Das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Loser Flickenteppich oder nationaler Staatenbund?


Seminararbeit, 2012
10 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Nation

Sprache

Kultur und Religion

Rechtsstaat / Verfassung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Deutschland genau kennenzulernen, ist ungleich schwerer als irgendein anderes europäisches Land. Hier ist es nicht wie in Frankreich und den meisten anderen Ländern, wo man in den Hauptstädten sozusagen die Nation in einer Nuß beisammen hat. Hier ist keine Stadt, die dem ganzen Volk einen Ton gibt. Es ist in fast unzählige, größere und kleinere Horden zerteilt, die durch Regierungsform, Religion und andere Dinge unendlich weit voneinander unterschieden sind und kein anderes Band unter sich haben als die gemeinschaftliche Sprache.[1]

Dieses Zitat von Johann Kaspar Riesbeck[2] aus dem Jahre 1783 zeigt die Ansicht der Zeitzeugen, die das damalige Heilige Römische Reich hautnah erlebt haben. Doch ist diese Meinung nicht zu einseitig? Muss man nicht den Blick weg von der einzelnen Ansicht hin auf das ganze System richten? Wäre es zu einfach zu behaupten, dass das Heilige Römische Reich deutscher Nation am Ende seines Bestehens nur die Sprache als gemeinsamen Faktor hatte? In dieser Arbeit wird der Blickpunkt nicht nur auf die Sprache, wie sie Herr Riesbeck in seinem Briefwechsel schon als Punkt für eine Nationsbildung aufgeführt hat, sondern auch auf die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten, sowie auf die religiöse Vielfalt und natürlich auch auf das Rechtssystem unter den einzelnen Mitgliedsstaaten gelegt. Unter diesen Aspekten möchte ich aufzeigen, ob es sich bei dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation um einen losen Flickenteppich von Staaten oder ob es sich um einen nationalen Staatenbund handelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Arbeit untergliedert ist in die Punkte Kultur / Religion und Rechtsstaat. Am Anfang jedoch steht das Wort „Nation“ im Vordergrund. Mit dessen Bedeutung und Definiton wird diese Arbeit starten.

Nation

Nation. Was lässt sich unter diesem Wort bzw. diesem Begriff verstehen? Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert „Nation“ wie folgt:

„Die konservative Interpretation betont das statische Element, d. h. die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gemeinschaft (auch: Volk), die als Großgruppe von Menschen über bestimmte homogene Merkmale (z. B. gemeinsame Sprache, Kultur, Geschichte) verfügt und (zumeist) innerhalb eines bestimmten Territoriums zusammenlebt (Abstammungsgemeinschaft).[3]

Das Lexikon des Mittelalters, um auch eine ältere Definition von Nation zu berücksichtigen, schreibt:

„Nation, abgeleitet von lat. nasci (geboren werden), verweist auf die Vorstellung gemeinsamer (biologischer) Abkunft und auf den Ort der Geburt (Land, Landschaft, Stadt, Burg, o.ä.), kann daher früh zur formalen (nicht inhaltlichen) ethnographischen Klassifiezierung verwendet werden.[4]

Es lässt sich also zusammenfügen, dass eine Nation aus einem Volk besteht, welches die gleiche Sprache spricht, dieselbe Kultur und Geschichte besitzt, sowie innerhalb bestimmter Staatsgrenzen wohnt.

Diese Definition für „Nation“ soll für die komplette nachfolgende Arbeit gelten.

Sprache

Wie schon Riesbeck im Jahre 1783 schrieb, ist die Sprache gemeinsames Kulturgut der Deutschen. Zum Ende des Reiches dominierte die deutsche Sprache im Heiligen Römischen Reich. Deutsch war Amtsspache des Kaisers[5] und die Mehrheit der Bevölkerung verstand und sprach diese im Alltag. Dies ist ein Indiz für eine frühe Nationenbildung. Anton Büsching betonte 1789 aber, „ daß ein Deutscher oftmals den anderen nicht versteht[6] “. Die verschiedenen Dialekte, ob nun z.B. Friesisch, Sächsisch oder Bayrisch, sind in der damaligen Zeit, genauso wie heutzutage, gegeben. Dies weist auf eine kulturelle Vielfalt am Ende des 18. Jahrhunderts hin. Neben den verschiedenen Abarten des Deutschen kommen aber auch noch andere Sprachen wie Polnisch oder Französisch zu dem dialektischen Sprachengewirr hinzu. Diese „fremden“ Sprachen tragen, genauso wie die Dialekte, zwar zur kulturellen Vielfalt, aber nicht zur Nationenbildung bei. Die gemeinsame Sprache „Deutsch“ als Muttersprache, als Sprache der Regierung, hingegen, lässt wiederrum auf eine frühe Nationenbildung schließen.

[...]


[1] Joachim Bahl>

[2] Deutscher Jurist und Schrifsteller

[3] http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/17882/nation Stand: 09.10.2012 11:00 Uhr.

[4] Lexikon des Mittelalter, Hrsg.: Angermann, Norbert; u.a., München 1993, S. 1035.

[5] Peter C. Hartmann – Kulturgeschichte des Heiligen Römischen Reiches 1648 – 1806 Verfassung, Religion und Kultur, in: Studien zu Politik und Verwaltung, Hrgb.: Brünner, Christian; Mantl, Wolfgang; Welan, Manfried, Bd. 72, Wien 2001, S. 55.

[6] Peter C. Hartmann – Kulturgeschichte des Heiligen Römischen Reiches 1648 – 1806 Verfassung, Religion und Kultur, in: Studien zu Politik und Verwaltung, Hrgb.: Brünner, Christian; Mantl, Wolfgang; Welan, Manfried, Bd. 72, Wien 2001, S. 55.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Loser Flickenteppich oder nationaler Staatenbund?
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich 3 Geschichtswissenschaften)
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V304781
ISBN (eBook)
9783668030688
ISBN (Buch)
9783668030695
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heiliges Römisches Reich, Nation, Nationenbildung
Arbeit zitieren
Michael König (Autor), 2012, Das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Loser Flickenteppich oder nationaler Staatenbund?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304781

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