Fehlermanagement als Teil des Qualitätsmanagements in der Pflege


Hausarbeit, 2014
25 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Qualitätsmanagement
2.2 Definition Qualitätsmanagement
2.3 Qualitätsmanagement in der Pflege

3 Fehlermanagement
3.1 Inhalte des Fehlermanagements
3.2 Fehler im Handlungsprozess
3.3 Fehlervermeidung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Vorwort

Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wird in der vorliegenden Arbeit bei häufig verwendeten Personenbezeichnungen (z. B. Patient, Pflegender, Mitarbeiter) nur die männliche Form verwendet. Diese ist jedoch immer inklusiv verstanden, sodass die weibliche Form stets inbegriffen ist

1 Einleitung

Über Qualität in der Pflege wird aktuell viel diskutiert und publiziert. Durch die drastische Veränderung der Alterspyramide, in der die Lebenserwartung der Bevölkerung jedes Kalenderjahr um 3 Monate ansteigt, wird das Management einer qualitätsorientierten Pflege alternder Menschen durch die permanente Zunahme der Zahl an Pflegebedürftigen und die dabei verfügbare Ressourcenknappheit häufig verdrängt. Pflegerische Defizite sind bezüglich einer professionellen Kooperation der Leistungserbringer, in der Qualifikation der Pflegekräfte sowie durch den Zeitmangel des Pflegepersonals in vielen Bereichen augenscheinlich. Betrachtet man die konkreten Rahmenbedingungen scheint qualitätsorientierte Pflege auf der Strecke zu bleiben, da eine Knappheit von Ressourcen in der professionellen Kooperation bezüglich der Zeit und der Qualifikation herrscht. In der Praxis bedeutet Qualitätsmanagement in vielen Köpfen in erster Linie eine unnötige Zusatzleistung, die gesetzlich verankert und insbesondere in Form von Zusatzdokumentation pflichtgemäß zu erbringen ist. Das Pflegepersonal empfindet die Maßnahmen des Qualitätsmanagements häufig als Zeitabzug für die aktive Pflege am Patienten oder die notwendige Kommunikation mit deren Angehörigen. Aus diesem Grund soll die Qualität nicht neben dem Praxishandeln, sondern darin integriert stattfinden. Ziel ist es, eine angemessene Qualität bereits routinemäßig in der Pflege anzubieten und sicherzustellen (vgl. Stemmer 2009: 9 f.).

„Qualitätsmanagement ist die zentrale Herausforderung für ein modernes Pflegeverständnis. Sie betrifft nicht nur die theoretischen Bedingungen der Pflege, also ihre eigenen Voraussetzungen, sondern darüber hinaus wesentlich ihr Erscheinungsbild und, seitdem Akutwerden des Pflegenotstandes, auch ihr Schicksal. Soll Pflege als moderner Beruf überleben und auf Dauer attraktiv sein, sind umfassende Qualitätsmanagementmaßnahmen unerlässlich“ (Sperl 1994: 7).

„Ein Fehlermanagement ist in Hochrisikobereichen wie z. B. Luftfahrt und Atomindustrie lange etabliert, bewährt und nicht wegzudenken. Obwohl die Medizin ebenfalls einen Hochrisikobereich darstellt, gibt es in Deutschland noch kein flächendeckendes Risiko- bzw. Fehlermanagement. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. So gilt es, bei der Einführung eines Fehlermanagements u. a. psychologische Hürden zu überwinden und finanzielle Mittel einzusetzen, die sich nicht unmittelbar erkennbar, sondern erst auf lange Sicht auszahlen“ (Zipper 2006: 796).

Public Health gilt als die Wissenschaft und Praxis zur Gesunderhaltung der Bevölkerung. Jeder Einzelne soll befähigt werden, seine Gesundheit zu fördern und zu stärken. Als wissenschaftliche Forschungsrichtung beschäftigt sich Public Health mit dem Gesundheitszustand von Bevölkerungsgruppen und Einzelpersonen. Ein Public-Health-Ansatz ist vorwiegend interdisziplinär ausgerichtet und erfordert die Einbeziehung verschiedener Fachdisziplinen (vgl. Schwartz et al. 2003: 4).

Ein wesentliches Ziel von Public Health ist die Stärkung der Qualität im medizinischen Alltag. Das aus Public-Health-Gesichtspunkten interessante Thema Qualitätsmanagement in der Pflege wird in dieser Arbeit mit der folgenden Fragestellungen betrachtet: Was sind die Inhalte des Fehlermanagements als Teil des Qualitätsmanagements in der Pflege? Die Fragestellung wird auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche bearbeitet. Eingeschlossen wird deutsche Fachliteratur.

Inhaltlich ist die nachfolgende Arbeit in zwei Kapitel geteilt. Im ersten Teil der Arbeit wird das Qualitätsmanagement thematisiert. Das zweite Kapitel betrachtet das Fehlermanagement als Teil des Qualitätsmanagements. Es folgt das Fazit und die Schlussbemerkung.

2 Qualitätsmanagement

„Die Frage nach Qualität hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Es gibt einen weltweiten Trend zu höheren Kundenerwartungen (und Erwartungen der Patienten) bezüglich Qualität. Ihren gesetzlichen Niederschlag findet diese Entwicklung im Gesundheitsreformgesetz von 1989. Darin wird den Krankenhäusern die Teilnahme an Maßnahmen zur Qualitätssicherung vorgeschrieben und Qualitätssicherung ist zu einem Schlagwort im bundesdeutschen Krankenhauswesen geworden. Das Erzeugen und Halten von Qualität gilt als eine der zentralen Herausforderungen an das Krankenhaus“ (Sperl 1994: 9).

Im ersten Kapitel dieser Arbeit werden wesentliche grundlegende Begriffe erläutert und umfassend dargestellt, um die Verständlichkeit dieser Arbeit zu gewährleisten. Die ersten beiden Abschnitte beginnen daher mit der inhaltlichen Darstellung von Qualität und Qualitätsmanagement. Im Anschluss folgt eine Erläuterung des Qualitätsmanagements in der Pflege.

2.1 Definition Qualität

Der Begriff Qualität spielt in der gegenwärtigen Gesellschaft eine entscheidende Rolle und wird im Alltag in sehr vielen Lebensbereichen gebraucht. Es besteht eine Grunderwartung, die von Produkten und Dienstleistungen eine adäquate Qualität verlangt. Doch was bedeutet Qualität? Qualität bezeichnet ganz allgemein die Übereinstimmung mit definierten Anforderungen, das Befolgen vorgegebener Normen (vgl. Weh & Sieber 1995: 3).

Das Wort Qualität hat seinen Ursprung im Lateinischen. Die übersetzte Bedeutung lautet Beschaffenheit und Eigenschaft, in Anlehnung an das zu Grunde liegende griechische 'poiotäs' auch Erscheinungsform. Doch diese Definition allein genügt nicht. Spricht man von Qualität, so meint man immer gleich 'gute' Arbeit und 'gute' Ergebnisse. Qualität beinhaltet keinen statischen Ist-Zustand, sondern ist dynamisch, hat ein Ziel vor Augen und ist demnach prozessorientiert. Ansonsten wäre auch die Rede von Qualitätssicherung nichtig, denn es soll ja ein bestimmtes, wenn auch nicht klar zu fassendes Niveau erlangt werden. Das Deutsche Institut für Normung definiert Qualität als 'die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen eines Produktes oder einer Dienstleistung, die sich auf deren Eignung zur Erfüllung festgesetzter oder vorausgesetzter Erfordernisse beziehen.' Im medizinischen und pflegerischen Bereich ist Qualität ein komplexes Zusammenspiel von vielen Faktoren, die einzeln weder genau beschrieben noch exakt getrennt werden können (vgl. Sperl 1994: 9).

„Qualität (lat.: qualitas) weist in der ursprünglichen Bedeutung auf die Beschaffenheit einer Sache hin. Im Sinne des Qualitätsmanagements wird 'Qualität' verstanden als die Übereinstimmung einer Sache mit den gewünschten oder vereinbarten Anforderungen. Qualität ist insofern ein Maß, wie das Produkt oder die Dienstleistung in der Lage ist, Anforderungen und Bedürfnisse zu erfüllen. Qualität zeigt sich im Nutzen, den ein Produkt hat. Qualität in diesem Sinne meint also immer auch, die Kundenanforderungen zu erfüllen. Qualität ist also etwas, dass einer Erwartung, Tauglichkeit, Angemessenheit entspricht. Ein Produkt oder eine Dienstleistung ist in diesem Sinne dann gut, wenn der Kunde der Meinung ist, dass es gut ist. Der Begriff Pflegequalität bezieht sich auf die Gesamtheit der Leistungen, die sich auf die Lebenssituation der Pflegebedürftigen auswirken und damit ihre Lebensqualität bestimmen“ (Conzen et al. 2008: 243).

„Ursprünglich stammt Qualität vom lateinischen Wort 'qualitas' und bedeutet übersetzt die Art, Beschaffenheit, Brauchbarkeit, Sorte, Güte, Wertstufe, Eigenschaft oder Beschaffenheit einer Sache. […] Bei der Definition von Qualität bleibt vor allem zu berücksichtigen, dass immer der Blickpunkt des Betrachters eine entscheidende Rolle spielt. Gerade in der ambulanten Pflege muss die Sichtweise des Kunden genauso betrachtet werden, wie die Definition der Mitarbeiter. Aber auch der Standpunkt der Gesellschaft ist entscheidend. Daraus ergibt sich ein Dreieck, an dessen Ecken sich die jeweiligen Interessen der beteiligten Parteien befinden. Trotzdem bleibt der Begriff Qualität zunächst komplex und schwer fassbar. […] Eine allgemeine Definition der Qualität liefert die DIN EN ISO 55350: 'Qualität ist die Gesamtheit der Merkmale einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.' Obwohl diese Beschreibung von Qualität auf den ersten Blick sehr allgemein klingt, beinhaltet sie die wesentlichen Merkmale von Qualität und dient gleichzeitig als Basis für viele andere Definition und Beschreibungen von Qualität“ (Schmidt 2010: 7 ff.).

Die Bedeutung von Qualität kann sehr subjektiv sein. Fordert man beispielsweise verschiedene Menschen dazu auf, die wichtigsten Eigenschaften ihres Traumautos aufzuzählen, so können diese extrem variieren. Für den einen spielen Zuverlässigkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit die wichtigste Rolle, ein anderer achtet möglicherweise eher auf den Anschaffungspreis, die Umweltverträglichkeit oder auf die Ausstattung, das Aussehen und den Komfort. Demnach kann das optimale Ergebnis des jeweils Befragten zwischen einem Kleinwagen und einer Luxuskarosse variieren. Dieses Phänomen betrifft im gleichen Maße den Begriff Qualität, denn Menschen bewerten dessen Eigenschaften unterschiedlich. Die Beurteilung, was Qualität wirklich ist, hängt von deren Bewertung und der Erfahrung des Konsumenten ab. Der eine schätzt an seinem Auto eben das Aussehen und die Ausstattung, der andere bevorzugt die Komponenten Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Wie lässt sich auf dieser Grundlage die Qualität eines Autos überhaupt bestimmen? Das ist nur möglich, wenn für jede Eigenschaft Standards bestimmt werden. Jedes Kriterium erhält eine individuelle und unabhängige Einschätzung, ohne ein Ranking zu bilden. Standards und Kriterien sind festgelegte Bedingungen, die Qualität beschreiben können (vgl. Giebing 1996: 14 f.).

Jeder Mensch hat ein anderes Befinden bezüglich Kranksein und der Inanspruchnahme medizinischer Hilfe. Der eine geht noch zur Arbeit, wenn der andere schön längst im Bett ruht (vgl. Sperl 1994: 9 f.). „Für den Qualitätsbegriff bedeutet das, dass auch subjektive Elemente zu berücksichtigen sind, die sich nicht objektivieren lassen. Darüberhinaus wirkt sich das Verhalten des Patienten oft unmittelbar auf seinen Genesungsprozeß, auf die Leistungen des Krankenhauses, aus. Krankenhausleistungen entstehen unter Mitleistung des Patienten. Dies kann zu dem Problem führen, dass die Leistung des Krankenhauses im Anschluss an die Behandlung nicht mehr von der Leistung des Patienten getrennt werden kann. Die Endkombination der Produktionsfaktoren ist somit wesentlich bestimmt durch die Beteiligung des Patienten, an dem die Dienstleistung verrichtet wird. Rechnet man die Leistung alleine dem Krankenhaus zu, ergeben sich Ungleichheiten durch die unterschiedliche Compliance der Patienten. Verweigert der Patient seine Mitwirkung, so können die Leistungen des Krankenhauses erfolglos sein. Die Qualität einer medizinischen Versorgung darf sich nicht allein daran messen, was alles gemacht worden ist, sondern ebenso sehr daran, was alles gemacht werden kann, d. h. welche Möglichkeiten, welche Leistungen ein Krankenhaus vorhält“ (Sperl 1994: 9 f.).

2.2 Definition Qualitätsmanagement

„Anders als in den Niederlanden, in Großbritannien oder in den Vereinigten Staaten ist in der bundesdeutschen Gesundheitspolitik das Thema Qualitätssicherung erst sehr spät in das Bewußtsein der Verantwortlichen gerückt. Besonders seit dem gesetzlichen Auftrag der Bundesregierung im Sozialgesetzbuch V (SGB 1989), in dem die Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen zur Qualitätssicherung verpflichtet werden, reagiert die Fachöffentlichkeit in immer stärkerem Maße. Seit Inkrafttreten des Gesundheitsreformgesetzes (1.1.1989) sowie dem Inkrafttreten des Gesundheitsstrukturgesetzes (GSG zum 1.1.1993) wird vom Gesetzgeber auch die Beteiligung der Pflege an Aktivitäten zur Qualitätssicherung gefordert. Dabei werden im Paragraphen 70 SGB V die Krankenkassen und Leistungserbringer im Zusammenhang mit Qualität, Humanität und Wirtschaftlichkeit aufgefordert, 'eine bedarfsgerechte und gleichmäßige, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Versorgung der Versicherten zu gewährleisten. Die Versorgung muß ausreichend und zweckmäßig sein, darf das Maß des notwendigen nicht überschreiten und muss wirtschaftlich erbracht werden' (§ 12 SGB V)“ (Giebing 1996: 9).

„Die Gesamtheit aller qualitätsbezogenen Aktivitäten eines Betriebs wird in dem Moment zu einem Qualitätsmanagement, wenn sie sich an einem Regelkreis von Zielvorgaben, Verhaltensvorschriften und Überprüfung von Zielen und Verfahren anhand der gemessenen Ergebnisse orientieren. Wird Qualitätsmanagement systematisch und unter Orientierung an einem Referenzmodell betrieben, entwickelt es sich weiter zu einem Qualitätsmanagementsystem. Grundsätzliches Ziel des Qualitätsmanagements ist es, die Einrichtung zu befähigen, die Qualitätsziele zu erreichen und zu sichern. Als Managementsystem hat es in erster Linie die Aufgabe, das Unternehmen bei der Erreichung seiner Zielsetzung zu unterstützen und damit zum Unternehmenserfolg beizutragen. Das Qualitätsmanagement soll die Fähigkeiten der Einrichtungen steigern, kompetente, orts- und zeitnahe Dienstleistungen zu erbringen sowie die Anforderungen der Kunden im weiteren Sinne, wie Pflegebedürftige, Angehörige, Mitarbeiter, Lieferanten, Gesetzgeber etc., zu erfüllen. Der Nutzen von Qualitätsmanagement beruht im Wesentlichen auf den folgenden drei empirisch gewonnenen Erkenntnissen: 85 % aller unerwünschten Ergebnisse entstehen durch fehlerhafte Prozesse, niemand produziert absichtlich schlechte Ergebnisse und die Produzenten schlechter Qualitätsmerkmale kennen ihre Ergebnisse nicht und sind betroffen, wenn sie diese im Vergleich sehen. Qualitätsmanagement darf daher kein System sein, dass zusätzlich parallel zum Tagesgeschäft betrieben wird, sondern muss integraler Bestandteil der täglichen Arbeitsprozesse werden“ (Conzen et al. 2008: 243).

Das Qualitätsmanagement hat die Aufgabe, mit Hilfe von Management oder Führungstheorien, die Eigenschaften von Produkten oder in der Pflege von Dienstleistungen zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um die Qualitätskontrolle, sondern es besteht ein umfassendes Konzept, dass auch die Vermeidung von Fehlern beinhalten soll (vgl. Schmidt 2010: 23).

„Die WHO definiert Qualität im Lexikon für Qualitätssicherung folgendermaßen: 'Qualität ist das Maß von Übereinstimmung zwischen den gesetzten Zielen und der durchgeführten Pflege.' Aber auch: 'Qualität ist das Maß, worin der zu erzielende Gewinn in der Gesundheit mit einem minimalen Gebrauch von Mitteln in die Tat umgesetzt wird.' Diese Definition sagt unter anderem, daß gute Qualität nicht automatisch mehr Kostenaufwand beinhalten muß“ (Korn & Helm-Kerkhoff 1994: 11 f.).

In deutschen Kliniken und Krankenhäusern ist das Qualitätsmanagement noch im Anfangsstadium. International gibt es einige Normen, die grundlegend für ein umfassendes Qualitätsmanagement in Einrichtungen des Gesundheitswesens anwendbar wären (vgl. Giebing 1996: 13). Das Interesse am Qualitätsmanagement überschneidet sich in Bezug auf die Berufsgruppen, Leistungserbringer, Kostenträger und Politik – nicht zuletzt der Nutzer, gleichwohl Letztgenannte kaum systematisch beteiligt sind. Problematisch ist das Fehlen eines übergreifenden Konsens über die wesentlichen Inhalte guter Versorgungsqualität sowie eine übergeordnete Durchsetzungsinstanz. Dennoch existiert in der Gemengelage der Interessen eine Menge gesetzlicher Vorschriften zur pflegerelevanten Qualität. Für das Qualitätsmanagement hauptsächlich im SGB V, SGB XI und Berufsrecht – aber auch im SGB IX, BSHG, Heimgesetz und im Arbeitsschutz (vgl. Stemmer 2009: 17 f.).

2.3 Qualitätsmanagement in der Pflege

Das Thema Qualität im Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dennoch bestehen Zweifel und Bedenken am Sinn des Qualitätsmanagements, insbesondere in der Pflege. Viele Pflegekräfte lehnen Qualitätsmanagement mit der Begründung des Zeitmangels und der Überlastung im Arbeitsalltag ab. Ursache für diese unlogische Auffassung ist, dass die meisten Mitarbeiter nicht ausreichend über das Thema aufgeklärt sind und keine Informationen erhalten haben. Pflegende haben meist keine konkrete Vorstellung von Qualitätsmanagement oder empfinden es als Zeitverschwendung. Um ein erfolgreiches Qualitätsmanagement etablieren zu können, müssen alle Mitarbeiter zunächst ausführlich informiert und geschult werden. Durch diese Maßnahmen können Unsicherheiten begrenzt und das Interesse der Pflegekräfte geweckt werden. Sobald die Mitarbeiter feststellen, dass sich Qualitätsmanagement mit der persönlichen Arbeitssituation befasst und die individuellen Interessen in den Vordergrund stellt, werden Ängste reduziert. Die Ängste beinhalten meist die Befürchtung, dass Qualitätsmanagement die Aufgabe erfüllt, Arbeitsplätze 'wegzurationalisieren' und Stellen abzubauen. Zusätzlich sind viele Pflegende der Meinung, dass pflegefremde Tätigkeiten, also auch Maßnahmen des Qualitätsmanagements, sie von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten. Qualitätsmanagement wird meist mit administrativen Aufgaben gleichgesetzt. Im Grunde wird jedoch das Ziel verfolgt, Abläufe klarer zu strukturieren und damit mehr Zeit für die Patienten zu gewinnen. Die Leistungsanforderungen an die Mitarbeiter und die Arbeitsbelastung von Pflegekräften hat in den letzten Jahren als Folge der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und der Gesundheitspolitik extrem zugenommen. Hinzu kommt der demografische Wandel, aufgrund dessen eine optimale medizinische und pflegerische Versorgung in absehbarer Zukunft nicht mehr finanzierbar sein wird. Aktuell wird Qualitätsmanagement von Seiten der Politik auch dazu eingesetzt, ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung zu gewährleisten. Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass die Qualität der Gesundheitsversorgung leidet. Aus diesem Grund wurden die Leistungserbringer zum Qualitätsmanagement verpflichtet. Daraus resultiert jedoch, dass die meisten Einrichtungen aus Zwang ein Qualitätsmanagement betreiben, den sie von den Kostenträgern auferlegt bekommen haben. Diese Bemühungen sind meist ineffektiv oder gar nutzlos. Ein erfolgreiches Qualitätsmanagement kann nur etabliert werden, wenn alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen. Sobald Pflegende in der Lage sind, sich mit der Optimierung der eigenen Arbeit zu identifizieren, kann Qualitätsmanagement sogar Spaß machen und eine motivierende Funktion übernehmen (vgl. Schmidt 2010: 3 ff.).

„Pflege ist die letzte Berufsgruppen Krankenhaus, die noch dem Generalisten-Modell folgt. Sie allein hat die Fähigkeit, die auseinander strebenden Einzelmaßnahmen, sei es in der Funktionsdiagnostik (Labor, Röntgen, EKG), sei es der in einem Spezialgebiet tätigen Berufsgruppen (Krankengymnastik etc., aber auch Reinigungsdienste), sei es der verschiedenen ärztlichen Fachrichtungen, patientenbezogen zu integrieren. In der Praxis sieht das oft so aus, als sei Pflege ein minderwertiges 'Mädchen für alles'. In Wahrheit aber ist sie die Stütze, ohne die überhaupt nichts geht. Diese Erkenntnis muß weitreichende Folgen für den Qualitätsbegriff haben. Es zeigt sich, daß die Qualität eines Krankenhauses mit allen seinen Leistungen letztlich von der Qualität der Pflege abhängt. Unsere Pflegequalität ist nicht nur ein Teil der Gesamtleistung 'Patientenversorgung', sondern deren Voraussetzung. Das spiegelt sich ganz augenfällig schon in der Tatsache wieder, daß die Pflege die mit Abstand größte Berufsgruppe im Krankenhaus darstellt. Das zeigt andererseits auch, wie gefährlich es ist, am Pflegepersonal als angeblichem 'Kostenfaktor Nummer 1' sparen zu wollen: die Leistung der Klinik, die Versorgung der Patienten leiden unmittelbar darunter“ (Sperl 1994: 12).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Fehlermanagement als Teil des Qualitätsmanagements in der Pflege
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Qualitätsmanagement
Note
2,3
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V306218
ISBN (eBook)
9783668044784
ISBN (Buch)
9783668044791
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bitte anonym veröffentlichen!
Schlagworte
Public Health, Gesundheitswissenschaften, Qualitätsmanagement, Pflege, Fehlermanagement, Qualität im Gesundheitswesen
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Fehlermanagement als Teil des Qualitätsmanagements in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306218

Kommentare

  • Gast am 23.2.2016

    Nachvollziehbar, dass der Autor anonym bleiben wollte. Die Arbeit besteht zu einem Großteil aus direkten Zitaten. Allein deshalb ist die relativ gute Note wenig nachvollziehbar.

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