass er sich von den Menschen distanziert, die er nicht kennt und die von seinen Werten wie Hygiene, Freundlichkeit und Harmonie abweichen. Insbesondere Menschen, die nicht gradlinig sind, mag Ferid nicht leiden. Solch einer Gesellschaft gegenüber ist Ferid kritisch eingestellt und versteht nicht, warum diese Menschen zum Seniorentreff kommen, wenn sie „unfreundlich“ sind. Diese Haltung erklärt, dass für Ferid der Seniorentreff ein Ort zum Amüsieren darstellt. Zu erwähnen bleibt, dass Ferids Distanz gegenüber unfreundlichen Menschen dem Selbstschutz dient.

Nihal

Nihal hält sich oft im Nachbarschaftstreff auf, wo sie u. a. Gleichaltrige trifft. Sie erzählt im Folgenden über den Ablauf ihres Alltags.

I: Sie hatten etwas aus ihrem Alltag erzählt. Können Sie ein bisschen mehr darüber erzählen, wie verbringen Sie ihren Tag?

E: Ja, also wie schon gesagt, mein Tag vergeht halt so. Ich bin heute morgen aufgestanden, habe (?) eingeschaltet. //mhm// Zwei Leute wurden umgebracht, keiner weiß, wer es getan hat. Eine Mutter weint und zerbricht. (.) Danach habe ich gefrühstückt und ihnen hatte ich ja versprochen, dass ich hierher kommen werde. //mhm// Am Abend zuvor hatte A angerufen und gesagt, ähm P kommst du. Woraufhin ich dann gesagt habe, ja ich werde komme, es werden sowieso irgendwelche Leute hierher kommen. //mhm// Ja, so ist das halt. Von Zeit zu Zeit besuche ich eine Freundin, die hat eine Tochter, //mhm// so alt wie mein Enkel, die mag ich sehr. Ich besuche halt die und beschäftige mich mit der Kleinen. //mhm// (K5w1: 574-583)

Morgens schaltet Nihal vermutlich den Fernseher oder das Radio ein. Sie erzählt, dass an dem Morgen des Treffs mit der Interviewerin in den Medien von zwei Toten berichtet wurde. Nihal erfuhr so von einer Mutter, die weinte und zerbrach.[7] Eindeutig sind das solche Nachrichten, die negativ konnotiert sind. Nihal kommentiert diese jedoch nicht. Auch Nihal pflegt ihre sozialen Kontakte, indem sie sich im Nachbarschaftstreff mit Freunden verabredet. Sie stattet auch Besuche bei ihrer Freundin ab. Nihal berichtet, dass sie die Tochter ihrer Freundin, die so alt wie ihre Enkeltochter ist, sehr mag. Daran erkennt man zum einen, dass sich in Nihals Bekanntenkreis auch jüngere Menschen befinden. Zum anderen scheint sie durch diese Freundin ihre eigenen Familienmitglieder, zu denen sie eine konfliktreiche Beziehung hat, zu ersetzen (vgl. Profil). Auf diese konfliktreiche Familienbeziehung möchten wir später näher eingehen.

Im nächsten Zitat berichtet Nihal –im Vergleich zu Deutschland - von ihrem Alltag in der Türkei.

I: Gut, könnten Sie dann noch kurz von da an erzählen, äh nachdem Sie pensioniert wurden, was Sie in ihrem Leben gemacht haben, {mit was Sie sich beschäftigt haben}?

E: ) {ich mache gar nichts in meinem Leben} Was mache ich in meinem Leben? Ich sitze den ganzen Tag herum, schaue Fernsehen (…) ich schaue Filme an oder gehe zu einer Freundin, ich komme hierher, gehe nach Hause, also mein Leben spielt sich in diesem Stadtviertel ab, ich bewege mich hier hin und her //mhm// das heißt ich mache nichts. (.) //mhm//

Im Sommer fahre ich in die Türkei, aufs Land (.) da habe ich auch niemanden, dort bin ich auch allein, aber die Sonne dort tut mir äh gut //mhm// die klare Luft, die Sonne, die Bäume auf dem Land, zwischen den Wäldern, das äh tut mir gut. Ich habe da zwar auch kein äh kein besonderes Leben (.) da habe ich auch kein dings also keinen Luxus oder so (.) ich trage die gleiche Hose, das gleiche T-Shirt, so verbringe ich den Tag, dort bin ich auch allein, dort habe ich auch (.) niemanden. So vergeht die Zeit //mhm// so ist das halt //mhm// (K5w1: 278-292)

