Umlageverfahren versus Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rentenversicherung

Kritische Diskussion der beiden Verfahren


Seminararbeit, 2015

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Formelverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren
2.1. Das Umlageverfahren
2.2. Das Kapitaldeckungsverfahren
2.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Verfahren

3. Kritische Betrachtung des Umlageverfahrens im Hinblick auf den demographischen Wandel

4. Die Riester Rente als möglichen Ausweg aus der demographischen Zwickmühle
4.1 Funktionsweise der Riester Rente
4.2 Kritik an der Riester Rente
4.3 Mögliche Lösungsansätze

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Einnahmen und Ausgaben im Umlageverfahren

Abbildung 2: Einnahmen und Ausgaben im Kapitaldeckungsverfahren

Abbildung 3: Vorausberechnung des Bevölkerungsalters

Abbildung 4: Zukünftige Entwicklung der Bevölkerung im Alter ab 65 Jahre

Abbildung 5: Zukünftige Entwicklung der Bevölkerung im Erwerbsalter

Abbildung 6: Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern 2013 und 2035

Abbildung 7: Entwicklung der privaten Altersvorsorge

Symbolverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formelverzeichnis:

Formel 1: Einnahmen des Rentenversicherungsträgers im Umlageverfahren

Formel 2: Ausgaben des Rentenversicherungsträgers im Umlageverfahren

Formel 3: Gleichsetzung der Einnahmen und Ausgaben im Umlageverfahren

Formel 4: Budgetgleichung des Umlageverfahrens

1. Einleitung

Wie in allen entwickelten Volkswirtschaften ist auch die Bundesrepublik Deutschland dem Prozess der doppelten Alterung unterworfen.1 Diesem demographischen Wandel geschuldet, finden seit Jahren auf wissenschaftlicher und politischer Ebene Auseinandersetzungen zur Frage eines geeigneten Finanzierungssystems für die Altersvorsorge statt. Unter der Altersvorsorge versteht man den Transfer von Mitteln zum Lebensunterhalt aus der Phase der Erwerbstätigkeit in die Phase des Ruhestands im Alter2. Zur Finanzierung der Alterssicherung stehen dabei zwei Verfahren zur Verfügung: zum einen das Umlageverfahren und zum anderen das Kapitaldeckungsverfahren.

Das deutsche Modell der Altersvorsorge beruht auf drei Säulen, wobei der Hauptpfeiler der gesetzlichen Rentenversicherung das Umlageverfahren ist. Die zweite und dritte Ebene der Alterssicherung beruhen auf der betrieblichen und privaten Vorsorge, welche auf Basis des Kapitaldeckungsverfahrens funktionieren. Dabei wächst die Bedeutung der zweiten und dritten Säule immer weiter an, und es lässt sich in den letzten Jahren eine Gewichtsverschiebung in Richtung der individuellen Vorsorge und der betrieblichen Altersversorgung erkennen.

Durch die Einführung der Riester Rente 2001 ist die private Vorsorge zu einem Bestandteil der staatlichen Alterssicherungspolitik geworden. In den Diskussionen geht es meist um die Frage, ob wir uns von unserem jetzigen Rentensystem abwenden oder es lediglich ergänzen sollten.3 Zum besseren Verständnis dieser Debatte werde ich in der Arbeit zunächst das Umlageverfahren und die Kapitaldeckung darstellen und die Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herausarbeiten.

Angesichts der Komplexität und der Weite des Themas werde ich anschließend speziell auf das Umlageverfahren im Hinblick auf den demographischen Wandel und auf die Riester-Förderung als möglichen Ausweg aus der demographischen Zwickmühle eingehen.

2. Das Umlageverfahren

Wie bereits in der Einleitung erwähnt ist d as Umlageverfahren seit 1957 der Hauptpfeiler des Rentensystems in Deutschland . 4

Es ist dadurch gekennzeichnet, dass die jüngere Generation die Rente der älteren Generation finanziert. Die Beiträge zur Rentenversicherung verhalten sich somit in jedem Monat äquivalent zu den ausgezahlten Renten. Es wird somit kein Kapitalstock gebildet, bzw. allenfalls in einem kleinen Rahmen, um kurzfristige Schwankungen zwischen Einnahmen und Ausgaben ausgleichen zu können.5

Man verwendet den Begriff „Umlageverfahren“, da das Geld, das für die Zahlung der heutigen Renten benötigt wird, direkt auf die heutigen Erwerbstätigen umgelegt wird. Das findet von Generation zu Generation statt. Daher spricht man dabei auch von einem Generationenvertrag.6 In Abbildung 1 wird die Funktionsweise des Umlageverfahrens vereinfacht dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einnahmen und Ausgaben im Umlageverfahren

Quelle: In Anlehnung an Breyer (1990), Seite 6.

Das umlagefinanzierte Rentensystem muss staatlich organisiert werden, da es einen Prozess der intergenerationalen Umverteilung beinhaltet. Die Rentenzahler sind dabei einer Versicherungspflicht und die Leistungsanbieter einem Kontrahierungszwang unterworfen.7 Man spricht dabei auch von einer Zwangsversicherung.8

Das Umlageverfahren vertraut auf die Stabilität des nationalen Arbeitsmarktes, da die Renten steigen können, wenn es mehr Erwerbstätige gibt, die in die Rentenkasse einzahlen, diese mehr verdienen oder der Beitragssatz steigt.9

3. Das Kapitaldeckungsverfahren

Bei dem Kapitaldeckungsverfahren spart eine Generation während des Erwerbslebens das an,was sie später inklusive der Verzinsung als Rente erhält (siehe Abbildung 2).

Somit wird die Rente durch die eigenen Ersparnisse finanziert und hängt von den monatlichen Sparraten und den Kapitalerträgen ab.

Dabei wird das Geld in Fonds, private Lebens- oder Rentenversicherungen oder betriebliche Altersversorgungen angelegt.

Man unterscheidet zwischen dem „Anwartschaftsdeckungsverfahren“, bei dem die Beiträge so bemessen sein müssen, dass später die Summe aus den Zinserträgen und den Tilgungen des Kapitalstocks ausreichen, um die erwarteten Versicherungsleistungen vollständig abzudecken, und dem „Abschnittsdeckungsverfahren“, bei dem der Kapitalstock zu den erwarteten Ausgaben einer bestimmten, meist mehrere Jahre umfassenden Periode abgesichert sein muss.10

Im Gegensatz zum Umlageverfahren vertraut das Kapitaldeckungsverfahren somit auf die Stabilität des nationalen und internationalen Kapitals und der Immobilienmärkte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Einnahmen und Ausgaben im Kapitaldeckungsverfahren

Quelle: In Anlehnung an Breyer (1990), Seite 6.

4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Verfahren

4.1. Unterschiede Umlageverfahren vs Kapitaldeckung

Die beiden Verfahren lassen sich im Wesentlichen anhand dreier Gesichtspunkte unterscheiden. Zunächst einmal sind sie besonders im Hinblick auf die intergenerativen Verteilungswirkungen zu differenzieren.11 Beim Umlaufverfahren werden die Beiträge für die Rentenversicherung nicht angespart, sondern es wird monatsweise gelebt.

Anders sieht es bei dem Kapitaldeckungsverfahren aus. Da es dort eine lange Ansparphase gibt, müssen die Erträge Monat für Monat nicht zwingend gleich sein, sondern können variieren. Durch die Bildung eines Kapitalstocks wird eine Glättung im Zeitablauf zwischen Renditen magerer und Renditen fetter Jahre angestrebt.12

Der zweite Unterschied ist, dass das Umlageverfahren vom Lohnwachstum und dem Verhältnis Arbeitnehmer pro Rentner abhängt und das Kapitaldeckungsverfahren von den Kapitalerträgen und dem allgemeinen Zinsniveau.

Drittens arbeitet das Umlageverfahren national, da es aus den Beiträgen der in Deutschland sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen finanziert wird, während das Kapitaldeckungsverfahren durch die mögliche Nutzung der internationalen Kapitalmärkte eine internationale Komponente erhält.13

4.2. Gemeinsamkeiten Umlageverfahren vs. Kapitaldeckung

Angesichts der fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Systemen geraten die Gemeinsamkeiten oft in Vergessenheit.

Die wohl wichtigste Gemeinsamkeit - obwohl dies nicht direkt auf der Hand liegt - ist die, dass beide Ansätze auf unseren Kindern aufbauen. Beim Umlageverfahren ist das sofort ersichtlich, da die jüngere Generation die ältere finanziert. Aber auch das Kapitaldeckungsverfahren beruht darauf, dass die neuen Generationen die Zinsen, Dividenden und Wertzuwächse zahlen.14 In beiden Rentensystemen muss das Geld von irgendjemandem erwirtschaftet werden. Im Fall des Umlageverfahrens sind es die aktuell Erwerbstätigen, die einen Teil ihres Einkommens an die Rentner abgeben. Im Fall des Kapitaldeckungsverfahrens sind es die aktuellen Sparer, die den Rentnern ihre Kapitalanlage abkaufen.

Somit wird ersichtlich, dass in beiden Systemen die aktuell Erwerbstätigen die Renten bezahlen - nur geschieht das im Umlageverfahren direkt, während im Kapitaldeckungsverfahren die Kapitalmärkte zwischengeschaltet sind. Der einzige Unterschied liegt dabei in der rechtlichen Perspektive. Beim Kapitaldeckungsverfahren erhält der Beitragszahler ein Eigentumsrecht, wobei es sich beim Umlageverfahren zunächst einmal nur um eine Abgabe handelt.15

[...]


1 Vgl. Fred Wagner (2011), S. 348.

2 Vgl. Breyer, F. (2006), S. 113.

3 Vgl. Börsch-Supan, A. (2005), S. 1.

4 Betreffende Gesetzesvorschrift: § 153 SGB VI.

5 Vgl. Iben, G. (1999), S. 45.

6 Definition des Generationenvertrag: Schubert (2011), S. 45.

7 Vgl. Fred Wagner (2011), S. 347.

8 Vgl. Manow, P. (2000), S. 115.

9 Vgl. Börsch-Supan, A. (2005), S. 2.

10 Vgl. Fred Wagner (2011), S. 347.

11 Vgl. Wiegard 2001 S. 268.

12 Vgl. Iben, G. (1999), S. 45.

13 Vgl. Börsch-Supan, A. (2005), S. 2.

14 Vgl. Börsch-Supan, A. (2005), S. 3.

15 Vgl. Neumann, M. (1987), S. 38.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Umlageverfahren versus Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rentenversicherung
Untertitel
Kritische Diskussion der beiden Verfahren
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V312523
ISBN (eBook)
9783668116818
ISBN (Buch)
9783668116825
Dateigröße
1035 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitaldeckungsverfahren, Umlageverfahren, Wirtschaftspolitik, Riester Rete, Demographischer Wandel
Arbeit zitieren
Thomas Wallner (Autor), 2015, Umlageverfahren versus Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rentenversicherung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312523

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