Deutschland in der Nachkriegszeit. Der AKK-Konflikt in Mainz


Facharbeit (Schule), 2015

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Widmung

Einleitung

1 Wohnen während der Nachkriegszeit in Mainz
1.1 Zerstörungen durch den zweiten Weltkrieg in Mainz
1.2 Wohnverhältnisse während der Nachkriegszeit
1.3 Politische Verbesserungsmaßnahmen der Wohnsituation
1.4 Wiederaufbau in Mainz

2 Französische Besatzungszone
2.1 Beginn Französischer Besatzung
2.2 Die Französische Besatzung

3 Zusammenschluss der rechtsrheinischen Stadtteile und der Stadt Mainz
3.1 Geschichte der rechtsrheinischen Stadtteile und ihrer Zusammenschließung

4 Abtrennung der rechtsrheinischen Stadtteile
4.1 Chronologische Abtrennung der rechtsrheinischen Stadtteile
4.2 Folgen der Abtrennung

5 Rechtliche Probleme durch die Teilung der Stadt Mainz
5.1 Das Euler-Gutachten
5.2 Das Luther-Gutachten

6 Lösungsvorschläge
6.1 Gemeinde in zwei Ländern
6.2 Änderung der Landesgrenze
6.3 Hessen-Urteil
6.4 Volksentscheid

7 Politisches Problem durch die Teilung der Stadt Mainz
7.1 Protest gegen die Zerschneidung der Stadt
7.2 Moralische Position zur Teilung der Stadt Mainz
7.3 Bevölkerung von AKK
7.3.1 Meinungsumfragen in den AKK-Stadtteilen
7.3.2 Identität der Bürger AKKs mit Mainz

Schluss

Anhang

I. Interview mit dem Mainzer Oberbürgermeister a.D. Herman-Hartmut Weyel

II. Ausführliches Quellenverzeichnis

Kurzfassung

Die folgende Arbeit behandelt den Amöneburg, Kostheim, Kastel-Konflikt in Mainz, kurz AKK-Konflikt. Amöneburg, Kostheim und Kastel sind die rechtsrheinischen Mainzer Vororte die heute zu Wiesbaden gehören. Außerdem werden am Rande die Wohnsituation in Mainz während der Nachkriegszeit und die französische Militärregierung beleuchtet.

Widmung

Für Herman-Hartmut Weyel, der sich überaus freundlich für mich Zeit genommen hat. Durch ihn habe ich einen sehr guten Einstieg in die Thematik gefunden. Außerdem für meine Großeltern und im Besonderen für Achilles Baur.

Einleitung

In der folgenden Facharbeit werde ich die Geschichte der Stadt Mainz nach dem zweiten Weltkrieg beleuchten. Besonderes Augenmerk werde ich bei meiner Arbeit auf die Teilung der Stadt unter der US-amerikanischen und der französischen Militärregierung legen. Zu Mainz habe ich persönlich einen starken Bezug. Ich wurde in Mainz um elf Uhr elf geboren und verbringe immer noch viel Zeit in dieser Stadt. Als Kind wusste ich wohl, dass die rechtsrheinischen Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel zu Wiesbaden gehören. Ich habe es als ganz selbstverständlich aufgefasst und habe keinen Anstoß daran genommen. Erst als ich älter geworden bin begann ich mich zu wundern, warum diese Stadtteile denn jeweils Mainz-Amöneburg, Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim heißen, obwohl sie doch eigentlich zu Wiesbaden gehören. Auch fiel mir in meiner Jugend immer mehr auf, dass es zwischen Wiesbaden und Mainz eine gewisse Hassliebe gibt. Bei der Mainzer Fastnacht ist es Gang und Gebe sich über Wiesbaden lustig zu machen. Als ich von dem AKK-Konflikt erfuhr, nämlich, dass die Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel sowie die heute selbstständigen Gemeinden Bischofsheim, Gustavsburg und Ginsheim, einmal zu Mainz gehörten und erst nach dem Krieg nicht mehr, begann ich mich zu fragen, ob dies einer der Gründe dafür ist warum in Mainz immer so viel (wenn auch meist zum Spaß) über Wiesbaden geschimpft wird. Der AKK-Konflikt war also für mich spannend. In meiner Facharbeit werde ich mich nicht nur auf den AKK-Konflikt konzentrieren. Am Rande meiner Arbeit werde ich auf die Wohnsituation in Mainz während der Nachkriegszeit eingehen. Außerdem werde ich die französische Militärregierung in Rheinland-Pfalz ein wenig beleuchten. Mein besonderer Dank dieser Arbeit richtet sich an Herrn Herman-Hartmut Weyel, Oberbürgermeister der Stadt Mainz a.D. Er stand mir für ein Interview zur Verfügung und hat mir einen guten Einblick in die Thematik gegeben. Außerdem widme ich die Arbeit meinen Großeltern, denn sie haben mir durch ihre Zeitzeugen-Berichte das Interesse an Geschichte schon in früher Kindheit geweckt. Besonders widme ich die Arbeit meinem verstorbenen Großvater, der mir, als ich noch ein kleines Kind war, schon von Mainz in der Nachkriegszeit erzählt hat.

1 Wohnen während der Nachkriegszeit in Mainz

1.1 Zerstörungen durch den zweiten Weltkrieg in Mainz

Als „Stunde Null“ beschreibt man den Zeitpunkt zwischen dem 21.10.1944 an dem die Amerikaner in Aachen einmarschiert sind und dem 8.5.1945, als der zweite Weltkrieg durch die bedingungslose Kapitulation beendet wurde.[1] In Deutschland wurden durch den zweiten Weltkrieg drei Millionen Menschen obdachlos. Zu den Städten, die am verheerendsten im Krieg zerstört wurden, gehört Mainz. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges lebten 121.522 Menschen in Mainz. Von ihnen wurden 15.000 noch während des Krieges in angrenzende Dörfer evakuiert. Zum Ende des zweiten Weltkrieges, 1945, hat die Stadt Mainz einen Bevölkerungsrückgang von 42,6%, mitgezählt sind hierbei alle gefangenen oder gestorbenen Mainzer.[2] Mainz wurde fast ganz von einem großen englischen Bombenangriff, am 27.Februar.1945, zerstört. Der Angriff dauerte circa 25 Minuten. Am Schluss ragte der Dom allein aus den Trümmern hervor.[3] Bei diesem Angriff allein starben fast 1.200 Mainzer. Die Mainzer Innenstadt, welche sehr eng aneinander gebaut war, wurde zu 80% zerstört. Von den Gebäuden in der Stadt waren gerade noch 40% bewohnbar. 5.760 Wohneinheiten waren von insgesamt 9.728 Wohnhäusern zerstört worden. Die Zerstörung der Häuser betrug etwa 60% der Bevölkerungsrückgang lag allerdings bei 42,6%. Das bedeutet, dass viele Mainzer ohne Wohnraum waren.[4]

1.2 Wohnverhältnisse während der Nachkriegszeit

Die Nachkriegszeit war geprägt von dem Kampf ums Überleben. Das „Wohnen“ hatte nur wenig mit Privatsphäre zu tun. Es ging wirklich in erster Linie darum, ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Menschen, die noch eine unbeschädigte Wohnung hatten waren gezwungen für sie bis dahin fremde Menschen aufzunehmen. Es ist ganz natürlich, dass dies zu einigen Konflikten führte. In der Nachkriegszeit traten in Mainz wieder die Großfamilien auf, welche eigentlich durch die Industrialisierung von den Kleinfamilien abgelöst wurden.[5] Die Not zwang 2.304 Menschen in Mainz, in einer der 705 notdürftigen Übergangsheime einzuziehen. 53 dieser 705 Übergangsheime waren einsturzgefährdet. Wie sehr der Wohnraum gebraucht wurde zeigt, dass sogar in das Mainzer Staatstheater Menschen einquartiert wurden. Ein trauriger Höhepunkt war die „Alice Kaserne“. In ihr waren im Winter zwischen den Jahren 1946 und 1947 192 Familien und 20 alleinstehende Menschen einquartiert. Eine ausreichende Wärmeversorgung war in der Alice Kaserne definitiv nicht gegeben. Fehlende Fenster wurden mit Pappe und Brettern versperrt. Durch die Kälte waren Toiletten und die nötigen Abflüsse zu geeist. Der „Neue Mainzer Anzeiger“ schreibt dazu, am 4.März.1947,: „Man sage nicht: es sind Asoziale darunter! In solchen Verhältnissen muss der Mensch asozial werden.“[6] Unter den Angehörigen in diesen Notunterkünften fanden sich tatsächlich auch Ärzte, Studienräte und weitere anerkannte Berufsgruppen. Im Mai 1946 gab es um die 30.000 Wohnungssuchende in Mainz. Ein weiterer trauriger Höhepunkt dieser Not war der Einsturz der Holztorschule in der Mainzer Altstadt, bei dem am 13.11.1945 19 Menschen starben. Ein weiteres Problem der Wohnsituation während der Nachkriegszeit war der Mangel an Heizmaterialien. Das Gasnetz der Stadt Mainz wurde schon im Herbst 1944 stillgelegt. Am 7. März 1947 wurde ein Junge bei der Plünderung eines Kohlenwagens von einem Polizisten erschossen.[7]

1.3 Politische Verbesserungsmaßnahmen der Wohnsituation

Da die Wohnungssituation so kritisch war, wurde nach dem Krieg der Zuzug nach Mainz verboten. Wohnräume und Räumlichkeiten jeder Art durften von den Behörden beschlagnahmt werden. Es wurde versucht die Bürger dazu zu bewegen freiwillig umzusiedeln. Es wurde zum Beispiel mit Zwangsumsiedlungen gedroht und diejenigen die freiwillig umsiedelten würden angeblich bevorzugt behandelt werden bei einer Rücksiedelung nach Mainz. Im Mai 1949 mussten noch 23.500 Mainzer außerhalb ihrer Stadt leben.

1.4 Wiederaufbau in Mainz

Schon im September 1945 wurde der „Freiwillige Bevölkerungseinsatz“ zum Wiederaufbau der Stadt proklamiert. Wobei das Wort freiwillig nicht allzu wörtlich zu nehmen ist. Es war Pflicht für die Mainzer sich zu beteiligen. Hierzu sagte der damalige Mainzer Oberbürgermeister Dr. Walther: „Eingesetzt wird jeder einmal im Monat und zwar an einem Wochentag. Von den ehemaligen Mitgliedern der NSDAP und ihren Gliederungen erwarte ich besondere Einsatzfreudigkeit.“[8] Die Gesamtkosten des Wiederaufbaus von Mainz werden auf eine Milliarde Reichsmark geschätzt, vor der Währungsreform.

2 Französische Besatzungszone

2.1 Beginn Französischer Besatzung

Der zweite Weltkrieg endete für Mainz am 21.März 1945, als amerikanische Truppen in Mainz einmarschierten.[9] Die Französische Besatzung begann am 5. Juli 1945. Die US-amerikanischen Truppen zogen aus dem Saarland, der Pfalz und dem westrheinischen Teil Hessens ab. Am 10. Juli bekam die 1. Französische Armee die Befehlsgewalt.[10] Der Beginn der Französischen Besatzung war geprägt von einer misstrauischen Haltung der Franzosen gegenüber den Deutschen, sie befürchteten, dass es von deutscher Seite aus zu Sabotageakten kommen könnte. Es kam zu Massenvergewaltigungen, begangen von den Französischen Soldaten, unter ihnen viele Marokkaner. Zwei Marokkaner wurden daraufhin in Nagold von der Militärregierung erschossen was die Situation beruhigte. Die Gewalt gegen Frauen und Plünderungen der Französischen Soldaten sind zahlreich dokumentiert.[11]

2.2 Die Französische Besatzung

Nicht nur in Mainz sondern auch in Ludwigshafen und Kaiserslautern kam es im August 1947 wegen der schlechten Versorgungslage zu Protesten und Streiks in der französischen Besatzungszone.[12] Alle Regionen mussten Nahrungsmittel für die Besatzungsmacht aufbringen. Mainz im Dezember des Jahres 1946 zehn Tonnen Schlachtvieh, 235 t Geflügelfleisch, 490 t Hafer, 1105 t Stroh, 450 t Heu. Zwischen November und dem darauffolgenden März 17600 t Obst und Gemüse. Im März 1947 dann noch circa 90000 Eier.[13] In dem Mainzer Stadtteil Hechtsheim befand sich ein französisches Kriegsgefangenenlager mit 11000 ungarischen Soldaten, am 24.9.1945 schloss das Lager. Ebenfalls in einem Mainzer Stadtteil, Bretzenheim, befand sich ein anderes Gefangenenlager für deutsche Flakhelfer und Rot-Kreuz-Schwestern. Etwa 3500 Gefangene starben bis zur Schließung im Jahre 1948.[14] Die Franzosen setzten im Vergleich zu den Amerikanern auf eine kommunale Verwaltungsebene der Besatzungsgebiete. Am 30.August erlies Militärgouverneur König die Verordnung Nr. 57. Daraus ging hervor, dass aus den Regierungsbezirken Trier, Koblenz, Mainz und Montabaur zusammen mit der Pfalz das Land Rheinland-Pfalz gebildet werden sollte. Die Stadt Mainz sollte Landeshauptstadt werden.[15] Da Mainz jedoch noch so stark vom Krieg zerstört war hatte die Landesregierung bis 1951 ihren Sitz in Koblenz.[16] Am 30.August 1946 wurde Rheinland-Pfalz offiziell gegründet unter Protest der sowjetischen Vertreter im Alliierten Kontrollrat, die einen deutschen Zentralrat bevorzugten.[17]

3 Zusammenschluss der rechtsrheinischen Stadtteile und der Stadt Mainz

3.1 Geschichte der rechtsrheinischen Stadtteile und ihrer Zusammenschließung

Der heutige Stadtteil Kastel wird erstmals um 10 v. Chr. erwähnt unter dem Namen Castellum. Castellum war damals ein Lager für römische Legionäre. Im elften Jahrhundert wurde die Siedlung Kastel vom Mainzer Bischof erworben und erlangte im 13. Jahrhundert den Status einer Reichsstadt. Kastel wurde immer mehr zu einer Rivalin der Stadt Mainz, deswegen zerstörten Mainzer Truppen 1244 kurzerhand die neue Reichsstadt Kastel. 1803 wurde Kastel mit Kostheim zu einer Großgemeinde vereinigt. Im Jahre 1804 wurden Kastel und Kostheim, unter Napoleon, an die Stadt Mainz angegliedert, welche zu dieser Zeit französisch besetzt war. Auf Beschluss des Wiener Kongresses hin kam Mainz mit beiden Gemeinden 1816 zum Großherzogtum Hessen. Unter hessischer Regierung wurden die beiden Gemeinden Kastel und Kostheim wieder selbstständig. Nach und nach wurden die rechtsrheinischen Stadtteile Kastel, Amöneburg und Kostheim nach Mainz eingemeindet. Im Jahr 1908 wurde Kastel mit samt Amöneburg in die Stadt Mainz eingemeindet, Kostheim 1913 und Ginsheim-Gustavsburg zeitgleich mit Bischofsheim 1930. Die Eingemeindungen in die Stadt Mainz gingen allesamt dem Willen der hiesigen Bevölkerung voraus. Womit gemeint ist, dass die Initiative der Eingemeindung von den Bürgern der jeweiligen Gemeinden selbstständig gewünscht wurde. Die hessische Landesregierung duldete dies „[…] um mit Groß-Mainz ein Gegengewicht zu Frankfurt zu schaffen.“[18] [19] Der offizielle Bescheid mit der Genehmigung von Seitens Hessens klang so: „dass seine Königliche Hoheit der Großherzog mit Allerhöchster Entschließung vom 22. ds. Mts. die Vereinigung der Landgemeinde Kastel mit der Stadt Mainz Allergnädigst zu genehmigen geruht habe“[20]

4 Abtrennung der rechtsrheinischen Stadtteile

4.1 Chronologische Abtrennung der rechtsrheinischen Stadtteile

Um den Einmarsch der Amerikaner während des zweiten Weltkrieges in Mainz so schwierig wie möglich zu gestalten wurden im März 1945 alle Brücken in Mainz gesprengt. Das half jedoch wenig und so marschierten am 21.3.1945 die ersten amerikanischen Soldaten in Mainz ein. Anfangs kontrollierte die us-amerikanische Besatzungsmacht die Verwaltung in Mainz, ohne jedoch einzugreifen. Nachdem Frankreich im Juli 1945 zur Besatzungsmacht des späteren Rheinland-Pfalz wurde, war der Rhein die neue Demarkationslinie. Damit gehörten die rechtsrheinischen Stadtteile schon nicht mehr zu der Stadt Mainz. Die US-amerikanische Militärregierung folgte einem Vorschlag des damaligen Regierungspräsidenten von Wiesbaden, Hans Bredow (1945 parteilos). Somit wurden die AKK-Gemeinden der Stadt Wiesbaden zugewiesen. Der Nachfolger von Bredow, Georg Krücke (1945-1946, FDP), beruhigte seinen Mainzer Amtskollegen, dass er die neue Zugehörigkeit der AKK-Stadtteile zu Wiesbaden nur provisorisch sehe. Damit eine mögliche Rückgliederung einfach zu bewerkstelligen sei wurden die Haushalte der AKK-Stadtteile und der Stadt Wiesbaden getrennt geführt. Allerdings wollte Krücke nicht einen Verwaltungsvertrag mit der Stadt Mainz schließen der vorsah, dass die AKK-Stadtteile nur treuhänderisch von Wiesbaden verwaltet wurden. Die Abtrennung der Stadtteile wurde endgültig als die US-amerikanische Militärregierung entschied, dass alle östlich des Rheins liegenden Teile Rheinhessens nun zu Hessen zu gehören hätten[21]. Außerdem entschied die US-Proklamation Nr. 2 vom 19.9.1945, dass nun das Land Groß-Hessen gegründet werden sollte und, dass die ehemaligen ost-rheinischen Gebiete Rheinhessens dazu gehören. Die französische Besatzung tat ihr übriges indem sie durch die Verordnung Nr. 57 die Schaffung des Landes Rheinland-Pfalz anstrebte. 1946 wurde durch die Volksabstimmung die Landesverfassung von Hessen bestätigt und ein Jahr später geschah das gleiche mit der Landesverfassung von Rheinland-Pfalz, somit waren auch die neuen Landesgrenzen bestätigt und auch die Teilung der Stadt Mainz.[22]

4.2 Folgen der Abtrennung

Nachdem die Franzosen über das Gebiet vom heutigen Rheinland-Pfalz die Besatzungsmacht bildeten, kam es zum seidenen Vorhang. Der Rhein wurde abgeriegelt. Die Bevölkerung durfte den Rhein nur mit Passierscheinen überqueren und diese waren nur sehr schwer zu bekommen. Ein Besatzungsoffizier teilte den Ortsvorstehern der AKK-Stadtteile mit, dass man für den Besuch der französischen Besatzungszone eigens Pässe beantragen müsse. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland blieb die Teilung der Stadt Mainz bis heute bestehen, auch wenn natürlich die Umstände sich verbessert haben und heute selbstverständlich keine Passierscheine mehr benötigt werden. Die Stadt Mainz hat durch diese Teilung 21,1% seiner Bevölkerung verloren, außerdem 50,4% der Fläche und 24,5% Verlust bei den Steuereinnahmen. Die AKK-Stadtteile hatten 1953 40% der Wirtschaftskraft von Mainz. Dies zeigt deutlich den durch die Teilung einhergehenden Verlust für die Mainzer Wirtschaft.[23]

5 Rechtliche Probleme durch die Teilung der Stadt Mainz

Die Neugliederung des Bundesgebietes wird durch den Artikel 29 des Grundgesetzes geregelt.[24] Die Eingemeindungsverträge zwischen Mainz und den Rechtsrheinischen Gemeinden werden allerdings durch das Grundgesetz und dem üblichen deutschen Recht nicht widerrufen. Aus der US-Proklamation Nr. 2[25] geht hervor, dass deutsches Recht weiterhin gilt, wenn es nicht ausdrücklich durch eine der befugten Stellen der Regierungsmacht aufgehoben wurde. Dadurch ist es fraglich, ob es rechtens war, dass die AKK-Stadtteile von der US-Militärregierung Wiesbaden zugeteilt wurden und die BGG-Gemeinden im Kreis Groß-Gerau selbstständig aufgingen. Denn eigentlich hätten die Eingemeindungsverträge noch Gültigkeit besessen, da sie von der US-Militärregierung nicht aufgehoben wurden.[26] Seit dem Bestehen des Grundgesetzes 1949 wurde der Artikel 29 aus dem Grundgesetz dreimal geändert, 1969, 1976 und 1994.[27] Der Artikel 29 des Grundgesetzes wurde in drei verschiedenen Gutachten verschieden ausgelegt und interpretiert, in dem Euler-Gutachten, in dem Luther-Gutachten und in dem Ernst-Gutachten.[28]

[...]


[1] Vgl.: N. Nieraad: Wohnen in der Nachkriegszeit in Mainz. S. 1

[2] Vgl.: Ebd. S. 2

[3] Vgl.: V. Koop: Besetzt, Französische Besatzungspolitik in Deutschland. S. 22

[4] Vgl.: N. Nieraad: Wohnen in der Nachkriegszeit in Mainz.. S. 2

[5] Vgl.: Ebd. S. 3

[6] Zit. n.: Ebd. S. 4

[7] Vgl.: Ebd. S. 6

[8] Zit. n.: Ebd. S. 9

[9] Vgl.: V. Koop: Besetzt, Französische Besatzungspolitik in Deutschland. S. 197

[10] Vgl.: Ebd. S. 27

[11] Vgl.: Ebd. S. 40-44

[12] Vgl.: Ebd. S. 81

[13] Vgl.: Ebd. S. 137

[14] Vgl.: Ebd. S. 149

[15] Vgl.: Ebd. S. 194-195

[16] Vgl.: Ebd. S. 220

[17] Vgl.: Ebd. S. 227

[18] Vgl.: E. Kersten, Mainz - die geteilte Stadt, S. 44

[19] Vgl.: Ebd. S. 33-44

[20] SA MZ 70/5986, Das Großherzogliche Ministerium des Inneren an Großherzogliches Kreisamt Mainz, Darmstadt 25.2.1908 und vgl. auch Die Eingemeindung von Kastel, in: Mainzer Anzeiger (General-Anzeiger) Nr. 78 vom 1.4.1908, S.4

[21] Nachzulesen in der US-Proklamation Nr. 2, http://www.verfassungen.de/de/bw/wuerttemberg-baden/proklamation2-45.htm

[22] Vgl.: E. Kersten, Mainz - die geteilte Stadt, S. 47-54

[23] Vgl.: Ebd. S. 48-55

[24] Deutscher Bundestag [Hrsg.]: Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, https://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_02/245124

[25] Nachzulesen in der US-Proklamation Nr. 2, http://www.verfassungen.de/de/bw/wuerttemberg-baden/proklamation2-45.htm

[26] Vgl.: E. Kersten, Mainz - die geteilte Stadt, S. 101

[27] Vgl.: Ebd. S. 103

[28] Vgl.: Ebd. S. 117

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Deutschland in der Nachkriegszeit. Der AKK-Konflikt in Mainz
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
34
Katalognummer
V306990
ISBN (eBook)
9783668052727
ISBN (Buch)
9783668052734
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
AKK-Konflikt, Nachkriegsdeutschland, Mainzer Stadtgeschichte, französische Besatzungszone, nachkriegszeit
Arbeit zitieren
Julius Baur (Autor), 2015, Deutschland in der Nachkriegszeit. Der AKK-Konflikt in Mainz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/306990

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