Sport- und Bewegungsunterricht im Setting einer gesundheitsfördernden Pflegeschule


Bachelorarbeit, 2015
70 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorbemerkung

Danksagung

Hintergrund

1 Definitorische Grundlagen
1.1 Gesundheit
1.2 Sport- und Bewegung
1.3 Setting
1.4 Pflegeschule
1.5 Pflegepädagogische Lernsituation

2 Theoretische Grundlagen - Bildungssystem und Gesundheitsförderung
2.1 Gesundheitsförderung im Setting Schule
2.2 Gesundheitsfördernde Pflegeschule

3 Empirie
3.1 Methodik
3.2 Auswertung
3.3 Methodenkritik

4 Diskussion

5 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anhang - Bewegungsuhr

Anhang - Interviewleitfaden

Anhang - Zusammenfassung der Experteninterviews

Anhang - Praktische Empfehlung zum Laufen und Gehen

Anhang - Kohortenstudie an einem BZG in Hessen

Anhang - Meilensteine der Gesundheitsförderung

Anhang - Telefoninterview „Anschreiben“

Anhang - Telefoninterview „Einwilligung“

Anhang - Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorbemerkung

Der vorliegende Text wurde als Bachelor-Arbeit an der Katholischen Hochschu­le in Mainz im Studiengang „Gesundheit und Pflege mit Schwerpunkt Pädagogik“ mit dem Titel: „Sport- und Bewegungsunterricht im Setting einer gesundheitsför­dernden Pflegeschule“ erstellt. Durch meinelangjährige Erfahrungen als Sportler und den Einblick in Pflegeschulen als freier Referent im Pflegeunterricht, ist mir das Thema besonders wichtig.

Zur Vereinfachung wird in der Arbeit allein die männliche Form verwendet. Die­se sollen die weibliche Form gleichberechtigt mit einbeziehen, ohne diese in ir­gendeiner Weise zurückzustellen.

Danksagung

Zu aller erst möchte ich meiner Frau Marlies danken, welche mir mein Studium zeitlich erst ermöglicht hat! Gefolgt von unseren drei Kindern Paula, Lukas und Carla. Auch diese haben ihren Beitrag durch Verständnis und persönliche Zurück­nahme in einem hohem Maß geleistet. Ein besonderer Dank gilt Frau Prof. Dr. Sandra Bensch, die diese Arbeit betreut hat und mir immer mit Ratschlägen und Vermittlung persönlicher Kontakte zu Pflegeexperten zur Verfügung stand. Selbst­verständlich danke ich auch allen Interviewpartnern und den Pflegeforum-Kontak­ten.

Hintergrund

Forschungsstand

Gesundheit besitzt im privaten wie im beruflichen Leben erhebliche Bedeutung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte bereits 1986 in Ihrer Ottawa­Charta: „allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Ge­sundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähi­gen.“ (WHO, 1986). „Das Wissen um die positive Wirkung regelmäßiger körperli­cher Aktivität“, gehört dabei für Geuter zu den gesundheitsfördernden Faktoren, die der Bevölkerung allgemein gegenwärtig sind (Geuter, 2012, 6). Dabei ist Be­wegung immer mehrdimensional zu betrachten. Mit Blick auf Mobilität hat diese für Bensch „immer eine körperliche, aber auch eine soziale und emotionale Dimensi­on“ (Bensch, 2014, 2). „Du musst eine Bewegung 5.000 Mal gemacht haben, be­vor du sie kannst.“, erklärte sie in einem Interview der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (Bensch 2013, 2). Diesem Sachverhalt wird bereits ab dem frühesten Kinderalter über das Prager-Eltern-Kind-Programm® (PEKIP®)1, über Bewegungs-Kursangebote in der Vorschulzeit, bis hin zur bewegten Pause2, wel­che neben dem lehrplangemäßen Sportunterricht in Regelschulen angeboten wird, Sorge getragen. Mit Eintritt in das Berufsleben endet die Förderung abrupt und Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) soll die Aufgaben übernehmen. Doch schafft es das? Insbesondere mit Blick auf die Gesundheits- und Pflegeaus­bildung in Deutschland stellt sich die Frage, ob das BGM diesen Bereich der För­derung entsprechend Rechnung tragen kann. Pflegeberufe sind körperlich heraus­fordernd. Wie kann auf diese körperliche Herausforderung bereits in der Pflege­ausbildung vorbereitet werden?