Nihal berichtet zunächst darüber, dass sie zu Hause tatenlos sitzt. Darüber hinaus schaut sie Fernsehen, besucht ihre Freundin, trifft sich im Nachbarschaftstreff mit Freunden. Dabei bewegt sie sich örtlich begrenzt. Sie bezeichnet all diese Handlungen als leer: „Das heißt ich mache nichts“. Ihre Handlungen im Alltag findet sie nicht sinnstiftend. Im Anschluss redet sie über ihren Alltag in der Türkei. Ihre Zeit in der Türkei verbringt sie auf dem Land und fühlt sich in der Natur sehr wohl. Beide Länder ermöglichen Nihal zwei unterschiedliche Alltagstätigkeiten: Kontakt mit Menschen in Deutschland und mit der Natur in der Türkei. Der Vergleich macht deutlich, dass die Natur in der Türkei offenkundig mehr zu ihrem psychischen Wohlbefinden beiträgt als der Alltag und die zwischenmenschlichen Beziehungen in Deutschland. Nihal fühlt sich in beiden Ländern einsam, obwohl sie sich in Deutschland unter ihren Freunden befindet. Wir möchten hier nur kurz andeuten, dass Nihal ausschließlich ihren familiären Kontakten, die jedoch konfliktreich sind, Bedeutung zuweist. Dieses Thema greifen wir - wie bereits erwähnt - später noch einmal auf.

Ahmet

In Ahmets Alltag ist körperliche Bewegung wichtig.

I: //hmh// Wie ist dein Alltag zum Beispiel, morgens aufst-

E: Nun ich wenn ich morgens aufstehe (..) zuer- so eine Stunde lang zum Beispiel im jetzigen Schneewetter gehe ich spazieren. Wegen den Beschwerden ist es ein wenig kürzer, aber //hmh// manchmal gehe ich raus und muss gleich wieder reingehen.(.) Aber darüber hinaus (..) nach dem Morgengebet lese ich etwas im Buch. //hmh// Danach nun denn schaue ich //hmh// ein wenig fern. Somit (.) gehe ich bis zum Mittag ein wenig spazieren und komme nach Hause. So sind die jetzigen Bedingungen also. Somit am Abend nun denn die bekannten Serien ((lacht)) (?) Dinge, so also. Nichts Besonderes also. (K4m1: 263-270)

Seinen Tag beginnt Ahmet mit einem Spaziergang. Die Länge des Spaziergangs ist abhängig von seinem Gesundheitszustand. In gesundheitlich schwachen Tagen muss er seinen Spaziergang aufgrund von körperlichen Beschwerden abbrechen und nach Hause zurückkehren. Das Ausmaß der körperlichen Bewegung wird also durch den jeweiligen Gesundheitszustand bestimmt. Weiterhin erzählt Ahmet, dass er nach der Verrichtung des Morgengebets Bücher liest. Ihm ist die Fortbildung im Alter wichtig. Auch das Fernsehen kennzeichnet eine seiner alltäglichen Tätigkeiten. Der Spaziergang wird am Mittag wiederholt. Die körperliche Bewegung scheint für ihn von zentraler Bedeutung zu sein. Ob er mit dem Spaziergang seine Gesundheit fördern möchte oder einer Freizeitbeschäftigung nachgeht, bleibt jedoch unklar. Am Abend kehrt wieder Ruhe ein und er schaut Fernsehen, da er einige Serien verfolgt. Seinen Alltag bezeichnet Ahmet als „nichts Besonderes“.

Im nächsten Zitat sind weitere Alltagsbeschäftigungen von Ahmet enthalten.

I: Nun ja, hat es Situationen gegeben in denen du mit deiner Familie oder deinen Freunden über das Alter oder altern gesprochen hast?

E: Also nee, über so was reden wir nicht. Ohnehin unter vielen solchen Freunden nicht sehr, hier gibt es Hasan, darüber hinaus (?) familiär besuchen. Früher passierte das, aber nun nicht also. Und die Fernseher verhindern alles. Du machst den Fernseher an und schaust oder ich nehme ein Buch und lese es, ich also //hmh// (...). (K4m1: 131-135)

Ahmet deutet zunächst an, dass das Thema Alter unter vielen seiner Freunde nicht angesprochen wird. Aus dieser Aussage folgt, dass Ahmet seine zwischenmenschlichen Beziehungen pflegt. Weiterhin behauptet er, dass es im Gegensatz zur Vergangenheit generell ein Mangel an Gesprächen innerhalb der nahen Verwandten gibt, weil großfamiliäre Besuche nicht mehr abgestattet werden. Darüber hinaus gilt für ihn der Fernseher als ein Hindernis für zwischenmenschliche Beziehungen. Der Fernseher und das Lesen sind für Ahmet alternative Beschäftigungsarten, denen nachgegangen wird, wenn keine sozialen Kontakte vorhanden sind.

