Gestaltungsspielräume im Rahmen der Goodwill Bilanzierung nach HGB und IFRS

Darstellung und kritische Analyse der Bedeutung für bilanzanalytische Kennzahlen


Bachelorarbeit, 2013

72 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Bedeutung des Goodwill für DAX 30 Unternehmen

2 Grundlegende Erläuterungen
2.1 Begriff des Geschäfts- oder Firmenwertes
2.2 Ökonomische Komponenten des Unterschiedsbetrags

3 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwertes nach deutschen Rechnungslegungsvorschriften
3.1 Grundlagen des Handelsgesetzbuches
3.2 Ansatz- und Erstbilanzierung des GoF
3.2.1 Erstbilanzierung des derivativen GoF
3.2.2 Aktivierungsverbot des originären und negativen GoF
3.3 Folgebilanzierung des derivativen GoF
3.4 Exkurs: Steuerrechtliche Behandlung des GoF

4 Bilanzierung des Goodwill nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRS
4.1 Grundlagen und Zielsetzung der IFRS
4.2 Unternehmenszusammenschlüsse
4.3 Ansatz- und Erstbilanzierung des Goodwill
4.3.1 Aktivierungsverbot des originären Goodwill
4.3.2 Erstbilanzierung des derivativen Goodwill
4.3.3 Kaufpreisallokation
4.4 Folgebilanzierung des Goodwill
4.4.1 Verteilung des Goodwill auf Cash Generating Units
4.4.2 Impairmenttest des Goodwill

5 Interdependenz von Bilanzpolitik und Bilanzanalyse im Zusammenhang mit der GoF-Bilanzierung
5.1 Begriffserklärung
5.2 Spannungsverhältnis von Bilanzpolitik und Bilanzanalyse
5.3 Darstellung ausgewählter Bilanzkennzahlen

6 Analyse der Bilanzierungspraxis des Goodwill am Beispiel ausgewählter Unternehmen
6.1 Abgrenzung zum existenten Forschungsstand und Datenbasis
6.2 Ergebnisse der Goodwill Bilanzierung durch IFRS
6.2.1 Absoluter Betrag des Goodwill
6.2.2 Abschreibungsquote des Goodwill
6.2.3 Abschreibung – Jahresergebnis – Verhältnis des Goodwill
6.2.4 Goodwill – Eigenkapital – Verhältnis
6.2.5 Marktkapitalisierung – Eigenkapital – Verhältnis
6.2.6 Diskontierungsfaktor der ZGE
6.3 Ergebnisse der Firmenwertbilanzierung durch HGB
6.3.1 Absoluter Betrag des Geschäfts- oder Firmenwertes
6.3.2 Abschreibungsquote des GoF
6.3.3 Abschreibung – Jahresergebnis – Verhältnis des GoF
6.4 Gesamtrechtsvergleich und abschließende Betrachtung der gewonnenen Ergebnisse

7 Kritische Würdigung und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Komponenten eines positiven Unterschiedsbetrags

Abb. 2: Entgeltlich erworbener GoF nach BilMoG

Abb. 3: Elemente eines Nutzungswerts

Abb. 4: Impairmenttest gem. IAS 36.90

Tab. 1: Wesentliche Unterschiede HGB und IFRS

Tab. 2: Schritte der Folgebewertung des Goowill

Tab. 3: Bilanzierte GoF im Untersuchungszeitraum (IFRS)

Tab. 4: Außerplanmäßige Abschreibung der Jahre 2009 und 2012 (IFRS)

Tab. 5: Verhältnis Goodwill-Abschreibung zum Konzernergebnis (IFRS)

Tab. 6: Marktwert-Buchwert-Verhältnis (IFRS)

Tab. 7: Bilanzierte GoF im Untersuchungszeitraum (HGB)

Tab. 8: Verhältniszahlen des GoF (HGB)

Tab. 9: Planmäßige Abschreibung der Jahre 2010 und 2011 (HGB)

Tab. 10: Verhältnis Firmenwertabschreibung zum Konzernergebnis (HGB)

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Wirtschaftswachstum in Deutschland 2007 bis 2012

Anhang 2: Anzahl und Volumen der Unternehmens- übernahmen mit deutscher Beteiligung 2001 bis 2012

Anhang 3: Übersicht der analysierten Informationen

Anhang 4: Verhältnis des Goodwill zu immateriellen Vermögenswerten und Eigenkapital der DAX 30 Unternehmen

Anhang 5: Ergebnisse Bilanzanalyse adidas AG

Anhang 6: Ergebnisse Bilanzanalyse Deutsche Telekom AG

Anhang 7: Ergebnisse Bilanzanalyse E.ON AG

Anhang 8: Ergebnisse Bilanzanalyse SAP AG

Anhang 9: Ergebnisse Bilanzanalyse Volkswagen AG

Anhang 10: Ergebnisse Bilanzanalyse XY AG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Bedeutung des Goodwill für DAX 30 Unternehmen

„Price is what you pay. Value is what you get.“[1] Durch die fortschreitende Globalisierung gewinnen Mergers & Acquisitions für international agierende Konzerne immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 2012 sind die Unternehmensübernahmen mit deutscher Beteiligung im Vergleich zum Vorjahr um 1% auf ein Höchstmaß von 1.340 Transaktionen gestiegen. Deutlicher zugenommen hat dagegen das Transaktionsvolumen, welches um 32% auf 140 Milliarden Euro gestiegen ist.[2] Einen der größten Unternehmenskäufe wagt VW mit der Übernahme von Porsche in Höhe von 5.710 Millionen Euro, dicht gefolgt von SAP mit der Übernahme von ARIBA im Wert von 3.385 Millionen Euro.[3] Es zeigt sich, dass Unternehmen wieder bereit sind bei Unternehmenszusammenschlüssen höhere Zahlungen in Kauf zu nehmen, welche vor allem die Erwartungshaltung an bestimmte Synergieeffekte bzw. Werte widerspiegeln.[4] Ziel ist es, an das spezifische Knowhow der Konkurrenz über neue Märkte sowie Produkte zu gelangen, um so neue Handlungsalternativen zu gewinnen. Hinsichtlich der zunehmenden Bedeutung des Dienstleistungssektors in Deutschland[5] nehmen immaterielle Vermögenswerte einen großen Anteil in den Bilanzen großer Unternehmen ein. Da eine repräsentative Verteilung des Kaufpreises auf diese Vermögenswerte erschwert wird, entstehen oftmals beträchtliche Goodwillbeträge auf der Aktivseite, welche nicht selten das bilanzielle Eigenkapital erreichen oder sogar überschreiten.

Bei der im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Analyse stellte sich heraus, dass der Geschäfts- oder Firmenwert im Geschäftsjahr 2012 bei DAX 30 Konzernen im Mittel 16% der Bilanzsumme und sogar 40% des Eigenkapitals erreichte, wobei außerplanmäßige Abschreibungen im Untersuchungszeitraum in nur geringen Beträgen vorgenommen wurden. Durch die Verpflichtung der Konzernabschlusserstellung nach internationalen Rechnungslegungsstandards, werden den Unternehmen weitreichende Ermessensspielräume eröffnet, um deren Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erheblich zu beeinflussen. Vor allem die Abschaffung der planmäßigen Abschreibung und die damit verbundene Einführung einer außerplanmäßigen Abschreibung, bei festgestellter Wertminderung, treffen derzeit auf erhebliche Kritik in der Fachöffentlichkeit.[6] Während die implizierte Nutzungsdauer des Geschäfts- oder Firmenwertes bei der Bilanzierung gem. IFRS von 6 bis 142 Jahren im Geschäftsjahr 2012 reichte,[7] wäre diese Konstellation bei der Bilanzierung gem. HGB kaum denkbar.[8] Das internationale Regelwerk stellt aufgrund der zukunftsorientierten Werthaltigkeitsprüfung, durch Abzinsung des zukünftigen Cashflows in Zeiten einer Rezession, ein erhöhtes Gefahrenpotenzial dar. Sollte zudem eine hohe Goodwill-Eigenkapital-Quote vorherrschen, steigen neben den Verlusten auch das Risiko der Überschuldung. Aufgrund der praktischen Relevanz und der fortschreitenden Rezession in Deutschland, erscheint es wichtig, bilanzanalytische Auswirkungen der Goodwillbilanzierung im Rahmen der nationalen sowie internationalen Standards aufzuzeigen.

Die vorliegende Arbeit stellt die bilanzielle Behandlung des Geschäfts- oder Firmenwertes nach den Normen des Handelsgesetzbuches sowie der International Financial Reporting Standards mit Rechtsstand zum 31.12.2012 ausführlich dar. Auf steuerrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten wird hierbei nur in geringem Umfang im Rahmen eines Exkurses eingegangen. Aufgrund der Wesentlichkeit wird ein sukzessiver Unternehmenserwerb, wie er in der Praxis des Öfteren auftaucht, nicht in die Arbeit einbezogen. Des Weiteren wird unterstellt, dass die Anteile des erworbenen Unternehmens komplett durch den Erwerber (Mutterunternehmen) abgelöst werden und somit keine weiteren, nicht-kontrollierenden Gesellschafter beteiligt sind. Durch diese Konstellation kommt lediglich die Erwerbsmethode zur Anwendung, weshalb die Full-Goodwill-Methode nicht näher betrachtet wird.

Das Ziel besteht darin, die Auswirkungen der beiden Rechtssysteme auf die Bilanzierungspraxis des Goodwill in Zusammenhang mit bilanzanalytischen Kennzahlen zu untersuchen und anhand großer deutscher Konzernunternehmen nach Abklingen der Finanz- und Wirtschaftskrise darzustellen. Besonderes Augenmerk wird demnach auf die Kennzahlenproblematik in Bezug auf die Nutzungsdauer des Geschäfts- oder Firmenwertes, in Einklang mit der Bilanzpolitik gelegt. Der Schwerpunkt liegt dementsprechend auf der Analyse der Folgebewertung beider Systeme, wofür es jedoch unweigerlich einer Darlegung der konkurrierenden Zielsetzungen und der Zugangsbewertung des GoF bedarf.

Zunächst werden grundlegende Begriffe erläutert, welche für das weitere Verständnis von Bedeutung sind. Gegenstand des Kapitels 2 sind beispielsweise diverse Kaufpreiskomponenten, die ihren Niederschlag regelmäßig im bilanzierten GoF finden, wie auch das Zustandekommen des Bilanzpostens „Geschäfts- oder Firmenwert“

Das Kapital 3 behandelt die Zielsetzungen und die Bilanzierungsvorschriften der deutschen Rechnungslegung anhand des HGB. Ausschlaggebend sind hier die Ansatz- bzw. Erstbilanzierung des derivativen GoF, insbesondere die Folgebilanzierung aufgrund der unwiederbringlichen Fiktion als immaterieller Vermögensgegenstand mit begrenzter Nutzungsdauer. Das nächste Kapitel stellt in gleicher Weise die Theorie der Bilanzierung des GoF nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften des IASB dar. Aufgrund der Komplexität und der weitreichenden Relevanz der internationalen Regelungen wird hierauf mit besonderer Sorgfalt eingegangen. Hauptkriterium ist hier ebenfalls die Folgebilanzierung, welche durch den Impairment-Only-Approach zu einer Abschaffung der planmäßigen Abschreibung führte.

Nach einer Darstellung der Zusammenhänge sowie Spannungsverhältnisse zwischen Bilanzpolitik und Bilanzanalyse in Kapitel 5, folgt im sechsten Kapitel eine empirische Untersuchung der Geschäftsberichte der Jahre 2009 bis 2012 ausgewählter DAX 30 Unternehmen. Selektierte Bilanzkennzahlen sollen die Bilanzierungspraxis des Goodwill nach IFRS darlegen. Des Weiteren erfolgt eine Bestandsaufnahme der Goodwill Bilanzierung nach HGB anhand von Konzernbilanzen der Unternehmen, welche am 07.12.2012 im Entry Standard der Deutschen Börse gelistet waren. Im Anschluss an einen Gesamtrechtsvergleich werden die Ergebnisse gegenübergestellt und kritisch gewürdigt.

Die vorliegende Arbeit schließt mit einer Reflexion der theoretischen Bilanzierungsvorschriften und fasst die gewonnen Ergebnisse aus der Studie zusammen. Abschließend werden die gebotenen Gestaltungsspielräume kritisch auf deren Entscheidungsnützlichkeit für Abschlussadressaten der beiden Rechnungslegungssysteme hinterfragt und Zukunftsaussichten prognostiziert.

2 Grundlegende Erläuterungen

2.1 Begriff des Geschäfts- oder Firmenwertes

Die beiden Begriffe „ Geschäfts- oder Firmenwert“ und „ Goodwill“ werden meist für ein und denselben Sachverhalt gebraucht, wobei die nationale Rechnungslegung von „Geschäfts- oder Firmenwert“ (GoF) spricht und die internationale Rechnungslegung von „Goodwill“. Der positive Unterschiedsbetrag zwischen Ertragswert (Summe der diskontierten zukünftig zu erwartenden Ertragsüberschüsse, die dem Unternehmen entzogen werden können) und Substanzwert (Summe der zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Vermögenswerte abzüglich der Schulden) eines Unternehmens wird als GoF bezeichnet. Dieser Mehrwert ist unter anderem Ausdruck einer günstigen Marktposition, eines selbst geschaffenen Knowhows oder Marken, Kundenlisten sowie anderer immaterieller Werte des Unternehmens.[9]

Zu unterscheiden sind im Allgemeinen zwei Arten:

- Originärer, selbstgeschaffener GoF: Aktivierungsverbot gem. § 248 Abs.2 S.2 HGB, gem. IFRS (IAS 38.48). Er wird durch die Geschäftstätigkeit des Unternehmens selbst geschaffen und beinhaltet bspw. einen jahrelangen Markenwert oder einen soliden Kundenstamm.

- Derivativer, entgeltlich erworbener GoF: Aktivierungsgebot als „immaterieller“ Vermögensgegenstand gem. § 246 Abs.1 S.4 HGB, gem. IFRS 3. Er bleibt als Residualgröße zwischen Kaufpreis des Unternehmens und den Zeitwerten des Nettovermögens zurück.

2.2 Ökonomische Komponenten des Unterschiedsbetrags

Da sich der Kaufpreis regelmäßig an bestimmte Erwartungshaltungen der Investoren richtet, entsteht bei einem Unternehmenserwerb meist ein positiver Unterschiedsbetrag. Dieser kann sich aus zukünftig erzielbaren Erträgen ableiten, welche sich das Unternehmen durch den Zusammenschluss zu generieren erhofft.[10] Bestandteile des Kaufpreises sind in folgender Abbildung 1 dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Komponenten eines positiven Unterschiedsbetrags[11]

- Going-Concern-Goodwill: dieser entspricht weitestgehend dem originären GoF des erworbenen Unternehmens und beinhaltet z.B. ein qualifiziertes Management, Mitarbeiter- oder Kundenpotenzial. Daher stellt er die abstrakte Kaufpreisobergrenze dar.
- Synergie-Goodwill: dieser bezeichnet den „quantifizierten Verbundeffekten, die aus dem Zusammenschluss erwartet werden“[12], bspw. durch Übertragung von Knowhow.
- Restrukturierungs-Goodwill: das Unternehmen geht von einer effizienteren Ressourcenausnutzung des erworbenen Unternehmens aus, da es in das Portfolio des Erwerbsunternehmens aufgenommen wird und dadurch höchste Konzentration auf das Kerngeschäft legen kann.
- Strategie-Goodwill: diese Komponente bezeichnet die Möglichkeit, geplante Strategien umzusetzen (z.B. Markteintrittsbarrieren des erworbenen Unternehmens überwinden).

Unter bestimmten Umständen kann sich allerdings auch ein negativer Unterschiedsbetrag ergeben, welcher generell entsteht, wenn der gezahlte Kaufpreis unter dem beizulegenden Zeitwert des Nettovermögens liegt. Dieser negative GoF kann sich unter anderem durch einen sog. „Lucky Buy“[13], Unstimmigkeiten bei der Bemessung der beizulegenden Zeitwerte oder Bewertungsfehler bei den Anschaffungskosten ergeben.[14] Im weiteren Verlauf der Arbeit wird jedoch nicht umfassender auf diese Konstellation eingegangen.

3 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwertes nach deutschen Rechnungslegungsvorschriften

In diesem Kapitel werden die Bewertungsvorschriften des GoF nach den Regeln des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) dargestellt und Gestaltungsspielräume erörtert.

3.1 Grundlagen des Handelsgesetzbuches

Die Vorschriften des HGB, welches erstmals am 10.05.1897 in Kraft trat, müssen generell vom deutschen Gesetzgeber erlassen werden. Vorrangiger Rechnungslegungszweck stellt seitdem der sog. Gläubigerschutz dar, welcher besagt, dass die ökonomische Situation eines Unternehmens nicht zu positiv dargestellt werden darf, um Gläubiger vor einem möglichen Forderungsausfall zu schützen. Hierunter fallen u.a. Interessensgruppen, wie Lieferanten und Arbeitnehmer, deren Ziel es ist, dauerhaft Einkünfte erzielen zu können.[15]

Wesentlicher Bewertungsgrundsatz ist das in § 252 Abs.1 Nr.4 HGB niedergeschriebene Vorsichtsprinzip in Verbindung mit den beiden Folgeprinzipien Realisations-[16] und Imparitätsprinzip. Prinzipiell hat sich ein Unternehmen bilanziell nicht besser darzustellen als es der Wirklichkeit entspricht, vorhersehbare Risiken und Verbindlichkeiten, welche bis zum Abschlussstichtag entstanden sind, müssen bei der Jahresabschlusserstellung berücksichtigt werden. Allerdings wird durch das vorherrschende Vorsichtsprinzip in Kauf genommen, dass der ausschüttungsfähige Gewinn gemäßigt wird und somit Investoreninteressen in den Hintergrund geraten. Eines der umfassendsten Bilanzrechtsreformen wurde letztlich vom Bundestag im Jahr 2009 verabschiedet und trat daraufhin als Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) in Kraft. Aufgrund der fortschreitenden Internationalisierung ist diese Reform durch Rechtsetzungen bzw. Vorgaben der Europäischen Union essentiell beeinflusst worden, weshalb das Vorsichtsprinzip in einigen Fällen gelockert wurde.[17]

3.2 Ansatz- und Erstbilanzierung des GoF

Wie zuvor bereits erwähnt, unterscheidet man im HGB zwischen einem originären und einem derivativen GoF. Auf die bilanzielle Auswirkung der beiden Ansätze wird im Folgenden näher eingegangen.

3.2.1 Erstbilanzierung des derivativen GoF

Im Zuge der Einführung des BilMoG haben sich eklatante Änderungen im Zusammenhang mit einem Aktivierungsgebot des entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwerts ergeben. Demzufolge wurde § 246 Abs.1 S.4 HGB wie folgt neu gefasst:

„Der Unterschiedsbetrag, um den die für die Übernahme eines Unternehmens bewirkte Gegenleistung den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände des Unternehmens abzüglich der Schulden im Zeitpunkt der Übernahme übersteigt (entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert), gilt als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand.“

Durch die Fiktion als zeitlich begrenzt nutzbarer, immaterieller Vermögensgegenstand (VG) unterliegt er den allgemeinen Regelungen der VG mit einer zeitlich begrenzten Nutzungsdauer (ND) und somit ebenfalls der Zugangs- und Folgebewertung. Lediglich das Wertaufholungsgebot (Zuschreibung) findet auf den derivativen GoF, bei zuvor durchgeführten außerplanmäßigen Abschreibungen, keine Anwendung.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entgeltlich erworbener GoF nach BilMoG[19]

Diese Abbildung zeigt die bilanzielle Behandlung eines positiven Unterschiedsbetrags beim erwerbenden Unternehmen. Dieser entsteht unter anderem durch die Aufdeckung stiller Reserven des Anlagevermögens, da der Buchwert selten dem tatsächlichen Wert entspricht, z.B. bei Gebäuden. Weitere Gründe könnten immateriellen Ursprungs sein, wie bspw. ein loyaler Kundenstamm oder Markenimage der jeweiligen Produkte.[20] Auszuweisen ist dieser Wert gem. § 266 Abs.2 A. I. Nr. 3 HGB in der Bilanz im Anlagevermögen unter den immateriellen VG.

Aufgrund der gleichermaßen gesetzeskonformen Anwendung dieser Regelungen des Einzelabschlusses auf den Konzernabschluss gem. § 298 Abs.1 HGB, ergeben sich kaum Änderungen auf konzernbilanzieller Ebene. Ein positiver Unterschiedsbetrag ist nach Konzernrecht gem. § 301 Abs.3 HGB sowie § 309 Abs.1 HGB zu behandeln. Es ist demnach anzunehmen, dass auch hier eine Fiktion in den Stand eines VG mit zeitlich begrenzter ND besteht. Der eigentliche Unterschied besteht in der Goodwillermittlung gem. § 301 HGB. Das Unternehmen hat somit die Anteile des erworbenen Tochterunternehmens mit dem Eigenkapital zu verrechnen und den aktiven Unterschiedsbetrag im Zuge der Kapitalkonsolidierung als GoF zu bilanzieren. Hierbei spielt die anzuwendende, auf der Einzelerwerbsfiktion basierende Erwerbsmethode, ähnlich der Regelungen nach internationalen Standards, eine große Rolle. Da sich diese Arbeit überwiegend mit der Folgebilanzierung des GoF beschäftigt, wird diese Vorgehensweise nicht näher erläutert. Durch die Gleichbehandlung des GoF im Einzel- als auch im Konzernabschluss wird hierauf im Wesentlichen nicht mehr weiter eingegangen.