Wie wichtig der Stellenwert von Gesundheit in der Pflegeausbildung ist, belegt die bereits im Sommer 2010 veröffentlichte Studie „Bundesweite Vollerhebung zu Gesundheitsförderung und Prävention an Pflegeschulen“. Durch die Berufsgenos­senschaft für Wohlfahrtspflege wurde das Institut für Public Health und Pflegefor­schung (IPP) im Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Uni­versität Bremen unter Leitung von Prof. Dr. Görres beauftragt, diese durchzufüh­ren und als Aufsatz „Gesunde Pflege beginnt in der Pflegeausbildung“ zu veröf­fentlichen (Bombali et al., 2010, 1048-1054). Im Verlauf der zehn Monate andau­ernden Studie wurden online 1.505 Schulleitungen und Pflegedienstleitungen und zusätzlich 1.119 Pflegeauszubildende zu ihrem Gesundheitsverhalten befragt. Zentrales Ergebnis der Studie: über die Hälfte der Schüler (52,6 Prozent) leiden täglich bis wenigstens einmal wöchentlich an Kreuz- bzw. Rückenschmerzen. 49 Prozent geben Nacken- und Schulterschmerzen an. Unter Kopfschmerzen leiden 45,9 Prozent der angehenden Pflegekräfte mindestens einmal wöchentlich. Gut ein Drittel (36 Prozent) geben an, dass bei ihnen täglich bis mehrmals wöchentlich Schlafstörungen auftreten. Bei 26 Prozent kommt es zu Bauch- und Magen­schmerzen. Insgesamt beurteilen ein Drittel der Auszubildenden ihren körperlichen Gesundheitszustand und ihr allgemeines Wohlbefinden als nur befriedigend bis mangelhaft. Es zeigt sich ein hoher Bedarf an Maßnahmen zur Stress- und Kon­fliktbewältigung, ein großer Handlungsbedarf für verbesserte Ernährung sowie Notwendigkeit für wesentlich mehr Bewegung. Dies ist den Schulleitungen zu 95,3 Prozent bewusst, jedoch finden gleichzeitig knapp die Hälfte (49,4 Prozent), dass diese Maßnahmen nicht ausreichen. Hinzu kommen Widerstände, lediglich „29,4 Prozent der Schulen erfahren bei der Einführung von gesundheitsförderlichen und präventiven Verhaltensweisen gezielte Unterstützung durch die praktische Ein­satzstelle“ (Bomball et al., 2010, 1049).

Drossel untersuchte in seiner qualitativ angelegten pflegewissenschaftlichen Masterarbeit aus dem Jahr 2013 zur „Gesundheitsförderung an Fachschulen für Pflegeausbildung in Bayern“ insgesamt 13 Auszubildende im dritten Ausbildungs­jahr und detektierte unterschiedliche Faktoren mit gesundheitsförderlichen und -schädigenden Auswirkungen während der Ausbildungszeit, beispielsweise redu­zierte sportliche Aktivitäten sowie übermäßiger und ungesunder Nahrungs- bzw. Genussmittelkonsum (vgl. Drossel, 2014, 56-58).

Innerhalb des Projektes „Transferorientierte Forschung an Fachhochschulen“ (TRAFO) untersuchte Freese bereits 2005 bei 127 Auszubildenden und Pflegen­den den subjektiven Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten und das Ge­sundheitsinteresse. Er zeigte auf, dass Rückenbeschwerden im Verlauf der Pfle­geausbildung kontinuierlich zunahmen. So waren es im ersten Jahr 22,2 Prozent.

Im zweiten Jahr stieg dieser Anteil auf 33,4 Prozent und im dritten Jahr auf 46,2 Prozent (Freese in Bonse-Rohmann, 2005, 48).

Hinzu kommen Ergebnisse des „Ausbildungsreport Pflegeberufe 2012“, einer sechs Monate dauernden deutschlandweiten Befragung von insgesamt 2.660 Aus­zubildenden, welche durch die Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in Auftrag gegebenen wurde (Verdi, 2012). Demnach empfinden drei von zehn Aus­zubildenden (28,8 Prozent) das schwere Heben und Tragen als besonders belas­tend. „Vor dem Hintergrund eines langen Erwerbslebens im Pflegeberuf bis in das Rentenalter hinein erscheint diese hohe Antwortquote der befragten Auszubilden­den sehr bedenklich. Hier zeigt sich, dass betriebliche gesundheitsfördernde Maß­nahmen notwendig sind, in die auch Auszubildende von Beginn ihrer Ausbildung an einbezogen werden müssen“ (Verdi, 2012, 43+44).

Mittels Pretests wurden die vorgestellten Ergebnisse in einer Kohortenstudie durch den Autor bei 71 Auszubildenden überprüft. Weitere Informationen zum Auf­bau, Methodik und Ergebnissen dieses Pretests sind im Anhang - Kohortenstudie an einem BZG in Hessen zu finden. Es fiel auf, dass 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler sich sportlich betätigten, davon schränkte etwa die Hälfte ihre sportli­chen Betätigungen ein. Zehn befragte Schüler (14,1 Prozent) hörten ganz auf, was wiederum deckungsgleich zur Aussage der schweren Vereinbarkeit zwischen Be­ruf und Freizeit aus der zitierten Ver.di-Studie ist. Dort bestätigten 40,8 Prozent der Befragten die schwere Vereinbarkeit. Darauf deutet insbesondere auch hin, dass 44 Prozent der Schülerinnen und Schüler 5 kg (entspricht dem Median) Gewichts­zunahme seit Ausbildungsbeginn an sich feststellten.

Forschungsfragen

Mit Blick auf aufgeführten Befunde ergibt sich folgende Frage: Wie wird auf kör­perliche Herausforderungen des Pflegeberufs durch Sport- und Bewegungsunter­richt in Pflegeschulen vorbereitet?

