Die deutsche Zuwanderungspolitik vor neuen Herausforderungen. Zukunftsfähig oder reformbedürftig? (Grundkurs, 11. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2015

50 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse

2. Didaktische Analyse
2.2 Bedingungsfelderanalyse
2.3 Lehrplanbezug
2.4 Grobplanung der Unterrichtsreihe
2.5 Didaktische Begründung
2.6 Methodische Begründung
2.7 Lernziele/Kompetenzförderung nach dem GPJE-Modell

3. Feinplanung Doppelstunde

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang: Schülermaterial

1. Sachanalyse

Schon seit Wochen und Monaten steht die Problematik der Zuwanderung nach Europa und explizit nach Deutschland im Zentrum der Berichterstattungen der Medien. Täglich erreichen uns Bilder und Aufnahmen von überfüllten Flüchtlingslagern und gewaltsamen Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte sowie von politischen Debatten, wie mit den horrenden Zuwanderungszahlen umgegangen werden soll. Die Zahlen neuer Migranten und Flüchtlingen steigt dabei täglich und wirft die Frage auf, ob das aktuelle Zuwanderungsgesetz dem aktuellen Zustand der Zuwanderungsproblematik gewappnet ist. Vor diesem Hintergrund verbreiten sich zahlreiche Gerüchte, Vorurteile sowie fehlerhafte Darstellungen der eigentlichen Faktenlage, was die Einstellung der deutschen Gesellschaft bezüglich der Zuwanderungsproblematik maßgeblich beeinflusst.

Betrachtet man sich die aktuelle Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes (Mikrozensus 2014), so wird deutlich, dass insgesamt 16,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland leben. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 20,3 % der Gesamtbevölkerung, wobei es jedoch anzumerken gilt, dass 56% aller Personen mit Migrationshintergrund bereits einen deutschen Pass besitzen.[1] Berechnet man nun den Wanderungsgewinn, der sich aus dem Saldo der Zu- und Fortzügen ergibt, als auch die Geburtenrate (Saldo aus Geburten und Sterbefällen) sowie die Zahlen der Einbürgerungen, wird deutlich, dass die Zahl an Ausländern in Deutschland im Vergleich zu dem Jahr 2013 um + 519.300 angestiegen ist. Dabei stammen nach den Angaben des Mikrozensus 2014 über 60% der zugewanderten Personen aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (+ 306.700). Allerdings gibt es auch einen deutlichen Zuwachs an Nicht-Europäern zu verzeichnen.

Deren Anteil ist im Vergleich zum Jahr 2013 um 5% angestiegen und kann mit insgesamt 212.600 zugewanderten Menschen festgelegt werden. Insgesamt wurden im Jahr 2014 +1,19 Millionen Menschen in das Zuwanderungsregister aufgenommen. Dies sind +221.800 mehr Menschen als noch im Jahr 2013.[2] Aufgrund der aktuellen Asylproblematik und der ständigen Präsenz von unfassbaren Bildern, mit Menschen in völlig überfüllten Booten, Zügen und Lastern, muss bei der Zuwanderungsdebatte explizit auf die Asylbewerber eingegangen werden. Nach den Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wurden in dem bisherigen Berichtsjahr 2015 insgesamt 195.723 Asyl-Erstanträge entgegen genommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 83.964 Erstanträge, woraus deutlich wird, dass es mehr als eine Verdopplung der Zugänge (+133,1%) im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen gilt. Auch die Zahl der Folgeanträge hat sich im bisherigen Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahreswert (13.129 Folgeanträge) um 71,4% auf 22.498 Folgeanträge erhöht. Damit sind insgesamt 218.221 Asylanträge im bisherigen Jahr 2015 beim Bundesamt eingegangen. Vergleicht man die Zahl mit dem Vorjahreswert mit insgesamt 97.093 Asylanträgen, so wird deutlich, dass sich die Antragszahlen mehr als verdoppelt haben (+124,8%).[3]

Betrachtet man sich den Bildungsstand der Menschen mit Migrationshintergrund, so wird deutlich, dass 43,7% der seit dem Jahr 2011 zugewanderten Menschen einen Hochschulabschluss bzw. Meistertitel oder Ähnliches besitzen. Gleichzeitig haben jedoch auch 27,8% der Zugewanderten keinen Berufsabschluss. Vergleicht man die Zahlen mit den Menschen ohne Migrationshintergrund, so liegt deren Anteil bei lediglich 9,1%. Allerdings lässt sich auch eine „neue Migrationselite“ manifestieren, die sich derzeit aus den Neuzuwanderern ergibt, die von der Wirtschafts-und Finanzkrise besonders betroffen sind. Insbesondere gilt es die Südeuropäer wie zum Beispiel Spanier, Griechen, Italiener oder auch Portugiesen zu nennen, die aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nach Deutschland auswandern. Dabei liegt der Anteil dieser Menschen, die mindesten die Hochschulreife besitzen, bei 68%.[4]

Wirft man einen Blick auf die Altersstruktur der deutschen Gesellschaft und vergleicht diese mit dem Altersaufbau der zugewanderten Bevölkerung, so wird deutlich, dass besonders die Altersgruppe der 30 – 45-Jährigen in Deutschland, aus deutlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund besteht.[5] Anhand dieses Befundes wird die Wichtigkeit der Zuwanderung für die Bundesrepublik und dabei explizit für die deutsche Wirtschaftskraft deutlich. Aus wirtschaftlicher Perspektive bestehen Befürchtungen des Fachkräftemangels, weshalb gut ausgebildete ausländische Fachkräfte unbedingt benötigt werden, um den Fachkräftebedarf auf dem Arbeitsmarkt decken zu können. Als kritisch wird dabei besonders der demographische Wandel in Deutschland angesehen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit wird bis zum Jahr 2025 mit einem Rückgang des Erwerbspersonenpotentials von 6,5 Millionen Menschen gerechnet.[6] Dadurch steigt der zukünftige Bedarf an Fachkräften und Hochqualifizierten in vielen Branchen und Regionen in der Bundesrepublik Deutschland an. Besonders in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gilt es große Lücken zu füllen. Gefahren sehen Experten dabei in der ausgeprägten Exportorientierung, der hohen Produktivität, sowie in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, die durch den entstehenden Fachkräftemangel geschwächt werden könnten. Um diesen Befürchtungen entgegenzuwirken, sollen aus wirtschaftlicher Perspektive vermehrt Strategien entwickelt werden, um die Zuwanderung gezielt steuern zu können und so den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken. Dadurch soll dem demographischen Wandel und somit der schrumpfenden erwerbstätigen Bevölkerung entgegenwirkt werden.[7] Auch wird davon ausgegangen, dass durch die Zuwanderung und die Integration neuer Arbeitskräfte die Wirtschaftsleistung steigt und die Arbeitslosigkeit abnimmt. Des Weiteren lässt sich auf der Basis von Einwanderungsdaten der 1980er und 1990er Jahre sagen, dass „sich keine substanziell negativen Lohn- oder Beschäftigungseffekte“ aufgrund einer erhöhten Zuwanderung ergeben.[8] Das widerspricht auch möglichen populistischen Aussagen und Vorurteilen, dass die Zuwanderung die Ursache für Arbeitsmarktprobleme sein soll. Ganz entgegen dieser Annahme, sehen Wirtschaftsexperten die Zuwanderung als eine Entlastung des Arbeitsmarktes an und als eine große Chance für die Bundesrepublik Deutschland, ihr Wirtschaftswachstum weiter voranzutreiben.[9]

Die gesetzliche Regelung der Zuwanderung wird durch das Zuwanderungsgesetz, das im Januar 2005 in Kraft getreten ist, geregelt. Es enthält Vorschriften zur Einreise und dem Aufenthalt von Ausländern in der Bundesrepublik zu möglichen Aufenthaltszwecken sowie zur Aufenthaltsbeendigung und zu dem Asylverfahren. Reformiert wurde das Gesetz am 28. August 2007, wobei der Kernpunkt die Umsetzung von elf aufenthalts- und asylrechtlichen Richtlinien der Europäischen Union war.

Des Weiteren wurden Regelungen zur Bekämpfung von Schein- und Zwangsehen, die Stärkung der inneren Sicherheit, die Umsetzung staatsangehörigkeitsrechtlicher Beschlüsse der Innenministerkonferenz, die Erleichterung des Zuzugs von Firmengründern, als auch Maßnahmen zur Förderung der Integration von legalen Zuwanderern durchgesetzt.[10] Insgesamt ist das Aufenthaltsgesetz in 107 Paragraphen unterteilt, welche in verschiedene Kapitel gegliedert sind. Dabei können für die hier vorliegende Unterrichtsplanung die Kapitel 1 und 2 als besonders relevant angesehen werden. In Kapitel 1 geht es dabei um den genauen Zweck des Gesetzes sowie dessen Anwendungsbereich. In Paragraph 1 des ersten Kapitels wird deutlich, dass die Zuwanderung mithilfe des Gesetzes besser gesteuert und begrenzt werden soll. Die Zuwanderung soll unter Berücksichtigung der Aufnahme- und Integrationsfähigkeit sowie der wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Interessen der Bundesrepublik ermöglicht werden. Des Weiteren soll das Gesetz der Erfüllung von humanitären Verpflichtungen dienen. Die Einreise, den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Förderung von Ausländern in Bezug auf ihre gesellschaftliche Integration sollen des Weiteren geregelt werden. Ob das Gesetz dies aufgrund der aktuellen Zuwanderungsströme wirklich leisten kann, könnte fraglich sein. Kapitel 2 beschäftigt sich dann mit der Einreise und dem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei gilt es besonders den Paragraphen 5 herauszustellen, der festlegt, wann ein Aufenthaltstitel vergeben werden kann. Die Vergabe von Aufenthaltstiteln soll dann nur auf der Grundlage von Paragraph 3 (Passpflicht) und folgenden Voraussetzungen erfolgen:

1. Lebensunterhalt ist gesichert
2. Staatsangehörigkeit und Identität muss geklärt sein
3. Kein Ausweisgrund liegt vor
4. Die BRD wird hierdurch nicht beeinträchtigt oder gefährdet
5. Mit Visum wurde eingereist
6. Alle maßgeblichen Voraussetzungen im Visumsantrag sind vorhanden

Aufgrund der absoluten Aktualität und Präsenz der Asylbewerber in Deutschland und deren Problematik, dass mit den nicht abreißenden Asylbewerberzahlen möglicherweise nicht umgegangen werden kann, gilt es auch noch §10 zu nennen, der sich mit den Aufenthaltstiteln bei einem Asylantrag beschäftigt.[11] Dabei ist aufgrund des Völkerrechts eine klare Trennlinie zwischen Menschen zu ziehen, die zur Flucht gezwungen sind (Flüchtlinge) und Menschen, die aus freiem Willen und aus eigenem Antrieb ihr Heimatland verlassen haben (Migranten). Nach der Genfer Flüchtlingskonvention und dem Artikel 1A ist ein Flüchtling eine Person, die wegen einer begründeten Angst vor Verfolgung aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Überzeugung ihr Heimatland verlassen hat und den Schutz des eigenen Landes aufgrund dieser Befürchtungen nicht mehr in Anspruch nehmen möchte.[12] Mithilfe der Gesetzesreform vom 1 Januar 2015, die sich mit der Verbesserung der Rechtsstellung von Asylsuchenden beschäftigt, sollen die Möglichkeiten für Ausländer, legal in die Bundesrepublik einzureisen und sich dort aufhalten zu können, erleichtert werden.

Die Residenzpflicht (behördliche Vorgabe in welchen Bereichen sich die Asylbewerber aufhalten dürfen) wird gelockert, wodurch sich die Menschen weniger eingeschränkt in der Bundesrepublik bewegen können. Grundsätzlich soll diese dann allgemein nach drei Monaten Aufenthalt aufgehoben werden. Des Weiteren sollen Gelder statt Sachleistungen erfolgen, um die Selbstbestimmung der Asylbewerber/innen zu stärken und den Verwaltungsaufwand der Kommunen zu senken. Auch soll eine schnelle Arbeitsaufnahme erleichtert werden, indem die „Vorrangprüfung“ (bestimmte Voraussetzungen müssen vor Beginn einer Arbeitsbeschäftigung erfüllt sein) für den Arbeitsmarktzugang in bestimmten Fällen wegfallen soll.[13] Inwiefern diese Regelungen wirksam sind und dadurch mit den aktuellen Zuwanderungszahlen umgegangen werden kann, könnte allerdings hinterfragt werden.

Das Zuwanderungsgesetz soll auch den befristeten Aufenthalt zum Zwecke einer Ausbildung oder „Arbeitsmigration“ (z.B. bestimmte Anwerbeprogramme für ausländische Arbeitskräfte) ermöglichen. Für einen unbefristeten Aufenthaltstitel (Niederlassungserlaubnis), der zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit berechtigt und sowohl zeitlich als auch räumlich unbegrenzt ist, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden:

1. 5-jähriger Besitz einer Aufenthaltserlaubnis
2. eigenständige Sicherung des Lebensunterhaltes
3. keine Vorstrafen
4. ausreichende Deutschkenntnisse

Ausnahmen dieser Regelungen können nur für hochqualifizierte Ausländer sowie Inhaber einer „Blue-Card“ (eine befristete Aufenthaltserlaubnis mit der Möglichkeit der Fristverkürzung zum Erlangen einer unbefristeten Niederlassungserlaubnis) gemacht werden.[14]

Grundsätzlich kann aber ein befristeter Aufenthaltstitel in der Bundesrepublik Deutschland immer beantragt werden, soweit er auf die formulierten Aufenthaltszwecke zutrifft (Vgl. Kapitel 1, §1 AufenthG.). Es gilt jedoch kritisch zu betrachten, inwiefern die gesetzlichen Regelungen wirklich effektiv greifen und dadurch mit der Zuwanderungsproblematik angemessen umgegangen werden kann. Betrachtet man sich nämlich die aktuellen Debatten in den Medien, so wird deutlich, dass durchaus Diskussionsbedarf bezüglich des Zuwanderungsgesetzes besteht. Beispielsweise vertritt Innenminister Thomas de Maizière die Meinung, dass eine Zuwanderung auf Dauer zu viel für die Bundesrepublik sei. Dabei geht er von einer Prognose von insgesamt 800.000 Migranten im Jahr 2015 aus, die nur einmalig zu bewältigen seien. Auch fordert de Maizière, dass klar zwischen Migranten und Menschen, die aufgrund von Kriegen und Krisen flüchten (Asylbewerber), klarer unterschieden werden müsse.[15]

Auch können die gesetzlichen Regelungen als problematisch betrachten werden, die beispielsweise Gerhard Christe von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bezug auf die vorberufliche Bildung von Kindern mit Migrationshintergrund sieht. Er geht davon aus, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund nach wie vor im Vergleich zu den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund im Schulsystem deutlich benachteiligt sind und ihr Einstieg in die Arbeitswelt schwierig ist.[16] Begutachtet man nun die oben angeführten Beispiele, wird also deutlich, dass durchaus Diskussionsbedarf in Bezug auf die gesetzlichen Regelungen der Zuwanderung besteht.

Auch aus gesellschaftspolitischer Perspektive befindet sich die Debatte um die aktuelle Zuwanderung im Mittelpunkt. Dabei stehen sich sowohl parteiliche Positionen als auch andere gesellschaftliche Gruppierungen und deren Positionen gegenüber. Im Folgendem sollen ein paar Standpunkte hinsichtlich der Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland vorgestellt werden. Dabei muss angemerkt werden, dass es nicht möglich ist, alle Positionen darzustellen, sondern lediglich ein grober Überblick über ein paar Positionen bezüglich der Zuwanderung gegeben werden soll. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich der Großteil der deutschen Parteien für die Zuwanderung ausspricht. Dazu zählen die CDU/CSU, SPD, Die LINKE als auch die FDP und Bündnis 90/Die Grünen. In Bezug auf die inhaltlichen gesetzlichen Regelungen bezüglich der Zuwanderung gilt es jedoch klare Unterschiede zwischen den Parteien zu verzeichnen. Als kleines Beispiel kann dafür gelten, dass sich die CDU/CSU klar gegen ein kommunales Wahlrecht und die doppelte Staatsbürgerschaft für Migranten ausspricht, wohingegen die SPD durchaus die Meinung vertritt, dass ein kommunales Wahlrecht, für Migranten die seit fünf Jahren in Deutschland leben, sowie die doppelte Staatsbürgerschaft angemessen sind.[17] Auch die FDP setzt sich für eine „Willkommenskultur“ ein, wodurch neue „kluge Köpfe“ angeworben werden sollen. Auch will sie die doppelte Staatsbürgerschaft zulassen und setzt sich für eine beschleunigte Einbürgerung schon nach vier Jahren ein. Die Linkspartei fordert darüberhinaus gezielte Förderangebote und eine Anti-Diskriminierungspolitik. Des Weiteren beantragt sie für Migranten das Wahlrecht auf Bundes-. Landes- und Kommunaleben. Bündnis 90/Die Grünen setzen ähnlich wie die FDP auf eine „Willkommenskultur“ und eine „Einbürgerungsoffensive“ und fordern die doppelte Staatsbürgerschaft. Durch die Zuwanderung sollen ihrer Ansicht nach die Folgen des demographischen Wandels gemildert werden.

Insgesamt wird deutlich, dass die großen fünf Parteien in Deutschland der Zuwanderung offen gegenüberstehen und es deutlich weniger zuwanderungsskeptische Parteien gibt. Allerdings stellt beispielsweise die NPD so eine skeptische bzw. ablehnende Partei dar, die sich absolut von den oben kurz dargestellten Positionen der anderen Parteien abgrenzt. Betrachtet man sich die Parteiprogrammatik der NPD, so wird mit Aussagen wie: „wir [lehnen] die Massenzuwanderung und die Veränderung der ethnischen Mehrheiten in den urbanen Ballungsräumen unserer Landes als Anschlag auf die Integrität und Identität unsere Volkes konsequent ab“[18], deutlich, dass Zuwanderung aus der Sicht der NPD keinen Platz in Deutschland finden soll. In diesem Zusammenhang gilt es dabei auch noch mit „Pegida“ (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) eine gesellschaftliche Gruppierung zu nennen, die ein ähnliches Interesse vertritt. Anhand des Namens kann darauf geschlossen werden, dass es sich um eine zuwanderungskritische Gruppe handelt, die sich dabei aber „lediglich“ auf islamische Länder bezieht. Allerdings ist in den vergangenen Monaten deutlich geworden, dass viele Pegida-Anhänger die Zuwanderung grundsätzlich ablehnen.[19] Es wird also deutlich, das Diskrepanzen bezüglich der Zuwanderung bei den einzelnen Parteien und gesellschaftlichen Gruppierungen bestehen und die Frage gestellt werden muss, wie damit umgegangen werden soll, wenn es um die richtige Handhabung der Zuwanderung geht.

Auch muss die Perspektive der Zuwanderung dahingehend gewechselt werden, sodass man sich nicht nur die möglichen Folgen für Deutschland, sondern auch die Folgen der Zuwanderung für die Abwanderungsländer in Betracht zieht. Durch die hohen Abwanderungszahlen wie beispielsweise in Spanien entstehen für diese Länder große negative Folgen. Die Länder verlieren wichtige qualifizierte Arbeitskräfte, bleiben auf den Kosten, die sie in die Ausbildung der Auswanderer gesteckt haben, sitzen und verlieren wichtige Steuerzahler. Das Wirtschafts-, Gesundheits- und Bildungssystem dieser Länder wird dadurch erheblich geschwächt.[20]

Es wird also deutlich, dass die hier vorgestellte Faktenlage, welche sich in die unterschiedlichen Bereiche Wirtschaft, Gesetzgebung und gesellschaftspolitische Aspekte aufteilen lässt, unterschiedliche Sichtweisen aufweist, die sich teilweise sehr konträr in Bezug auf Zuwanderung gegenüberstehen und Raum für Diskussionen lassen. Es wird klar, dass eine große Uneinigkeit in Bezug auf die Zuwanderung und dem damit verbundenen Zuwanderungsgesetz herrscht und es fraglich ist, wie legitim und effektiv das Gesetz wirklich ist. Aufgrund der hohen Aktualität und Wichtigkeit dieser Thematik ist es notwendig, die Diskussion um die Zuwanderung als einen wichtigen Gestaltungsprozess aktueller und zukünftiger deutscher Politik zu verstehen. Trotz der dabei herrschende Kontroversität der einzelnen Interessen der Betroffenen Akteure soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, sich speziell an der Zuwanderungsdebatte und allgemein am politischen Geschehen zu beteiligen und bei der politischen Willensbildung mitzuwirken.

2. Didaktische Analyse

2.1 Didaktische Perspektive

Problemfrage:

Die deutsche Zuwanderungspolitik vor neuen Herausforderungen – gewappnet für die Zukunft oder reformbedürftig?

Die SuS stellen die Faktenlage der Zuwanderung unter Berücksichtigung des Wanderungssaldos dar und können zwischen Migranten allgemein und Asylsuchenden unterscheiden. Anschließend gehen die SuS auf die Push&Pull – Faktoren ein.

Auch erarbeiten sie sich die wichtigsten Aspekte des Zuwanderungsgesetzes und stellen Überlegungen an, inwiefern die aktuelle Gesetzeslage den aktuellen Anforderungen der Zuwanderung gewachsen ist.

In der Simulation einer fiktiven TV-Talkshow diskutieren und argumentieren die Schüler aus verschiedenen Perspektiven (wirtschaftliche, gesellschaftspolitische, und aus der Perspektive der Abwanderungsländer) für oder gegen die Zuwanderung nach Deutschland.

Die SuS fällen abschließend unter Berücksichtigung der Beurteilungskriterien Wirksamkeit und Legitimität ein eigenes politisches Urteil darüber, inwiefern nun die Zuwanderung gefördert oder gestoppt werden muss. Auf der Basis ihrer Urteilsbildung entwickeln sie mögliche Optimierungsvorschläge für das Zuwanderungsgesetz.

2.2 Bedingungsfelderanalyse

Die folgende Reihenplanung zum Thema „Zuwanderungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland“ findet in einem Grundkurs der Klasse 11 am Gymnasium Xxxxxxxx statt. Die Klasse setzt sich aus 12 Schülerinnen und 10 Schülern[21] zusammen und hat mich als Lehrperson von Anfang an respektiert. Sie pflegen mit mir sowie untereinander einen sehr freundlichen Umgang. Durch das sehr positiv herrschende Kursklima, wird eine sehr offene und produktive Arbeitsatmosphäre geschaffen und Störfaktoren treten nur sehr selten auf. Innerhalb des Kursverbandes ist eine eher geringe Leistungsheterogenität zu erkennen, welche sich in der Qualität der Beiträge, dem generellen politischen Wissen sowie dem Interesse an- und Kenntnissen über das politische Geschehen widerspiegelt. Auf dieser Grundlage lässt sich das Leistungsniveau, obwohl es „nur“ ein Grundkurs ist, als hoch einstufen. Der Kurs folgt dem Unterrichtsgeschehen aufmerksam, ist generell recht diskussionsfreudig und führt Arbeitsaufträge gut aus. Zudem sind einige SuS gut über die aktuelle Tagespolitik informiert und verfügen über ein breites Politikgrundwissen, weshalb mit qualitativ wertvollen Beiträgen im Unterricht zu rechnen ist. In Bezug auf die Thematik besitzen die SuS noch kein spezielles Vorwissen, jedoch ist das Thema aufgrund der absoluten Aktualität den SuS aller Wahrscheinlichkeit nach geläufig. Unabhängig von den inhaltlichen Vorkenntnissen sind die methodischen Kenntnisse der SuS gut entwickelt. Die Gruppe ist mit den in der Unterrichtsreihe angewendeten Sozialformen (Einzel-/Gruppenarbeit) sowie den handlungsorientierten Unterrichtsformen (Rollenspiel, Simulation einer TV-Talkshow) vertraut. Auch sind die SuS in der Lage, Karikaturen und Texte zu erfassen, widerzugeben und deuten zu können. Zu den Rahmenbedingungen gilt es noch zu sagen, dass sie aufgrund der zufriedenstellenden Raumgröße, einer optimalen Gruppengröße und der guten Raumausstattung als sehr gut einzustufen sind.

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt 2015: Ausländische Bevölkerung. Ergebnisse des Ausländerzentralregisters. Fachserie 1, Reihe 2, S. 26 ff.

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt 2015a, S.1.

[3] Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2015): aktuelle Zahlen zu Asyl. S. 4.

[4] Vgl. FAZ (2014): Einwanderer sind besser qualifiziert als Deutsche. Zugriff unter: www.faz.net/aktuell/politik/inland/migration-einwanderer-sind-besser-qualifiziert-als-deutsche-12969933.html (aufgerufen am 02.09.2015).

[5] Vgl. Statistisches Bundesamt (2015): Zugriff unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/MigrationIntegration/AuslaendBevoelkerung2010200147004.pdf?__blob=publicationFile

[6] Vgl. Rahner, Sven (2011): Fachkräftebedarf und Zuwanderung: Geschichte und Perspektiven. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Zugriff unter: http://www.bpb.de/apuz/59739/fachkraeftebedarf-und-zuwanderung-geschichte-und-perspektiven?p=all (aufgerufen am 02.09.2015).

[7] Vgl. Gathmann, Christina et al. (2014): Zuwanderung nach Deutschland – Problem und Chance für den Arbeitsmarkt. In: Wirtschaftsdienst. Zeitschrift für Wirtschaftspolitik. Zugriff unter: http://www.wirtschaftsdienst.eu/archiv/jahr/2014/3/zuwanderung-nach-deutschland-problem-und-chance-fuer-den-arbeitsmarkt/ aufgerufen am (02.09.2015).

[8] Ebd.

[9] Vgl. Hüther, Michael (2014): Qualifizierte Zuwanderung: Wohlstandsgewinn für Deutschland. In: Institut der deutschen Wirtschaft Köln, S. 4 ff.

[10] Vgl. Auswärtiges Amt (2015) Zugriff unter: http://www.auswaertiges-amt.de/sid_B298852F610B95AC2022472FEB74C8D4/DE/EinreiseUndAufenthalt/Zuwanderungsrecht_node.html#doc370708bodyText1 (aufgerufen am 02.09.2015).

[11] Vgl. Auswärtiges Amt (2015) s.o.

[12] Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2015): Begriffsbestimmungen und Erläuterungen. Zugriff unter: https://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/Sonderinitiative-Fluchtursachen-bekaempfen-Fluechtlinge-reintegrieren/hintergrund/definition_fluechtling/index.html (aufgerufen am 02.09.2015)

[13] Vgl. Die Bundesregierung (2015): Asyl- und Flüchtlingspolitik. Erleichterung für Asylbewerber. Zugriff unter: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/10/2014-10-29-verbesserungen-fuer-asylbewerber-beschlossen.html (aufgerufen am 02.09.2015).

[14] Vgl. Aufenthaltsgesetz, §19. Zugriff unter: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Gesetzestexte/DE/Zuwanderungsgesetz.pdf?__blob=publicationFile (aufgerufen am 02.09.2015).

[15] Vgl. Zeit-Online (2015): Innenminister hält Zuwanderung für „auf Dauer zu viel“. Zugriff unter: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-08/thomas-de-maiziere-fluechtlinge-deutschland-asyl-balkan-cdu (aufgerufen am 03.09.2015)

[16] Vgl. Christe, Gerhard (2011): Notwendig, aber reformbedürftig! Die vorberufliche Bildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund. In: WISO DISKURS. Expertisen und Dokumentationen zur Wirschafts- und Sozialpolitik. Zugriff unter: http://library.fes.de/pdf-files/wiso/08037.pdf (aufgerufen am 03.09.2015)

[17] Vgl. Tagesschau.de (2013): Wahlprogramme im Vergleich. Wie die Parteien die Zuwanderung sehen. Zugriff unter: https://www.tagesschau.de/wahl/parteien_und_programme/programmvergleich-zuwanderung100.html (aufgerufen am 03.09.2015)

[18] Vgl. NPD Parteiprogramm (2010)

[19] Vgl. „Pegida Positionen im Faktencheck: Zuwanderung oder Abschottung?“ Zugriff unter: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Pegida-Positionen-im-Faktencheck-Zuwanderung-oder-Abschottung-artikel9068425.php (aufgerufen am 04.09.2015)

[20] Vgl. Garbe-Emden, Birgit: Mittel- und Osteuropa - Folgen der Auswanderung. In: Bundeszentrale für Politische Bildung (2013). Zugriff unter: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/newsletter/154192/mittel-und-osteuropa-folgen-der-auswanderung (aufgerufen am 08.09.2015)

[21] Im Folgenden wird aus Gründen der besseren/ökonomischeren Lesbarkeit die Abkürzung „SuS“ für Schülerinnen und Schüler verwendet.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Die deutsche Zuwanderungspolitik vor neuen Herausforderungen. Zukunftsfähig oder reformbedürftig? (Grundkurs, 11. Klasse)
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Politikwissenschaft)
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
50
Katalognummer
V310637
ISBN (eBook)
9783668096691
ISBN (Buch)
9783668096707
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zuwanderungspolitik, herausforderungen, zukunftsfähig, grundkurs, klasse
Arbeit zitieren
B.Ed. Philipp Willenbacher (Autor), 2015, Die deutsche Zuwanderungspolitik vor neuen Herausforderungen. Zukunftsfähig oder reformbedürftig? (Grundkurs, 11. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310637

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