Die Berliner Sicherheitspolizei als militärische Übergangslösung in der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1920?


Hausarbeit, 2014
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung der Sicherheitspolizei

3. Organisation der Sicherheitspolizei

4. Rivalität mit anderen Sicherheitsorganen
4.1 Rivalität mit der Schutzmannschaft
4.2 Rivalität mit dem Militär

5. Der Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920
5.1 Das Verhalten der Sicherheitspolizei während des Kapp-Lüttwitz-Putsches
5.2 Das Ende der Sicherheitspolizei

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Sicherheitspolizei als eine militärische Übergangslösung in der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1920 bezeichnet werden kann. Die Überlegungen und Recherchen beziehen sich größtenteils auf die Berliner Sicherheitspolizei, die die institutionelle Gründung im März 1919 markiert und die Spannungen zwischen Reichswehr, Schutzmannschaft und der Berliner Sicherheitspolizei aufzeigt. Auch die Hamburger Ordnungspolizei wird innerhalb der Seminararbeit Erwähnung finden, um Entwicklungsunterschiede zwischen den beiden Institutionen zu kennzeichnen. Die behandelte Zeitspanne beginnt mit der Gründung der Berliner Sicherheitspolizei am März 1919 und endet mit deren Auflösung am 4. Oktober 1920. Als Quellengrundlage dienen die Inhalte des Versailler Vertrags vom 28. Juni 1919, die auf der Internetseite des deutschen historischen Museums veröffentlicht sind. Es handelt sich hierbei um einen Gesetzestext, der aufgrund seines gehobenen Ausdrucks- und Sprachniveaus sowie des verwendeten Fachjargons nicht jedem Leser zugänglich ist. Dennoch weist ein Gesetzestext gegenüber anderen Quellengattungen Objektivität und Allgemeingültigkeit auf, sodass es als juristisch-thematische Grundlage Verwendung finden kann. Des Weiteren wird die Denkschrift des Staatsministers a.D. Wolfgang Heine vom 23.3.1921 an den Staatssekretär a.D. Graf Roedern Erwähnung finden, in dem Heine unter anderen die Funktion und Gliederung der Sicherheitspolizei sowie die Beziehung zwischen Preußen und dem deutschen Reich thematisiert. Diese Stellungsnahme Heines ist nicht frei von Subjektivität, was in der Analyse betrachtet werden muss. Die Quelle gewährt einen Einblick in den kommunikativen Prozess und die politische Zusammenarbeit zwischen Bund und Länder. Der Kapp-Lüttwitz-Putsch wird quellentechnisch durch in dieser Zeit entstandenen Dokumente, d.h. Zeitschriftenartikel, Stellungnahmen und Verordnungen, repräsentiert. Nachteil dieser Quelle ist, dass sie durch die vielen auftretenden Personen, Institutionen und Textgattungen unübersichtlich erscheint. Aufgrund dessen ist hier nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine thematisch-strukturierte Ordnung vorzunehmen. Vorteil der Quelle ist die Informations- und Themenvielfalt, die Hintergründe, Entwicklung und Folgen des Kapp-Lüttwitz-Putsches detailliert und ausführlich vermittelt. „Nachkrieg“ von Ludwig Renn ist die letzte in dieser Arbeit verwendete Quelle, die einen sehr persönlichen und emotionalen Einblick in den Alltag eines Sicherheitspolizisten gewährt. Die Quelle ist ein Augenzeugenbericht, der viele Informationen über den Verfasser selbst, Ludwig Renn, und seine Sicht auf die Institution Sicherheitspolizei enthält. Außerdem stütze ich meine Ausführungen auf folgende Hauptwerke: „Die preußische Schutzpolizei und die Weimarer Republik“ von Peter Leßmann, dessen Werk einer thematischen Vielfalt und Breite unterliegt und detaillierte Informationen über die Entstehung und der weiteren Entwicklung der Sicherheitspolizei bietet. Die Monographie „Die Berliner Polizei in der Weimarer Republik“ von Hsi-Huey Liang konzentriert sich auf die Sicherheitspolizei in Berlin und verdeutlicht die Charakteristika der Institution durch regionale Beispiele. Auf diese Weise erlangt die Arbeit auch eine räumliche Fokussierung. Jürgen Siggemann vergleicht in seinem Werk die Beziehung zwischen der Sicherheitspolizei in der Weimarer Republik und anderen Sicherheitsorganen. Der Leser erhält, bedingt durch die Argumentation Siggemanns, einen etwas kritischeren Eindruck von der Idee, eine Sicherheitspolizei in der Weimarer Republik einzuführen.

2. Entstehung der Sicherheitspolizei

Der Ausgangspunkt der Entstehung und Entwicklung der Sicherheitspolizei in der Weimarer Republik markierten die Aufstandsversuche der kommunistischen Partei, bestehend seit dem 13. Dezember 1918 aus dem Spartakusbund und radikalen Linken aus der Stadt Bremen, die sich von Januar bis März in weiten Teilen Deutschlands, speziell in Berlin, erstreckten.[1]Kennzeichnend für diese Aufstandsversuche stand der „Januaraufstand“ am 5. Januar 1919 und die Ermordung Rosa Luxemburgs, die am 15. Januar 1919 von Freikorpsoffizieren[2]ermordet wurde.[3]Der Märzaufstand 1919, der einen weiteren Generalstreik seitens der KPD, der Arbeiter- und Soldatenräte und der Berliner USPD beinhaltete, stellte den Höhepunkt der Krawallen und Proteste linksgerichteter Parteien dar.[4]Letztendlich kamen in Folge dieser Märztage 1500 Menschen, darunter Unschuldige, Frauen und Kinder sowie 260 Soldaten um.[5]Die Berliner Schutzmannschaft, die zu dieser Zeit für Recht und Ordnung in den Stadtteilen Berlins sorgen sollte, wurde anhand dieser Vorfälle kritisiert und Reformen bezüglich des Berliner Ordnungs- und Polizeisystems formuliert. Gefordert wurde eine Trennung in eine Wohlfahrtspolizei, besetzt durch Berliner Schutzmannschaften, und eine staatliche Sicherheitspolizei, die von Einflüssen unberührt sein und aus jungen, kräftigen, gut ausgebildeten und disziplinierten Männern bestehen sollte.[6]Damit war nach der Auffassung von Peter Leßmann die Trennung in eine unbewaffnete Ordnungspolizei und in eine militärisch organisierte bewaffnete Sicherheitspolizei[7], in der eine große Zahl an Freikorps eingegliedert wurde[8], besiegelt.

Die Umstrukturierung des Polizeisystems erfolgte jedoch nicht in allen Gebieten innerhalb der Weimarer Republik zeitgleich, wie das Beispiel der Stadt Hamburg zeigt. Lother Danner ist der Ansicht, dass die Idee einer Ordnungspolizei[9]in Hamburg nach Abschluss der Juniunruhen 1919[10]entwickelt und eine Reform bezüglich des uniformierten Polizeisystems postuliert wurde.[11]Grund dafür war der Bericht des Hamburger Untersuchungsausschusses, der nach dem Abschluss der Unruhen vom 24. und 25. Juni 1919 eingesetzt wurde und zu der Erkenntnis kam, dass die Revolution binnen weniger Tage die völlige Auflösung und Zersetzung der Schutzmannschaft und der Hafenpolizei verursacht habe.[12]Den Kern der neuen Ordnungspolizei sollten Freiwilligenverbände bilden, an deren Spitze sich General Lettow-Vorbeck befand und die unter seiner Regie in Hamburg eingerückt waren.[13]Auch in Hamburg wurden viele Offiziere und Freiwillige in die neue Ordnungspolizei eingegliedert, um der Forderung der Alliierten, den Abbau der Freiwilligentruppen nach Ende des 1. Weltkrieges voranzutreiben, nachzukommen.[14]

3. Organisation der Sicherheitspolizei

Nachdem ich im ersten Abschnitt meiner Hausarbeit auf die Entstehung der Sicherheitspolizei in der Weimarer Republik eingegangen bin, möchte ich nun auf die Organisation innerhalb der Sicherheitspolizei, die ab März 1919 neben der Ordnungspolizei das Polizeisystem widerspiegelte, eingehen.

Die Organisation übernahm der Reichswehrminister Gustav Noske, der von Februar 1919 bis März 1920 das Amt inne hatte.[15]Noske regte an, die Sicherheitspolizisten in jeder Provinz von einem staatlichen Inspekteur kontrollieren zu lassen und in jedem Ort der Berliner Provinz eine Sicherheitspolizeireserve zu installieren, die stark, gut bewaffnet und schnell verfügbar sein sollte.[16]

Essentiell für das schnelle Fortschreiten der formulierten Pläne, darunter die Bewaffnung, die Uniformierung, die Beförderung und die Festlegung von Dienstbezeichnungen, schien die gute Zusammenarbeit zwischen dem preußischen Innenministerium[17], dem preußischen Kriegsministerium und dem Reichswehrministerium.[18]Am 31. Mai 1919, zwei Monate nach Ende des Märzaufstandes und der daraus resultierenden Forderung einer Sicherheitspolizei, gab das preußische Innenministerium Organisationsrichtlinien für die Berliner Sicherheitspolizei bekannt.[19] Hsi-Huey Liang erklärt, dass für die Berliner Sicherheitspolizei neun Abteilungen mit jeweils mindestens 1000 Mann vorgesehen waren, von denen jede Abteilung mit Maschinengewehren, Granatwerfern und Flammenwerfern ausgerüstet waren.[20]Präzisierend ergänzt Siggemann, dass die unter Leitung des von Oberst Weber ausgewählten Kommandeuren Oberst Milching von Schönstedt stehenden Polizeiabteilungen[21]

„aus einem Stab, einem Nachrichtenzug, mehreren Hundertschaften, einer technischen Hundertschaft mit gepanzerten Fahrzeugen, einem Pionierzug, einem Minenwerferzug und mehreren Feldgeschützen“[22]

[...]


[1]Vgl. Ludger Grevelhörster, Kleine Geschichte der Weimarer Republik 1918-1933. Ein problemgeschichtlicher Überblick, Münster 2006, S.26.

[2]Als „Freikorps“ werden bewaffnete Freiwilligenverbände außerhalb des Heeres bezeichnet, die größtenteils aus demobilisierten Soldaten bestanden; Vgl. Thoß, Bruno, Freikorps. Zum Zitieren geeignet >http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44351< (14.09.2014)

[3]Vgl. Grevelhörster, S.26.

[4]Vgl. Hans Herzfeld, Die Weimarer Republik, Frankfurt am Main/ Berlin 1986, S.21.

[5]Vgl. ebd.

[6]Vgl. Jürgen Siggemann, Die kasernierte Polizei und das Problem der inneren Sicherheit in der Weimarer Republik. Eine Studie zum Auf-und Ausbau des innerstaatlichen Sicherheitssystems in Deutschland 1918/1919-1933, Frankfurt 1980, S.83.

[7]Vgl. Peter Leßmann, Die preußische Schutzpolizei und die Weimarer Republik. Streifendienst und Straßenkampf, Düsseldorf 1989, S.47.

[8]Vgl. Hsi-Huey Liang, Die Berliner Polizei in der Weimarer Republik, Berlin/New York 1977, S.50.

[9]Unter „Ordnungspolizei“ versteht Lothar Danner die in dieser Seminararbeit verwendete Bezeichung „Sicherheitspolizei“, da die Polizei diesen Namen, abgekürzt „Sipo“, bei ihrer ursprünglichen Gründung erhielt. „Ordnungspolizei“ ist neben der „Schutzpolizei“ in Preußen und der „Landespolizei“ eine nach der Auflösung der „Sicherheitspolizei“ entstandene Bezeichnung, die in Hamburg Verwendung fand; Vgl. Lothar Danner, Ordnungspolizei Hamburg. Betrachtungen zu ihrer Geschichte 1918 bis 1933, Hamburg 1958, S.9.

[10]Die Geschehnisse in Hamburg im Juni 1919 werden auch als „Sülzeunruhen“ bezeichnet. Einen detaillierten Einblick dazu bietet: Sven Philipski, Erklärungsnot und sozialer Protest. Die Hamburger Sülzeunruhen 1919, Hamburg 2002.

[11]Vgl. Danner, S.23.

[12]Vgl. ebd. S.12.

[13]Vgl. ebd. S.23.

[14]Vgl. Danner, S.24.

[15]Vgl. Leßmann, S.38.

[16]Vgl. Siggemann, S.84.

[17]Die Leitung des preußischen Innenministeriums hatte seit den Wahlen zur verfassungsgebenden preußischen Landesversammlung vom 26. Januar 1919 Wolfgang Heine inne; Vgl. Leßmann, S.33.

[18]Vgl. Siggemann, S.85.

[19]Vgl. Leßmann, S.50.

[20]Vgl. Liang, S.50.

[21]Vgl. Siggemann, S.86.

[22]Siggemann, S.87.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Berliner Sicherheitspolizei als militärische Übergangslösung in der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1920?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V305535
ISBN (eBook)
9783668034020
ISBN (Buch)
9783668034037
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berliner, sicherheitspolizei, übergangslösung, weimarer, republik
Arbeit zitieren
Dominik Gros (Autor), 2014, Die Berliner Sicherheitspolizei als militärische Übergangslösung in der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1920?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305535

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