Praktikumsbericht zu einer Beratungsstelle für Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden


Praktikumsbericht / -arbeit, 2013
27 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Praktikumsbericht
1.1 Beschreibung der Praxisstelle „Frauenhorizonte – gegen sexuelle Gewalt e. V.“
1.2 Organigramme zu Frauenhorizonte e. V.
1.3 Meine Aufgaben als Praktikantin
1.4 Reflexion des eigenen Lernprozesses
1.5 Rechtsanwendung

2. Modulfragenbearbeitung
2.1 Was bedeutet Parteilichkeit in der Arbeit mit weiblichen Opfern sexueller Gewaltsituationen und wie wird dieses Konzept von Frauenhorizonte e. V. vor Behörden umgesetzt?
2.2 Wie stellt sich Frauenhorizonte e. V. auf die Lebensphase junger Frauen ein und welche Besonderheiten sind in der Arbeit mit jugendlichen Mädchen zu berücksichtigen?

3. Literaturverzeichnis

4. Anhang
4.1 Organigramm zum hierarchischen Aufbau und der Netzwerkumgebung von Frauenhorizonte e. V.
4.2 Organigramm zur klientenzentrierten Darstellung der Arbeit von Frauenhorizonte e. V.

1. Praktikumsbericht

1.1 Beschreibung der Praxisstelle „Frauenhorizonte – gegen sexuelle Gewalt e. V.“

Frauenhorizonte ist eine Anlauf- und Fachberatungsstelle für Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Die Räumlichkeiten von Frauenhorizonte befinden sich in der Basler Straße 8. In diesem Haus existieren außerdem vier andere Einrichtungen: Wildwasser (Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen), Tritta (Verein für feministische Mädchenarbeit), FrauenZimmer (Suchtberatungsstelle für Frauen und Mädchen) und das Frauen und Mädchen Gesundheitszentrum (FMGZ). Das Team von Frauenhorizonte besteht aus einer Psychologin, 3 psychosozialen Beraterinnen und Prozessbegleiterinnen, einer Leiterin und einer Verwaltungskraft, die alle interdisziplinär arbeiten. Frauenhorizonte setzt sich dafür ein, die Öffentlichkeit für die Thematik der sexuellen Gewalt an Frauen zu sensibilisieren und die Dunkelziffer nicht angezeigter Übergriffe zu senken. Den Klientinnen stehen dabei verschiedene Angebote zur Verfügung.

Die 24-Stunden-Rufbereitschaft steht Frauen in den ersten Stunden oder Tagen nach einem Übergriff rund um die Uhr zur Verfügung. Auf Wunsch können die Betroffenen dann zu ersten ärztlichen Untersuchungen oder Aussagen bei der Polizei zu jeder Tages- und Nachtzeit begleitet werden.

Die psychologische Beratung soll den Erholungsprozess in der ersten Zeit nach einem Übergriff fördern. Langfristige Folgen der Gewalt sollen dadurch vermindert, der weitere Behandlungsbedarf geklärt und je nach Wunsch der Klientin niedergelassene Psychotherapeutinnen vermittelt werden.

Die Klientinnen können sich bei Frauenhorizonte über jedwede weitere rechtliche Schritte, die mit einer Anzeige in Verbindung stehen, informieren. Neben der umfassenden Unterstützung im Strafverfahren werden die Frauen auch in allen sozialrechtlichen Belangen beraten, die in Zusammenhang mit der Tat stehen.

Angehörige oder Freunde der Betroffenen fühlen sich mit deren Unterstützung oft überfordert. Deshalb bietet Frauenhorizonte auch für diese Menschen Beratung an, in der sie über ihre eigenen Gefühle sprechen können und über die Folgen sexueller Gewalt informiert werden. Durch die Organisation von Fortbildungsveranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen können auch Fachkräfte über die Auswirkungen sexueller Gewalt informiert und für die Bedürfnisse Betroffener sensibilisiert werden.

1.2 Organigramme zu Frauenhorizonte e. V.

Ich möchte hier die Einrichtung Frauenhorizonte durch zwei verschiedene Organigramme darstellen. Das erste (siehe Anhang 4.1) soll die Organisations- und Netzwerkstruktur verdeutlichen. Frauenhorizonte besitzt einen Vorstand, der in regelmäßigen Abständen eine Vorsitzende wählt. Die Leitung steht immer in Verbindung zum Vorstand und bespricht bei einem Treffen in regelmäßigem Abstand auftretende Probleme, berichtet von der Arbeit vor Ort und regelt die Finanzen für das kommende Jahr. Dem Vorstand kommt die Aufgabe des fachlichen Back-ups zu, sowie die Entscheidung über Personalveränderungen. Die Leiterin der Einrichtung tauscht sich ebenfalls von Zeit zu Zeit mit den Mitgliedern aus, deren regelmäßige finanzielle Beiträge Frauenhorizonte mitfinanzieren; sie ist somit die Zwischenschaltstelle von Vorstand und Mitgliedern. Darin liegt jedoch auch ein strukturelles Problem: Es gibt keine eigene Mitgliedervertretung und somit auch keine „Stimme“ für die Mitglieder von Frauenhorizonte. Einzig auf der Mitgliederversammlung können Anliegen besprochen und gegebenenfalls über die Leiterin an den Vorstand weitergegeben werden. In der Einrichtung selbst stehen alle Mitarbeiter in regem Austausch zu einander. Es gibt das hauptamtliche Beraterinnenteam, welches in die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Prozessbegleitung, therapeutische Beratung und Verwaltung unterteilt ist. Das Rufbereitschaftsteam kommt auf Honorarbasis an Feiertagen, Wochenenden und außerhalb der Öffnungszeiten zum Einsatz (siehe Kapitel 1.1). Die Öffentlichkeitsarbeiterin kümmert sich um Präventionsarbeit an Bildungseinrichtungen und steht auch mit der regionalen und überregionalen Presse und der Politik (z. B. den Stadträten) in Kontakt. Die Prozessbegleiterinnen fungieren als Bindeglied zwischen Klientin und Ämtern bzw. Stiftungen, wie dem Weißen Ring, dem Arbeitsamt oder der Landesstiftung Opferschutz. Sämtliche Anliegen des Gerichts, der Rechtsanwälte, Ärzte oder Polizei werden (nach Absprache mit der Klientin) über die Prozessbegleiterinnen besprochen. Falls eine Klientin den Wunsch hat, nach der therapeutischen Beratung bei Frauenhorizonte eine Langzeittherapie zu beginnen, so wird sie von der Psychologin weitervermittelt. Die Verwalterin ist schließlich vor allem für die Buchhaltung zuständig. Da die Mitarbeiterinnen der Rufbereitschaft Frauen oftmals nachts in die Unifrauenklinik (UFK) oder zur Polizei begleiten, stehen diese in direktem Kontakt zu Schwestern, Ärzten und Beamten. Die Praktikantin bei Frauenhorizonte bekommt Einblicke in alle Arbeitsbereiche.

Das zweite Organigramm (siehe Anhang 4.2) soll grob einen Überblick über die Ausrichtung der Arbeit von Frauenhorizonte geben. Die Leitung, alle hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und das Rufbereitschaftsteam verfolgen das Ziel, eine Klientin, sobald sie bei Frauenhorizonte angekommen ist, soweit es geht von den Folgen, die eine Vergewaltigung für ein Opfer nach sich ziehen kann, abzuschirmen. Dies geschieht allerdings nur im Bereich der Möglichkeiten und, wenn es im Sinne der Klientin ist. Nach einer Vergewaltigung kann für eine Frau eine Vielzahl von strukturellen Problemen entstehen, die es, neben den psychischen Folgen, zu bewältigen gilt. Wenn sie die Tat anzeigt, muss sie (bestenfalls) einmal polizeilich, später eventuell auch gerichtlich vernommen werden. Bei einer Trennung vom tätlichen Ehemann kann eine plötzliche finanzielle Not die Folge sein, weshalb Geld bei Ämtern oder Stiftungen beantragt werden muss. Die Arbeit von Frauenhorizonte ist darauf ausgerichtet, der Klientin nur das direkt zuzumuten, was sie im Stande ist auszuhalten.

Insgesamt steht bei Frauenhorizonte die Klientin im Mittelpunkt. Die Erreichbarkeit einer Mitarbeiterin rund um die Uhr ist in Deutschland einzigartig und ebenso essentiell, was schon die Zahlen bezeugen. Nach der Bearbeitung der (noch unveröffentlichten) 2012er Statistik von Frauenhorizonte kann ich bezeugen, dass ca. 40% aller Erstkontakte bei der Rufbereitschaft eingingen. Auch die Unterteilung der Aufgabenbereiche des hauptamtlichen Mitarbeiterinnenteams erfüllt meinem Erachten nach einen wichtigen Zweck: Nur so können die Beraterinnen einer Klientin die volle Aufmerksamkeit widmen und sich in ihrem Arbeitsbereich spezialisieren. Zusätzlich zu diesen Unterteilungen gibt es unter den Prozessbegleiterinnen sogar noch weitere Schwerpunktsetzungen, wie z. B. die Themen „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ oder „Sexuelle Gewalt an Frauen mit Behinderungen“.

1.3 Meine Aufgaben als Praktikantin

Das Anfertigen von Protokollen in jeder Teamsitzung, den Rufbereitschaftstreffen, dem Hausplenum und bei Gerichtsverhandlungen gehört zu meinen festen Aufgaben. Wenn Klientinnen zur Beratung in unsere Einsatzstelle kommen, dann bereite ich den Beratungsraum vor, begrüße die Frauen und kann nach Absprache als Beobachterin am Gespräch teilnehmen. Oftmals stehen für betroffene Frauen schwierige Gänge zu Ämtern, z. B. der Arge oder dem Weißen Ring, an, bei denen ich sie unterstütze und begleite. Im Büro nehme ich täglich Telefonate an, vergebe Termine und führe somit auch Erstgespräche mit Klientinnen, nach denen ich über diese Akten anfertige, das Gespräch dokumentiere und alles in der Datenbank des PCs abspeichere. Frauen oder Männer mit Problemen, die außerhalb der Betroffenheit von sexueller Gewalt liegen, vermittle ich an die zuständigen Einrichtungen weiter. Außerdem werde ich während meiner Telefondienste von der Polizei, der Rufbereitschaft, der Uni-Frauenklinik, Rechtsanwältinnen und diversen Therapeutinnen kontaktiert. In der Öffentlichkeitsarbeit unterstütze ich das Team, indem ich das Verschicken unserer Flyer und Jahresberichte organisiere, diese persönlich bei Einrichtungen (z. B. dem Bildungszentrum) vorbeibringe und bei öffentlichen Auftritten (z. B. dem Arbeitsstellenmarkt der PH) unsere Einrichtung repräsentiere. Außerdem habe ich zu Anfang meines Praktikums das 21. Jubiläum unserer Institution mit vorbereitet und aktiv bei den Festlichkeiten mitgewirkt.

1.4 Reflexion des eigenen Lernprozesses

Durch mein Praktikum bei Frauenhorizonte konnte ich in vielerlei Hinsicht meine Kompetenzen erweitern und neue Erfahrungen sammeln. Da diese Einrichtung für mich der erste Einblick ins richtige Arbeitsleben war, hatte ich persönlich viel mit der Rolle, die mir als Praktikantin zukam, zu kämpfen. Die Unsicherheit im Umgang mit traumatisch belasteten Menschen im Zusammenhang mit den Anforderungen, die aus den verschiedenen Arbeitsbereichen von Frauenhorizonte auf mich einprasselten, lernte ich im Laufe meines Praktikums schließlich trotzdem zu kompensieren, zu hierarchisieren und zu ordnen.

Zu Anfang stand ich vor der Aufgabe, erstens, zu jeder Teamsitzung und anderen Treffen Protokolle anzufertigen und diese, zweitens, auch zu verstehen, da ich dafür sämtliche Netzwerkstrukturen und politische Einstellungen von Frauenhorizonte zu durchblicken hatte. Nachdem dies einige Wochen beansprucht hatte, entwarf ich dann aus Eigeninitiative heraus eine neue Vorlage für Protokolle, die von den anderen als klarer strukturiert, und deshalb positiv angenommen wurde.

Durch die Leiterin bekam ich erklärt, wie welche Anträge, z. B. an die Stadt, gestellt und somit Projektfinanzierungen durchgesetzt werden konnten. Dies blieb trotzdem der kleinste Bereich, in den ich einen Einblick erhielt, worüber ich jedoch im Nachhinein nicht enttäuscht bin, da ich durch die Prozessbegleiterinnen immer wieder beim Antragstellen nach dem Opferentschädigungsgesetz dabei sein konnte und somit auch einen Teil des rechtlichen Bereichs kennen lernte.

Wovon ich nicht überrascht war, ist, dass ein sehr großer Teil meiner Arbeit am Computer stattfand. Obwohl ich stets der Meinung war, recht gut mit Word und Co. umgehen zu können, musste ich feststellen, dass ich noch einiges an Wissen benötigte, um im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit eine Hilfe zu sein. So arbeitete ich mich größtenteils selbstständig in Access und Excel ein, was gegen Ende meines Praktikums darin gipfelte, dass ich Verteiler für z. B. Bußgeldmailing anlegte, Formeln berechnete und schließlich alleine für die Statistik 2012/2013 von Frauenhorizonte zuständig war. Ich lernte das Dokumentations- und Aktenvermerksprogramm „Horizont“ (Computerprogramm) kennen, seine praktische Handhabung, aber auch seine Lückenhaftigkeit. In telefonischen Gesprächen mit einem Experten konnte ich zusammen mit einer Mitarbeiterin diskutieren und überlegen, wo das Programm noch verbessert werden muss. An der Abschließung dieses Prozesses konnte ich leider nicht mehr teilhaben, weshalb ich auch erkennen musste, dass die Statistik einer Einrichtung eine knifflige, subjektive Angelegenheit ist und wohl nie eine 100%ig objektiv-korrekte Richtigkeit besitzen kann. Da ich mich schon immer für Technik interessiert habe, wurde mir dann die Aufgabe anvertraut zwei neue Laptops zu kaufen, sie komplett einzurichten und an den Server und das Netzwerk anzubinden. Dies schloss ich nach einiger Zeit erfolgreich ab und hatte somit meinen Teil zu Verbesserung der Arbeitsumgebung beitragen können.

Das gemeinsame Praktikantinnenprojekt aller Praktikantinnen im Haus bereitete mir anfangs Bauchschmerzen; Wir sollten das Haus sehbehindertengerecht umgestalten. Was vorerst nach einer „Mammutaufgabe“ aussah, da ich das Gefühl hatte extrem viel in dem Altbau verändern zu müssen, entpuppte sich schließlich nach einem Treffen mit einem Mitglied des Blinden- und Sehbehindertenvereins Freiburg als relativ unkompliziert. So besorgten wir farbliche Markierungen für Treppen und Türen, fertigten gut lesbare Schilder an und gestalteten die Bäder in Kontrastfarben. Durch dieses Projekt, sowie auch dem Arbeitskreis „barrierefrei“ und einem Workshop zur interkulturellen Öffnung erkannte ich, dass Frauenhorizonte in diesen Bereichen noch einiges ändern muss. Mir wurde klar, dass das Angebot vieler Beratungsstellen in Freiburg leider oft nicht auf Menschen mit Behinderungen ausgerichtet ist und auch manch eine Klientin mit anderem kulturellen Hintergrund nicht erreicht. Dabei sehe ich gerade in diesem sozialen Bereich dringend Handlungsbedarf.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Praktikumsbericht zu einer Beratungsstelle für Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg
Veranstaltung
Praktisches Studiensemester
Note
bestanden
Autor
Jahr
2013
Seiten
27
Katalognummer
V302037
ISBN (eBook)
9783668007871
ISBN (Buch)
9783668007888
Dateigröße
1929 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Vergewaltigung, Missbrauch, Polizei, Anlaufstelle, Beratung, Hilfe, sexuelle Gewalt, Sex, häusliche Gewalt
Arbeit zitieren
Katharina Reimitz (Autor), 2013, Praktikumsbericht zu einer Beratungsstelle für Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302037

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