Der Gott Israels und die Erfüllung der eschatologischen Heilshoffnung in Jesus, dem Christus


Seminararbeit, 2013
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Hintergrund des Römerbriefes2
2.1 Der Missionszug des Apostels Paulus
2.2 Historische Einordnung
2.3 Zusammensetzung der Gemeinde
2.4 Motivation und Ziele des Briefes

3 Inhalt, Gliederung und Kanon
3.1 Der Inhalt
3.2 Die Gliederung
3.3 Stellung im Kanon

4. Die Theologie des Römerbriefes
4.1 Das Angewiesensein auf Gottes rettende Gnade
4.1.1 Die Sündhaftigkeit aller Menschen
4.1.2 Das Scheitern des Gesetzes an der menschlichen Natur
4.2 Prophetische Gerichtsrede oder synagogale Gerichtspredigt?
4.3 Der Weg zum Heil des Menschen
4.3.1 Glaube oder Werke des Gesetzes?
4.3.2 Die Bedeutung der Gesetzeswerke
4.3.3 Deutungsmodelle der Gesetzeswerke
4.4 Der von gottverheißene Messias
4.5 Die Rettung (ganz?) Israels?
4.6 Heil für alle

5 Schlussbetrachtungen

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Der Brief des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde in Rom kann als "das theologische Vermächtnis des Völkerapostels"1 verstanden werden. Über dieses Vermächtnis ist von den Exegeten vieles geschrieben worden; die Literatur hierzu ist zahlreich. Es versteht sich, dass im Rahmen einer Seminararbeit nicht auf alle Aspekte eingegangen werden kann, die von den Exegeten hierzu bemerkt worden sind. Der Fokus dieser Arbeit soll vielmehr die Frage in den Mittelpunkt stellen, wie Gott, der Schöpfer der Welt und Vater aller Menschen, in und durch Jesus Christus allen Menschen, Juden und Nicht-Juden, das ewige Heil anbietet und schenkt. In diesem Zusammenhang werde ich zunächst die Rahmenbedingungen aufzeigen, die für das Verständnis des Briefes hilfreich und wichtig sind. Anschließend soll der Inhalt des Briefes, unter Berücksichtigung der Gliederung, in kurzer Form wiedergegeben werden. Sodann werde ich, übergehend zum (weitaus größeren) theologischen Teil dieser Arbeit, die Literatur auf den hier zu erörternden Sachverhalt hin befragen, um schließlich, die hieraus gewonnenen Erkenntnisse im Blick, einige abschließende Gedanken zu formulieren.

2 Der Hintergrund des Römerbriefes

2.1 Der Missionszug des Apostels Paulus

Nachdem der Apostel in den großen Städten Ephesus, Philippi, Thessaloniki und Korinth die ersten christlichen Gemeinden gegründet und sie in allem Notwendigen und Wissenswerten unterwiesen hatte, betrachtete er seine Aufgabe im Osten des Römischen Reiches als erfüllt. Auch die alten Konflikte zwischen Paulus und den Gemeinden von Philippi und Korinth, aus- gelöst durch judenchristliche Missionare, waren inzwischen beigelegt. Von nun an sollten die Gemeinden ihre eigene missionarische Dynamik entfalten und "in ihr Umland ausstrahlen"2 3.

Die weiteren Reisepläne ergeben sich aus dem Brief selbst (15,23-24): Zuerst möchte Paulus den bedürftigen Brüdern in Jerusalem eine Kollekte der Gemeinden Mazedonien und Achaia überbringen, um gleich danach weiter nach Rom zu reisen. Der Aufenthalt in der Hauptstadt des Römischen Reiches wird dabei als Zwischenstopp beschrieben, denn laut den Angaben des Apostels plant dieser, von Rom aus in das ferne Spanien weiterzureisen (und das bedeutet: "an die Grenzen der damals bekannten Welt"4 ), um auch dort das Evangelium zu verkünden.

2.2 Historische Einordnung

Die Gemeinde in Rom hatte sich wohl schon in den 40er Jahren gebildet und ist die einzige Gemeinde, mit der Paulus in Beziehung tritt, die er jedoch nicht selbst gegründet hat, weshalb im Römerbrief auch kaum gemeinde- und situationsspezifische Probleme zur Sprache kom- men. Verfasst wurde der Brief wohl im Winter der Jahre 55/565 oder 57/586 von Korinth aus.

Ursprünglich handelte es sich bei der Gemeinde in Rom um eine überwiegend judenchristli- che Gemeinde, die noch stark mit der Synagoge verbunden war. Infolge der "Einnistung des messianischen Jesus-Bekenntnisses in einer oder mehreren Synagogen Roms"7 kam es zu Spannungen und zu großen Unruhen zwischen Christus-Gläubigen und Juden, woraufhin die Juden unter Claudius im Jahre 49 durch ein kaiserliches Edikt aus der Stadt verbannt wurden.

Von dem Edikt waren auch die Judenchristen betroffen (unter ihnen auch Priska und Aquila, denen Paulus in Korinth begegnete), sodass die Gemeinde fortan durch die verbleibenden Heidenchristen fortbestand, bis das Edikt mit dem Tod des Claudius im Jahre 54 schließlich seine Gültigkeit verlor. Nun kehrten viele Judenchristen in die (inzwischen stark veränderte) römische Gemeinde zurück, wodurch das judenchristliche Element wieder erstarken konnte.

2.3 Zusammensetzung der Gemeinde

Wie eben erwähnt, kam es nach dem Tod des Claudius und durch die Aufhebung des Ediktes unter Nero wieder zu einem Zuzug von Juden-Christen in die römische Gemeinde. Wie rasch dies geschah, ist aber schwer zu sagen. Betrachtet man nur die angesprochenen Personen im Brief, so könnte man der Annahme unterliegen, die Gemeinde habe einzig aus Heidenchristen bestanden, worauf Hans-Martin Lübking hinweist.8 Doch weiter führt Lübking aus: "Aus der durchgehend heidenchristlichen Anrede der Briefleser folgt noch nicht zwingend, dass die Gemeinde ausnahmslos aus Heidenchristen bestand."9 Abschnitt 11,11-32, der sich "gegen eine heidenchristliche Position [wendet], die mit der jüdischen Glaubensverweigerung das Ende der Erwählung Israels gekommen sieht"10, zeigt aber, dass es möglicherweise Spannun- gen zwischen Juden- und Heidenchristen gegeben hat. Vermutlich geht es hier aber um eine allgemeine Position von Heidenchristen, "Ein 'konkreter' Anlaß ... läßt sich kaum ermitteln"11.

Deutlichere Hinweise auf einen möglichen Konflikt in der Gemeinde liefert das 14. Kapitel. So schreibt Paulus: "Nehmt den an, der im Glauben schwach ist, ohne mit ihm über verschie- dene Auffassungen zu streiten" (14,1). Zur Identifizierung dieser beiden Gruppen weist Lüb- king auf den grundsätzlichen Vegetarismus im Zusammenspiel mit der Beachtung bestimmter Tageszeiten ("Tagesheiligung") hin, wie sie aus dem Bereich des hellenistischen Judentums bekannt sind, in heidnischen Kreisen hingegen nicht.12 So wird als Hintergrund des Konflikts vielfach die Existenz judenchristlicher Missionare angenommen. In diesem Sinne schreibt etwa Franz Joseph Schierse: "Nicht nur die Judenchristen, sondern auch viele ehemalige Hei- den, die aus dem Kreis der Proselyten und 'Gottesfürchtigen' stammten, hatten sich von der judaistischen Propaganda beeinflussen lassen."13 Insgesamt kann wohl ein innergemeindlicher Konflikt zwischen den streng das Gesetz beobachtenden Judenchristen ("Schwache") und den nach der Freiheit des Evangeliums lebenden Heidenchristen ("Starke") angenommen werden.

Infolge der Ausbildung und der sukzessiven Verbreitung des Bekenntnisses zu Jesus als dem Christus kam es schließlich zur Ablösung von der Synagoge und zur Entstehung der Kirche. Michael Theobald schreibt hierzu, dass infolge des Claudius-Edikts und des Anwachsens und Fortbestehens der Gemeinde ausschließlich durch heidenchristliche Mitglieder es zu einer Trennung von der Synagoge gekommen sei.14 "Für die frühe Kirchengeschichte ist das ein seltener Fall, daß man so genau das Heraustreten einer christlichen Ortskirche aus dem Schoß der jüdischen Mutterreligion beobachten kann."15 Andere Stimmen sagen in Anlehnung an Joh 9,22, die Ablösung von der Synagoge sei nicht von Seiten der Christen erfolgt; vielmehr sei es auf Grund der Unterschiede und des Konkurrenzgefühls auf Seiten der Juden zu einer Ausstoßung der Christusgläubigen aus der Synagoge und in Konsequenz damit auch zu einer Ausstoßung aus dem Judentum gekommen. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte.

2.4 Motivation und Ziele des Briefes

Paulus hat die Gemeinde in Rom nicht persönlich gegründet, und er darf auch nicht "auf fremdem Fundament weiterbauen" (15,20). Einen ersten Grund für das Schreiben des Paulus ("Verkündigung auf fremdem Grund"16 ) sieht Michael Theobald darin, "schon im Vorfeld seines Besuchs in Rom auf dem Boden des Evangeliums eine persönliche Beziehung zu den Christen Roms zu stiften (1,8ff.)"17. Dabei dürfte auch Paulus bereits im Vorfeld seiner Reise

zu Ohren gekommen sein, dass sich in der Gemeinde wohl einige Vorurteile gegen sein bzw. Missverständnisse bzgl. seines gesetzfreien Evangeliums aufgetan hatten: seine Verkündigung spiele die Sünde herunter und verführe die Menschen zu einem gesetzlosen Leben (vgl. 3,8.31). So nimmt Paulus den Brief zum Anlass, hier einigen Missverständnissen entgegen- zuwirken.18 Dabei greift der Apostel immer wieder auf Stellen der Heiligen Schrift zurück: da die Christen in der römischen Gemeinde (auch die Heidenchristen) durchweg im Judentum verwurzelt gewesen seien, so Franz Joseph Schierse, konnte Paulus "mit größtem Interesse rechnen, wenn er die Beziehungen zwischen Gesetz und Evangelium, Glaube und Werk, Christus und Israel im Licht des alttestamentlichen Gotteswortes darstellte"19.

Eingerahmt wird die geplante Reise nach Rom von den beiden Reisen zuerst nach Jerusalem und letztlich in das ferne Spanien. Mit Blick auf letztere erhofft sich Paulus die Unterstützung der Römischen Gemeinde (15,24).20 Was aber die Reise nach Jerusalem betrifft, so lassen sich noch weitaus tiefere Gründe für den Römerbrief ausmachen: Paulus will die Judenchristen der Jerusalemer Urgemeinde für die Öffnung der frühen "Kirche" auch für Nichtjuden gewinnen. "Während Paulus den Brief an die Christen in Rom schreibt, ist sein Blick eigentlich nach Jerusalem gerichtet, wohin ihn seine nächste Reise führen wird. Wie wird er dort die Ausei- nandersetzung um sein gesetzfreies Evangelium bestehen? So wird der Brief nach Rom unter der Hand zu einem 'Brief nach Jerusalem' (Jervell) und darum zum 'Dialog mit den Juden'."21

Allerdings ist dies nicht so zu verstehen, als wäre Paulus in seiner Sendung von dem Gutheißen der Jerusalemer Gemeinde abhängig gewesen. Vielmehr war es ein wichtiges Anliegen des Apostels, in Einmütigkeit mit der Urgemeinde und so in Einheit mit der Kirche zu handeln22.

Als Jude will Paulus wohl die völlige Abspaltung vom Judentum und damit vom Gott Israels, wie Markion dies später tun wird, verhindern und die Kontinuität mit den Vätern wahren. Vor diesem Horizont eröffnet Paulus einerseits den Heidenchristen in Rom, sodann aber auch mit Blick auf seine Jerusalemreise den Juden (-Christen) anhand der Schrift die Erfüllung der an die Väter ergangenen Messiasverheißungen wie auch der Segensverheißung an Abraham, der zum "Vater vieler Völker" (4,17f.) werden sollte (vgl. Gen 18,18). Die paulinische Interpreta- tion dieser Bibelstelle als Erbe der Welt wurde jüngst von Klaus Haacker kritisiert.23

3 Inhalt, Gliederung und Kanon

3.1 Der Inhalt

Das zentrale Thema des Römerbriefes ist die Rechtfertigung des sündigen Menschen durch den Glauben an Jesus Christus, den verheißenen Messias. Dieses Evangelium zeigt sich im Brief konkret als "Offenbarung der 'Gerechtigkeit Gottes'"24 ; "es geht um Gottes Gerechtig- keit in Jesus Christus"25. So formuliert Eduard Lohse: "Das Thema der Gerechtigkeit Gottes (1,16f.) bestimmt die Gedankenführung des ganzen Briefes"26, und für Franz Mussner ist der Gedanke des Heils für alle Menschen geradezu "das Grundthema des Römerbriefes"27.

Zunächst stellt Paulus sich der Gemeinde, die ihn noch nicht kennt, ausführlich vor (1,2-7). Dabei bezeichnet er sich zum einen als δουλος, zum anderen aber auch als αποστολος. Beides zeigt deutlich sein Selbstverständnis und legitimiert seine Sendung. Sodann beginnt Paulus mit seiner Gedankenführung. Dabei zeigt er zunächst die Folgen der menschlichen Selbstver- götzung auf (1,18-32). Im Anschluss an die Skizzierung Gottes als unparteiischen Richter (2,1-29), Gottes Souveränität und der Schuld aller (3,1-20) legt Paulus den Lesern des Briefes sein Verständnis von der Gerechtigkeit durch Glauben (3,21-31) dar. Dieses wird dann im Folgenden näher ausgeführt. Konkrete Themen sind hier das Wesen des Glaubens (4,1-25) und der Friede mit Gott (5,1-11). Danach macht Paulus einen Sprung und präsentiert Christus als den Gegentypus zu Adam, dem ersten Menschen: durch Christus führt Gott eine neue Schöpfung herauf (5,12-21). Nun werden das Wesen der Sünde (6,1-23) und das Wesen des Gesetzes (7,1-25) näher betrachtet, um beidem sodann das Leben im Geist gegenüberzustellen (8,1-17). Im Folgenden kommt Paulus dann auf den Heilsplan Gottes und dessen souveränes Handeln (9,1-29) zu sprechen. Israels Eifer (9,30-10,21), sein Scheitern und seine Rettung (11,1-36) ist ein weiteres großes Thema des Briefes, das quasi als Kehrseite von Gottes Heils- handeln an den Heiden zu lesen ist. Daraufhin folgen noch allgemeine Belehrungen über die Lebensführung und die Moral der Christen: der rechte Gottesdienst (12,1-21), Gehorsam dem Staat gegenüber (13,1-7), die Liebe untereinander (13,8-14), Rücksicht auf die Schwachen (14,1-15,13). Seinen Schluss findet der Brief mit einigen Ausführungen über den Auftrag, die Vollmacht und die Pläne des Apostels (15,14-33) sowie einer Grußliste an einige Bekannte des Paulus und an hilfreiche Menschen (16,1-23).28

3.2 Die Gliederung

Über die grobe Einteilung des Römerbriefes sind sich die Exegeten weitgehend einig. Es gibt jedoch im Einzelnen vielfach Abweichungen hinsichtlich formaler und inhaltlicher Kriterien, sodass sich auch Abweichungen hinsichtlich der Gliederung ergeben, seien diese bisweilen auch nur minimal.29 Schließlich kann auch das zu behandelnde Thema die Gliederung beein- flussen, sodass derselbe Exeget einmal diese, ein anderes Mal jene Gliederung vornimmt.30

Der Inhalt des Römerbriefes wird von der Einheitsübersetzung in sechzehn Kapitel unterteilt. Dabei wird vielfach davon ausgegangen, das letzte Kapitel, das fast ausschließlich aus Grüßen besteht, habe dem ursprünglichen Brief nicht angehört; vielmehr handele es sich bei der Gruß- liste um einen eigenständigen Brief, der an die Gemeinde von Ephesus gerichtet gewesen sei. Der Einwand, Kapitel 16 des Briefes werde als eigenständiger Brief nicht verständlich, da es kaum vorstellbar sei, dass ein Brief fast ausschließlich aus Grüßen bestehen könne, ist nicht haltbar, da es in der Antike Belege für eben solche Briefe gibt. Dieses Kapitel könnte dem Römerbrief also durchaus erst später hinzugefügt worden sein. Dennoch bleibt auch diese These im Ungewissen, denn es wäre durchaus denkbar, dass Paulus, der die römische Ge- meinde noch nicht hatte besuchen können, durch die Erwähnung von Gemeindemitgliedern seine Verbundenheit mit der Gemeinde zum Ausdruck bringen wollte. Die Frage, ob Kapitel 16 zum ursprünglichen Brief gehört hat oder eine sekundäre Beifügung ist, bleibt also offen.31

3.3 Stellung im Kanon

Der Römerbrief nimmt eine eigentümliche Platzierung im Neuen Testament ein: Obgleich der Brief an die Gemeinde von Rom der letzte Brief des Apostels Paulus ist, so steht er doch in der Abfolge der Briefe an erster Stelle. Diese Stellung ist also nicht historisch begründet; vielmehr ist der Grund hierfür in der weitreichenden und systematisch entfalteten Theologie zu finden, was sich u.a. auch in seiner Länge widerspiegelt – der Römerbrief ist der längste aller Briefe im Neuen Testament. Ausführlich und in grundsätzlicher Weise zeigt Paulus die Konsequenzen auf, die das von ihm verkündete Evangelium mit sich bringt: "es gibt keine andere von Gott gegebene Heilslehre, das traditionelle Judentum bietet seit der Verwerfung Jesu Christi keinen von Gott anerkannten Weg mehr. Der Römerbrief hat daher mit Recht im Kanon des christlichen NT den Platz des ersten Briefes."32

4. Die Theologie des Römerbriefes

Im Folgenden soll nun ein Grundgedanke aufgezeigt werden, den der Römerbrief klar zum Ausdruck bringt: der Weg zum Heil für alle Menschen, von Juden und Nichtjuden. Hierzu werde ich die entscheidenden Stellen des Briefes in ihren Grundzügen in den Blick nehmen, die für das Gesagte wesentlich sind. Dabei werde ich jedoch nicht chronologisch verfahren; wer den Brief Vers für Vers durchgehen möchte, der sei an dieser Stelle auf die einschlägigen Kommentare verwiesen, die in ihrer Mehrzahl den Brief von A bis Z versweise behandeln. Hier soll es uns aber um einen Aspekt gehen, der, wie mir scheint, für das Miteinander zweier Geschwister im Glauben wesentlich ist: das Miteinander von Juden und Christen.

4.1 Das Angewiesensein auf Gottes rettende Gnade

Die Neigung zum Bösen (theologisch gesprochen: zur Sünde) ist jedem Menschen zu eigen. So zeigt auch Paulus im Römerbrief diesen anthropologischen Grundzug auf: die Schuld und Verlorenheit aller Menschen und das Scheitern des Gesetzes an der menschlichen Natur.

4.1.1 Die Sündhaftigkeit aller Menschen

Prinzipiell sind alle Menschen der Sünde verfallen. Nicht, dass es im Prinzip unmöglich wäre, das Heil durch die Befolgung des Gesetzes zu erwirken; die Realitäten sehen aber anders aus: "Du rühmst dich des Gesetzes, entehrst aber Gott durch Übertreten des Gesetzes" (2,23; vgl. 2,17-23). Auch die Heiden, die das Gesetz nicht haben, sind der Sünde verfallen: "Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt" (21a; vgl. 1,21-31).

4.1.2 Das Scheitern des Gesetzes an der menschlichen Natur

Der Besitz der Tora bzw. des Gesetzes allein bringt den Menschen (d.h. den Juden) also nicht weiter (vgl. 2,13), denn so, wie auch die Juden zumindest prinzipiell das Heil durch das Tun der Tora erlangen können, so ist es auch den Heiden prinzipiell möglich, durch das Tun des Gesetzes gerecht zu werden, das ihnen ins Herz geschrieben ist (vgl. 2,14-15b).33 "So kann Paulus [...] bis zur Annahme eines Rollentausches gehen: Den Juden, der das Gesetz übertritt, wird Gott als Heiden anschauen, und den Heiden, der das Gesetz erfüllt, als Juden (V.25f.)!"34

[...]


1 Dohmen 2005, 173; vgl. ferner: Klaiber u.a., 8.

2 Vgl. hierzu: Lohse, Eduard 62001, 45-49; Dohmen 2005, 173f.; Schierse 1991, 71-76; Theobald 1998, 11-22.

3 Theobald 1998, 11.

4 Theobald 1998, 12.

5 Vgl. Theobald 1998, 11.

6 Vgl. Schierse 1991, 71.

7 Theobald 1998, 17.

8 Vgl. Lübking 1986, 106.

9 Ebd.

10 Lübking 1986, 117.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Lübking 1986, 107; vgl. ferner: Theobald 1998, 19.

13 Schierse 1991, 72.

14 Vgl. Theobald 1998, 18.

15 Ebd.

16 Klaiber u.a., 8.

17 Theobald 1998, 21.

18 Vgl. Schierse 1991, 72.

19 Ebd.

20 Vgl. Theobald 1998, 21.

21 Klaiber u.a., 8.

22 Vgl. Theobald 1998, 16.

24 Theobald 2000, 186.

25 Theobald 2000, 187.

26 Lohse 62001, 46.

27 Mussner 1991, 37; vgl. 37f.

29 Vgl. hierzu etwa: ; Klaiber u.a., 5f., 8ff.; Schierse 1991, 73-76; Theobald 1998, 6f.

30 Vgl. Lohse 62001, 46; Lohse 2003, 9ff. (Bei dem zuletzt genannten Text ist etwa die Dimension des Evangeliums für die Gliederung bestimmend, wie die einzelnen Überschriften klar zeigen).

31 Vgl. Lohse 62001, 49.

32 http://www.die-buecherstube.de/sbs/download/nt/pdf/NT06%20-%20Roemer.pdf, 28. Mai 2013, 20.36 Uhr

33 Vgl. hierzu auch: Theobald 1998, 80.

34 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Gott Israels und die Erfüllung der eschatologischen Heilshoffnung in Jesus, dem Christus
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main
Veranstaltung
Lehrveranstaltung zur Exegese des Neuen Testaments
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V303626
ISBN (eBook)
9783668037656
ISBN (Buch)
9783668037663
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römerbrief, Paulus, Rechtfertigungslehre, Gesetzeswerke, Tora, Evangelium, Heil für alle, Jesus
Arbeit zitieren
Thomas Schmitt (Autor), 2013, Der Gott Israels und die Erfüllung der eschatologischen Heilshoffnung in Jesus, dem Christus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303626

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