3.2.2 Aktivierungsverbot des originären und negativen GoF

Im Gegensatz zum entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert besteht beim selbst geschaffenen, originären GoF ein Aktivierungsverbot gem. § 248 Abs.2 S.2 HGB, da die beiden Kriterien der objektiven Bewertbarkeit und der selbständigen Verkehrsfähigkeit nicht gegeben sind.

Für die bilanzielle Behandlung eines negativen GoF[21] bestehen im Rahmen des Einzelabschlusses bislang keine expliziten Vorschriften, weshalb diese Problematik in der Praxis verschiedene Ansichten aufwirft. Die wohl am weitverbreitetste Meinung ist die der Herabsetzung der Aktiva, wobei die erworbenen VG nicht mit deren Zeitwert, sondern den Buchwerten bewertet werden. Somit werden die stillen Reserven ebenfalls übernommen und mit dem negativen Unterschiedsbetrag verrechnet. Allerdings wird die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der folgenden Wirtschaftsjahre unzutreffend ausgewiesen, da die Abschreibungen auf Anlagevermögen zu niedrig berücksichtigt werden und folglich den Jahresüberschuss verfälschen (erhöhen).

Abweichend hiervon ist in der Konzernbilanz ein negativer Unterschiedsbetrag gem. § 301 Abs.3 HGB auf der Passivseite unter dem Posten „Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung“ nach dem Eigenkapital auszuweisen. Ein passivischer Betrag darf gem. § 309 Abs.2 HGB ergebniswirksam aufgelöst werden, wenn sich im Erwerbszeitpunkt eine erwartete ungünstige Entwicklung der künftigen Ertragslage des Unternehmens abzeichnet, oder falls feststeht, dass dieser Unterschiedsbetrag tatsächlich einem realisierten Gewinn entspricht.

3.3 Folgebilanzierung des derivativen GoF

Durch die Erhebung des derivativen GoF in den Stand eines VG, dessen Nutzung zeitlich begrenzt ist, unterliegt dieser grundsätzlich der planmäßigen Abschreibung gem. § 253 Abs.3 S.1 HGB i.V.m. § 246 Abs.1 S.4 HGB bzw., bei dauerhafter Wertminderung, ebenfalls der außerplanmäßigen Abschreibung[22]. Im Zeitpunkt der Aktivierung ist ein Abschreibungsplan aufzustellen, mittels welchem die Anschaffungskosten auf die individuelle betriebliche ND, insoweit sie sich voraussehen lässt, verteilt werden. Für die Schätzung der Nutzungsdauer sind alle wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Faktoren des erworbenen Unternehmens miteinzubeziehen, wobei dies unabhängig von der steuerrechtlichen Regelung zu geschehen hat (siehe 3.4 Exkurs).[23]

In den Deutschen Rechnungslegungsstandards (DRS) sind einige Anhaltspunkte für eine Schätzung der ND genannt:[24]

- voraussichtliche Bestandsdauer der erworbenen Unternehmen,
- Stabilität und voraussichtliche Bestandsdauer der Branche des erworbenen Unternehmens,
- Lebenszyklus der Produkte des erworbenen Unternehmens,
- Laufzeiten wichtiger Absatz- und Beschaffungsverträge des erworbenen Unternehmens,
- voraussichtliche Dauer der Tätigkeit von wichtigen Mitarbeitern bzw. Mitarbeitergruppen.

Um dem im HGB verankerten Gläubigerschutz gerecht zu werden, sollte bei bestehenden Unsicherheiten eher eine geringere Nutzungsdauer angesetzt werden. Insbesondere bei sehr langen Nutzungsdauern über 20 Jahre hinweg müssen generell plausible Nachweise erbracht werden.[25] Im Anhang der Handelsbilanz sind von Kapitalgesellschaften sowie von bestimmten Personenhandelsgesellschaften Gründe zu erläutern, welche eine betriebliche Nutzungsdauer von mehr als fünf Jahren rechtfertigen.[26] Akzeptierte Anhaltspunkte wurden bereits unter diesem Gliederungspunkt genannt. Eine Begründung mit Hinweis auf die steuerrechtlich festgelegte Nutzungsdauer von 15 Jahren scheidet hierbei aus, diese muss demnach handelsrechtlich vertretbar sein und nachvollziehbar dargelegt werden.[27]

Im Hinblick auf eine annähernd korrekte Darstellung sollte als Abschreibungsmethode entweder die lineare oder die degressive Abschreibung bzw. eine Kombinationsform gewählt werden. Abzustellen ist hierbei auf die „geschäftswertbildenden Faktoren“, die zur Zahlung des Unterschiedsbetrags geführt haben. Von der Wahl einer progressiven Abschreibung sollte jedoch abgesehen werden, da die zukünftige Ertragslage ungewiss erscheint.[28]

Neben einer planmäßigen Abschreibung besteht generell die Pflicht zur außerplanmäßigen Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert, falls am Abschlussstichtag eine voraussichtlich dauernde Wertminderung vorliegt.[29] Die Restnutzungsdauer des geminderten GoF ist ab dem darauffolgenden Wirtschaftsjahr neu zu schätzen. Gründe hierfür könnten sich aus einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung ergeben, wie bspw. unvorhergesehener Umsatzrückgang bestimmter Teilmärkte oder wesentliche Verkürzung des Produktlebenszyklus einiger Produktgruppen, welche maßgeblich für den Erwerb des Unternehmens waren.[30]

Während beim herkömmlichen VG des Anlagevermögens das Wertaufholungsgebot besteht, welches besagt, dass nach Wegfall des Grundes für einen niedrigeren Wertansatz eine Zuschreibung auf den gesteigerten Zeitwert vorzunehmen ist[31], ist dieser niedrigere Wertansatz beim GoF beizubehalten. Der deutsche Gesetzgeber ist der Auffassung, dass die künftige Wertaufholung des GoF keinen eindeutigen Rückschluss auf den Wegfall der Gründe einerseits und andererseits auf die Geschäfts- und Betriebstätigkeit des Unternehmens selbst gibt. Da dies jedoch der unrechtmäßigen Aktivierung eines zusätzlichen originären GoF entsprechen würde, wurde an dieser Stelle ein Wertaufholungsverbot verankert.[32]

3.4 Exkurs: Steuerrechtliche Behandlung des GoF

In der Steuerbilanz dürfen immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens nur aktiviert werden, wenn diese entgeltlich erworben wurden. Die Zugangsbewertung ist demnach mit der des HGB gleichzusetzen. Die Folgebewertung unterscheidet sich jedoch insofern, als im EStG eine typisierte, unwiderlegbar festgelegte Nutzungsdauer von 15 Jahren für Gewerbetreibende vorgeschrieben ist.[33] Ein weiterer Unterschied besteht in der verpflichtenden, linearen Abschreibungsmethode, welche die Anschaffungskosten in gleichbleibenden Beträgen auf die Wirtschaftsjahre der Nutzung verteilt.[34] In der Steuerbilanz besteht dadurch eine zwingende Abschreibungsquote von 6,67 % p.a.[35] Aufgrund der gegebenen Kürze bleibt die steuerliche Bilanzierung des GoF in dieser Arbeit ohne weitere Berücksichtigung.

4 Bilanzierung des Goodwill nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRS

In den folgenden Abschnitten werden die Bewertungsvorschriften des Goodwill nach den Vorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS) dargestellt und Gestaltungsspielräume erörtert. Dies ist vor dem Hintergrund des differierenden Zwecks der nationalen und internationalen Rechnungslegungssysteme sowie für die kritische Würdigung von Bedeutung.

4.1 Grundlagen und Zielsetzung der IFRS

Im Vergleich zum deutschen HGB werden internationale Rechnungslegungsnormen nicht durch eine staatliche Legislative, sondern durch eine privatrechtlich funktionierende Organisation – International Accounting Standards Board (IASB) – erlassen. Durch das System des Komitologieausschusses, welches im Rahmen von Verwaltungs- und Expertenausschüssen unter Beteiligung der Öffentlichkeit agiert, werden Durchführungsbestimmungen (EU-Richtlinien) innerhalb der Europäischen Union erlassen. Aufgrund der hohen Mitwirkung von betroffenen Gesellschaften und deren Durchsetzung eigener Interessenslagen sind die IFRS eher Einzelfallbezogen (case law), wohingegen das deutsche Handelsrecht eine weitgehende Abstraktion zum Ziel hat (code law).[36]

In der folgenden Abbildung werden die elementaren Differenzen zwischen der nationalen und internationalen Rechnungslegung dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Wesentliche Unterschiede HGB und IFRS[37]

Lt. Rahmenkonzept 12 der IFRS besteht das Hauptziel von internationalen Abschlüssen darin, den Investoren eine aufschlussreiche Entscheidungsbasis durch die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (VFE) von Unternehmen zu vermitteln. Um die relevanten Abschlussadressaten zu schützen ist der Fair-Presentation-Grundsatz in IAS 1.15 verankert. Demnach haben Abschlüsse die VFE sowie Cashflows des Unternehmens den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend darzustellen.

4.2 Unternehmenszusammenschlüsse

Aufgrund der weltweit zunehmenden Digitalisierung hat die interessierte Öffentlichkeit bereits um die Jahrtausendwende eine Abschaffung der planmäßigen Abschreibung des Goodwill gefordert. Daraufhin wurde im Jahr 2004 ein entscheidender Richtungswechsel mit dem IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse – Business Combinations“ vollzogen. Dieser wurde im Jahr 2008 nochmals überarbeitet und an die Gegebenheiten angepasst.[38]

Eine wesentliche Änderung wurde im Rahmen der Goodwill-Aktivierung vorgenommen. Diese stellte die Abschaffung der sog. Pooling-of-Interest-Methode dar, wodurch es bei Unternehmenserwerben lange Zeit möglich war, durch geschicktes Ausnutzen bilanzpolitischer Gestaltungsspielräume, kaum stille Reserven aufzudecken.[39] Abgelöst wurde diese durch die sog. Purchase-Methode, bei welcher sämtliche Vermögenswerte und Schulden des erworbenen Unternehmens identifiziert und zum Marktpreis bewertet werden müssen. Bei Anwendung der Erwerbsmethode werden dementsprechend stille Reserven gebildet.[40]

Weiterer Bestandteil des Business-Combination-Project war die Einführung des Impairment-Only-Approach, wonach der aktivierte Goodwill mindestens einmal jährlich auf seine Werthaltigkeit getestet werden muss.[41] Im Rahmen des Werthaltigkeitstests muss eine außerplanmäßige Abschreibung auf den tatsächlichen Zeitwert vorgenommen werden. Die planmäßige Abschreibung wurde zugunsten jener aufgegeben.[42]

Da die im Rahmen der Erwerbsmethode durchzuführende Kaufpreisallokation keine allzu großen Gestaltungsmöglichkeiten mehr bietet, und diese prinzipiell dem Ansatz des HGB gleichsteht, wird diese lediglich zum weiteren Verständnis erläutert. Durch die Einführung des Impairmenttest (Werthaltigkeitstest) wurden den Unternehmen zahlreiche Wege eröffnet, einige Bilanzkennzahlen durch geschickte Darstellung der Firmenwerte in deren Sinne positiv zu beeinflussen. Folgt man Ruhnkes Ansichten und Studien so zeigt sich, dass durch solch eine Bilanzpolitik in der Tat Aktienkurse verschoben werden könnten.[43] Auf diese Problematik wird daher in Abschnitt 4.4 explizit eingegangen.

4.3 Ansatz- und Erstbilanzierung des Goodwill

Die Ansatzvorschriften für immaterielle Vermögenswerte werden in IAS 38 speziell geregelt. Demnach ist dieser ein identifizierbarer, nicht monetärer Vermögenswert ohne physische Substanz, über welchen das Unternehmen Verfügungsgewalt ausüben kann und ein künftiger wirtschaftlicher Nutzen besteht.[44] Bei der Prüfung der zuvor genannten Kriterien scheitert es beim Goodwill jedoch an der Identifizierbarkeit, weshalb er vom IASB speziell eingestuft worden ist. Die Bilanzierungsvorschriften werden in den folgenden Abschnitten gezielt erläutert.

4.3.1 Aktivierungsverbot des originären Goodwill

Für einen selbst geschaffenen GoF sieht IAS 38.48 ein generelles Aktivierungsverbot vor, da sich die Herstellungskosten in erster Linie schwer verlässlich bemessen lassen. Des Weiteren ist er als Vermögenswert weder separierbar noch aus vertraglichen oder gesetzlichen Rechten entstanden.[45] Somit besteht bei der deutschen sowie internationalen Rechnungslegung eine Gleichbehandlung des originären Goodwill.

Im Vergleich zum HGB ist ein negativer Unterschiedsbetrag in den IFRS genau geregelt worden. Bevor hier ein resultierender Gewinn ausgewiesen werden darf, muss zunächst ein sog. Reassessment gem. IFRS 3.36 durchgeführt werden, wobei Ansatz und Bewertung der erworbenen Vermögenswerte und aller übernommenen Schulden nochmals kritisch hinterfragt werden müssen. Sollte nach der Prüfung durch das Reassessment noch ein negativer Unterschiedsbetrag verbleiben, so geht dieser direkt als Ertrag in die GuV ein.[46]

4.3.2 Erstbilanzierung des derivativen Goodwill

Wie bereits erwähnt gab es im Bereich der Goodwill-Bilanzierung eklatante Änderungen, woraus der neue IFRS 3 „Business Combinations“ entstanden ist. Danach gilt die Erwerbsmethode als einzig zugelassene Bilanzierungsmethode des Goodwill,[47] weshalb bei positivem Vorliegen eines Unternehmenszusammenschlusses regelmäßig ein Unternehmen als Erwerber bestimmt werden muss.[48]

In dieser Arbeit wird ausschließlich auf die Durchführung der Purchase-Methode im Rahmen eines Share Deals eingegangen, bei welchem sämtliche Vermögenswerte und Schulden der einzelnen Tochterunternehmen im Mutterunternehmen verrechnet bzw. konsolidiert werden.[49] Infolgedessen ist grundsätzlich eine Einzelbewertung der Vermögens- und Schuldenwerte anzuwenden, wohingegen Synergieeffekte und Verbundsymmetrien nur als Restgröße zu berücksichtigen sind.[50] Somit entsteht der bilanzierungsfähige GoF als Residualgröße zwischen der hingegebenen Gegenleistung und dem neubewerteten analysierten Nettovermögen des erworbenen Unternehmens.

Folgende Schritte sind bei Anwendung der Erwerbsmethode einzuhalten:[51]

1. Identifikation des Erwerbers und des Erwerbszeitpunkt,
2. Bestimmung der Anschaffungskosten des Unternehmenszusammenschlusses,
3. Identifikation und Bewertung der erworbenen Vermögenswerte und Schulden zu deren jeweiligen Zeitwerten (Kaufpreisallokation),
4. Bestimmung der Restgröße (Goodwill oder Bargain Purchase).

Punkt 3 wird im folgenden Abschnitt detailliert erläutert, um Hintergrundwissen für die Zielsetzung des Werthaltigkeitstests zu schaffen. Alle bilanziellen Folgerungen werden hierbei aus der Perspektive des erwerbenden Unternehmens analysiert.

4.3.3 Kaufpreisallokation

Unter Kaufpreisallokation versteht man die Neubewertung der erworbenen Vermögenswerte und Schulden des Tochterunternehmens so wie die Ermittlung des bilanzierungsfähigen Goodwill.[52] Bereits in dieser Phase des Unternehmenserwerbs können weichenlegende Voraussetzungen für eine zielgerichtete Bilanzpolitik im Rahmen der Goodwill Bilanzierung geschaffen werden.

[...]


[1] Buffet, W. E., 2009

[2] Vgl. Giersberg, G., 2012, S. 15 und Anhang Nr. 2 (Anzahl und Volumen der Unternehmensübernahmen mit deutscher Beteiligung 20013 bis 2012).

[3] Vgl. Geschäftsbericht der Volkswagen AG und SAP AG.

[4] Vgl. Küting, K., 2005, S. 2758.

[5] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2008.

[6] Vgl. unter anderem Rogler, S.; Straub, S. und Tettenborn, M., 2012, S. 343.

[7] Vgl. Kapitel 6.2 und Tabelle Nr. 4 (Außerplanmäßige Abschreibung der Jahre 2009 und 2012 (IFRS)).

[8] Vgl. Kapitel 3.3 und 6.3.

[9] Vgl. Scheffler, E., 2012, S. 239.

[10] Vgl. Pellens, B.; Fülbier, R. U. et al., 2011, S. 736.

[11] In Anlehnung an Pellens, B.; Fülbier, R. U. et al., 2011, S. 735.

[12] Pellens, B.; Fülbier, R. U. et al., 2011, S. 736.

[13] Lucky Buy resultiert aus einem günstigen Kauf, durch gute Verhandlungen.

[14] Vgl. IFRS 3.34 ff.

[15] Vgl. Buchholz, R., 2013, S. 3.

[16] § 252 Abs.1 Nr.4 2.HS HGB.

[17] Kessler, H.; Leinen, M. und Strickmann, M., 2010, S. 52.

[18] Vgl. § 253 Abs.5 S.2 HGB.

[19] Kessler, H.; Leinen, M. und Strickmann, M., 2010, S. 174.

[20] Vgl. Buchholz, R., 2013, S. 49.

[21] negativer Unterschiedsbetrag: Kaufpreis unterschreitet den Zeitwert der VG abzgl. Schulden (z.B. durch Lucky Buy).

[22] § 253 Abs.3 S.3 HGB.

[23] Vgl. Kozikowski, M.; Ellrott, H. et al., 2012, zu § 253 HGB, Rz. 671-672.

[24] Vgl. Kozikowski, M.; Ellrott, H. et al., 2012, zu § 253 HGB, Rz. 673.

[25] Vgl. Kozikowski, M.; Ellrott, H. et al., 2012, zu § 253 HGB, Rz. 673.

[26] Vgl. § 285 Nr.13 HGB bzw. § 314 Abs.1 Nr.20 HGB.

[27] Vgl. Kozikowski, M.; Ellrott, H. et al., 2012, zu § 285 HGB, Rz. 265.

[28] Vgl. Kozikowski, M.; Ellrott, H. et al., 2012, zu § 253 HGB, Rz. 674.

[29] Vgl. § 253 Abs.3 S.2 HGB.

[30] Vgl. Kozikowski, M.; Ellrott, H. et al., 2012, zu § 253 HGB, Rz. 673.

[31] Vgl. § 253 Abs.5 S.1 HGB.

[32] Vgl. Kozikowski, M.; Ellrott, H. et al., 2012, zu § 253 HGB, Rz. 676 i.V.m. § 253 Abs.5 S.2 HGB.

[33] Vgl. § 7 Abs.1 S.3 EStG.

[34] Vgl. § 7 Abs.1 S.1 und 4 EStG.

[35] 6,67% p.a. = 100 : 15 Jahre.

[36] Vgl. Ruhnke, K. und Simons, D., 2012, S. 11.

[37] In Anlehnung an: Wöhe, G. und Döring, U., 2010, S. 826-828.

[38] Vgl. IFRS 3.68.

[39] Vgl. Braun, R., 2009, S. 16.

[40] Vgl. Ruhnke, K. und Simons, D., 2012, S. 742.

[41] Vgl. Ballwieser, W., 2009, S. 180.

[42] Vgl. IFRS 3 i.V.m. IAS 36.

[43] Vgl. Ruhnke, K. und Simons, D., 2012, S. 449.

[44] Vgl. IAS 38.8 i.V.m. IAS 38.10.

[45] Vgl. IAS 38.49.

[46] Vgl. IFRS 3.34 i.V.m. IFRS 3.36.

[47] Vgl. Pellens, B.; Fülbier, R. U. et al., 2011, S. 723.

[48] Vgl. IFRS 3.6.

[49] Vgl. Scheffler, E., 2012, S. 51.

[50] Vgl. Braun, R., 2009, S. 32.

[51] Vgl. IFRS 3.5.

[52] Vgl. Aschfalk-Evertz, A., 2011, S. 235.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Gestaltungsspielräume im Rahmen der Goodwill Bilanzierung nach HGB und IFRS
Untertitel
Darstellung und kritische Analyse der Bedeutung für bilanzanalytische Kennzahlen
Hochschule
Internationale Berufsakademie der F+U Unternehmensgruppe Darmstadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
72
Katalognummer
V304327
ISBN (eBook)
9783668025486
ISBN (Buch)
9783668025493
Dateigröße
1128 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzierung, Goodwill, Firmenwert, IFRS, HGB, DAX 30, Impairmenttest, Bilanzkennzahlen, Gestaltungsspielraum Bilanzpolitik, Vergleich HGB IFRS, Geschäftswert, Bilanzpolitik, Bilanzanalyse
Arbeit zitieren
Angela Jänicke (Autor), 2013, Gestaltungsspielräume im Rahmen der Goodwill Bilanzierung nach HGB und IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304327

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gestaltungsspielräume im Rahmen der Goodwill Bilanzierung nach HGB und IFRS



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden