Rückenschmerzen. Wie nehmen türkische Migrantinnen und deutsche Frauen Präventionsangebote war?


Hausarbeit, 2014
23 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Rückenschmerzen
2.2 Prävention
2.3 Migration

3 Präventionsangebote gegen Rückenschmerzen
3.1 Die gesundheitliche Krankenversicherung (GKV)
3.2 Angebote der Krankenversicherung AOK, IKK, HKK
3.3 Vorteile von Sport gegen Rückenschmerz

4 Bewegung und Gesundheit von Frauen in Deutschland
4.1 Inanspruchnahme-Verhalten türkischer Migrantinnen von Sport
4.2 Inanspruchnahme-Verhalten deutscher Frauen von Sport
4.3 Unterschiede
4.4 Gründe für ggf. weniger Inanspruchnahme an Präventionsangeboten

5 Diskussion

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Jedes Jahr leiden 60 bis 80 Prozent der Menschen in Deutschland an Rückenschmerzen (Robert Koch Institut (Im Folgenden RKI) 2012: 19). Laut der RKI sind Rückenschmerzen heute in Deutschland und in weiteren Ländern eine Einschränkung der Gesundheit (RKI 2012) und werden als Volkskrankheit bezeichnet (Gesundheitliche Krankenversicherung (im Folgenden GKV) Spitzenverband 2013). Prozentual betrachtet leiden 70 bis 80 Prozent der Menschen in Deutschland wenigstens einmal im Leben an Rückenschmerzen und 15 Prozent der Betroffenen haben einen chronischen Rückenschmerz. Geschlechtsspezifisch betrachtet, leidet jede fünfte Frau und jeder siebte Mann unter chronischen Rückenschmerzen (RKI 2006: 34). Frauen leiden also mit 21,6 Prozent häufiger an Rückenschmerzen als Männer mit 15,5 Prozent (TKK 2006 zit. nach Behrndt 2010: 5). Vergleicht man nun die deutschen Frauen mit einer Frauengruppe aus einer anderen Herkunft miteinander, lassen sich Unterschiede feststellen. In dieser Hausarbeit werden Frauen mit deutscher Herkunft und Frauen mit türkischer Herkunft genauer betrachtet. Rückenbeschwerden und Inanspruchnahme an Präventionsangebote werden von beiden Frauengruppen unterschiedlich berücksichtigt. Viele türkische Migrantinnen nutzen ihre Chancen nicht, um Krankheiten vorzubeugen indem sie an sportlichen Aktivitäten teilnehmen. Daraus ergibt sich nun die Leitfrage, die in der Hausarbeit diskutiert wird: „Was sind die Gründe für die geringe Inanspruchnahme von Präventionsangeboten gegen Rückenschmerzen türkischer Migrantinnen im Vergleich zu den deutschen Frauen in Deutschland?“ Diese Fragestellung erscheint besonders reizvoll, da durch die sportlichen Aktivitäten hier neben der präventiven Ansicht auch die Integration der türkischen Migrantinnen in die Gesellschaft einbezogen wird. Doch wo liegt hier der Bezug zu Public Health? „Public Health ist die Wissenschaft und die Praxis zur Verhinderung von Krankheiten, zur Verlängerung des Lebens und zur Förderung von physischer und psychischer Gesundheit unter Berücksichtigung einer gerechten Verteilung und einer effizienten Nutzung der vorhandenen Ressourcen“ (modifiziert nach Winslow 1920) (Deutsche Gesellschaft für Public Health (DGPH) 2014). Anhand dieses Zitates wird verdeutlicht, dass die Fragestellung Parallelen zu Public Health aufweist, da die Präventionsangebote gegen Rückenschmerzen zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Verminderung von Krankheiten beitragen. Im Folgenden werden zunächst die drei Begriffe Rückenschmerzen, Migration und Prävention definiert. Im weiteren Verlauf der Hausarbeit werden jeweils das Inanspruchnahme-Verhalten der türkischen Migrantinnen und der deutschen Frauen genauer untersucht. Danach werden die Unterschiede aufgelistet und schließlich wird auf die Gründe und Barrieren für das ggf. geringere Inanspruchnahme-Verhalten der türkischen Migrantinnen eingegangen. Abschließend wird darüber diskutiert und im Fazit die Fragestellung beantwortet.

