Der Euromaidan. Eine Revolution im Sinne Arendts?


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hannah Arendt

3. Revolution nach Arendt
3.1 Restauration oder Neubeginn
3.2 Gewalt
3.3 Freiheit - Das Ziel der Revolution
3.3.1 Der Unterschied zwischen Krieg und Revolution
3.3.2 Freiheit und Befreiung
3.3.3 Die Dualität der Freiheit
3.3.4 Politische Freiheit
3.4 Die soziale Frage

4. Euromaidan
4.1 Das Ziel der Aufstände - Restauration oder Neubeginn ?
4.2 Das Ziel der Aufstände - Freiheit oder Befreiung ?
4.3 Die Rolle der Gewalt
4.4 Die Rolle der sozialen Frage

5. Fazit - Ist der Euromaidan eine Revolution im Sinne Arendts ?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was eine Revolution ist, welche Rolle diese für den Menschen und besonders für den Bereich des Politischen spielt und was es heißt in einer von Revolutionen dominierten Welt zu leben, ist das Hauptanliegen in Hannah Arendts 1963 erschienenem Werk „Über die Revolution“. Hierfür stützt sie sich auf die beiden prägnanten historischen Beispiele der französischen und der amerikanischen Revolution, wobei nicht nur die bloße Interpretation sondern vielmehr der Vergleich im Vordergrund steht. Um dieses Werk mit einem aktuellen Beispiel zu verknüpfen habe ich mich mit den Aufständen in der Ukraine befasst. Meine Hausarbeit beantwortet die Frage, ob Hannah Arendt den Euromaidan als Revolution einstufen würde.

Nach einer kurzen Biographie der Autorin werde ich auf ihren Revolutionsbegriff eingehen, der sich von den klassischen Revolutionstheorien wie beispielsweise denen von Marx oder Lenin unterscheidet. Hierbei setze ich meinen Fokus auf die Begriffe der Restauration, der Gewalt, der Freiheit und der sozialen Frage. Nachdem diese meiner Meinung nach relevantesten Begriffe und Phänomene aus der Schrift dargestellt wurden, folgt der zweite Teil der Hausarbeit, der „Über die Revolution“ mit einem aktuellen Beispiel verbindet. Es wird viel darüber gestritten, ob man die Euromaidan genannten Aufstände in der Ukraine als Revolution bezeichnen kann. Um diese Frage am Ende der Hausarbeit zu beantworten werde ich die vorangegangen Begriffe der Restauration, der Freiheit, der Gewalt und der sozialen Frage nach Arendt auf die Aufstände in der Ukraine übertragen. Die Hausarbeit verfolgt das Ziel, die wichtigsten Begriffe aus „Über die Revolution“ verständlich darzustellen und nebenbei einen Überblick über die Ursachen, Ausschreitungen und Ziele der Aufstände auf dem Majdan zu geben.

2. Hannah Arendt

Hannah Arendt ist 1906 in Linden geboren, wo sie in einem sozialdemokratischen jüdisch- assimilierten Elternhaus aufwuchs (Arendt 1997: 249 ff.). Sie studierte Philosophie, Theologie und Griechisch ist allerdings als politische Theoretikerin bekannt (Arendt 1997: 249 ff.). Bereits 1931 hatte sie den Verdacht, dass die Nationalsozialisten die Macht ergreifen werden, jedoch blieb sie standhaft politisch aktiv (Young-Bruehl 1991: 128ff.). Arendt engagierte sich schon früh in der zionistischen Vereinigung für Deutschland und dokumentierte die Judenverfolgung (Young-Bruehl 1991: 160). Nach einer Verhaftung in Berlin, der Emigration aus Deutschland,dem Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft und demnach dem Status der Staatenlosigkeit flüchtete die verfolgte Jüdin in die USA und wurde dort zur amerikanischen Staatsbürgerin (Young-Bruehl 1991: 175ff.).

Im Mittelpunkt ihres öffentlich-politischen Denkens steht das Schicksal des jüdischen Volkes. Ihrer Meinung nach sind wir Menschen alle gleicher Natur und alle gleich im Besitz der Fähigkeit zur menschlichen Vernunft (Benhabib 1998: 76). Bemerkenswert für Hannah Arendt ist ihre selbst kaum beachtete Rolle als Frau unter den bekanntesten politischen Theoretikern. Im feministischen Diskurs wurde sie oftmals kritisiert, zum Beispiel von Adrienne Rich (1979), die sie als Tragödie eines weiblichen Denkens, das mit männlichen Ideologien genähert wurde, sah. Obwohl man ihre fehlenden Emanzipationsgedanken durchaus kritisieren kann, darf ihre Leistung als Frau für die politische Theorie nicht abgewertet werden. Auch wenn sie dies selbst nicht sonderlich würdigte, hat Hannah Arendt durch ihre angesehene Rolle als Frau von Gelehrsamkeit und umfassendem Verstand die Frau in der politischen Theorie mit Würde vertreten und somit meiner Meinung nach die Frauenbewegung in diesen Kreisen bestärkt. Im Jahre 1975 verstarb Hannah Arendt in New York, ihre weltweit angesehenen Werke leben bisheute weiter (Arendt 1997: 254).

3. Revolution nach Arendt

Nicht alle politischen Phänomene, welche Gebrauch von Gewalt machen und einen Wechsel oder Umsturz mit sich bringen, dürfen laut Arendt „Revolution“ genannt werden (Arendt 1963: 41). Sie definiert drei Merkmale einer Revolution: erstens muss ein Neuanfang sichtbar sein, zweitens muss Gewalt angewandt werden, um eine neue Staatsform zu konstituieren oder einen neuen politischen Körper zu gründen und drittens muss die Freiheit eines der Ziele des Kampfes gegen die Unterdrückung sein (Arendt 1963: 42).

3.1 Restauration oder Neubeginn

Die Männer der amerikanischen und französischen Revolutionen unterschieden sich grundlegend von ihren Nachfolgern, indem sie die Revolution mit der Überzeugung ins Rollen brachten, dass sie nur die alte Ordnung des Landes wiederherstellen wollten, die durch die Verletzungen und Vergewaltigungen durch den Absolutismus durcheinander gebracht worden war (Arendt 1963: 53). In der amerikanischen Revolution waren die Personen, die die Restauration begonnen hatten, auch die Protagonisten der Revolution selber und wurden zu wichtigen Personen im neu gegründeten Staat (Arendt 1963: 53). Die weitreichenden,revolutionären Folgen waren von keinem der „Revolutionären“ vorausgesehen oder gewollt, da die Anfangsbewegung nicht im geringsten revolutionär war (Arendt 1963: 54). Hierbei ist zu beachten, dass Arendt der Ansicht ist, dass Revolutionen nie geplant sondern immer spontane Ereignisse seien, die nicht von den Revolutionären sondern alleine von der Menge ausgehen (Arendt 1994: 242). Revolutionäre Ereignisse werden von den politischen Akteuren als unvermeidliche Ereignisse empfunden. In diesem Kontext vertritt Arendt die Meinung, dass sich der Verlauf der Geschichte nach einem gewissen Muster orientiert. Ebenso gilt für die französische Revolution, dass sie ursprünglich als Restauration gedacht war, indem nicht der Umsturz des Ancien Régime sondern seine Wiederherstellung als Ziel galt. (Arendt 1963: 54) Die ideologischen Folgen der französischen Revolution waren einerseits die Gründung von Nationalstaaten und andererseits der Glaube an eine Weltpolitik (Arendt 1963: 66). Nach beiden großen Revolutionen des 18.Jahrhunderts trat an die Stelle der Restauration, der Gedanke und Wille des Neuanfangs.

3.2 Gewalt

Auch wenn Revolutionen anfangs meist friedliche Aufstände sind, wird in deren Verlauf gemäß geschichtlichen Ereignissen die Gewalt als Mittel gegen die Unterdrückung genutzt. Laut Arendt setzte die französische Revolution „die Welt in Brand“ und verschlang ihre eigenen Kinder (Arendt 1963: 53 ff.). Im Gegensatz zur französischen Revolution erhielt die Revolution jenseits des Atlantik bei weitem keine vergleichbare weltweite Bedeutung und Auswirkung - ihr blieb der massenhafte Charakter erspart (Arendt 1963: 69).

Der Mensch in der Revolution neigt dazu Gewalt und Autorität zu verwechseln, wenn sogar gleichzustellen (Arendt 1963: 44) und sucht nach einem neuen Absoluten, „das sich an die Stelle göttlicher Machtvollkommenheit setzen könnte“ (Arendt 1963: 47). Allerdings kann aufgrund menschlicher Pluralität Macht unter keinen Umständen zur Allmacht werden und ebenso wenig können durch Menschen angefertigte Gesetze die Ebene göttlicher Gebote erlangen (Arendt 1963: 47). Viel eher lehrt uns die Geschichte der Revolutionen, dass in ihnen Macht und Gewalt direkt aufeinandertreffen und ausgerechnet Gewalt schnell die Stelle der Gesetze einnehmen kann (Arendt 1963: 117). Gleichermaßen zerstörte die Gewalt der französischen Revolution den einzigen Bereich, in dem der Mensch frei sein kann, nämlich den politischen Bereich (Arendt 1963: 146). „Das hervorstechende Merkmal erfolgreicher Revolutionen der letzten drei Jahrhunderte ist, dass sie die Sprache der Notwendigkeit sprechen und in der Gewaltherrschaft enden“ (Arendt 1963: 147).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Euromaidan. Eine Revolution im Sinne Arendts?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Politische Ideengeschichte
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V313709
ISBN (eBook)
9783668124844
ISBN (Buch)
9783668124851
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
euromaidan, eine, revolution, sinne, arendts
Arbeit zitieren
Rekea Herrmann (Autor), 2015, Der Euromaidan. Eine Revolution im Sinne Arendts?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313709

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Euromaidan. Eine Revolution im Sinne Arendts?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden