Die neuen alten Kriege. Welche Erklärungsleistungen bieten Kriege der Vormoderne für das Verständnis der neuen, asymmetrischen Kriege?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Alter Krieg
2.1 Der symmetrische Staatenkrieg
2.2 Der asymmetrische Krieg

3. Die Neuen Kriege
3.1 Akteure – Neue Kriege
3.2 Methoden/Strategien – Neue Kriege
3.3 Sozio-ökonomische Rahmenbedingungen

4. Fallbeispiele
4.1 Der 30-jährige Krieg
4.2 Die antiken Kriege – am Beispiel des griechischen Mittelmeerraumes

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frage nach dem Krieg und vor allem weshalb Länder, Gruppierungen, ideologische Gemeinschaften und weitere Akteure diesen überhaupt führen, ist ein immer aktuelles Thema der Politikwissenschaften. Während es mittlerweile eine Reihe von Ansätzen und Theorien gibt, die Kriege zwischenstaatlicher Natur zu erklären vermögen, ist der Erklärungsgehalt für beispielsweise asymmetrische Kriege hingegen gering. Noch weniger vermögen die Forschung und Literatur jedoch die Frage der Neuen Kriege in einer globalisierten Welt zu definieren. Daher soll sich in dieser Hausarbeit zentral und intensiv mit den Formen und der Theorie des Neuen Krieges auseinander gesetzt werden. Hierbei soll sich vor allem mit der Neuartigkeit dieser Kriege auseinandergesetzt werden. Denn die Frage stellt sich, ob diese gewalttätige Form der Auseinandersetzung überhaupt „neu“ ist.

Dahingehend soll das vor allem von Herfried Münkler und Mary Kaldor definierte Theoriekonstrukt der Neuen Kriege beleuchtet und die zentralen sozioökonomischen und akteursspezifischen Faktoren herausgearbeitet werden – auch im Hinblick auf die Alten Kriege. Im Zuge der Theorie wird in der Regel von einer Kohärenz von Neuen Kriegen zu Kriegen der Vormoderne gesprochen, doch soll anhand dieser Arbeit gezeigt werden, inwieweit sich dieser Vergleich überhaupt eignet. Denn die Frage stellt sich, ob nicht Kriege der Antike hierfür besser geeignet wären. Hierbei sollen Kohärenzen, Divergenzen und Probleme diesbezüglich dargestellt werden. Ziel sei hierbei den vergleichenden Blick der Theorie stets hin zur Vormoderne und dem 30-jährigen Krieg eine alternative und vielleicht ein adäquateres geschichtliches Pendant entgegenzustellen.

2. Alter Krieg

„Der Krieg ist nichts als die Fortsetzung der politischen Bestrebung mit veränderten Mitteln. [...] Durch diesen Grundsatz wird die ganze Kriegsgeschichte verständlich, ohne ihn ist alles voll der größten Absurdität.“ – Carl von Clausewitz

Hiernach kann laut Clausewitz der Krieg nur aus den jeweiligen politischen Verhältnissen heraus verstanden werden – somit besitzt der Krieg als solcher allenfalls eine eigene Grammatik, jedoch niemals eine eigene Logik (Clausewitz 1832).

Um sich den Neuen Kriegen zu nähern, müssen erst einmal, um dessen Essenz zu begreifen, die sogenannten Alten Kriege näher betrachtet werden. Da dies eine immense Flut von Informationen inne hat, sollen im folgenden kurz die prägnantesten Aspekte der sogenannten Alten Kriege dargestellt werden. In erster Linie ist hierbei die Unterteilung der Alten Kriege in symmetrische und asymmetrische Kriege von Bedeutung, auf welche folgend eingegangen werden wird. Wichtig hierbei zu beachten ist, dass es sich um eine sehr eurozentrische Sichtweise handelt.

