Überwachen und überwacht werden. Das Panoptikum von Michel Foucault

Wirkung und Ziele des Panoptismus


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Panoptikum bei Foucault

3. Der Aufbau des Panopticons
3.1. Wirkung und Ziele des Panopticons

4. Das Panopticon als Macht

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Digitale Überwachung, Videokameras in Einkaufszentren, an Bahnhöfen und in Banken, die neugierig jeden Menschen beobachten und aufzeichnen: Ein alltägliches Bild in unserer Gesellschaft, das zum Grundbestand des Lebensvollzuges geworden ist. Die Kameras, die uns täglich aufnehmen, werden immer kleiner und unscheinbarer, sind jedoch nicht weniger präsent. Die Tatsache, dass diese Art von Überwachung immer vorhanden ist, mindert den Wunsch nach auffälligem Verhalten an öffentlichen Orten oder Diebstählen beim Einkaufen. Man versucht sich anzupassen. Michel Foucault schildert dieses Verhalten in seinem Werk „Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses“1 und geht dabei insbesondere auf das Phänomen des Überwachens ein. Er beschreibt dabei die Situation, in der sich ein Mensch befindet, wenn er von der Überwachung seiner Person weiß, allerdings den Überwachenden nicht ausfindig machen kann. Diese Situation bezeichnet er als Panoptismus, die als eine Form der Macht auftritt. Foucault entwickelt seinen Gedanken in Anlehnung an die von Jeremy Bentham ausgearbeitete Theorie des Panopticons, das die architektonische Instanz einer Disziplinargesellschaft darstellt, wobei der Hauptaspekt auf der hierarchischen Überwachung der Gesellschaft liegt. Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst mit dem Panoptismus von Foucault, wobei dessen Wirkung und Ziele erläutert werden und anschließend das Panoptikum als Macht dargestellt wird. Im letzten Kapitel werden die gewonnenen Erkenntnisse in einem Fazit zusammengefasst.

2. Das Panoptikum bei Foucault

In „Überwachen und Strafen“ erläutert Michel Foucault die Besonderheiten des Panoptikums. Er geht zunächst auf die Einzelheiten der Quarantäne im Falle einer Pestepidemie ein, die Ende des 17. Jahrhundert stattfand. An diesem Beispiel zeigt er die Anfänge der Überwachung, wenn eine Gesellschaft und die der Pest erlegene Stadt zum neuen Leitbild für Macht avanciert.2 Die Methodik der Überwachung zeichnet sich dadurch aus, dass die Bewohner bei einem Pestbefall in ihren Häusern bleiben müssen und dort von einer zuständigen Aufsicht beobachtet werden. Die Stadt wird abgeriegelt, sodass niemand hinein oder hinaus darf. Um eine bessere Überwachung zu ermöglichen, wird die Stadt zudem in verschiedene Abschnitte unterteilt, wobei jeder Bereich von einem Verwalter kontrolliert wird. Außerdem wird jede Straße dem Zuständigkeitsbereich eines Syndikus unterstellt. Auf einer höheren Ebene überwacht ein Verwalter den Syndikus und stellt sicher, dass dieser seinen Aufgaben und Pflichten in einem angemessenen Rahmen nachkommt.3 In diesem ausgearbeiteten System dürfen sich nur wenige Personen frei bewegen und auf den Straßen aufhalten. Die Erlaubnis dafür haben Soldaten und die sogenannten „Raben“, also die Personen, die die Toten begraben. Zudem findet eine tägliche Kontrolle der Einwohner statt, indem der Syndikus diese vor die Fenster der eigenen Häuser treten lässt, um ihren gesundheitlichen Zustand festzustellen. Wird diese Aufforderung missachtet, droht die Todesstrafe. Die Folge dieser Prozedur ist, dass jeder an seinen Platz gebunden ist und, bildlich betrachtet, in einem Käfig eingeschlossen ist.4 Es wird alles akribisch festgehalten, jeder Bürger und jedes Ereignis werden dokumentiert. Zum einen soll dieses Vorgehen Vollständigkeit gewährleisten, zum anderen eine Ordnung schaffen, die eine Vermischung der Infizierten verhindern soll. Laut Foucaults Meinung war die Pest dafür verantwortlich, dass solch eine Ordnung samt Disziplinierungsmaßnahmen geschaffen wurde. Durch diese Maßnahmen disziplinierter Überwachung und Überprüfung der Einwohner war es schließlich möglich, die Epidemie zu beseitigen. Diese Pestepidemie in einer Stadt legte also den Grundbaustein für die Überwachung, Sanktionierung und Registrierung von Individuen und die damit verbundene Disziplinargesellschaft. Der direkte Vergleich mit den Leprakranken macht deutlich, dass die davon betroffenen Individuen anders behandelt werden. Sie werden ausgestoßen, verbannt und ausgesetzt. Hierbei handelt es sich um keine disziplinierte Gesellschaft. Durch die Verbannung der Leprakranken ist eine Überwachung nicht angemessen und dementsprechend keine Disziplin erforderlich. Aus diesen Beispielen werden zwei Modelle der Macht ersichtlich. Das Vorgehen bei der Pestepidemie bietet einerseits ein Beispiel für Disziplinierung, indem die Menschen in ihre Häuser verwiesen werden, während man bei der Lepraepidemie auf eine Verbannung aus der Stadt setzt. Trotzt der Unterschiede sind sich die beiden Modelle ähnlich. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden sie miteinander kombiniert, was die Wirkung hatte, dass Leprakranke mit den gleichen Mitteln wie Pestranke behandelt wurden. In diesem Zusammenhang und auf Grundlage der sich aus den beiden Beispielen ergebenden Erkenntnisse verweist Foucault auf die Idee des Panoptikums von Jeremy Bentham, welche sich in einer architektonischen Umsetzung dieser Disziplinarmaßnahmen äußerte. Allerdings ist der Fall der Pestepidemie besonderer Natur, da die gemeinsamen Kräfte sich hier gegen die Krankheit an sich richteten und für das Überleben der Menschen eingesetzt wurden. Das Panoptikum steht aber für das gewaltfreie und zwangslose Erlangen des gewünschten Ergebnisses bei Häftlingen, was durch Macht zwar unterstützt wird, allerdings zum größten Teil unsichtbar bleibt. Die Parallelen zwischen dem Pestbeispiel und dem Modell des Panoptikums zeigen sich in der jeweiligen Ausführung. Die Opfer werden in beiden Fällen durch führende Personen eingeschlossen, wobei im Panoptikum die Isolation als zusätzlicher Faktor an Einfluss gewinnt, vergleichbar mit dem Umgang mit den Leprakranken. Im nächsten Kapitel wird das Modell des Panoptikums detaillierter erläutert.

3. Der Aufbau des Panopticons

Der Jurist und Philosoph Jeremy Bentham beschreibt in seinem Werk „Panopticon“ aus dem Jahr 17875 die Idee vom Bau einer perfekt strukturierten Einrichtung für Gefangene. Sein Konzept des Panopticons basiert auf der Rundumsicht bzw. einer kompletten Sichtbarkeit der Gefangenen. Dabei haben diese keine Möglichkeit, andere Mitinsassen zu beobachten. Diese Maßnahme bietet den Vorteil, dass eine große Menge an Gefangenen gleichzeitig überwacht und kontrolliert werden kann. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem „dauerhaften Gefängnistyp“ oder einer „Strafanstalt“.6 Die wichtigste Funktion des Panopticons ist die völlige Kontrolle des Insassen und dessen sichere Überzeugung, dass er unter permanenter Beobachtung steht, auch wenn das nicht immer zutrifft. Um dies zu gewährleisten, haben einerseits die Wächter einen hohen Anteil an der Überwachung, um die allgemeine Überzeugung davon aufrechtzuerhalten, andererseits müssen passende Räumlichkeiten vorhanden sein. Um die räumlichen Kriterien erfüllen zu können, muss zudem die architektonische Struktur des Gebäudes den genannten Voraussetzungen des Sehens und Beobachtens angepasst sein. Hierbei kommt ein kreisrundes Gebäude zum Einsatz, welches jeweils separate strahlenförmig angeordnete Zellen einrahmt.7 Jeder Raum hat ein Fenster und wird an der Außenseite mit Licht durchflutet, wobei die Innenseite mit Gitterstäben versehen ist. Somit entgeht dem Wärter aufgrund seines freies Sichtfeldes auf den Gefangenen nichts. Jeder Raum ist konzipiert für einen Gefangenen und hat die Besonderheit, dass Zellennachbarn sich weder sehen, noch miteinander kommunizieren können. Möglich macht dies eine verlängerte Trennwand, die im Zwischenbereich hinter den Gitterstäben verläuft. Foucault bezeichnet diese Art von Überwachung als einen „Käfig, in dem jeder Insasse alleine, vollkommen isoliert und ständig sichtbar ist“.8 Die Kreisform des Gebäudes ermöglicht zudem eine komplette Überwachung, da jeder Raum von dem sich in der Mitte befindenden Aufsichtsturm einheitlich zu erfassen ist. Ein weiterer Vorteil liegt in den Jalousien des Aufsichtsturms. Diese sind so eingestellt, dass man von außen nicht sehen kann, ob sich jemand im Turm befindet. Der Wärter kann also jeden Insassen beobachten, ohne dabei selber gesehen zu werden. Um auch in der Nacht beobachten zu können, werden Leuchter an den Fenstern des Turms befestigt. Dabei sorgt eine schmale Blechröhre, die von jedem Raum zum Aufsichtsturm führt, dafür, dass die Gefangenen die Position des Wärters nicht anhand seiner Stimme lokalisieren können.9 Abbildung 1 zeigt den Grundriss eines solchen Gebäudes und das Gefängnis Presidio Modelo in Kuba in Abbildung 2.

[...]


1 Vgl. Foucault (1999)

2 Vgl. Foucault (2002), S. 899.

3 Vgl. Foucault (1999), S. 251.

4 Vgl. Foucault (1999), S. 252.

5 Vgl. Bentham (2003)

6 Vgl. Bentham (2003), S. 15.

7 Vgl. Bentham (2003), S. 16.

8 Foucault (1999), S. 257.

9 Vgl. Bentham (2003), S. 18.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Überwachen und überwacht werden. Das Panoptikum von Michel Foucault
Untertitel
Wirkung und Ziele des Panoptismus
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V312859
ISBN (eBook)
9783668118195
ISBN (Buch)
9783668118201
Dateigröße
2185 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Panoptikum, Foucault
Arbeit zitieren
Eugen Babtschin (Autor), 2014, Überwachen und überwacht werden. Das Panoptikum von Michel Foucault, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312859

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Überwachen und überwacht werden. Das Panoptikum von Michel Foucault


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden