Unterrichtsentwurf zur Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert. Praxissemester in der Jahrgangsstufe 9 an einer Hauptschule in NRW


Hausarbeit, 2015
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Beschreibung der Schule
2.1 Angebote für das Unterrichtsfach Deutsch
2.2 Die Lerngruppe
2.3 Das Praktikum aus fachlicher Sicht

3 Die Unterrichtsreihe
3.1 Lernziele der Unterrichtsreihe
3.1.1 Hauptziel
3.1.2 Teilziele
3.1.3 Curriculum – Kompetenzen
3.2 Fachliche Voraussetzungen der Lerngruppe
3.3 Fachwissen
3.4 Reihenplanung

4 Die Unterrichtsstunde
4.1 Lernziele
4.1.1 Hauptziel
4.1.2 Teilziele
4.2 Sachanalyse
4.3 Didaktische Begründung
4.3.1 Methodische Planung
4.4 Stundenplanung

5 Reflexion

6 Literatur

7 Anhang

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird das Thema Kurzgeschichten am Beispiel von Wolfgang Borcherts Nachts schlafen die Ratten doch aus fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Perspektive beleuchtet und im Rahmen des Praxissemesters in eine Unterrichtsreihe der Jahrgangsstufe 9 einer Hauptschule im Bundesland Nordrhein-Westfalen integriert.

Zu der Beschäftigung mit dem curricularen Inhaltsfeld Texte [1] soll hierbei eine Unterrichtsreihe verwendet werden, um sich konkret der epischen Kurzform zu widmen. Die Kultusministerkonferenz für das Fach Deutsch formuliert den Kompetenzbereich literarische Texte verstehen und nutzen als Bildungsstandard und zählt hierzu die Kurzgeschichte als eigene Textform[2]. Sie soll von den Schülerinnen und Schülern von anderen literarischen Textarten unterschieden, verstanden und genutzt werden.

Die für die Planung einer Unterrichtsreihe im Fokus stehenden Lernziele umfassen zum einen die geforderten Ziele der Kultusministerkonferenz sowie diejenigen des Kernlehrplans Nordrhein-Westfalens und zum anderen einige Teilziele, die sich auf einzelne Stunden beziehen. Doch auch der Transfer zur individuellen Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern, den der Deutschunterricht herstellen muss, sollte neben den curricularen Voraussetzungen beachtet werden. Die eigene Gefühlswelt muss beispielsweise miteinbezogen werden, um einen praktischen Bezug zwischen der Kurzgeschichte auf der einen, und der Schülerschaft auf der anderen Seite herstellen zu können. Kann dieser Bezug dazu beitragen, das Thema lebensnah und schülerorientiert nahezubringen und so Interesse zu erzeugen?

Um die Unterrichtsstunde/ den Unterrichtsbesuch in den schulischen Kontext des Praxissemesters einordnen zu können, ist es zunächst notwendig, die Schule, an der das Praxissemester absolviert wurde, in anonymisierter Weise vorzustellen. Besonders interessant erscheint hier die fachliche Erkundung der Schule. Des Weiteren wird die gesamte Unterrichtsreihe beleuchtet, die in diesem Rahmen zum Thema Kurzgeschichten gehalten wurde.

2 Beschreibung der Schule

Vom 01. September 2014 bis zum 31. Januar 2015 absolvierte ich das Praxissemester an einer Hauptschule im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Für die Einordnung des Praxissemesters sowie des Unterrichtsvorhabens ist es im Folgenden unerlässlich, die Schule sowie die Schülerschaft, mit der ich größtenteils zusammengearbeitet habe, vorzustellen. Jede Schulart ist sehr spezifisch und so auch die Hauptschule, die ganz besonders von der Inklusion betroffen ist und in der Öffentlichkeit häufig als „Restschule“[3] tituliert wird.

Die Praxissemesterschule liegt sehr zentrumsnah, sodass es durch die günstige infrastrukturelle Lage auch Schülerinnen und Schülern, die in anderen Stadtteilen wohnen, möglich ist, die Schule zu besuchen. Über die Lage beziehungsweise den Stadtteil der Schule kann daher kein Bild der Schülerschaft gezeichnet werden. 243 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule von Klasse 5 bis mindestens Klasse 9, höchstens Klasse 10, was der Sekundarstufe I entspricht.

Den Schülerinnen ist, je nach schulischer Leistung, möglich, folgende Abschlüsse dort zu erlangen:

- Hauptschulabschluss nach Klasse 9
- Sek 1- Abschluss nach Klasse 10 A (Hauptschulabschluss nach Klasse 10)
- Sek 1- Abschluss nach Klasse 10 B = Fachoberschulreife
- Sek 1- Abschluss nach Klasse 10 B = Fachoberschulreife
mit Qualifikation zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.

Im aktuellen Abschlussjahrgang gibt es drei Klassen des Typs „10A“, die die Schülerinnen und Schüler auf den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 vorbereiten. Eine Klasse des Typs „10B“ bereitet sie entsprechend auf die Fachoberschulreife oder gar die Fachoberschulreife mit Qualifikation vor.

In der Unterstufe nimmt eine hohe Anzahl an Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Inklusion am Unterricht teil. Beispielsweise weist die Klasse 5A 18 Schülerinnen und Schüler auf, von denen 14 spezielle Förderbedarfe haben. Die häufigsten Auffälligkeiten zeigen sich hier im sozial-emotionalen Bereich sowie im Bereich der Lernförderung.

Ab der 7. Klasse wird dahingehend differenziert, dass in den Hauptfächern Standardkurse und für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler sogenannte Erweiterungskurse angeboten werden. Am Ende der 8. Klasse werden auf dieser Grundlage die „A-Klassen“ gebildet, die entweder den Hauptschulabschluss oder aber den Realschulabschluss erlangen. Durchgängig erhalten die Schülerinnen und Schüler 4 Zeitstunden Deutsch pro Woche.

2.1 Angebote für das Unterrichtsfach Deutsch

Aus fachlicher Sicht kann man festhalten, dass die Schule nur wenige Zusatzangebote für die Förderung der Deutschkenntnisse ihrer Schülerinnen und Schüler anbietet. Zur Leseförderung ist eine sogenannte Lesementorin an der Schule im Einsatz. Sie wird durch die Initiative „Mentor – Die Leselernhelfer“ an interessierte Schulen vermittelt und hilft dort ausgewählten, besonders förderbedürftigen Kindern, ihre Lesekompetenz zu verbessern. Was im Ansatz ein lohnenswertes Zusatzangebot darstellt, stellt in der Praxis ein zu geringes Angebot dar. Die Lesementorin beschäftigt sich höchstens mit zwei Kindern pro Lesestunde und ist zudem lediglich an einem Mittag pro Woche verfügbar. Leider können hierdurch nur wenige Schülerinnen und Schüler von der Mentorin profitieren. Des Weiteren wird für die Unterstufe der Hauptschule Deutsch Förderunterricht an einem Termin in der Woche verpflichtend angeboten. Hier liegt es im Ermessen der Deutschlehrer, welche Schülerin oder welchen Schüler sie oder er für den zusätzlichen Unterricht vorsieht. In den Förderstunden ist es möglich, auf besondere Schwierigkeiten einzelner Kinder einzugehen, da die Lerngruppen sehr übersichtlich sind und höchstens acht Lernende aufnehmen können.

Die Hauptschule nutzt das Lehrwerk „wortstark – Themen und Werkstätten für den Deutschunterricht“[4], bei dem es sich um ein Sprach- und Lesebuch speziell für diese Schulform handelt. Es bietet in Anlehnung an den entsprechenden Kernlehrplan eine Übersicht, in der Lernziele mit den Kapiteln im Lehrwerk abgeglichen wurden[5]. Die Ziele, die bei der Konzeption der Unterrichtsreihe erzielt werden sollen, werden in dem entsprechenden Kapitel dargestellt werden.

2.2 Die Lerngruppe

Die Klasse 9B, in der die Unterrichtsreihe Kurzgeschichten gehalten und bearbeitet wurde, setzt sich aus insgesamt 21 Schülerinnen und Schülern zusammen, 13 weiblichen und acht männlichen Geschlechts. Da es sich um eine Klasse des Typs „B“ handelt, in der die Jugendlichen die Fachoberschulreife (mit Qualifikation) anstreben, herrscht keine wesentliche Heterogenität innerhalb der Schülerschaft. Niemand erhält zusätzliche Förderung beziehungsweise hat einen speziellen Förderbedarf, was hinsichtlich der Unterrichtskonzeption immer zu berücksichtigen ist. Insgesamt herrscht also lediglich eine leichte Heterogenität, zum Beispiel hinsichtlich des Alters einzelner Schülerinnen und Schüler, da einige eine Stufe in ihrer Schullaufbahn wiederholten. Was die Lernvoraussetzungen betrifft, ist die Klasse ungefähr auf gleichem Niveau. Die Klassengemeinschaft handelt stets sehr motiviert und ist sehr leistungsbereit und diszipliniert. Unterrichtsmaterialien, die für die Hauptschule konzipiert wurden, können in dieser Klasse sogar erweitert werden, da die Schülerinnen und Schüler eine besonders hohe Lernbereitschaft zeigen, wenn sie herausgefordert werden.

2.3 Das Praktikum aus fachlicher Sicht

Das Praxissemester ermöglichte mir bereits zu Beginn, praktische Erfahrungen zu sammeln, doch erachtete ich es zunächst als ebenso wichtig, die Schülerschaft vorab ein wenig kennenzulernen. Beispielsweise wollte ich zunächst Sitzpläne anfertigen und mir Namen einprägen. Denn gerade in Schulen, die pädagogischen Input erfordern, sind persönliche Ansprachen essenziell. Ich begann nach ca. 3 Wochen, die Unterrichtsreihe in der 9B teilweise zu übernehmen. Da ich nicht 5 Tage pro Woche in der Schule anwesend war, haben die Klassenlehrerin und ich die Deutschstunden untereinander aufgeteilt. Zu Beginn haben wir Ziele formuliert, Texte, die bearbeitet werden sollen festgelegt, Methoden für den Unterricht vorgeschlagen sowie die Klassenarbeit am Ende der Unterrichtsreihe zur Leistungsüberprüfung diskutiert. Ich durfte nahezu gleichberechtigt mitplanen und meine Ideen einbringen, gleichzeitig aber auch wertvolle Tipps erhalten.

3 Die Unterrichtsreihe

Um die Durchführung der angestrebten Unterrichtsreihe rechtfertigen zu können, bedarf es der Einordnung ebendieser in den Lehrplan, der vom Land Nordrhein-Westfalen vorgegeben wird. Denn im Kontext der Diskussion um Lernziele bezüglich epischer Texte konnte die Literaturdidaktik bislang keine allgemein anerkannte Antwort geben[6]. Wobei doch Konsens darin besteht, dass Schülerinnen und Schüler ein gesteigertes Interesse an Gegenwartsliteratur zeigen und gerade die Kurzgeschichte mit den alltäglichen Situationen, die dort dargestellt werden, diesem Interesse entspricht[7].

Um eine Unterrichtsreihe planen zu können, ist es also zum einen nötig, einen Bezug zwischen Theorie und Praxis herzustellen und zum anderen die Richtlinien in Form des Lehrplanes zu berücksichtigen. Weitergehend ist die Lerngruppe zu betrachten, um einplanen zu können, wie viele Unterrichtsstunden verwendet werden müssen, um sicherzustellen, dass die entsprechenden Lernziele erreicht werden können.

3.1 Lernziele der Unterrichtsreihe

Orientiert am Curriculum des Landes Nordrhein-Westfalen sowie an aktueller Didaktik kurzer Prosa, ergeben sich folgende Lernziele für die Unterrichtsreihe Kurzgeschichten in der Klasse 9B einer Hauptschule:

3.1.1 Hauptziel

Die Schülerinnen und Schüler sollen Texte als Kurzgeschichte beziehungsweise erarbeitete Gemeinsamkeiten als Merkmale der Kurzgeschichte erkennen[8].

3.1.2 Teilziele

Die Schülerinnen und Schüler sollen...

- ...selbstständig Lesestrategien einsetzen;
- ...den Inhalt der Kurzgeschichte zusammenfassen;
- ...Kurzgeschichten mithilfe von Leitfragen beschreiben und analysieren;
- ...die sprachliche Gestaltung der Kurzgeschichte (rhetorische Mittel, formale Besonderheiten) erkennen;
- ...ihre eigene Gefühlswelt bei der Lektüre sowie Analyse der Kurzgeschichte miteinbringen und so einen Bezug zur eigenen Lebenswelt herstellen;
- ...eine moralische Stellungnahme zur Handlung der Kurzgeschichte abgeben;
- ...in Anlehnung an Kurzprosatexte eigene Texte verfassen und „die Umgestaltung von Texten als Mittel zu einem vertieften Verständnis thematischer Zusammenhänge nutzen“[9].

[...]


[1] Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Kernlehrplan für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen. Deutsch. Düsseldorf 2011. S. 29.

[2] Vgl. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Hauptschulabschluss (Jahrgangsstufe 9). München 2005. S. 16.

[3] Frauke Lüpke-Narberhaus: „Bildungskonsens in NRW: Rot-Grün und CDU beschließen Schulreform (DER SPIEGEL 20. November 2011)“. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/bildungskonsens-in-nrw-rot-gruen-und-cdu-beschliessen-schulreform-a-793014.html.

[4] Vgl. nähere Informationen zum Lehrwerk „wortstark“ des Bildungshauses Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH unter: http://www.schroedel.de/artikel/wortstark-Allgemeine-Ausgabe-2003-SprachLeseBuch-9/978-3-507-48004-9?via_r=WORT08HSNW.

[5] Vgl.: Umsetzung des Kernlehrplans in wortstark 9 und 10 Neubearbeitung unter: http://f.sbzo.de/onlineanhaenge/files/umsetzung_des_kernlehrplans_in_wortstark_9_und_10_fuer_hauptschulen_in_nrw.pdf.

[6] Anja Saupe: „Epische Texte und ihre Didaktik". In: Günter Lange/Swantje Weinhold: Grundlagen der Deutschdidaktik. Sprachdidaktik, Mediendidaktik, Literaturdidaktik. 4. Auflage. Baltmannsweiler 2010. S. 248-272, hier S. 259.

[7] Vgl. Leonie Marx: Die deutsche Kurzgeschichte. 3. Auflage. Stuttgart 2005.

[8] Vgl. Kaspar H. Spinner: Kurzgeschichten – Kurze Prosa. Grundlagen – Methoden – Anregungen für den Unterricht. Seelze-Velber 2012.

[9] Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH (Hrsg.): „Umsetzung des Kernlehrplans in wortstark 9 und 10 Neubearbeitung.“ http://f.sbzo.de/onlineanhaenge/files/umsetzung_des_kernlehrplans_in_wortstark_9_und_10_fuer_hauptschulen_in_nrw.pdf. S. 5.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsentwurf zur Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert. Praxissemester in der Jahrgangsstufe 9 an einer Hauptschule in NRW
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Begleitveranstaltung zum Praxissemester
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V306987
ISBN (eBook)
9783668055926
ISBN (Buch)
9783668055933
Dateigröße
1549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsentwurf, kurzgeschichte, nachts, ratten, wolfgang, borchert, praxissemester, jahrgangsstufe, hauptschule
Arbeit zitieren
Katharina Fleischer (Autor), 2015, Unterrichtsentwurf zur Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert. Praxissemester in der Jahrgangsstufe 9 an einer Hauptschule in NRW, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306987

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Unterrichtsentwurf zur Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert. Praxissemester in der Jahrgangsstufe 9 an einer Hauptschule in NRW


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden