Otto Brückwald und die Neorenaissance. Das Verlagsgebäude von C.F. Peters und die Schröder-Villa


Hausarbeit, 2015

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... S. 3
Forschungsstand ... S. 3

1. Geschichte der Neorenaissance in Deutschland ... S. 4
2. Otto Brückwald ... S. 8
3. Talstraße 10 ... S. 9
3.1 Weitere Entwicklung der Neorenaissance ... S. 11
3.2 Schröder-Villa ... S. 13

Fazit ... S. 14

Literaturverzeichnis ... S. 15
Abbildungsverzeichnis ... S. 16
Abbildungsnachweis ... S. 27

Einleitung

Im 19. Jahrhundert kam es im Bereich der Ostvorstadt zu vermehrtem Ansiedeln von Verlagen, Druckereien und Antiquariaten. Nachdem sich die Stadt ab Ende der 1820er Jahre von den Napoleonischen Kriegen erholt hatte, folgte in den 1830er Jahren wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung.1 Ab den 1840er Jahren begann man mit der Parzellierung und Bebauung des Gebiets des Großbosischen Gartens, dem heutigen Bereich zwischen Ring, Johannisplatz, Talstraße und Rossplatz. Eines der ersten Gebäude, die dort entstanden, war das 1844 fertiggestellte Haus Königsstraße 5, das heutige Mendelssohnhaus. Ab den 1860er Jahren kam es zur vermehrten Errichtung von spätklassizistischen bis Neorenaissance-Bauten.

Hier erbaute Otto Brückwald 1874 für den Verleger Max Abraham das Gebäude Talstraße 10, eine elegante Villa im Stil der Neorenaissance. Die Erweiterung der klassizistischen Formensprache um Elemente der Renaissance entsprach dem aktuellen Geschmack. Die vorliegende Arbeit möchte die Entwicklungslinien in der Architekturgeschichte aufzeigen, die zu der Situation führten, in der das Gebäude erbaut wurde, und damit erklären, weshalb der Renaissance-Stil beim Bau gewählt wurde. Dabei wird zunächst die Geschichte der Neorenaissance von ihren Anfängen im frühen 19. Jahrhundert bis zum Beginn der 1870er Jahre beleuchtet. Danach wendet sich die Arbeit der Biographie Brückwalds und dem Gebäude zu. Des Weiteren möchte die Arbeit über einen Vergleich zu der 1883 errichteten Schröder-Villa in der Goldschmidtstraße 31 die weitere Entwicklung des Stils bis in die 1880er Jahre aufzeigen. Dafür wird zunächst auf die weitere Geschichte der Neorenaissance eingegangen und danach auf die Schröder-Villa.

Forschungsstand

Eine sehr umfassende Arbeit zur Neorenaissance hat Kurt Milde 1981 vorgelegt.2 Eine umfassende Darstellung zur gesamten Architektur des 19. Jahrhunderts, und dabei eine trotzdem tiefgehende Behandlung der Neorenaissance, lieferte Claude Mignot 1983.3 Ein umfangreiche und ausführliche Arbeit zur Architektur des 19. Jahrhunderts im europäischen Kontext schufen Robin Middleton und David Watkin 1987.4 Zum Historismus in Deutschland schrieb 1993 Dieter Dolgner 1993.5 Über die Architektur in Dresden im 19. Jahrhundert, dabei ausführlich über die Bauten Sempers und Nicolais, berichtete 1991 Volker Helas.6 Eine ausführliche Darstellung zum Maximilianstil findet sich in Winfried Nerdingers 1978 erschienenem Buch über Gottfried von Neureuther.7 Zu verschiedenen Bereichen der Neorenaissance, so u.a. zur Genese des Renaissance-Begriffs, zum Hatzfeldpalais in Wroclaw, zu Semper und zur späteren Geschichte der Neorenaissance in Böhmen und Wien wurde tiefgehend in einem Sammelband zu einem Symposium in Bad Muskau berichtet.8 Dabei stellen die in dem Band behandelten Themen gut den derzeitigen Forschungsstand zur Neorenaissance dar. Thomas Strobel hat 2005 als erster einen umfassenden Beitrag zur Biographie und den Bauten Otto Brückwalds geliefert in „Otto Brückwald: ein vergessener Künstler und Architekt“.9 Eine ausführliche Studie zur städtebaulichen Entwicklung der Ostvorstadt wurde 1998 vom PRO LEIPZIG e.V. veröfffentlicht.10 Einen Beitrag zur Architektur von Wohnbauten im 19. Jahrhundert in Leipzig lieferte 1979 Brunhild Gonschor.11

1. Geschichte der Neorenaissance in Deutschland

Eine Vielzahl an Publikationen über Baustile erschütterte zwischen 1750 und 1850 das „imaginäre Museum“12 der Architekten, vor allem Jean Nicolas Louis Durands Recueil et parallele des edifices de tous genres anciens et modernes (1800), in dem er Bauten aller Epochen und Länder nebeneinanderstellte. Nach Claude Mignot führte die „Erkenntnis der historischen und geografischen Vielfalt der Architektur […] mehr oder weniger zur Aufgabe des klassischen Ideals.“13 Diese Aufgabe des Ideals einer klassischen Architektur führte im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einem immer weniger strengen Umgang mit Formzitaten, der Integration vieler weiterer Stile von der französischen Renaissance, dem nordeuropäischen Manierismus bis hin zum Barock und Rokoko und letztendlich zu einer Zergliederung der Stilarten in Einzelmotive, wobei diese nun, aus ihrem Zusammenhang gelöst, frei miteinander kombiniert werden konnten.14 Winfried Nerdinger identifiziert vier Hauptströmungen, die zur Neorenaissance führten:15
1. das Benutzen eines italienischen Stils für pittoreske Gartengebäude in englischen Landschaftsgärten ab dem Ende des 18. Jahrhunderts,
2. den Bedeutungswandel des palladianischen Villentypus zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Galt Palladio zuvor noch als Vermittler einer reinen Antike, gewann man nun eine romantischitalienische Sicht auf seine Bauten, vor allem im Zusammenhang mit Landschaft,
3. das mit dem Einmarsch Napoleons in Italien nahezu parallele Erscheinen von Architekturbüchern über italienische Renaissance-Architektur und
4. die mangelnde Zweckmäßigkeit als ein Grundproblem der klassizistischen Architektur: Tempelfronten und Säulenhallen war für Mehrgeschossigkeit und neue Funktionen wie Krankenhäuser, einfache Schulen und bürgerliche Wohnhäuser wenig geeignet.
Seinen Anfang nahm die Neorenaissance in Frankreich mit Charles Percier und Pierre François Leonard Fontaine. Das Architektenduo arbeitete unermüdlich für Napoleon an den Plänen zur Umgestaltung von Paris und an Restaurierungen und Verschönerungen vieler Schlösser und Paläste.16 Ihnen bot die Vielfalt an Formen von der derben florentiner Renaissance des 15. Jahrhunderts bis zur graziösen venezianischen Renaissance des 16. Jahrhunderts brauchbare Anwendung für die vielfältigen Bedürfnisse von öffentlichen und privaten Gebäuden.17 Sie hielten den Stil der Renaissance für angemessener für ihre Zeit und sahen in den eleganten und sicheren Linien an den Fassaden der Palazzi einen Zwischenweg zwischen der Geziertheit des Rokoko, der griechischen Strenge und der römischen Größe.18 Ihre Veröffentlichungen Palais, maisons et autres edifices modernes dessines à Rome von 1798 und Choix des plus celebres maisons de plaisance de Rome et des environs von 1806 wurden zu Vorlagen für Architekten in ganz Europa. Leo von Klenze hatte in Paris mit Percier und Fontaine zusammengearbeitet und wurde dabei stilistisch geprägt. Von 1803-1813 arbeitete Klenze für Jérôme Bonaparte und baute für ihn 1812/13 ein kleines Theater für das Schloss Wilhelmshöhe, den vermutlich ersten Neorenaissance-Bau in Deutschland.19 Mit dem Fall Napoleons flüchtete Klenze 1813 nach München und wurde über den Kronprinzen Ludwig an König Maximilian I. als Hofarchitekt vermittelt. Mit dem Palazzo Farnese in Rom als Vorbild baute er 1816 das Leuchtenberg-Palais [Abb. 1], das lange Zeit als der Initialbau der Neorenaissance in Deutschland betrachtet wurde, dessen Bedeutung in neuerer Literatur jedoch geringer geschätzt wird.20 Klenze baute in München bis in die 1840er Jahre zahlreiche Bauten im Renaissance-Stil, darunter am bekanntesten den 1826-1835 für die Münchner Residenz errichteten Königsbau, der die florentinischen Palazzi Pitti und Rucellai zitiert.21 Bei der Alten Pinakothek, die Klenze 1830 fertigstellte, benutzter er erstmals Renaissance-Bauformen für eine moderne Bauaufgabe.22

[...]


1 Vgl. Gonschor, Brunhild: Zur Denkmalerfassung – Wohnbauten und Geschäftshäuser zwischen 1830 und 1930 in Leipzig. In: Müller, Hans (Red.): Denkmale in Sachsen. Ihre Erhaltung und Pflege in den Bezirken Dresden, Karl- Marx-Stadt, Leipzig und Cottbus. Weimar 1979. S. 366.
2 Milde, Kurt: Neorenaissance in der deutschen Architektur des 19. Jahrhunderts. Grundlagen, Wesen und Gültigkeit. Dresden 1981.
3 Mignot, Claude: Architektur des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1983.
4 Middleton, Robin; Watkin, David: Weltgeschichte der Architektur. Klassizismus und Historismus. Stuttgart 1987.
5 Dolgner, Dieter: Historismus. Deutsche Baukunst 1815-1900. Leipzig 1993.
6 Helas, Volker: Architektur in Dresden. 1800-1900. Dresden 1991.
7 Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Gottfried von Neureuther. Architekt der Neorenaissance in Bayern. 1811-1887. München 1978.
8 Krause, Walter (Hrsg.); Laudel, Heidrun (Hrsg.); Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Neorenaissance – Ansprüche an einen Stil. Zweites Historismus-Symposium. Dresden 2001.
9 Strobel, Thomas: Otto Brückwald. Ein vergessener Künstler und Architekt. München 2006.
10 Kühn, Christoph (Hrsg.); Kirschner, Harald (Hrsg.): Ostvorstadt. Eine historische und städtebauliche Studie. Leipzig 1998.
11 Gonschor 1979.
12 Vgl. Mignot 1983, S. 17.
13 Zitiert aus Mignot 1983, S. 19.
14 Vgl. Mignot 1983, S. 146-148.
15 Vgl. Nerdinger 1978, S. 150-153.
16 Vgl. Middleton, Robin; Watkin, David: Weltgeschichte der Architektur. Klassizismus und Historismus. Bd. 2. Stuttgart 1987. S. 211.
17 Vgl. Mignot 1983, S. 17; Vgl. Nerdinger 1978, S. 153.
18 Vgl. Mignot 1983, S. 17.
19 Vgl. Dolgner 1993, S. 48.
20 Vgl. Ebd. S. 49; Krause, Walter; Laudel, Heidrun; Nerdinger, Winfried: Vorwort der Herausgeber. In: Krause 2001. S. 9.
21 Vgl. Middleton 1987, S. 269.
22 Vgl. Dolgner 1993, S. 50.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Otto Brückwald und die Neorenaissance. Das Verlagsgebäude von C.F. Peters und die Schröder-Villa
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Gegenstandssicherung Architektur
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V311758
ISBN (eBook)
9783668107847
ISBN (Buch)
9783668107854
Dateigröße
1083 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Otto Brückwald, Neorenaissance, Neobarock, Historismus, Kunst, Kunstgeschichte, Architektur, C.F. Peters, CF Peters, Musikverlag, Schröder-Villa, Verlagsgebäude, Henri Hinrichsen, Max Abraham
Arbeit zitieren
Arne Böttger (Autor), 2015, Otto Brückwald und die Neorenaissance. Das Verlagsgebäude von C.F. Peters und die Schröder-Villa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311758

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