2.1 Der symmetrische Staatenkrieg

Klassischer Weise beginnt die Definition des Krieges, als singuläres Ereignis, mit dem Formieren der Nationalstaaten in Europa. Dieser Prozess ist zeitlich eng mit der Westfälischen Friedensordnung von 1648 verbunden, durch welche sich erst ein europäisches Staatssystem entwickeln konnte (Preuß 2002: 20). Im Zuge dessen kam es zu zentralen Unterscheidungen die hier hervorzuheben sind. Die wesentlichen waren dabei:

- der Unterschied zwischen Öffentlichen und Privaten
- der Unterschied zwischen Innen und Außen
- der Unterschied zwischen dem Ökonomischen und dem Politischen
- die Unterscheidung des Zivilen und des Militärischen.
- die Unterscheidung zwischen den Berechtigten, die eine Waffe tragen und den Nichtkombattanten und Kriminellen

Die in diesem Zusammenhang aber elementarste Unterscheidung war die zwischen Krieg und Frieden. Anstelle eines ununterbrochenen Gewaltzustandes trat der Krieg als genau abgegrenztes Ereignis (Kaldor 2000: 35). Hierbei wird dann folgend häufig vom „legitimen“ Krieg gesprochen, welcher zwischen den Staaten formell erklärt und anschließend beendet wird.

Die Begrifflichkeit des Staatenkrieges ist dahingehend von zentraler Bedeutung, weil erst im Verlauf des 30-jährigen Krieges - neben dem oben genannten Rechtsverhältnis des Krieges – die Staaten gezwungen waren ihre Autorität und Souveränität zu erhöhen. Dieses war einerseits notwendig, um das Rechtsverhältnis zwischen (grundsätzlich) gleichwertigen Staaten und Gegnern in einem europäischen Staatensystem etablieren zu können. Hieraus ergibt sich dann auch eine moralische Gegenseitigkeit und Äquivalenz, weswegen bei Staatenkriegen auch häufig von symmetrischen Kriegen gesprochen wird. Des Weiteren gelang es so den kriegerischen staatlichen Parteien, Formen anarchistischer Gewaltmärkte zu sanktionieren (Etzersdorfer 2007: 53).

Verfolgt man den Gedanken der staatlichen Kriege nun konsequent weiter, ergibt sich eine gewisse Logik der symmetrischen Kriegsführung. Hierzu zählt vor allem die Frage des Warums. Die Literatur verweist bei dieser historisch betrachteten Entscheidung des Krieges auf das rationale Kalkül der Staatsführung und auf die Staatsräson. Und auch ein weiterer Aspekt ist aus den oben genannten Punkten hervorzuheben: Die Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nicht-Kombattanten. Denn hiermit wurden nunmehr die Schlachten zwischen disziplinierten regulären staatlichen Heeren ausgetragen (Etzersdorfer 2007: 55). Diese Logik der symmetrischen Kriege wird im späteren gerade im Hinblick auf den Kontrast dieser zu den Charakteristika der Neuen Kriege von zentraler Bedeutung werden.

2.2 Der asymmetrische Krieg

„Die Guerilla gewinnt, wenn sie nicht verliert. Die konventionelle Armee verliert, wenn sie nicht gewinnt.“ – Henry Kissinger (H. Kissinger, Analysen und Tendenzen, 1969:214)

Dieser kleine Krieg (=Guerilla) ist eine aus historischer Perspektive nachfolgende Erscheinung vom oben aufgeführten Staatenkrieg und geht rein namentlich auf den Partisanenkrieg der spanischen Rebellen gegen die napoleonische Armee hervor. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen den Kriegstypen hierbei ist vor allem der zwischen regulären staatlichen Heeren und irregulären Truppen. Zweitere gehorchen keiner staatlichen Gewalt, sondern sind einem ihren selbstverordneten politischen Kodex verpflichtet, aus welchem sich ihre Kriegsmotivation speist (Etzersdorfer 2007: 106). Aus dieser Asymmetrie ergeben sich andere Gewaltformen wie der Partisanenkrieg, Guerillakrieg1 und (aktuelle) terroristische Methoden. Diese Art der kriegerischen Konfliktführung nutzt dabei eine vollkommen unterschiedliche Logik als der Staatenkrieg. Im Wesentlichen ist die Taktik von defensiver Natur. Es wird versucht große Schlachten zu vermeiden und die asymmetrischen Konfliktparteien bedienen sich einer „hit and run“ – Strategie. Dabei wird die zuvor beschriebene wichtige Trennung zwischen Zivilbevölkerung und Kombattanten aufgehoben oder wie Mao Tse-Tung es beschrieb: Die Guerillas sollen „wie Fische im Wasser [...] auf- und untertauchen“. Dabei wird auch das Rechtsverhältnis des Krieges und Friedens aufgehoben, womit die Konflikte in der Regel über längere Zeit schwellen, aber immer wieder ausbrechen können (Etzersdorfer 2007: 106).

Hiermit wurden die beiden wesentlichen kriegerischen Arten der Alten Kriege dargestellt. Dies ist insofern wichtig, weil es damit eine klare Eingrenzung dessen gibt, was als Krieg bezeichnet wird bzw. wurde. Im folgenden Teil soll nun aber aufgezeigt werden, dass diese klare Definition in der heutigen Zeit nicht mehr so eindeutig ist. Deshalb wurde in diesem Abschnitt von den Alten Kriegen und wird im kommenden Teil von den Neuen Kriegen gesprochen.

3. Die Neuen Kriege

Mary Kaldor und Herfried Münkler regten Anfang diesen Jahrtausends mit ihrer Theorie der Neuen Kriege eine kontrovers geführte Diskussion in der Politikwissenschaft an, was denn „neu“ sei an dieser Art der Konflikte. Um sich dieser immer noch aktuellen Thematik zu nähern, soll im folgenden das Theoriekonstrukt von Kaldor und Münkler dargestellt werden. Hierbei sind die zu beleuchteten zentralen Aspekte die beteiligten Akteure, die Ziele, ihre Methoden und schlussendlich ihre Art der Finanzierung.

Die meisten Kriege der letzten Jahrzehnte entwickelten sich an den Rändern einstiger imperialer Großmächte, wie auf dem Balkan, an der die Donaumonarchie und das Osmanische Reich aufeinander stießen und in Gebieten, die bis nach dem Ende des II. Weltkrieges von Kolonialmächten aus Europa beherrscht wurde – wie in Südostasien und Ostafrika (Münkler 2002: 13ff.) Hierbei charakterisieren laut Münkler die Neuen Kriege nur der Dreiklang von verschiedenen, auch schon früher vorgekommenen, Faktoren:

1) Asymmetrische Kriegsführung und Reaktionen auf diese Asymmetrisierung
2) Substaatliche bzw. semiprivate Kriegsakteure
3) Entmilitarisierung der Gewaltorganisation und Konzentration auf nichtmilitärische Ziele (Münkler 2002: 24).

Einen weiteren Blickwinkel auf diese Thematik setzt Mary Kaldor, indem sie sich in erster Linie mit der Erscheinung der Neuen Kriege in Kombination mit Globalisierung und dem Aufkommen neuer Technologien auseinander gesetzt hat. Vor allem drei zentrale Punkte sind hierbei zu nennen:

[...]


1 Im Westen wird vornehmlich vom Guerillakrieg gesprochen, während im Osten das Wort Partisanenkrieg geläufiger ist.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die neuen alten Kriege. Welche Erklärungsleistungen bieten Kriege der Vormoderne für das Verständnis der neuen, asymmetrischen Kriege?
Hochschule
Universität Bremen  (IPW)
Veranstaltung
Vom Kriege
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V307578
ISBN (eBook)
9783668058521
Dateigröße
968 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue Kriege, Münkler, Kaldor, symmetrischer Krieg, asymmetrischer Krieg, 30-jähriger Krieg, Kriege 21. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Yannik Roscher (Autor), 2015, Die neuen alten Kriege. Welche Erklärungsleistungen bieten Kriege der Vormoderne für das Verständnis der neuen, asymmetrischen Kriege?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307578

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