Hieraus entwickelt sich die Haupt-Forschungsfrage mit folgenden Unterfragen:

- Ist Sport und Bewegung als Bestandteil von Bildungssituationen in den Lehrplänen der Pflegeschule vorgesehen?
- Wennja, in welcher Form:
- Als Pflichtveranstaltung oder als Wahlveranstaltung?
- Wie ist der zeitliche Umfang?
- Welche Formen von Sport- und Bewegungsunterricht finden statt?
- Welches Qualifikationsprofil besitzt das Lehrpersonal?
- Erfolgt eine Evaluation des Sport- und Bewegungsunterrichts?
- Gab es Widerstände bei Ein- und/oder Durchführung des Sport- und Bewegungsunterricht, in Bezug aufdie Auszubildenden, die Lehren­den oder die Träger der Pflegeschulen?

Daraus abgeleitet macht sich diese Arbeit zum Ziel: Wie lassen sich Sport- und Bewegungserfahrungen, insbesondere das Laufen, in Bildungs- oder Unterrichts­situationen implementieren?

Gang der Untersuchung

Auf die in der Einleitung erfolgte Darstellung des Hintergrundes, des aktuellen Forschungsstands und die sich daraus ableitbaren Forschungsfragen folgt im 1. Teil (vgl. Kapitel 1 Definitorische Grundlagen) die Schaffung eines einheitlichen Begriffsverständnisses. Im Verlauf des Kapitels 2 Theoretische Grundlagen - Bildungssystem und Gesundheitsförderung wird dies näher beleuchtet. Teil 2 der Arbeit (Kapitel 3 Empirie) beantwortet schrittweise die formulierten For­schungsfragen durch Vorstellung eigener empirischer Ergebnisse. In Kapitel (4 Diskussion) werden diese zusammengeführt und diskutiert, um in Kapitel 5 einen Ausblick und eine Empfehlung des Autoren zur möglichen Best-Practice-Methode bezogen auf Sport- und Bewegungsunterricht zu geben.

1 Definitorische Grundlagen

Um die Verwendung einheitlicher Begrifflichkeiten zu gewährleisten, erfolgen zunächst die Definitionen einzelner Begriffe und deren Abgrenzung untereinander. Im Folgenden wird erläutert, warum sich der Autor auf einzelne Definitionen be­schränken wird.

1.1 Gesundheit

Die Europäische Grundrechte Charta dient als schriftliche Legitimationsgrund­lage, Gesundheitsschutz und -förderung in verschiedenen Bereichen zu imple­mentieren. Dort ist in Artikel II (95) festgehalten: „Jeder Mensch hat das Recht auf Zugang zur Gesundheitsvorsorge [...]“ (in Scherenberg, 2011, 294). Gesundheit ist demnach ein Menschenrecht, ihre Erhaltung und Sicherung eine staatliche und gesellschaftliche Verpflichtung.

Gesundheit

Was beinhaltet der Begriff Gesundheit? Im Englischen ist Gesundheit „health“, was so viel wie „vollständig“ bedeutet, also die Unversehrtheit, die Integrität des Körpers. Je nach Perspektive eines Menschen, wird die Subjektivität einer konkre­ten Bewertung auf Grundlage dieses Begriffsverständnisses deutlich. Keine Be­wertung ist per se richtig oder falsch, keine kongruent gar gültig für alle. Sie be­dingt sich vielmehr durch soziale Stellung, Schichtzugehörigkeit, Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit. Überdies existieren Laienvorstellungen über Gesundheit, welche allerdings im Rahmen dieser Arbeit ausgeklammert werden sollen. Anders soll hingegen für den Versuch der Synthese des Begriffs Gesundheit des Philoso­phen Seedhouse gelten. Dieser vertritt ein “Konzept der Gesundheit als Voraus­setzung zur vollen Ausschöpfung der Möglichkeiten des Einzelnen“ (Seedhouse in Naidoo und Wills, 2010, 20) um einen Weg aufzuzeigen, wie durch die Beseitigung von Hindernissen, Gesundheit durch Selbstverwirklichung der Einzelnen entste­hen kann. „Damit wäre Gesundheit für die Menschen mehr ein Mittel zur Errei­chung eines bestimmten Ziels und weniger ein festgelegter Zustand, den sie an­streben sollten“ (Seedhouse in Naidoo und Wills, 2010, 18). Festzuhalten bleibt, dass die Definition von Gesundheit stets subjektive Elemente enthält. „Versuche zur Entwicklung eines einheitlichen Konzeptes von Gesundheit scheinen alle dar­an zu scheitern, dass sie zu allgemein und zu vage sind“ folgern demgemäß Nai­doo und Wills (2010, 21).

