Der Tod und die Alterität des Sterbens. Lernen als letzte Aufgabe


Seminararbeit, 2013

9 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sterben- Lernen

3. Sozialität
3.1 Sterbebegleitung
3.2 Der „soziale“ Tod

4. Kulturalität
4.1 Verschiedene Umgangsformen mit dem Tod
4.2 Die Frage nach dem Leben danach

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Tod ist ein wichtiger und unumgänglicher Teil des Lebens. Doch Sterben will gelernt sein. Wie dieser Prozess von statten geht und mit welchen anthropologischen Dimensionen er zusammen hängt, werde ich im Folgenden ausführen und erklären. Schon seit geraumer Zeit versuchen die Menschen dem Tod zu entfliehen, indem sie ihn aus ihrem Leben verdrängen.[1] Ein Erklärungsversuch zu diesem Phänomen wäre, dass der Gedanke an den Tod und das Sterben an sich dem natürlichen Selbsterhaltungstrieb des Menschen widerspricht. Doch wie kann man dem Tod den Schrecken nehmen, wenn man ihn verdrängt? Meiner Meinung nach ist Konfrontation die beste Art mit beängstigenden Situationen umzugehen. Eben deswegen ist Sterben – Lernen ein sehr wichtiges Lernen, da man hier lernt damit umzugehen und somit den Schrecken davor verliert. Die Angst rührt wohl daher, dass der Tod bzw. das Sterben etwas Unbekanntes und nicht Erforschbares ist. Die meisten Menschen verlieren ihre Angst vor etwas durch ausprobieren. Doch das ist natürlich nicht möglich. Was mich wieder zum Sterben – Lernen führt, da dieses impliziert sich intensiv mit dem Tod und dem Sterben zu beschäftigen und sich selber mit dem Gedanken daran zu konfrontieren. Doch dazu werde ich näher in meinem nächsten Gliederungspunkt eingehen. Die Frage die ich mir hierbei stelle, ist die woher diese Angst vor dem Tod wohl kommen mag? Jeder Mensch weiß, dass sterben unvermeidlich ist und doch denkt man, man könnte es verhindern oder sich dem entziehen. Gerade in der heutigen Zeit kennt jeder grob die Biologie des menschlichen Körpers und weiß, dass dieser früher oder später verfällt. Somit ist zumindest der Tod anderer schon lange kein Mysterium mehr. Also warum sich dagegen wehren? Sollte man sich nicht vielmehr damit abfinden und das Beste aus seinem Leben machen solange man die Gelegenheit hat? Ich denke der Tod sollte viel präsenter im Leben sein. Eben damit man sich öfter Gedanken über sein Leben und seine Entscheidungen, die man trifft macht. Ich glaube deswegen habe ich dieses Thema gewählt. Nicht weil ich mich vor dem Tod fürchte, sondern weil er mich fasziniert. Ich möchte, mit dieser Arbeit, wohl einigen den Schrecken davor nehmen oder sie zumindest so weit aufklären, dass sie sich mehr mit dem Thema beschäftigen und sich den Tod bzw. das Sterben bewusster machen. Denn ich denke das Sterben – Lernen ist ein sehr wichtiger Teil des Leben – Lernens. Denn wie kann man Leben, wenn man nicht sterben kann?

2. Sterben- Lernen

„Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen.“ (Marie von Ebner – Eschenbach). Ich denke eine kurze Definition des Begriffs Lernen im pädagogischen Sinn kann hier helfen. ʹ¢Lernen bezieht sich auf die mehr oder weniger reflexive Gewinnung bzw. Aneignung und die Erarbeitung bzw. den Besitz von verändertem (kognitiven, praktischen, emotionalen etc.) Wissen.[2] D.h. etwas erlernen erfordert die Veränderung bzw. Gewinnung von vorhandenem bzw. neuem Wissen. Der Begriff Sterben – Lernen ist ein Teil des Begriffs Leben – Lernen, welcher weiterhin Überleben-Lernen, Lebensbefähigung – Lernen, Biographisches – Lernen und Lebenskunst – Lernen impliziert. Sterben – Lernen bezeichnet den Vorgang, in dem man lernen soll wie man „stirbt“ bzw. wie man lernt damit umzugehen. Es ist einem offensichtlich nicht möglich diesen Vorgang durch wiederholendes Üben zu erlernen, also wie soll es dann von statten gehen? Die meisten werden wohl denken, dass das Sterben – Lernen sich auf den Prozess des Sterbens bezieht, dem ist jedoch nicht so. Vielmehr bezieht es sich auf die mentale Vorbereitung und auf die Akzeptanz, dass das Leben irgendwann ein Ende hat. Wie bereits in der Einleitung genannt, denke ich, dass hier die Konfrontation die beste Möglichkeit ist sich das Wissen anzueignen, das einem helfen soll sich mit dem Tod abzufinden und sich diesen bewusst zu machen. D.h. dem Tod nicht aus dem Weg zu gehen und ihn nicht aus seinem Leben zu verdrängen. Es sollte einem möglich sein seinen Frieden damit zu machen und kein Tabu – Thema daraus zu machen, wie es in der heutigen Gesellschaft so üblich ist. Meiner Ansicht nach sollte die Gesellschaft damit aufhören den Tod als etwas Erschreckendes und unfaires darzustellen. Er gehört zum Leben wie das Leben selbst. Solange man gesagt bekommt, dass der Tod so ziemlich das Schlimmste sei was einem passieren könne, wird man nicht lernen können sich mit dem Gedanken anzufreunden. Interessanterweise liegt die Bereitschaft im Sterben – Lernen bei älteren Menschen höher als bei jungen Menschen. Natürlich liegt auch die Wahrscheinlichkeit zu sterben im Alter höher als in jüngeren Jahren, jedoch sollte man, meiner Meinung nach, nicht außer acht lassen, dass man das Leben erst in vollen Zügen auskosten kann, wenn man gelernt hat zu sterben um sich somit das Leben bewusst zu machen. Ich würde den Begriff des Sterben – Lernens gerne noch mit einer Geschichte erläutern, die einem zeigen soll wie der Prozess des Lernens sich abspielt. Ich habe eine Nachbarin, die kürzlich ihren 85. Geburtstag gefeiert hat und seit kurzem berichtet wie sie, ihr bereits vor fünf Jahren verstorbener Mann, in ihren Träumen ruft. Und obwohl sie für ihr Alter Kerngesund ist weiß sie doch, dass ihr Leben sich dem Ende zu neigt. Man konnte gut beobachten, wie sie in den letzten Monaten, den Verlauf des Sterbens – Lernen durchlebt hat ohne es zu wissen. Sie hat den Schrecken davor verloren und ihren Frieden gefunden. An diesem Beispiel kann man erkennen, dass das Sterben – Lernen auch ein unbewusster Prozess sein kann, jedoch meiner Überzeugung nach ein notwendiger. Man sollte aufhören sich zu wehren und den Tod einfach als solchen akzeptieren.

3. Sozialität

„Der Mensch ist, und darauf hat die Antike schon eindringlich hingewiesen, ein zoon politikon, ein soziales Wesen“.[3] Ohne Sozialität wäre ein menschliches Zusammenleben nicht möglich, da das soziale im Menschen ein Zusammenleben regelt und einem intuitiv zeigt wie man mit anderen Menschen umzugehen hat. Weiterhin regelt das Soziale im Menschen auch die Fähigkeit sich emotional an jemanden binden zu können und nicht mit Gleichgültigkeit für alle Anderen zu leben. Im Alter spielt die Sozialität eine sehr zentrale Rolle für die Verständigung zwischen Jung und Alt. Denn die Erziehung unterscheidet sich in jeder Generation, da Erziehung etwas ist, das sich ständig im Wandel befindet und somit auch alles was mit ihr zusammen hängt.

Auch das Sterben und der Tod sind soziale Vorgänge. Wenn man zum Beispiel erfährt dass man eine tödliche Krankheit hat, möchte man sich schließlich von den Menschen in seinem Umfeld verabschieden und sein Leid mit ihnen teilen. Auch die Trauer der Verbliebenen ist ein sozialer Prozess, denn wäre der Mensch kein soziales Wesen, würde er, denke ich, den Verstorbenen nicht nachtrauern, da er dann nicht dazu in der Lage wäre eine emotionale Bindung zu anderen Personen aufzubauen. Auch das Ritual einer Beerdigung hängt sehr stark mit der Sozialität der Menschen zusammen. Man möchte jemandem die letzte Ehre und seinen Respekt erweisen, was ohne Sozialität nicht stattfinden würde. Weiterhin spielt die Sozialität eine große Rolle im Alter im Zusammenhang mit dem Sterben und dem Tod im Sinne einer bewussten Verabschiedung und der Sterbebegleitung, worauf ich, im nächsten Abschnitt näher eingehen werde.

[...]


[1] vgl. Graf/Meier (2004), S.12

[2] Göhlich/Zirfas (2007), zitiert nach: Zirfas, Jörg: Sterben lernen. Historische Anmerkungen zum philosophischen und pädagogischen Umgang mit der Endlichkeit

[3] Zirfas (2004), S.130

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Der Tod und die Alterität des Sterbens. Lernen als letzte Aufgabe
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Pädagogik)
Veranstaltung
Anthropologie des Alters
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V311956
ISBN (eBook)
9783668110007
ISBN (Buch)
9783668110014
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anthropologie des Alters, sterben, lernen, tod, alterität
Arbeit zitieren
Marc Buchbender (Autor), 2013, Der Tod und die Alterität des Sterbens. Lernen als letzte Aufgabe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/311956

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