Zum Liedschaffen Wolfgang Amadeus Mozarts. Das Strophenlied "Sehnsucht nach dem Frühlinge" und das durchkomponierte Lied "Das Veilchen"

Eine vergleichende Analyse


Hausarbeit, 2015
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung: Zur Entwicklung des deutschen Liedes in der Klassik

2 Pointierte Analyse zweier Mozart-Lieder
2.1 Sehnsucht nach dem Frühlinge KV 596 (1791)
2.2 Das Veilchen KV 476 (1785)

3 Zusammenfassung

4 Literaturverzeichnis

1 Einführung: Zur Entwicklung des deutschen Liedes in der Klassik

Lieder sind Teil der menschlichen Kultur. Sie tauchen in verschiedensten Kulturkreisen zu allen Zeiten, in allen Epochen auf. Dabei trugen Lieder je nach deren Kontext unterschiedliche Funktionen. „Lieder tragen die Merkmale ihrer Herkunft in ihrer materialen Struktur verankert“[1]. Man hört die Funktion eines Liedes heraus, ob es nun ein Arbeitslied, Tanzlied, religiöses Lied oder anderes ist.

Je nach Situation akzentuiert der Term „Lied“ verschiedene Aspekte. Für den Zweck der vorliegenden Arbeit sollen vor allem die beiden folgenden in den Vordergrund rücken: (1) Lieder als eine den Alltag begleitende Gesangsform, hier ist am ehesten das „Volkslied“ gemeint, gut lernbar, mündlich überliefert, meist anonyme Urheber, klar und strophisch gegliedert und (2) das Lied als Vertonung einer Textvorlage in gebundener Sprache (z. B. Lyrik, im 20. Jahrhundert auch Prosa), hier ist am ehesten das „Kunstlied“ gemeint.[2]

Die so genannten Berliner Liederschulen legten den Grundstein für die Entwicklung des klassischen deutschen Liedes.[3]Die erste Berliner Liederschule um Christian Gottfried Krause, Friedrich Wilhelm Marpurg und Carl Philipp Emanuel Bach grenzte Mitte des 18. Jahrhunderts die Gattung Lied erstmals von anderen Gattungen wie Arie, Arioso oder Rezitativ ab. Gleichzeitig formulierte sie den kompositorischen Grundsatz der „noble simplicité“, der edlen Einfalt. Dieser bedeutete, dass die Musik eine dem Text untergeordnete Rolle spielt, sich also seinen Vorgaben, wie Versmaß und Strophenform, beugen müsse. Die Musik dient dem Text, nicht andersherum. Weiterhin soll die Melodie einfach aufgebaut und lernbar, sowie größtenteils selbstständig sein, sodass sie auch ohne instrumentale Begleitung ihre Wirkung entfalten kann.

Die zweite Berliner Liederschule um Komponisten wie Friedrich Zelter, Johann Friedrich Reichardt und Johann Abraham Peter Schulz war Ende des 18. Jahrhunderts maßgebend. Sie führt, wie der Name suggeriert, das geistige Erbe der ersten Berliner Liederschule fort. Beeinflusst durch den Sturm und Drang wird die Liedästhetik um das Element der Empfindsamkeit erweitert. Die Orientierung an Volksliedern tritt hier stärker hervor.

Auch Wolfgang Amadeus Mozart komponierte nach den Maßstäben der Berliner Liederschulen, jedoch waren diese nicht immer mit seinen dramatischen Bedürfnissen zu vereinbaren. Diesen nachgebend schrieb er durchkomponierte Lieder, die an Szenenausschnitte eine Oper erinnern. Die Musik übernimmt in diesen eine den Text interpretierende statt nur einer dem Text dienenden Rolle. Hier zeichnet sich schon eine Entwicklung ab, die später unter Ludwig van Beethoven und Franz Schubert weiter verfolgt und zur vollen Ausprägung kommen sollte.

2 Pointierte Analyse zweier Mozart-Lieder

Mozart schrieb Zeit seines Lebens Lieder verschiedensten Inhaltes, jedoch hauptsächlich einfache Strophenlieder oder zu Opernszenen erweiterte durchkomponierte Lieder. Von diesen soll im Folgenden je eines vergleichend analysiert werden. Im Mittelpunkt sollen dabei das Verhältnis und die jeweilige Rolle von Text und Melodie stehen. Darüber hinaus sollen kritische Anmerkungen bezüglich der kompositorischen Umsetzung der Maßstäbe der Berliner Liederschulen gegeben werden.

2.1 Sehnsucht nach dem Frühlinge KV 596 (1791)

Mozarts VertonungSehnsucht nach dem Frühlingeist ein Strophenlied, der Text dazu stammt von Christian Adolf Overbeck. Ursprünglich lautete Overbecks Gedicht „Fritzchen an den May“ (1776)[4]und wurde mit diesem Titel und dem Originaltext in einer ersten Fassung von G. H. L. Wittrock (1777)[5]vertont. In einer weiteren Vertonung von Johann Friedrich Reichardt (1781)[6]wurde der Titel vom Verleger Joachim Heinrich Campe erstmals in „Sehnsucht nach dem Frühlinge“ geändert. Ebenso wurde der Text von Reichardt selbst geändert. Offenbar empfand man das Aufbegehren des „Fritzchens“ in Overbecks ursprünglicher Fassung gegen das Elternhaus als zu anstoßend, zumal Reichardts Version in einem Kinderliederbuch veröffentlich wurde[7]. Auf dem Text der besagten Reichardt‘schen Version basiert auch Mozarts Vertonung.

Die Gedichtvorlage basiert auf vierzeiligen Strophen, welche durch einen Kreuzreim zusammengehalten werden. Sie enthält weiterhin einen dreihebigen Jambus mit alternierend weiblich-männlichen Kadenzen. Diese Elemente zusammen ergeben die Idealform einer Volksliedstrophe – eine durchaus passende Grundlage im Sinne der Berliner Liederschulen. Dieser Volksliedcharakter ist kennzeichnend für Mozarts Vertonung und so werden viele „volkstümliche“ Elemente verarbeitet. Durch den vorherrschenden 6/8-Takt kann den Hebungen und Senkungen der Textgrundlage Rechnung getragen werden. Selbst die weiblichen bzw. männlichen Kadenzen finden in Mozarts Vertonung Beachtung:

[...]


[1]Hartmut Fladt, „Das klassische deutsche Lied bis Franz Schubert“, in: Friederike Böcher (Hrsg.),Beiträge zur musikalischen QuellenforschungBd. 5, Bad Köstritz (Forschungs- und Gedenkstätte Heinrich-Schütz-Haus) 2002, S. 89–98, hier: S. 94

[2]Vgl. Peter Jost, Art. „Lied“, in:MGG2, Sachteil Bd. 5 (1996), Sp. 1260

[3]Die folgenden Informationen sind entnommen aus: Fladt, „Das klassische deutsche Lied“, S. 94–95

[4]Christian Adolf Overbeck, „Fritzchen an den May (1776)“, in:Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon, URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/komm_lieber_mai_und_mache/editiona> (Stand 21.01.15)

[5]G. H. L. Wittrock, „Fritzchen an den May (1777)“, in:Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon, URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/komm_lieber_mai_und_mache/editionb> (Stand 21.01.15)

[6]Johann Friedrich Reichardt, „Sehnsucht nach dem Frühlinge (1781)“, in:Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon, URL: <http://www.liederlexikon.de/lieder/komm_lieber_mai_und_mache/editionc> (Stand 21.01.15)

[7]Johann Friedrich Reichardt,Lieder für Kinder aus Campes Kinderbibliothek mit Melodieen. Bey dem Klavier zu singen, Hamburg (Heroldsche Buchhandlung) 1781

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Zum Liedschaffen Wolfgang Amadeus Mozarts. Das Strophenlied "Sehnsucht nach dem Frühlinge" und das durchkomponierte Lied "Das Veilchen"
Untertitel
Eine vergleichende Analyse
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Institut für Musikpädagogik)
Veranstaltung
Lieder und Gesänge von Mozart, Beethoven und Schubert: Analyse und Höranalyse, WiSe 2013/2014
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V307315
ISBN (eBook)
9783668054769
ISBN (Buch)
9783668054776
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: "Eine sehr gelungene vergleichende Analyse, die auch die gattungsgeschichtliche Entwicklung für die Analyse-Kriterien mit einbezieht. Das jeweilige Text-Musik-Verhältnis und der Grad der interpretierenden Anatomie der Musik sind adäquat gewürdigt." Das Dokument enthält Notenbeispiele.
Schlagworte
Mozart, Wolfgang Amadeus Mozart, Lied, klassisches Lied, Kunstlied, deutsches Kunstlied, Gattungsgeschichte, Berliner Liederschule, Berliner Liederschulen, Das Veilchen, KV 476, Sehnsucht nach dem Frühlinge, KV 596, musikalische Analyse, vergleichende Analyse, Johann Wolfgang von Goethe, Strophenlied, Verslied
Arbeit zitieren
Kilian Blum (Autor), 2015, Zum Liedschaffen Wolfgang Amadeus Mozarts. Das Strophenlied "Sehnsucht nach dem Frühlinge" und das durchkomponierte Lied "Das Veilchen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307315

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