Eine Vergleich der Legendendarstellung von Konstantins „Vision an der Milvischen Brücke“. Erleuchteter Christ oder politischer Stratege?


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1 Vorbemerkung

2 Konstantin und die Religion

3 Konstantins „Vision“ an der Milvischen Brücke und der Sieg über Maxentius
3.1 Die Darstellung von Eusebios de Kaisareia.
3.2 Die Darstellung von Lactantius
3.3 Die Darstellung von Zosimos

4 Vergleich

5 Fazit

6 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Vorbemerkung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den Umständen des Sieges des römischen Kaisers Konstantin des Großen über Maxentius am 28. Oktober 312 n. Chr. an der Milvischen Brücke und den, mit diesem Ereignis einhergehenden Überlieferungen von Eusebios von Kaisareia in der vita constantini1 und Lactantius in de mortibus persecutorum2, welche die vielleicht meistdiskutierten Quellen für dieses Ereignis sind. Die heidnische Sichtweise in dieser Arbeit soll durch Zosimos nea historia vertreten werden3, welche sich durch ihren außerordentlich guten Überlieferungs- zustand auszeichnet.

In der Schlacht wurde zum Einen das Ende der Tetrarchie besiegelt und zum Anderen Konstantin I. zum alleinigen Herrscher des römischen Westreichs. Jedoch soll auf die Schlacht selbst nur am Rande eingegangen werden. Vielmehr soll die Legende um die „Vision“ Konstantins am Vorabend der Schlacht untersucht werden. Schließlich wird die Konstantinische Wende als die prägende Wendung in der antiken Religionsgeschichte angesehen.

Ein nicht unerhebliches Problem stellt bei der Untersuchung die Überlieferungssi- tuation dar. De mortibus persecutorum „ist so schlecht bezeugt und überliefert, daß sich die Autorschaft des Laktanz nicht sicher nachweisen lässt“4, jedoch geht man heute im Allgemeinen von seiner Autorschaft aus.5 Das Werk ist jedoch eine „prochristliche, tendenziöse, gleichwohl unverzichtbare Darstellung der Tetrarchie und der Frühzeit des Kaiser Konstantin“6 und darf deshalb nicht außer Acht gelas- sen werden.

Die vita constantini, eine Kaiserbiographie des Bischofs Eusebios, wurde zur „Verherrlichung Konstantins“7 geschrieben. Er überliefert eine Reihe von glaub- haften, originalen Dokumenten; die von ihm selbst Bezeugten Ereignisse sind hin- gegen mit großer Vorsicht zu lesen. Denn wenngleich er unmittelbaren Kontakt zu Konstantin hatte, sind seine Darstellungen mitunter stark gefärbt.8 Letzten Endes kann man über die vita constantini kein pauschales Urteil der Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit fällen; die konkrete Textstelle muss analysiert werden. Die nea historia des oströmischen Finanzbeamten Zosimos offenbart in ihrer Dar- stellung ein durchweg negatives Konstantinbild9 und soll gewissermaßen als Ge- genpol zur Lobpreisung in der vita constantini untersucht werden. Der Text ist aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts und damit vergleichsweise spät überliefert.

Die Schilderungen der sogenannten „Vision“ werden in der Forschung seit langem intensiv diskutiert. Bis heute sind hierzu unzählige Bücher und Aufsätze veröf- fentlicht worden. Aus diesem Grund und in der Bemühung um Knappheit, kon- zentriert sich diese Analyse besonders auf die Abwägung der Glaubhaftigkeit der eingangs genannten Quellentexte, um nicht bloß Bekanntes zu referieren; es wer- den jedoch die einschlägigen Interpretationen berücksichtigt. Da das Sichten der Literatur zu diesem Thema allein einen Aufsatz füllen könnte, wird sich hier ins- besondere auf die Arbeiten von Bleicken, Brandt, Bringmann und Girardet bezo- gen.

Eine der zentralen, aber auch naheliegenden Fragen, welche die Quellen aufwirft, ist, inwiefern die Schilderung der Vision unter der Berücksichtigung von Konstan- tins religiöser Vorgeschichte glaubhaft ist oder ob sie als Legende abgetan werden kann und ob sie als Erklärung für sein späteres religionspolitisches Handeln gese- hen werden kann. Um diese Fragen zu beantworten wird zunächst Konstantins Verhältnis zum Glauben bis 312 n. Chr. beleuchtet. Anschließend folgt eine ge- naue Analyse und Interpretation der Quellentexte. Um zu einer abschließenden Bewertung zu kommen, werden die Darstellungen miteinander verglichen.

2 Konstantin und die Religion

Die meisten Veröffentlichungen zu Konstantin und dem Kampfgeschehen an der Milvischen Brücke, setzen sich nicht nur mit den Überlieferungen zu dem konkre- ten Ereignis auseinander, sondern seit Jakob Burckhardt auch mit der Frage, in- wiefern Konstantins persönliche Haltung gegenüber der Religion die Schilderun- gen glaubhaft untermauert, inwiefern Konstantins persönliche Religion seine Handlungen erklären kann.10 Vorab muss allerdings festgehalten werden, dass es nicht möglich ist, präzise Motive des Denkens und Handelns Konstantin herauszu- arbeiten, so lange man die Komplexität derselbigen anerkennt. Im Folgenden soll zusammengetragen werden, welche Ansichten über Konstantins Glauben der aktu- elle Forschungsstand hergibt, um diese anschließend als Deutungshilfe für die Quellen verwenden zu können.

1998 charakterisiert Ekkehard Mühlenberg den Forschungsstand und zeigt einen Konflikt in der Interpretation der Konstantinischen Wende auf. Sie wird einerseits als überflüssig bewertet, mit der Begründung Konstantin quasi als Christ geboren und deswegen sei keinerlei Wende vonnöten gewesen. Andererseits wird argu- mentiert, Konstantin sei schlichtweg nie Christ gewesen.11 Einigkeit besteht in den 1980er und 1990er Jahren allerdings nicht einmal in dem Punkt der Überflüssig- keit der sogenannten Konstantinischen Wende. Jochen Bleicken rekurriert in sei- ner Argumentation unter anderem auf Jakob Burckhardt, wenn er feststellt, eine Bekehrung Konstantins um 312 sei aus den Quellen schlichtweg nicht zu bewei- sen und könne ebenfalls nicht als Erklärung für seine späteren, religionspoliti- schen Entscheidungen herangezogen werden; seine Hinwendung zum Christentum habe rein machtpolitische Gründe.12 Drei Jahre später widerspricht Bringmann ihm in seiner Beweisführung, dass alle (Selbst-) Zeugnisse Konstantins auf eine Hinwendung zum Christentum in den Jahren 312/13 deuten und nicht als bloße politische Maßnahme abzutun seien.13

Brandt argumentiert 2006 in seiner Konstantin-Biographie erneut mit dem Fehlen stichhaltiger Überlieferungen bei Lactantius und Eusebios für den Christenglau- ben Konstantins vor dem Jahre 312 und stellt fest, dass Konstantin sich 311 „auch in seiner inneren Haltung bestenfalls auf dem Wege zum Christentum befunden [habe], und im Rückblick mag mancher seine jetzt noch deutlich dominierende Neigung zu einer Art solarem Monotheismus tatsächlich als Station auf diesem Weg zur christlichen Wende werten wollen.“14 Girardet äußert sich in „Die Kon- stantinische Wende“15 und „Der Kaiser und sein Gott“16 dahingehend, dass sich ein privates oder staatliches Christentum nicht beweisen lasse. Rosen bemerkt 2013 in einem Kapitel über die „Religiösen Begleiterscheinungen“, wie er die „Vision“ Konstantins nennt, ähnliches; dessen Handeln sei „bestenfalls Ausdruck seines Monotheismus“17 gewesen.

Es bleibt also festzustellen, dass der Streit um die Stichhaltigkeit der Beweise für eine Hinwendung zum Christentum Konstantins vor 312 bis heute nicht beigelegt ist. Vor diesem Hintergrund bleibt es nur übrig, sich der Quellen selbst zu verge- wissern.

[...]


1 Eus. v.c. 1,27-38.

2 Lact. m.p. 44, 1-9.

3 Zos. Hist. 2, 29.

4 LACTANTIUS, LUCIUS CAECILIUS FIRMIANUS: De mortibus persecutorum, Die Todesarten der Verfolger, Latein - Deutsch (Fontes Christiani, Bd. 43), Turnhout 2003, S. 8. Im Folgenden: LACTANTIUS, De mortibus persecutorum, 2003.

5 LACTANTIUS, De mortibus persecutorum, 2003, S. 10.

6 BRANDT, Konstantin der Große, 2006, S. 24.

7 KEIL, VOLKMAR: Quellensammlung zur Religionspolitik Konstantins des Großen (Texte zur Forschung, Bd. 54), Darmstadt 1989, S. 14. Im Folgenden: KEIL, Quellensammlung zur Religionspolitik Konstantins des Großen, 1989.

8 Vgl. KEIL, Quellensammlung zur Religionspolitik Konstantins des Großen, 1989, S. 15.

9 Vgl. BRANDT, Konstantin der Große, 2006, S. 25.

10 Vgl. KEIL, Quellensammlung zur Religionspolitik Konstantins des Großen, 1989, S. 16.

11 Vgl. MÜHLENBERG, EKKEHARD (HRSG.): Die Konstantinische Wende, Gütersloh 1998, S. 18- 21. im Folgenden: MÜHLENBERG, Die Konstantinische Wende, 1998.

12 Vgl. BLEICKEN, JOCHEN: Constantin der Große und die Christen, Überlegungen zur konstantinischen Wende, in: HZ Beiheft 15 (1992), S. 64-66. Im Folgenden: BLEICKEN, Constantin der Große und die Christen, 1992.

13 BRINGMANN, KLAUS: Die konstantinische Wende, Zum Verhältnis von politischer und religiöser Motivation, in: HZ 260 (1995), S. 44-47. Im Folgenden: BRINGMANN, Die Konstantinische Wende, 1995.

14 BRANDT, Konstantin der Große, 2006, S. 41.

15 GIRARDET, KLAUS MARTIN: Die konstantinische Wende: Voraussetzungen und geistige Grundlagen der Religionspolitik Konstantins des Großen, Darmstadt 2006. im Folgenden: GIRARDET, Die konstantinische Wende, 2006.

16 GIRARDET, KLAUS MARTIN: Der Kaiser und sein Gott: das Christentum im Denken und in der Religionspolitik Konstantins des Großen, Berlin [u.a.] 2010. Im Folgenden: GIRARDET, Der Kaiser und sein Gott, 2010. Im Folgenden: GIRARDET, Der Kaiser und sein Gott, 2010.

17 ROSEN, KLAUS: Konstantin der Große, Kaiser zwischen Machtpolitik und Religion, Stuttgart 2013, S. 147. Im Folgenden: ROSEN, Konstantin der Große, 2013.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Eine Vergleich der Legendendarstellung von Konstantins „Vision an der Milvischen Brücke“. Erleuchteter Christ oder politischer Stratege?
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Das Zeitalter Konstantins
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V308690
ISBN (eBook)
9783668073555
ISBN (Buch)
9783668073562
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstantin der Große, Religion, Christentum;, Milvische Brücke, Schlacht, Krieg, Überlieferung, Antike, Kaiser, de vita constantini, nea historia, De mortibus persecutorum, lactanz, zosimos, euseb, eusebius von caisearea, Politik, Legende
Arbeit zitieren
Birte Katrin Jensen (Autor), 2015, Eine Vergleich der Legendendarstellung von Konstantins „Vision an der Milvischen Brücke“. Erleuchteter Christ oder politischer Stratege?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/308690

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