Interkulturelle Raumgestaltung oder Die Neuvermessung des Kulturellen. Deutsche Expat-Frauen in Shanghai


Masterarbeit, 2010
206 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Rahmen
2.1 (Inter-) Disziplinäre Einbettung
2.1.1 Germanistik als Kulturwissenschaft
2.1.2 „Kultur als Text“
2.1.3 Cultural Studies und die turns
2.2 Zur Raumtheorie
2.2.1 Konzeptgeschichte
2.2.2 Transnationale Räume und der spatial turn
2.2.3 „Verortung der Kultur“
2.2.4 Raum und Identität
2.3 Interkulturelle Raumgestaltung - Neuvermessung des Kulturellen

3 Methodischer Rahmen
3.1 Zur Bedeutung der qualitativen Forschung in diesem Fall
3.2 Storying community - Positionierungsnarration
3.3 Zur Bedeutung der Biographieforschung in diesem Fall

4 Deutscher Club Shanghai (DCS)
4.1 Erster Zugang und Vorstellung des Deutschen Club Shanghai (DCS)
4.2 Die Interviewsituation
4.3 Kurze Vorstellung der Interviewpartnerinnen
Interviewpartnerin 1
Interviewpartnerin II
Interviewpartnerin III
Interviewpartnerin IV
Interviewpartnerin V
Interviewpartnerin VI
Interviewpartnerin VII
Interviewpartnerin VIII
Kurze Zusammenfassung

5 Auswertung
5.1 Auswertungskategorien
5.2 Präsentation der Fallstudien
5.2.1 Ankommen
5.2.1.1 Motivation
5.2.1.2 Deutscher Club Shanghai (DCS)
5.2.1.3 Die Situation: Expat-Frauin Shanghai
5.2.1.4 Zusammenfassung Ankommen
5.2.2 Aufenthalt
5.2.2.1 Familiärer Raum
5.2.2.2 Wohnquartier
5.2.2.3 Schule als Raum
5.2.2.4 SozialerRaum
5.2.2.5 Integrative Räume
5.2.2.6 Shanghai und China - Kartieren und Mappen eines Möglichkeitsraumes
5.2.2.7 Zusammenfassung Aufenthalt
5.2.3 Rückkehr
5.2.3.1 Chinabilder
5.2.3.2 Deutschland
5.2.3.3 Realitätsängste Rückkehr
5.2.3.4 Zusammenfassung Rückkehr
5.2.4 Dazwischen
5.2.4.1 Krisen
5.2.4.2 Fremd und Anders
5.2.4.3 Zuhause und/ oder Heimat
5.2.4.4 Das andere Zuhause
5.2.4.5 „Für die Heimat verdorben“
5.2.4.6 Zusammenfassung Dazwischen

6. Resümee und kurzer Ausblick

Anhang I: Transkriptionen
Interview I
Interview II
Ila
IIb
Interview III
Interview IV
Interview V
Va
Vb
Interview VI
VIa
VIb
Interview VII
VIIa
VIIb
VIIc
VIId
Interview VIII
VIIIa
VIIIb
Anhang II: Literaturliste

1 Einleitung

Im Zuge der Globalisierung verändern sich unsere Lebensbezüge und werden regionaler, globaler oder dynamisieren sich auf andere Weise, jenseits von konkreten Räumen und Territorien. Menschen können an mehreren Orten sozial aktiv sein und in individuellen als auch kollektiven Lebenswelten Räume gestalten. Ein mobiler Lebensstil erscheint erstrebenswerter. Vor allem durch die wachsende globale Arbeitsmarktdynamik wurde deutlich, dass die altbekannte Kongruenz zwischen Territorium und soziokultureller Praxis fragwürdig ist. Vielmehr wird eine Vielzahl von Möglichkeitsräumen offenbart, die nicht nur Optionen auf der Handlungsebene, sondern auch für die Identitätsarbeit bieten.

„Was die Welt ausmacht, welche verläßliche Position man in ihr hat, woraus man Sinn gewinnt, wo man hingehört, wem man zugehört, wo man sich selbst vergewissern kann und wer man selbst ist, kurzum, das Welt- und Selbstverständnis ist nicht länger an den Stand-Ort gebunden bzw. läßt sich nicht mehr örtlich generieren.“1

Seit Mitte der 90er Jahre halten verschiedene Konzepte von Raum verstärkt Einzug in die unterschiedlichen Disziplinen. War der konkrete Raum zunächst nur ein Gegenstand der Naturwissenschaften, so öffnen sich nun zum Beispiel auch die Kulturwissenschaften und die Linguistik für konkrete und abstrakte Entwürfe von Raum und seinen Synonymen. Lebensentwürfe und individuelle Biographien sind nicht mehr an einen spezifischen Ort gebunden. Die Individuen sind globalisiert und erleben dies auch als biographische Erfahrungen. Nicht nur ihre Körper und ihr Hab und Gut, sondern auch ihre Mentalitäten, Vorstellungen, Erfahrungswelten und auch Identitäten sind global in Bewegung geraten. Lebensstile und AkteurInnen, die sich in unterschiedlichen Sozialräumen in Bewegung befinden und sich gleichzeitig über konkrete territorial organisierte Gesellschaften erstrecken, lassen sich mit einer Kombination verschiedener Raumkonzepte beschreiben.

Im Folgenden soll die Verortung und Konstruktion von Gemeinschaft im kulturell fremd verstandenen Raum anhand halb geleiteter biographischer Interviews mit so genannten Expat-Frauen aus dem Deutschen Club Shanghai dokumentiert und analysiert werden. Die Begriffe Expatriates oder auch kurz Expats setzen sich aus den lateinischen Worten ex (aus, außerhalb von) und patria (die Heimat) zusammen und beschreiben Menschen, die zeitlich befristet oder permanent außerhalb ihres Sozialisationslandes oder ihres im Pass angegebenen legalen Residenzlandes wohnhaft sind. Meist handelt es sich dabei um westliche Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen in einem nicht-westlichen Land residieren. Literatur zum Thema Expatriates ist beinahe ausschließlich im semiwissenschaftlichen Bereich zu finden. Entweder handelt es sich dabei um Trainingsmaterialien und Tipps zur Entsendung, die sich hauptsächlich an Männer in leitenden Positionen richten oder es handelt sich um von Frauen geschriebene subjektzentrierte und anekdotenhafte Erfahrungsberichte. Expats befinden sich in einer Migrationssituation, die in der Regel privilegierter ist, als die anderer Migrantlnnen und manchmal auch von einem privilegierten Lebensstil geprägt ist, der über dem der Majoritätsgesellschaft liegt. Expats unterscheiden sich von anderen Migrantlnnen, da sie für einen vorher fest gelegtes Zeitfenster an einem bestimmten Ort leben und dann zurück kehren oder weiterziehen.

Interessant ist also anhand narrativer Erschließungen, und Praktiken aus Perspektive der Akteurlnnen die Kodierungen des Raums, Repräsentationsformen und seine Aufladungen nach zu zeichnen und wie er auf die Akteurlnnen zurückwirkt: Denn nicht vorgegebene Räume oder Orte sind Ausgangspunkt, sondern ihre Herstellung durch Praktiken, Mapping, Repräsentation, Verortung, Bewegung, Kodierung oder Netzwerkbildungen.

„Damit kommt die Vielstimmigkeit von Räumen verstärkt in den Blick: die Verknüpfung von lokalen Aktivitäten und Sozialbeziehungen mit Einschreibungen durch Emotionen, Gedächtnis, Geschichten, körperlichen und mentalen Aneignungen, Mental Maps und Bedeutungskämpfen - weit über das bloße Handlungssetting hinaus.“2

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin, herauszufinden, in wie weit ein modifiziertes Raumkonzept theoretischen Ansprüchen und der Praxis der Akteure gleichsam Rechnung tragen kann. „Kultur“ kann nur bedingt bestimmend für das menschliche Verhalten oder für Identität sein.

Zwar befreien sich moderne Individuen von Raumbindungen, verstanden als konkrete Orte, sind aber gleichzeitig mit einer andauernden Identitätsarbeit beschäftigt, die neue (Handlungsspiel-) Räume schafft. Die Positionen im Raum beeinflussen Erleben und Handeln wechselseitig. Diese Arbeit begibt sich mit den Akteurlnnen auf die Suche nach den organisierenden Raumkoordinaten.

Es wird versucht, sich dem Komplex von Raum, Zeit und Handlung, als auch „Kultur“ im Rahmen einer empirischen Fallstudie zu nähern. Dabei wird der Deutsche Club Shanghai als produktiver Raum zum Ausgangspunkt der Analyse genommen. Mit Bezug auf den spatial turn steht der Konstruktionscharakter des zunächst als sozial definierten Raumes im Zentrum. Dies soll immer unter Berücksichtigung der Variablen „Kultur“ passieren, um eventuelle „kulturspezifische“, räumliche Verhaltensweisen, Wahrnehmung und Strategien nicht aus Vorsicht vor dem Kulturbegriff zu ignorieren, sondern kritisch zu analysieren. Die methodische Orientierung ist primär eine ethnomethodologische, denn erst diese ermöglicht es, zu untersuchen, ob überhaupt Differenzen existieren und verschließt sich nicht vor dem, was das Feld, beziehungsweise der sich ständig wandelnde, dynamische Raum anbietet. So soll der erste Zugang über eine partiell teilnehmende Beobachtung stattfinden, um dann durch qualitative offene Interviews weiter erschlossen werden.

Zunächst wird im theoretischen Teil beschrieben in wie weit die Interkulturelle Germanistik eine Kulturwissenschaft ist, um dann die verschiedenen theoretischen turns, vom cultural turn beginnend zum spatial turn nachzuzeichnen. In der zweiten Hälfte des Theorieteils werden unterschiedliche Konzepte von Raum präsentiert und das problematische Verhältnis von Raum und „Kultur“ diskutiert. Nach einer methodischen Einleitung werden im zweiten Teil der Arbeit der Deutsche Club Shanghai (DCS) und die acht Interviewpartnerinnen vorgestellt, die als Expats in China leben. Für die Auswertung des Materials wurden verschiedene Oberkategorien gebildet, die sich im Laufe der Forschung entwickelt haben und hier nicht vorweg genommen werden sollen. Abschließend erfolgt eine zusammenfassende Betrachtung zum Verhältnis der AkteurInnen zu den unterschiedlichen Raumkonzepten, die sich ebenso erst im Prozess dieser Arbeit offenbart haben.

2 Theoretischer Rahmen

2.1 (Inter-) Disziplinäre Einbettung

2.1.1 Germanistik als Kulturwissenschaft

Die theoretische Diskussion in wie weit die Germanistik als Kulturwissenschaft zu verstehen ist, hält unvermindert an. Doch in die Praxis hat schon längst ein neues Selbstverständnis Einzug gehalten. Zwar öffnete sich die Germanistik schon seit den 1970er Jahren methodisch und theoretisch für andere Disziplinen, doch bis zum Ende der 1990er Jahre war sie von unterschiedlichen Methodenschulen geprägt, die sich von einander abgrenzten. Dies wandelte sich zum einen, durch eine starke Vernetzung auf Forschungsebene zwischen den Disziplinen und der Herausbildung von Forschungszentren und zum anderen durch reale gesellschaftliche und politische Veränderungen. Das zentrale Stichwort hierbei ist die Globalisierung, die zwar schon immer vorhanden, doch nun nicht nur im wissenschaftlichen Bereich stärkere Berücksichtigung erfährt. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass nationalstaatliche Konzepte aufgebrochen und der Blick auf Vernetzungen von Lebenswelten und interkulturellen Prozessen geöffnet wurde, die eine Wende in der Betrachtung von „Kultur“ als klar abgrenzbare Einheit erzwangen. Daraus ergab sich weiterhin eine notwendige Zusammenarbeit der Disziplinen in gemeinsamen Arbeitsfeldern, wie zum Beispiel: Migration, Trans- und Interkulturalität oder Mehrsprachigkeit und Fremdheit.

Aus einer Vielzahl von Methodenschulen bildete sich ein Methoden- und Perspektivenpluralismus heraus, der auf Überschneidungen, Vernetzungen und gegenseitigen Ergänzungen basiert, was unter dem Stichwort „Hybridisierung“3 zusammengefasst wird. Seit der Überwindung des vorausgegangenen Methodenstreits versteht sich ein Großteil der Germanistinnen als KulturwissenschaftlerInnen und sie sind sich weitgehend einig, „[...], dass die Kulturwissenschaft das Fundament für die verschiedensten Reformbemühungen abgeben könnte, für Grundlegung, Innovation und Dynamik in einem.“4 Denn in der gegenwärtigen Theorielandschaft gibt es keine klar abgrenzbaren Methoden oder Ausschließlichkeiten mehr, daher ist eine kulturwissenschaftliche Germanistik als Ergebnis der genannten Reformbemühungen zu betrachten. Es haben sich interdisziplinäre Ansätze und triangulierte Methoden herausgebildet, die den Blick auf die Pluralität von Lebenswelten schärfen und sich an einer Beschreibung von „Kultur“ versuchen.

2.1.2 „Kultur als Text“

Seit den 1970er Jahren haben sich in den Kulturwissenschaften5 eine Vielzahl so genannter turns vollzogen, die durch alle Disziplinen hindurch etablierte Methodenschulen und Theorien aufbrachen. Die Kette der turns wurde von unterschiedlichen beinahe gleichzeitigen Entwicklungen initiiert. Als Bahn brechend gilt der so genannte linguistic turn.

„Denn er durchzieht alle einzelnen turns und bildet das mächtige Vorzeichen für alle weiteren Richtungswechsel und Schwerpunktverlagerungen, die sich jeweils auf ihre Weise am linguistic turn abarbeiten.“6

Der linguistic turn wurde von der Einsicht begleitet, dass Realität von Menschen mit Hilfe von Sprache konstruiert wird. Diese Perspektive wurde bald als Verdrängung anderer bedeutender Dimensionen von „Kultur“, Lebenswelt, Geschichte und auch Handeln für die Konstruktion von Wirklichkeit wahrgenommen. Der so genannte interpretive turn, der seine Anfänge in der amerikanischen Kulturanthropologie nahm, bot mit der Metapher von „Kultur als Text“ gleichzeitig eine Variante des linguistic turn an, war aber auch eine seiner ersten Bewährungsproben.7 Ähnlich einem Text, ermöglicht, das, was als „Kultur“ verstanden wird, verschiedene Lesarten. Darunter fallen eben nicht nur Texte, sondern auch Praktiken und Handlungen. Sie stellen den Auszug aus einem Gesamtkontext dar und können auf Konstitution, Tradierung und Sinn- und Zeichenbildung, so wie Funktionen und Wirkungen untersucht werden8.

Die dem linguistic turn folgende Vielzahl von cultural turns hat nicht nur der Germanistik eine Vielfalt von Fragestellungen erschlossen und zugleich die Untersuchungsbereiche auf andere Medien als Texte und Sprache ausgeweitet, sondern führte auch zu einer umfassenden kulturwissenschaftlichen Neuorientierungen in den Geisteswissenschaften:

„Selbstauslegung und Inszenierung, Körperlichkeit und Handlungsmacht, aber auch die Politik sozialer und interkultureller Differenzen mit ihren Übersetzungs- und Aushandlungspraktiken rücken in den Vordergrund, darüber hinaus visuelle Einsichten, Bildwahrnehmungen und Kulturen des Blicks sowie Räumlichkeit und Raumbezüge sozialen Handelns, schließlich gar die unhintergehbare Materialität von Erfahrung und Geschichte.“9

Dieser Wandel vollzieht sich über alle disziplinären Grenzen hinweg und führt nicht nur zu einem Austausch der Forschungsgegenstände und einem Methodenpluralismus, sondern auch zu neuen Perspektiven. Die Perspektive von „Kultur als Text“ verleitet dazu, davon auszugehen, das allen Gegenständen eine Lesbarkeit zugrunde liegt. Dennoch ist klar, dass zum einen der Begriff der „Kultur“ definitionslos ist und zum anderen seit den turns das Textparadigma so weit geöffnet ist, dass auch der Textbegriff seine Konturen verliert, aber auch gleichzeitig neue Gegenstandbereiche freigelegt worden sind. Dennoch können die Begriffe „Kultur“ und auch Text nicht als Werkzeuge oder Ausgangspunkt zur Erkenntnis- nisgewinnung dienen. Sie müssen zunächst beschreibende Begriffe bleiben.

Der Textansatz des interpretive turns wurde vom performative turn dynamisiert und lenkt die „[..^Aufmerksamkeit von Text und Bedeutung hin zu Darstellung und performativer Praxis.“[10]

Für die germanistischen Forschungen bedeutet dies eine Erweiterung des Primats der Schriftlichkeit hin zu neueren Verständnisebenen von Medialität und Performativität. Der einseitig semantisch ausgerichtete, allgemeingültige Textbegriff gerät ins Wanken zugunsten der Betrachtung von Mündlichkeit und Performativität, denn:

„Jedem Ereignis einer Äußerung, auch den performativen Sprechakten, geht eine [solche] Lesbarkeit, eine Zitathaftigkeit voraus, die nichts mit dem Aufführen von Sprache und dem uneigentlichen Sprechen auf der Bühne gemein hat, sondern grundsätzlich in ihrer inneren Struktur,10

Bereits in den 1960er und 70er Jahren entwickelte sich die Einsicht, dass man mit dem Begriffskomplex der Performanz und/ oder Performativität als theoretisches Begriffsfeld und theoretisches Konzept nicht nur interdisziplinär arbeiten, sondern auch den Fokus vom Textzentrierten zum Handlungszentrierten verschieben kann.11 Dahinter steht die Einsicht, dass „Kultur“ oder als „Kultur“ Konnotiertes nicht nur in Texten, sondern auch in Performanzen und eben auch in Kommunikation hervorgebracht werden kann.12 Parallel dazu entwickelten ebenfalls in den 1960er Jahren die beiden amerikanischen Sprachphilosophen John L. Austin13 und Richard Searle14 die Sprechakttheorie, die den Sprechakt zur historisch, performativen Handlung erklärt. In Europa erklärte der französische Philosoph Jacques Derrida nicht nur den Sprachgebrauch, sondern auch Texte für performativ.15 „Auch der New Historicism und sein Hauptvertreter Stephen Greenblatt versuchen, die Positionen, die Texte zu sozialen Phänomen, aber auch zu verschiedenen Diskurstypen einnehmen, zu bestimmen.“16 Performativität als Erweiterung des Textbegriffs zum traditionellen Literaturverständnis versteht „Kultur“ als Handlung, denn „Kultur“ ist dynamisch und sie rahmt sowohl Texte als auch Ereignisse, und erlaubt es diese mit Handlungsmetaphern zu beschreiben. Der linguistic turn durchzieht also die anderen turns wie einen roten Faden, sie wandeln ihn ab und schwächen ihn zwar, doch letztendlich verschränken sie Sprache mit anderen Wahrnehmungs- und Handlungsdimensionen.17

2.1.3 Cultural Studies und die turns

Auch die Cultural Studies verstehen „Kultur“ als gelebte Praxis und haben starke Bedeutung für die Erweiterung germanistischen Erkenntnisinteresses und ihrer Gegenstandbereiche. Die Arbeiten der Cultural Studies stellen unter anderem den Versuch dar, gesellschaftliche Strukturen auch als Text zu lesen. Die symbolischen Ordnungen von dem, als „Kultur“ konnotierten und dessen Bedeutung für die Einzelnen werden dabei unter anderem im Hinblick auf ihre Identität (-sleistung) erschlossen. Im Hinblick auf die Cultural Studies wird sichtbar, dass die Vielzahl von turns nicht in einen konfliktfreien Eklektizismus mündet.

„Im Gegenteil, die Vervielfältigung und das Nebeneinander von turns führen vielmehr zu einem anhaltenden Spannungsfeld. Im Zusammenhang der angloamerikanischen Cultural Studies wird dieses Spannungsfeld besonders brisant, schließlich werden dort nicht nur die Disziplinengrenzen überschritten, sondern auch die Grenzen des akademischen Diskurses hin zu gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Debatten.“18

Die Cultural Studies zeichnen sich nicht nur durch ihre theoretische und methodische Interdisziplinarität und Offenheit aus, es lassen sich mehrfach Anknüpfungspunkte zu den verschiedenen turns19, wie zum Beispiel zum interpretive turns als auch zum performative turn entdecken. „Kultur“ wird in erster Linie als gelebte Praxis oder ganze Lebensweise verstanden, wodurch der Blick auf die Akteure und deren individuelle Praxen geöffnet wird.20 Der Mensch wird also als „deutendes und handelndes (Kultur) Wesen“21 betrachtet, dass zwischen der eigenen Handlungsfähigkeit und den bestehenden Strukturen „Kultur“ produziert und erfährt. In der Praxis nehmen Menschen einen großen Teil ihrer Erfahrungen in Kultur-Kategorien wahr:

„Die analytischen Blicköffnungen durch cultural turns ermöglichenjedoch, den Gründen für solche realen Kulturübertreibungen nachzugehen - seien es die Erfahrungen von Globalisierungsverlusten, von ungleichen Machtverhältnissen, gescheiterten Übersetzungsprozessen oder interkulturellen Missverständnissen.“22

Dabei geht es auch immer wieder um die Frage, wie Handlungsspielräume aufgebaut, erweitert und erhalten werden. Denn gleichzeitig erhält „Kultur“ den Charakter eines Raumes oder Ortes, an dem Kämpfe um kulturelle, soziale und auch politische Machtpositionen und Identitäten ausgetragen werden, was meist über Sinnproduktionen und Alltagspraxen passiert. Dabei handelt es sichjedoch nicht um einfache konkrete Orte, sondern um komplexe Räume sozialer und interkultureller Verhältnisse. Wennjedoch von Raum gesprochen wird, soll das nicht dazu verleiten, von einem konkreten territorialen und naturalisierenden Raumverständnis auszugehen.

Die Wiederentdeckung von Raum im Zuge weltpolitischer und ökonomischer Strukturierungen hat zum so genannten spatial turn geführt:

„Gerade in einer globalisierten Zeit mit ihrer Tendenz zur Ortslosigkeit treten Probleme der Lokalisierung vehement in den Vordergrund. Verortung von Kultur' (Homi Bhabha) wird von hier aus eine Forderung, die den neuen Raumbezug für eine Veränderung des Kulturverständnisses selbst aufgreift. Auf einer anderen Ebene freilich wird 'Raum' zu einer zentralen Analysekategorie, zum Konstruktionsprinzip sozialen Verhaltens, zu einer Dimension von Materialität und Erfahrungsnähe sowie zu einer wirkungsvollen Repräsentationsstrategie.“23

Im spatial turn stehen räumliche Konstellationen im Vordergrund und historische oder evolutionistische Determinismen werden zurückgedrängt. Auch wenn bereits deutlich gemacht worden ist, dass die verschiedenen cultural turns nicht voneinander isoliert zu betrachten sind, wird sich das folgende Kapitel primär mit Raumkonzepten und dem Entstehungskontext des spatial turn näher beschäftigen.

2.2 Zur Raumtheorie

2.2.1 Konzeptgeschichte

Die Kategorie Raum wird aufgrund der vor allem im deutschen Kontext problematischen Verknüpfungen von konkretem Raum und „Kultur“, zu Recht mit Skepsis betrachtet. Doch das abstrakte Raumdenken besitzt eine ebenso lange Denktradition und kann weg von einem statischem Raum oder Kulturbegriff führen. Spatial turn bedeutet die Ausbildung eines kritischen Raumverständnisses.24

Bereits 1903 veröffentlichte Georg Simmel eine Soziologie des Raumes, in der er einen Exkurs über die Dichotomien von Nähe und Distanz, Vertrautheit und Fremde, so wie Ein- und Ausgrenzung gab. Während der Raum in seinen Betrachtungen noch ein physischer war, entwarf der Wissenssoziologe Karl Mannheim in den 1920er Jahren das Modell eines sozialen Raumes. Er geht davon aus,

„[...] dass die spezifische Lagerung innerhalb des sozialen Raumes zu einer unvermeidlichen Präfiguration des Handelns und Erlebens führt: Wann immer politische Überzeugungen, religiöse Gesinnungen oder etwa kulturelle Interessen zum Gegenstand einer Untersuchung werden, muss - so die Forderung Mannheims - der sozialräumliche Index in Rechnung gestellt und die erhebliche Prägekraft des 'konjunktiven Erfahrungsraums' berücksichtigt werden.“25

Schließlich war es der französische, marxistische Soziologe, Philosoph und Intellektuelle Henry Lefebvre, der in den 60er und 70er Jahren eine Theorie zur Produktion von Raum bildete26, in deren Mittelpunkt die Praxis der AkteurInnen steht. Dabei unterscheidet er drei Dimensionen im Raum, die dessen Konstitution als auch seine Produktion beschreiben.

Die aktuell verstärkte Auseinandersetzung mit Raum erfolgt vor allem, weil Raum nicht mehr nur als materielles Objekt gefasst wird und in Bewegung geraten ist. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, was ein abstrakt verstandener Raum eigentlich noch leisten kann, um sozialen Phänomenen näher zu kommen. Vor allem in den deutschen Geistes- und Kulturwissenschaften erlebt die Beschäftigung mit Raum Hochkonjunktur. Dies hängt primär mit den politischen und sozialen Umbrüchen zum Ende des Kalten Krieges zusammen. Grenzen wurden geöffnet, neue Abgrenzungen vollzogen und auch neue Raumansprüche formuliert. Mitte der 90er Jahre wurde also der spatial turn ausgerufen.27 Raum wurde wissenschaftlich aus seinem Schattendasein herausgehoben. Dies war auch eine Folge, der als sich verändernde Strukturen wahrgenommenen räumlichen Konfigurationen, wie Globalisierung und auch Regionalisierung. Auf der einen Seite wurden neue Räume geschaffen und Grenzen gezogen, auf der anderen Seite wurde Raum aufgelöst und sich global entortet. Menschen begannen beispielsweise über das Internet weltweit miteinander in Kontakt zu treten. Dabei wurde deutlich, dass Raum nicht aus sich selbst heraus existieren kann und statisch ist, sondern über die Ebene des konkreten materiellen Objekts hinaus betrachtet werden muss. Im Zentrum dieses Perspektivenwechsels auf Raum steht dabei die Annahme, dass nicht mehr länger der Raum auf die Individuen einwirkt und deren Handeln determiniert, sondern, dass auch die Handlungen der AkteurInnen den Raum beeinflussen. Dies trägt nicht nur den Individuen an sich Rechnung, sondern öffnet auch den Blick auf die Produktionspraxen von Räumen und die Raumstruktur selbst.

Die vor allem von den Naturwissenschaften nach Isaac Newton28 propagierte Perspektive des absoluten Raumes unterstützte einen räumlichen Determinismus und implizierte auch ein spezifisches Bild auf Gesellschaften als von Räumen begrenzte Gemeinschaften, wie zum Beispiel Volk und Nation. Dieses Konzept schließt jegliche alternative und widersprüchliche, als auch ein Dazwischen aus und hat weitgehende Konsequenzen nach Innen und Außen. Newtons Konzept des absoluten Raumes wurde bereits zu Lebzeiten von Gottfried Wilhelm Leibnitz kritisiert. Für ihn ist Raum relativ und gestaltet sich durch mögliche Lagebeziehungen.29 Bis heute wird diese Perspektive von Vertreterinnen des relativen Raumkonzepts dahingehend als bedeutend eingeschätzt, als dass diese bereits die Vielfalt der Zugänge und Gestaltungsmöglichkeiten von Raum, je nach sozialem Blickwinkel zu berücksichtigen ermöglicht. Besonders radikal ist die Perspektive dass, gesellschaftliche Phänomene unabhängig von der physisch materiellen Welt existieren würden. Mit dieser Perspektive verliert der Raum nun vollends an Konturen, doch gleichzeitig bleibt das Verhältnis von Raum und Gesellschaft Material, welches einen innertheoretischen Widerspruch darstellt. In den Wissenschaften existiert eine Vielfalt von Handlungstheorien, die versuchen, die Konturen von Raum nicht am Raum selbst, sondern an den Praxen der AkteurInnen zu verorten. Im Folgenden erfährt vor allem die Perspektive auf Raum, nicht als konkretes Territorium oder als Ideenkonzept, sondern als gesellschaftliche Produktion, Anerkennung.

Diese Betrachtung von Raum erfreut sich besonders bei Autorinnen, die der marxistischen Philosophietradition nahe stehen, starke Beachtung. Zentral ist hierbei der marxistische Philosoph Henry Lefebvre, dessen Arbeiten durch ihre Unsystematik verschiedene Lesarten ermöglichen.30 Im Unterschied zur relativen Perspektive auf Raum, die eher abstrakte Handlungen betrachtet, konzentriert sich die Lesart nach Lefebvre auf konkrete soziale Praxen und in wieweit diese Raum und soziale Prozesse beeinflussen. Dadurch erhält Raum die Qualität sozialer Wirklichkeit. Mit Lefebvre betrachtet, ist Wirklichkeit ein Ergebnis materieller und damit konkreter Produktionen, die auch im Zusammenhang mit bestimmten historischen Produktionsverhältnissen zu fassen sind.31 Oder zugespitzt formuliert: Raum ist das, was Menschen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Bedingungen machen. Raum entsteht in der Praxis der AkteurInnen und die Räume sind sowohl Orte der Repräsentation, als auch selbst als Räume repräsentiert. Der Soziologe und Lefebvre-Experte Christian Schmid, betont eine doppelte Perspektive auf Raum, die Lefebvres Ansatz sichtbar macht. Die von Henry Lefebvre aufgestellten drei dialektisch miteinander verzahnten Dimensionen der räumlichen Praxis, der Repräsentation des Raumes und den Räumen der Repräsentation einerseits und der Verschränkung von Wahrnehmung, Konzeption und Erleben lassen dies hervortreten.32 Die Praxis und die Wahrnehmung der AkteurInnen machen den Raum zu dem, was er ist. AkteurInnen eignen sich konkrete Orte an und produzieren nicht nur einen, sondern mehrere Räume gleichzeitig und verknüpfen sowohl die abstrakten Räume als auch die konkreten Orte miteinander. Die Repräsentation von Räumen geschieht primär auf der Diskursebene und produziert ein Raumkonzept. Dieses mentale Konstrukt wirkt wieder zurück auf den konkreten Raum und gestaltet diesen mit.33 Nichts ist in diesen Räumen an sich vorhanden, sondern alles wird erst in der Praxis existent. Die abstrakten Konzepte von Raum sind sowohl Voraussetzung für die praktische Konstruktion von Raum, als auch selbst von der Praxis beeinflusst. Räume besitzen nicht nur Grenzen, die sie rahmen, sondern auch symbolhaften Charakter und stecken voller Bedeutungen so verweisen sie unter anderem auf gesellschaftliche Werte und kollektive Wahrnehmungen.34 Doch gerade diese Ebene von Räumen zu erfassen, steckt voller Schwierigkeiten. Trotzdem ist es notwendig, diese zu berücksichtigen und so den Akteurlnnen selbst Rechnung zu tragen, denn wie beschrieben, würde das Ausklammern des Erlebens und Wahrnehmens und die alleinige Betrachtung der Handlungsebene, einen bedeutenden Teil des Raumes im Schatten lassen. Eine weitere Schwierigkeit bei der Erfassung von Räumen stellt ihr dynamischer Charakter dar, beständig werden sie neu hervorgebracht. Daher ist es methodisch sinnhaft, sich nicht primär den Räumen an sich zuzuwenden, sondern den Produktionsprozessen. Raum ist als Ausdruck sozialer Praxis zu verstehen und verweist auf Anderes, wie gesellschaftliche oder soziale Verhältnisse.

Wenn wir uns also mit Lefebvre dem Raum nähern, sind wir in der Lage, das physisch vorgegebene zu überwinden durch den dreidimensionalen Produktionsprozess zu verstehen. Raum wird nach Lefebvre von materiellen Interaktionsprozessen, Kommunikationsprozessen und Bedeutungsprozessen konstituiert.35 Im Jahre 2000 beschäftigte sich die Soziologin Martina Löw mit der Suche nach einer Theorie, mit der es möglich sei, die Organisation des Nebeneinanders zu bezeichnen und eine Vorstellung für die Verbindung zwischen den einzelnen Phänomenen zu entwickeln.36 Auch sie kommt zu dem Ergebnis, dass Räume keine starren Behälter, sondern ständig in Bewegung sind. Ihnen liege sowohl eine Ordnungs- als auch Handlungsdimension zu Grunde.37 Auf dieser Grundlage entwickelt sie die Begriffe Spacing und Syntheseleistung. Spacing beschreibt primär die Positionierung im Raum. Dabei kann es sich um Menschen, Produkte oder auch Symbole handeln. Als Syntheseleistung bezeichnet sie die

Zusammenfassung von Wahrgenommenem und Erinnertem in einem Raum.38

Es wurde bereits gezeigt, dass es bei den Betrachtungen von Raum darum geht, sowohl den konkreten Ort, als auch den abstrakten Raum zu erfassen. Um den letzteren aus seiner Diffusität herauszuarbeiten, ist es zentral, sich von der Ebene der Akteurlnnen anzunähern, um sich dann wieder dem Einfluss des Raumes auf diese zu widmen. Das Verhältnis ist vor allem ein reziprokes. Wenn wir uns mit Raum beschäftigen, beschäftigen wir uns immer auch mit Identitäten, Nähe und Distanz, Fremdem und Eigenen, Hierarchie, Position, Praxen, Strategien, Wahrnehmung, Werte und Normen, Beziehungen, soziokulturellen Räumen und Bedeutungen, um nur einige zu nennen. Es gibt noch weitere Perspektiven auf Raum, die aus den Ansätzen des postcultural turns und des topographical turns mit dem spatial turn verknüpft sind und hier mit aufgenommen werden müssen, da sie für die gedankliche Verknüpfung der verschiedenen Konzepte fruchtbar sind.

2.2.2 Transnationale Räume und der spatial turn

Der spatial turn bietet, ebenso wie die anderen turns, Anküpfungspunkte zu weiteren cultural turns. Bereits im Zuge des postcolonial turn wurden die Grundlagen zu einer Neufokussierung räumlicher Kategorien mit entwickelt.39 Aufgrund der Auflösung nationalstaatlicher Territorien und der wachsenden weltweiten Interaktionen und des wachsenden Austauschs haben Grenzen in vielen Bereichen nicht mehr die selbe Qualität wie zuvor.

„Der Ausgangspunkt des Transnationalisierungsansatzes ist die qualitative soziale Transformation, 'bei der sich Lebenspraxis und Lebensprojekte der 'Transmigranten', also ihre sozialen Räume, zwischen verschiedenen Wohnorten und geographischen Räumen aufspannen' (Pries 1999:16). Die aus diesen sozialen Konstellationen entstehenden transnationalen Sozialräume können als Raumanordnungen betrachtet werden, die 'relativ dauerhafte, auf mehrere Orte verteilte bzw. zwischen mehreren Flächenräumen sich aufspannende verdichtete Konfigurationen von sozialen

Alltagspraktiken, Symbolsystemen und Artefakten [sind]. Sie sind weder de-lokalisiert noch de- territorialisiert. Vielmehr sind sie in verschiedenen Territorien bzw. locales verankert, die wiederum in anderen sozialräumlichen Einheiten - z.B. von nationalen Container-Gesellschaften - eingewoben sind' (Pries 2008: 195, Hervorhebung im Original).“40

Um die Ambivalenz sozialräumlicher Konstellationen zu berücksichtigen müssen Perspektiven auf Raum auch mit transnationalen Phänomenen verknüpft werden, denn: ,,[...] die zunehmend entterritorialisierten Raumverhältnisse und Beziehungsgeflechte haben auch das Raumverständnis transnationalisiert.“41

Für die Verknüpfung des spatial turns mit transnationalen Räumen, sind die Arbeiten des Kulturanthropologen und postkolonialen Globalisierungstheoretikers Arjun Appadurai bezeichnend. Gleichzeitig mit der Auflösung traditioneller nationalstaatlicher Territorien bildeten sich neue Raumbezüge, wie zum Beispiel Netzwerke, Organisationen, Finanzmärkte oder auch der internationale Terrorismus heraus. Appadurai nennt diese global ethnoscapes:42

„Dies sind Räume, die von spezifischen Gruppenidentitäten geprägt werden, Erfahrungsräume, die in der Diaspora entstehen, welche trotz Deterritorialisierung und 'displacement' verstreute Migrantengruppen zusammenhalten: vielschichtige, komplexe Räume einer trans- und multilokalen Zivilgesellschaft.“43

Die Akteurlnnen sind nicht an bestimmte Territorien oder Räume gebunden und ebenso wenig als kulturell homogen zu betrachten. Ihre Geschichten sind ebenso wie ihre Erfahrungen und ihre Gestaltung der umgebenden Räumlichkeiten individuell.

Der spatial turn ist also keinesfalls als Wiederbelebung eines territorialbezogenen Raumkonzepts ewig Gestriger zu verstehen, sondern dient vielmehr dazu, traditionelle Bindungen sozialer kollektiver als auch individueller Identitäten, an Raum als Territorium verstanden, in Frage zu stellen und Grenzen zu überschreiten:

„Raum wird geradezu zu einer Metapher für kulturelle Dynamik: durch Grenzüberschreitungen und Grenzverlagerungen, durch Verhandlungen, durch Migration und Überlappung durch das Entstehen netzwerkartiger transnationaler 'imagined communities'.“44

Raum ist sowohl territorial und konkret vorhanden, als auch symbolischer und abstrakter

Aushandlungsprozess. Es muss also von einer Pluralität von komplexen Räumen ausgegangen werden, die sich überlappen und überschneiden.

2.2.3 „Verortung der Kultur“

Es gibt verschiedene kursierende Begriffe, die versuchen das Phänomen „Kultur“ und Raum nicht nur begrifflich, sondern auch konzeptionell zu fassen. Bei dem wohl bekanntesten und meist rezipierten Konzept handelt es sich um Homi Bhabhas „Verortung der Kultur“45. Der Autor kann weiterhin als Vertreter des postcolonial turn gelesen werden. „Die Verortung der Kultur“ ist die Einleitung zu Homi Bhabhas gleichnamiger Aufsatzsammlung und stellt den Versuch dar, „Kultur“ in Übergängen und Zwischenräumen zu verorten.

„Diese Zwischenräume entstehen durch das Überlappen und Verschieben von Differenzbereichen, wie überhaupt Repräsentation von Differenz von Bhabha nicht als Widerspiegelung vorgegebener ethnischer oder kultureller Merkmale, sondern als fortlaufendes Verhandeln gelesen wird. Die Bedingungen kultureller Bindung ergeben sich aus dieser Sichtperformativ.“46

In diesen Zwischenräumen findet zum Beispiel verhandelnde oder übersetzende Kommunikation zwischen zwei sozialen Gruppen mit verschiedenen „kulturellen Traditionen“ und Machtpotentialen statt. Diese Verhandlungen münden nicht unbedingt in eine Diffusion der beiden beteiligten Kulturtraditionen, was nach Bhabha zu einem displacement47 beziehungsweise einer Entortung der beteiligten Gruppenmitglieder von ihren Ursprüngen (engl. origins) führen würde. Weiterhin vertritt er die Annahme, dass eine neue gemeinsame Identität hervorgebracht wird, die weder das eine, noch das andere ist, sondern eine hybride Form aufweist. Dieser Ansatz verspricht einen Zugang zur Ver- und auch Entortung für die Identitätsbildung relevanter Indikatoren.

Problematisch erscheint jedoch, dass der Zwischenraum, das Dazwischen oder auch thirdspace auf eine Dichotomie von zwei Räumen oder „Kulturen“ verweist. Die Individuen bewegen sich zwischen in der Regel zwei „Kulturen“. Die Individuen und die Handlungen selbst werden als dynamisch charakterisiert, was aber nicht automatisch für Herkunfts- und Ankunftsort gilt, welche mit dieser Perspektive Statik implizieren. Beide „Kulturen“, „Kultur A“ als auch „Kultur B“ sind definiert; nämlich definiert als A oder B, die sich voneinander unterscheiden und implizieren weiterhin Homogenität in sich. So ist das Dazwischen von Aushandlungsprozessen und der Verwischung von Differenzen geprägt. In dieser Idee von Raum wird „Kultur“ oder kulturell bedeutsam performt beziehungsweise agiert.

Im Dazwischen selbst existieren kulturelle Ursprünglichkeit oder Reinheit im Idealfall nicht. Die Differenz der Aufeinandertreffenden ist von vorneherein als bipolar festgelegt und ist nur noch bedingt im Spiel auszuhandeln. Was ebenso, wie die Bindung ans kolonialistische Selbst und an das kolonisierte Andere zu einer Entdynamisierung von „Kultur“ führt und wieder mit dem Hegemonialanspruch von Homogenität abschließt, denn auch Verschiedenheit und Differenz brauchen wieder feste Einheiten zur Definition. Dieses starre Bild des Anderen äußert sich auch in Bhabhas Sprache.48 Bhabhas Argumentationen sind widersprüchlich.49 Denn in seinem anderen Aufsatz „Die Frage des Anderen. Stereotyp, Diskriminierung und der Diskurs des Kolonialismus“ kritisiert Homi Bhabha die mangelnde Dynamik der Konstruktion des Anderen. Dazu setzt er sich vor allem mit der Konstruktion von Stereotypen und der Strategie dahinter auseinander und sieht diese als „fixierte Form der Repräsentation“50. So impliziert er, wie bereits erläutert, in einem Aufsatz selbst eine gewisse Statik im Anderen und kritisiert im nächsten Aufsatz eine mangelnde Dynamik. Ebenso paradox in der Überschrift seines Aufsatzes ist nicht nur der Artikelgebrauch in der deutschen Übersetzung, sondern auch der Anspruch der Lokalisierung, nämlich der Verortung der „Kultur“. Eigentlich wird diese nach einem erweiterten Kulturbegriff dynamisch verstanden und der Wunsch „Kultur“ an einen Ort binden zu wollen, widerspricht diesem Verständnis zunächst.

Bhabhas Ansatzpunkt ist nicht Identität oder „Kultur“, sondern in seinem Fokus stehen sprachliche Äußerungen, Sprech- und Schreibakte, so wie der (post-) koloniale Diskurs. Dieser Diskurs ist wiederum der Ausgangspunkt für die These der Hybridisierung. Diese geht aber nicht von alltagspraktischen interkulturellen Interaktionen, sondern von der

Performativität, vor allem englischsprachiger Literatur im kolonialen Raum aus.51 Im Zentrum steht bei Bhabha das postkoloniale Subjekt, dass in einer zwischen den „Kulturen“ verorteten Situation um die Anerkennung seiner hybriden Existenz kämpft. Bhabha konzentriert sich bei seinen Betrachtungen in erster Linie auf den künstlerischen Bereich, wie zum Beispiel in der Literatur produzierte „kulturelle Differenz“. Differenz wird nicht die Relation zum anderen konstituiert, sondern offen verhandelt. Gleichzeitig ist diese Differenz eben Ausgangspunkt seiner Betrachtungen: „Kulturen und Subjekte tragen die Befremdung, die Fremdheitserfahrung, den Übersetzungsbedarf auch jenseits der Begegnung mit anderen (Kulturen bzw. Subjekten) schon in sich.“52

Als Vertreter des postcolonial turn, liegt Bhabhas Hauptaugenmerk vor allem auf der Kritik an der Kolonisierungsgeschichte und ihren Nachwirkungen in Diskursen. Einen weiteren Fokus legt er auf die Produktion von Gegendiskursen. Dabei begegnen sich in der Regel eine ethnisch definierte marginalisierte Minterheitskultur und eine ethnisch definierte privilegierte Mehrheitskultur, was letztendlich ebenfalls zu einer Entdynamisierung von „Kultur“ führt. Denn letztendlich heißt das ja, dass eine Mehrheitskultur und eine Minderheitskultur aufeinander treffen. Das Aufeinandertreffen selbst kann sicherlich auch dynamisch verstanden werden, so „mischen“ sie sich sicherlich auch zu etwas Drittem, aber letztendlich wird hier ein Kulturkreisdenken reproduziert.

2.2.4 Raum und Identität

Bhabhas Ansatz ist, auch wenn der Gedanke „Kultur“ verorten zu können, verführerisch wirkt, da er eine bequeme Anwendbarkeit verspricht, weniger als Raumtheorie, sondern viel mehr als Identitätstheorie zu verstehen. Es müsste eigentlich heißen, „Verortung von Identität (und Kultur)“. Der Zwischenraum als Artikulationsraum für Differenz ist in erster Linie Identität konstituierend. Die Identität befindet sich bei Bhabha im freien Fall. Sein radikaler Kulturbegriff bietet keine Fixpunkte und Garantien. Wenn „Kulturen“ keinen tradierten Mustern folgen, dann können ihre Bedeutungssysteme immer erst im Moment ihrer Aushandlung, Übersetzung oder Hybridisierung entstehen und sich zusammensetzen. In diesem Zusammenhang muss noch einmal kurz auf den Begriff der Hybridität eingegangen werden, der auch im postkolonialen Diskurs unterschiedlich verwandt wird. So wird Hybridisierung von Homi Bhabha als Praxis kultureller Neuschöpfung53 verstanden. Stuart Hall grenzt dieses offene Verständnis ein. Hybride Identitäten und „Kulturen“ entstehen zwar, aber das heißt nicht, dass es sich um ethnische Vermischung auf demographischer Ebene handelt, sondern darum, „[...] Worte für den eigenen fragilen, fragmentierten, auseinandergerissenen Zustand zu finden [...]“54. Der Begriff der Hybridität sollt nicht unkritisch reproduziert werden, denn bezieht man das historische Wissen mit ein, so kann Hybridität auch als kulturelles Produkt der europäischen Besatzung kolonialisierter Gebiete gesehen werden. Der Wunsch nach Hybridisierung kann also auch als Wunsch nach der Verwestlichung der Welt missbraucht werden.

2.3 Interkulturelle Raumgestaltung - Neuvermessung des Kulturellen

„Der spatial turn richtet sich auf Praktiken der Raumerschließung und -beherrschung, zugleich aber auch auf Repräsentationsformen von Räumen.“55

Während sich der spatial turn primär mit den Praktiken beschäftigt, die den Raum konstituieren, stehen in seiner Unterströmung, dem topographical turn die Praktiken, die den Raum repräsentieren noch stärker im Vordergrund. Zentrale Arbeitsbegriffe sind hierbei die Karte und die Praxis des Mapping. „Mapping bleibt freilich nicht mehr nur auf Karten im engeren Sinn bezogen, sondern wird zu einem allgemeinen (methaphorisierten) Ordnungsmuster, zu einem Modell der Organisation von Wissen:[...]“.56 Konkrete Kartographien werden im Kopf erweitert oder auch umgedacht und zu neuen so genannten mental maps zusammengesetzt, „[...] also zu symbolischen und vor allem subjektiven Aufladungen der kartographischen Bezugspunkte mitje verschiedenen Bedeutungen.“57 Durch diese Verknüpfung des konkreten Raumes mit symbolischen Aufladungen, die den

Raum selbst mit konstituieren, wird der Komplexität von Raum Rechnung getragen. Konkrete physische Raumstrukturen werden von subjektiver Symbolik durchdrungen, überlagert und auch konstituiert. Bei dieser subjektiven Symbolik kann es sich eben auch um Erinnertes handeln, wodurch eine zeitliche Ebene mit einer räumlichen Ebene mental verknüpft oder eben kartiert beziehungsweise „gemappt“ wird. Durch die Beachtung dieser Praxis des Mapping wird zu den Ebenen von Zeit und Raum auch eine Handlungsebene mit berücksichtigt:

„Die Raumperspektive bietet also die Möglichkeit, das inkommensurable Nebeneinander des Alltagslebens, das Ineinanderwirken von Strukturen und individuellen Entscheidungen, das bisher eher getrennt voneinander untersucht worden ist, nun in der Zusammenschau zu analysieren- [...]“58.

Dabei geht es nämlich nicht darum, Zeit durch Raum zu ersetzen:

„Entscheidend ist hier, dass der Raum selbst zu einer zentralen Analysekategorie wird, zum Konstruktionsprinzip sozialen Verhaltens, zu einer Dimension von Materialtität und Erfahrungsnähe, zu einer Repräsentationsstrategie.“59

Die Raumkategorie bietet weiterhin einen Impuls zur Revisionen des Kulturbegriffs unter räumlichen Indikatoren, was „[...] bereits an der Verbreitung eines neuen kulturanalytischen Vokabulars mit seinen verstärkt räumlichen Metaphern wie Marginalität, Ränder, Grenze, Location, Deterritorialisierung, Zentrum- Peripherie, Mapping[.]“60, ablesbar wird.

Allerdings ist Vorsicht geboten, denn: „Je konkreter die Raumperspektive auf die Analyse wirklicher Räume bezogen wird, desto mehr wächst allerdings die Gefahr, in eine 'Raumfalle' hineinzulaufen [.]“61 und soziale Praktiken als natürlich zu denken, da sie als vom Raum determiniert gesehen werden.

Im Weiteren wird davon ausgegangen, dass „Kultur“ nicht sinnvoll verortet werden kann, sondern nur anhand ihrer Bedeutung für die AkteurInnen und deren Praxen in Relation zu Raum und auch Zeit vermessen werden kann.

3 Methodischer Rahmen

3.1 Zur Bedeutung der qualitativen Forschung in diesem Fall

Die qualitative Forschung hat in der Regel den Anspruch, Lebenswelten aus Sicht der Akteurlnnen zu beschreiben. Bei der Erforschung abstrakter Räume und sozialer oder auch von den Akteurlnnen als kulturell konnotierter Wirklichkeitsfelder bietet sich die Verwendung qualitativer explorativer Methoden als Einzige an.

In der vorliegenden Fallstudie wurde zur Analyse des Zusammenhangs von Lebenswelten, sozialen Praktiken und interkulturellen Räumen Forschungsstile verschiedener Ansätze, wie unter anderem der Cultural Studies, mit Raumkonzeptionen und Ansätzen der Biographieforschung kombiniert. Diesen liegen Prinzipien zu Grunde, die auch mit anderen Kulturwissenschaften, wie auch der Interkulturellen Germanistik geteilt werden. Was die Cultural Studies auszeichnet, ist gerade ihre Offenheit, was nicht als unkritisches „alles ist erlaubt“ zu verstehen ist, sondern als strategische Offenheit gemeint ist. Dem Offenheitsprinzip entsprechend, wurde für die vorliegende Untersuchung im Vorfeld keine Hypothese gebildet und dem gesamten Forschungsprozess eine möglichst offene Grundhaltung entgegengebracht. So wie ein Text in den Cultural Studies keine Bedeutung nur auf einer Ebene haben kann, so sind auch die einzelnen Biographien nicht exemplarisch zu betrachten. Das gleiche gilt für die individuellen Entwürfe von „Kultur“, dem Eigenen und dem Fremden, Heimat, Selbst- und Fremdbildern.

3.2 Storying community - Positionierungsnarration

Einer der bekanntesten Vertreter der Cultural Studies, Roger Bromley zeigt sich in einem seiner letzten Aufsätze62 skeptisch, dass es Regierungen sind, die sprachlich oder formal Gemeinschaften oder regionale Identitäten produzieren, sondern dass es veränderte Formen von Öffentlichkeit sind, die auf Gemeinschaft basierende „kulturelle“ Aktivitäten ausüben. Dabei geht es in erster Linie darum, dass aktive Gemeinschaften, ob vorläufig oder nicht, durch gemeinsame Interessen hervorgebracht werden. Seine Gedanken stützt er mit Betrachtungen des so genannten Digital Storytellings63. Darunter versteht er eine neue textuelle Praxis, welche auf lokale, regionale, nationale und internationale Ebenen, die Macht komplexer und multipler Narrativen, die das Leben der AkteurInnen formen, erkannt und nutzbar gemacht hat, um Narrative, Technologie und Gemeinschaftsbildung als Teil von Konstruktionsstrategien zusammenzubringen. Geschichten begründen dies und sind oft mit spezifischen physischen, sozialen oder kulturellen Räumen konnotiert. Menschen sind also nicht durch eine kollektive Identität, welche an einen bestimmten Platz gebunden sind, miteinander verbunden.64 Vielmehr können bestimmte Gemeinschaften und/ oder einzelne Biographien, die zwar ihren Ausgangspunkt in einer Gemeinschaft mit identifizierbaren geographischen Lokalitäten haben, transformiert werden und eine eigene Form und eigene Räume entwickeln. Wie der Begriff des Digital Storytellings vermuten lässt, setzt Bromley sich dabei mit online communities und dem Internet auseinander, dass seiner eigenen Logik entsprechend bereits einen abstrakten Raum darstellt, der viele Namen trägt, wovon das Netz, Cyber Space und Virtual Reality nur eine kleine Auswahl darstellen.

Auch wenn Gemeinschaft traditionell im Zusammenhang mit Raum oder räumlicher Nähe gedacht wurde, ist doch mittlerweile klar, dass die Beziehung zwischen Raum und Gemeinschaft ihre Schwierigkeiten besitzt. Die wachsende Mobilität der AkteurInnen über die Grenzen des lokalen Eigenen zu gehen, fördert die Bildung neuer sozialer Formen und Netzwerke. Die Veränderung der Raumstrukturen, verändert also auch die Formen der Gemeinschaften. Doch was sind die Determinanten, Brücken und Bindungen? Denn Gemeinschaft muss beständig (re-) produziert werden. Wie passiert das? Bekannte Strategien, die die Cultural Studies bereits untersucht haben, sind der Einstieg in Gemeinschaften oder auch die Bildung von Gemeinschaften durch „kulturelle“Aktivitäten.65 Dieser Ansatz öffnet den Blick auf andere gemeinschaftsbildende Determinanten als beispielsweise „Kultur“ und Raum hin zu den gemeinschaftsbildenden Praxen der AkteurInnen.

Bromleys Gedanken, Gemeinschaften und Räume neu zu überdenken und anhand „kultureller“ Aktivitäten nachzuzeichnen, ist fur die vorliegende Arbeit ein zentraler Impulsgedanke. Ebenso bedeutend ist die Konzentration der Cultural Studies auf die Identitätsleistungen der Einzelnen. Ein weiterer Vertreter der Cultural Studies, Stewart Hall, verortet in einer als Arena umkämpfter Bedeutungen definierten „Kultur“, das entwurzelte, postmoderne Subjekt in einer prekären Position. Kulturelle Identität ist nicht statisch, sondern fragil, flüchtig, temporär und unabgeschlossen durch globale Transformationen und muss lebenslang erkämpft werden.66 Und hier lassen sich Homi Bhabhas Betrachtungen zu Raum anschließen, denn Bhabha entwickelte für genau dieses Feld umkämpfter Bedeutungen, in denen sich das postmoderne Subjekt Identität versichernd zu verorten sucht, die Metapher des dritten kulturellen Raums, der gleichzeitig mehrdeutiger Zwischenraum, Verortung und Deplazierung translokaler, transhistorischer und transindividueller Ambivalenzen umfasst.67

„Kulturelle Bedeutungen werden hier im beständigen Spiel der Differenzen - der Überlagerungen, Überbrückungen, Vernetzungen - ausgehandelt, symbolisch artikuliert und performativ dargestellt. Identitäts- und Kulturarbeit, geprägt durch Dezentrierung, Diskontinuität und Entortung, ist nicht mehr und nicht weniger als eine flüchtige Fixierung in diesem exzentrischen Raum der Differenz.“68

Zur Annäherung an diese subjektiven mentalen Konstruktionen und deren Herstellungsprozesse bietet sich die auf die AkteurInnen zentrierte Biographieforschung an.

3.3 Zur Bedeutung der Biographieforschung in diesem Fall

Die Biographieforschung integrierte in ihrer Entwicklung, ähnlich den Cultural Studies und der Interkulturellen Germanistik, unterschiedliche Theorien und Methoden und zeichnet sich ebenso durch ihre Multiperspektivität aus.

Auch im Zentrum der Biographieforschung steht der „'Mensch als deutendes und handelndes Wesen' [...] Als Konzept liegt Biographie ähnlich wie Kultur strukturell auf der Schnittstelle zwischen subjektiver und objektiver Struktur.“69 Die Cultural Studies verstehen „Kultur“ primär als gelebte Praxis. Daran anlehnend kann im Sinne der Biographieforschung „Kultur“ folgendermaßen verstanden werden: „Kultur 'zeigt die sinnliche menschliche Praxis, mittels deren Männer und Frauen ihre Geschichten gestalten.“70 Wie in anderen Bereichen der Geisteswissenschaften kam es auch in der Biographieforschung zum cultural turn, was auch dort zur Erweiterung eines Verständnisses von „Kultur als Text“ und von „Kultur als gelebte Praxis“ führte. Im Prozess eines Interviews textualisieren die Erzählerinnen ihre mentalen Konstitutionen in dem sie diese zur Sprache bringen:

„Bei den Antworten, die aus biografischen Erzählungen herauskristallisiert werden, mischen sich individuelle und kollektive Erfahrungsverarbeitungsräume, Wandlungsprozesse und Verlaufskurven, persönliche und soziale Wissensformen. Solche Formulierungen spielen - in der Lesart der Cultural Studies - auf kulturtheoretische Aspekte an. 'Culture is ordinary' - Kultur wird in einem beständigen Wechselspiel zwischen objektiver und subjektiver Struktur mitproduziert und verdichtet sich in einer Lebensgeschichte zur gelebten Kultur.“71

Zur Erschließung von Realitätskonstruktionen, alltäglichen Erfahrungen, Handlungspraxen und Sinngebungen aus Sicht der Akteurinnen bieten sich in der Regel qualitative Interviews an.72 Denn: „Die Notwendigkeit biographischer Reflexivität erhöht sich für Menschen, die lokal und/ oder sozial mobil sind.“73 Denn die vielfältige Eingebundenheit der Akteurinnen, sowohl in verschiedene gesellschaftliche Teilsysteme als auch die multiplen Verortungen der migrantischen Lebenssituation zwingen diese zu beständiger Selbstreflexion und permanenter Neuverortung. Die qualitative Interviewforschung rückt nicht nur den Prozesscharakter und auch die Brüche in der Herstellung narrativer Reflexion sozialer, „kultureller“, lokaler oder globaler Positionierung, sondern auch von Räumen in den Fokus empirischer Forschung. Sie ermöglicht die Exploration der Beziehung der Akteurinnen zu Räumen so wie des Verhältnisses der Räume untereinander. Weiterhin kann mit ihrer Hilfe das Alltagswissen der Interviewpartnerinnen über soziale und kulturelle Kategorien, wie Fremd und Eigen oder auch Heimat und Zuhause dokumentiert werden. Bereits vor der Annäherung an das Feld des Deutschen Club Shanghais wurde sich mit den theoretischen Konzeptionen von

Raum auseinander gesetzt. Vielmehr handelt es sich im Weiteren um den Versuch, theoretische Ansätze in der Empirie zu nutzen und so auf ihren Wert für ein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse zu prüfen.

4 Deutscher Club Shanghai (DCS)

4.1 Erster Zugang und Vorstellung des Deutschen Club Shanghai (DCS)

Der erste Zugang zum Deutschen Club Shanghai (im Weiteren DCS) erfolgte über die Homepage des Clubs74. Wie ich im Weiteren noch zeigen werde, ist die Recherche im Internet die übliche Strategie, um Kontakt zum Club und den Akteurinnen75 dort aufzunehmen.

Bereits die Überschrift des Willkommenstextes auf der Homepage des DCS macht deutlich, dass sich das Selbstverständnis darauf bezieht, nicht nur Freizeitaktivitäten für Expats anzubieten, sondern auch Hilfestellungen bei Ankunft und Eingewöhnung zu geben, mit dem Ziel sich wohlzufühlen. Weiterhin verkündet der Club einen interkulturellen Anspruch und den Wunsch unterstützen, verbinden und Brücken schlagen zu wollen. Doch gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass durch Vorgabe der chinesischen Autoritäten der Zugang zum Club für Mainland-ChinesInnen verschlossen ist. Trotzdem werden die Veranstaltungen des Clubs als Möglichkeitsraum76 für direkte Begegnungen und intensivem Austausch angeboten. Doch eben nicht mit, sondern rund um das gemeinsame Gastland China. Der Fokus des Clubs liegt vor allem auf sozialen Kontakten und der Orientierung in der Stadt Shanghai sowie im Land China. Nach eigenen Angaben liegt das Hauptaugenmerk auf den begleitenden Ehepartnern, wobei es sich in der Realität hauptsächlich um Frauen handelt.

„Mit dem Deutschen Club Shanghai ankommen, eingewöhnen und wohlfühlen!

Der Deutsche Club Shanghai wurde 1998 gegründet und ist heute mit über 400 Mitgliedsfamilien ein ebenso leistungsfähiges wie zuverlässiges Non-Profit-Netzwerk für Information, Bildung, Austausch, Beratung und Unterhaltung in Shanghai.

Der Deutsche Club will unterstützen, verbinden und Brücken schlagen.

Mitglied können gemäß der Vorgaben der hiesigen Autoritäten leider nur deutschsprachige Inhaber/innen eines nicht-chinesischen Passes werden, sowie Chinesen/innen, die mit einem/r Inhaber/in eines nicht-chinesischen Passes verheiratet sind. Chinesen, die an Sprachaustausch interessiert sind, müssen wir daher an dieser Stelle an die Universitäten oder z.B. das Zentrum für Kultur und Bildung des Deutschen Generalkonsulates verweisen.

Zahlreiche Veranstaltungen bietenjedoch immer wieder die Möglichkeit zu direkter Begegnung und intensivem Austausch rund um unser ebenso faszinierendes wie herausforderndes Gastland.

Besonderes Augenmerk legt der DCS darauf, begleitenden Ehepartnern attraktive Gelegenheiten zu bieten, mit anderen ins Gespräch zu kommen, Stadt, Land und Leute kennen zu lernen und Anregungen zu erhalten, wie man die Zeit in Shanghai interessant gestalten kann. Außerdem bieten wir immer wieder interessante Aktivitäten abends und an den Wochenenden an, so dass auch Berufstätige einbezogen werden können.

Der Jahresbeitrag im Deutschen Club beträgt für die ganze Familie 300 RMB. Wenn Sie Mitglied werden möchten, wenden Sie sich bitte an den Vorstand.

Die Mitgliedszeitschrift „postillion“ wird einmal im Monat herausgegeben und zählt - da alltagsorientiert und aktuell - zu den gefragtesten deutschsprachigen Info-Quellen der Stadt.

Im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt der Deutsche Club fortlaufend ausgewählte karitative Projekte im Großraum von Shanghai.“77

Bereits in diesem kurzen Text werden zentrale und Themenbereiche angeschnitten. So gibt bereits die Überschrift des Vorstellungstextes, Hinweise auf zentrale Themen, der Alltagspraxis und der Kommunikation. Das oben zitierte Selbstverständnis wird auch im Club-Flyer deutlich und um eine Beschreibung der Aktivitäten erweitert:

„Für alle Neuankömmlinge in Shanghai bietet der Deutsche Clubaktivitäten Ein NEWCOMER TREFFEN

an, das einmal pro Monat stattfindet. Hier lernen Sie neue Leute kennen und bekommen wertvolle Informationen zum Leben und Alltag in Shanghai. Sie können Ihre Fragen stellen und sich mit anderen austauschen.

Als Mitglied des Deutschen Clubs können Sie dann

an regelmäßigen KAFFEEMORGEN teilnehmen

— AUSFLÜGE mit uns machen
— NEUE RESTAURANTS kennen lernen
— den CHOR unterstützen
— einem LITERATURKREIS beiwohnen

und sich nicht zuletzt von den besonderen Ideen unseres — SPECIAL EVENT TEAMS überraschen lassen.

Diese und andere Aktivitäten werden regelmäßig undjeden Monat neu angeboten.

Kontakt Bei Fragen und Problemen dürfen Sie unsjederzeit kontaktieren. Wir freuen uns darauf, Sie kennen zu lernen und Ihnen helfen zu dürfen.

[Kontaktdaten] “78

Der Deutsche Club Shanghai erschien zunächst wie eine Deutsche Insel in der chinesischen Stadt Shanghai und damit als attraktives Forschungsfeld zur Interkulturellen Raumgestaltung. Bereits bei der Recherche der Kontaktdaten zum Club wurde deutlich, dass im Vorstand ausschließlich Frauen aktiv sind. Zunächst nahm ich also Kontakt mit der Vorstandsvorsitzenden per e-Mail auf, um ihr mein Forschungsinteresse vorzustellen. Nachdem wir dann kurz telefoniert hatten, kam es zum persönlichen Vorgespräch in einem Café mit der Vorstandsvorsitzenden. Sie erwies sich im Laufe der Datenerhebung als äußerst hilfreiche Schlüsselperson79. Zum einen half ihre Bereitschaft, die Fallstudie zu unterstützen, ein Vertrauensverhältnis zu den anderen Frauen aufzubauen und die Hemmschwelle der Teilnehmerinnen zu senken. Zum anderen war sie selbst sehr aktiv bei der Kontaktaufnahme zu weiteren Interviewpartnerinnen über ihren Mailverteiler. Insgesamt wurden von den acht Interviewpartnerinnen nur drei über den direkten Feldzugang und face-to-face- Kommunikation gewonnen. Die anderen fünf Partnerinnen rekrutierten sich mehr oder weniger per Schneeballsystem gegenseitig und auch hier wurde noch einmal deutlich, dass fast ausschließlich Frauen aktiv am Netzwerk Deutscher Club Shanghai beteiligt sind. Die Schlüsselperson gab mir außerdem wertvolle Informationen über die Clubstruktur und anstehende Veranstaltungen, auf denen ich Interviewpartnerinnen finden konnte. Meine Interviewpartnerinnen traf ich auf offenen kommunikativen Treffen, wie zum Beispiel dem monatlichen Stammtisch im Paulaner Bräuhaus, der für Clubmitglieder ganz offen zugänglich ist und dem Frühstück im

Sheraton, ihr das man sich recht unkompliziert in eine Namensliste eintragen muss. Die Struktur des Stammtisches war dahingehend offen, dass die Teilnehmerinnen abends ab 19 Uhr zu individuellen Zeiten erschienen. Es kamen hauptsächlich Einzelpersonen aber auch ein junges Ehepaar mit Kleinkind. im Gegensatz zu den anderen im Zeitraum der Datenerhebung besuchten Veranstaltungen war das Geschlechterverhältnis recht ausgewogen und auch berufstätige Frauen waren anzutreffen. Männer und voll berufstätige Frauen sind, wie später noch erläutert wird, seltener aktive Mitglieder.

Aus forschungsethischen Gründen wurde von Anfang an beijeder Begegnung klar gestellt, dass das Interesse der Datenerhebung besteht.80 Die dominierenden Gesprächsthemen am Tisch waren die individuelle berufliche Situation, die Wohnsituation in Shanghai und Erfahrungen mit dem Leben in China generell. Auf die Anfrage, sich doch einmal in einer Interviewsituation über diese Themen zu unterhalten, reagierten meine Gesprächspartnerinnen sehr offen und interessiert. Auch bei einem Frühstückstreffen entschied sich eine Frau, von der bereits genannten Schlüsselperson dazu angeregt, sofort vor Ort ein Interview zu führen. Weitere Interviewpartnerinnen wurden oder haben sich, wie bereits erwähnt, selbst über das Schneeballsystem rekrutiert, was bereits ein Hinweis auf die auch später beschriebenen Vernetzungsstrategien der Akteurinnen darstellt.

4.2 Die Interviewsituation

Die Interviews fanden alle an sehr unterschiedlichen Orten statt. So wurden zwei Interviews im Vorraum eines Ballsaals des Sheraton Hotels Shanghai geführt, ein weiteres in der Lobby desselben Hotels. Zwei andere Interviews fanden nach dem Lunch in Restaurants mit westlichem Interieur, umgeben vom Duft westlicher Speisen und westlichen Sprachen statt. Eine Baustelle, auf der meine Interviewpartnerin eine Inspektion machte, stellte dazu einen starken Kontrast als Interviewort dar. Zwei Interviewpartnerinnen luden für die Interviews in den Privatbereich ein, einmal in ein Appartement in der City und einmal in ein Haus in einem Kompound. Der Begriff des

Kompound stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie eingezäuntes Gelände. Diese Wohnsituation ist bei Expats recht beliebt. Einfamilienhäuser mit kleinen Straßen und Grünanlagen werden von Mauern oder Zäunen umgeben. Der Eingang zu den Kompound-Inseln wird von einem Sicherheitsdienst überwacht.

Die Datenerhebung durch biographische Interviews basierte auf einer Methodenkombination aus offenen, an Geprächsleitfäden orientierten, narrativen Interviews81 und episodischen Interviews82. Zum einen dient dies der Fokussierung auf die Gesprächsgegenstände und zum anderen ergab sich dies aus den ersten Begegnungen mit den Interviewpartnerinnen. Diese waren von einem starken kommunikativen Charakter geprägt und ein künstlicher Bruch zwischen den Vorgesprächen und der Interviewsituation sollte vermieden werden. Da aber auch jede Form der Themenbegrenzung, so weit in diesem Rahmen möglich, vermieden werden sollte und die Akteurinnen selbst zu Wort kommen sollten, wurde eine Erzählphase am Schluss ermöglicht. So stand bei der Gestaltung und der Erhebung der Interviewdaten das Prinzip der Offenheit im Zentrum. Die offene Form der qualitativen Interviews ermöglicht es den Akteurinnen, Bedeutungen im Prozess selbstständig zu strukturieren:

„Die zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebenen Antworten der Befragten sind nicht einfach Produkt einer unabänderlichen Auffassung, Meinung oder Verhaltensweise, sondern sie sind prozeßhaft generierte Ausschnitte der Konstruktion und Reproduktion sozialer Realität .“83 [Hervorhebung im Original]

Die Forschungssituation des Interviews stößt nicht nur die Bewusstmachung und Selbstversicherung der eigenen Identität oder die Selbststrukturierung der eigenen Biographie, sondern auch die Selbstverortung an. „Markante Lebensereignisse werden ausgewählt, aneinandergereiht und so interpretiert, dass sie einem Anderen das eigene Gewordensein erklären.“84

Die Form des halbgeleiteten Interviews mit einem repetitiven Charakter in den

Fragestellungen führte weiterhin dazu, sich den Begrifflichkeiten und als gegeben angesehenen Perspektiven der Akteurinnen, aus Perspektive derselben zu nähern und die Reflexionsebene der Interviewpartnerinnen, die sich im Verlauf des Gesprächs offenbarte zu dokumentieren.

Letztendlich warjede Interviewbegegnung folgendermaßen strukturiert:

- Rekrutierung
- Vorgespräch
- Interview:

[...]


1 Wöhler, Karlheinz : Raumkonsum als Produktion von Orten. In: Hellmann, Kai-Uwe/ Zurstiege, Guido (Hg.): Räume des Konsums. Über den Funktionswandel von Räumlichkeit im Zeitalter des Konsumismus. Wiesbaden2008. S. 69- 86. S. 73.

2 Bachmann- Medick, Doris: Cultural Turns. Hamburg 2006. S. 307.

3 Benthien, Claudia/Velten, Hans Rudolf: Einleitung. In: Dies./ Ders. (Hg.): Germanistik als Kulturwissenschaft. Eine Einführung in neue Theoriekonzepte. Hamburg 2002. S. 7- 34. S. 7.

4 Benthien, 2002, S. 12. Verweis auf: Böhme, Hartmut/ Scherpe, Klaus (Hg.): Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle. Reinbeck 1996. S. 10-13.

5 Im Folgenden wird anstatt des traditionellen Begriffs der Geisteswissenschaften die Formulierung Kulturwissenschaften verwandt. Wie im vorhergehenden Abschnitt beschrieben, wird auch die Interkulturelle Germanistik als Kulturwissenschaft verstanden. Vgl. hierzu auch: Bachmann-Medick, Doris (Hg.): Cultural Turns. Hamburg 2006. S. 8/ 9.

6 Bachmann- Medick, Doris: Cultural Turns. Hamburg 2006. S. 33.

7 Vgl. Bachmann- Medick, 2006, S. 36/ 37.

8 Vgl. Benthien, 2002, S. 20. Verweis auf: Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt/ Main 1964.

9 Bachmann- Medick, 2006, S. 8.

10 Bachmann- Medick, 2006, S. 38.

11 Sasse, Sylvia: 5. Performativität. b) Neuere deutsche Literatur. In: Benthien, Claudia/Velten, Hans Rudolf (Hg.): Germanistik als Kulturwissenschaft. Eine Einführung in neue Theoriekonzepte. Hamburg 2002. S. 243- 264.S. 249.

12 Vgl. Velten, Hans Rudolf: 5. Performativität. a) Ältere deutsche Literatur. In: Benthien, Claudia/Velten, Hans Rudolf (Hg.): Germanistik als Kulturwissenschaft. Eine Einführung in neue Theoriekonzepte. Hamburg 2002. S.217- 242. S.219.

13 Vgl. Fischer-Lichte, Erika: Auf dem Weg zu einer performativen Kultur. Paragrana. Internationale ZeitschriftfürHistorische Anthropologie, 7.1/ 1998. S. 13- 32.

14 Vgl. Austin, John Longshaw: Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart 1972. (Das englische Original erschien bereits 1962 unter dem Titel How to do things with words.)

15 Vgl. Searle, John: Sprechakte. Frankfurt 1983. (Das englische Original erschien bereits 1963 unter dem Titel Speech Acts.)

16 Vgl. Velten, 2002, S. 220.

17 Vgl. Velten, 2002, S. 222.

18 Vgl. Bachmann- Medick, 2006, S. 43/ 44.

19 Bachmann- Medick, 2006, S. 46.

20 An dieser Stelle kann nur auf eine Auswahl der turns eingegangen werden, auch wenn viele parallel zueinander verlaufen oder miteinander verknüpft sind.

21 Vgl. Klein, Regina: Kultur erinnernd verstehen - Versuch einer reflexiven Begegnung zwischen Cultural Studies, Biographieforschung und Psychoanalyse. In: Dörr, Margret u.a.: Erinnerung — Reflexion — Geschichte. Erinnerung aus psychoanalytischer und biographietheoretischer Perspektive. Wiesbaden 2008. S. 49- 64. S. 50.

22 Klein, 2008, S.51.

23 Bachmann- Medick, 2006, S. 47.

24 Bachmann- Medick, 2006, S. 42.

25 Vgl. Bachmann- Medick, 2006, S. 289.

26 Mannheim, Karl: Strukturen des Denkens. Frankfurt/ Main 1980. S. 229. Zitiert nach: Mein, Georg/ Rieger-Ladich, Markus (Hg.): Soziale Räume und kulturelle Praktiken. Eine Einleitung. In: Ders./ Ders.: Soziale Räume und kulturelle Praktiken. Über den strategischen Gebrauch von Medien. Bielefeld 2004. S. 7- 13. S. 8.

27 Das im Jahr 1974 auf französisch erschienene Werk Laproducion de l'espace, wurde erst 1991,im Todesjahr des Autors mit dem Titel Theproduction of Space übersetzt und erlebt seither eine gewisse Renaissance.

28 Vgl. Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan (Hg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt am Main 2006. S. 12.

29 Newton sieht Raum als absolut. Vgl. Löw, Martina: Raumsoziologie. Frankfurt am Main 2001. S. 25. sowie: Schroer, Markus: Räume, Orte, Grenzen. Frankfurt am Main 2006. S. 36.

30 Vgl. Löw, 2001, S. 27. sowie: Schroer, 2006, S. 40.

31 Vgl. Schmid, Christian: Stadt, Raum und Gesellschaft. Henri Lefebvre und die Theorie der Produktion des Raumes. Stuttgart 2005.

32 Vgl. Schmid, 2005, S. 203.

33 Vgl. Schmid, 2005, S. 208- 216.

34 Vgl. Schmid, 2005, S.216.

35 Vgl. Schmid, 2005, S. 223.

36 Vgl. Schmid, 2005, S. 227.

37 Vgl. Löw, 2001, S. 12/ 13.

38 Vgl. Löw, 2001, S. 131.

39 Vgl. Löw, 2001, S. 158ff.

40 Vgl. Said, Edward: Kultur und Imperialismus. Einbildungskraft und Politik im Zeitalter der Macht. Frankfurt am Main 1994. Vgl. ebenso: Soja, Edward: Postmodern Geographies. The Reassertion ofSpace in Critical Social Theory. London/New York 1989.

41 Pries, Ludger: Die Transnationalisierung der sozialen Welt. Sozialräume jenseits der Nationalgesellschaften. Frankfurt am Main 2008. S. 195. Zitiert nach: Bauschke-Urban, Carola: Im Transit. Transnationalisierungsprozesse in der Wissenschaft. Wiesbaden 2010. S. 37/ 38.

42 Bachmann- Medick, 2006, S. 295.

43 Vgl.: Appadurai, Arjun: Globale ethnische Räume. In: Beck, Ulrich (Hg.): Perspektiven der Weltgesellschaft. Frankfurt am Main 1998. S. 11- 40.

44 Bachmann- Medick, 2006, S. 296.

45 Bachmann- Medick, 2006, S. 297.

46 Vgl. Bhabha, Homi: Die Verortung der Kultur. Tübingen 2000.

47 Göhlich, Michael: Homi K. Bhabha: Die Verortung der Kultur. Kontexte und Spuren einer postkolonialen Identitätstheorie. In: Jörissen, Benjamin/ Zirfas, Jörg (Hg.): Schlüsselwerke der Identitätsforschung. Wiesbaden 2010. S. 315- 330. S. 317.

48 Vgl. Ikas, Karin/ Wagner, Gerhard: Introduction. In: Dies./ Ders. (Hg.): Communicating in the Third space. New York/ London 2009. S. 1- 7. S. 2.

49 Vgl. Göhlich, 2010, S. 320.

50 Vgl. Göhlich, 2010, S. 321.

51 Vgl. Bhabha, 2000, S. 111.

52 Vgl. Göhlich, 2010, S. 325.

53 Göhlich, 2010, S. 327.

54 Vgl. Bhabha, 2000, S. 5.

55 Klein, 2008, S. 208ff.

56 Bachmann- Medick, 2006, S. 299.

57 Bachmann- Medick, 2006, S. 299.

58 Bachmann- Medick, 2006, S. 299/ 300.

59 Bachmann- Medick, 2006, S. 304.

60 Bachmann- Medick, 2006, S. 303/ 304.

61 Bachmann- Medick, 2006, S. 304.

62 Bachmann- Medick, 2006, S. 315.

63 Vgl. Bromley, Roger: Storying community: Re-imagining regional idetities through public cultural activity. In: European Journal of Cultural Studies, 13/ 2010. S. 9- 25.

64 Vgl. Bromley, 2010, S. 9.

65 Vgl. Bromley, 2010, S. 10.

66 Vgl. Bromley, 2010, S. 14/ 15.

67 Klein, 2008, S. 52.

68 Vgl. Bhabha, 2000, S. 2ff, 74ff, 325ff.

69 Klein, 2008, S. 53. Verweis auf: Bhabha, 2000, S. 335.

70 Klein, 2008, S. 56.

71 Klein, 2008, S. 55.

72 Klein, 2008, S. 56.

73 Vgl. Schlehe, Judith: Formen qualitativer ethnografischer Interviews. In: Beer, Bettina (Hg.): Methoden und Techniken derFeldforschung. Berlin2003. S. 71-93. S. 73.

74 Bauschke-Urban, 2010, S. 128.

75 http://www.schanghai.com/deutscherclub/ (Stand: April2010)

76 Während im vorhergehenden Text von Akteurinnen geschrieben wurde und es sich dabei um Frauen und Männer handelte, wird im Folgenden ausschließlich von Frauen, also Akteurinnen geschrieben.

77 Vgl. Gutjahr, Ortrud: 7. Alterität und Interkulturalität. b) Neuere deutsche Literatur. In: Benthien, Claudia/Velten, Hans Rudolf (Hg.): Germanistik als Kulturwissenschaft. Eine Einführung in neue Theoriekonzepte. Hamburg 2002. S. 345- 369. S. 355. Verweis als Donald W. Winnicotts potential space, der als Ort des kulturellen Erlebens identifiziert wird.

78 http://www.schanghai.com/deutscherclub/; Willkommenstext. (Stand: April 2010)

79 Clubflyer (Stand: April 2010); Hervorhebungen im Original.

80 Vgl. Hermanns, Harry: 5.3 Interviewen als Tätigkeit. In: Flick, Uwe u.a. (Hg.): Qualitative Forschung ein Handbuch. Hamburg 2000. S. 360- 368. S. 362.

81 Vgl. Hopf, Christel: 6.1 Forschungsethik und qualitative Forschung. In: Flick, Uwe u.a. (Hg.): Qualitative Forschung ein Handbuch. Hamburg 2000. S. 589- 600. S. 591.

82 Vgl. Hopf, Christel: 5.2 Qualitative Interviews - ein Überblick. In: Flick, Uwe u.a. (Hg.): Qualitative Forschung ein Handbuch. Hamburg 2000. S. 349- 360. S. 353ff.

83 Vgl. Flick, Uwe: 4.6 Triangulation in der qualitativen Forschung. In: Ders. u.a. (Hg.): Qualitative Forschung ein Handbuch. Hamburg 2000. S. 309- 318. S. 312ff.

84 Lamnek, Siegfried: Qualitative Sozialforschung, Bd.2. Methoden und Techniken. 3. Auflage. Weinheim 1995. S. 62. (kursiv im Original).

85 Klein, Regina: Kultur erinnernd verstehen - Versuch einer reflexiven Begegnung zwischen Cultural Studies, Biographieforschung und Psychoanalyse. In: Dörr, Margret u.a.: Erinnerung — Reflexion — Geschichte. Erinnerung aus psychoanalytischer und biographietheoretischer Perspektive. Wiesbaden 2008. S. 49- 64. S. 56.

Ende der Leseprobe aus 206 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Raumgestaltung oder Die Neuvermessung des Kulturellen. Deutsche Expat-Frauen in Shanghai
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Abteilung Interkulturelle Germanistik)
Veranstaltung
Interkulturelle Germanistik Deutschland-China
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
206
Katalognummer
V307624
ISBN (eBook)
9783668062481
ISBN (Buch)
9783668062498
Dateigröße
1595 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Interkulturelle Germanistik, Raum, China, Expat, Shanghai, spatial turn, cultural turn, qualitative Forschung, Interviews, Feldforschung, international, transnational, mobil, Lebenswelt, Mobilität, Globalisierung, interkulturelle Kommunikation, Auswanderer, Frauen, Frauenrolle, interkulturell, transkulturell, Biographie, interkulturelle Kompetenz
Arbeit zitieren
Christina Henkel (Autor), 2010, Interkulturelle Raumgestaltung oder Die Neuvermessung des Kulturellen. Deutsche Expat-Frauen in Shanghai, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307624

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