Elektromobilität als Lösung für einen nachhaltigen urbanen Wirtschaftsverkehr?


Bachelorarbeit, 2015
61 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Elektrifizierung als nachhaltige Lösung für den automobilen Wirtschaftsverkehr in Ballungsräumen. Es wird eine Marktübersicht über die derzeitig verfügbaren elektrifizierten Nutzfahrzeuge und Technologien gegeben. Ferner werden anhand der Analyse wichtiger Treiber und Pilotprojekte im städtischen Güterwirtschaftsverkehr Handlungsempfehlungen für den Einsatz elektromobiler Fahrzeuge gegeben sowie ein Zukunftsausblick geschildert. Die zentralen Forschungsfragen der Untersuchung lauten:

1. „Was kann der Elektroantrieb im Kontext städtischer Belieferung leisten?“

2. „Was können Städte und Kommunen für die Förderung des elektromobilen Wirtschaftsverkehrs leisten?“

3. „Wird der Wirtschaftsverkehr in Deutschland in absehbarer Zeit elektrisch angetrieben?“

Als wichtigste Erkenntnisse wird festgehalten, dass bei anhaltender Entwicklung der derzeitigen Rahmenbedingungen im Jahr 2020 deutschlandweit ca. 700.000 elektrifizierte PKW sowie leichte Nutzfahrzeuge zugelassen sein werden. Außerdem zeigt sich, dass ENutzfahrzeuge - eingegliedert in gewerbliche Flotten - bereits heute wirtschaftlich betrieben werden können. Allerdings ist derzeit noch eine zu geringe Auswahl an elektromobilen Nutzfahrzeugen erhältlich. Das Ergebnis der Arbeit ist, dass das Potential elektromobiler Fahrzeuge als Lösung für einen nachhaltigen urbanen Wirtschaftsverkehr bisher nicht voll ausgeschöpft wird.

Abstract

This thesis is concerned with the electrification as a sustainable alternative for the car industry sector in conurbations. Firstly a current market analysis of existing electrified commercial vehicles and technologies is given. After recommendations for actions for the usage of electro mobile vehicles is given based on the results of an analysis of major pioneers and pilot projects in the urban freight traffic. Lastly a forecast will be drawn regarding the central research questions:

1. „What does the electric engine accomplish in concern of urban delivery?“

2. „How can Cities and Communities contribute to the support the electro mobile economic transactions?“

3. „In a conceivable observe will the economic transactions in Germany be electric driven?“

As a principle realisation in this thesis it is mentioned a continuing development of the general framework 700.000 electrical vehicles would be authorised in 2020. Moreover the economic benefits of E-vehicles in a commercial usage nowadays is shown whereby a still too limited choice of E-vehicles can be viewed as restricting. As a result of this thesis it is displayed that the potential of electro mobile vehicles in an understanding of a solution for a sustainable urban economic transaction is so far not completely utilised.

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung ... II

Abstract ... III

Inhaltsverzeichnis ... IV

Abbildungsverzeichnis ... V

Abkürzungsverzeichnis ... VI

1. Einleitung ... 1
1.1 Ausgangslage und Zielsetzung ... 1
1.2 Aufbau der Arbeit ... 2

2. Thematische Abgrenzung ... 3

3. Grundlagen der Elektromobilität ... 4
3.1 Fahrzeugklassen im Nutzfahrzeugsegment ... 4
3.2 Derzeitiger Stand elektrifizierter Nutzfahrzeuge ... 5
3.3 Elektromobile Antriebstechnologien ... 8
3.3.1 Batterietechnologie ... 10
3.3.2 Ladetechniken ... 13

4. Treiber der Entwicklung ... 15
4.1 Klima ... 15
4.2 Kunde ... 19
4.3 Politische Rahmenbedingungen ... 19
4.3.1 Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene ... 19
4.3.2 Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene ... 21
4.3.2.1 Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität ... 22
4.3.2.2 Nationale Plattform Elektromobilität ... 23
4.3.2.3 Regierungsprogramm Elektromobilität ... 24
4.3.3 Städte und Kommunen ... 24
4.3.3.1 Modellregion Elektromobilität ... 27
4.3.3.2 Schaufenster Elektromobilität ... 29

5. Pilotprojekte ... 30

6. Wirtschaftliche Betrachtung ... 35

7. Schlussfolgerung ... 36

8. Ausblick ... 39

Quellenverzeichnis ... VII

Anlagenverzeichnis ... XVI

Anlagen ... XVII

[...]

Abkürzungsverzeichnis

BEV Battery Electric Vehicle

BIP Bruttoinlandsprodukt

BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung

BMUB Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und

Reaktorsicherheit

BMVBS Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

CNG Compressed Natural Gas

DAI-Labor Distributed Artificial Intelligence Laboratory

dB(A) bewerteter Schalldruckpegel

DIW Berlin Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung)

EnBW Energie Baden-Württemberg AG

FCEV Fuel Cell Electric Vehicle

GGEMO Gemeinsame Geschäftsstelle Elektromobilität

GüKG Güterkraftverkehrsgesetz

HEV Hybrid electric vehicle

KEP-Dienste Kurier, Express und Paketdienste

Kwh Kilowattstunde

LKW Lastkraftwagen

LPG Liquefied Petroleum Gas

NOW Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie

NPE Nationale Plattform Elektromobilität

ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr

PHEV Plug-in hybrid electric vehicle

PKW Personenkraftwagen

REEV Range Extended Electric Vehicle

StVZO Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung

Wh/KG Wattstunden pro kg Masse

WHO Weltgesundheitsorganisation

ZEBRA Zero Emission Battery Research Activities

zGG zulässiges Gesamtgewicht

1. Einleitung

Das einleitende Kapitel soll zunächst die thematische Relevanz dieser Bachelorarbeit vermitteln und darüber informieren, welche Forschungsfragen beantwortet werden.

1.1 Ausgangslage und Zielsetzung

Die Bundesregierung hat sich für das Jahr 2020 das Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen gesetzt. Aktuell wird häufig auf die einzigartige Bedeutung des Wirtschaftsverkehrs im Kontext der Elektromobilität hingewiesen. So hebt auch die „Nationale Plattform Elektromobilität“ in ihrem aktuellen Fortschrittsbericht hervor:

Ein besonderes Potenzial weisen [...] rein gewerbliche Flotten und Dienstwagen auf, die zusammen rund 60 Prozent des Neuwagenmarktes ausmachen. Hier sind die Fahrprofile oftmals gut planbar und Kaufentscheidungen stark an der Wirtschaftlichkeit orientiert.[1]

Der Urbanisierungstrend, die steigenden Versandraten insbesondere durch den rasanten Aufstieg des Internethandels, die dadurch ansteigende Treibhausgasemission sowie die zunehmende Luft- und Lärmverschmutzung sind Gründe, die dafür sprechen, sich von fossilen Kraftstoffen abzuwenden. Ob das Ziel im Kontext des Wirtschaftsverkehrs erreicht werden kann, wie stark Städte und Kommunen schon involviert sind und welche Möglichkeiten zukünftig bestehen, untersucht die vorliegende Bachelorarbeit anhand der folgenden Forschungsfragen:

F1: Was kann der Elektroantrieb im Kontext städtischer Belieferung leisten?

F2: Was können Städte und Kommunen für die Förderung des elektromobilen Wirtschaftsverkehrs leisten?

F3: Wird der Wirtschaftsverkehr in Deutschland in absehbarer Zeit elektrisch angetrieben?

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Bearbeitung der Forschungsfragen erfolgt systematisch. Dazu werden im zweiten Kapitel zunächst elementare Begriffe erläutert sowie ein grundlegendes Definitionsfeld erschaffen. Als Einführung in das Thema soll hierdurch das Verständnis für die darauffolgenden Ausführungen erleichtert werden. Anschließend beschäftigt sich das dritte Kapitel mit den für diese Bachelorarbeit relevanten Kerngebieten der Elektromobilität. Es werden die Fahrzeugklassen im Nutzfahrzeugsegment deklariert, es wird ein Ausschnitt von der momentanen Marktsituation gezeigt und es werden Antriebs-, Batterie- und Ladetechniken beleuchtet. Das vierte Kapitel untersucht die grundlegenden Treiber der Elektromobilität im Nutzfahrzeugsegment. Es werden drei relevante treibende Kräfte beschrieben: klimatische Gegebenheiten, der Kunde sowie die Politik. Kapitel fünf beschäftigt sich mit laufenden oder bereits beendeten Pilotprojekten, welche im Kontext des urbanen Wirtschaftsverkehrs eine herausragende Rolle spielen oder spielten. Es wird eine umfassende Übersicht über derzeitige Beispiele aus der Praxis gegeben, insbesondere aus den „Modellregionen“ und „Schaufenstern“ der Städte und Kommunen. Im sechsten Kapitel wird auf die Wirtschaftlichkeit von elektrifizierten Nutzfahrzeugen und deren Messung bezuggenommen. Im darauffolgenden siebten Kapitel werden die Erkenntnisse zusammengefasst und die Forschungsfragen abschließend beleuchtet. Schließlich wird im achten Kapitel ein Ausblick in die Zukunft gegeben. Dieses Kapitel bildet den inhaltlichen Abschluss der Bachelorarbeit.

2. Thematische Abgrenzung

Dieses Kapitel dient der Einordnung der für die vorliegende Bachelorarbeit elementaren Begriffe sowie der Schaffung eines grundlegenden Definitionsfeldes.

Der Begriff Elektromobilität ist als Sammelbegriff für eine ganze Reihe an Technologien zu verstehen. Elektromobile Antriebskonzepte umfassen Hybridfahrzeuge (parallel, leistungsverzweigt), Plug-in-Hybridfahrzeuge, Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerung (serieller Hybrid) sowie reine Elektrofahrzeuge. Die nachfolgende Forschungsarbeit fokussiert die reinen Elektroantriebe. Demzufolge werden in dieser Arbeit alle sonst verbreiteten alternativen Antriebe, wie Brennstoffzellentechnologie, Biodiesel und Flüssiggastechnologien ausgeklammert bzw. nur aus Gründen der Vollständigkeit und zur Wahrung des Überblicks erläutert.

Der Begriff Wirtschaftsverkehr gliedert sich in den Personen-, den Dienstleistungs- und den Güterwirtschaftsverkehr (vgl. Abb. 1) Die vorliegende Arbeit bezieht sich in erster Linie auf den innerstädtischen Güterwirtschaftsverkehr. Der Güterwirtschaftsverkehr beinhaltet das Segment der Kurier-Express-Paketdienste (KEP-Dienste) sowie den Werksverkehr, welcher den Güterverkehr auf dem eigenen Unternehmensgelände skizziert. Außerdem umfasst der Güterwirtschaftsverkehr den innerstädtischen Schwerlastverkehr, der auch in Ballungsräumen eine bedeutende Rolle spielt. Zweifelllos wird es zu den anderen beiden Bereichen des Wirtschaftsverkehrs Überschneidungen und Parallelen geben. Jedoch werden bei der Betrachtung des innerstädtischen Güterwirtschaftsverkehr Fahrzeuge für den öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) sowie städtische Entsorgungsfahrzeuge und Flotten im Personenverkehr im Rahmen dieser Forschungsarbeit kategorisch ausgeschlossen.

[Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen sind nicht enthalten.]

Abbildung 1 Einordnung Wirtschaftsverkehr

Quelle: eigene Darstellung nach Arndt 2012 S. 4

3. Grundlagen der Elektromobilität

Im Folgenden wird auf die momentane Marktsituation für elektrifizierte Nutzfahrahrzeuge Bezug genommen. Da Grundbegriffe der Fahrzeugklassifizierung in der vorliegenden Bachelorarbeit elementar sind, wird zunächst auf die Fahrzeugklassen im Nutzfahrzeugsegment eingegangen. Des Weiteren wird eine Auswahl derzeit verfügbarer Nutzfahrzeuge vorgestellt, wobei dies nur in Ausschnitten geschehen kann. Der Fahrzeugmarkt ist gegenwärtig sehr dynamisch und die Grenzen zwischen Nutzfahrzeuge und Personenkraftwagen sind fließend. Insbesondere wird nach der Vorstellung der verfügbaren Nutzfahrzeuge auf relevante Antriebstechnologien, Batterietechnologien sowie auf den Stand der derzeitigen Ladetechniken eingegangen.