Brieskorn-Zinke (vgl. 2006, 71-75) sowie Dür und Felder-Puig (vgl. 2011, 15-17) stellen verschiedene Gesundheitsmodelle gegenüber. Hier nimmt das Salutogene- tische Modell von Antonovsky mit seinem Bezug auf Gesundheitsverständnis- und Gesundheitsverhalten eine Vorreiterrolle ein. Antonovsky entwickelte sein Modell, welches im Gegensatz zum biomedizinischen und zum Risikofaktorenmodell da­nach fragt, warum Menschen gesund bleiben bzw. wie sie ihre Gesundheit wieder herstellen oder gar steigern können. Dabei entdeckte er die salutogenen, also die gesundmachenden Prozesse, welche aus der Balance von Risiko- und Schutzfak­toren innerhalb und außerhalb einer Person bestehen. Therapie- und Präventions­vorstellungen sind dabei intrinsisch und individuell abrufbar.

Hurrelmann et al., Dür und Felder-Puig sind sich einig, dass das biomedizini­sche Modell mit der Perspektive der wissenschaftlichen Medizin in den Industrie­nationen das dominierende ist (vgl. Hurrelmann et al., 2014, 25 und Dür und Fel­der-Puig, 2011, 17+18). Bestätigung finden sie durch Illich, welcher diese Sicht­weise mit der stetig zunehmenden Medikalisierung unterstützt. Mit dieser meint Il­lich die ständige Ausweitung der Medizin auf zusätzliche Lebensbereiche, für die sie ursprünglich nicht zuständig war. Sie stellt sich jedoch als zweigleisig heraus, denn einerseits ist die Senkung der Säuglingssterblichkeit segensreich, anderer­seits beraubt Medikalisierung elementare Lebenserfahrung bis hin zum Autono­mieverlust der Einzelnen (Ivan Illich in Klemperer, 2010, 109).

Das biomedizinische Modell reduziert das Gesundheitsempfinden auf „physi­sche Dimensionen, beschreibt den Organismus nach funktionalen Gesichtspunk­ten“ (Dür und Felder-Puig, 2011, 13) und „hat sich der Annahme verschrieben, daß Krankheiten durch Erreger ausgelöst werden“ (Antonovsky, 1997, 24). Von dieser Annahme geht offenbar auch die durch den zweiten Weltkrieg geprägte Präambel der WHO Verfassung aus dem Jahre 1948 aus: „Gesundheit ist ein Zu­stand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen." (WHO, 1948).

Zurück zu Antonovskys Sichtweise, Gesundheit und Krankheit losgelöst vom biomedizinischen Modell zu betrachten. Darauf lässt sich der Ansatz der Gesund­heitsförderung beziehen. Der israelische Medizinsoziologe prägte den Begriff der Salutogenese nachhaltig und hat sich für Brieskorn-Zinke als richtungsweisend in Bezug auf die Diskussion um Gesundheitsdefinitionen durchgesetzt (vgl. 2006, 78). Im Folgenden möchte ich das Modell der Salutogenese vertiefen. Zentral sind folgende vier Elemente:

1. Das Kohärenzgefühl (vgl. Antonovsky 1997,34-37)

Als zentralen Faktor definierte Antonovsky das Kohärenzgefühl (Sense of Cohen- rence (SOC)), welches besagt, dass ein Mensch Herausforderungen des Lebens meistern kann. Drei Komponenten des SOC erachtet Antonovsky als essentiell:

- Die Verstehbarkeit der Welt beschreibt Fähigkeit Stimuli sinnhaft wahr­zunehmen und kognitiv zu verarbeiten, sie zu verstehen.
- Die Handhabbarkeit der Welt gleichbedeutend mit der Überzeugung, dass Probleme lösbar sind. Der Mensch besitzt oder erlangt eigene Ressourcen, um mit Stimuli umgehen zu können.
- Die Bedeutsamkeit der Welt heißt das eigene Leben als sinnvoll erach­ten. Diese Sinnhaftigkeit hilft Stimuli als Herausforderung des Lebens anzusehen, welche es zu lösen gilt. Antonovsky erachtet die „Bedeut­samkeit der Welt“ als die wichtigste.

2. Die Stressoren (vgl. Antonovsky 1997,43-46)

Antonovksy unterscheidet drei Typen von Stressoren: chronische Stressoren, wichtige Lebensereignisse und akute tägliche Wichtigkeiten. Alle Reize, Einflüsse, Situationen oder sonstige Stimuli welche Stress erzeugen, werden Stressoren ge­nannt. Diese erzeugen Spannungszustände, welche wiederum zu Schwächungen des SOC führen. Die Bewältigung von Spannungszuständen stellt eine zentrale Aufgabe des Organismus dar. Gelingt diese, so besitzt sie eine gesundheitsförder­liche Wirkung. Gelingt diese nicht, entsteht krank machender Stress. Je nach Aus­prägung des SOC werden Stressoren als neutral oder spannungserzeugend inter­pretiert. Menschen mit ausgeprägtem SOC (Vertrauen in die Bewältigbarkeit der Situation) werden sich durch starke Stressoren nicht bedroht fühlen, im Gegensatz zu Menschen mit vermindertem SOC.

3. Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum (vgl. Antonovsky 1997, 48-51) Antonovksy wendet sich vom traditionellen Paradigma der Medizin ab und wider­legt die dichotome, die getrennte Sichtweise zweier Seiten des biomedizinischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gesundheit als Dichotomie

(Quelle: Brieskorn-Zinke, 2006, 79) Modells (vgl. Abbildung 1: Gesundheit als Dichotomie). Er begründet dies wie folgt: „Wir sind alle terminale Fälle. Aber solange wir einen Atemzug Leben in uns haben, sind wir alle bis zu einem gewissen Grad gesund“ (Antonovksy in Bries­korn-Zinke, 2006, 78). Es existiert für ihn weder völlige Gesundheit noch völlige

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gesundheit als multidimensionales Kontinum

(Quelle: Brieskorn-Zinke, 2006, 79) Seite: 11

Krankheit. Demgegenüber stellt Antonovsky sein salutogenetisches Modell (vgl. Abbildung 2: Gesundheit als multidimensionales Kontinum) und geht von zwei ge­genüberliegenden Polen aus, welche er mit minimaler und maximaler Gesundheit definiert. Je nachdem an welcher Stelle sich ein Mensch zwischen beiden Polen befindet, spiegelt seinen jeweiligen Gesundheitszustand wieder und das „auf allen Ebenen des Seins“ (Brieskorn-Zinke, 2006, 79).

4. Widerstandsfähigkeit (vgl. Antonovsky 1997, 48-51)

Hilft Menschen Spannungszustände zu bewältigen und wird in individuelle Fakto­ren (z.B. Intelligenz), soziale Faktoren (z.B. familiäre Situation), materielle Fakto­ren (z.B. Einkommen) oder kulturelle Faktoren (z.B. Kulturkreis) unterschieden. Ei­nerseits prägen sie Lebenserfahrung, andererseits formen diese das SOC. Anto­novsky zitiert Kobasa (1997,49) und definiert Widerstandsfähigkeit, als Einheit aus Engagement (Glaube an sich selbst), Kontrolle (Glaube an Eigenständigkeit) und Herausforderung (antizipieren Veränderungen als Wachstumsstimulus).

Abschließend möchte ich Antonovksys Theorie als Metapher bildlich darstellen: Er selbst schreibt, dass „[...] der Fluss der Strom des Lebens ist. [...] wo immer man sich in dem Fluss befindet, dessen Natur von historischen, soziokulturellen und physikalischen Umweltbedingungen bestimmt wird, ein guter Schwimmer“ (vgl. Antonovsky, 1997, 93) wird. Klar ist, dies funktioniert nur durch geeignete Wi­derstandsressourcen. Diese hängen maßgeblich vom Ausprägungsgrad des SOC ab. Ist dieses stark ausgeprägt, so wird ein Mensch seine Ressourcen einsetzen, Spannungszustände erfolgreich zu bewältigen und sich in Richtung des Pols für maximale Gesundheit bewegen. Ebenso ist es möglich, dass Stressoren nicht als solche definiert werden und nicht als belastend empfunden werden. Beide Mög­lichkeiten stärken das SOC und zukünftig kann der Mensch in ähnlichen Situatio­nen auf diese Lebenserfahrung zurückgreifen. Liegt hingegen ein schwach ausge­prägtes SOC, mit wenig bis keiner Widerstandsfähigkeit als Ressource vor, setzt keine Spannungsbewältigung ein. Es entsteht Stress mit gleichzeitiger Schwä­chung des SOC und damit verbundener Bewegung in Richtung des Pols für mini­male Gesundheit (vgl. jeweils Abbildung 2: Gesundheit als multidimensionales Kontinum).

Antonovskys Modell der Salutogenese soll zusammen mit der im Jahr 1986 mo­difizierten Ottawa-Charta derWHO als Grundlage dieser Arbeit dienen.

Gesundheits-Förderung vs. Prävention

Die beiden Begriffe Gesundheitsförderung und Prävention scheinen eng mit einander verbunden zu sein. Hurrelmann, Klotz und Haisch trennen wie folgt von­einander: Krankheitsprävention oder kurz Prävention (lat. praeveniere - zuvor­kommen) hat ihren Ausgangspunkt bei spezifizierten Krankheiten oder Störungen und „bezeichnet alle Eingriffshandlungen, die dem Vermeiden des Eintretens oder des Ausbreitens einer Krankheit dienen“ (Hurrelmann et al. 2014, 14). Ihr zugrun­de liegt das Risikofaktorenmodell. „Gesundheitsförderung bezeichnet alle Eingriffs­handlungen, die der Stärkung von individuellen Fähigkeiten der Lebensbewälti­gung dienen“ (Hurrelmann et al. 2014, 14), das Modell der Salutogenese.

