Jesuitenmissionar Heinrich Roth und Johannes Grueber. Ihr Einfluss auf die China Illustrata von Athanasius Kircher


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.1 P. Heinrich Roth S.J.
1.2 P. Johannes Grueber S.J.
1.3 Die gemeinsame Reise Roths und Gruebers
1.4 Das Treffen in Rom

2. China Illustrata

Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Jesuit Athanasius Kircher, Mathematiker, Philosoph, Historiker, Sprachwissenschaftler, Ägyptologe und Erfinder, galt in seiner Zeit als einer der populärsten Gelehrten der Welt. Sein größtes Verdienst sollte gewesen sein, die Hieroglyphen als erster entziffert zu haben. Von dieser Wertschätzung kam man im Laufe der Jahrhunderte ab, muss aber bis heute zugestehen, dass er in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit einer genialen Doppelstrategie verfuhr: neben eigenen wissenschaftlichen Ergebnissen (siehe Entzifferung der Hieroglyphen) nutzte er ein Netz von Informanten, die ihm aus aller Welt Erkenntnisse zukommen ließen, zu denen er in seinem beschränkten Bewegungsradius nicht gelangen konnte.

In seinem „Prooemium ad Lectorem“ beschreibt Kircher die Informanten für seine China Illustrata. Da sind zu nennen Martinus Martinius, ein Schüler Kirchers, welchen dieser für sein Werk „Novus atlas Sinesis“ bewunderte; Michael Boym, ein Pole, welcher vom letzten Ming-Herrscher, als Botschafter nach Rom geschickt wurde; Johannes Grueber und Heinrich Roth1. Über Grueber und Roth schreibt Kircher:

„Subsecuti sunt hunc Romae adhuc subsistentem alii duo Patres Germani, quorum primus P. Joannes Gruberus Linzensis Austriacus, alter P. Henricus Roth Augustanus, Viri studiorum cultu insignes, nec non magna rerum experientia docti, eam mihi rerum rarissimarum ubertatem contulerunt, ut iis describendis ingens copia paene me inopem fecisse videatur.“2

Während sich bereits viele Historiker mit dem indischen Alphabet und der Sanskrit- Grammatik Heinrich Roths oder mit dessen Biographie beschäftigten, hat bisher niemand unternommen, die Schrift Kirchers nach dem weiteren Einfluss Roths oder Gruebers zu untersuchen. Eine erste Bestandsaufnahme dieses Einflusses soll hier vorgenommen werden. Während Grueber den Großteil seiner Zeit als Missionar in China verbracht und dort mathematische und astronomische Studien betrieb, lernte Roth mit einem herausragenden Talent für das Erlernen fremder Sprachen Kanaresisch, Persisch und Sanskrit. Nach Robert de Nobili (1577-1656) war er wohl der erste Europäer, der das Sanskrit fließend sprach. In der China Illustrata haben seine Schriftzeichentafeln leider lediglich den Charakter von etwas Kuriosem oder Exotischem, dass präsentiert wird.

Doch haben Grueber und Roth weitaus mehr Einfluss auf das Werk gehabt, als nur die Vermittlung von Schriftzeichen und mathematische und geographische Berechnungen, die Kircher zum Erstellen von Karten nutzte.

Grueber und Roth haben Kircher detailreiche Schilderungen des Alltags und der Tradition in China, Indien und Tibet geliefert. Worum es sich dabei im Einzelnen handelt und wie die Zusammenarbeit Kirchers mit Grueber und Roth konkret aussah, soll hier beleuchtet werden. Ebenso wird nach Rückschlüssen auf die jesuitische Mission, auf ihre Vorgehens- und Wirkungsweise gesucht.

Begonnen wird mit einem kurzen Abriss von Roths Leben und Reisen. Johann Gruebers Leben, über das es nur wenig Belegbares gibt, wird vorgestellt, und es wird das Treffen Kirchers Kirchers Roths und Gruebers beleuchtet. Die wichtigste Quelle hierfür ist Kircher selbst, der von der Anwesenheit der beiden Missionare berichtete, und die ihm vielleicht diktierten.3Danach wird die China Illustrata nach Erwähnungen der Patres untersucht.

1.1 P. Heinrich Roth S.J.

Heinrich Roth wurde am 18. Dezember 1620 in Dillingen geboren. Er studierte an der Universität Dillingen und trat am 25. Oktober 1639 der Gesellschaft Jesu bei. Am 3. August 1649 wurde er von einem Kürassier während eines Spaziergangs angegriffen und schwerst verwundet.4Auf dem Krankenbett gelobte er, sein Leben der Mission in Indien zu widmen, falls ihm Gott das Leben erhalten würde.5Nach seiner Genesung bat er am 25. Januar 1650 um die Erfüllung seines Gelübdes, was ihm gerne bewilligt wurde, so dass er von P. General Franz Piccolomini, vorerst mit dem Ziel Äthiopien, am 18. Juni 1650 losgeschickt wurde. Piccolominis Reiseinstruktionen folgend, begab sich Roth zunächst nach Smyrna, wo er Ende des Jahres zusammen mit seinem Begleiter P. Franz Storer ankam, und reiste von da weiter nach Isfahan. Als sie am 19. August 1651 Isfahan erreichten, erfuhren sie, dass in Arabien Jesuiten verfolgt würden, woraufhin Roth und Storer die Stadt verließen und Anfang Februar 1652 Goa erreichten, wo sich ihre Wege trennten.6Roth erlernte hier Kanaresisch und wurde als Seelsorger in Cuculi auf der Halbinsel Salsette eingesetzt, von wo er zwei Jahre später nach Visapor aufbrach, um dort zusammen mit P. Botelho eine Missionsstation zu gründen. Da sich dieses Vorhaben jedoch als aussichtslos erwies, reiste Roth nach Agra weiter, wo er im April 1654 eintraf7.

Nachdem sich Roth in Agra bereits Hindustani und Persisch angeeignet hatte, wurde ihm durch einen Brahmanen, der sich vermutlich durch einen Heilserfolg Roth verpflichtet hatte8, innerhalb von sechs Jahren, von 1654 bis 16609, Sanskrit vermittelt.10Nach dem Vorbild P. Roberto de Nobili wollte Roth das Sanskrit nutzen, um zu bekehren. Er schreibt am 9. Oktober 1666 aus Surat an den Pater Provinzial in München:

„Nachdem ich dererselben Schul- und Kirchen-Sprach (so sie die Heilige oder Sanscretanische heißen) erlernet/ fienge ich nach meiner Wenigkeit an mit ihnen nicht ohne Frucht zu disputiren.“11

Im Jahr 1654 wurde Roth ebenfalls Rektor des Jesuitenkollegiums in Agra. Bis zu seiner Abreise von dort im Dezember 1662 war er unter anderem als Seelsorger, Arzt, Lehrer, Dolmetscher und Missionar tätig. Dies war übrigens keine ganz ungefährliche Tätigkeit, da Gottesdienste häufig von Anschlägen bedroht waren.12

1.2 P. Johannes Grueber S.J.

Über die Kindheit des am 28. Oktober 1623 in Linz geborenen Jesuiten, Missionars und Forschungsreisenden Johannes Grueber ist wenig bekannt.13

[...]


1 Vgl. Szczesniak, Baleslaw: Athanasius Kircher's: China Illustrata. In: Osiris, Vol. 10. 1952, S. 393-394.; Vgl. Kircher, Athanasius/Van Tuyl, Charles D.: China Illustrata With Sacred and Secular Monuments, Various Spectacles of Nature and Art and Other Memorabilia. Bloomington 1987, S. IV

2 Kircher, Athanasius: China Monumentis Qua Sacris quà Profanis, Nec non variis Naturæ & Artis Spectaculis, Aliarumque rerum memorabilium Argumentis Illustrata, Auspiciis Leopoldi Primi Roman. Imper. Semper Augusti Munificentißimi Mecænatis. Amsterdam 1667, Prooemium S. 2/3.; Ins Englische übersetzt von Charles D. Van Tuyl: „Two other German fathers came to Rome, the first being Fr. Johannes Grueber of Linz in Austria, and the other Fr. Henry Roth of Augsburg. These men are distinguished for their scholarship and great experience. They brought me many rare things, so many that I was almost unable to describe them all.“ Kircher, Athanasius/Van Tuyl, Charles D.: China Illustrata With Sacred and Secular Monuments, Various Spectacles of Nature and Art and Other Memorabilia. Bloomington 1987, S. IV.

3 Vgl. Kircher 1667, Prooemium S. 2/3.

4 Vgl. Euringer, Sebastian: P. Heinrich Roth S. I. von Dillingen. In: Jahrbuch des historischen Vereins Dillingen an der Donau. JG 30, Dillingen 1918, S. 13.

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Ebd. S. 16-20.

7 Vgl. Hauschild, Richard: Die erste Publikation der indischen Nagari-Schriftzeichen in Europa durch Athanasius Kircher und Heinrich Roth. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe, JG 5. Jena 1955/1956, S. 502.

8 Vgl. Euringer 1918, S. 21.

9 Vgl. Hauschild 1955/56, S. 503.

10 Vgl. Kircher 1667, S. 162.

11 Stöcklein, Joseph: Der Neue Welt-Bott Mit allerhand Nachrichten Dern Missionariorum Soc. Jesu.. Allerhand So Lehr- als Geist-reiche Brief/Schrifften und Reis-Beschreibungen/ Welche von denen Missionariis der Gesellschafft Jesu aus Beyden Indien/ und andern Über Meer gelegenen Ländern/ Seit An. 1642 bis auf das Jahr 1726 in Europa angelangt seynd. Jetzt zum erstenman Theils aus Handschrifftlichen Urkunden/ theils aus denen Französischen Lettres Edifiantes verteutscht und zusammen getragen von Joseph Stöcklein/ gedachter Societat Jesu Priester. Augsburg 1728, S. 114.

12 Vgl. Euringer 1918, S. 22-23.

13 Vgl. Wessels, Cornelius: Early Jesuit Travellers in Central Asia. 1603-1721. New Delhi/ Madras 1992, S.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Jesuitenmissionar Heinrich Roth und Johannes Grueber. Ihr Einfluss auf die China Illustrata von Athanasius Kircher
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Indien und Europa in der frühen Neuzeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V311762
ISBN (eBook)
9783668112001
ISBN (Buch)
9783668112018
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Athanasius Kircher, Johannes Grueber, Heinrich Roth, China Illustrata, Indien, Jesuiten, Mission, Missionare, Kolonialisierung, Frühe Neuzeit
Arbeit zitieren
Arne Böttger (Autor), 2012, Jesuitenmissionar Heinrich Roth und Johannes Grueber. Ihr Einfluss auf die China Illustrata von Athanasius Kircher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311762

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Jesuitenmissionar Heinrich Roth und Johannes Grueber. Ihr Einfluss auf die China Illustrata von Athanasius Kircher


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden