"The Incredibles". Wie ein Animationsfilm mit menschlichen Hauptfiguren glaubwürdig wirken kann

Eine filmwissenschaftliche Untersuchung


Hausarbeit, 2014
20 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung ... 3

2. Inhaltsangabe ... 3

3. Produktion und Wirkung: Glaubwürdig, nicht realitätsabbildend ... 5
a. Anatomie und Gestaltung der Charaktere ... 5
b. Problemdarstellung des Animationsfilmes: Uncanny Valley ... 8
c. Wirkung ... 10

4. Thematische Referenzen ... 12
a. Superheldenthematik ... 13
b. Actionfilmgenre: James Bond/ Spionagefilm ... 16
c. Famillienthematik ... 17

5. Fazit ... 18

6. Quellen .... 19

1. Einleitung

The Incredibles (Bird, 2004, USA) ist Studio Pixars erster Animationsfilm, dessen Geschichte sich um menschliche Figuren dreht. Dabei handelt es sich nicht um eine „normale“ Familie, sondern um die Superheldenfamilie Parr, deren zweite Identität „die Unglaublichen“ sind. Unter der Aufsicht von Regisseur und Drehbuchautor Brad Bird wurde diese Familie mit Hilfe von digitalen Technologien erschaffen.

Die Frage, auf die ich mich während meiner Auseinandersetzung mit dem Film fokussieren werde, lautet:
(Wie) kann ein Animationsfilm mit menschlichen Figuren für die Zuschauer glaubwürdig wirken?

Dabei werde ich mich nach einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung des Filmes auf den gestalterischen Produktionsprozess der Hauptfiguren konzentrieren. Dort spielen die Möglichkeit der Identifizierung und der variable Realitätsgrad für die Glaubwürdigkeit eine große Rolle. Das sogenannte Uncanny Valley ist beim Realitätsgrad ein entscheidender Faktor, den ich genauer erläutern werde. Doch nicht nur durch die Produktion kann Glaubwürdigkeit erzeugt werden, sondern auch durch den inhaltlichen Aspekts des Films. Hier werden durch Referenzen zu anderen Filmen und Thematiken Bekanntheit geschaffen. Schließlich werde ich meine Fokusfrage beantworten und meine Ergebnisse zusammenfassen.

2. Inhaltsangabe

Der Film The Incredibles beginnt mit der goldenen Ära der Superhelden, in der diese die Stadt Metroville beschützen. Zu den Helden zählen auch das übermenschliche Liebespaar Mr. Incredible, der überstarke Retter, und Elastigirl, die ihren Körper extrem verbiegen kann. Durch ein Gerichtsverfahren eines unzufriedenen Bürgers wird es den Superhelden verboten, ihre Kräfte zu benutzen. Auch Mr. Incredible und Elastigirl werden dazu gezwungen, sich unter das normale Volk zu mischen.

15 Jahre später hat das Paar, jetzt Bob und Helen Parr, drei Kinder, die auch ihre Superheldenkräfte, genau wie ihre Eltern, verstecken müssen: Violet, die auf Kommando unsichtbar werden kann, Dash, der übernatürlich schnell laufen kann, und das Baby Jack-Jack, dessen Kräfte noch unbekannt sind.

Bob ist mit seinem Beruf und seiner neuen Lebensart unzufrieden und wird während einer Auseinandersetzung mit seinem Chef entlassen. Zeitgleich bekommt er von einem mysteriösen Auftragsgeber eine Mission, in der er seine Superkräfte wieder benutzen kann. Er beginnt für ihn zu arbeiten, ohne seine Frau zu informieren. Es stellt sich später heraus, dass sein Auftragsgeber Buddy ist, der früher ein großer Fan von Mr. Incredible war. Er wollte ihm gern als Sidekick zur Seite stehen, doch Mr. Incredible wies Buddy damals spöttisch zurück. Nun ist dieser als Syndrome unterwegs, um alle anderen Superhelden mit Hilfe einer Maschine zu zerstören. Syndrome will diese Maschine dann nach Metroville transportieren, um selber die Stadt als einziger und letzter Superheld vor seiner eigenen Erfindung zu retten. Er hält Mr. Incredible in seinem Versteck innerhalb eines Vulkans gefangen.

Währenddessen hat Helen von den geheimen Aktivitäten ihres Mannes durch Edna Mode, die Schneiderin der Superheldenkostüme, herausgefunden. Helen will ihren Mann aus der Gewalt Syndromes holen, unwissend dass Violet und Dash ihr gefolgt sind. Als Superheldenteam schaffen sie es Bob zu retten. Syndrome hat seine zerstörerische Maschine nach Metroville geschafft, doch verliert die Kontrolle über sie. Die Superheldenfamilie rettet mit Hilfe ihrer Superkräfte Metroville als Team vor der Maschine. Die Bürger von Metroville feiern die Unglaublichen.

Danach muss die Superheldfamilie das zu Hause gelassene Baby Jack-Jack vor Syndrome retten. Es stellt sich heraus, dass auch Jack-Jack Superkräfte hat. Syndrome, der Jack-Jack entführen möchte, wird durch seinen Umhang in eine Turbine gezogen und stirbt. Die Superheldenfamilie kann sich nun auf ihr neues Doppelleben als Superhelden und normale Menschen konzentrieren.

3. Produktion und Wirkung: Glaubwürdig, nicht realitätsabbildend

a. Anatomie und Gestaltung der Charaktere

Eine große Herausforderung für einen Animationsfilm ist es, die animierten Hauptcharaktere als glaubwürdig zu gestalten. In den früheren Pixarfilmen, wie zum Beispiel Monsters Inc. (Docter, 2001, USA) waren die Hauptcharaktere Monster, also künstliche Figuren. Diese wurden hauptsächlich durch ihre Gesichtsausdrücke und ihre Bewegung personalisiert. So konnte die Anatomie hinter diesen Monstern, und deren Aussehen und Bewegung noch frei gestaltet werden, da sie nicht auf etwas basieren, mit welchem wir tagtäglich in Begegnung bekommen. Monster entstehen vor allem durch subjektive Fantasie.

Bei Finding Nemo (Stanton, 2003, USA), einen Film über einen Clownfisch, der seinen Sohn im pazifischen Ozean sucht, basiert die Geschichte aber auf einer reellen Gestalt, nämlich einem Fisch. Die freie Gestaltungsangehensweise von Monsters Inc. konnte hier also nicht umgesetzt werden. Das Team der Trickfilmzeichner bereitete sich durch eine spezielle 12-malige Vorlesung von Adam Summer, einem Professor für Meereskunde an der Universität in Kalifornien, vor. Das Team war so sehr an diesem Thema interessiert, dass die Vorlesung, die ursprünglich für Themen wie Farben und Formen von Fischen ausgelegt worden war, auf dem Promotionslevel der Meeresbiologie aufhörte.[1] Weiterhin benutzte das Team ihr angeeignetes Fachwissen, um so naturgetreue Fische zu kreieren. Doch um diese animierten Wesen auch für das Publikum ansprechbar zu machen, und nicht nur für Experten wie Adam Summer, wurden bei der Gestaltung reale Fakten durch Aspekte ersetzt, die für die Personifizierung und Charakterisierung der Gestalten wichtig waren (wie zum Beispiel einen expressiven Mund anstelle von eines unscheinbaren Fischmundes). Denn nur durch den Ausdruck von Emotionen (die „reale“ Fische nicht besitzen) wirkt der Animationsfilm auf die Zuschauer als nachempfindbar. Die Anatomie der Fische wirkte hier also als Basis für „eine Interpretation des Künstlers“[2], die auf die Publikumsemotionen abgestimmt ist.

Anhand der beiden Filmbeispiele kann man die Unterschiede, wie auch die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Ansatzpunkte erkennen. Die Ausarbeitung der Basis; also der Anatomie der Hauptcharaktere (Aussehen, Bewegung), kann aufgrund des erforderten Realitätsgrads stark variieren. Bei beiden Animationsfilmen wird diese Basis später durch die Wichtigkeit von der Personifizierung nochmals neu gedeutet und erweitert.

Die Frage der Glaubwürdigkeit und die Größe des Realitätsgrades wird bei dem Animationsfilm The Incredibles um einiges kritischer gesehen, da hier die Zuschauer mit etwas in Verbindung gebracht werden, womit sie im Alltag agieren und was sie selbst sind: nämlich Menschen.

Jede einzelne Bewegung der digitalen Charaktere erfährt so eine kritische Würdigung ihrer Glaubwürdigkeit durch das Publikum, das diese wie durch einen Spiegel auf sich selbst bezieht. Die Schwierigkeit besteht darin, die animierten Wesen relativ ähnlich zu ihren eigenen Betrachtern zuordbar zu kreieren und diese doch als Teil eines Animationsfilms erkennbar zu machen. Denn auch realitätsnahe Skulpturen oder wahrheitsgetreue Zeichnungen von Menschen, die deren Anatomie zu Grunde liegen, werden nie mit echten Menschen verwechselt. Ihre künstliche Interpretation wird, egal wie naturgetreu diese auch scheint, nie eins zu eins mit ihrem Vorbild anerkannt. Mit diesem Gedanke spielt natürlich auch Brad Bird. Der Aspekt dieser Realitätsdehnung wird bei The Incredibles maximal ausgeschöpft. Der Fokus des Films wird von der versuchten Darstellung der Realität auf die nötige Glaubwürdigkeit der Charaktere versetzt.

[…]


[1] O’Neill, Rob. “Emerging Congruence Between Animation and Anatomy.” Leonardo 40.2, 2007. Seite 170.

[2] Siehe Fußnote 1.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"The Incredibles". Wie ein Animationsfilm mit menschlichen Hauptfiguren glaubwürdig wirken kann
Untertitel
Eine filmwissenschaftliche Untersuchung
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar
Note
1,2
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V307941
ISBN (eBook)
9783668060043
ISBN (Buch)
9783668060050
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
the incredibles, glaubwürdigkeit figuren, animationsfilm, menschliche figuren, realität, die unglaublichen, inhalt, gestalterischer aspekt, produktion, glaubwürdigkeit, uncanny valley
Arbeit zitieren
Sophia Toth-Feher (Autor), 2014, "The Incredibles". Wie ein Animationsfilm mit menschlichen Hauptfiguren glaubwürdig wirken kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/307941

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