Weiter unterscheiden Hurrelmann, Klotz und Haisch drei Kategorien der Prä­vention: Primärprävention („Prototyp“ von Prävention will Krankheiten vermeiden), Sekundärprävention (Krankheitsfrüherkennung) sowie der Tertiärprävention (Rück­fallverhütung und Rehabilitation) (vgl. Hurrelmann et al. 2014, 26). Sie vergleichen das „biomedizinische Modell“ mit Fokussierung auf Pathologie, mit dem salutoge- nen und dem damit verbundenen Blick auf Gesundheit (vgl. Naidoo und Wills, 2010, 10). Das salutogenetische Modell hat die Konzeption von Gesundheitsförde­rung stark beeinflusst, weil es eine auf den Einzelnen bezogene Sichtweise beför­dert hat (vgl. Dür und Felder-Puig, 2011, 16). Jedoch ergänzen sich das biomedi­zinische Modell wie das salutogenetische Modell. Hurrelmann, Klotz und Haisch machen dies am Beispiel der Suchtmittelprävention deutlich. Suchtmittelpräventi­onsprogramme (beispielsweise gegen Alkohol oder Tabak) müssen Elemente zur Prävention (z.B. Widerstand gegen Gruppendruck) und Gesundheitsförderung (z.B. Steigerung von Lebenskompetenzen) beinhalten (vgl. Hurrelmann et al., 2007, 42). Gesundheitsförderung verfolgt das Ziel, Gesundheitsressourcen zu stärken. Diese gilt es am Individuum und an Rahmenbedingungen zu tun, was in Kapitel 2.2 Gesundheitsfördernde Pflegeschule näher verdeutlicht wird.

Abschließend fünf wichtige Ziele der Gesundheitsförderung, welche in der be­reits mehrfach zitierten Ottawa-Charta von 1986 als Handlungsfelder der Gesund­heitsförderung, (vgl. Naidoo und Wills, 2010, 85 sowie Dür und Felder-Puig, 2011, 29-31) wie folgt beschrieben werden (WHO, 1896, 5+6):

1. Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik

Die Charta fordert weltweit die Länder auf den Volksgesundheitsgedanken zu rea­lisieren. Das soll über das Funktionieren und die Finanzierbarkeit des Gesund­heitswesens hinaus geschehen.

2. Schaffung unterstützender Umwelten zur Gesundheit

Es sollen gesundheitsförderliche Lebenswelten durch den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und durch die Gestaltung der alltäglichen Lebensbe­reiche geschaffen werden (Verhältnisansatz3 ).

3. Gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen unterstützen

Gesundheitsförderung betrifft alle Menschen, die von verschiedenen Umweltfakto­ren oder von beruflichen Gesundheitsrisiken betroffen sind. Durch gesundheitsbe­zogene Gemeinschaftsaktionen sollen soziale Netzwerke gebildet werden.

4. Persönliche Kompetenzen entwickeln

Gesundheitsförderung zielt auf bessere Kontrolle über gesundheitsbeeinflus­sende Faktoren (Verhaltensansatz4 ). Neben Bewältigungsstrategien gehören Infor­mationstrategien im Umgang mit Gesundheit und Krankheit dazu. Die Vermittlung und der Erwerb solcher Strategien wird als Empowerment bezeichnet, was Hurrel­mann, Klotz und Haisch als Kernstrategie der Gesundheitsförderung betrachten.

5. Gesundheitsdienste neu orientieren

Weiter sollen die Regierungen der Länder das Versorgungssystem auf sozialer, politischer und ökonomischer Basis stärker in Richtung Gesundheitsförderung ent­wickeln und über bisherige medizinische-kurativen Betreuungsleistungen hinaus anbieten.

1.2 Sport- und Bewegung

Sport ist ein Sammelbegriff für verschiedene Bewegungs-, Spiel- sowie Wett­kampfformen und geht regelmäßig immer mit körperlicher Aktivität einher. Völker sieht Sport als die intensivste Variante körperlicher Aktivität an, welche eine positi­ve Korrelation mit dem individuellen Gesundheitszustand aufweist. Inaktivität hin­gegen korreliert negativ (vgl. Völker in Geuter 2012, 23-25). Für Röthing et al. hat sich Sport,,[...] zu einem umgangssprachlichen, weltweit gebrauchten Begriff ent­wickelt. Eine präzise oder gar eindeutige begriffliche Abgrenzung lässt sich des­halb nicht vornehmen“ (Röthig, 2003, 420). Aufgrund dessen wird im weiteren Ver­lauf dieser Arbeit, die Begrifflichkeit Sport- und Bewegung synonym verwendet.

Für den Sportwissenschaftler Hauer ergeben sich vielfältige Funktionen des Sports, die „von der Gesundheitsförderung bzw. Krankheitsverhütung über seine pädagogische Rolle im Sinne einer Wertevermittlung [...], bis hin zur Integrations­und Gewaltprävention“ (Hauer, 2012, 19) reichen. Körperliche Aktivität trägt we­sentlich zur Risiko-Reduktion von cardio-vasculären (z.B. Herzinfarkt), metaboli­schen (z.B. Diabetes) und bei bösartigen Neubildungen (z. B. Tumore) bei, belegt mit entsprechenden Studien (vgl. Reicherz et al. in Geuter, 2012, 153). Bensch be­stätigt dies undmeint „Agile Menschen haben eine höhere Lebenserwartung“ (Bensch, 2014, 1).