2 Definition

Im diesem Kapitel geht es um die Definition der Begriffe Rückenschmerzen, Prävention und Migration.

2.1 Rückenschmerzen

„Rückenschmerzen sind eines der größten Gesundheitsprobleme Deutschlands. Die Lebenszeitprävalenz liegt in Deutschland bei rund 80-90%, die Punktprävalenz beläuft sich auf 30-40%. Alle 20% der Erwachsenen sind mit Rückenschmerzen belastet […]“ (Schmidt & Kohlmann 2008: 9).

Rückenschmerzen werden meist mit Kreuzschmerzen (low back pain) assoziiert. Sie werden jedoch auch als einschließender Begriff für Kreuz-Nacken-Schmerzen oder Brustwirbelsäulenschmerzen benutzt (Diemer & Burchert 2014: 13).

Aus der epidemiologischen Sicht zählen Rückenschmerzen neben Kopfschmerzen zu der am häufigsten vorkommenden Erkrankung (Wagner 2010: 6). Sie werden in der Medizin anhand der Dauer und der Ursachen klassifiziert. Rückenschmerzen erscheinen in einer bestimmten Zeitspanne. Wenn die Beschwerden am Rücken nach sechs bis maximal 12 schmerzfreien Wochen auftauchen und weniger als sechs Wochen andauern, dann wird von akuten, „plötzlich auftretenden“ Rückenschmerzen gesprochen (Philips GmbH 2012). Lumbago und Hexenschuss sind akute Rückenschmerzen (AOK-Bundesverband GbR 2009). Bestehen Schmerzen dagegen für mehr als 12 Wochen, wird von chronischen Rückenschmerzen gesprochen. Hinsichtlich der Beschwerdedauer werden also chronische und akute Rückenschmerzen unterschieden. Bei beiden Schmerzarten können aber die Gründe der Beschwerden identisch sein: Diese können beispielsweise Bewegungsmangel, Adipositas oder falsche Bewegung sein (Philips GmbH 2012).

Bezüglich der Ursachen der Schmerzen wird zwischen spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen unterschieden (Diemer & Burchert 2014: 13). Bei den unspezifischen Rückenschmerzen heißt es, dass keine feststellbare Ursache für den Schmerz vorhanden ist. Nichtspezifische Rückenschmerzen hören schon nach wenigen Wochen auf. Bei langanhaltenden Schmerzen kann von einer Chronifizierung gesprochen werden. Diemer und Burchert weisen darauf hin, dass im Vergleich zu den spezifischen Rückenschmerzen (15 Prozent), unspezifische Rückenschmerzen mit 85 Prozent, die am häufigsten auftretende Erkrankung sind (Diemer & Burchert 2014: 13).

Spezifische Rückenschmerzen haben im Gegensatz zu unspezifischen Rückenschmerzen eine ermittelbare Ursache, wie zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall, Tumore, entzündliche Krankheiten, Infektionen und oder eine unstabile Wirbelsäule. Dies wird mithilfe von Röntgenbildern der Wirbelsäule ersichtlich gemacht (GKV Spitzenverband 2013: 1).

Bei der Diagnostik steht wie bei den vielen anderen Behandlungen, die Anamnese, also Krankengeschichte am Anfang. Diese führt zur Feststellung der Schmerzart. Hierzu kann von den Patienten ein Fragebogen ausgefüllt werden. Eine nützliche Alternative ist das Flaggenmodell, das die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft anbietet. Dabei ist zwischen den gelben und den roten Flaggen zu unterscheiden (siehe Anhang). Das rote Modell kennzeichnet die vorherige Erkrankung und die damit verbundenen Anzeichen, sodass sich klare Hinweise auf die spezifischen Bedingungen ergeben, deren Kenntnis für die Behandlung erforderlich sind (Bundesärztekammer (BÄK) et al. 2011 zit. nach RKI 2012: 8). Das gelbe Flaggenmodell konzentriert sich hauptsächlich auf die seelischen Zustände und Risikofaktoren der Menschen, die durch das soziale Umfeld beeinflusst werden. Diese können zum Beispiel durch Arbeitsunzufriedenheit und Depressionen hervorgerufen werden, die den Übergang vom akuten zum chronischen Schmerz zur Folge haben können (RKI 2012: 8).

Rückenschmerzen werden mit verschiedenen Verfahren therapiert. Es gibt Heilmethoden ohne Medikamente und ohne Operationen. Patienten können sich selbst betreuen, indem sie an sportliche Aktivitäten und Rückenschulen teilnehmen. Hier geht es um die Bewegung und Sporttherapie. Auch warme Bäder und Massagen sind Alternativen, die helfen können. Eine andere Heilmethode ist, wie schon oben erwähnt, die Versorgung mit Arzneimitteln (GKV Spitzenverband 2013: 1). Bei der Behandlung ist auch eine Operation möglich, jedoch wird dies nur in strengsten Fällen angeraten. Dies ist der Fall, wenn ein handhabbares gezieltes Problem, also eine spezifische Ursache vorliegt (GKV Spitzenverband 2013: 1-2). Wenn ein spezifischer Rückenschmerz besteht, dann findet zunächst die körperliche Untersuchung, d. h. zum Beispiel Laboruntersuchungen zum Beispiel Blutbild und zum Urinstatus und meistens eine radiologische Analyse wie CT und MRT, statt (RKI 2012: 9). Bei den nichtspezifischen Rückenschmerzen wird die Behandlung mit Medikamenten oder auch ohne medikamentöse Verfahren vorgenommen. Dabei sollte der Patient sehr gut informiert und beraten werden. Die Rückenschule wird laut RKI nur bei solchen Patienten empfohlen, die unter einem chronischen nichtspezifischen Rückenschmerz leiden (RKI 2012: 18). Folgende Medikamente werden u. a. für die Rückenpatienten bereitgestellt: Analgetika, Opioid-Analgetika und Muskelrelaxanzien (RKI 2012: 18).

Zu den Risikofaktoren für Rückenschmerzen zählt schweres Tragen, Heben, Vibration und schlechte Körperhaltung am Arbeitsplatz. Daneben spielt auch der psychische Zustand, etwa die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz oder Depressionen, eine Rolle (Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft 2007 zit. nach RKI 2012: 11). Auch soziale Aspekte, wie das Einkommen und die Bildung eines Individuums, sind ein wesentlicher Punkt, der zu Rückenschmerzen führen kann (RKI 2012: 11). Die Folgen können hier eine viel geringere körperliche Aktivität an Werktagen, bei der Arbeit oder in der Freizeiten sein.

Bewegungsmangel ist der meist genannte Grund für die Entstehung von Rückenschmerzen. „Da die sitzende Tätigkeit bzw. die Tätigkeit am Computer im Laufe der Jahre weltweit angestiegen ist, nimmt auch die Rückenschmerzproblematik weiterhin zu. So hat die Anzahl der Bundesbürger, die 1998 unter Rückenbeschwerden litten gegenüber 2006 um 30% zugenommen. Die Chronifizierung des Schmerzes hat sich verdoppelt“ (BKK 2006 zit. nach Behrndt 2010: 6).

2.2 Prävention

Rosenbrock und Gerlinger definieren das Wort Prävention wie folgt: „Der Begriff „Prävention“ geht auf das lateinische Wort „praevenire“ (zuvorkommen) zurück. Prävention bezeichnet jene individuellen und gesellschaftlichen Strategien und Maßnahmen, die darauf zielen, einen schlechteren Gesundheitszustand zu vermeiden, während Heilbehandlung (Kuration) und Rehabilitation einen besseren Zustand zu erreichen suchen. Prävention setzt sich zeitlich vor Eintritt eines Risikos an, Therapie danach. […] Individuelles Leid soll so weit wie möglich vermieden werden, die Lebensqualität verbessert und das Leben selbst verlängert werden […]“ (Rosenbrock & Gerlinger 2014: 71).

Bei der Prävention wird hinsichtlich des Zeitpunktes im Verlauf der Krankheit zwischen Primär- Sekundär- und Tertiärprävention unterschieden. Bei der Primärprävention befindet sich der Mensch in der Situation, in der keine Krankheit vorliegt. Bevor von einer Krankheit gesprochen werden kann, fängt die Verhütung schon vor Krankheitsbeginn an. Dies findet statt, indem der Patient zum Beispiel geimpft wird (Kruse 2002; Walter & Schwartz 2003 zit. nach Hesseler 2006: 37). Die Sekundärprävention ist der Zeitpunkt, an dem der Mensch sich im Frühstadium einer Erkrankung befindet. Diese Phase erfordert Vorkehrungen, wie Früherkennungsmaßnahmen und Vorsorgeuntersuchungen. Diese haben es zum Ziel, die Erkrankung zu erkennen und somit eine Verschlimmerung zu verhindern. Durch die Therapiemaßnahmen ist eine Besserung der Gesundheit möglich (Kruse 2002; Walter & Schwartz 2003 zit. nach Hesseler 2006: 37). Bei der Tertiärprävention schließlich liegt eine bereits eingetretene Krankheit vor. Es werden Entscheidungen getroffen, die das Entstehen der Komplikationen verzögern, begrenzen oder verhindern bzw. eine Verschlechterung der Krankheit unterbinden sollen (Kruse 2002; Walter & Schwartz 2003 zit. nach Hesseler 2006: 37).

2.3 Migration

Das Wort Migration, in lateinischen „migrare“ bedeutet „den Ort wechseln“ sowie um- oder wegziehen (Rosen 2002: 30-31 zit. nach Düvell 2006: 5).

Kley weist darauf hin, dass die Migration den ständigen Umzug von Menschen darstellt. Hier kann von einer Form der Mobilität gesprochen werden. Migration bedeutet demnach Wanderung oder Bewegung der Menschen von einem Ort zum anderen (Mester 2000: 8 zit. nach Kley 2004: 17). Bei der Migration handelt es sich also um eine Art der Emigration (Aussiedlung) und Immigration (Zuzug). Die Menschen zogen um und arbeiteten als Gastarbeiter. Da es wenige Arbeitsplätze in deren Heimatsgebieten gab, und da Arbeitskräftemangel in anderen Ländern wie Österreich oder Deutschland (im Jahre 1960) herrschte, ist die Migration entstanden (Gärtner & Steininger 2008).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Rückenschmerzen. Wie nehmen türkische Migrantinnen und deutsche Frauen Präventionsangebote war?
Hochschule
Universität Bremen  (Human- und Gesundheitswissenschaften (Public Health))
Veranstaltung
Die Public- Health- Perspektive am Beispiel von Rückenschmerzen
Note
3,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V303535
ISBN (eBook)
9783668020498
ISBN (Buch)
9783668020504
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rückenschmerzen, migrantinnen, frauen, präventionsangebote
Arbeit zitieren
Saziye Demirel (Autor), 2014, Rückenschmerzen. Wie nehmen türkische Migrantinnen und deutsche Frauen Präventionsangebote war?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303535

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Rückenschmerzen. Wie nehmen türkische Migrantinnen und deutsche Frauen Präventionsangebote war?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden