Das Familienmassaker am Persmanhof/Perschmannhof: Ein Racheakt der Tito-Partisanen? Gegendarstellung zur Dokumentation im Persman-Museum


Fachbuch, 2015
35 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1 Familienmassaker am Peršmanhof/Perschmannhof ein Racheakt der Tito-Partisanen? / Karl Josef Westritschnig

2 Gegendarstellung zur Dokumentation des Peršman Museum mit den falschen Tätern / Siegfried Lorber

3 Schreiben an den Universitätsprofessor in Ruhe Peter Gstettner - Gedenkveranstaltung mit falschen Tätern beim Peršman/ Perschmann / Siegfried Lorber

Literatur

Vorbemerkung

Die Aufsichtsjäger sind die ersten, welche mit den Bewaffneten konfrontiert werden. Die Wälder um Zell Pfarre sind ab 1941 voll von Deserteuren. Diese sind meist junge national gesinnte Slowenen, die bereits bald nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, nach Jugoslawien flüchten, um dem deutschen Militärdienst zu entgehen. Sie werden jenseits der Grenze keineswegs nur freundlich aufgenommen. Die jugoslawische Regierung neigt damals zu einem Pakt mit Hitler-Deutschland. Die Kärntner sind somit mehr oder weniger ungebetene Gäste in Jugoslawien.

Die Devise „Lieber Krieg als Pakt“ bringt mit sich, dass die deutschfreundliche Regierung in Belgrad gestürzt wird. Die deutschen Truppen besetzen Jugoslawien und die Deserteure kehren in die Karawanken zurück. Die Männer als Zell Pfarre stellen das Hauptkontingent. In den Hochrevieren der Karawanken beginnt es zu knallen. Die Deserteure leben hauptsächlich vom Wild. In der Zeit 1941/42 ist von Partisanen in den Karawanken noch keine Rede, denn diese gibt es nur drüben in Krain. Die Derteure denken nicht an Kampf. Diese wollen weder für Hitler noch für Tito sterben. Es werden Erdbunker am Ferlacher Horn, am Hochobir und in der Koschuta gebaut. Sie lassen sich von ihren Angehörigen versorgen und schießen Gemsen ab. Ein Kommissar aus Jugoslawien redet ihnen vergeblich zu, schreibt Prušnik in seinem Buch „Gemsen auf der Lawine“. Der Kommissar meinte, es hätte keinen Sinn sich zu verstecken, denn das slowenische Volk braucht Soldaten. Die Kärntner Slowenen wollten nicht Soldaten werden. Prušnik schreibt, als der Druck der Polizei stärker wird, schlossen sie sich auch den Tito-Partisanen an. Die ersten die sterben müssen sind Aufsichtsjäger, wobei unter dem „Titostern“ alte Rechnungen beglichen werden.[1]

Karel Prušnik wird in Eisenkappel geboren, ist von Jugend an, ein überzeugter Kommunist. Er führt den Partisanennamen „Gašper“ und ist in der Kriegszeit talauf und talab „gefürchtet“. Prušnik-Gašper kämpft nach dem Zweiten Weltkrieg mit allen politischen Waffen äußerst fanatisch für die Einverleibung Südkärntens an die „Volksrepublik Jugoslawien“. Prušnik stirbt 1980 in Laibach. Der österreichische Bundespräsident hat Prušnik das „Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs“ verliehen.[2]

Karl Pruschnig/Karel Prušnik gelingt im Zuge der Festnahmeaktion am 14. April 1942, als Sohn des abgesiedelten Bauern vlg. Wölfel in Lobnig, zu entkommen. Karl wird am 17. Februar 1910 als Sohn der Maria Kelich aus Zell-Pfarre geboren. Der Vater Karls stammt aus Sulzbach/Solčava, das mit dem Mießtal an Jugoslawien gefallen ist. Karls Vater übernimmt den Bauernhof vlg. Wölfel, der zwischen Rechberg und Eisenkappel liegt. Karl besucht die Volksschule in Eisenkappel. Karl Pruschnig wird bei der Vorbereitung der Kärntner Volksabstimmung von slowenischen Volksschullehrern zum Vortrag von Gedichten bei den für Jugoslawien werbenden Veranstaltungen eingesetzt. Pruschnig schreibt in seinem im Jahre 1946 geschriebenen Lebenslauf, vom „unglücklichen Plebiszit“. Er besucht die Ackerbauschule Goldbrunnhof in Völkermarkt. Stefan Sienčnik ist ein Mitschüler von Pruschnik an der Ackerbauschule. Pruschnik weigert sich als Geigenspieler bei der Abschlussfeier „Dort wo Tirol“ zu begleiten. „Daß habe ich abgelehnt, weil ich als Slowene dieses Lied gehasst habe“, kann man im Lebenslauf lesen.

Er wird im Jahre 1930 Schriftführer des slowenischen „Christlichen Bildungsvereines“ Eisenkappel. Dieser Verein wird bereits im folgenden Jahr in „Slowenischer Kulturverein Zarja“ umbenannt. Pruschnig leitet auch den vom ihm 1930 gegründeten slowenischen Chor. Er wird mit 17 Jahren Mitglied der sozialistischen Jugendorganisation „Jugendbund“. Er wählte bei den Wahlen 1930 die Sozialdemokraten. Da der Austromarxismus die Jugend im „deutschen Geist erzog und bei jeder Gelegenheit die Volksabstimmung aufwärmte“, neigte Karel Prušnik immer mehr zu den Kommunisten. Er steht allerdings im Jahre 1934 auf der Seite des Republikanischen Schutzbundes, wo er als Kurier eingesetzt ist. Prušnik erhält den Auftrag fünf Gewehre zu vergraben, die bis zur Partisanenzeit im Felsen vergraben blieben. Pruschnig wird im Frühjahr 1934 Mitglied der illegalen Kommunistischen Partei Österreichs. Er baut ein KPÖ Zelle von vier Mitgliedern auf und regelmäßig geheime nächtliche Zusammenkünfte durch, so auch beim Bauern Perutsch in Lobnig. Pruschnig bereitet eine kleine Broschüre mit dem Titel „Kam“/Wohin? vor, mit der er die Absicht verfolgte, den Slowenen in Kärnten die Sowjetunion als Säule des Friedens zu zeigen. Pruschnig brennt am 1. Mai 1935 einen fünfzackigen Stern in der Nähe von Eisenkappel ab. Er wird am 6. Juni 1935 mit mehreren Kommunisten verhaftet, und dieser kommt unter anderen mit Valentin Kordesch, Bezirkssekretär der KPÖ Völkermarkt, welcher Pruschnig als Mitglied aufgenommen hat und mit Franz Haderlap, dem Sohn des Nachbarn von Pruschnig vor das Schwurgericht in Klagenfurt. Diese lernen bei ihren Zusammenkünften alles zu leugnen, was der Partei und dem Klassenfeind nützen könnte. Es wird vor der Gendarmerie alles geleugnet, obwohl diese bestens informiert ist. Die Anklage erfolgt auf Hochverrat wegen kommunistischer Betätigung und Pruschnig wird zu fünf Jahren verurteilt. Die Berufung bleibt ohne Erfolg und er wird zur Verbüßung der Strafe in die Strafanstalt Karlau gebracht. Durch das Berchtesgadner Abkommen zwischen Schuschnig und Hitler, werden alle politischen Gefangenen amnestiert und auch Pruschnig kommt nach vierzehn Monaten frei. Er setzt die Zusammenkünfte der Kommunisten wieder fort, wobei einer dieser Zusammenkünfte am Storschitz stattfindet. Pruschnig nimmt früh den Kontakt mit der Volksbefreiungsfront OF auf.[3]

1 Familienmassaker am Peršmanhof/Perschmannhof ein Racheakt der Tito-Partisanen? / Karl Josef Westritschnig

Das korrekt abgewickelte Gerichtsverfahren der Jahre 1946 bis 1949 brachte auch die Tatsache zutage, dass die zwei Älteren der drei Überlebenden des Familien-Massakers massiv unter Druck gesetzt wurden. Diese hatten bei Vernehmungen die Tito-Partisanen entlastende Falschaussagen zu machen, wobei diese auch nachweisbar sind. Den Vernehmungsprotokollen[4] wird entnommen, dass den Überlebenden des Massakers die Angehörigen der Polizeieinheit gegenübergestellt wurden. Bereits zu Beginn der Vernehmung kann ein Leutnant Josef Reischl und seine Untergebenen nicht als Täter erkannt werden. Es ist aber ist auch bemerkenswert, dass ein Überlebender der Familientragödie Angaben zur Bekleidung der Täter machen kann, wobei von einer Lederbekleidung die Rede ist. Mit einer Lederbekleidung versorgten die Briten die Tito-Partisanen aus der Luft.

Die 4. Kompanie des Polizeiregimentes 13 geht von Globasnitz kommend am 25. April 1945 am Peršmanhof/Perschmannhof einem angezeigten Viehdiebstahl nach. Die Tito-Partisanen flüchten beim Auftauchen der Polizei nach einem Schusswechsel in den nahe gelegenen Wald. Die Gattin des Hofbesitzers Anna Sadovnik wird vom Partisanenfunktionär Drago Druškovič aufgefordert mit zu flüchten. Dies lehnt Anna Sadovnik mit der Begründung ab, dass während des Krieges es des Öfteren ähnliche Situationen gegeben hat und die Familie wurde von der Polizei aber nie behelligt. Die Polizei zieht nach der Amtshandlung wieder über den Cemer- und Rieplhof nach Globasnitz ab. Die Polizei kommt ohne Zwischenfälle um zirka vier Uhr früh dort an. Da die Tito-Partisanen einen Verrat wittern, verüben diese das Familienmassaker am 25. April 1945 als Racheakt an der Peršman- Familie. Die Tito-Partisanen konnten als Mit-Sieger im Zweiten Weltkrieg, wie in vielen anderen Fällen auch, für Verbrechen im Krieg nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Das Unglaubwürdigste ist wohl das im Buch „Peršman“[5], herausgegeben von Lisa Rettl und Gudrun Blohberger, dem Verband der Kärntner Partisanen und dem Verein Peršman, auf Seite 83 ohne Quellenhinweis geschriebene: Leutnant Reischl habe nach Abzug der Polizeieinheit mit einer auf 4 bis 7 Mann reduzierten Gruppe im Bereich des Cemer- oder Riepl- Hof kehrt gemacht. Es werde der Hof neuerlich zur Ermordung der unschuldigen Familie Peršman/ Perschmann aufgesucht, um wohl den zirka 200 belagernden Tito-Partisanen des 3. Kärntner Bataillon ins offene Messer zu laufen. Aber was wird nicht alles getan, um aus einem Verbrechen der Tito-Partisanen ein deutsches Verbrechen zu konstruieren. Reischl sagt bei seiner Beschuldigten Vernehmung während der 15 Monate dauernden Untersuchungshaft aus, dass die Beschuldigung der Polizei die Geburt eines Gerüchtes ist. Dieses Gerücht haben die Tito-Partisanen zu ihrer Entlastung in die Welt gestreut. Leutnant Reischl kann auf einen Parallelfall hinweisen, bei dem ein anderes Bataillon der Tito-Partisanen in ähnlicher Weise vorgegangen ist. Durch diese Aussage von Leutnant Reischl wird wohl alles erklärt. Das Verfahren gegen Leutnant Reischl und seine Untergebenen wird eingestellt.

Die Frau Lisa Rettl hat bei Universitätsprofessor der Zeitgeschichte an der Universität Klagenfurt Karl Stuhlpfarrer eine Dissertation verfasst. Es wird entgegen der historischen Wahrheit und jeder Grundlage entbehrende Behauptung aufgestellt, dass in der Peršman- Angelegenheit nie ein ordentliches Gerichtsverfahren stattgefunden habe. Es wird das rechtskräftige nach einem mehr als dreijährigen Verfahren ergangene Urteil der Ratskammer Klagenfurt des Volksgerichtes Graz vom Oktober 1949 verschwiegen. Die diesem Urteil vorausgegangenen eingehenden Ermittlungen und Nachforschungen von Organen zweier Instanzen (britische Besatzungsmacht und österreichische Sicherheitsbehörden) bezeichnet sie abwertend mit „Vorläufigen Erhebungen“ nach dem Kriegsverbrechergesetz. Das sagt und behauptet eine Frau, die wohl auch wissen müsste, dass die Angehörigen der Polizeieinheit nach dem Kriege in die Gewahrsame der Organe beider Instanzen sich befunden haben. Als der Leutnant Josef Reischl, Befehlsgeber der Polizeieinheit, zu Beginn des Jahres 1948 in Untersuchungshaft genommen wurde, musste diese seiner Untergebenen bereits aufgehoben werden. Es wurde bei ihnen nichts gefunden, was diese zum Familienmassaker belasten hätte können. Das gleiche stellt sich bei einer 15 Monate dauernden Untersuchungshaft gegen Leutnant Reischl ebenfalls heraus. Es hat sich dann wohl auch ergeben, dass alle Indizien für eine Täterschaft der Tito- Partisanen gesprochen haben. Die Tito- Partisanen durften für ein Verbrechen während des Krieges als Mit-Sieger nicht zur Verantwortung gezogen werden, wie ebenso in vielen anderen Fällen.

Im Standardwerk „Das zerrissene Volk Slowenien 1941-1946“ der Laibacher Universitätsprofessorin Tamara Griesser- Pečar schreibt diese: „Im April 1945 metzelte eine Partisaneneinheit in Koprein bei Eisenkappel vom Kleinkind bis zur Großmutter. Resultat elf tote Zivilisten [der Familien Sadovnik und Kogoj] und zwei (tatsächlich waren es drei) schwer verletzte Jugendliche (Kinder)“. Die Autorin arbeitet in ihrem Buch unter anderen die Verbrechen der Tito-Partisanen südlich und nördlich der Karawanken auf. Sie bestätigt damit das, was das Gerichtsverfahren der Jahre 1946 bis 1949 auch ergab. Dies kann ebenso dem Lagebericht der Sicherheitsdirektion für Kärnten vom 23. Oktober 1946 entnommen werden, der im Kärntner Landesarchiv zur Einsicht aufliegt.

Das 3. Kärntner Partisanen-Bataillon „belagert“ die „Siedlung“ Perschmannhof/Peršmanhof in Koprein-Petzen in der Gemeinde Bad Eisenkappel-Vellach. Elf Mitglieder der Perṡman/Perschmann Familie Sadovnik und Kogoj werden von Titopartisanen als Racheakt tragisch ermordet[6]

[...]


[1] Vgl. Pust, Ingomar 1984: Titostern über Kärnten. Totgeschwiegene Tragödien, S. 12f.

[2] Vgl. Pust, Ingomar 1984: Titostern über Kärnten. Totgeschwiegene Tragödien, S. 13.

[3] Vgl. Pust, Ingomar 1984: Titostern über Kärnten, S. 267f.

[4] Landesgericht Klagenfurt, 24 VR, 1146/46

[5] Lisa Rettl und Gudrun Blohberger, Verband der Kärntner Partisanen und der Verein Peršman als Herausgeber: Peršman.

[6] Bildquelle: 3. Kärntner Partisanen Bataillon: Linasi, Marjan 2013: Die Kärntner Partisanen.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Das Familienmassaker am Persmanhof/Perschmannhof: Ein Racheakt der Tito-Partisanen? Gegendarstellung zur Dokumentation im Persman-Museum
Autoren
Jahr
2015
Seiten
35
Katalognummer
V306606
ISBN (eBook)
9783668044340
ISBN (Buch)
9783668044357
Dateigröße
1292 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familienmassaker, Persmanhof/Perschmannhof, Racheakt, Tito- Partisanen, Partisanenbewegung Slowenisch- Kärnten, Schwindelmuseum Persman, Museum mit falschen Tätern, 3. Kärntner Partisanen Bataillon, Belagerung Perschmannhof, Familientragödie, Partisanenverbrechen, ordentliches Gerichtsverfahren
Arbeit zitieren
Dr. Karl Josef Westritschnig (Autor)Dr. Siegfried Lorber (Autor), 2015, Das Familienmassaker am Persmanhof/Perschmannhof: Ein Racheakt der Tito-Partisanen? Gegendarstellung zur Dokumentation im Persman-Museum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306606

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Familienmassaker am Persmanhof/Perschmannhof: Ein Racheakt der Tito-Partisanen? Gegendarstellung zur Dokumentation im Persman-Museum


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden