Das Modell der Smart City

Überprüfung verschiedener Umsetzungsversuche


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
25 Seiten, Note: 1.3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Wahrnehmung der Vernetzung in der Öffentlichkeit
1.2 Gliederung der Arbeit

2 Der Begriff ‚Smart City‘
2.1 Vorbild ‚Smart Growth‘
2.2 Nachfolger ‚Smart City‘

3 Komponenten einer intelligenten Stadt
3.1 Smart Economy
3.2 Smart Mobility
3.3 Smart Environment
3.4 Smart People
3.5 Smart Living
3.6 Smart Governance

4 Lokale Beispiele
4.1 Vorgehensweise der Überprüfung
4.2 Hamburg
4.3 King Abdullah Economic City
4.4 Songdo International Business District

5 Synthese

6 Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Smart Growth Principles

Abb. 2: Bereiche städtischer Entwicklung im Smart-City-Modell

Abb. 3: Smart-City-Modell

Abb. 4: Daily flows between and at hubs on the London rail network from qyster [sic] card data

Abb. 5: Smart Grid

Abb. 6: Smart Data Regelkreis

Abb. 7: Lage der lokalen Beispiele

Abb. 8: Bewertungsmuster

Abb. 9: Visualisierung des neuen Quartiers Wilhelmsburg Mitte

Abb. 10: King Abdullah City Master Plan

Abb. 11: KAEC: bisher fertiggestellt

Abb. 12: SIBD

Abb. 13: Ergebnisse der Bewertung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Wahrnehmung der Vernetzung in der Öffentlichkeit

Smart, vernetzt, nachhaltig: Begriffe, die sich aufgrund ihrer bisher durchgehend positi­ven Konnotation als Herausstellungsmerkmale eignen, finden im Sprachgebrauch in den letzten Jahren nicht zuletzt deshalb breite Anwendung; z. B. stellt eine Datingshow unter dem Namen „vernetzt – verkuppelt – verliebt“ (Grief o. J.) die Vorteile einer digitalen Ver­netzung zusätzlich zum „klassischen“ Netzwerk – den Freunden – hervor. Das „Smart Home“ will mit seiner grundeigenen Intelligenz und individuellen Steuerbarkeit ein ein­facheres und effizienteres Leben bieten (Telekom Deutschland GmbH o. J.a) und ein Golf­turnier auf Hawaii versucht, sich mit Nachhaltigkeit zu profilieren (Sony Corporation 2015). Negative Aspekte werden in der Öffentlichkeit zumeist in Filmen besonders deut­lich, die sich mit dem Konzept der smarten und gänzlich vernetzten Stadt mitsamt ihren möglichen Schwachstellen auseinandersetzen und diese als Rahmenbedingungen oder Grundlage für die Handlung einfließen lassen. Den vorläufigen Höhepunkt einer öffentli­chen Diskussion über die Problematik bildete der Skandal um die Spionageaffäre der Na­tional Security Agency, der deutlich machte, welche Möglichkeiten eine vernetzte Welt nicht nur für den Besitzer eines Smartphones, sondern auch für private oder staatliche Institutionen bietet. Wie lange und inwieweit die Privatpersonen diesem Gebrauch ihrer Daten zustimmen, bleibt abzuwarten; wie so oft in der Geschichte scheint nicht alles, was technisch möglich ist, auch moralisch vertretbar zu sein.

Für die Smart Cities der Zukunft spielt dagegen die Vernetzung eine zentrale Rolle, um den Gedanken der Smartness überhaupt umzusetzen, ebenso ist die Nachhaltigkeit ein erklärtes Ziel. Welche weiteren Teilbereiche die intelligente Stadt umfasst und ob die Zu­schreibung smart auf bestimmte Orte wirklich zutrifft, soll anhand von Beispielen aufge­zeigt werden.

1.2 Gliederung der Arbeit

Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen: Um eine Wissensgrundlage zu erarbeiten, wird der Begriff und dessen Herkunft geklärt. Anschließend soll das grundlegende Konstrukt einer intelligenten Stadt mit den verschiedenen Bauteilen, veranschaulicht mit Beispie­len, erläutert werden. Anhand dieses Modells, das einerseits auf einer bereits durchge­führten Untersuchung beruht, andererseits noch von anderen Aspekten bereichert wird, werden drei Städte, die sich als smart bezeichnen, analysiert. Am Schluss wird ein Fazit gezogen, inwieweit diese Zuschreibungen zutreffen.

2 Der Begriff ‚Smart City‘

2.1 Vorbild ‚Smart Growth‘

Trotz der Aktualität der Smart City in Forschung und politischer Instrumentalisierung ist die Diskussion um das Konzept nicht neu, u. a. die Smart-Growth-Bewegung hat sich mit Zukunftsstrategien für den Raum beschäftigt (Faßmann und Franz 2012). Hervorgegangen ist diese aus dem „growth management“ in den USA; während man sich erst nur mit dem Nachhaltigkeitsaspekt beschäftigt hat, erweitert nun ‚smart‘ das Wachstum, das in einer Form immer stattfindet, um Intelligenz (Knaap und Cohen 2004).

Dieses intelligente Wachstum umfasst 10 Prinzipien, die Maßnahmen wie gemischte Land­nutzung, kompakte Bauweise, zu Fuß erreichba­re Nachbarschaften vorschlägt, um u. a. dem„ur­ban sprawl“entgegenzuwirken (Ache 2004). Der Nachhaltigkeitsgedanke äußert sich im 6. Prin­zip, das das Bewahren von unbebauten, land­wirtschaftlich genutzten sowie bedrohten Land­schaften propagiert (Knaap und Cohen 2004). Per­suasiv-politisch orientiert zeigen sich die Prinzi­pien 5, 7, 9 und 10; darin sollen attraktive Orte mit besonderem Charakter, dem sog. „sense of place“ und bereits existierende Gemeinden un­terstützt, Entwicklungsentscheidungen transpa­rent, fair und kosteneffektiv gestaltet, sowie eine Aktionsachse Gemeinde – Betroffene bestärkt werden, sich bei Entscheidungen zu beteiligen. Insgesamt liegt das Intelligente des Smart Growth in der Möglichkeit für Gemeinden, die das Konzept in ihre planerische Tätigkeiten einfließen lassen, eine Entwicklung ansto­ßen zu können, die der Wirtschaft, der Umwelt und der Gemeinde selbst dient und damit Problemen wie z. B. Kosten für Infrastruktur, brachliegende Flächen, Staus und Umwelt­schäden entgegenwirkt (International City/County Management Association 2002).

2.2 Nachfolger ‚Smart City‘

Was an den zuvor vorgestellten Prinzipien fehlt, ist der Bezug zur Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), dem Sektor, der die Smart Cities am stärksten prägt.

Das ‚Smart‘ in Smart Cities sehen Heinz Faßmann und Yvonne Franz (2012: 119) deshalb in der „Fähigkeit einer Stadt, eines Unternehmens oder einer […] Person, auf eine verän­derte Umweltsituation so zu reagieren, dass der eingesetzte Ressourcenaufwand ein re­latives Minimum darstellt und der erzielte Ertrag […] ein Maximum ergibt“. Grundlage dafür ist, dass die intelligente Stadt nach der acatech (Deutsche Akademie der Technik­wissenschaften 2011: 9) „integriert und vernetzt“ ist.

Demzufolge erweitern sich die Prinzipen des Smart Growth: Eine Vielzahl an Trans­portmöglichkeiten soll nun auch umweltverträglich, die Bevölkerung bildungsorientiert sein. Der wirtschaftliche Aspekt, der in den ‚Smart Growth Principles‘ so nicht vor­kommt, ist neu. Grundgedanken der Effizienz und Umweltschonung, sowie Attraktivität, Transparenz und Partizipation findet man dagegen bei beiden. Insgesamt resultiert nach acatech, Heinz Faßmann und Yvonne Franz eine neue Beschreibung der Stadtkomponen­ten: Der Wirtschafts­sektor wird zur Smart Economy, die Bewoh­ner zu Smart People, Nachhaltigkeit geht in Smart Environment auf usw.

Neben dieser Entwicklung stellt Michael Batty et al. (2012: 505), weitere Handlungsmög­lichkeiten vor, die zu intelligenten Städten führen. Zu diesen zählen die

1. Entstehung neuer Städte, die sich als smart bezeichnen,
2. Neuorientierung alter Städte als smart,
3. Entstehung von Technologieparks, „tech cities“ und „Technopolen“, die sich auf High-Technologie konzentrieren,
4. Entwicklung urbaner Dienstleistungen, die moderne Informations- und Kommuni­ kationstechnologie nutzen,
5. Entwicklung neuer urbaner „intelligence functions“ durch das Nutzen von IKT und
6. Entwicklung einer Partizipation, die online und mobil stattfinden kann.

Zu dem erstem Punkt lassen sich die zwei späteren Beispiele finden: King Abdullah Eco­nomic City und Songdo International Business Disctrict. Eine Neuorientierung findet in vielen Städten statt, bspw. Wien, Hamburg oder dem Spitzenreiter bei der Untersuchung von Giffinger, Kramer und Strohmayer (2014): Luxemburg. Bei Technologieparks wäre der bekannteste Vertreter Silicon Valley; die Punkte 4 bis 6 sind handlungsspezifischer als noch die ersten drei und überschneiden sich mit der Definition über die Teilbereiche.

Ebenfalls geht eine Problematik mit dem Begriff ‚Smart City‘ einher: Zwar liegt allen Bereichen einer Stadt die Verknüpfung durch IKT zu Grunde, wie sich dagegen diese er­worbene Smartness äußert, kann sehr unterschiedlich sein (Giffinger et al. 2007a). Diese fehlende Konkretisierung und die positive Wahrnehmung des Begriffes an sich führen zu einem „inflationäre[n]“ Gebrauch, was einer klaren Definition und Vereinheitlichung ent­gegen steht (Faßmann und Franz 2012: 119). Auf der anderen Seite mobilisiert der Aus­druck einen neuen Diskurs, der für die Stadtentwicklung vorteilhaft ist und damit den Begriff „Nachhaltigkeit“ ablöst (Faßmann und Franz 2012: 120). Deshalb werden in der späteren Überprüfung die Punkte 1 bis 3 nur zur Übersicht verwendet, zum tatsächli­chen Zustand einer Smart City zusätzlich die Komponenten untersucht.

Da diese im Folgenden ausgeführt und insbesondere oft die Veröffentlichungen von Rudolf Giffinger et al. (smart-cities.eu) der Jahre 2007 und 2014 zitiert werden, erfolgt nun ein Überblick über die Studie: In die Auswahl wurden erst mittelgroße Städte mit vorhandener und zugänglicher Datenbasis aufgenommen. Von diesen wurden nur dieje­nigen untersucht, die 100.000 bis 500.000 Einwohner zählen, mindestens eine Universi­tät haben und in deren Einzugsbereich weniger als 1,5 Millionen Menschen leben, oder die Partner des EU-finanzierten Projekts PLEEC (Planning for energy efficient cities) sind. Ziel ist es u. a., eine unabhängige Vergleichsbasis zu schaffen, sowie die Bedeutung mittelgroßer Städte zu betonen.

Abb. 3: Smart-City-Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Komponenten einer intelligenten Stadt

3.1 Smart Economy

Der Wirtschaftssektor soll sich einerseits an bestehenden Leitlinien orientieren, wie der internationalen Eingebundenheit und Anpassungsfähigkeit an Konsumwünsche, umfasst andererseits auch neuere Aspekte, wie Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt oder eine Bil­dung von bestimmten Markenimages (Giffinger, Kramer und Strohmayer 2014). Die Gliede­rung an sich wird dem aktuellen Trend der Tertiärisierung entsprechen, speziell eine verstärkte Anwesenheit von Unternehmen der IKT erscheint in der Smart City als uner­lässlich, um überhaupt ortsnah die Entwicklung und v. a. Wartung der Systeme zu ge­währleisten.

Besonders gut spiegeln die aus dem Start-Up-Wesen in den späten 1980er- und 1990er-Jahren hervorgegangenen IT-Unternehmen die Smart Economy wider: Apple, Google oder Microsoft bewiesen in ihrer Entstehung großes Unternehmertum, agieren global und betonen die eigene Marke. Die Firmen zeigen außerdem eine enorme Produk­tivität, sie haben ihre Produktpalette im Laufe der Jahre großflächig erweitert: Macin­tosh-Computern folgen iPods, iPhones, möglicherweise iCars (Bernau 2015); dieser Inno­vationsgeist scheint ein essentieller Bestandteil des Erfolgs zu sein, was die in der Vergangenheit immer wieder auftretenden Patentrechtsstreite zu erkennen geben. Na­türlich können auch Firmen, die nicht der IKT zuzuordnen sind, diese Eigenschaften er­füllen; diese relativ neuen Unternehmen sind Paradebeispiele, zeigen aber gut, was die intelligente Wirtschaft auszeichnet.

3.2 Smart Mobility

Obwohl die „postindustriellen Theorien“ eine Welt ohne Distanzen propagieren, in der Ubiquität durch die globale Vernetzung erzeugt wird, kann der sog. „Cyberspace“ die Vor­teile einer Stadt im sozialen, kulturellen und ökonomischen Bereich nicht ersetzen (Boulten, Brunn und Devriendt 2012: 202, eigene Übersetzung).

Deshalb werden auch in Zukunft Transportsysteme benötigt, die sowohl gut erreich­bar, sicher und umweltschonend, als auch auch innovativ und eingebunden in die Smart City sowie überregionale Kontexte sind (Giffinger, Kramer und Strohmayer 2014). Verkehrs­leitsysteme spielen hierbei eine wichtige Rolle, ebenso könnte ein Ausbau von Alternati­ven, z. B. Sharing-Programme, helfen die Autonutzung zu verringern und damit den Staus vorzubeugen.

Unterstützt wird der Wandel der Mobilität weg vom Auto, das sich als Benzin- oder Dieselversion als nicht besonders nachhaltig erweist, von einer Untersuchung des MÜNCHNER KREIS e. V. (2013: 40-54). Demnach halten es heute in Deutschland 53 % für das wichtigste Verkehrsmittel, in zehn Jahren ist es für nur noch 38 % das Fortbewe­gungsmittel Nummer 1. Ähnlich sehen das auch die US-Amerikaner, bei denen der Wert bei den gleichen Parametern von 63 % auf 46 % fällt. Interessant ist v. a. die Antwort­möglichkeit „Eine komplett neue Mobilitätslösung, die es bisher noch nicht gibt“, für die in China für die Aussicht in zehn Jahren mit 24 % mehr stimmen, als für das eigene Auto mit 21 %. In den USA sind es für diese unkonkrete Antwort 18 %, in Deutschland 16 %. Leider werden nicht alle Umfrageergebnisse präsentiert, weshalb man sie nicht ge­schlossen grafisch aufbereiten kann. Der Trend in den untersuchten Ländern ist aller­dings klar: Das Auto verliert an Bedeutung und die Mobilitätsform der Zukunft ist für viele Befragte noch nicht erfunden worden, was aktuelle Modellversuche wie Elektromo­bilität in Bezug auf Wirksamkeit und Wahrnehmung der Kampagnen hinterfragt.

Exemplarisch für ein Projekt, das lokal zugänglich ist, IT-Infrastruktur nutzt und Nach­haltigkeit beweist, ist die Oyster-Card in London, mit der man sowohl die Bus- als auch Bahnlinien benutzen kann. Sie ermöglicht eine genau Messung der Fahrgäste, da man so­wohl beim Betreten als auch Verlassen die Karte überprüfen lassen muss (Batty et al. 2012). Durch die Ergebnisse konnte mit einer Umstellung auf einem rein von einem Computersystem geleiteten U-Bahn­netz die Auslastung bei gleicher In­frastruktur erhöht werden; weiter­hin bestehen Möglichkeiten, die Men­schenströme zu regulieren, bspw. brauchen die Fahrkartenautomaten etwas länger, die gewünschte Karte auszudrucken, wenn sich auf den Bahnsteigen bereits zu viele Perso­nen aufhalten (ARTE France 2014b).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Modell der Smart City
Untertitel
Überprüfung verschiedener Umsetzungsversuche
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Hauptseminar Kulturgeographie: Strukturwandel und Raumentwicklung
Note
1.3
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V305586
ISBN (eBook)
9783668034921
ISBN (Buch)
9783668034938
Dateigröße
1739 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Smart City, Intelligente Stadt, Stadt, Stadtentwicklung, Urbaner Raum, Smart Cities, Zukunft der Stadt, Smart Living, King Abdullah Economic City, Songdo International Business District, Grüne Stadt, Hamburg
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Das Modell der Smart City, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/305586

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Modell der Smart City


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden