Das amerikanische Energieunternehmen Enron. Strategische Ausrichtung, Geschäftsfelder, Probleme und Kritik


Hausarbeit, 2014
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Enron
2.1 Unternehmen Enron
2.2 Unternehmensentwicklung
2.2.1 Aufstieg
2.2.2 Fall

3. Strategie und Probleme
3.1 Strategische Ausrichtung
3.1.1 Die Asset-Light Strategie
3.1.2 Konflikt / Probleme
3.2 Geschäftsfelder
3.2.1 Gas-Bank
3.2.2 Strom-Bank
3.2.3 Enron Online
3.3 Internationale Geschäfte

4. Kritische Betrachtung
4.1 Methoden der Bilanzfälschung
4.2 Ethic Code

5. Insolvenz
5.1 Gründe der Insolvenz
5.2 Folgen der Insolvenz

6. Schluss

Glossar

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Enron Profile

Abbildung 2: Chart der Enronaktie in EUR 1991 - 2003 (Chartabweichung wegen EUR/USD Wechselkurs)

1. Einleitung

Der Konkurs des US-Energieunternehmens Enron hat auf den Aktienmärkten weltweit für Unruhe gesorgt.

Am 2. Dezember 2001 beantragte das Energieunternehmen Enron Corp. (i.F. Enron) für sich und darüber hinaus für 14 Tochterunternehmen vor dem Konkursgericht New York Gläubigerschutz entsprechend des Konkursgesetzes der USA.

Der Grund des Schocks für die Finanzwelt war zum Einen, dass die Gesellschaft einen großen Teil ihrer Verbindlichkeiten in nicht konsolidierte Tochterunternehmen eingestellt und diese damit unkenntlich für Externe gemacht hatte und zum Anderen, dass Akten, die zur Klärung der Bilanzierungsdurchgänge hätten dienen können, vernichtet wurden. Anerkannte Top Manager von Enron wurden wegen Betrugs, Insolvenzverschleppung, und Insiderhandels angeklagt. Die Enron-Aktie fiel um 23% auf USD 6,99, kurze Zeit später um 15% auf USD 4,01 und erreichte damit den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Allein im Firmensitz von Houston verloren 4500 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und USD 1,3 Milliarden der Alterversorge von Enrons Mitarbeitern wurden vernichtet. Für einige Angestellte war es darüber hinaus ein Schock, da durschnittlich 60% der Angestellten in Amerika ihr Geld in Aktien des eigenen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.finfacts.ie/artman/uploads/1/enron-stock-profile.gif

Unternehmens investierten. Und das, obwohl Enron innerhalb von wenigen Jahren der größte Gashändler in den USA und Großbritannien geworden war. Die Gesellschaft galt in der Geschäftswelt als das Unternehmen, das die New Economy erreicht und verstanden hatte. Enron machte Milliardenumsätze und war der Star der Wall Street. Daher stellt sich die Frage, wie man die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinter dem Erfolg nicht erkennen konnte. Es stellte sich heraus, dass Enron „innovative“ Bilanzierungsmethoden nutzte, um von Jahr zu Jahr hohe Wachstumsraten zu verzeichnen.1

Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Ursachen der Enronkrise kritisch zu betrachten. Hierbei werden hauptsächlich das strategische Vorgehen und dessen Zusammenhänge mit der Insolvenz von Enron dargestellt. Zunächst wird das Unternehmen Enron vorgestellt, danach wird die Entwicklung, vom Erfolg bis zum Bankrott von Enron dargestellt. Im Hauptteil werden verschiedene Strategien, die u.a. zur Krise von Enron führten, erläutert und die dadurch entstandenen Konflikte analysiert. Dementsprechend werden die einzelnen Geschäftsfelder und die Internationale Arbeit der Gesellschaft ausgeführt. Dann werden einige methodische Aspekte sowie die Insolvenz kritisch betrachtet und abschließend nochmals einige Schwierigkeiten Enrons zusammengefasst.

2. Enron

2.1 Das Unternehmen Enron

Eine der größten integrierten Erdgas- und Elektrizitätsgesellschaften der Welt war das Unternehmen Enron. Die Gesellschaft mit Sitz in Houston, die ca.

21.000 Mitarbeiter beschäftigte, betrieb das größte Erdgasübertragungsnetz in Nordamerika, mit über 36.000 Meilen Leitungen. Sie war so groß, weil sie ein unabhängiger Entwickler und Erzeuger der Elektrizitäts-, Öl- und Gasprodukte war, die sowohl industrielle, als auch herausstellende Märkte versorgte.2 Enron lieferte erneubare Solar- und Windenergie, verwaltete das größte Portfolio von Erdgas, modernisierte Leistungen der öffentlichen Versorgungsbetriebe und leistete Pionierarbeit für innovative Handelsprodukte an der Börse. Enrons Markt wuchs enorm und es baute und betrieb Erdgaspipelines und Gaskraftwerke für Länder wie Argentinien, Bolivien, Brasilien, Indien, Mosambik und die Philippinen.3

Mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jeffrey Skilling machte der Konzern Milliarden Gewinne, geriet aber kurze Zeit später in Schwierigkeiten. Aufgrund von Bilanzfälschungen und Betrug fiel die Enron-Aktie und ihr Misserfolg war der größte Bankrott in der amerikanischen Geschichte. Enrons verschwinden kostete nicht nur Anleger sondern auch Angestellte über USD 70 Milliarden in Form von verlorenen Rückzahlungen und Gesellschaftskapital. Der Name Enron wurde fortan mit Betrug und Verdorbenheit assoziiert.4

2.2 Unternehmensentwicklung, Aufstieg und Fall

2.2.1 Der Aufstieg

Enron, eines der größten Unternehmen der Welt, auch bekannt als ,,the World‘s greatest Company'', das monatelang als Favorit der Anleger an der Wall Street gefeiert wurde, machte national und international Milliardenumsätze. Doch wie konnte es dazu kommen, dass eines der weltweit größten und zukunftsträchtigsten Unternehmen so schwere Vertrauensverluste und damit enorme finanzielle Schäden erlitt?

Gegründet wurde Enron im Juli 1985 als Energiekonzern im Zuge der Fusion der beiden Gasunternehmen Houston Neutral Gas und Internorth, einem Erdgas-Konzern aus Omaha, Nebraska. Der Aufstieg begann mit der Schrittweisen Deregulierung und Liberalisierung der Energiemärkte durch die Freigabe der Preise für Strom und Gas, worin Enron Wachstumsmöglichkeiten für das Geschäftsmodell des Energiehandelsunternehmens sah. Es positionierte sich in der Supply Chain zwischen Produzent und Verbraucher, und entwickelte sich so vom Versorger zum Händler und Vermittler. Mit dem Einstieg in den Handel mit Erdgas im Jahr 1989 wurde Enron innerhalb weniger Jahre der größte Gas-Händler in den USA und Großbritannien. 1990 kamen nicht mal 20% der Enron-Gewinne aus diesem neuen Geschäft, zehn Jahre später waren es 80 %.5

Im Jahre 1997 versuchte das Unternehmen, seine Erfahrungen aus dem Handel mit Strom und Gas auf andere Rohstoffe und Waren wie Kohle, Wasser, Papiere und Kunststoffe, sowie auf Wetterderivate zu übertragen.6 Enron profilierte sich im Jahr 1999 als New Economy Unternehmen. Der Marktplatz für Strom, Gas, Kohle und Metalle wurde mit der Handelsplattform „Enron online“ im Internet angepasst. Die Gesellschaft entwickelte sich von einem Energieversorger zu einem Energiehandelsunternehmen. Dies war Enrons neues Geschäftsmodel und somit auch Enrons Ausfstieg. 4 Mit der Expansion in den Telekommunikationssektor

