Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex und seine Bedeutung innerhalb der Nachhaltigkeitsberichterstattung


Masterarbeit, 2014
112 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung und Zielstellung
1.1 Aufbau der Arbeit

2 Nachhaltigkeit
2.1 Begriffsverständnis der Nachhaltigkeit
2.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.3 CSR und Nachhaltiges Wirtschaften
2.4 Umsetzung von Nachhaltigkeit in Unternehmen

3 Nachhaltigkeitsberichterstattung
3.1 Gründe für die Nachhaltigkeitsberichterstattung
3.2 Stakeholder und Informationsinteressen
3.3 Ausgewählte Berichtsstandards
3.3.1 Global Reporting Initiative (GRI)
3.3.1.1 Überblick zu aktuellen Neuerungen der GRI
3.3.2 European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS)

4 Rat für Nachhaltige Entwicklung

5 Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex
5.2 Aufbau und Inhalt
5.3 Nutzen für Unternehmen
5.4 Darstellungsform der Nachhaltigkeitsleistungen
5.4.1 Kurzerklärung
5.4.2 Vollerklärung
5.5 Überblick zu aktuellen Neuerungen des DNK

6 Kurzvergleich von DNK, GRI und EFFAS

7 Untersuchung der Rolle des DNK innerhalb der Nachhaltigkeitsberichterstattung
7.1 Methode
7.1.1 Untersuchungsdesign
7.1.2 Untersuchungsziele
7.1.3 Einbezogene Unternehmen
7.1.4 Fragebogen
7.1.5 Vorgehen
7.2 Ergebnisse
7.2.1 Gründe für zusätzliche Berichterstattung nach DNK
7.2.2 Vorteile und Nachteile der Entsprechenserklärung
7.2.3 Bedeutung der Entsprechenserklärung
7.2.4 Nutzen der Entsprechenserklärung
7.2.5 Zielgruppen der Entsprechenserklärung
7.2.6 Resonanz auf die Entsprechenserklärung
7.2.7 Relevanz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung
7.2.8 Relevanz bei der Auswahl der Geschäftspartner
7.2.9 Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichtsstandards
7.2.10 Zukünftige Anwendung des DNK in den Unternehmen

8 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Überblick zum Kurzvergleich der Berichtswerke
Anhang 2: Fragebogen
Anhang 3: Teilnehmende Unternehmen
Anhang 4: Auswertung der Umfrage zum DNK

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dimensionen der Nachhaltigkeit

Abbildung 2: Stakeholder und ihre Informationsinteressen

Abbildung 3: Zusammensetzung des GRI Berichtsrahmens

Abbildung 4: Zusammensetzung des DNK

Abbildung 5: Gründe für zusätzliche Entsprechenserklärung nach DNK

Abbildung 6: Vorteile der Entsprechenserklärung

Abbildung 7: Nachteile der Entsprechenserklärung

Abbildung 8: Bedeutung der Entsprechenserklärung in der Unternehmens-kommunikation

Abbildung 9: Nutzen/Gewinn durch die Entsprechenserklärung (Vollerklärung)

Abbildung 10: Zielgruppen für die Entsprechenserklärung

Abbildung 11: Resonanz auf Veröffentlichung der Entsprechenserklärung

Abbildung 12: Relevanz des DNK in der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Abbildung 13: Bedeutung des DNK bei der Wahl von Geschäftspartnern

Abbildung 14: Glaubwürdigkeit der Berichterstattung nach DNK, GRI und EFFAS

Abbildung 15: Geplante Berichterstattung der Unternehmen gemäß dem DNK

Abbildung 16: Fragebogen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einbezogene Unternehmen

Tabelle 2: Übersicht zum Kurzvergleich DNK, GRI und EFFAS

Tabelle 3: Teilnehmende Unternehmen

Tabelle 4: Geschlossene Fragen Teil 1 und 2

Tabelle 5: Offene Fragen

1 Einleitung und Zielstellung

„Nachhaltigkeit heißt vor allem, über die momentane Nützlichkeit hinaus langfristig zu denken und entsprechend Zukunftsverantwortung zu übernehmen.“ 1

Alois Glück, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung

In der heutigen Zeit sind Probleme wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, Ressourcenknappheit, Wald- und Artensterben, Zunahme der Weltbevölkerung und Menschrechtsverletzungen omnipräsent. Die Bewältigung dieser globalen Probleme stellt für alle eine sehr große Herausforderung dar. Unternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle. Als ökonomische Akteure sind sie direkte Verursacher etlicher dieser weltweiten Probleme, beispielsweise durch hohen Verbrauch von Wasser und fossilen Energiequellen, hohe Emissionen oder auch hohe Abfallerzeugung in der Produktion. Darüber hinaus sind sie ebenfalls von diesen Auswirkungen selbst betroffen, z.B. durch enorme Preissteigerungen für Rohstoffe aufgrund der Ressourcenverknappung. Gleichzeitig verfügen sie über notwendige finanzielle Mittel, Innovationen und Technologien, um diesen Problemen entgegenzutreten. Neben ökonomischen Interessen wie Absicherung der eigenen Existenz und wirtschaftlichem Erfolg rückt daher die Verantwortung zur langfristigen Sicherung der ökologischen und sozialen Lebensgrundlagen in den Interessensfokus der Unternehmen. Dies geschieht zum einen durch politischen und öffentlichen Druck, zum anderen aber auch aus einem bewussten nachhaltigen Unternehmensanspruch und -selbstverständnis heraus.

Um den Erwartungen der unterschiedlichen Anspruchsgruppen gerecht zu werden, bekennen und verpflichten sich immer mehr Unternehmen zu einem Handeln, das ökonomische, ökologische und soziale Ziele vereint. Diese unternehmerischen Nachhaltigkeitsleistungen aber auch Strategien und Visionen der Unternehmen werden in der Berichtserstattung über Nachhaltigkeit dokumentiert und offengelegt, die damit ein wichtiges Element zur Darstellung der unternehmerischen Verantwortung bildet.

In der vorliegenden Arbeit finden dazu die ausgewählten Berichtswerke des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK), der Global Reporting Initiative (GRI) und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) Berücksichtigung.

Ziel der Arbeit soll es sein, die Bedeutung und Stellung des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes innerhalb der zuvor genannten Berichtsstandards mit Hilfe einer empirischen Untersuchung in Erfahrung zu bringen. Zu diesem Zweck wurden in einer schriftlichen Befragung diejenigen Unternehmen in die Untersuchung einbezogen, welche einen Nachhaltigkeitsbericht nach GRI oder EFFAS erstellen und darüber hinaus ihre Nachhaltigkeitsleistungen über den DNK in Form einer Entsprechenserklärung (Vollerklärung) veröffentlichen. Folgende primäre Leitfragen sollen dabei für die Darstellung der Rolle des DNK Betrachtung und Klärung finden: Aus welchen Gründen berichten Unternehmen zusätzlich über ihre Nachhaltigkeitsleistungen gemäß DNK? Welcher Nutzen entsteht dabei für die Unternehmen? Welche Relevanz schreiben die Unternehmen dem DNK innerhalb der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu?

Einschränkend anzumerken ist, dass der DNK aktuell, im Entstehungsprozess der Masterarbeit, vom Rat für Nachhaltige Entwicklung überarbeitet wird, um diesen u.a. an die Neuversion des Berichtswerkes GRI G4 anzupassen. Da der überarbeitete DNK noch nicht durch die Entscheidungsträger verabschiedet wurde und damit die Unternehmen derzeit nicht nach diesem berichten, beziehen sich die nachfolgenden Erläuterungen und insbesondere die durchgeführte Untersuchung auf die derzeit gültige DNK-Version von 2012. Weiterhin können die Leitfäden der GRI und des DNK von verschiedenen Organisationen, wie Unternehmen oder NGOs, für die Nachhaltigkeitsberichterstattung genutzt werden. Dieser Arbeit liegt dabei im Wesentlichen der Bezug auf Unternehmen zugrunde.

1.1 Aufbau der Arbeit

Den Ausgangspunkt der Masterarbeit bildet das Kapitel 2, welches sich den Grundlagen widmet und mit einer Einführung in das Thema Nachhaltigkeit und den erforderlichen Begriffsbestimmungen über einen historischen Abriss der Nachhaltigkeitsentwicklung beginnt. Im Anschluss daran werden die Dimen-sionen der Nachhaltigkeit erläutert, welche insbesondere Bedeutung für die in Kapitel 3.3 und 5 einbezogenen Berichtsstandards haben. Im weiteren Verlauf des zweiten Kapitels wird sich mit den Thematiken CSR und nachhaltiges Wirtschaften auseinandergesetzt. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit einer allgemeinen Darstellung, wie Nachhaltigkeit im Unternehmen umgesetzt werden kann.

Kapitel 3 der Arbeit befasst sich mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Im Zuge dessen findet die Motivation der Unternehmen für die Berichterstattung über ihre Nachhaltigkeitsleistungen Betrachtung. Auch wird im weiteren Verlauf des Kapitels auf die Bedeutung der einzelnen Anspruchsgruppen von Unternehmen und deren Informationsinteressen eingegangen. Als wichtige Grundlage für das Verständnis der Arbeit werden ebenfalls die relevanten Berichtsstandards (GRI und EFFAS) vorgestellt. Diese sind insofern von Bedeutung, da der Deutsche Nachhaltigkeitskodex auf beide Standards zurückgreift.

Eine allgemeine Darstellung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, dem Initiator des für die Arbeit relevanten DNK, erfolgt in Kapitel 4.

Schwerpunkt des Kapitels 5 bildet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex. Neben dessen primärem Aufbau, Inhalt und Nutzen werden die Varianten der Entsprechenserklärung und deren Veröffentlichung behandelt. Als Überblick dient eine kurze Darstellung der aktuellen Neuerungen im Deutschen Nachhaltigkeitskodex.

Zum besseren Verständnis des praktischen Teils der Arbeit erfolgt in Kapitel 6 ein Vergleich der zuvor behandelten Berichtsstandards GRI, EFFAS und DNK.

Praktischer Schwerpunkt der Arbeit bildet das Kapitel 7 mit der Untersuchung zur Rolle des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes innerhalb der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dazu werden die Ergebnisse der durchgeführten schriftlichen Befragung qualitativ, quantitativ sowie grafisch interpretiert und ausgewertet. Zu Beginn des Kapitels werden dabei das Untersuchungsdesign, die Ziele sowie die allgemeine Vorgehensweise beschrieben. Als Überblick werden darüber hinaus die für die Untersuchung relevanten Unternehmen aufgelistet und der eingesetzte Fragebogen dargestellt.

In Kapitel 8 erfolgt ein abschließendes Fazit zur Rolle des DNK in der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

2 Nachhaltigkeit

Nach wie vor bestehen für den Terminus Nachhaltigkeit (Engl. sustainability) verschiedene Vorstellungen über dessen Definition und Präzisierung. Allein die Übersetzung des englischen Wortes „sustainable“ ins Deutsche reicht von „nachhaltig“ und „dauerhaft“ über “aufrechterhaltbar“, „tragfähig“ und „zukunftssicher“. Weiterhin werden die Begriff Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung in der Literatur und in den Diskussionen häufig synonym verwendet.2 Die „eine“ und umfassende Definition von Nachhaltigkeit ist nicht zu finden. Im Folgenden soll daher das Begriffsverständnis mit einem kurzen historischen Abriss für die vorliegende Arbeit dargestellt werden.

2.1 Begriffsverständnis der Nachhaltigkeit

Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde bereits um 1700 in der Forstwirtschaft in Folge einer Übernutzung der Wälder und den damit verbundenen Auswirkungen wie Überschwemmungen und Bodenerosionen diskutiert. Hans Carl von Carlowitz beschrieb dabei das Prinzip der Nachhaltigkeit in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica", das nicht mehr Holz gefällt werden darf, als durch Aufforsten in der gleichen Zeit nachwachsen kann.3 Er zielte damit bereits auf eine langfristige Sicherung der Erträge ab und erkannte somit, dass der Erhalt der Umwelt Grundlage für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg ist.

Mit dem Erscheinen der Studie „Die Grenzen des Wachstums“, erster Bericht des Club of Rome im Jahr 1972, rückte der Begriff der Nachhaltigkeit in den gesellschaftlichen und politischen Fokus und sorgte darüber hinaus für Diskussionen über die Beziehungen zwischen Güterproduktion, verschiedenen Lebensstilen und exponentiellem Wirtschaftswachstum.4

Der „International Union for the Conservation of Nature“ (IUCN) führte 1980 in seiner “World Conservation Strategy” erstmals den Begriff „Sustainable Development“ (Nachhaltige Entwicklung) in die globale Umweltdiskussion ein. Es wurde hervorgehoben, dass nur mit einer funktionierenden Umwelt eine ökonomische Entwicklung dauerhaft stattfinden kann. Soziale Problematiken blieben außen vor.5

Mit dem 1987 publizierten Bericht der „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“, „Our Common Future“, auch bekannt als Brundtland-Bericht6, wurde dem Begriff „Sustainable Development“ eine präzisiere aber dennoch weitfassende Form verliehen. Der Bericht schließt die sich bedingenden ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme der Industrienationen als auch der Entwicklungsländer, welche bislang getrennt betrachtet wurden, ein und zeigt Lösungsansätze auf.7 Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung wird hierbei in der deutschen Version des Brundtland-Berichtes definiert als eine „() Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ 8 Im Brundtland-Bericht zielt Nachhaltigkeit also auf eine Genera-tionsgerechtigkeit ab, indem die Lebensgrundlage der heute und zukünftig lebenden Menschen erhalten bleibt, die Umwelt bewahrt wird und soziale Gerechtigkeit besteht. Nachhaltigkeit wird hier zu einem normativen Leitbild.

Im Zuge der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro9 1992 und der dabei u.a. verabschiedeten Agenda 2110 wurden Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung auch in Deutschland entscheidend vorangebracht und verankert. Die vom Deutschen Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission und der daraus 1998 hervorgegangene Abschlussbericht „Konzept Nachhaltigkeit – vom Leitbild zur Umsetzung“, die Berufung des Rates für nachhaltige Entwicklung 2001 sowie die nationale Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“ von 2002 sind wichtige Etappen in der deutschen Nachhaltigkeitsentwicklung.11 Nachhaltigkeit wird von der deutschen Bundesregierung verstanden als Konzept zur „() Erreichung von Generationengerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt, Lebensqualität und Wahrnehmung internationaler Verantwortung.“ 12, wobei für eine nachhaltige Entwicklung „() wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und soziale Verantwortung ()“ 13 miteinander verbunden werden müssen.

Bei der Recherche zu Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung wird deutlich, dass es sich hierbei um ein dynamisches Konstrukt handelt, dessen genaue Bedeutung in einem fortwährenden und auch für die Zukunft nicht abgeschlossenen Diskurs zwischen den Akteuren der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft verhandelt wird. Grunwald sieht nachhaltige Entwicklung dabei als einen Prozess, mit dem Nachhaltigkeit erreicht wird.14

2.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit

„Der Gedanke der Nachhaltigkeit verbindet wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit. Diese drei Ziele bedingen einander.“ 15 Die im Zitat der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel aufgeführten ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte charakte-risieren Nachhaltigkeit und werden auch als Dimensionen der Nachhaltigkeit bezeichnet. Im Folgenden werden diese näher erläutert.

Die ökonomische Nachhaltigkeitsdimension beinhaltet Aspekte der dauer-haften Steigerung und Absicherung von Wohlstand sowie die Entwicklung hin zu vorausschauendem Wirtschaften und angemessenem Wachstum. Das Wirtschaftssystem hat dabei u.a. die Aufgabe, die Bedürfnisse des einzelnen Individuums und der Gesellschaft effizient zu befriedigen. Des weiteren sollen Preise die primäre Lenkungsfunktion auf Märkten übernehmen und dabei die Begrenztheit von Ressourcen, Gütern und Dienstleistungen sowie Produk-tionsfaktoren wiederspiegeln.16

In der ökologischen Nachhaltigkeitsdimension werden primär der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und damit die Bewahrung des gesamten Naturkapitals thematisiert. Dazu zählen u.a. Aspekte, die die Sicherung des Leistungsvermögens und der Funktion der Ökosysteme, die Ressourcen-schonung, die Erhaltung der Biodiversität und den Klimaschutz betreffen.17 So darf beispeilsweise bei der Verwendung der erneuerbaren natürlichen Ressourcen deren Regenerationsfähigkeit nicht überschritten werden, das Emittieren von Schad- und Abfallstoffen die Belastungsgrenzen der natürlichen Umwelt nicht übersteigen und die Freisetzung von Treib-hausgasen muss drastisch reduziert werden.18

In der sozialen Nachhaltigkeitsdimension werden vornehmlich Belange gesehen, die die soziale Stabilität, Sicherheit, Verteilungsgerechtigkeit, Chancengleichheit, Solidarität sowie Freiheit des Einzelnen betreffen. Dabei geht es u.a. um den Schutz und die Förderung der menschlichen Gesundheit, die Bekämpfung der Armut und Ausbeutung, die Verbesserung von Bildungs- und Ausbilungschancen, die Sicherung der Demokratie sowie die Existenz von Erwerbsmöglichkeiten.19

Zusätzlich zu den aufgezeigten Nachhaltigkeitsdimensionen werden diese um weitere Dimensionen wie eine kulturelle, politische oder kommunikative Dimension erweitert,20 die hier der Vollständigkeit halber erwähnt sein sollen.

Die zuvor einzeln erläuterten Nachhaltigkeitsdimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales sollen nicht isoliert voneinander betrachtet werden, da sie in Wechselbeziehungen stehen und Schnittmengen bilden. Die nach-folgende Abbildung 1 soll diese Thematik verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dimensionen der Nachhaltigkeit

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Pufé (2012), S. 112.

Nachhaltigkeit bedingt sich demzufolge aus den gleichberechtigten Beziehungen aller drei Dimensionen zueinander. So ist beispielsweise das ökonomische Handeln (ökonomische Dimension) abhängig von den zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen (ökologische Dimension) als Voraussetzung des Wirtschaftens zu sehen. Soziale Themen wie die Grund-versorgung und Existenzsicherung der Menschen (soziale Dimension) stehen in engem Zusammenhang mit ökonomischen Aspekten (Bedürfnis-befriedigung).

Rogall erweitert das oben dargestellte Modell um den Blickwinkel der Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit, die Belastungsfähigkeit der Erde.21 Die Nachhaltigkeitsdimensionen werden demzufolge durch den Umweltraum begrenzt. Der Umweltraum setzt sich zusammen „() aus der ökologischen Tragfähigkeit der Ökosysteme, der Regenerationsfähigkeit natürlicher Ressourcen und der Verfügbarkeit von Ressourcen.“ 22

Die Nachhaltigkeitsdimensionen stellen wichtige Grundlagen für nachhaltiges Wirtschaften dar, welches im nachfolgenden Kapitel Betrachtung findet.

2.3 CSR und Nachhaltiges Wirtschaften

Zum Begriffsverständnis CSR („Corporate Social Responsibility“) existieren vielfache Auslegungen, die u.a. den Einflüssen der verschiedenen Interessensgruppen von Unternehmen geschuldet sind. In dieser Arbeit wird der Definition der Europäischen Kommission gefolgt, da diese in der einschlägigen Literatur am häufigsten Betrachtung findet.23 CSR ist demnach „() ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“ 24. Die Formulierung „freiwillige Basis“ ist dabei umstritten, denn sie führte in der Vergangenheit dazu, dass Unternehmen CSR nicht einführten, daher nahm die Kommission eine Überarbeitung vor und definierte CSR als Verantwortung der Unternehmen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen, um Unternehmen zu CSR zu verpflichten.25

CSR stellt die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen als Bestandteil ihres gesamten nachhaltigen unternehmerischen Handelns dar, bei dem sowohl soziale und ökologische Aspekte, als auch der ökonomische Erfolg im Kerngeschäft der Unternehmenstätigkeit zukunftsfähig eingebunden sind. Eine funktionierende nachhaltige Wirtschaftsweise hat die erfolgreiche Anwendung mindestens der drei im Kapitel zuvor beschriebenen Dimensionen der Nachhaltigkeit als Zielstellung. Zu den ökologischen Zielen nachhaltigen Wirtschaftens zählen u.a. der Umweltschutz und eine ressourcensparende Wirtschaftsweise sowie die Senkung des Energieverbrauchs. Ökonomische Aspekte sind beispielsweise Preisstabilität, die Sicherung von Wirtschaftsvorteilen, Arbeitsleistungen der Mitarbeiter26 sowie Einkaufsstrategien von Rohstoffen. Als Ziele im sozialen Bereich sind beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte und die Sicherung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen zu nennen.27 Diese Ziele sollen sich möglichst ergänzen und wechselseitig fördern. Treten Zielkonflikte auf, so kann ein Ziel nur zu Lasten eines anderen Zieles durchgesetzt werden.28

Mit der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung sowie umweltbewusstem Handeln können Unternehmen die eigene Zukunft sichern und das Vertrauen der Stakeholder29 erhöhen.30 Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet weiterhin, dass die Stakeholder die ökologischen, sozialen und ethischen Ansprüche eines Unternehmens teilen und diese ebenso einhalten und anwenden sollten, um ein positives Unternehmensimage in der Öffentlichkeit zu generieren. Die Stakeholder wiederum können ebenso Einfluss auf die Nachhaltigkeitsleistungen eines Unternehmens haben, so bestimmen z.B. Konsumenten mit Ihrer Kaufentscheidung die Nachfrage und damit die Legitimation von umwelt- und ressourcenschonend sowie sozialfreundlich hergestellten Erzeugnissen.

2.4 Umsetzung von Nachhaltigkeit in Unternehmen

Bevor Nachhaltigkeit in einem Unternehmen impliziert werden kann, muss sich das Unternehmen mit Fragestellungen und Analysen befassen, welche die ökologischen und sozialen Voraussetzungen und Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit untersuchen. Anhand dieser Erkenntnisse kann das Unternehmen Managementansätze (z.B. in Form von Leitlinien) entwickeln, die der Einbindung von Nachhaltigkeit dienen.31

In welchen Unternehmensbereichen (z.B. Produktion, Einkauf, Personal, Marketing, Logistik) und in welchem Ausmaß diese Managementansätze Berücksichtigung finden, wird im Austausch mit den Stakeholdern des Unternehmens priorisiert. Dabei gilt es jeweils, den folgenden vier Herausforderungen, als Entsprechung der Nachhaltigkeitsdimensionen, gerecht zu werden: ökologische und soziale Herausforderung, ökonomische Herausforderung an das Umwelt- und Sozialmanagement sowie Integrationsherausforderung. Die ökologische Herausforderung betrifft die Beeinflussung der Ökosysteme durch die Wirtschaft, die damit Umweltprobleme wie beispielsweise hohe CO2-Emissionen, Zerstörung der Ozonschicht, Abfälle, Klimawandel und Rückgang der Biodiversität hervorruft. Daher ist die Senkung der Umweltbelastungen von Unternehmensprozessen (z.B. Produktion, Rohstoffgewinnung, Distribution) anzustreben. Dies lässt sich in der Praxis u.a. durch Verwendung erneuerbarer Energien, Nutzung ökologischer Landwirtschaft, kurze Stoffkreisläufe, Recycling und Wiederverwertung, Reduzierung von Emissionen, Wasser- und Rohstoffverbrauch sowie Abwasserentsorgung realisieren.32

Die soziale Herausforderung für Unternehmen stellt die eigene Existenzsicherung in Verbindung mit der Gewährleistung individueller, kultureller und gesellschaftlicher Interessen dar. Beispiele dafür in der praktischen Anwendung sind fairer Handel mit Entwicklungsländern, Bereitstellung von Gesundheitsvorsorgemaßnahmen für Mitarbeiter (z.B. flexible Arbeitszeitmodelle), Mitarbeiter-„Diversity“33 zum Abbau von Vorurteilen und Diskriminierungen, kulturelles Engagement, Gewährleistung der Arbeitsplatzsicherheit, Schaffung von sozialen Arbeitsbedingungen und Bereitstellung von Sozialleistungen für Mitarbeiter. Auch die Berücksichtigung des demographischen Wandels in der Produktentwicklung fällt unter die Umsetzung sozialer Nachhaltigkeit.34

Die ökonomische Herausforderung an das Umwelt- und Sozialmanagement schafft eine Verbindung der ökologischen und sozialen Dimensionen mit der ökonomischen Dimension. Wirtschaftliche Effektivität und Rentabilität eines Unternehmens werden im Kontext mit ökologischen und sozialen Aspekten betrachtet. Dabei geht es darum, das Verhältnis der Dimensionen zueinander durch Verringerung von ökologischem und sozialem Schaden als auch durch Steigerung der ökonomischen Wertschöpfung zu verbessern.35

Die Integrationsherausforderung stellt die Anwendung und Erfüllung einer Kombination aus den drei vorherigen Herausforderungen dar und berücksichtigt des Weiteren, auf welche Art und Weise ökologische und soziale Belange in das ökonomisch ausgerichtete Management eingebunden werden können.36

In der Nachhaltigkeitsberichterstattung kommunizieren Unternehmen ihre Umsetzung von Nachhaltigkeit auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene sowie ihren Einsatz zur Abschaffung globaler Probleme.

3 Nachhaltigkeitsberichterstattung

Konnten Unternehmen das Informationsbedürfnis ihrer Stakeholder lange Zeit mit einer Berichterstattung basierend auf einer rein ökonomischen Darstellung ihres Handelns befriedigen, so hat sich dies mit der Debatte um nachhaltige Entwicklung, Verantwortung und Glaubwürdigkeit geändert. Die Unternehmen sollen glaubhaft darlegen, dass ihr Wirtschaften mit einer nachhaltigen Entwicklung konform geht und damit zur Lösung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts beiträgt. Die Stakeholder-Gruppen verlangen nunmehr von den Unternehmen Aufklärung und Transparenz, auch über Umweltaktivitäten und soziale Aktivitäten sowie deren Auswirkungen.

Um dieser Forderung gerecht zu werden betreiben Unternehmen, aber auch andere Organisationen, eine Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung, oft auch als Triple-Bottom-Line-Reporting oder Corporate Responsibility Reporting bezeichnet,37 soll eine angemessene, transparente und vergleichbare Bereitstellung von Informationen über die nachhaltigkeitsbezogenen Leistungen eines Unternehmens an seine internen und externen Stakeholder liefern. Dabei fließen vergangenheits- und zukunftsbezogene wirtschaftliche, ökologische und soziale bzw. gesellschaftliche Aspekte und deren Interdependenzen und Zielkonflikte in die Berichterstattung ein. Die Unternehmen sollen daher über positive als auch negative Aspekte ihres Handelns Auskunft geben. Auch stellt das Unternehmen dar, inwieweit es sich verpflichtet, nachhaltig zu wirtschaften, welche Ziele es dabei verfolgt und wie es diese erreichen will.38

Die Aspekte, Wechselbeziehungen und Zielkonflikte müssen im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung regelmäßig und umfassend analysiert, bewertet und dokumentiert werden.39

Nachhaltigkeitsberichte stellen dabei, als ein zentrales Instrument der Nachhaltigkeitsberichterstattung, eine mögliche systematische und adressatengerechte Form der Dokumentation der nachhaltigkeitsbezogenen Lage und Leistungen von Unternehmen dar.40 Bei der Publikation eines Nachhaltigkeitsberichtes sind die Grundsätze der ordnungsgemäßen Berichterstattung wie Wahrheit, Wesentlichkeit, Klarheit, Stetigkeit und Vergleichbarkeit sowie der öffentliche Zugang der Informationen zu wahren.41 So soll das Unternehmen die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen und Herausforderungen herleiten und im Zusammenhang zur Unternehmensstrategie darlegen.42 Dies soll der Transparenz aber auch der Glaubwürdigkeit dienen. Die Glaubwürdigkeit der im Bericht veröffentlichten Daten und Fakten kann dabei durch eine Verifizierung von externen Gutachtern untermauert werden. Des Weiteren können Empfehlungen der Gutachter für die Weiterentwicklung und damit für eine kontinuierliche Verbesserung der Nachhaltigkeitsberichterstattung im Unternehmen genutzt werden.43

Bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Nachhaltigkeitsberichte empfiehlt es sich, etablierte Berichtsstandards wie z.B. der GRI, der EFFAS oder des DNK zu nutzen (siehe dazu auch Kapitel 3.3 und 5). Sie fordern in der Regel die Veröffentlichung bestimmter Indikatoren und Kennzahlen und beinhalten allgemeine aber auch branchenspezifische Leitfäden und Kriterien. Damit wird insbesondere die Vergleichbarkeit der Berichte gefördert.44

Gerade für Unternehmen, die sich dem Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung nähern wollen, bieten die Standards aber auch Best Practice Beispiele der erfahreneren Unternehmen Hilfe, sich einen Überblick über relevante und bei der Berichterstattung zu berücksichtigende Aspekte zu verschaffen. Die Unternehmen erkennen, welche Informationen sie benötigen und können relevante Handlungsfelder identifizieren.45

3.1 Gründe für die Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Motivation für Unternehmen eine Nachhaltigkeitsberichterstattung durchzuführen sind vielfältig und konzentrieren sich nicht allein darauf, dem Druck der Medien oder der Öffentlichkeit zu begegnen. So kann das Unternehmen aus einer systematischen, angemessenen und transparenten Nachhaltigkeitsberichterstattung für sich selbst viele Vorteile ziehen, die nachfolgend beispielhaft erläutert werden.

Vertrauensgewinn, Imagegewinn und Verbesserung des Verhältnisses zu den Stakeholdern: Durch die Befriedigung des Informationsbedürfnisses über die Nachhaltigkeitsleistungen kann ein Unternehmen die Beziehungen zu seinen Stakeholdern verbessern und die Bereitschaft zu einer offenen Kommunika-tion demonstrieren. Bei den Konsumenten entsteht ein größeres Vertrauen in das Unternehmen und seine Produkte, dies trägt zur Kaufentscheidung (Markentreue) bei. Bei den Geschäftspartnern kann die Nachhaltigkeitsberichterstattung beispielsweise die Lieferantenbeziehungen stärken und verbessern oder sich positiv bei der Auftragsvergabe auswirken. Für Anleger bildet die Nachhaltigkeitsberichterstattung eine zunehmend wichtige Entscheidungsgrundlage für Investitionen in das Unternehmen. Zudem berücksichtigen potenzielle Arbeitnehmer zunehmend die sozialen und ökologischen Leistungen bei ihrer Arbeitgeberwahl, so dient die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch der Mitarbeitergewinnung. Für die Mitarbeiter des Unternehmens kann die Vertrauensstärkung zur Identifikation mit dem Unternehmen erhöht, Loyalität aufgebaut und die Motivation gefördert werden.46

Besseres Verständnis der Risiken und Chancen: Das Unternehmen muss sich bei der Analyse zur Nachhaltigkeitsberichterstattung zwangsläufig und regelmäßig mit möglichen sozialen und ökologischen aber auch ökonomischen Risiken ihres Handelns in der gesamten Wertschöpfungskette auseinandersetzen. Erkennt das Unternehmen negative Umwelt-, soziale und ökonomische Auswirkungen, z.B. mangelhafte Arbeits- und Produktionsbedingungen, kann es frühzeitig und effektiv reagieren, um sich daraus ergebende Kosten und Imageverlust zu verhindern. Bei der Auseinandersetzung können auch Chancen aufgedeckt werden, welche sich positiv auf das Unternehmen aber auch auf die Gesellschaft und die Umwelt auswirken.47

Optimierung von Prozessen, Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung: Im Rahmen der Analyse zur Nachhaltigkeitsberichterstattung können Informationen zu den Auswirkungen der einzelnen Handlungen und Vorgehen und damit mögliche Schwachstellen im Unternehmen aufgedeckt werden. Diese Erkenntnisse können zur Verbesserung der Strategien, Prozesse und Produkte eingesetzt werden. Kostensenkungen können beispielsweise durch einen effizienteren Materialeinsatz oder durch die Vermeidung von Risiken generiert werden.48

Benchmarking: Auf Basis von Berichtsstandards sollen Nachhaltigkeitsleistungen vergleichbar gemacht werden. Dies bietet die Möglichkeit zu einem zielgerichteten Vergleich innerhalb des Unternehmens einerseits und mit anderen Unternehmen andererseits, um gemessen am (Branchen-) Besten die eigene Leistungsoptimierung voranzubringen sowie einen Beitrag zur kontinuierlichen Verbesserung zu leisten. So kann das Unternehmen ebenfalls seine Position zu Wettbewerbern intern bestimmen und extern nachweisen.49

Als letzten Punkt zu den Gründen zur Durchführung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung soll die Berichtspflicht über Nachhaltigkeitsleistungen kurz angefügt werden. Beispielsweise neben dem Bilanzreformgesetz (BilReG) von 2004 hat auch das Europäische Parlament im April 2014 eine verpflichtende Offenlegung von Nachhaltigkeitsleistungen beschlossen. Diese Berichtspflicht gilt jedoch nur für große börsennotierte Unternehmen ab 500 Mitarbeitern, nicht für kleine und mittlere Unternehmen.50

Auch wenn mit einer Nachhaltigkeitsberichterstattung Herausforderungen verbunden sind, ist es für ein Unternehmen sinnvoll, sich mit dieser Thematik aktiv auseinanderzusetzen. Dabei dient Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur dazu, glaubwürdig gegenüber den Stakeholdern zu sein, sondern auch dazu, Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmens zu vermitteln.

3.2 Stakeholder und Informationsinteressen

Da Nachhaltigkeitsberichte für verschiedene Stakeholder verfasst werden, sollten daher die zu adressierenden Zielgruppen und deren Informationsinteressen bereits im Vorfeld der Berichterstellung identifiziert und festgelegt werden. Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt eine Übersicht relevanter Stakeholder und deren Informationsinteressen, die in einem Nachhaltigkeitsbericht Berücksichtigung finden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Stakeholder und ihre Informationsinteressen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an IÖW/IMUG (2001), S. 13.

Die Mitarbeiter eines Unternehmens möchten ihre persönliche Lebensqualität wahren und sichern, deshalb stehen Arbeitsplatz- und Einkommenssicherung, Arbeitsbedingungen, Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Gesundheitsschutz im Mittelpunkt ihres Interesses.

Kunden, die sich nachhaltig orientieren, wünschen sich zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse Produkte, die im Einklang mit ihren moralischen und ethischen Ansprüchen stehen, d.h. sie achten beispielsweise insbesondere auf Umweltverträglichkeit, gesundheitlich unbedenkliche Inhaltsstoffe, Qualität und soziale Herstellungsbedingungen. Auch das Image des Unternehmens sollte sich mit ihren Wertvorstellungen decken.

Lieferanten sind an ihrer eigenen Existenzerhaltung interessiert und fordern daher u.a. anderem stabile Liefermöglichkeiten und faire Liefer- und Zahlungsbedingungen. Sie möchten weiterhin sicherstellen, dass ein Unternehmen kein negatives Image in der Öffentlichkeit hat, welches u.U. auf die Lieferanten selbst übertragen werden könnte.

Die Kapitalgeber eines Unternehmens (Anteilseigner, Banken, Gläubiger und Versicherungen) erwarten von Unternehmen eine Wertsteigerung. Aus diesem Grund steht die finanzielle Situation eines Unternehmens mit Informationen u.a. zu Vermögenslage, Kapitalerträgen und Anlagerisiken im Fokus ihres Interesses an einem Nachhaltigkeitsbericht. Anteilseigner wünschen sich zunehmend sozial-ökologisch ausgerichtete Anlagemöglichkeiten.

Die Öffentlichkeit erwartet in einem Nachhaltigkeitsbericht den Nachweis, dass ein Unternehmen die gesellschaftlichen Werte und Moralvorstellungen vertritt. Das unternehmerische Handeln sollte sich durch die Einhaltung von ökologischer Verantwortung (z.B. Umweltschutz) und sozialer Gerechtigkeit (z.B. faire Arbeitsbedingungen) auszeichnen.

Die Informationsinteressen von Politik und Behörden liegen u.a. in der Einhaltung von Gesetzen, Rechtsvorschriften und Normen sowie in der Umsetzung der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Umweltpolitik in einem Unternehmen.

Zu sonstigen Interessensgruppen zählen Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Diese haben zumeist generell ökologische und soziale Anliegen wie Umweltschutz, Klimaschutz sowie auch Arbeitsschutz und Kinderarbeit.51

Ein Unternehmen, das nachhaltig erfolgreich auf dem Markt agieren möchte, sollte die Ansprüche der einzelnen Stakeholder an sein unternehmerisches Handeln kennen und diese im Nachhaltigkeitsbericht kommunizieren können. Die Kenntnis der Stakeholder-Interessen dient der Planung für die langfristige Unternehmensstrategie. Dafür ist der kontinuierliche Austausch und Dialog mit den verschiedenen Stakeholdern notwendig.52

3.3 Ausgewählte Berichtsstandards

National wie international beschäftigt sich eine Vielzahl von Organisationen bzw. Initiativen mit der Erarbeitung von Leitfäden bzw. Standards, um eine glaubwürdige und transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung und insbesondere die Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsberichten zu ermöglichen. In diesem Kapitel werden daher die für diese Arbeit relevanten Leitfäden für die Nachhaltigkeitsberichterstattung der „Global Reporting Initiative“ (GRI) und der „European Federation of Financial Analysts Societies“ (EFFAS) vorgestellt. Die ausgewählten Standards bilden dabei eine wichtige Basis für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem im Kapitel 5 dargestellten Deutschen Nachhaltigkeitskodex.

Anzumerken ist, dass in dieser Arbeit der Berichtsstandard des GRI in der Version G3 bzw. G3.1 behandelt wird, welche bis Ende 2015 Gültigkeit besitzen. Es existiert bereits eine neuere Version G4, auf die der Vollständigkeit halber kurz in Unterkapitel 3.3.1.1 eingegangen wird. Für diese Arbeit ist die Version G3 bzw. G3.1 relevant, da sich der Deutsche Nachhaltigkeitskodex derzeit auf diese Versionen bezieht. Nachfolgend wird auf den Berichtsstandard der GRI eingegangen.

3.3.1 Global Reporting Initiative (GRI)

Die Global Reporting Initiative (GRI) entwickelt seit ihrer Gründung 1997 den weltweit meistgenutzten und branchenunabhängigen Rahmen für die nachhaltigkeitsbezogene Berichterstattung. Dieser Rahmen soll es Unternehmen ermöglichen, die nachhaltigkeitsbezogene Lage und Leistungen zu messen, zu verstehen und zu kommunizieren, um die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse der Stakeholder zu befriedigen.53

Die GRI bezieht Leitlinien von anderen Organisationen und Initiativen ein, wie beispielsweise die Prinzipien des Global Compact, die Guidelines for Multinational Enterprises der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) und den SA8000 der Social Accountability International.54 Der GRI Berichtsrahmen ist kostenlos und frei verfügbar, Unternehmen können diesen Standard unabhängig von deren Größe, Art und Herkunft auf freiwilliger Basis anwenden.

Der GRI-Berichtsrahmen setzt sich aus dem „Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung“ sowie weiteren ergänzenden Dokumenten mit Definitionen, Hinweisen und branchenspezifischen Ergänzungen zusammen (siehe dazu auch nachfolgende Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Zusammensetzung des GRI Berichtsrahmens

Quelle: Eigene Darstellung.

Der GRI Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung enthält u.a. detaillierte Vorgaben und Informationen zu Prinzipien, die dem Transparenzgebot sowie der Qualitätssicherung im Sinne einer ordnungsgemäßen Berichterstattung dienen (Reporting Principles), eine Anleitung nach welcher Art und Weise die Berichterstattung erfolgen soll (Reporting Guidance) und die sogenannten Standardangaben mit ihren Leistungsindikatoren (Standard Disclosures).55

Über die Standardangaben, welche als Mindestanforderungen die Kategorien „Strategie und Profil“, „Leistungsindikatoren“ und „Managementansatz“ umfassen, soll ein Unternehmen die wesentlichen Elemente eines Nachhaltigkeitsberichtes gemäß der GRI beschreiben.

So sind in der Kategorie „Strategie und Profil“ strategische Nachhaltigkeitsthemen, das Nachhaltigkeitsverständnis des Unternehmens, das Organisationsprofil, wichtige Berichtsparameter, Corporate Governance (Grundsätze der Unternehmensführung), die Verpflichtungen und das Engagement darzustellen. Dazu gehören u.a. auch Angaben über die kurz-, mittel- und langfristige Vision und Strategie und wichtige Herausforderungen in Bezug auf die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen bzw. sozialen Leistungen des Unternehmens sowie die Darlegung wichtigster Auswirkungen, Risiken und Chancen.56

Es gibt 84 Leistungsindikatoren, die sich aus 55 Kernindikatoren und 29 Zusatzindikatoren zusammensetzen.57 Die Kernindikatoren sind wesentlich, die Relevanz der Zusatzindikatoren obliegt der Einschätzung durch das Unternehmen. Die Leistungsindikatoren sind in die Hauptgruppen ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Leistungsindikatoren mit jeweiligen Untergruppen unterteilt. Sie sollen vergleichbare und messbare Informationen in den einzelnen Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft/Soziales) über Handlungen und Auswirkungen eines Unternehmens darlegen.58

Die ökonomischen Leistungsindikatoren umfassen dabei Aspekte der wirtschaftlichen Leistung, der Marktpräsenz und der mittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen eines Unternehmens.59 Im Vergleich dazu beziehen sich die ökologischen Leistungsindikatoren auf die Auswirkungen auf Natursysteme infolge unternehmerischen Handelns, beispielsweise durch Energieverbrauch, Materialeinsatz sowie Emissionen.60 Die gesellschaftlichen Leistungsindikatoren betreffen die Auswirkungen auf das Gesellschaftssystem, z.B. hinsichtlich Arbeitspraktiken, menschenwürdiger Beschäftigung, Einhaltung der Menschenrechte und Produktverantwortung.61

Die Kategorie „Managementansatz“ ist den Leistungsindikatoren zugeordnet. Das Management eines Unternehmens soll dabei in der jeweiligen Leistungsindikatorengruppe Ziele und die getroffenen Maßnahmen zu deren Erreichung benennen und auf wesentliche Herausforderungen eingehen.62 Die Managementansätze sollen damit die Herangehensweise einer Organisation an die Themen und die dahinter stehenden Konzepte erkennen lassen.63

Ein Unternehmen muss nicht alle Anforderungen des GRI-Leitfadens erfüllen. So kann das Unternehmen seinen Nachhaltigkeitsbericht in die Anwendungsebenen „A“, „B“ oder „C“ selbst einstufen. Dabei steht der Grad „A“ für den größten Berichtsumfang, d.h. alle Anforderungen des GRI-Leitfadens wurden berücksichtigt. Die Grade „B“ und „C“ beinhalten entsprechend abgestufte Berichtsumfänge. Mit diesen Stufen wird u.a. den verschiedenen Bedürfnissen von Anfängern bis erfahrenen Berichterstellern Rechnung getragen. Findet die Einstufung der Anwendungsebene beispielsweise durch einen Wirtschaftsprüfer statt, wodurch die Glaubwürdigkeit des Berichtes erhöhet werden kann, erfolgt eine weitere Kennzeichnung des Grades, z.B. A+.64

3.3.1.1 Überblick zu aktuellen Neuerungen der GRI

Im Folgenden werden einige wichtige Neuerungen in der Version G4 aufgeführt.

Generell sollen die neuen Richtlinien einfacher zu nutzen sein und ein stärkeres Gewicht auf Wesentlichkeit in der Nachhaltigkeitsberichterstattung legen. Auch wurden neue und aktualisierte Vorschriften in den Bereichen der Unternehmensführung, der Ethik und Integrität, der Korruptionsbekämpfung sowie der Treibhausgasemissionen aufgenommen. Die neuen Richtlinien bestehen nunmehr aus sich ergänzenden „Berichterstattungsprinzipien und Standardangaben“ sowie dem Umsetzungshandbuch. Die Unternehmen können künftig selbst die für sie und ihre Stakeholder relevanten Leistungsindikatoren definieren und bestimmen, wie viele Indikatoren zur Berichterstattung genutzt werden. Die neue Richtlinie beinhaltet 92 Leistungsindikatoren und unterscheidet nicht mehr zwischen Kern- und Zusatzindikatoren.65

Um der wachsenden Bedeutung der Lieferketten Rechnung zu tragen, soll eine Betrachtung von Beginn der Lieferkette bis hin zum fertigen Produkt sowie auch nach Fertigstellung erfolgen. Aus diesem Grund wurden verschiedene Leistungsindikatoren (z.B. Menschenrechte) mit Fragen zur Verantwortung in der Lieferkette erweitert. Weiterhin wurde die neue G4-Version um Indikatoren ergänzt und bereits bestehende Indikatoren überarbeitet. Zudem wurden auch genauere Vorgaben für die Managementansätze entwickelt.66

Bezüglich der Anwendungsebenen wurden die Grade „A“ bis „C“ abgeschafft und durch die Kategorien „core“ und „comprehensive“ ersetzt. So soll "core" für einen Nachhaltigkeitsbericht stehen, welcher einem einfacheren Anspruch genügt und "comprehensive" für einen Bericht, welcher alle Standardangaben und relevanten Indikatoren umfasst.67 Eine mögliche Validierung der Nachhaltigkeitsberichte, die nach dem neuen G4-Standard erstellt werden, bleibt durch unabhängige Dritte (z.B. Wirtschaftsprüfer) erhalten.

3.3.2 European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS)

Das Thema Nachhaltigkeit ist für viele Stakeholder wie Anleger, Investoren und Finanzanalysten ein wichtiges Anlage- und Analysekriterium geworden. Es geht dabei primär um die Identifizierung und Reduzierung von Risiken, z.B. Reputationsrisiken (infolge von umweltschädigenden Produktionspraktiken) eines Investments.

Um insbesondere auch diesen Stakeholdern Rechnung zu tragen und Nachhaltigkeit auch in die Finanzanalyse zu integrieren, hat die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA)68 seit dem Jahr 2007 eine Richtlinie mit Schlüssel- bzw. Leistungsindikatoren sowie Anforderungen der Analysten und Investoren an die Nachhaltigkeitsberichterstattung konti-nuierlich entwickelt.69

Mit Anerkennung und Übernahme der DVFA-Leistungsindikatoren durch den Verband der europäischen Finanzanalysten (EFFAS)70 wurden diese auf europäische Ebene gebracht und erfuhren weitere Verbreitung. Die Leistungsindikatoren der DVFA/EFFAS sind damit europaweit gültig.71

Die Unternehmen sollen die Leistungsindikatoren der DVFA/EFFAS bei ihrer Berichterstattung einfließen lassen, um ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung zu systematisieren, transparent und vergleichbar zu machen. So kann ein Unternehmen mit Hilfe der Leistungsindikatoren ein Benchmark durchführen, um die eigene Leistungsoptimierung voranzubringen.72

Die Schlüssel-/Leistungsindikatoren, auch „Key Performance Indicators“73 genannt, beziehen sich dabei auf die Bereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Ecological, Social, Governance), kurz: ESG und bilden in dieser Verbindung die KPI-ESG74. Mit Hilfe der KPI-ESG sollen Nachhaltigkeitsaspekte quantifiziert und die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen gewährleistet werden.75

Der Fokus des DVFA/EFFAS-Rahmenwerks für die Nachhaltigkeitsberichterstattung liegt dabei in der Quantifizierung von Informationen, also auf Zahlen. Standardangaben des Unternehmens wie dessen Vision, Strategie, Management und Ziele müssen nicht angegeben werden.76

Das DVFA/EFFAS-Rahmenwerk enthält eine Einführung in das Konzept für die Anwendung der KPI-ESG zur Berichterstattung der Unternehmen und Listen von KPI-ESG für verschiedene Sektoren bzw. Branchen. Weiterhin enthält das Rahmenwerk Prinzipien für eine ordnungsgemäße Berichterstattung. Zentrale Bestandteile des DVFA/EFFAS-Rahmenwerks sind die Leistungsindikatoren, welche nach Sektoren, beispielsweise Industrie („Industrials“) und den dazugehörigen Untersektoren, beispielsweise Luft- und Raumfahrt („Aerospace“), Eisenbahnen („Railroads“), Container und Verpackungen („Containers & Packaging“) etc. angegeben werden.77 Die Indikatoren betreffen dabei die unternehmerischen Leistungen und Auswirkungen, z.B. hinsichtlich der Aspekte zur Umweltverträglichkeit, zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen, zur Gesundheit und Sicherheit von Produkten, zur Kundenzufriedenheit, zu Fehlerquoten bei Mitarbeitern, zu Belegschaftsänderungen aufgrund von Umstrukturierungen aber auch zum Umsatzanteil neuer Produkte.78

Bei der Berichterstattung nach DVFA/EFFAS hat ein Unternehmen die Wahl zwischen drei Berichtstiefen (Scope 1-3). Im „Entry Level 1“ (Einstiegsebene) stellt ein Unternehmen in seiner Berichterstattung die Aspekte Umwelt, Soziales und Unternehmensführung mit einem Minimum an KPI-ESG dar. In dieser Berichtstiefe bestehen für alle Sektoren dieselben Leistungsindikatoren, erst mit den nächsten Berichtstiefen „Midlevel 2“ (mittlere Ebene) und „High Level 3“ (hohe Ebene) erfolgen sektorspezifische Leistungsindikatoren mit einer höheren Anzahl an KPI-ESG. Diese stellen somit auch höhere Anforderungen an die Berichtserstattung dar.79

Die Unternehmen können diesen Standard auf freiwilliger Basis anwenden. Weiterhin steht der DVFA/EFFAS-Berichtsstandard kostenlos allen Interessierten zur Verfügung.

4 Rat für Nachhaltige Entwicklung

Die Bundesregierung verfolgt eine Nachhaltigkeitspolitik, in der ökologische, soziale und ökonomische Belange gleichberechtigt Berücksichtigung finden sollen. Zur Beratung, Unterstützung und Weiterentwicklung dieser Nachhaltigkeitsstrategie wurde der Rat für Nachhaltige Entwicklung, auch als Deutscher Nachhaltigkeitsrat bezeichnet, erstmals im Jahr 2001 berufen. Die Ratsmitglieder sind derzeit 15 Personen des öffentlichen Lebens, die im Auftrag der Bundesregierung im Austausch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stehen. Zu den Aufgaben des Rates gehören die Entwicklung von Beiträgen zur Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Bestimmung und Ausarbeitung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie der Auftrag, das öffentliche Bewusstsein über Nachhaltigkeit zu stärken.80

5 Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex

Als nationaler Beitrag zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in Unternehmen wurde der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) vom Deutschen Nachhaltigkeitsrat im Jahr 2011 veröffentlicht. Der DNK bildet dabei ein Instrument für die verbindliche, transparente und vergleichbare Darstellung von Nachhaltigkeitsleistungen in der Berichterstattung der Unternehmen.81 Weiterhin dient der Kodex Unternehmen als Unterstützung, ihre Geschäftstätigkeit an den Prinzipien der Nachhaltigkeit auszurichten, auszubauen und zu kommunizieren, indem er Mindestanforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens definiert. Darüber hinaus soll der Kodex es Analysten und anderen Stakeholdern erleichtern, sich über die Nachhaltigkeitsleistungen eines Unternehmens in den Themenbereichen Umwelt, Gesellschaft sowie Unternehmensführung zu informieren und die Leistungen beispielsweise hinsichtlich Chancen und Risiken zu bewerten.82

Als ein auf freiwilliger Basis und im Rahmen der Selbstauskunft zu verwendendes Instrument steht der DNK nicht nur allen Unternehmen jeder Größe und Branche zur Anwendung offen, sondern kann auch von NGOs, Gewerkschaften, Stiftungen, Wissenschaftsorganisationen und Medien eingesetzt werden.83

Im Zuge der Berichterstattung erstellen die Unternehmen eine Entsprechenserklärung84 als Dokumentation bzw. können sich zur Erfüllung des DNK die bereits vorhandene Berichterstattung nach GRI (A+) oder EFFAS (Level III) anerkennen lassen. Es erfolgt eine Veröffentlichung auf der Internetseite des RNE und DNK. Die eigene Veröffentlichung im Nachhaltigkeitsbericht und auf der Internetseite der Unternehmen ist ebenfalls möglich. Eine Bestätigung und Prüfung der Berichtsinhalte gemäß DNK durch unabhängige Dritte ist nicht erforderlich, wird aber vom RNE empfohlen, um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen.85

Zum besseren Verständnis des DNK wird in den nachfolgenden Unterkapiteln auf dessen Aufbau und Inhalt, dessen Nutzen für Unternehmen sowie auf dessen Darstellungsform der Nachhaltigkeitsleistungen genauer eingegangen. Wie bereits zu Beginn der Arbeit erwähnt, wird der DNK aktuell vom RNE überarbeitet. Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich daher auf die derzeit gültige DNK-Version von 2012. Zur Vollständigkeit wird in Unterkapitel 5.5 kurz auf den vom RNE aktualisierten DNK-Entwurf eingegangen.

5.2 Aufbau und Inhalt

Der DNK baut inhaltlich auf den internationalen Prinzipien des UN Global Compact, den OECD Richtlinien für multinationale Unternehmen und den Leitfaden ISO 26.000 sowie instrumentell auf den Berichterstattungsstandards GRI in der Version G3.1 und EFFAS auf.86

Der „Leitfaden“ zum DNK enthält u.a. die einzelnen Berichtskriterien und Leistungsindikatoren. Das berichtende Unternehmen muss in 20 Kriterien zu seiner nachhaltigkeitsbezogenen Lage, zu Auswirkungen und Leistungen in einer Entsprechenserklärung Stellung nehmen. Darüber hinaus müssen in den Kriterien je bis zu zwei Leistungsindikatoren (Key Performance Indicators) der GRI oder der EFFAS zu den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) angegeben werden.87 Mit Hilfe der Leistungsindikatoren werden eine Quantifizierung, Bewertbarkeit und Vergleichbarkeit der Daten sichergestellt.88 Die Unternehmen können dabei entscheiden, ob sie nach den Leistungsindikatoren der GRI oder EFFAS berichten, müssen diese Systematik jedoch beibehalten.

Die folgende Abbildung 4 gibt einen Überblick zu den Inhalten des DNK.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zusammensetzung des DNK

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zwick (2013), S. 5.

Die Kriterien sind in die Kategorien Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft unterteilt. Zur Kategorie Strategie zählen beispielsweise Auskünfte über die strategische Positionierung bezüglich Nachhaltigkeit im Unternehmen, über verfolgte Nachhaltigkeitsziele und wie ein Unternehmen sein Handeln hinsichtlich Chancen und Risiken bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung analysiert.89

Für die Kategorie Prozessmanagement fordert der DNK die Offenlegung von Informationen zu den Themen Regeln und Prozesse, Anreizsysteme, Stakeholder Management sowie Innovations- und Produktmanagement. Beispielsweise soll das Unternehmen hier diejenigen Regeln und Prozesse behandeln, mit denen Nachhaltigkeit umgesetzt wird.90

In der Kategorie Umwelt soll das Unternehmen Angaben über die Inanspruchnahme von natürlichen Ressourcen und den Treibhausgasemissionen machen. Dazu legt das Unternehmen beispielsweise offen, wie das Nachhaltigkeitsmanagement den Produktlebenszyklus bei der Analyse des Ressourcenverbrauchs berücksichtigt und beschreibt Ziele u.a. für mehr Ressourceneffizienz.91

Im Bereich Gesellschaft wird das Unternehmen aufgefordert, Angaben zu Arbeitnehmerrechten und Diversity, Menschenrechten, Gemeinwesen, politischer Einflussnahme und Korruption zu machen. Dabei muss das Unternehmen z.B. darlegen, welche Strategien zur Wahrung der Menschenrechte, Chancengleichheit und des Gesundheitsschutzes bestehen und mit welchen Maßnahmen diese Umsetzung finden.92

Die entsprechenden Angaben zu Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft sollen mit insgesamt 27 Leistungsindikatoren nach GRI bzw. 19 Leistungsindikatoren nach EFFAS untermauert werden. Diese sollen u.a. über die wichtigsten Auswirkungen, Risiken und Chancen, die Erhöhung der Öko-effizienz beim Kunden, Gesamtwasserentnahmen, Emissionen sowie durchschnittliche Arbeitszeiten Auskunft geben.93

Weiterhin sind ebenfalls branchenspezifische Anpassungen und Ergänzungen des DNK durch die Unternehmen möglich, um den DNK auf die Unternehmensbedürfnisse zu spezifizieren. So kann beispielsweise eine Erweiterung des DNK durch branchenspezifische Leistungsindikatoren erfolgen. In Abhängigkeit vom einbezogenen Berichtsstandard GRI oder EFFAS muss hierbei auf die branchenspezifischen Ergänzungen (Sector Supplements) der GRI oder auf die sektorspezifischen Leistungsindikatoren der EFFAS zurückgegriffen werden.94

5.3 Nutzen für Unternehmen

Grundsätzlich kommen bei der Anwendung des DNK im Unternehmen auch diejenigen Vorteile bzw. Nutzen zum Tragen, die bereits im Kapitel 3.1 angeführt wurden. So können Unternehmen, die den DNK anwenden und ihre Nachhaltigkeitsleistungen und ihr Engagement in der Entsprechenserklärung offenlegen, Vertrauen bei den Stakeholdern aufbauen und diese für Nachhaltigkeitsaspekte hinsichtlich ihrer Produkte und Dienstleistungen sensibilisieren. Darüber hinaus kann das Unternehmen, in einer auf Nachhaltigkeit orientierten Beschaffung, über die Erfüllung des DNK als Auswahlkriterium neue Aufträge generieren. Die Anwendung des DNK bietet Unternehmen auch die Möglichkeit, die Berichterstattung über die Entsprechenserklärung um branchenspezifische Aspekte und Detailinformationen zu ergänzen, um sich so beispielsweise am Markt von anderen Teilnehmern abzuheben.95

Unternehmen haben mit einer erhöhten Transparenz durch die Anwendung des DNK einen besseren Wissensstand über mögliche Chancen und Risiken, so dass sie differenzierter vorausplanen und zielgerichteter handeln können. Weiterhin kann mit dem Wissen um Chancen und Risiken die Differenzierung am Markt unterstützt werden, z.B. durch neue Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung.96

[...]


1 Glück (2011), S. 1.

2 Vgl. Kanning (2013), S. 25 f.

3 Vgl. Behringer et al. (2011), S. 15.

4 Vgl. Geiss et al. (2003), S. 61.

5 Vgl. Hoppe (2006), S. 105.

6 Der Brundtland-Bericht ist nach der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland benannt, die in dieser Kommission den Vorsitz hatte.

7 Vgl. Hauff, M. et al. (2009), S. 6 f.

8 Hauff, V. (1987), S. 46.

9 Hierbei verpflichteten sich die 178 Teilnehmerstaaten, ohne Rechtsverbindlichkeit, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in ihr politisches Handeln, unter Einbindung von Gesellschaft und Wirtschaft, zu integrieren. Vgl. Grunwald et al. (2012), S. 25 ff.

10 Mit der Agenda 21 wurden unter Berücksichtigung der verschiedenen Voraussetzungen der Industrie- und Entwicklungsländer Ziele, mögliche Maßnahmen und Instrumente für die Umsetzung des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung aufgezeigt.

11 Vgl. Hoppe (2006), S. 114.

12 Die Bundesregierung (2012), S. 27.

13 Ebenda.

14 Vgl. Grunwald et al. (2012), S. 11.

15 Merkel (2008), S. 11.

16 Vgl. Enquete-Kommission (1998), S. 26.

17 Vgl. Boms (2008), S. 91 f.

18 Vgl. Grunwald et al. (2012), S. 54 f.

19 Vgl. Boms (2008), S. 93 f.

20 Vgl. Grothe (2006), S. 32.

21 Vgl. Rogall (2000), S. 100.

22 Grothe (2006), S. 32.

23 Vgl. Jonker (2011), S. 86.

24 Grünbuch (2001), S. 7.

25 Vgl. Europäische Kommission (2011), S. 7.

26 In der vorliegenden Arbeit wird zur Wahrung der Übersichtlichkeit und besseren Lesbarkeit die männliche Schreibweise verwendet, damit ist auch die entsprechende weibliche Form gemeint.

27 Vgl. Balderjahn (2013), S. 87.

28 Vgl. Balderjahn (2013), S. 94 f.

29 Stakeholder können Personen oder Interessensgruppen sein, wie z.B. Anleger, Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer, staatliche und gesellschaftliche Gruppen sowie Rating-Agenturen, welche ein Interesse an einem Unternehmen haben bzw. von den unternehmerischen Tätigkeiten betroffen sind. Vgl. Thommen (2014), http://wirtschaftslexikon.gabler.de.

30 Vgl. Grothe et al. (2012), S. 26.

31 Vgl. Schaltegger et al. (2007), S. 3.

32 Vgl. Schaltegger et al. (2007), S. 11 ff.

33 In Unternehmen wird damit die Anerkennung der Unterschiedlichkeit der Mitarbeiter (z.B. aufgrund von Geschlecht, Alter, Religion, Herkunft, sexueller Orientierung, Behinderungen) beschrieben.

34 Vgl. ebenda, S. 15 f.

35 Vgl. ebenda, S. 12.

36 Vgl. Schaltegger et al. (2007), S. 4.

37 Vgl. GRI (2000-2006), S. 5.

38 Vgl. Herzig et al. (2013), S. 336 f.

39 Vgl. Burschel et al. (2004), S. 556.

40 Vgl. Herzig et al. (2013), S. 336.

41 Vgl. BMU (2009), S. 6.

42 Vgl. Gebauer (2012), S. 182.

43 Vgl. Burschel et al. (2004), S. 562; PWC (2010), S. 27.

44 Vgl. Gebauer (2012), S. 184 f.

45 Vgl. Zukunftswerk (2012-2014), http://www.zukunftswerk.org.

46 Vgl. Fifka (2014), S. 11 f.

47 Vgl. Fifka (2014), S. 11 f.

48 Vgl. ebenda.

49 Vgl. PWC (2010), S. 25.

50 Vgl. Europäische Kommission (2014), http://ec.europa.eu.

51 Vgl. Aachener Stiftung Kathy Beys (2014a), http://www.nachhaltigkeit.info.

52 Vgl. Leitschuh-Fecht (2007), S. 607.

53 Vgl. Burschel (2004) S. 564 f.

54 Vgl. Lackmann (2010), S. 41.

55 Vgl. GRI (2000-2006), S. 5 und 19.

56 Vgl. GRI (2000-2006), S. 19 ff.

57 Vgl. GRI (2000-2011), S. 26-39.

58 Vgl. GRI (2000-2006), S. 39.

59 Vgl. ebenda, S. 25.

60 Vgl. ebenda, S. 27.

61 Vgl. ebenda, S. 29 - 36.

62 Vgl. Lackmann (2010), S. 69.

63 Vgl. GRI (2000-2006), S. 19.

64 Vgl. ebenda, S. 5.

65 Vgl. 360report (2013), http://www.360report.org.

66 Vgl. 360report (2013), http://www.360report.org.

67 Vgl. ebenda.

68 Die DVFA ist der Berufsverband der Investment Professionals (professionelle Kapitalanleger) in Deutschland.

69 D`heur (2014), S. 81; Aachener Stiftung Kathy Beys (2014b), http://www.nachhaltigkeit.info.

70 Die EFFAS (European Federation of Financial Analysts Societies) ist ein Zusammenschluss von europäischen Analysten-Vereinigungen und vertritt deren Interessen.

71 D`heur (2014), S. 81.

72 Bolwin (2008), http://www.jp-kom.de.

73 Key Performance Indicators sind Schlüsselkennzahlen, welche die unternehmerische Leistung widerspiegeln. Mit ihnen lassen sich komplexe Sachverhalte vereinfacht als Zahlenwert darstellen und dadurch vergleichbar machen.

74 KPI-ESG: Key Performance Indicators for Environmental, Social and Governance Issues.

75 Aachener Stiftung Kathy Beys (2014b), http://www.nachhaltigkeit.info.

76 Vgl. Burckhardt (2012), S. 16.

77 Vgl. DVFA/EFFAS (2010), S. 7 ff.

78 Aachener Stiftung Kathy Beys (2014c), http://www.nachhaltigkeit.info.

79 Vgl. DVFA/EFFAS (2010), S. 15.

80 Vgl. RNE (2014a), S. 1 f.

81 Vgl. RNE (2012), S. 6.

82 Vgl. ebenda, S. 17.

83 Vgl. RNE (2012), S. 3.

84 Die Entsprechenserklärung wird auch in der Literatur als Entsprechungserklärung bezeichnet.

85 Vgl. RNE (2012), S. 3.

86 Vgl. ebenda, S. 17.

87 Vgl. RNE (2013), S. 1.

88 Vgl. RNE (2012), S. 6-15; RNE (2013), S. 1.

89 Vgl. RNE (2012), S. 6 f.

90 Vgl. RNE (2012), S. 7 ff.

91 Vgl. ebenda, S. 11.

92 Vgl. ebenda, S. 12 ff.

93 Vgl. ebenda, S. 6-15.

94 Vgl. RNE (2012), S. 22.

95 Vgl. Zwick (2014), S. 245 f.

96 Vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex und seine Bedeutung innerhalb der Nachhaltigkeitsberichterstattung
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Veranstaltung
Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
112
Katalognummer
V308219
ISBN (eBook)
9783668068216
ISBN (Buch)
9783668074514
Dateigröße
2514 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
mit Auszeichung und Nominierung durch INa-Nachhaltigkeits-Award 2015
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Sustainability, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Berichterstattung, Deutscher Nachhaltigkeitskodek, DNK, GRI, EFFAS, Nachhaltigkeitsmanagement, CSR, sustainability reporting
Arbeit zitieren
Marko Warlich (Autor), 2014, Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex und seine Bedeutung innerhalb der Nachhaltigkeitsberichterstattung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308219

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