Schwank als Drama. Ein Vergleich ausgewählter Werke von Johannes Reuchlin, Hans Sachs und Jörg Wickram


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung … 3

2 Anfänge des Dramas … 4
2.1 Aufbau der Dramentexte… 5
2.2 Aufführung auf der Bühne … 5
2.3 Sprache … 6

3 Fastnachtspiele und Schwänke … 7

4 Schuldrama … 8

5 „Scaenica Progymnasmata – Henno“ (Johannes Reuchlin) … 8
5.1 Handlungsverlauf und Figuren … 9
5.2 Funktion des Prologs … 10
5.3 Besonderheiten des Stücks … 10

6 „Ein comedi, mit 10 personen zu recidiern, Reuchlins im Latein gemacht, der Henno“ (Hans Sachs) … 11

7 „Von einem, der einen Fürsprecher überlistete, nachdem es ihn der 14 Fürsprecher selbst gelehrt hatte“ (Jörg Wickram) … 14

8 Fazit … 15

9 Literaturverzeichnis … 17

1 Einleitung

Die im 15. Jahrhundert aufgekommene elementare Freude am Spielen und Zuschauen hat eine Vielzahl von Spielen und Dramenversuchen hervorgebracht.[1]

Unterschiedliche Spieltypen sind entstanden: Volks- und Schuldrama, Bibel- und Historiendrama, konfessionsgebundenes Theater, lateinische Humanistenbühne und volkssprachiges Spiel. Die einzelnen Bereiche sind eng miteinander verflochten und es entwickeln sich Überschneidungen.[2] Es entstehen deutsche Dramen als Übersetzung und Bearbeitung lateinischer Vorlagen.

Das Werk Scaenica Progymnasmata schrieb Johannes Reuchlin im Jahr 1497 in lateinischer Sprache. „Geist und Stil einer terenzischen Verskomödie wurden auf einen internationalen Schwankstoff übertragen, der in Frankreich in der Farce von Maître Pathelin erscheint, Reuchlin aber wahrscheinlich aus Italien zugekommen war“, so Max Wehrli.[3]

Reuchlins Werk soll in dieser Hausarbeit mit zwei anderen Werken verglichen werden.

Hans Sachs ist der erste Autor, der Reuchlins Komödie im Jahr 1531 aus dem Lateinischen in die deutsche Sprache übersetzt und in Form eines Fastnachtstücks veröffentlicht hat. Das Werk heißt Ein comedi, mit 10 personen zu recidiern, doctor Reuchlins im Latein gemacht, der Henno.

Im Jahr 1555 erschien Jörg Wickrams das Rollwagenbüchlein, in dem der Schwank Von einem, der ein fürsprechen über listete, und hatt jn der fürsprech des selben gelert zu finden ist. In allen drei Stücken geht es um einen Mann, der seinen Anwalt überlistet.

Es ist das erkenntnisleitende Interesse dieser Arbeit, im Folgenden aufzuzeigen, worin sich die drei Werke unterscheiden.

Wichtige Impulse bieten dabei neben den Primärtexten der zu untersuchenden Stücke das Buch Johann Reuchlins Komödien: Ein Beitrag zur Geschichte des lateinischen Schuldramas und Arbeiten von Max Wehli und Friedrich Goede über die Geschichte der deutschen Literatur.

Am Anfang dieser Hausarbeit soll jedoch zunächst auf die Geschichte des deutschen Dramas näher eingegangen werden.

2 Anfänge des Dramas

Ein Großteil der Literatur des 16. Jahrhunderts, zumindest der deutschsprachigen, war vorrangig moralisch-pädagogischen Charakters.[4]

Leserinnen und Leser bzw. Zuschauerinnen und Zuschauer sollten in Bezug auf unterschiedlichste Lebenssituationen praktische Ratschläge erteilt bekommen. Auch Hans Sachs orientierte sein literarisches Schaffen an derartigen Intentionen. Dies spiegeln einerseits seine Werke wider, andererseits geht dies explizit aus seinen Vorreden zu seiner Gesamtausgabe hervor, „wobei er zwischen den Dramen auß heyliger schrifft und weltlichen Dramen unterscheidet“, so Bernstein.[5]

Bernstein erläutert weiter: „Aufgabe der biblischen Dramen sei die gotseligkeit, forcht und liebe Gottes inn die hertzen ein zu bilden unnd zu pflanzen, während die weltlichen Dramen zu anraitzung der guten tugendt und zu abschneidung der schendlichen laster dienen sollten.[6]

Die belehrende Intention prägt die Themenwahl und Art und Weise der Bearbeitung des Stoffes sowie die Gestaltung der Figuren, weiterhin die gesamte Dramaturgie, und steht damit im Gegensatz zum Fastnachtspiel, „in dem das moraldidaktische Anliegen zugunsten der Unterhaltungsfunktion […] zurücktritt, wenn auch nie ganz verschwindet“.[7]

Das volkstümliche Fastnachtspiel war populär, konnte jedoch dem aufkommenden Bedürfnis nach einem anspruchsvolleren Theater nicht gerecht werden. So kam es zur Wiederentdeckung antiker Stücke auf der Bühne. Hierbei eignete sich insbesondere die Komödie als Darstellungsform urbaner Weltlichkeit […]; die Freude am rhetorischen Vortrag dialogischer Formen legte eine öffentliche Darbietung nahe, besonders auch um das neue Bildungsprogramm und die Leistungen humanistischen Unterrichts bekannt zu machen; Schule, Freundeskreise, der Hof boten sich als Rahmen für ein derart gebildetes Theater dar. Zwischen 1480 und dem Beginn der Reformation finden sich vielfältige Bemühungen um ein humanistisches Theater, und es kommt, durchaus in Verbindung mit der volkssprachlichen Entwicklung, zu einer gewissen Grundlegung der neuen Form, vor allem im Bereich der Komödie.[8]

2.1 Aufbau der Dramentexte

Die Dramatiker des 16. Jahrhunderts orientierten sich an der antiken Komödie hinsichtlich der Themenwahl, der äußeren Form von fünf Akten und der Unterteilung der einzelnen Akte in Szenen. Die Gliederung der Akte hatte zunächst keinen logisch zwingenden Bezug zum Geschehen, was auch für die Chorlieder galt, die oft nach den alten Vorbildern die Akte abschlossen.[9]

2.2 Aufführung auf der Bühne

Mit dem Aufkommen der sogenannten Terenzbühne entwickelte sich das Theater hin zur modernen Form der Aufführung, indem es das Simultanprinzip durch das Sukzessionsprinzip ersetzte. Das mittelalterliche Theater zeigte alle Handlungsorte gleichzeitig, zwischen denen die Schauspieler pendelten. Die Terenzbühne hingegen strahlte Neutralität aus, indem sie ein Podest zeigte, das sich vom Hintergrund durch Vorhänge abgrenzte und so jeden Handlungsort repräsentieren und folglich Handlungsorte nacheinander darstellen konnte. Fortan war der Zuschauer nicht mehr Teil der Aufführung, sondern wurde zum Betrachter von außen, der sich mit der dem Drama eigenen Wirklichkeit konfrontiert sah.[10]

Mit den veränderten Rahmenbedingungen des Spiels korrespondierte eine Umfunktionierung des Dialogs, der vor allem als unmittelbar vollzogenes Gespräch die Illusion einer Wirklichkeit generierte. Theater zeigte nun „zwischenmenschlich[e] Beziehungen und Auseinandersetzungen, die im Dialog ihren Ausdruck fanden“ und war damit näher an der Lebenswirklichkeit der Menschen als das mittelalterliche Spiel mit seiner „szenischen Vergegenwärtigung des Überwirklichen“.[11] Auf Basis der Wechselrede konnte sich dann die Humanistenkomödie entwickeln.[12]

2.3 Sprache

„Im geistlichen Schauspiel redete man aneinander vorbei, im Fastnachtspiel hintereinander her“, so Hennig Brinkmann in seiner 1933 in Jena erschienenen Arbeit Anfänge des modernen Dramas in Deutschland.[13] Ein wirklicher Dialog kam dann im Humanistendrama zustande.[14] Die dialogische Form der interpersonellen Auseinandersetzung mit- und gegeneinander war im mittelalterlichen Spiel noch nicht gegeben, weil hier die Personen noch nicht unmittelbar zueinander, stattdessen zum Übernatürlichen in Beziehung gesetzt wurden. Die Rede der Figuren diente hier einem Höheren, „und ihr Gespräch hat[te] nur die Aufgabe der Verdeutlichung.“[15]

Im Fastnachtsspiel stellten die Figurenreden kein Gespräch dar, weil sie voneinander isoliert wurden.[16]

Der Humanismus bedeutete bewusste Verweltlichung im Sinne einer zwischenmenschlichen Auseinandersetzung mithilfe der Kraft des Wortes. Die Gesprächsteilnehmer begegnen sich auf Augenhöhe, daher ist ein Zwiegespräch möglich, denn „das Gegenüber ist nicht wie Gott im geistlichen Dialog als das Absolute so weltüberlegen, daß mit ihm als dem höchsten Objektiven wirkliche Zwiesprache nicht statthaben kann.“[17]

[…]


[1] Vgl. Klein, Dorothea: Bildung und Belehrung. Untersuchungen zum Dramenwerk des Hans Sachs. Stuttgart 1988, S. 108.

[2] Vgl. ebd., S. 109.

[3] Wehrli, Max: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 1, Geschichte der deutschen Literatur vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1980, S. 950.

[4] Vgl. Bernstein, Eckhard: Hans Sachs – mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg 1993, S. 109.

[5] Ebd., S. 109; „auß heyliger schrifft“ auch im Original kursiv.

[6] Ebd., S. 109; das Kursivierte auch im Original kursiv.

[7] Ebd., S. 109.

[8] Max Wehrli (1980): 947f.

[9] Gaede, Friedrich: Humanismus, Barock, Aufklärung. Geschichte der deutschen Literatur vom16. bis zum 18. Jahrhundert. Bd. 2, Handbuch der deutschen Literaturgeschichte. Bern/München 1971, S. 41.

[10] Vgl. ebd., S. 41.

[11] Ebd., S. 42.

[12] Ebd., S.42.

[13] Brinkmann, Hennig: Anfänge des modernen Dramas in Deutschland. Versuch über die Beziehungen zwischen Drama und Bürgertum im 16. Jahrhundert. Jena 1933, S. 25.

[14] Vgl. ebd., S. 26.

[15] Ebd., S. 26.

[16] Vgl. ebd., S. 26.

[17] Ebd., S. 26.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Schwank als Drama. Ein Vergleich ausgewählter Werke von Johannes Reuchlin, Hans Sachs und Jörg Wickram
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Schwankhaftes Erzählen in der Frühen Neuzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V312958
ISBN (eBook)
9783668116917
ISBN (Buch)
9783668116924
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Scaenica Progymnasmata von Johannes Reuchlin, Reuchlin, Schwank
Arbeit zitieren
B.A. Zlata Vodanović (Autor), 2014, Schwank als Drama. Ein Vergleich ausgewählter Werke von Johannes Reuchlin, Hans Sachs und Jörg Wickram, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312958

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