Wie haben sie überlebt?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

INHALT

1 Einleitung

2 Theresienstadt

3 Überlebensstrategien
3.1 Äußeres Überleben im Alltag
3.1.1 Ernährung und Wohnen - Die physische Fürsorge
3.1.2 Erziehung und Unterricht - Die psychische Fürsorge
3.2 Inneres Überleben durch Kunst
3.2.1 Die Bilder
3.2.2 Die Gedichte

4 Überlebt - Auswirkungen der Haftzeit

5 Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Kinder sind die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft. Sie können sich nicht wehren wie Erwachsene und finden oft zu wenig Beachtung. Dies gilt auch in der historischen Forschung. Sie nehmen die Welt anders wahr als Erwachsene und gehen mit den Eindrücken, Gefühlen und Emotionen anders um. Angeregt durch eine Ausstellung im Flügelbau der Universität Hamburg im Sommer 2002, möchte ich mich in dieser Arbeit daher der Frage widmen: Wie überlebten die Kinder im Konzentrationslager Theresienstadt mit all dem, was sie dort erlebten, was ihnen angetan wurde, was sie dort um sich sahen. Zuerst gehe ich der Frage nach, wie die Lagergesellschaft versuchte, den Kindern als Zukunftsgeneration beim Überleben zu helfen. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich damit, welche eigenen Überlebensstrategien die Kinder entwickelten. Anhand der Zeichnungen und Gedichte, die ein so einzigartiges autobiographisches Material darstellen, wird erkennbar, dass in Theresienstadt die Kinder ein ganz besonderes Mittel benutzten, um ihre Wahrnehmungen wiederzugeben: Sie griffen zur Kunst. Die Bilder und Gedichte, welche mir vorlagen, sind daher mehr als ein Zeugnis der Lagerrealität aus Kinderaugen gesehen, sie sind ein Zeugnis, dass Kunst heilende Wirkung hat und so die Kinder überleben konnten.

Abschließend werde ich kurz darauf eingehen, was das Leben nach dem Überleben bedeutete. Hierfür lagen mir allerdings kaum autobiographische Quellen von Theresienstädter Überlebenden vor, so dass ich mich in diesem Abschnitt auf andere Quellen beziehe.

2 Theresienstadt

1780 ließ der Habsburger Kaiser Josef I eine militärische Festung bauen, die er zu Ehren seiner Mutter Maria Theresia benannte: Theresienstadt. Die Habsburger wandelten sie 1888 in eine Garnisonsstadt um und nutzten die Kleine Festung als Gefängnis für politische Häftlinge.

Die Nationalsozialisten, die nach der Annexion der Tschechoslowakei im März 1939 über das Protektorat Böhmen und Mähren herrschten, nutzten die vorgefundene Anlage in ihrem Sinne.

In der Garnisonsstadt wurden ab November 1941 die Kasernen für die Unterbringung von Juden aus dem Protektorat genutzt, so dass sie ab Mitte 1942 als sogenanntes Ghetto Theresienstadt diente. Mit einer Eisenbahnlinie, die direkt bis ins Ghetto führte wurden nun Juden aus Deutschland, Österreich, Dänemark, Holland, Ungarn und der Slowakei herangebracht. Zwischen November ´41 und April `44 wurden insgesamt 140937 Menschen in die Gefangenschaft nach Theresienstadt eingeliefert. Gemäß Beschluss der Wannseekonferenz sollten nicht nur international bekannte jüdische Künstler und Wissenschaftler nach Theresienstadt deportiert werden sondern aus Deutschland vor allem Juden über 65 sowie Kranke.[1] Ihrer Herkunft nach machten die tschechischen Juden dabei den größten und jüngsten Anteil unter den Häftlingen aus.

Von den 88196 nach Osten Weiterdeportierten überlebten ca. 3500 Gefangene.[2]

Das Lager stand unter deutscher SS-Kontrolle mit Deutsch als offizieller Lagersprache[3], wurde äußerlich von tschechischen Gendarmen bewacht und im Inneren durch eine jüdische Selbstverwaltung in Form eines Judenältesten und Ältestenrat geleitet. Diesem unterstand eine weit ausstrukturierte Lagerhierarchie mit gigantischem Verwaltungsapparat für die einzelnen Bereiche des Lagerlebens.[4]

Mit der Befreiung wurde das Lager dem Roten Kreuz unterstellt. Nachdem die letzten Befreiten die Stadt ein halbes Jahr später verlassen hatten, wurde der Ort von den Tschechen nach Einzug tschechischer Zivilbevölkerung wieder zur Garnisonsstadt gemacht.[5]

3 Überlebensstrategien

3.1 Äußeres Überleben im Alltag

3.1.1 Ernährung und Wohnen - Die physische Fürsorge

Kinder waren im Konzentrationslager unerwünscht. Sie beeinträchtigten das „normale Lagerleben“ und sollten, wie Heinrich Himmler in einer Rede vor den Reichs- und Gauleitern in Posen vorgetragen hatte, als potentielle „Rächer der Zukunft“ liquidiert werden.[6]

Kinder nahmen in Theresienstadt ca. 5,65% aller Inhaftierten ein, wobei ihr Anteil schwankte. Im Juli `43 war er mit 3875 Mädchen und Jungen am höchsten. Insgesamt schätzt man, dass 9000 Kinder unter 15 Jahren sich dort aufgehalten haben.[7] Dieses Alter war von den Nazis als Obergrenze für den Begriff „Kind“ festgesetzt worden.

Gleich nach ihrer Ankunft, wurden die Familien auseinander gerissen. Männer und Frauen wohnten in getrennten Quartieren. Kinder unter 10 Jahren und Mädchen blieben bei ihren Müttern, Jungen bei den Vätern. Die Enge der Wohnstätten war insbesondere für die Kinder eine unerträgliche Last. So beschloss man 1942 in der Abteilung Jugendfürsorge der Selbstverwaltung, deren Leiter Egon Redlich war, Kinderheime zu errichten.[8] In den Kindern und Jugendlichen sah man die Zukunft des jüdischen Volkes. Daher sah der Ältestenrat ihre Rettung als dringlichste Aufgabe an. Eine besondere Bedeutung hatte der Versuch, den Kindern in den Heimen eine eigene, von der grausamen Realität Theresienstadts isolierte Kinderwelt zu schaffen. „Für die Kinder hatte der Ältestenrat zwei oder drei Diätküchen eingerichtet, wo mit den besten zur Verfügung stehenden Lebensmitteln gekocht wurde.“, wie Federica Spitzer berichtet.[9] Die Entscheidung ihnen auch höhere Rationen zu zuteilen, bedeutete, allen arbeitsunfähigen und alten Ghettobewohnern einen Teil zu entziehen, was dem Rat nicht leicht fiel. Aber alles stand unter dem Primat, dass ein „gesundes Geschlecht, das den Aufgaben die gerade ihm für die Zukunft des jüdischen Volkes zugewiesen war“, im Lager heranwachsen sollte.[10]

[...]


[1] Wertheim, Hella/ Manfred Rockel: Immer alles geduldig ertragen: Als Mädchen in Theresienstadt, Ausschwitz und Lenzing., Bad Bentheim/ Bielefeld 1997, S. 20.

[2] Ebenda.

[3] Müller- Wesemann, Barbara (Hrsg.):„ Jeder Tag in Theresin ist ein Geschenk.- Die Theresienstädter Tagebücher einer Hamburger Jüdin 1943- 1945., Landeszentrale für politische Bildung Hamburg 1996, S. 31. Ebenda, S. 32.

[5] Ebenda.

[6] Adolphs, Lotte: Kinder in Ketten. Kinderschicksale in Ghettos und Konzentrationslagern., Duisburg 1984, S. 47.

[7] Karny, Miroslav / Margita Karna: Kinder in Theresienstadt, Dachauer- Hefte Band 9, S. 14-31.

[8] Drori, Hana/ Jehuda Huppert: Theresienstadt: Ein Wegweiser., Prag 1999, S. 26.

[9] Spitzer, Federica: Verlorene Jahre, in: Theresienstadt- Aufzeichnungen von Federica Spitzer und Ruth Weisz., Berlin 1997, S. 51.

[10] Karny, Miroslav/ Margita Karna: Kinder in Theresienstadt., Dachauer- Hefte Band 9, S.27; vgl. Frankova, Anita: Theresienstädter Erziehung. Berichte zum ersten Jahrestag der Theresienstädter Heime in L 417., in: Karny, Miroslav/ Raimund Kemper und Margita Karna: Theresienstädter Studien und Dokumente, Prag 1998, S. 142. und Spitzer: in: Theresienstadt- Ein Wegweiser, S. 28.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wie haben sie überlebt?
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Der Nationalsoziaismus in autobiographischen Quellen
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V30804
ISBN (eBook)
9783638319898
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalsoziaismus, Quellen
Arbeit zitieren
Sarah Edel (Autor), 2002, Wie haben sie überlebt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30804

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