Das Konzept „Kooperatives Lernen“ in heterogenen Lerngruppen


Hausarbeit, 2013
12 Seiten, Note: 2,0
Malte H. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Das Konzept „Kooperatives Lernen“

2 Grundprinzipien des Kooperativen Lernens
2.1 Die Konzeptionellen Bestimmungsstücke des Kooperativen Lernens
2.2 Methoden des Kooperativen Lernens

3 Kooperatives Lernen als Möglichkeit zur Aktivierung heterogener Lerngruppen
3.1 Effekte des Kooperativen Lernens
3.2 Heterogenität und kooperative Lernmethoden

4 Fazit

Bibliographie

1 Einleitung

1.1 Das Konzept „Kooperatives Lernen“

Unter dem Begriff „Kooperatives Lernen“ wird eine Vielzahl unterschiedlicher Unterrichtsformen gefasst. Das Verständnis vom Kooperativen Lernen soll in dieser Ausarbeitung jedoch über eine bloße Betrachtung dieser Lehr- und Lernform als „unstrukturierter Gruppenunterricht“ hinausgehen und entsprechende Unterrichtsformen auf ihr Konzept sowie ihre Wirkung auf den Unterricht in heterogenen Schulklassen untersuchen Eine Definition des „Kooperativen Lernens“, besonders in Abgrenzung zu „traditionellem“ Gruppenunterricht, eine Sozialform die bloß durch die zeitlich begrenzte Teilung des Klassenverbandes in mehrere arbeitsfähige Kleingruppen bestimmt ist[1], bietet die Pädagogin Margit Weidner:

Kooperatives Lernen ist eine besondere Form von Kleingruppenunterricht, der, anders als der traditionelle Gruppenunterricht, die sozialen Prozesse beim Lernen besonders thematisiert, akzentuiert und strukturiert. Der Entwicklung von der losen Gruppe zum „echten Team“ mit erkennbarer Indentität kommt hohe Bedeutung zu. Durch vielfältige Maßnahmen und Aktivitäten wird die Eigenverantwortlichkeit für die Gruppenlernprozesse angebahnt (...). Durch sensibel geplante Prozesse wird eine positive gegenseitige Abhängigkeit der Gruppenmitglieder erzeugt, was sich sowohl auf die sozialen Interaktionsprozesse als auch auf die Arbeitsergebnisse oder –produkte positiv auswirkt. (...) Gruppenprozesse sind beim Kooperativen Lernen mindestens genauso wichtig wie das Arbeitsprodukt.“ [2]

Der Fokus liegt beim Kooperativen Lernen demzufolge auf dem Lernen in Kleingruppen, das nicht nur fachliche, sondern auch soziale Kompetenzen wie Interaktions-, Kooperations- und Kommunikationskompetenz fördern soll.[3]

Ferner argumentiert Weidner, dass der Wertewandel in Familien- und Erziehungsnormen sowie die Veränderungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt der vergangenen 50 Jahre zu einer zunehmenden Individualisierung der Jugendlichen geführt habe, die neue, individuellere Unterrichtsformen wie das Kooperative Lernen nötig mache.[4]

Inhalt dieser kurzen Ausarbeitung soll es sein, die konzeptionellen Bestimmungsstücke und die Methoden des Kooperativen Lernens aufzuzeigen sowie die Effekte dieser Unterrichtsform auf den Lernprozess der Lerner zu beschreiben. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Möglichkeiten des Unterrichts in heterogenen Lerngruppen gelegt.

2 Grundprinzipien des Kooperativen Lernens

2.1 Die Konzeptionellen Bestimmungsstücke des Kooperativen Lernens

Margit Weidner führt folgende acht wesentlichen Merkmale einer Gruppenarbeit für ein Kooperatives Lernen auf:[5]

1. Sozialziele als gemeinsame Ziele aller Gruppenmitglieder: Gegenseitige Abhängigkeit in der Gruppe. Gruppenrelevante Sozialziele werden formuliert und als Gruppenaufgabe verstanden.
2. Persönliche Verantwortung jedes einzelnen Gruppenmitgliedes: Gruppenmitglieder zeigen persönliche Verantwortung für die gemeinsame Arbeit. Über diese wird detaillierte Rückmeldung gegeben.
3. Förderliche Gruppenzusammensetzung: Die Gruppenzusammensetzung ist heterogen in Bezug auf Fertigkeiten sowie Charakteristika der Gruppenmitglieder.
4. Gleiche Verantwortung aller Gruppenmitglieder: Alle Mitglieder tragen Verantwortung für das Ganze.
5. Gegenseitige Unterstützung: Es besteht eine Gesamtverantwortung für die persönliche Leistung jedes Einzelnen.
6. Fachliches und soziales Lernen: Kooperatives Lernen fokussiert beides Genannte.
7. Soziale Fertigkeiten: Soziale Fertigkeiten wie „aktives Zuhören“ oder „Kritikfähigkeit“ werden gesteigert.
8. Aufgaben der Lehrkraft: Die Lehrperson beobachtet das Kooperative Lernen, analysiert und gibt Feedback.[6]

Demzufolge muss eine gelungene Gruppenarbeit nach dem Verständnis des Kooperativen Lernens die genannten acht Punkte erfüllen, um erfolgreich sein zu können. Es wird deutlich, dass der Schwerpunkt bei kooperativer Gruppenarbeit auf der Selbstständigkeit und der individuellen Übernahme von Verantwortung jedes einzelnen Gruppenmitglieds liegt. Soziale Gruppenprozesse sind integraler Bestandteil dieser Unterrichtsform. Die Lehrkraft tritt nicht primär in der Rolle eines Wissensvermittlers auf, vielmehr ist es ihre Aufgabe, die Gruppenlernprozesse zu beobachten und konstruktive Anregungen zu geben.

Dieses Verständnis einer kooperativen Gruppenarbeit deckt sich mit den den fünf Basiselementen des Kooperativen Lernens nach Johnson & Johnson:

1. Positive Interdependenz
2. Individuelle Verantwortlichkeit
3. Direkte Interaktion
4. Soziale Kompetenzen
5. Gruppenreflexion [7] [8]

Die „positiven Interdependenzen“ beschreiben hier den motivierenden Leistungsanreiz durch Gruppenabhängigkeiten bei einer kooperativen Unterrichtsform, vorausgesetzt jeder Teilnehmer ist mit individueller Verantwortung eingebunden. Johnson & Johnson beschreiben ebenfalls die direkte Interaktion in Kleingruppen mit anschließender Reflexion als ein wesentliches Merkmal des kooperativen Lernens.

Die Pädagogen Ludger Brüning und Tobias Saum beschreiben das Grundprinzip des Kooperativen Lernens zudem als einen Dreischritt aus „Denken“, „Austauschen“ und „Vorstellen“ („Think – Pair – Share“).[9] Ihnen zufolge gelingt das Kooperative Lernen in Gruppen am besten durch eine vorangegangene Einzelarbeitsphase sowie durch den darauf folgenden verbalen Austausch durch Diskussion in Kleingruppen oder Präsentation des Lernstoffes.[10] Prinzipien des Kooperativen Lernens sind ihnen zufolge außerdem die individuelle Denk- und Einzelarbeitszeit der Lerner, die Übernahme persönlicher Verantwortung sowie die Aktivierung aller an der Gruppenarbeit Beteiligten.[11]

Die genannten Punkte beschreiben, welche Voraussetzungen an einen Unterricht mit kooperativem Lernen gestellt werden und welche Prinzipien diese Lehr- und Lernform bestimmen. Im Folgenden wird auf die angewandten Methoden in einem Unterricht mit kooperativen Elementen eingegangen werden.

2.2 Methoden des Kooperativen Lernens

Erfolgreiches Arbeiten in kooperativen Kleingruppen nach genannten Merkmalen setzt ein breites Repertoire kooperativer Methoden voraus. Einige praktische Beispiele solcher Methoden seinen hier gegeben:

Ein einfaches kooperatives Element, das schnell umgesetzt werden kann, ist die

„Think – Pair – Share“ Methode nach Spencer Kagan.[12] [13] Hierbei wird eine Frage, ein Problem oder eine Aufgabe gegeben, zu der die Schüler zunächst in Einzelarbeit zu einem individuellen Ergebnis kommen sollen. Danach diskutieren die Schüler mit einem Partner ihr Ergebnis, zuletzt erfolgt eine Präsentation vor der Gruppe. Vorteil dieser Methode ist, dass jedem Lerner seine individuelle Denkzeit zugestanden wird und auch unsichere Schüler die Möglichkeit haben, zunächst mit einem Partner ihre Hypothesen zu diskutieren und zu überprüfen.

[...]


[1] Vgl. Weidner, Margit, „Kooperatives Lernen im Unterricht – das Arbeitsbuch“, Seelze 2003, S. 28

[2] Weidner, Margit, „Kooperatives Lernen im Unterricht – das Arbeitsbuch“, S. 29

[3] Vgl. Weidner, Margit, „Kooperatives Lernen im Unterricht – das Arbeitsbuch“, S. 30

[4] Vgl. Weidner, Margit, „Kooperatives Lernen im Unterricht – das Arbeitsbuch“, S. 17-25

[5] Siehe hierzu auch Material im Anhang.

[6] Weidner, Margit, „Kooperatives Lernen im Unterricht – das Arbeitsbuch“, S. 32

[7] Nach: Lanphen, Judith, „Kooperatives Lernen und Integrationsförderung – Eine theoriebegleitete Intervention in ethnisch heterogenen Schulklassen“,Münster 2007, S. 50

[8] Vgl. Brüning, Ludger; Saum, Tobias, „Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen – Strategien zur Schüleraktivierung“, Band 1, Essen 2009, S. 133

[9] Siehe hierzu auch Material im Anhang.

[10] Vgl. Brüning, Ludger; Saum, Tobias, „Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen – Strategien zur Schüleraktivierung“, Band 1, S. 17

[11] Vgl. Brüning, Ludger; Saum, Tobias, „Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen – Strategien zur Schüleraktivierung“, S. 15

[12] Nach: Weidner, Margit, „Kooperatives Lernen im Unterricht – das Arbeitsbuch“, S. 163

[13] Vgl. Brüning, Ludger; Saum, Tobias, „Erfolgreich unterrichten durch Kooperatives Lernen – Strategien zur Schüleraktivierung“, Band 1, S. 17

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Konzept „Kooperatives Lernen“ in heterogenen Lerngruppen
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V307099
ISBN (eBook)
9783668056343
ISBN (Buch)
9783668056350
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzept, kooperatives, lernen, lerngruppen
Arbeit zitieren
Malte H. (Autor), 2013, Das Konzept „Kooperatives Lernen“ in heterogenen Lerngruppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307099

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