Terminologiedatenbank medizinischer Fachbegriffe und ihre Erstellung zum Thema Komplikationen und klinische Therapie verbrennungsbedingter Gewebeschäden


Bachelorarbeit, 2015
38 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Terminologie, Terminologielehre und Terminologiearbeit im Übersetzungskontext
2.1 Grundelemente und Modelle
2.1.1 Begriff, Begriffsinhalt und Begriffssysteme
2.1.2 Benennung
2.1.3 Semiotisches Dreieck
2.1.4 Definition
2.2 Synonymie, Polysemie und Homonymie
2.3 Äquivalenz

3 Medizinische Fachtexte

4 Komplikationen und klinische Therapie verbrennungs-bedingter Gewebeschäden
4.1 Anatomischer Aufbau und Funktion der Haut
4.2 Verbrennungen
4.2.1 Ätiologie und Pathogenese
4.2.2 Diagnose anhand der Verbrennungsgrade und Flächenausdehnung
4.3 Komplikationen
4.3.1 Verbrennungskrankheit
4.3.2 Hypovolämischer Schock
4.3.3 Sepsis
4.3.4 Inhalationstrauma
4.4 Klinische Therapie
4.4.1 Infusionstherapie
4.4.2 Konservative Behandlung
4.4.3 Operative Behandlung
4.4.3.1 Nekrektomie und Escharotomie
4.4.3.2 Hauttransplantation

5 Terminologische Untersuchung
5.1 Erläuterung der Eintragsstruktur
5.1.1 Datenkategorien auf Begriffsebene
5.1.2 Datenkategorien auf Sprachebene
5.1.3 Datenkategorien auf Benennungsebene
5.1.4 Verwaltungsdaten
5.2 Das Terminologiemanagement-Tool SDL MultiTerm

6 Schlussbemerkung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Terminologie ist heutzutage allgegenwärtig. In vielen Fachgebieten gibt es immer wieder neue Forschungserkenntnisse und das geht natürlich nicht ohne fach­liche Kommunikation. Vor allem in der modernen und technisierten Welt ist diese unabdingbar und erleichtert den Arbeits- und Kommunikationsablauf ungemein. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine einheit­liche Kommunikation. Die Fachwortschätze sind heutzutage deutlich umfang­reicher und wachsen stetig, sowohl intralingual als auch interlingual. Aber wo es fachliche Kommunikation gibt, finden sich auch Verständigungsschwierigkeiten. Umso wich­tiger ist es, „neue Fachwörter […] zu erfassen, ihre exakte Bedeutung zu klären bzw. festzulegen und sie den Interessenten zugänglich zu machen“ (Arntz/Picht/Schmitz 2014:1). Verständigungsschwierigkeiten finden sich selbst in­nerhalb eines Fach­bereiches und lassen sich teilweise auf die verschiedenen linguistischen Hintergründe zurückführen. Auch in der Medizin kommt es trotz Nomenklaturen und bereits existierender klinischer Terminologie aus dem Lateinischen und Griechischen zu Problemen, denn Nomenklaturen können mit der Zeit veralten (vgl. Hüging 2011:40) und beugen interlingualen Verständigungsschwierigkeiten nur bedingt vor, wie z.B. im Sprachenpaar Englisch-Deutsch. Im Deutschen finden sich oft sowohl eine fach­liche als auch eine gemeinsprachliche Be­zeichnung, wohingegen im Englischen meist die fachliche Bezeichnung Anwendung findet und auch vom Laien verstanden wird. So gibt es im Deutschen das Perikard, was allgemeinsprachlich Herzbeutel genannt wird. Im Englischen hingegen wird nur pericardium verwendet (vgl. Keller 2011:233). Um dieses Verständigungsproblem zu vermeiden, muss in der Fachübersetzung Klar­heit und Struktur herrschen, denn nur so kann auch Qualität garantiert werden.

Ziel dieser Arbeit ist es daher, dem Leser die Grundlagen der Terminologielehre und Terminologiearbeit anhand einer terminologischen Untersuchung im Fachbereich Medizin zuzuführen. Zunächst werden die wichtigsten Aspekte zu Terminologie, Ter­minologielehre und Terminologiearbeit näher erläutert, um einen fundierten Überblick über deren Aufgaben, Formen sowie Grundelemente und Modelle zu vermitteln. Danach werden medizinische Fachtexte genauer begutachtet und zu anderen Fachübersetzungen abgegrenzt. Weiterhin folgt eine Einführung in den Fachbereich dieser Arbeit, in der die Komplikationen und klinische Therapie verbrennungsbe­dingter Gewebeschäden von Grund auf erklärt werden, um dem Leser die jeweilige Terminologie im Kontext näher zu bringen und einen Einblick in das Thema zu ver­mitteln. Danach folgen eine Erläuterung der für den Bereich Medizin geeigneten Eintragsstruktur, die im praktischen Teil Anwendung findet, sowie ein Überblick über das verwendete Terminologiemanagement-Tool SDL MultiTerm.

2 Terminologie, Terminologielehre und Terminologiearbeit im Übersetzungskontext

Vor allem in der heutigen Welt fällt der Terminologie eine wichtige Rolle in Bezug auf interlinguale fachliche Kommunikation zu. Terminologie ist der Wortschatz eines bestimmten Fachgebietes (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:1). Auch wenn der Aus­tausch zwischen Experten oft recht problemlos verläuft, so wird die Notwendigkeit einer Terminologie meist erst dann ersichtlich, wenn „das vorhandene Wissen für die Produktion nutzbar gemacht werden soll“ (ebd.:2). Hier wird ein einheitlicher Austausch auf sprachlicher Ebene unumgänglich. Gerade sprachübergreifend stellt dies manchmal eine große Herausforderung dar, denn zum einen bestehen Unter­schiede zwischen verschiedenen Sprachgebieten bezüglich des Wissenstands, und zum anderen verfügt nicht jede Sprache über die richtigen Ausdrucksmittel, die für den Wissenstransfer benötigt werden. Dann muss die entsprechende Terminologie erst er­stellt werden (vgl. ebd.). Das Gleiche gilt für den Fachbereich Medizin der vorliegenden Arbeit. Nicht jedes Land ist medizinisch auf dem gleichen Stand und die Ausbildung medizinischen Fachpersonals variiert auch dementsprechend.

Terminologielehre ist die Wissenschaft der Terminologie, bzw. „von den Begriffen und ihren Bezeichnungen in den Fachsprachen“ (DIN 2342 2011). Bemühungen der Normung haben dazu geführt, dass sich die Terminologielehre über die Jahre in weitere Disziplinen wie die allgemeine und spezielle Terminologielehre weiterent­wickelt hat (vgl. Roelke 2010:114). Die allgemeine Terminologielehre widmet sich jenen Eigenschaften dieser Wortschätze, die sowohl fächer- als auch sprachübergreifend sind. Die spezielle Terminologielehre hingegen befasst sich mit einzelnen Fachgebieten und Sprachen (vgl. ebd.). Beispiel für die spezielle Terminologielehre ist auch hier der Fachbereich Medizin. Die Terminologielehre an sich ist vor allem daran interessiert, den heutigen und nicht den sprachhistorischen Wortschatz aufzu­arbeiten und zu beeinflussen (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:5). Dies ist vor allem für den Fachübersetzer von großer Bedeutung, denn aufgrund der zu über­setzenden Text­menge und deren Komplexität können „die fachsprachlichen Wörterbücher weder quantitativ noch qualitativ Schritt halten“ (ebd.:1).

Unter dem Gesichtspunkt der Terminologielehre beschäftigt sich die Terminologie­arbeit daher mit dem praktischen Teil, sprich der „Erarbeitung, Bearbeitung oder Verarbeitung von Terminologie“ (Arntz/Picht/Schmitz 2014:3). Grundsätzlich wird zwischen mehreren Formen unterschieden. Eine Terminologiearbeit kann ein- oder mehrsprachig, fachbe­zogen oder fachgebietsübergreifend sowie deskriptiv oder präskriptiv sein, wobei deskriptiv nochmals in punktuell und systematisch unterschieden wird (vgl. Simonnaes 2012:239, Mayer 2009:14). Da die übersetzungsorientierte Terminologie­arbeit mehrsprachig ist und den Fokus dieser Arbeit darstellt, wird die einsprachige Terminologiearbeit hier außer Acht gelassen. Danach stellt sich die Frage einer fachbezogenen oder fachgebiets­übergreifenden Arbeit, was selbstverständlich je nach Zweck variiert.

Die deskriptive Terminologiearbeit erfasst den aktuellen Sprachzustand (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:218). Felix Mayer beschreibt dies auch als Erfassung des „terminologischen Ist-Zustandes“ (2009:14). Die Form unterteilt sich wie bereits erwähnt in eine punktuelle und systematische Terminologiearbeit. Bezüglich einer punktuellen Terminologiearbeit verweisen Arntz, Picht und Schmitz darauf, dass es bei einer terminologischen Untersuchung oft nicht möglich ist, ein gewisses Teil­gebiet bis auf den Grund zu behandeln und ein Glossar zu erstellen. Dann bietet sich eine punktuelle Untersuchung an, um die Lösung für ein Übersetzungsproblem zu finden (vgl. 2014:210). Hierbei werden die Nachbarbegriffe des betreffenden Begriffs ignoriert und nur gewisse Teile des Begriffs­systems oder des Begriffsfeldes betrachtet. Begriff und Begriffssystem werden in Kapitel 2.1.1 näher erläutert. Die punktuelle Terminologiearbeit ist längerfristig gesehen allerdings nur von geringem Nutzen, denn dazu müsste man sie in „eine terminologische Analyse des jeweiligen Sachgebietes einfügen“ (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:210). Deshalb wird hier in der übersetzungs­orientierten Terminologiearbeit noch weiter in sach- und textbezogene Untersuchungen unterschieden. Sachbezogen ist die Arbeit dann, wenn die Terminologie von einem sehr speziellen Teil eines Fachgebiets erarbeitet wird, wohingegen textbezogen bedeutet, dass nur die Terminologie des zu übersetzenden Textes herausgearbeitet wird (vgl. Mayer 2009:15). In der systematischen Terminologiearbeit wird in diversen Arbeits­schritten ein Fachgebiet terminologisch erschlossen, u.a. durch die Abgrenzung des Fachgebiets, die Sammlung und vorläufige Zuordnung der gefundenen Benennungen und Begriffe sowie die Erarbeitung der Begriffssysteme. Ziel ist es auch hier wieder, das Ergebnis dem Benutzer zur Verfügung zu stellen (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:211).

Präskriptive - auch normende oder normierende - Terminologiearbeit hingegen „strebt die einheitliche Verwendung von Terminologie an und soll Eindeutigkeit und Eineindeutigkeit garantieren“ (Mayer 2009:14). Mayer beschreibt Eindeutigkeit damit, dass jede Benennung nur einem einzigen Begriff gilt. Eineindeutigkeit wiederum ist es dann, wenn ein Begriff nur eine einzige Benennung besitzt (vgl. ebd.). Als Beispiel dient ihm hier Returntaste. Welche Taste so bezeichnet wird, ist eindeutig, der Begriff dahinter ist jedoch nicht eineindeutig aufgrund verschiedener Schreib­varianten wie Return-Taste oder orthographischen Varianten wie Eingabetaste (vgl. ebd.). Die präskriptive Terminologiearbeit findet vor allem in größeren Industrie­unternehmen Anwendung, denn die daraus entstandene, firmeneigene Terminologie ist für die Praxis von großer Bedeutung (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:218). Die übersetzungsorientierte Terminologiearbeit kann auch eine präskriptive bzw. normende Form annehmen, wenn z.B. behördeneigene Sprachendienste einheitliche, mehrsprachige Namen für Ämter, Ministerien und dergleichen festlegen wollen (vgl. ebd.).

2.1 Grundelemente und Modelle

In den folgenden Kapiteln werden die Grundelemente und Modelle vorgestellt, die bei einer Terminologiearbeit von Bedeutung sind, um so ein besseres Verständnis für die Eintragsstruktur (s. Kapitel 5.1) der Termdatenbank dieser Arbeit zu vermitteln.

2.1.1 Begriff, Begriffsinhalt und Begriffssysteme

Die DIN 2342 definiert Begriff wie folgt:

„Denkeinheit, die aus einer Menge von Gegenständen unter Ermittlung der diesen Gegenständen gemeinsamen Eigenschaften mittels Abstraktion gebildet wird.“ (2011)

Auch Eugen Wüster bezeichnet den Begriff als ein Denkelement, das Menschen „als Mittel des gedanklichen Ordnens“ (1991:8) verwenden. Der Begriff hält das Gemeinsame fest, das Menschen an einer Vielzahl von Gegenständen festgestellt haben. Um einen Begriff zu identifizieren und zu fixieren bedarf es einer Benennung (s. Kapitel 2.1.2) oder einem entsprechendem Zeichen (vgl. ebd.).

Die Gesamtheit der Merkmale eines Begriffs bildet den Begriffsinhalt. Wüster benutzt hierzu die Glühlampe als Beispiel. Die Glühlampe stellt den Begriff dar und der Be­griffsinhalt sind die Merkmale, die Menschen mit ihr verbinden, wie z.B. Lichtaussenden und Lichtquelle (vgl. 1991:8). Ein Merkmal kann demnach ein Beschaffenheitsmerkmal, wie z.B. Größe, oder ein Beziehungsmerkmal sein, bei dem der Mensch „eine Beziehung des Gegenstands zu anderen Gegenständen“ (Felber/Budin 1989:25) her­stellt.

Begriffe sollten aber nicht einzeln sondern im Kontext eines Begriffssystems betrachtet werden. Gerade für die Terminologie­arbeit ist eine systematische Ordnungsstrategie für Begriffe und deren Benennungen unerlässlich. Andernfalls wird es schwierig, ein weiterführendes Verständnis für ein Fachgebiet zu entwickeln. Be­griffssysteme sind auch deshalb notwendig, damit der Fachübersetzer sich ähnelnde Begriffe voneinander abgrenzen kann (vgl. Felber/Budin 1989:25). So lässt sich auch eine Synonymie erkennen (s. Kapitel 2.2). Ein Begriffssystem stellt also „die Beziehungen zwischen den Begriffen eines Fachgebietes“ (ebd.) dar.

2.1.2 Benennung

Laut Wüster sind Benennungen „die sprachlichen Symbole der Begriffe“ (1991:36). Weiterhin führt er an, dass Benennungen in Hinsicht auf die Fachsprache auch Terminus genannt werden (vgl. ebd.). Auch die DIN 2342 sieht die Benennung als einen Terminus bzw. Fachausdruck, der die „sprachliche Bezeichnung eines Allgemeinbegriffs aus einem Fachgebiet“ (2011) darstellt.

Es wird unterschieden in Ein- und Mehrwortbenennungen. Einwortbenennungen können sowohl elementarer als auch komplexer Natur sein. Beispiele hierfür wären Rad oder Radlagerschale (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:115). Mehrwortbenennungen hingegen bestehen aus „mindestens zwei getrennt geschriebenen, syntaktisch verbundenen Wörtern“ (ebd.). Auch diese sind entweder elementar oder komplex, wie z.B. Rad mit Notlaufeigenschaften (vgl. ebd.).

2.1.3 Semiotisches Dreieck

Das semiotische Dreieck nach den Linguisten Ivor Armstrong Richards und Charles Kay Odgen veranschaulicht die Zusammenhänge der Komponenten Gegenstand, Be­nennung und Begriff. Benennungen können sowohl materielle als auch nichtmaterielle Gegenstände bezeich­nen, wie z.B. Haus und Verfahren (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:41). In jeder Hinsicht ist das Gedankenbild dieser Benennung aber eine Abstraktion bzw. „eine Verallgemeinerung, die auf den Er­fahrungen beruht, die wir in der uns umgebenden Welt gesammelt haben“ (ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Haben viele Gegenstände etwas gemeinsam, fassen wir sie zusammen und bilden so Begriffe. Mit Haus und Verfahren ist kein bestimmtes Haus oder Verfahren gemeint. Es sind also die uns bekannten vielen Gegenstände mit ihren gemeinsamen Eigenschaften, die wir durch die Be­griffe Haus und Verfahren zusammenfassen, und die durch gewisse Benennungen repräsentiert werden (vgl. ebd.). Es existiert also keine direkte Verbindung zwischen Benennung und Gegenstand. Genau diese Zusammenhänge soll das semiotische Dreieck veranschaulichen.

2.1.4 Definition

Die DIN 2330 beschreibt den Zweck einer Definition wie folgt:

„Eine Definition dient dazu, einen Begriff

a) zu bestimmen,
b) von anderen Begriffen abzugrenzen, und
c) in ein Begriffssystem einzuordnen“ (2013).

Wüster betont, dass eine Definition aus bekannten Worten be­stehen muss, sprich der Leser kann die Definition verstehen, ohne ein anderes Wort nachschlagen zu müssen (vgl. 1991:33). Enthält die Definition eines Be­griffes Wörter, die als nicht bekannt anzusehen sind, müssen diese Wörter „an einer, dem Leser zugänglichen Stelle erklärt sein“ (ebd.).

Des Weiteren müssen laut Wüster die zwei Prinzipien Gültigkeit und Genauigkeit bei einer Definition Anwendung finden. Gilt eine Definition nur für einen bestimmten Bereich, muss der Gültigkeitsbereich einer Definition festgelegt werden. Werden in einem Wörterbuch also nur Fremd­wörter mit z.B. lateinischem Ursprung definiert, so muss dies erkenntlich sein (vgl. 1991:34). Die Genauigkeit hingegen hängt von dem Zweck einer Definition ab. Wüster führt hier als Beispiel die Definition von Kraft auf. Sie kann einerseits als „zeitliche Änderung der Bewegungsgröße“ (ebd.) oder als „Masse x Beschleunigung“ (ebd.) definiert werden. Je nach Bereich findet die entsprechende Definition An­wendung.

Es wird in mehrere Definitionsarten unterschieden, auf die hier kurz eingegangen werden soll. Arntz, Picht und Schmitz sehen die Inhalts-, Umfangs- und Bestandsdefinition als äußerst bedeutend an (vgl. 2014:65).

Laut der DIN 2342 werden bei der Inhaltsdefinition für den Oberbegriff einschränkende Merkmale aufgeführt, damit sich dieser Begriff von anderen auf der Abstraktionsebene unterscheidet (vgl. 2011). Als Beispiel nennt die DIN dabei die Glühlampe, die als „elektrische Lampe, in der feste Stoffe durch elektrischen Strom so hoch erhitzt werden, dass sie Licht aussenden“ (2011) beschrieben wird. Diese Definitionsart ist als klassische Variante zu sehen. Sie ist für die Terminologiearbeit am wichtigsten, da die einschränkenden Merkmale eine eindeutige Einteilung in das Begriffssystem und eine Unterscheidung zu anderen Begriffen ermöglichen (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:67).

Bei der Umfangsdefinition hingegen werden alle „Unterbegriffe des Begriffs aufgezählt [..], die innerhalb des betreffenden Begriffssystems auf derselben Hierarchiestufe stehen“ (DIN 2342 2011). So werden bei Schachfigur die Unterbegriffe König, Dame, Läufer, Springer, Turm, Bauer genannt (vgl. DIN 2330 2013). Diese Definitionsart ist für die Terminologiearbeit allerdings nicht besonders hilfreich, da hierbei die Anzahl der Unterbegriffe schnell überhand nehmen kann (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:67).

Eine Bestandsdefinition besteht dann, wenn „alle auf derselben Hierarchiestufe stehenden Teilbegriffe des Begriffs aufgezählt werden“ (DIN 2342 2011). Bei dem Beispiel Schachspiel bestünde daher die Definition aus Schachbrett und Schachfiguren. Vorteil dieser Definitionsart ist, dass sie nicht sehr abstrakt ist und sich dadurch leichter verstehen lässt (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:67). So oder so gilt es aber, die Inhaltsdefinition für eine Terminologiearbeit zu präferieren.

2.2 Synonymie, Polysemie und Homonymie

Für die Terminologiearbeit ist es erstrebenswert, eine möglichst eineindeutige Relation zwischen Begriff und Benennung herzustellen. Hierbei treten vor allem drei Probleme in den Vordergrund, die dies erschweren: Synonymie, Polysemie und Homonymie.

Können mehrere Benennungen einem Begriff zugeordnet und ausgetauscht werden, so liegt Synonymie vor (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:135). Genau hier liegt das Problem, denn es ist davon auszu­gehen, dass der fachfremde Laie bei einem Synonym zunächst annimmt, „dass hinter jedem einzelnen unterschiedlichem Fachwort auch ein anderer Inhalt steht“ (ebd.:4). Es ist daher für die Terminologiearbeit besonders wich tig, die Be­nennungen eines Begriffs auf tatsächliche oder vermeintliche Synonymie zu prüfen. Vor allem in Fachgebieten mit schnellen Entwicklungen entstehen in verschiedenen Sprachräumen zunächst unterschiedliche Benennungen, die erst später vereinheitlicht werden (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:136).

Polysemie hingegen liegt vor, wenn eine Benennung mehrere Bedeutungen aufweist. So kann mit Fuß z.B. die anatomische Bedeutung oder auch das Längenmaß gemeint sein. Polysemie ist deutlich häufiger in der Gemeinsprache als in der Fachsprache anzutreffen, da die Mittel der Sprache in dieser Hinsicht begrenzt sind (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:139).

Von Homonymie ist dann die Rede, wenn Benennungen sich äußerlich gleichen, zwischen ihnen aber keine Assoziation besteht (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:140). So hat z.B. Ton im Wörterbuch zwei Einträge, nämlich Ton1 für lehmartige Substanz und Ton2 für Klang (vgl. Lehmann: w[2]). Die Abgrenzung zur Polysemie ist hier sehr dünn, weshalb die Unterscheidung auch sehr umstritten ist (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:136). Was nun jeweils vorliegt hängt davon ab, „wie die Sprecher einer Sprache identische Formen deuten und verstehen“ (ebd.:140). Homonymie ist es dann, wenn der Sprecher die unter­schiedlichen Bedeutungen und deren Zusammenhänge mit einem Wort nicht von alleine herstellt (vgl. ebd.).

2.3 Äquivalenz

Auch wenn Synonymie, Polysemie und Homonymie wichtige Grundlagen für die übersetzungsorientierte Terminologiearbeit sind, so ist es vor allem die Äquivalenz, die im Mittelpunkt steht. Eine Äquivalenz besteht dann, wenn es eine begriffliche Übereinstimmung zwischen einer Benennung und ihrem entsprechenden Gegenstück in der anderen Sprache gibt (vgl. Arntz/Picht/Schmitz 2014:141). Das Problem hierbei ist aber, dass jede Sprache die „begriffliche Einteilung der Wirklichkeit vielfach in unterschiedlicher Weise“ (ebd.) vornimmt. Da für ein Fach­wort der Begriffsinhalt die wichtigste Rolle spielt, ist es von großer Bedeutung, für einen Begriff in jeder Sprache getrennt ein Begriffssystem zu erstellen. Nur so lässt sich ein Vergleich herstellen (vgl. ebd.:144). Nur wenn alle Begriffsmerkmale überein­stimmen bzw. eine „begriffliche Identität vorliegt“ (ebd.), können zwei Benennungen als äquivalent anerkannt werden. Das Äquivalenzproblem ist daher ein weiterer Aspekt, der durch das Verwenden einer einheitlichen Terminologie gemindert werden kann. Durch Angaben wie orthographische Variante oder eine genau Definition können Termeinträge auf etwaige Äquivalenzprobleme aufmerksam machen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Terminologiedatenbank medizinischer Fachbegriffe und ihre Erstellung zum Thema Komplikationen und klinische Therapie verbrennungsbedingter Gewebeschäden
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
38
Katalognummer
V311444
ISBN (eBook)
9783668101012
ISBN (Buch)
9783668101029
Dateigröße
1201 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Terminologiearbeit, Terminologie
Arbeit zitieren
Julia Schönmann (Autor), 2015, Terminologiedatenbank medizinischer Fachbegriffe und ihre Erstellung zum Thema Komplikationen und klinische Therapie verbrennungsbedingter Gewebeschäden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311444

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