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: comdirect.de

- und dem Angebot von Breitbandkapazitäten für die Datenübertragung - wurde schließlich ein zweites New Economy Standbein geschaffen und der Gewinn wuchs stetig weiter.7 Seit 1996 war der Börsenwert der Enron Corporation um USD 50 Milliarden angestiegen. Zum Zeitpunkt der Mitteilung, dass Jeffrey Skilling ab Februar 2001 das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernehmen würde, zählte Enron etwa 18.000 Angestellte in über 30 Ländern und wurde mit einem Umsatz von über USD 100 Milliarden vom Magazin Fortune 500 als siebtgrößtes US amerikanisches Unternehmen eingestuft.5

2.2.2 Der Fall

Nachdem Jeffrey Skilling nach nur sechs Monaten aufgab und seinen Rücktritt bekannt gab, holte der Konzern Kenneth Lay an die Spitze des Vorstandes zurück und machte ihn wieder zum CEO.

Am 16. Oktober 2001 begann, mit der Veröffentlichung der Unternehmenszahlen für das dritte Quartal, der öffentliche Zusammenbruch der Enron Corporation. Der ehemalige Finanzvorstand Andrew Fastow musste gestehen, dass USD 1,2 Milliarden Schulden aus Enron-Tochterunternehmen nicht in den Büchern aufgeführt worden waren. Um mögliche Konflikte aufgrund der Beteiligungs-Verträge zu klären, bestätigt die Gesellschaft, dass die SEC eine Voruntersuchung begonnen hatte.8

Enron legte eine überarbeitete Fassung seiner Zahlen für das dritte Quartal vor und berichtete, dass im November des gleichen Jahres mit der Korrektur der Betriebsergebnisse der vergangenen vier Jahre Forderungen über 690 Millionen USD fällig würden. Die Enron-Aktie fiel um 23% auf USD 6,99 kurze Zeit später um 15% auf USD 4,01 und erreichte damit den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Schließlich fiel die Aktie auf unter einen Dollar und beendete die Börsensitzung mit einem Umsatz-Rekord.

Es war der bis dahin größte Bankrott in der US-Geschichte. Am Tag vom 2. Dezember 2001 beantragte der Konzern Gläubigerschutz und meldete Insolvenz mit über USD 30 Milliarden Schulden an.5 Ein Konkurs dieser Größenordnung war hauptsächlich deshalb möglich, weil die Risiken und Schulden, denen Enron letztendlich ausgesetzt war, nicht ausgewiesen und erst im Dezember 2001 aufgedeckt wurden. Bei einer korrekten Rechnung landet Enron für das Jahr 2000 nicht mehr auf Rang 7 der umsatzstärksten Unternehmen, sondern auf Rang 287.9

3. Strategie und Probleme

Im Folgenden werden unternehmerische Strategien Enrons, wie die Asset-Light Strategie und die Erschließung verschiedener Geschäftsfelder dargestellt.

3.1 Strategisches Vorgehen

3.1.1 Asset-Light Strategie

Asset-Light bezeichnet das strategische Vorgehen, fixe Betriebskosten so weit wie möglich zu reduzieren, und damit beispielsweise das Outsourcen der Produktion in andere Firmen oder Länder.

Seit Jeffrey Skilling bei Enron arbeitete, änderte sich Enrons Strategie in diese Richtung. Der erste Schritt des Unternehmens zur Asset-Light Strategie war der Einstieg in den Handel mit Gas und Strom, ohne direkte Produktionsquellen zu besitzen. Skilling war sich sicher, dass der Gewinn gesteigert werden könnte, wenn nur mit Energie bzw. Rohstoffen gehandelt würde, anstatt sie zu produzieren und zu vertreiben. Er war außerdem überzeugt, dass Enron keine Vermögen brauchen würde, um die physische Lieferung der Ware zu sichern.10 Die Verkäufe des harten Vermögens wurden in den Bilanzen von Enron als wiederkehrende Tätigkeit entsprechend ehemaligen Betriebsgewinnen registriert.11

Durch die Kontrolle der Schlüsselpunkte festigte sich Enron als Marktführer und konnte kurzfristig auf Nachfrageschwankungen reagieren. Den Betreibern von Strom- und Gas-Produktionsanlagen war es möglich, ihre Produktion wirkungsvoller zu gestalten, da nun ein liquider Markt für Energierohstoffe vorhanden war. Skilling führte Enron Capital & Trade Resources Corp. (ECT) in den Erdgashandel ein und schuf einen aktiven Markt, wo keiner existiert hatte.

Diese Umstellung in den Vereinigten Staaten öffnete die Tür für den Elektrizitätshandel, und ECT sprang hinein.12

Skilling konnte nach Ernennung zum Chief Operating Officer (COO) seit 1996 seine Strategie voll und ganz verwirklichen lassen. Er verkaufte viele von Enrons Anlagen und konnte durch deren Wertsteigerung die Anlagenverkäufe als Gewinne verbuchen.13

3.1.2 Der Konflikt

In den frühen 1990er Jahren waren Rebecca Mark und Jeffrey Skilling die austeigenden Sterne. Beide strebten die höchste Ebene von Enron an. Eine bittere Rivalität entwickelte sich zwischen den beiden. Mark förderte den Erwerb von physischen Vermögenswerten, Skilling die Verwendung von Enrons Bilanz für intermediäre Geschäfte.11 Rebecca Mark verfolgte mit der sogenannten Asset-Rich Strategie eine massive Investitionsstrategie in traditionelle Produktionsanlagen von Strom und Gas, sowohl national als auch international. Sie und ihr Team von Handelsherstellern etablierten sich als Missionare der Privatisierung und schien damit jahrelang erfolgreich zu sein.

Die Konsequenz der Rivalität jedoch war, dass beide Strategien zusammen enorme finanzielle Mittel benötigten, die ausschließlich über Kreditaufnahmen finanziert wurden und durch die Anhäufung von Schulden die Bilanzen Enrons stark unter Druck setzten.11

3.2 Geschäftsfelder

3.2.1 Gas-Bank

Jeffrey Skilling überzeugte McKinsey, einen Partner von Enrons CEO Lay, eine Gashandelsbank zu eröffnen, anstatt nach eigenen Gasquellen zu suchen und Gas zu fördern.

[...]


1 Vgl. International Institute for Management (2003), S. 1.

2 Vgl. History of Enron Cooperation http://www.referenceforbusiness.com/history2/57/Enron- Corporation.html

3 Vgl. SoZ - Sozialistische Zeitung, August 2002 S.13

4 Vgl. Enron Cooperation (2010) https://www.tshaonline.org/handbook/online/articles/doe08

5 Vgl. Universität Münster „Big money and Big politics - Der Enron - Skandal”, http://www.uni- muenster.de/PeaCon/global-texte/g-a/g-ss/Enron-Skandal2/Frame.htm

6 Vgl. http://www.zeit.de/online/2006/21/enron-geschaeftsmodell-energiehandel/Enron/Thomas fischermannm/2006

7 Vgl.Bilanzskandale: Delikte und Gegenmaßnahme, Volker H. Peemöller, Stefan Hofmann (2005)

8 Vgl. Chronik eines Zusammenbruchs (2002) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/pleiten- enron-die-chronik-eines-zusammenbruchs-147463.html Vgl. Chronik einer Rekord Pleite ( 2003) http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/ a-178836.html

9 Vgl. SoZ - Sozialistische Zeitung, August 2002, Seite 13

10 Vgl. International Institute for Management (2003), S. 5.

11 Vgl. Enron ''Asset-Light Strategy http://www.elp.com/articles/print/volume-79/issue-2/features/ enron-pursues-asset-light-strategy.html

12 Vgl. Enron Scandal Asset Heavyhttp://riskencyclopedia.com/articles/enron/

13 Vgl. Jeffrey Skilling (1953)http://www.biography.com/people/jeffrey-skilling-235386#synopsis 10

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das amerikanische Energieunternehmen Enron. Strategische Ausrichtung, Geschäftsfelder, Probleme und Kritik
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V313256
ISBN (eBook)
9783668142763
ISBN (Buch)
9783668142770
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Enron, Energieunternehmen
Arbeit zitieren
Sarah Vinda (Autor), 2014, Das amerikanische Energieunternehmen Enron. Strategische Ausrichtung, Geschäftsfelder, Probleme und Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313256

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