Marken- und Wettbewerbsrechte bei Suchmaschinenoptimierung und Search Engine Advertising


Bachelorarbeit, 2015
42 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis ... 3
II. Abbildungsverzeichnis ... 4

1. Einleitung ... 5
1.1 Problemstellung ... 5
1.2 Zielsetzung ... 6

2. Das Internet ... 7
2.1 Historie des Internet ... 7
2.2 Die Weiterentwicklung ... 9
2.3 Recht im Internet ... 10

3. Webverzeichnisse ... 12

4. Suchmaschinen ... 14
4.1 Suchverhalten der Nutzer ... 17
4.1.1 Navigationsorientiert: ... 17
4.1.2 Informationsorientiert: ... 17
4.1.3 Transaktionsorientiert: ... 17
4.1.4 Suchergebnisse ... 17

5. Marketing ... 18
5.1 Marketing im Internet ... 18

6. Optimierung der Internetseite ... 19
6.1 Pinguin Update ... 20
6.2 Panda Update ... 20
6.3 OnPage-Optimierungen ... 21
6.3.1 Meta-Tags ... 22
6.3.2 robots.txt 23
6.3.3 Canonical-Tag ... 24
6.4 OffPage Optimierungen ... 25
6.4.1 Backlinks ... 25
6.4.2 Social-Signs ... 25

7. Wettbewerber im Internet ... 27

8. SEO und die Rechte ... 27

9. SEA / Suchmaschinenwerbung ... 28
9.1 Google AdWords ... 29
9.1.1 Rechtliche Grundlagen ... 29

10. Markennutzung mit Berechtigung ... 31

11. Das Markenrecht 31

12. Prüfung des Schutzes der Bezeichnung ID Ausweissysteme gemäß § 14 MarkenG. ... 32
12.1 Schutz durch Eintragung beim Deutschen Patent- und Markenamt ... 32
12.2 Markenschutz durch Nutzung im geschäftlichen Verkehr ... 34
12.3 Vorliegende Rechtsverletzung der Benutzungsmarke ... 34
12.4 Rechtsfolgen durch Nutzung der fremden Marke ... 35

13. Schlussbetrachtung ... 36
13.1 Zusammenfassung ... 36
13.2 Fazit ... 37

III. Literaturverzeichnis ... 38

I. Abkürzungsverzeichnis

Abs. - Absatz
ARPANET - Advanced Research Projects Agency Network
BGB - Bürgerliches Gesetzbuch
BGH - Bundesgerichtshof
DMOZ - Directory Mozilla / Open Directory Project
DNS - Domain Name System
e.K. - eingetragener Kaufmann
EuGH - Europäischer Gerichtshof
GmbH - Gesellschaft mit beschränkter Haftung
HTML - Hypertext Markup Language
http - Hypertext Transferprotocol
Inc. - Incorporated (US Unternehmensform)
IP - Internet Protocol
ISDN - Integrated Services Digital Network
i.S.d. - im Sinne des
i.V.m. - in Verbindung mit
MarkenG - Markengesetz
MarkenVO - Markenverordnung
NCSA - National Center for Supercomputing Applications
URL - Domainadresse (Uniform Resource Locator)
OLG - Oberlandesgericht
S. - Satz
SEA - Search Engine Advertising / Suchmaschinenwerbung
SEM - Search Engine Marketing / Suchmaschinenmarketing
SEO - Search Engine Optimizing / Suchmaschinenoptimierung
SERP - Search Engine Result Page / Suchergebnisseiten
TCP - Transmission Control Protocol
WZG - Warenzeichengesetz

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 – Screenshot einer problematischen Google Anzeige aus dem Jahre 2014. Google Suchwort: ID Ausweissysteme ... 6
Abbildung 2 – Grafik zur Internetnutzung 2001 bis 2013 des Statistik-Portals ... 9
Abbildung 3 - Statistik zu den Marktanteilen ausgewählter Suchmaschinen in Deutschland 2015 (dunkelblau)und 2014 (hellblau) ... 14
Abbildung 4 – Screenshot der Suchmaschine Google im Jahr 2000 (http://archive.org/web/) ... 15
Abbildung 5 – Screenshot der Suchmaschine LYCOS im Jahre 2000 (http://archive.org/web/) ... 15
Abbildung 6 – Screenshot der Suchmaschine Yahoo! im Jahr 1999 (http://archive.org/web/) ... 16
Abbildung 7 – Screenshot eines Google Suchergebnisses, Mai 2015 ... Google Suchwort: Fingerabdruckpulver ... 23
Abbildung 8 – statista.com: Prognose zur Anzahl der weltweiten Nutzer sozialer Netzwerke 2010 bis 2018 ... 26
Abbildung 9 – Screenshot der Wettbewerber Werbeanzeige mit Nennung von „ID Ausweissysteme“ im Jahre 2014 ... 30
Abbildung 10 – Logo der ID Ausweissysteme ... 33
Abbildung 11 – Logo eines Wettbewerbers ***entfernt*** ... 33
Abbildung 12 –Weiteres Logo eines Wettbewerbers ***entfernt*** ... 33

1. Einleitung

Seit Jahren befinden wir uns nun schon im sogenannten neuen „Internetzeitalter“. Das Internet und die digitale Vernetzung der Menschen sind schon nicht mehr wegzudenken. Doch diese Vernetzung und der ständige Zugriff auf digitale Daten bringt nicht nur Vorteile, sondern in vielen Richtungen auch Nachteile.

Die Unternehmen in der Wirtschaft müssen heutzutage nicht mehr nur die potentiellen Käufer und Interessenten über die seit Jahrzenten bekannten „alten“ Kanäle ansprechen. Im neuen „Internetzeitalter“ hat verloren, wer sein Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen nicht auch digital ansprechend präsentiert, bewirbt und anbietet. Hier bestehen aber auch rechtliche Grundlagen, welche beachtet werden müssen. Die Rechte und Pflichten zur Bewerbung des Unternehmens und der Produkte bestehen außerhalb des Internets und mittlerweile auch innerhalb der vernetzten Welt.

In dieser Arbeit werde ich einige der derzeit bestehenden Schwierigkeiten des Marken- und Wettbewerbsrechts bei der Optimierung von Internetseiten sowie die Bewerbung dieser über Suchmaschinen erörtern und Lösungen mit Hilfe von bisherigen Urteilen und Gesetzen aufzeigen. Zu Beginn werde ich die Entstehung des Internet erläutern sowie die weitere Entwicklung in den letzten Jahren betrachten. Hier werde ich auch speziell auf das Online-Marketing eingehen und wie dieses in den letzten 15 Jahren mehr an Bedeutung gewann und zukünftig weiter gewinnen wird. Das Hauptthema meiner Thesis umfasst die rechtlichen Schwierigkeiten im Online-Marketing, genauer erläutert in der folgenden Problemstellung.

1.1 Problemstellung

Zur genaueren Betrachtung der Schwierigkeiten, werde ich die Einbindung von sogenannten „AdWords“ bei der Suchmaschine Google genauer darstellen. Dies ergibt sich zum einen daraus, dass meine tägliche Arbeit an Unternehmens-Webseiten dies einschließt sowie der derzeitigen Marktbeherrschung der Suchmaschine Google in Deutschland von über 94 %1.

Zunächst eine kurze Erläuterung: „Google AdWords“ bedeutet, die Einblendung von Werbeanzeigen in der Online-Suche bei Google. Diese erkennt man als Nutzer durch das gelbe Zeichen „Anzeige“. Hierzu lassen sich sogenannte „Keywords“, also Suchbegriffe, hinterlegen. Wird einer dieser Suchbegriffe durch einen Nutzer2 eingegeben, erscheint die Anzeige und soll zum Klicken animieren.

Gerade bei dieser Art von Online-Werbung sind aus rechtlicher Sicht viele Fragen offen. Teilweise ist unklar, ob und wann Rechtsverletzungen durch „AdWords“-Anzeigen vorliegen. Trotz vieler verschiedener Urteile, lässt es sich häufig nur durch sorgfältiger Betrachtung des Einzelfalls, eine konkrete Aussage zur Verletzung eines Marken- oder Wettbewerbsrechts abgeben.

Als Beispiel zu einem Einzelfall, soll hier die Google Anzeige eines Unternehmens dienen, welches mit der Unternehmensbezeichnung eines Wettbewerbers als Keyword-Gruppe, Anzeigen schalten lässt:

Abbildung 1 – Screenshot einer problematischen Google Anzeige aus dem Jahre 2014. Google Suchwort: ID Ausweissysteme

[Abbildungen in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Dies ist ein Screenshot der Google „AdWords“-Anzeige des Unternehmens ***entfernt*** aus dem Jahre 2014. Dieser warb mit der Firmierung eines Mitbewerbers, der „ID Ausweissysteme GmbH“. Bei der Sucheingabe „ID Ausweissysteme“ erschien dem Nutzer diese Anzeige und soll den Kunden oder Interessenten „abfangen“.

1.2 Zielsetzung

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, festzustellen, ob in der Schaltung einer Google „AdWords“ Anzeige mit den Keywords eines Mitbewerbers, eine Rechtsverletzung vorliegt und wenn ja, wie dagegen vorgegangen werden kann und welche Rechtsfolgen entstehen können. Ermöglicht werden soll auch eine leichtere Beurteilung weiterer Problemstellungen im Zusammenhang mit rechtlich relevanten Maßnahmen im Bereich Online-Marketing.

Aufgrund vieler noch bestehender Unklarheiten in der digitalen Welt, lassen sich oftmals schwer Fehler vermeiden, welche dann zu Abmahnungen und Streitigkeiten führen. Hierzu werde ich auch auszugweise, auf andere Marken- und Wettbewerbsrechte eingehen, welche es beim Online-Marketing zu beachten gilt.

2. Das Internet

2.1 Historie des Internet

Die Geschichte des Internets beginnt im Jahre 1968 in den USA. Hier wurde zum ersten Mal ein sogenanntes „Netzwerk“ programmiert und entwickelt. Das Forschungsnetzwerk ARPANET, welches die vier Universitäten Stanford, Santa Barbara California, Los Angeles California und die University of Utah Salt Lake City miteinander verband. 1969 entdeckte das amerikanische Militär das ARPANET für sich. Aufgrund des Kalten Krieges und der damit verbundenen Angst vor Atomanschläge der UdSSR, suchte man eine Möglichkeit, die militärischen Einheiten schneller und besser miteinander zu verbinden und eine reibungslose Kommunikation zu erreichen. Das ARPANET der US-Militärs verband 40 Computer der Militärs, Wissenschaft und Firmen in den USA miteinander. Bei der Entwicklung des ARPANET half auch der beim zuständigen Forschungsunternehmen tätige Programmierer Raymond Samuel Tomlinson. 3 Tomlinson arbeitete neben seiner Entwicklungstätigkeit für das US-amerikanische Verteidigungsministerium an Dateien, die zwischen zwei Computer-systemen übertragen werden konnten. Dabei entwickelter er 1971 mit dem @-Zeichen die erste Adresse eines bestimmten Computers - die erste E-Mail wurde verschickt.4

Erst zwei Jahre später, also 1973, ging Europa ans Netz. Die ersten Anschlüsse wurden in London und Norwegen gelegt. 1974 entwickelten die Wissenschaftler Vint Cerf und Bob Kahn das Transmission Control Protocol (TCP) sowie das Internet Protocol (IP) die heutige Standard-Kommunikationstechnik zum Austausch über verschiedene Netze. Damit wurde die Geburt des Internet eingeleitet.5 Die Jahre danach wurde das ARPANET weiter entwickelt und auch andere Netze daran angeschlossen. So wurde neben den ARPANET auf dem amerikanischen Festland auch das ALOHAnet auf den Hawaiianischen Inseln entwickelt. Die Universität von Hawaii nutzte es zu Forschungszwecken und besaß neben dem Zentralrechner vier weitere Standorte auf der Insel, welche vernetzt waren. Über eine Satellitenverbindung wurde das ALOHAnet mit dem ARPANET schließlich verbunden. 6

Als freie Alternative zu dem ARPANET programmierten Tom Truscott, Steve Bellovin und Jim Ellis 1979 in den USA das Usenet. Das Usenet ermöglichte einen Datenaustausch über herkömmliche Telefonleitungen mit dem Unix-Protokoll. Dadurch war das Usenet auf Unix-Rechner beschränkt, was es aber nicht daran hinderte, stetig zu wachsen. Mit dem Usenet waren erstmals freie Diskussionen in sogenannte „Newsgroups“ möglich. Mitte der achtziger Jahre wurde das Usenet weiterentwickelt und ein Betrieb über TCP/IP-Leitungen ermöglicht. Der Datenaustausch konnte somit über das Internet abgewickelt werden. 7

Ein weiteres bekanntes Nachrichtennetzwerk war das 1984 von Tom Jennings entwickelte FidoNet. Dieses Mailbox-Netzwerk hatte in den 80er und 90er Jahren seinen „Boom“. Heute ist es eingestellt, da das Internet es mittlerweile vollständig verdrängt hat. Seit dem Jahre 2001 gibt es einen stetigen Rückgang der „Newsgroups“. Viele Anbieter schalten ihre Server ab, da nur noch wenige Personen diese Möglichkeit der Kommunikation und Diskussion nutzen. Dies ist sicherlich auch auf die wachsenden Angebote an sozialen Medien zurückzuführen.

Die Verdrängung der Nachrichten- und Mailboxnetzwerke begann bereits Anfang der 90er Jahre. Mit dem Domain Name System (DNS) bekam jeder Großrechner einen eindeutigen Namen im Internet. Tim Berners-Lee entwickelte 1991 im CERN in Genf das bekannte „World Wide Web“ mit der sogenannten Website-Programmiersprache dem HTML (Hypertext Markup Language), dem Hypertext Transferprotocol (http) sowie die URL (der Domainname).

Ziel von Berners-Lee war es, verschiedene Rechner zu vernetzen, um einen einfachen Datenaustausch zu ermöglichen. 8 Auf der ersten Website, aufzurufen über: http://info.cern.ch/, stellte Berners-Lee seine Erfindung vor. Heute existiert über diese URL noch eine Kopie der Seite von 1992.9 Dieses „World Wide Web“, heute auch oft als Web 1.0 bezeichnet, stellte die erste Form des Internet dar. Der erste Internetbrowser „Mosaic“ wurde vom NCSA an der University of Illinois entwickelt, ein Jahr später, 1994, wurde der weltweit verbreitetste Browser „Netscape Navigator“ herausgebracht.

Auf der Seite http://www.dejavu.org/ kann man durch einen Emulator einen Blick in die Vergangenheit der Browser werfen.

Die globale Informationsquelle wuchs jährlich stetig und mit den Jahren verwandelte sich das Internet von einer reinen Informationsplattform in eine „Mitmach-Plattform“. Unternehmen wie Amazon oder eBay animierten ihre Besucher, sich zu beteiligen, etwa Reviews, also Bewertungen, zu schreiben oder selbst in Form von Auktionen die Plattform zu gestalten. Die Benutzer der Seiten begangen untereinander zu kommunizieren. Es entstanden mehr Communitys, Gemeinschaften und Plattformen mit „User Generated Content“ – dies stellte den Wechsel zum heutigen Web 2.0 dar. 10

Das starke Wachstum des Internets kann man sehr gut beobachten. Seit dem Jahre 2001 wuchs der Nutzeranteil in Deutschland stetig um 2-5% Jährlich. Die nachfolgende Grafik des Statistik-Portals zur Internetnutzung zwischen 2001 und 2013, zeigt dieses Wachstum:

Abbildung 211 – Grafik zur Internetnutzung 2001 bis 2013 des Statistik-Portals.

[Abbildungen in dieser Leseprobe nicht enthalten]

2.2 Die Weiterentwicklung

Zwischen den Jahren 2001 und 2010 gründeten sich Tausende von Unternehmen im Internet. Viele davon bestehen noch heute, obwohl bei der damaligen Gründung nicht mit dem Erfolg gerechnet wurde.

2001 ging die weltweit bekannte Online-Enzyklopädie Wikipedia an den Start. Ziel dieses Online-Nachschlagewerkes war und ist es, eine freie Enzyklopädie zu schaffen, in der jeder Internetnutzer lesen, aber auch als Autor teilnehmen kann. Wikipedia liegt heute auf Platz 6 der am meisten besuchten Internetseiten weltweit und wird in vielen verschiedenen Sprachen betrieben.12 Im Jahre 2003 wurde die erste Software für die Telefonie übers Internet entwickelt: Skype. Skype ermöglichte die direkte Kommunikation der Personen über Mikrofon, Lautsprecher und Videokamera. Aber auch eine reine Chat-Funktion sowie die Übertragung von Dateien sind über die Software möglich. Im Jahre 2011 wurde das luxemburgische Unternehmen von Microsoft aufgekauft. Weitere Interessenten an Skype waren auch Facebook und Google.13

Ein Jahr später als Skype, also 2004, ging das soziale Netzwerk Facebook an den Start. Damals war Facebook als eine reine Kommunikationsplattform für Studenten gedacht. Da weitaus mehr Leute Interesse an diesem Netzwerk hatten, wurde die Einschränkung bald aufgehoben und für jedermann geöffnet. 14 Die hauptsächlichen Funktionen von Facebook sind nach wie vor gleich geblieben: Die Plattform dient den Leuten, miteinander in Kontakt zu bleiben, miteinander zu kommunizieren, neue Freunde kennenzulernen und in Interessen-gruppen zu agieren. Seit einigen Jahren treten aber auch in wachsenden Zahlen mehr Unternehmen dem sozialen Netzwerk bei. Speziell für Unternehmen hat Facebook inzwischen Funktionen eingerichtet, um eine eigene „Unternehmens-Seite“ zu eröffnen. Nutzer von Facebook können sich so mit der Firma verlinken und erhalten in ihrer Newsanzeige alle aktuellen Posts, Nachrichten, die das Unternehmen „teilt.“

Neben diesen vielen Vorteilen, die Facebook und generell die Entwicklung des Web 2.0 mit sich brachten und weiterhin bringen werden, gibt es auch viele Nachteile. Gerade die Begriffe „Facebook“ und „Datenschutz“, werden heutzutage oft in Verbindung gebracht und leider nicht zum Positiven für die Nutzer. Das beginnt schlicht damit, dass Facebook versucht zu verhindern, dass sich Personen anonym auf der Plattform bewegen. Hier kommt es auch schon zu Nutzersperrungen, wenn eine Person nicht den richtigen Vor- und Zunamen angibt. Weiter geht es mit der verzweigten Navigation und zum Teil versteckte Einstellmöglichkeiten der Privacy-Einstellungen bis hin zu direkten Ankündigungen, dass Profilinformationen der Nutzer an „geprüfte“ Webseiten und Anwendungen Dritter weitergegeben werden.15 Eine Kontrolle, welche Daten an welche Dritte weitergegeben werden, wie und wo diese verwertet, verwendet oder analysiert werden, ist gänzlich nicht möglich, da auch keine Informationen dazu vom Unternehmen Facebook Inc. bereitgestellt werden.

Aber auch andere Unternehmen im Internet nutzen die Daten, Eingaben oder Suchverhalten ihrer Nutzer zur Weitergabe an Dritte oder zu Werbezwecke. Hierzu zählt ebenfalls der Social Media-Konkurrent von Facebook: Twitter. Auch Twitter verwertet gerne die Daten der Nutzer zu eigenen Zwecken. Twitter (Gezwitscher) ging im März 2006 online und stellt eine Art Online-Tagebuch dar. Die Nutzer schreiben kurze „tweets“ (Nachrichten) und die mit ihnen verbundenen anderen Nutzer, oft auch völlig unbekannte, können diese Kurznachrichten lesen und darauf antworten. Dadurch sammelt Twitter täglich Millionen von zum Teil privaten Daten, welche von den Personen selbst preisgegeben werden.

Auch andere Web 2.0-Größen sind hier nicht untätig. Das Online-Videoportal YouTube oder das Foto „Sharing“ Portal Flickr sind ebenfalls dabei, die Daten der Nutzer zu sammeln, zu teilen und ihren eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Das Web 2.0 hat sich somit zur größten Datensammelstelle weltweit entwickelt und stellt aus rechtlicher Sicht eine sehr große Gefahrenquelle dar.

2.3 Recht im Internet

Wie schon zuvor kurz dargelegt, ist die Thematik „Recht im Internet“ vor allem in der heutigen Web 2.0-Ära eine schwierig einschätzbare Problematik. Rechtsverstöße aus Unternehmenssicht können schnell passieren, aber auch das User Generated Content, also die Inhalte, welche von Nutzer generiert werden, können einem Urheberrecht unterliegen und bei Weiternutzung durch andere verletzt werden.

Dies führt zu folgender Frage: Wie genau stellen sich die Rechte im Internet dar?

Wie uns die Historie zeigt, wurde das Internet entwickelt, um interne Kommunikation zwischen Universitäten und später dem Militär zu erleichtern und um Daten schneller austauschen zu können. In der damaligen Zeit der Entwicklung konnte sich niemand vorstellen, welche Auswirkungen das Internet auf die heutige Gesellschaft haben wird und welche Rechte und Pflichten der Nutzer es mit sich bringen würde, speziell durch die zunehmende Kommerzialisierung. Diesbezügliche Fragen tauchten erst nach und nach auf, mussten oftmals durch gerichtliche Entscheidungen beantwortet werden und sind zum Teil heute noch nicht beantwortet. Das Internet galt viele Jahre als „rechtsfreier Raum“, fernab von Gesetzen und staatlichen Kontrollen. Das lag vornehmlich an der Anonymität, welche man lange Zeit dort noch fand. Auch heute noch sehen viele Nutzer die gesetzlichen Regelungen beim Surfen im Internet nicht so eng. Dennoch wurde, speziell von online agierenden Unternehmen, der Wunsch größer auch hier staatliche Regelungen durchzusetzen, um selbst abgesichert zu sein und bei Bedarf eigene Rechte durchsetzen zu können.16

Das Internetrecht stellt (noch) kein eigenes Rechtsgebiet dar. Es ist eher als Schnittstelle des Domainrechts, Markenrechts und Urheberrechts zu betrachten.

Das Domainrecht umfasst eine Reihe verschiedener Regelungen im Zusammenhang mit der Vergabe von Internet-Domains. Zur Registrierung einer Internet-Domain entstehen mehrere Vertragsverhältnisse mit verschiedenen Partnern. Zunächst schließt man einen Providervertrag zur Registrierung einer Domain. Hier erhält man je nach Ausgestaltung des Vertrags weitere Leistungen wie den Webspace (Speicherplatz für die Internetseite) dazu. Durch die Registrierung der Domain und der daraus resultierenden Anmeldung bei dem Unternehmen DENIC (Verwaltung und Vergabe der Domains), entsteht ein weiterer Vertrag (Domain-Registrierungsvertrag) zwischen dem Domain-Inhaber und der DENIC. Hierbei verpflichtet sich die DENIC, die Konnektierung der Domain herzustellen und einen Eintrag im WHOIS-Verzeichnis (Datenbankverzeichnis aller Domains) vorzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt kann es zu Verletzungen von Namens- und Kennzeichnungsrechten kommen, ebenso können Regelungen des Wettbewerbsrechts zu beachten sein. So zeigt sich, dass das Domainrecht verschiedene schuldrechtliche, namens- und wettbewerbsrechtliche Anteile umfassen kann.17

Das Urheberrecht steht in der derzeitigen Web 2.0-Ära ebenfalls vor neuen Herausforderungen. Noch nie war es so einfach Werke zu kopieren, zu reproduzieren und zu vervielfältigen wie mit der heutigen Technik, wo schon ein einfacher PC reicht, um Informationen und Werke anderer weiter zu verbreiten. 18 Gerade Musikdateien, Filme aber auch digitale Bücher (E-Books) sind hier besonders hervorzuheben.

Durch sogenannte Filesharing-Tauschbörsen ist ein Verteilen und Austauschen solcher Dateien sehr einfach durchzuführen. Mit einer installierten Software am eigenen PC kann man leicht auf die Dateien anderer zugreifen und diese downloaden und selbst Dateien zum herunterladen anbieten. Gerade diese Tauschbörsen werden speziell von der Unterhaltungs-industrie sowie anderen Rechteinhabern systematisch nach illegalen Inhalten durchsucht und

[...]


1 statista.com: Suchmaschinenverteilung in Deutschland im Jahr 2015 (sowie Vorjahresvergleich), URL aufgerufen am 11.04.2015: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167841/umfrage/marktanteile- ausgewaehlter-suchmaschinen-in-deutschland/

2 Aufgrund der besseren Lesbarkeit verwende ich ausschließlich die männliche Form. Als gleichwertig einbezogen gelten aber das weibliche und das männliche Geschlecht.

3 Vgl. I. Schels: „Internet“, Geschichte des Internets, Seite 12 (2006, Markt+Technik Verlag)

4 Wikipedia: Ray Tomlinson, URL aufgerufen am 13.04.2015: http://de.wikipedia.org/wiki/Ray_Tomlinson

5 merkur.de: Chronologie einer revolutionären Erfindung, URL aufgerufen am 13.04.2015: http://www.merkur-online.de/welt/chronologie-einer-revolutionaeren-erfindung-mm-457536.html

6 Wikipedia: ALOHAnet, URL aufgerufen am 13.04.2015: http://de.wikipedia.org/wiki/ALOHAnet

7 Wikipedia: Usenet, URL aufgerufen am 3.04.2015: http://de.wikipedia.org/wiki/Usenet

8 Vgl. I. Schels: „Internet“, Einführung in das Internet, Seite 15 (2006, Markt+Technik Verlag)

9 Wikipedia: Tim Berners-Lee, URL aufgerufen am 13.04.2015: http://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Berners-Lee

10 Vgl. M. Meckel, K. Stanoveska-Slabeva: Web 2.0 – Die nächste Generation Internet, Seite 14 (2008, Nomos)

11 statista.com: Anteil der Internetnutzer in Deutschland von 2001 bis 2013, URL aufgerufen am 14.04.2015: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/13070/umfrage/entwicklung-der-internetnutzung-in-deutschland-seit- 2001/

12 Wikipedia: Wikipedia, URL aufgerufen am 30.04.2015: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia

13 Wikipedia: Skype, URL aufgerufen am 30.04.2015: http://de.wikipedia.org/wiki/Skype#Geschichte

14 J. Firsching: Die Entwicklung von Facebook – Von Freunden zu Interessen, URL aufgerufen am 05.05.2015: http://www.futurebiz.de/artikel/die-entwicklung-von-facebook-von-freunden-zu-interessen/

15 Vgl. C. Ulbricht: Social Media und Recht, - Kapitel 10.2, S. 152: Facebook und der Datenschutz (2. Auflage, 2013, Haufe Gruppe)

16 Just Law Rechtsanwälte: Internetrecht (Onlinerecht): Geschichte und Entwicklung, URL aufgerufen am 07.05.2015: http://www.internetrecht.justlaw.de/Das-Internetrecht.htm

17 domain-recht.de: Domain-Recht, URL aufgerufen am 07.05.2015: http://www.domain-recht.de/domain-recht

18 Vgl. Schmid, Wirth, Seifert: Urheberrechtsgesetz Handkommentar, I. 1. Gegenstand des Urheberrecht 2. Auflage, 2008, Nomos)

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Marken- und Wettbewerbsrechte bei Suchmaschinenoptimierung und Search Engine Advertising
Hochschule
Hochschule Wismar
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
42
Katalognummer
V308206
ISBN (eBook)
9783668069169
ISBN (Buch)
9783668069176
Dateigröße
958 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
SEO, SEA, Online-Marketing, Markenrecht, SEA-Recht, Internetrecht, Internet-Historie, Keyword-Recht, Wettbewerbsrecht
Arbeit zitieren
Katrin-Nicole Meier (Autor), 2015, Marken- und Wettbewerbsrechte bei Suchmaschinenoptimierung und Search Engine Advertising, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308206

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