Hasan

Das nächste Zitat wird in diesem Kapitel ohne eine Interpretation aufgeführt, da es im Vordergrund der Orientierung der Selbstständigkeit interpretiert wird (s. Kapitel Selbstständigkeit). Hier soll nur Hasans Alltag illustriert werden.

E: Sehr schön. Nun ja, Onkel Hasan, kannst du mir etwas von deinem Alltag erzählen? Zum Beispiel, wenn du an einem Tag aufgestanden bist, was machst du bis zum Abend? Wie vergeht dein Tag zum Beispiel?

E: [gedehnt] Mein Alltag, lass es mich so sagen. (..) Wenn ich morgens aufgestanden bin und ich zu dem Zeitpunkt die Kraft fühle zu spazieren oder zu gehen, stehe ich auf und gehe zum Morgengebet in die Moschee. Da wenn nicht, manchmal fahren die Kinder mit dem Auto weg. Wenn nicht, gehe ich nicht und deswegen stehe ich auf, meiner Frau geht es schlecht. //hmh// Sie wie sie möchte, sie kann natürlich am Morgen nicht aufstehen, Dings machen. Ich gehe in die Küche. Wenn es Abwasch in der Küche gibt, wasche ich ab oder von der Maschine habe ich keine Ahnung. (lacht) Aber ich helfe. Ich schaue //hmh// in der Küche, was weiß ich, Tee oder ähnliches Dinge die ich machen kann, helfe ich in der Küche und wenn sie in der Zwischenzeit aufgestanden ist, wird es 10 Uhr sein. Also morgens wird es 10 Uhr sein. Ihr Aufstehen und so. (lacht) Fühlt sich nicht wohl, hat Übergewicht. Natürlich sie (?) (Dizol) Tablette wegen ständigen Schmerzen. Nahm zu und auch das, nahm irgendwie nicht ab. So geht es. An diesem Punkt versuche ich für sie ihr zu helfen. (K7m1: 474-488)

Außerhalb des häuslichen Bereichs ist Hasan ein sehr sozialer Mensch.

I: Nun ja, wie in der Gesellschaft //hmh//

E: In der Gesellschaft habe ich persönlich eine breite Karriere. Zum Beispiel in der Gesellschaft //hmh// du hast hier [im Café] die Freunde gesehen zum Beispiel. So dass wir manchmal 10 Leute sind. Wir treffen uns oder von draußen kommen Freunde, seid gegrüßt, und gehen spazieren. Einer zum Kiosk hier und dorthin jeder hat bei sich einen Ort. Und das, wie sie sagen, erwarte Gutes von dir selber. Also ich fühle nichts Schlechtes. (K7m1: 569-574)

Hasan pflegt seine zwischenmenschlichen Kontakte. So hat er dadurch eine „breite Karriere“ in der Gesellschaft erreicht. Er hat mit seinen Freunden unterschiedliche Treffpunkte, an denen sie vermutlich spontan und oft ohne Verabredung zusammenkommen, da ihnen Kontaktfreudigkeit gemein ist. Auch für Hasan zählt der Spaziergang als eine rituelle Aktivität. Schließlich betont er seine Zufriedenheit und führt diese auf seine Gutmütigkeit zurück.

Zusammenfassung

Für die Interviewten[8] ist leichte körperliche Bewegung im Alltag, in Form eines Spaziergangs, von zentraler Bedeutung. Auch ist allen die Gesellschaft von Freunden wichtig. So sorgen sie für Unterhaltung verschiedener Art. Auffällig ist, dass die Interviewten durch die besondere Pflege ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen keine Einsamkeit zulassen. Sie treffen sich im Senioren- oder Nachbarschaftstreff, in Cafés etc. Häusliche Besuche werden nicht mehr abgestattet, berichtet Ahmet. Tatsächlich reden - außer Nihal - keine der Interviewten von häuslichen Besuchen. Trotz der Besuche fühlt sich Nihal einsam und findet ihr Wohl eher in der Natur. Der ruhige Aufenthalt zu Hause bietet den Ausgleich zur außerhäuslichen Mobilität der Interviewten. Zu den häuslichen Tätigkeiten gehören das Fernsehen, Lesen, Beten und die Haushaltspflege.

5.1.2 Das chronologische, physische und psychische Alter

In den Aussagen der Befragten lassen sich drei Altersbegriffe rekonstruieren. Zum einen das in der Literatur als chronologisch oder auch als kalendarisch bezeichnete Alter, welches die Lebenszeit von der Geburt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt umfasst. Die beiden anderen Begriffe betreffen die subjektive Bestimmung des Alters, die durch das eigene Empfinden und Wahrnehmen der Betreffenden beeinflusst ist. In der Literatur ist dieser Altersbegriff als „psychologisches“ Alter bekannt. Hier differenzieren die Befragten allerdings noch einmal das auf die körperliche Konstitution bezogene Alterserleben und das auf die Psyche, die Seele bezogene Alterserleben. Dieser Unterscheidung wird im Folgenden begrifflich mit dem „physischen“ und dem „psychischen“ Alter Rechnung getragen. Es wird gezeigt, dass das chronologische bzw. physische Alter von den Interviewten rational und unterschiedlich wahrgenommen wird. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass das chronologische Alter und das physische Alter korrelieren, da im Körper natürlicherweise altersbedingte Erscheinungen hervorgerufen werden. Diese Erscheinungen gehen teilweise äußerlich unsichtbar vonstatten: z.B. in Form von Kraftlosigkeit, nachlassende Leistungsfähigkeit.

Ahmet

Für Ahmet kennzeichnet die Lebensspanne zwischen 50 und 60 Jahren den Übergang zum Alter:

I: Nun ja, wann ist ein Mensch alt deiner Meinung nach?

E: Nun denn, nach 50 merkst du es, nach 60 fühlst du dein Alter. Nach 60 merkst du, dass du alt geworden bist. (..). (K4m1: 81-83)

Dieses Zitat verdeutlicht, dass Ahmet sein Alter bewusst wahrnimmt. Woran er dies festmacht, bleibt hier zunächst offen.

Hasan

Im folgenden Zitat drückt Hasan seine Akzeptanz mit dem Altsein aus.

I: //hmh// Nun ja, fühlst du dich alt, oder fühlst du dich jung?

E: Wenn gesagt wird, ich mich alt, ich mich jung //hmh// nein, so eine radikale Rechnung habe ich nicht. Also mich alt fühlen und nun ich bin nun mal alt geworden. Ich hege keinen Gedanken, das nicht zu machen. Also ich denke nicht so. (K7m1: 161-164)

Hasan dämpft die Frage der Interviewerin mit seiner abwehrenden Antwort, da er keine „radikale Rechnung“ bzgl. seines Altersgefühls macht. Er bilanziert, dass er alt geworden ist. Das Altern sieht er als eine Tatsache und als einen natürlichen Prozess. So erfahren wir hier zunächst von Hasan nichts Explizites über die Verbindung des chronologischen Alters mit dem psychischen Alter.

An einer anderen Stelle des Interviews beantwortet Hasan die wiederholte Frage, ob er sich nun jung fühlt, etwas präziser. Indem er von der nicht alternden Seele spricht, wird eine Feinheit seiner Denkstruktur für uns zugänglich.

I: Fühlst du dich jung?

E: Also man sagt, die Seele wird nicht alt. (K7m1: 165-166) [9]

Indem Hasan von der Seele spricht, trifft er zum einen eine Trennung zwischen dem chronologischen und dem psychischen Alter. Zum anderen behauptet er, dass die Seele nicht altert. Im Gegensatz zu dieser nicht alternden Seele unterliegt jedoch der Körper unabdingbar in der chronologischen Abfolge dem Altern. Wenn wir nun einen Rückbezug zum vorherigen Zitat nehmen, so können wir davon ausgehen, dass Hasan keine andere Wahl hat als zu sagen, dass er „ nun mal alt geworden“ ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass er sich entsprechend seines chronologischen Alters auch fühlt. Mit den letzten beiden Zitaten ist uns möglich zu behaupten, dass Hasan das chronologische Alter von dem psychischen Alter strikt trennt. Dabei stuft er das psychische Alter als konstant jung ein, während das chronologische Alter dem Prozesshaften unterliegt.

Nihal

Nihal trifft eine Unterscheidung zwischen chronologischem und subjektivem (gefühlten) Alter.

I: Wie alt fühlen Sie sich?

E: Ich weiß nicht wie alt ich mich fühle, ich weiß nur, dass ich keine Kraft mehr habe (.) ich weiß überhaupt nicht, wie ich mich fühle (.) aber ich weiß, dass ich keine Kraft habe (.) also ich sehe, dass ich überhaupt keine Kraft mehr habe, keinen Schlaf finde (.) bis zum Morgen. Also ich spüre mein Alter nicht //mhm// also so wie wenn dir was weh tut und du spürst es nicht, genauso spüre ich nicht, wie alt ich bin //mhm// an das denke ich gar nicht (..). (K5w1: 337-342)

Nihal behauptet sehr entschlossen, dass sie nicht weiß, wie alt sie sich fühlt. Sie ist also nicht imstande ihre Altersgefühle in Worte zu fassen. Dominant ist anstelle dessen die Wahrnehmung ihrer Kraftlosigkeit[10]. Sie ist so kraftlos, dass sie nicht einmal spürt, wie alt sie ist. Offenkundig bedarf es ausreichend Kraft, um das Alter zu fühlen. Wir wissen nicht genau, ob Nihal Kraftlosigkeit ihrer Physis oder dem mentalen Bereich zuordnet. Insofern wissen wir auch nicht, ob sich das „gefühlte Alter“ auf das psychische oder physische Alter bezieht. Nihal beschreibt ihre Kraftlosigkeit jedoch nicht als Folge des (chronologischen) Alters, sondern betrachtet diese als altersunabhängig. Andersherum heißt das auch, selbst wenn sie jung an Jahren wäre, würde sie ihre Kraftlosigkeit alt machen. Nihal differenziert hier also zwischen chronologischem und subjektivem Alter.

Zusammenfassung

Es lassen sich drei verschiedene Altersbegriffe, welche die Interviewten implizit nutzen, rekonstruieren: das chronologische, physische und psychische Alter. Wir sind davon ausgegangen, dass das chronologische Alter – wenn auch individuell verschieden - das physische Altern eines Menschen beeinflusst. Es soll hier deshalb noch einmal verdeutlicht werden, dass alle Interviewten - ohne dies explizit zu behaupten - den Körper als Materie im Unterschied zur immateriellen Psyche als altersbedingt veränderbar akzeptieren. Dies macht die Grundeinstellung aus.

[...]


[1] Erzählstimuli 1.1. und 1.2. wurden erst dann explizit eingeführt, wenn sich die Interviewten zu diesen Themen nicht geäußert hatten.

[2] Das Interview mit Ferid wurde von einer nicht-türkischen Interviewerin durchgeführt.

[3] In der Gesamtstudie der Charité handelt es sich auch um russischsprachige Personen

[4] Die Frage zur Staatsangehörigkeit wurde in den soziodemographischen Fragebogen später eingeführt. Daher konnte Leyla keine Angabe dazu machen.

[5] Diese Zitatangabe besteht aus einem Code mit vier Zeichen: A (Anfangsbuchstabe der Interviewerin), 3 (Nummer des Interviews), w (weiblich), 1 (erste Generation).

[6] Diese Information geht aus dem ganzen Interview hervor. Aus Datenschutzgründen soll hier die „andere Stadt“ nicht angegeben werden.

[7] Nihal ist selber eine unglückliche Mutter. Im weiteren Verlauf des Berichtes wird diese Aussage belegt.

[8] Außer Nihal, die nicht ausdrücklich über Spaziergänge spricht.

[9] Dieses Zitat wird in Kapitel 5.1.3. Alter und Tod näher ausgeführt.

[10] Nihals Kraftlosigkeit muss nicht altersbedingt sein, sondern kann auch von ihrer depressiven Störung abhängen.

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten

Details

Titel
Rekonstruktion der Vorstellungen vom Altern und von Einstellungen zur (stationären) Pflege bei türkischen Gastarbeitern der ersten Generation
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Erziehungswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
118
Katalognummer
V301295
ISBN (eBook)
9783668013346
ISBN (Buch)
9783668013353
Dateigröße
1097 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Der innovative Charakter wie auch die hohe Komplexität der Analyse sind evident, obschon, wie Frau Gül darlegt, die analytische Begrifflichkeit der Dokumentarischen Methode zurückhaltend verwendet wird, um den Zugang für die Leser/innen „barrierefrei“ (S. 15) zu halten. Aufgrund ihres hohen empirisch-methodischen Niveaus und ihres Erkenntnis generierenden Potentials bewerte ich die Arbeit mit: sehr gut (1,0)"
Schlagworte
türkische Gastarbeiter, Alterseinstellungen, Pflegeeinstellungen, Dokumentarische Methode, narrative Interviews
Arbeit zitieren
Kübra Gül (Autor), 2013, Rekonstruktion der Vorstellungen vom Altern und von Einstellungen zur (stationären) Pflege bei türkischen Gastarbeitern der ersten Generation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301295

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