Die vorgestellten gesundheitsförderlichen Aspekte von Sport und Bewegung sind begründet im Drang nach Bewegung, welcher grundsätzlich in der menschli­chen Natur angelegt und deswegen ein zentrales menschliches Bedürfnis ist (vgl. Brieskorn-Zinke, 2006, 144). Es werden Parallelen zu Antonovskys zitierte Meta­pher aus Kapitel 1.1 Gesundheit deutlich: „Bewegung ist ein Urphänomen des Le­bens. Alles Lebendige ist Leben“ (Brieskorn-Zinke, 2006, 145) oder „alles Leben ist Bewegung“ (Leonardo daVinci in Knapp, 2012, 63).

Demnach bilden die Begriffe Sport und Bewegung Schnittmengen. In Bezug auf den Pflegeberuf ist Bewegung ebenfalls ein essentieller Bestandteil, insbesondere das Gehen, Heben und Tragen gehören zu den berufsspezifischen Aufgaben. Da­bei handelt es sich allerdings um Arbeitsbelastungen. Im Folgenden möchte ich Ergebnisse und Empfehlungen der jüngsten Evidenz bezogen auf gesundheitsför­derlicher Bewegung bei Erwachsenen geben.

Hier bin ich auf folgende nationale sowie internationale Empfehlungen gesto­ßen:

- Das American College of Sports Medicine (ACSM) und die American Heart Association (AHA) empfehlen für Erwachsene: „Zur Förderung und Auf­rechterhaltung von Gesundheit benötigen alle gesunden Erwachsenen zwi­schen 18 und 65 Jahren zumindest 30 Minuten Ausdauerbelastungen, mit mindestens mittlerer Intensität an fünf Tagen die Woche, oder zumindest 20 Minuten Ausdauerbelastung mit höherer Intensität, an drei Tagen der Wo­che. Auch eine Kombination aus Bewegung mit mittlerer und höherer Inten- sität ist geeignet, um die Bewegungsempfehlungen zu erfüllen“ (vgl. Has­kell et al., 2007).
- Pate et al. fordern: „Erwachsene sollen ermutigt werden, ihre alltägliche körperliche Aktivität allmählich mit dem Ziel zu erhöhen, täglich mindestens 30 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität auszuüben wie z.B. zügig zu Fuß zu gehen oder Treppen steigen. Bewegung mit höherer Intensität wie beispielsweise langsames Joggen, Radfahren, Ballspiele (Fußball, Tennis usw.) und Schwimmen können einen zusätzlichen gesundheitlichen Gewinn bringen.“ (vgl. 1995, S. 404)
- Die WHO empfiehlt aktuell „150 Minuten Bewegung pro Woche mit mittlerer Intensität oder 75 Minuten pro Woche mit höherer Intensität“ (WHO, 2012, 8). Sie präzisiert die beiden vorab zitierten Vorgaben (ACSM, AHA und Pate et al.) und implementiert Übungs-Empfehlung zur Kräftigung, Balance, Be­weglichkeit und Knochenstärkung. Zudem ist sie praktikabler und dadurch lebensnäher geworden, da lediglich eine wöchentliche Gesamtzahl empfoh­len wird.
- Das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-West­falen (LIGA.NRW), entwickelte nach WHO-Empfehlung eine Bewegungsuhr (vgl. Abbildung 5 im Anhang - Bewegungsuhr).

Nach der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2014“ (GEDA-2014) des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin kommen bezogen auf die WHO-Empfehlung lediglich 18 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer in Deutschland dem wöchentlichen Mindestmaß an Bewegung nach. Bezogen auf die Gesamtbevölke­rung ist dies im Vergleich mit GEDA-2009, -2010 und -2012 bedeutet dies einen stabilen bis leicht ansteigenden Wert. In einer weiteren Studie belegt Finger (GEDA-2014, 2014, 96-97) eine Korrelation zwischen der Zunahme sitzender Be­rufstätigkeiten und die kompensatorische Zunahme von Freizeitsport (Finger et al., 2012).

1.3 Setting

Der Settingansatz bildet eine Kernstrategie der Gesundheitsförderung (vgl. Ka­pitel 1.1 Gesundheit). Dieses Verständnis von Gesundheitsförderung und Präven­tion liegt dieser Arbeit zugrunde, da Gesundheitvon Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt wird: „dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lie- ben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesund­heit ermöglichen“ (WHO, 1986, 5). Mit Settings sind dabei Felder, Lebenswelten oder besser Sozialzusammenhänge gemeint, in denen die Menschen einen großen Teil Ihres Lebens verbringen (vgl. Naidoo und Wills, 2010, 310). Beispiele dafür bilden formale Organisationen (z.B. Betrieb, Schule), regionale Situationen (z.B. Kommune, Stadtteil, Quartier), gleiche Lebenslagen (z.B. Rentner/Rentnerin­nen) oder gemeinsame Werte bzw. Präferenzen (z.B. Religion, sexuelle Orientie­rung). Selbstverständlich sind Kombinationen dieser exemplarisch genannten Set­tings denkbar.

Naidoo und Wills zufolge muss Gesundheitsförderung deshalb an bestimmte Sozialzusammenhänge anknüpfen. Dabei muss neben individuellen Veränderun­gen häufig auch Grundlegendes geändert werden, z.B. organisatorische Abläufe einzelner Settings. Mit Bezug auf Gesundheitsförderung strukturieren Naidoo und Wills die verschiedenen Settings in: Schule, Betriebe, Wohnreviere/Quartiere, Krankenhäuser und Gefängnisse (vgl. 2010, 310). Klemperer ergänzt (2010, 169+170) um Kindergärten, Kindertagesstätten und die Bundesgesundheitszentra­le für Gesundheitliche Aufklärung nimmt Hochschulen hinzu (BZgA, 2014).

Wie wirksam die Förderung körperlicher Aktivitäten über den Settingansatz ge­genüber bevölkerungsweiten Interventionen sein kann, belegen Foster et al. sowie Baker et al. in Geuter und Hollederer. Diese haben 44 nationale und internationale Forschungsarbeiten zur Bewegungsförderung von Erwachsenen in einer Metastu­die zusammengeführt. Sie belegen, dass Maßnahmen zur Förderung körperlicher Aktivität auf kommunaler Ebene einen geringeren Wirkungsgrad aufweisen als Maßnahmen zur individuellen Förderung von körperlicher Aktivität (vgl. Foster et al., Baker et al. in Geuter und Hollederer 2012, 95-111), wobei letztere unter fort­laufender professioneller Anleitung und Begleitung stattfinden sollten (vgl. Foster et al., 2005 und Baker et al., 2011).

Eine individuumbezogene Betrachtung innerhalb eines Settings mit Bezug auf das strategische Management (Leitungen) bis hin zur operativen Ebene (Lehrer) ist wichtig: „Der Settingansatz versucht die gesundheitlichen Anliegen in allen Be­reichen des Settings zu integrieren, d.h. in die Alltagsroutinen des Denkens und Handelns der Settingmitglieder, einschließlich des Managements“ (Naidoo und Wills, 2010, 310).

1.4 Pflegeschule

ln der vorliegenden Arbeit soll die Begrifflichkeit „Pflegeschule“ als Sammelbe­zeichnung für alle ausbildenden Schulen der Pflegeberufe sowie Pflegehilfsberufe verstanden werden. Es handelt sich um keine geschützte oder feststehende Be­zeichnung, es handelt sich vielmehr eine umgangssprachliche Abkürzung zu sein, welche sich ursprünglich aus der vorangestellten Berufsbezeichnung zusammen­setzte, wie z.B. „Kranken“pflegeschule.

„Pflege“ soll im Kontext dieser Arbeit als Sammelbegriff für die dreijährigen Aus­bildungsberufe des Gesundheitswesens Altenpflege (AP), Gesundheits- und Kran­kenpflege (GKP) und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege (GKKP), sowie die einjährige Ausbildung zur Altenpflege- und Krankenpflegehilfe dienen. Das Kran­kenpflegegesetz (KrPflG) in welchem auch die Ausbildungsinhalte GKKP definiert sind, nennt die Kurzform „Schule“ (§4 KrPflG). Das Altenpflegegesetz (AltPflG) wird mit „Altenpflegeschule“ (§3 AltPflG) konkreter.

[...]


1 Das Ziel von PEKIP® ist es, Eltern und Säuglinge im sensiblen Prozess der Entwicklung und des Zueinanderfindens während des ersten Lebensjahrs zu unterstützen. Bereits ab der 4. Lebenswoche werden in Gruppentreffen, Bewe- gungs-, Spiel- und Sinnesanregungen gegeben und die Säuglinge in ihrer sozio-motorischen Entwicklung gefördert. (PEKIP® e.V., 2015)

2 Regelmäßige Bewegung bietet sich auch für die Gestaltung der Pausen an. Ab der Grundschule können Kinder sich mit angeschafften Sport- und Spielutensilien eigenverantwortlich spielen und bewegen. (Deutsche Gesetzliche Unfallversi­cherung, 2015)

3 Verhältnisansatz=setzen an Rahmenbedingungen an (Hurrelmann et al., 2007, 36)

4 Verhaltensansatz=setzt individuell am betroffenen Menschen an (Hurrelmann et al., 2007, 36)

Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Sport- und Bewegungsunterricht im Setting einer gesundheitsfördernden Pflegeschule
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Veranstaltung
Pflegewissenschaft / Pflegepädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
70
Katalognummer
V304528
ISBN (eBook)
9783668026766
ISBN (Buch)
9783668026773
Dateigröße
1253 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Forschungsarbeit mit qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring
Schlagworte
Gesundheit, Pflege, Pädagogik, Pflegepädagogik, Gesunheitsförderung, Pflegeschule, Pflegeausbildung, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege, Sport, Sportunterricht, Bewegung, Bewegungsunterricht, gesundheitsfördernde Pflegeschule
Arbeit zitieren
Dennis Krumpholz (Autor), 2015, Sport- und Bewegungsunterricht im Setting einer gesundheitsfördernden Pflegeschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304528

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