Die Bedeutung des Krieges für Kinder und Jugendliche in Kurzgeschichten. Analyse der Geschichten „Wanderer, kommst du nach Spa...“ und „Nachts schlafen die Ratten doch“


Hausarbeit, 2014
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wanderer, kommst du nach Spa..
2.1 Inhalt
2.2 Analyse

3 Nachts schlafen die Ratten doch
3.1 Inhalt
3.2 Analyse

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wirft man heute, im Jahr 2014, einen Blick in Zeitungen und Magazine oder schaltet abends die Nachrichten ein, so kommt man kaum um immer neue Meldungen über Bürgerkriege, gewaltsame Regierungsumstürze und bewaffnete Auseinandersetzungen herum - sei es im Nahen Osten, den arabischen Staaten, auf dem afrikanischen Kontinent oder aktuell sogar in Osteuropa. In mehr als 20 Staaten auf der Welt sollen derzeit bewaffnete Konflikte stattfinden.1

Leidtragend in diesen Kriegssituationen ist besonders die Zivilbevölkerung, allen voran die Kinder und Jugendlichen. Sie sind entweder direkt oder indirekt vom Kriegsgeschehen betroffen, haben Familie, Freunde und/oder ihr Zuhause verloren, Gefechte und Explosionen erlebt, leiden auf der Flucht Hunger und Kälte oder sind sogar ganz direkt als Soldaten in Kampfhandlungen verwickelt. Man geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit Kinder sind - und damit immerhin mehr als 20 Millionen. „Etwa 250.000 Kinder unter 18 Jahren nehmen als Kindersoldaten an Kampfhandlungen teil.“2 5,5 Millionen Kinder und Jugendliche sollen derzeit allein vom Syrien-Konflikt betroffen sein.3

Kein Jahrhundert ist es her, dass unzählige Kinder und Jugendliche in Deutschland unter den Auswirkungen des Krieges zu leiden hatten. Viele von ihnen verloren Angehörige und wurden bereits früh durch das Nazi-Regime instrumentalisiert, um als Soldaten oder Helfer im aussichtslosen Kampf an der Front teilzunehmen. Viele von ihnen erlitten schwere Traumata, Verletzungen und Verstümmelungen oder ließen ihr Leben.

„ Der Einsatz von Kindersoldaten ist [jedoch] weder ein neues noch ein kultur spezifisches Ph ä nomen. In fast allen Zeiten und Kulturen waren Kinder und Jugendliche in bewaffnete Konflikte involviert. Sie k ä mpften beim » Volkssturm « zur Verteidigung Nazi-Deutschlands und bei den Partisanenbewegungen im Kampf dagegen, in Befreiungs- und Guerillabewegungen auf allen Kontinenten sowie in Regierungsarmeen, die sie - h ä ufig unter Zwang - rekrutierten. “ 4

Diese Aspekte sind auch in einigen klassischen deutschen Kurzgeschichten wiederzufinden, die sich mit der Situation in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges oder der unmittelbaren Nachkriegszeit auseinandersetzen und deren Geschehnisse verarbeiten. Sie werden daher der sogenannten Trümmerliteratur zugeordnet - einer Literaturgattung, die sich auf die unmittelbaren Nachkriegsjahre bezieht. Denn „nicht nur das zerstörte Land, sondern auch [die] Wertevorstellungen [der Menschen] lagen in Trümmern. Sie hatten keinen Besitz und keine Heimat mehr. Zudem waren ihre Ideale und Utopien zerstört. Sie mussten sich damit abfinden und damit zurechtkommen, in den zurückgelassenen Trümmern des Krieges zu leben.“5

Aufgrund der nach wie vor bestehenden Aktualität und Bedeutung sollen im Folgenden zwei Kurzgeschichten im Hinblick auf die Darstellung der Situation von Kindern und Jugendlichen in Kriegszeiten untersucht werden: Zum einen Heinrich Bölls „Wanderer, kommst du nach Spa...“ und zum Zweiten Wolfgang Borcherts „Nachts schlafen die Ratten doch“.

Anhand dessen soll dann im Fazit der Rückbezug zum Thema „Krieg und Kinder allgemein“ hergestellt werden.

2 Wanderer, kommst du nach Spa...

2.1 Inhalt

Bei der ersten Kurzgeschichte „Wanderer, kommst du nach Spa...“ von Heinrich Böll handelt es sich um einen Text, der 19506, also einige Jahre nach Kriegsende, veröffentlicht wurde und der Trümmerliteratur zuzuordnen ist. Er befasst sich mit dem Schicksal eines jungen Mannes, der während des Krieges als Soldat mit schwersten Verletzungen ins Lazarett eingeliefert wird. Zu Beginn der Geschichte befindet sich der Ich-Erzähler noch in einem Auto, das ihn zu einem Gebäude bringt, in das sowohl die Toten als auch die Verletzten eingeliefert werden. Die Stadt um ihn herum brennt und wird fortlaufend beschossen. Er hat Fieber und Schmerzen und wird auf einer Bahre Zugriff am 29. März 2014 in die obere Etage des alten Gebäudes und dort in den großen Zeichensaal getragen. Nach und nach realisiert er, dass es sich bei dem Gebäude um das humanistische Gymnasium in seinem Heimatort Bendorf handelt, in das er noch drei Monate zuvor selbst gegangen war und das nun als Lazarett genutzt wird. Er ist sicher, dass er sterben wird, weiß jedoch noch nicht, welche Verletzungen er eigentlich erlitten hat. Als er hinter die Tafel getragen wird, wo der Operationstisch steht, erkennt er auf der Tafel seine Handschrift: „Wanderer, kommst du nach Spa...“ und ist sich nun sicher in seiner alten Schule zu sein. Als er nun an sich hinunter sehen kann, merkt er, dass er keine Arme und nur noch ein Bein hat und in dem Feuerwehrmann, der ihn festhält, erkennt er den Hausmeister seiner Schule. Mit der leisen Bitte um Milch endet die Geschichte.

2.2 Analyse

Typisch für eine Kurzgeschichte erzählt „Wanderer, kommst du nach Spa...“ eine Situation aus dem Leben eines Menschen, in die der Leser ohne echte Einleitung „hineingeworfen“ wird. Er weiß zunächst nicht, um welchen Wagen es sich handelt, dessen Motor noch brummt7, noch wer der Ich-Erzähler ist, der sich in diesem befindet. Durch die Beschreibung dessen, was er wahrnimmt, kann der Leser jedoch schon einige Dinge erfahren und ist durch diese unmittelbare Erzählweise, die Beschreibung von Details, die der Erzähler aus seiner Position sehen kann, den in wörtlicher Rede wiedergegebenen Dialog, den er hört, schnell ganz nah am Geschehen.

„„Die Toten hierhin, habt ihr Tote dabei?“ „[…] verdunkelt ihr schon nicht mehr?“ „Da nützt kein Verdunkeln mehr, wenn die ganze Stadt wie eine Fackel brennt“ […] „Die Toten hierhin, hörst du? Und die anderen die Treppe hinauf in den Zeichensaal, verstehst du?““8

An dieser Stelle kann der Leser schon ahnen, dass es sich um eine Kriegssituation handelt, in der sich das Geschehen abspielt. Die Stadt ist offensichtlich gerade Ziel eines Angriffes und der Ich-Erzähler befindet sich vor einem großen Gebäude, in dem die Toten gesammelt und die Verwundeten versorgt werden. Darauf, dass es sich um einen Angriff und nicht um einen anders verursachten Großbrand handelt, weist der Begriff der Verdunklung hin.

[...]


1 vgl. Terre des hommes: Krieg und Flucht. Verfügbar unter: http://www.tdh.de/was-wir- tun/arbeitsfelder/krieg-und-flucht.html. Zugriff am 29. März 2014

2 vgl. Ebd.

3 vgl. Süddeutsche: 5,5 Millionen Kinder vom Bürgerkrieg betroffen 2013. Verfügbar unter: http://www.sueddeutsche.de/politik/unicef-zu-lage-in-syrien-millionen-kinder-vom- buergerkrieg-betroffen-1.1847971. Zugriff am 29. März 2014

4 DIMA ZITO: Zwischen Angst und Hoffnung Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland 2009. Verfügbar unter: http://www.redhandday.org/fileadmin/user_docs/studie_kindersoldaten.pdf.

5 Thorsten Gervers: Literaturgattung Nachkriegsliteratur. Verfügbar unter: http://www.literatur- wissen.net/nachkriegsliteratur.html. Zugriff am 6. April 2014

6 vgl. Heinrich Böll: Wanderer, kommst du nach Spa… In: Klassische deutsche kurzgeschichten. Hrsg. von Werner Bellmann. Stuttgart 2003 (Universal-Bibliothek no. 18251), S. 75-87, S. 87.

7 vgl. Ebd., S. 75.

8 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Krieges für Kinder und Jugendliche in Kurzgeschichten. Analyse der Geschichten „Wanderer, kommst du nach Spa...“ und „Nachts schlafen die Ratten doch“
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V314590
ISBN (eBook)
9783668131316
ISBN (Buch)
9783668131323
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, krieges, kinder, jugendliche, kurzgeschichten, analyse, geschichten, wanderer, nachts, ratten
Arbeit zitieren
Friederike Fründ (Autor), 2014, Die Bedeutung des Krieges für Kinder und Jugendliche in Kurzgeschichten. Analyse der Geschichten „Wanderer, kommst du nach Spa...“ und „Nachts schlafen die Ratten doch“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314590

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