3.1 Fahrzeugklassen im Nutzfahrzeugsegment

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Fahrzeuge des Güterkraftverkehrs als LKW (Lastkraftwagen) bezeichnet. Allerdings lassen sie sich zulassungsrechtlich sowie technisch nach verschiedenen Kriterien voneinander abgrenzen. In der vorliegenden Bachelorarbeit wird eine Abgrenzung nach der zulässigen Gesamtmasse des Fahrzeugs (zGG) [2] gewählt. Zusammengesetzt wird das „zGG“ aus dem Leergewicht und der höchsten zulässigen Zuladung des Fahrzeugs bzw. einer entsprechenden Zusammenstellung aus Fahrzeug und Anhänger. Es werden, angelehnt an Vorschläge der Europäischen Union, nachfolgend dargestellt in Abbildung 2, drei verschiedene Nutzfahrzeuggruppen und daraus fünf verschiedenen Gewichtsklassen gebildet.

[Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen sind nicht enthalten.]

Abbildung 2 Fahrzeugklassen im Nutzfahrzeugsegment

Quelle: Shell Deutschland Oil GmbH 2010 S. 19

Eine besonders wichtige Gruppe in urbanen Räumen bilden die „leichten Nutzfahrzeuge“ (unter 3,5 t zGG). Nach dem GüKG zählen diese allerdings nicht zu Fahrzeugen des gewerblichen Güterkraftverkehrs, aber zu den Nutzfahrzeugen. Und hier machen sie in Deutschland ca. 75 % des Gesamtbestandes aus. Zu der Klassifizierung unter 3,5 t zGG werden zudem auch Lastkrafträder, motorisierte Zweiräder und Pkw für gewerbliche Güterbeförderungen gezählt. Die verbleibenden 25 % des Nutzfahrzeugbestandes in Deutschland sind zum einen die „leichten LKW“ (3,5 - 7,5 t zGG) und zum anderen die „schweren LKW“ (unter 12 t zGG). Diese Fahrzeugklassen spielen in der innerstädtischen Belieferung eine entscheidende Rolle.

Da diese Fahrzeuge im Gegensatz zu größeren und schwereren Fahrzeugen (ab 12 t zGG) sehr flexibel im beengten innerstädtischen Kontext agieren können, erlauben sie den Transport von so genannten Volumengütern.

„Schwere LKW“ (ab 12 t zGG) sowie Sattelzugmaschinen (12 t - 44 t zGG) werden häufig im Güterfernverkehr eingesetzt. Auch diesen Fahrzeugklassen kommt im Innenstadtbereich - insbesondere im kombinierten Verkehr [3] sowie beim Ladungsverkehr bspw. Von großen Modeunternehmen - eine entscheidende Rolle zu.

Der in der vorliegenden Bachelorarbeit verwendete Begriff des „schweren LKW“ wird weder in der StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung) noch in der amtlichen Güterkraftverkehrsstatistik verwendet. Somit werden als „schwere LKW“ nur Nutzfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht ab 12 t bezeichnet. [4]

3.2 Derzeitiger Stand elektrifizierter Nutzfahrzeuge

Sowohl das breiteste Angebot als auch die beste Verfügbarkeit im Bereich der rein elektrischen Nutzfahrzeugkonzepte bietet derzeit die Gruppe der „leichten Nutzfahrzeuge“ (bis 3,5 t zGG). Zu dieser Gruppe zählen auch zulassungsfreie Lastenräder wie das „iBullitt Pedelec Solar“ der Firma „Urban-e“ (vgl. Anhang Abb. 3), welche besonders im innerstädtischen Lieferverkehr die kleinen Transporter ersetzen und damit den eigentlichen Einstieg in die Klasse der leichten Nutzfahrzeuge bilden. Das „iBullitt Pedelec Solar“, welches eine Zuladung von 160 kg und eine Reichweite von 150 km hat, wird z. B. vom Logistikdienstleister „Messenger“ in verschiedenen deutschen Städten eingesetzt. [5]

Den Einstieg in die meldungspflichtigen Nutzfahrzeuge bildet die Cargo-Variante des „Renault Twizy“ (vgl. Anhang Abb. 4) mit 156 l Stauraum und einer Nutzlast von 75 kg.

Das Fahrzeug wurde auf dem Genfer Automobilsalon 2014 bereits als DHL-Sonderedition für den innerstädtischen Zustellverkehr präsentiert. Der „Renault Twizy“ ist derzeit serienmäßig bei Renault erhältlich. [6]

Auch im Kastenwagen-Segment werden unterschiedliche Serienfahrzeuge angeboten, z. B. die baugleichen Modelle „Citroen Berlingo Electric“ und „Peugot Partner Electric“ oder das 2014 mit weltweit 12.490 verkauften Exemplaren erfolgreichste elektrische Nutzfahrzeug, der „Renault Kangoo Z.E.“. [7]

Das obere Ende der „leichten Nutzfahrzeuge“ bis 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht, bildet das Van-Segment. Diese Fahrzeuge sind u.a. für große Flotten wirtschaftlich interessant, da sie hinsichtlich Nutzlast und Laderaumvolumen annähernd an die sogenannte Sprinter-Klasse [8] heranreichen. Bei einem Fahrzeug mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 3,5 t zGG ist für den Fahrer [9] ein Führerschein der Klasse B ausreichend.

Als erstes Kleinserienfahrzeug in diesem Segment ist seit 2010 der „Vito E-Cell“ von Mercedes-Benz als Kastenwagen verfügbar. Das Fahrzeug wird momentan jedoch nur zum Leasing angeboten. [10] Neben Mercedes-Benz gehört auch IVECO zu den Anbietern elektrischer Transporter. Der „IVECO Daily Electric“ (vgl. Anhang Abb. 5) in der einfachbereiften 3,5-t-Variante kann ebenfalls ohne Lkw-Führerschein gefahren werden und wird, wie der „Vito E-Cell“, schon heute im innerstädtischen Lieferverkehr eingesetzt.

Der „Daily Electric“ wird mit Elektromotoren mit 30 kW bzw. 60 kW Leistung angeboten und kann bis zu 2,6 t Nutzlast transportieren. [11]

Im Van-Segment herrscht momentan eine gewisse Dynamik. Mit dem „e-NV200“ (Vgl. Anhang Abb. 6) brachte Nissan 2014 den ersten in Großserie gefertigten, vollelektrischen Kleinbus auf den Markt. Das Fahrzeug, welches auch als Kastenwagen erhältlich ist, wird seit Juli 2014 in Deutschland ausgeliefert. Nissan hat dafür rund 100 Millionen Euro in den einzigen Produktionsstandort Barcelona investiert. Der Elektromotor liefert 80 kW Leistung. Daneben gibt Nissan eine Reichweite von 170 km und eine Nutzlast von 728 kg an. [12]

Vollelektrische Fahrzeuge in dieser Klasse verfügen über Batteriekapazitäten von bis zu 50kWh und elektrische Antriebsleistungen von bis zu 80kW, womit Reichweiten von 50 km bis 170 km erreicht werden können. Damit lässt sich die Elektrifizierung des Segments der leichten Nutzfahrzeuge (bis 3,5 t zGG) generell auf den Grundlagen der in Pkw vorherrschenden Technologien darstellen, indem die dort verwendeten Komponenten angepasst und dann in größere Nutzfahrzeuge integriert werden. Dies bietet umfangreiche Vorteile bei der technischen Realisierung eines ökonomisch attraktiven Fahrzeugangebots. Ebenfalls unterstützt die generelle Ähnlichkeit der Produktionsstrukturen zur Pkw-Fertigung die Auslegung der Fertigungsprozesse. [13]

Im Bereich der elektrifizierten „leichten Lastkraftwagen“ (3,5-7,5 t zGG) sind aktuell zum einen die zwillingsbereifte 5,2 t -Variante des „Iveco Daily Electric“ 14 sowie die 6,4 t -Variante „Newton“ des englischen Unternehmens „Smith Electric Vehicles“ [15] als Kleinserie verfügbar. Diese Nutzfahrzeugklasse wird momentan größtenteils von klein- und mittelständischen Unternehmen dominiert, die konventionelle Fahrzeuge umbauen und elektrifizieren. So rüstet zum Beispiel die „Elektrofahrzeuge Schwaben GmbH“ für das Unternehmen „UPS“ alte Fahrzeuge, wie den „P80 7,5 t“, auf Elektroantrieb um. Neben der „Elektrofahrzeuge Schwaben GmbH“ bieten bspw. auch die Firmen „E-Wolf“ und „German-E-Cars“ Modelle in dieser Klasse an. [16] Des Weiteren sind eine Reihe von Hybrid-Varianten der leichten LKW verfügbar, wie z. B. der „Canter Eco Hybrid“ von FUSO [17]

In der Nutzfahrzeugklasse der „schweren, nicht mautpflichtigen LKW“ (7,5 – 12 t zGG) ist momentan kein Serienfahrzeug voll elektrifiziert verfügbar. Die bisher in Deutschland ausschließlich in geförderten Forschungsprojekten eingesetzten Fahrzeuge sind größtenteils Umbauten unterschiedlicher Anbieter. So wird bspw. im Projekt „ELMO“18 in Dortmund ein Umbau des „MAN-Modells 12.250“ (vgl. Anhang Abb. 7) umgesetzt, der von dem niederländischen Unternehmen All Green Vehicles vorgenommen wurde, welches inzwischen unter dem Namen Electric Power Holland firmiert.

Ein weiteres Unternehmen, das Nutzfahrzeuge dieser Klasse umbaut, ist die Firma Hytruck aus den Niederlanden, die mit ihrem Modell „C12E“ ein Fahrzeug in der Klasse der „schweren, nicht mautpflichtigen LKW“ liefern kann. Im Hybrid-Segment ist in dieser Nutzfahrzeugklasse serienmäßig u.a. der „Mercedes-Benz Atego Blue Tec“ erhältlich.

[...]


[1] NPE (2014) S. 44.

[2] In der StVZO als „zulässiges Gesamtgewicht (zGG)“ bezeichnet.

[3] Kombinierter Verkehr ist intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, mit der Binnen- oder Seeschifffahrt bewältigt wird und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.

[4] Vgl. Raiber, Spindler und Feldwieser (2013) S.22-24.

[5] Vgl. Aichinger (2014) S.23.

[6] Vgl. Zechlin (2014).

[7] Vgl. Aichinger (2014) S. 23.

[8] Im allg. Sprachgebrauch Bezeichnung für Kastentransporter ab 3,5 t -7,5 t zGG, ein PKW Führerschein ist nicht ausreichend.

[9] Werden Personenbezeichnungen aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich in der männlichen oder weiblichen Form verwendet, so schließt dies das jeweils andere Geschlecht mit ein.

[10] Vgl. Oak media GmbH,Vito E-Cell (2015).

[11] Vgl. IVECO (2015).

[12] Vgl. Nissan (2015).

[13] Vgl. Bernhart, et al. (2014) S. 8.

[14] Vgl. IVECO (2015).

[15] Vgl. Smith (2015).

[16] Vgl. Aichinger (2014) S. 25 ff.

[17] Vgl. FUSO (2015).

[18] Vgl. Kapitel 5 der vorliegenden Arbeit.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Elektromobilität als Lösung für einen nachhaltigen urbanen Wirtschaftsverkehr?
Hochschule
Technische Hochschule Wildau, ehem. Technische Fachhochschule Wildau
Note
1.3
Autor
Jahr
2015
Seiten
61
Katalognummer
V307402
ISBN (eBook)
9783668057883
ISBN (Buch)
9783668057890
Dateigröße
3214 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Mobilität, Elektromobilität, Wirtschaftsverkehr, Stadtverkehr, Kommune, grüner Verkehr, elektrifizierung, nachhaltiger Verkehr
Arbeit zitieren
Nico Pfannenschmidt (Autor), 2015, Elektromobilität als Lösung für einen nachhaltigen urbanen Wirtschaftsverkehr?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307402

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