Erfolgreicher Lobbyismus in der Automobilindustrie. Grundlagen, Forschungsstand und Best Practice


Bachelorarbeit, 2015
44 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 Einleitung
Zielsetzung und Gang der Untersuchung

2 Theoretische Grundlagen zum Thema
2.1 Lobbyismus Definitionsansätze
2.2 Die deutsche Automobilindustrie
2.2.1 Bedeutung der deutschen Automobilindustrie
2.2.2 Export, Import und Produktion von Fahrzeugen
2.3 Interessenvertretung der Automobilindustrie
2.3.1 Verband der Automobilindustrie (VDA)
2.3.2 European Automobile Manufacturers' Association (ACEA)

3 Methodische Vorgehensweise bei der Literaturrecherche

4 Ergebnisse aus aktuellem Forschungsstand
4.1 Vorgehensweise Automobillobbying
4.2 Fallbeispiel: CO2 - Regulierung der Klimaagenda 2020
4.3 Lobbyismus in der Pharmaindustrie

5 Best-Practice für Lobbying

6 Fazit und Ausblick

LITERATURVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Hierarchie der Akteure in der Automobilindustrie

Abbildung 2 : Umsätze der Industriebranchen in Deutschland im Jahr 2013 (in Anlehnung an: Statista, 2013)

Abbildung 3 : Beschäftigungsanzahl in der deutschen Automobilindustrie von 2005 bis 2014 (Statista, 2014b)

Abbildung 4: Anzahl der PKW Neuzulassungen nach Hersteller im Jahr 2014

Abbildung 5 : PKW- Produktion in Deutschland von 2004 bis 2014 (in Anlehnung an : VDA, 2015)

Abbildung 6: Statistik des Transparenz-Register

Abbildung 7: Parteispenden in Deutschland der deutschen Automobilindustrie und sowie einigen Großaktionären im Jahr von 2012 - 2014

Abbildung 8: Best-Practice für erfolgreiches Lobbying (eigene Darstellung)

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1 : Umsatz und Beschäftigung ausgewählter Automobilhersteller und Zulieferer

Tabelle 2 : Verwendete Suchbegriffe

1 Einleitung

Problemstellung

Nicht selten ist von Politikern zu hören, die neben ihren politischen Aktivitäten , zusätzlich mit Lobbyisten zusammenarbeiten, denn das Lobbying gilt branchenunabhängig nicht nur als lukrativ, sondern interessiert wie nie zuvor, in einer immer komplexer werdenden Gesell- schaft, die nur noch selten ohne den Einfluss von Interessengruppen reguliert wird (Becker, 2014). Dabei geraten automobilspezifische Themen immer häufiger in der Vordergrund, wie im Bericht von Maisch (2013), in dem der Automobilverband der Automobilindustrie (VDA) weitestgehend in die Einführung des Ökolabels, welches die Kennzeichnung des Energie- verbrauchs von Neuwagen regelt, involviert war und zusätzlich bei der Abstimmung zwi- schen den Ministerien unterstützt hat. Ferner schreibt Maisch, dass im April 2010, die VGA- Geschäftsführung drei Ministerien um die Sicherstellung einer Platzierung ihrer Top Produk- te, in den vordersten Rängen bittet. Daraus erschließt sich, dass die Automobillobby über die Pläne der Ministerien bescheid wusste und somit als Partner der Bundesregierung han- deln (Maisch, 2013). Doch wie weit reicht der Einfluss der Automobillobby auf Gesetzesbe- schlüsse, sowie Regulierungen und wie gelingt es der Automobilindustrie, die Interessen der verschiedenen Akteure erfolgreich durchzusetzen?

Im Zuge der immer stärkeren Europäisierung hat die Europäische Union (EU) nicht nur geo- grafisch an Größe gewonnen, sondern auch immer mehr politische Verantwortung über- nommen. So finden mittlerweile etwa 80% der deutschen Gesetze ihren Ursprung in der EU (Lösche, 2007). Durch die Verschiebung der politischen Einflussnahme von Berlin in Rich- tung Brüssel, haben sich einige Lobbyisten ebenfalls am Hauptsitz der Europäischen Union niedergelassen. Mit 15.000 bis 20.000 Lobbyakteuren ist die EU die zweitgrößte Anlaufstelle nach den USA und hat sich damit auch zum Hauptaustragungsort für Lobbyarbeit entwickelt (Dialer & Richter, 2014, S.1). Obwohl in den letzten Jahren immer mehr Literatur zum Thema Lobbyismus veröffentlicht wurde, gibt es bisher kaum Arbeiten, die speziell die Lobbyarbeit der Automobilindustrie, welche nicht nur deutschlandweit als Vorzeigebranche gilt, untersu- chen.

Zielsetzung und Gang der Untersuchung

Diese Arbeit hat das Ziel, die Aktivitäten der deutschen Automobillobby, sowohl auf nationaler, als auch auf europäischer Ebene genauer zu durchleuchten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit verwandten Branchen herauszuarbeiten, sodass am Ende der Arbeit eine Best-Practice Checkliste für erfolgreiches Lobbying generiert wird.

Im ersten Schritt werden hierfür alle für diese Arbeit relevanten theoretischen Grundlagen näher erläutert, um ein besseres Verständnis für die untersuchten Themen zu erhalten. Wie der Titel der Arbeit bereits vorwegnimmt, sind die Haupthemen der Arbeit zum einen der Be- griff Lobbyismus selbst und die deutsche Automobilindustrie. Hierfür werden zunächst unter- schiedliche Definitionsansätze von Lobbyismus von verschiedenen Autoren präsentiert und durch eine Abgrenzung, ein maßgeblicher Lobbyismus Begriff herausgefiltert. Der Abschnitt „ Die deutsche Automobilindustrie“ vermittelt zunächst einen kurzen geschichtlichen Abriss und nennt prägende Ereignisse der deutschen Automobilwirtschaft, bevor die Hauptakteure der Automobillobby vorgestellt werden, sowie einige Daten und Fakten über Umsatz, Be- schäftigung, Produktion und Export, den Stellenwert der deutschen Automobilbranche für die deutsche Wirtschaft aufzeigen. Abschließend für die theoretischen Grundlagen, werden die stellvertretenden Interessengruppen der deutschen Automobilbranche genauer erläutert.

Kapitel 3 beschreibt die methodische Vorgehensweise, die für die Beantwortung der For- schungsfrage verwendet wurde. Eine ausführliche Literaturrecherche diente dabei, den aktu- ellen Forschungsstand des zu untersuchenden Themas umfassend darzustellen und die Reproduzierbarkeit dieser wissenschaftlichen Arbeit zu gewährleisten. Anschließend folgen die Ergebnisse der Untersuchung, mit der Vorgehensweise der Automobillobby, welche mit einem aktuellem Fallbeispiel, den unmittelbaren Einfluss auf politische Entscheidungen zeigt. Darüber hinaus wird der Lobbyismus in der Pharmaindustrie im Rahmen der Möglichkeiten genauer untersucht, um in Kapitel 5 ein präzises Best-Practice für erfolgreiches Lobbying, anhand der zwei bedeutsamsten Industriezweige Deutschlands, zu entwickeln.

2 Theoretische Grundlagen zum Thema

Bevor mit der strukturierten Aufarbeitung und Prüfung der vorliegenden Problemstellung „Lobbyismus in der Automobilbranche“ begonnen wird, werden vorab maßgebende Theorien näher beschrieben und die Sachlage nach Schlagwörtern in drei Teile aufgegliedert. Um ein besseres Verständnis für das Gerüst und die Resultate der Arbeit zu bekommen, wird zuerst der Begriff des Lobbyismus anhand von verschiedenen Definitionsansätzen näher erläutert und anschließend speziell für diese Arbeit abgegrenzt. Der zweite Teil beschäftigt sich mit einigen Zahlen, Daten und Fakten zur der deutschen Automobilindustrie, um Ihren Stellen- wert innerhalb der deutschen Wirtschaftskraft darzulegen. Abschließend wird im dritten Teil auf die Interessenvertretung der deutschen Automobilindustrie eingegangen, welche Akteure maßgeblich mitwirken und wie sich die diese als Verbund organisieren, um effektives Lob- bying zu betreiben. Entscheidend hierfür ist, dass es sich nicht nur um einzelne Unterneh- mensbeispiele handelt, sondern die gesamte deutsche Automobilindustrie in Form von Ver- bänden betrachtet wird, wobei der Fokus zunächst auf das Arbeitsumfeld der Automobilin- dustrie gelegt wird und die Gegenspieler aus der Politik erst im weiteren Verlauf der Arbeit näher analysiert werden .

2.1 Lobbyismus Definitionsansätze

Der Ausdruck „Lobbyist“ wurde 1829 durch den damaligen Präsidenten Ulysses Grant erst- mals zu Papier gebracht, nachdem sich Vertreter der Wirtschaft in der Lobby eines Hotels, in der Nähe des Weißen Hauses, mit Politkern zum gegenseitigen Informationsaustausch tra- fen (Köppl, 2008, S. 191). Bedeutsam für die deutsche Literatur wurde der Begriff Lobbyis- mus erst gegen Ende der 90er Jahre (Wehrmann, 2007, S.36). Seitdem erlebt der Begriff Lobbyismus eine ständige Veränderung seiner Wahrnehmung und Definition (Wehrmann, 2007, S. 58), wodurch eine genauere Betrachtung von Definitionen und eine Abgrenzung von ähnlichen Terminologien unerlässlich ist, um die Forschungsfrage beantworten zu kön- nen. Bei den zahlreichen Versuchen Lobbyismus zu definieren, wird dem Begriff immer eine bestimmter Klang mitgegeben, der auf die persönliche Meinung des jeweiligen zurückzufüh- ren ist.

Für Köppl (2008, S. 195) handelt es sich beim Begriff Lobbying, um die Einflussnahme von unpolitischen Personen auf Regierungsmitglieder und deren Gremien, um speziell bei Ge- setzen, Novellierungen, Regulierungen und Verordnungen mitwirken zu können. Demnach schließen sich die Akteure des Lobbyings nicht nur aus Personen zusammen, die direkt am Entscheidungsprozess beteiligt sind, sondern beinhalten auch regierungsnahe Personen- kreise wie Gewerkschaften, Verbände und Nichtregierungsorganisationen, wobei es keinen Unterschied macht, ob das Lobbying „auf kommunaler, regionaler und nationaler, zwischen- staatlicher und supranationalerer Ebene“ stattfindet (Köppl, 2008, S. 195).

Bei der Vorgehensweise der Interessenvermittlung differenziert Köppl (2008, S. 210 - 213) das „direkte Lobbying“, bei dem der Lobbyist den jeweiligen Entscheidungsträger durch per- sönliche Gespräche von seinen Interessen überzeugt, vom „indirektem Lobbying“, bei dem die Vermittlung der Interessen an bestimmte Personen, über Dritte stattfindet. Indirektes Lobbying findet immer häufiger Anwendung, wenn es um die Übermittlung von unternehme- rischen Interessen geht, die auf den ersten Blick keinen gesellschaftlichen Nutzen mit sich tragen. Vidal et al. (2012, S. 1f. ) zeigt, dass es dabei meist zum Revolving Door Phänomen (deutsch: Seitenwechsel) kommt, bei dem erfahrene Politiker zu meist großen Unternehmen überlaufen, um gezielt ihr über Jahre angeeignetes politisches Wissen, beim neuen Arbeits- geber effektiv anwenden zu können. Nicht selten finden solche Wechsel des Arbeitgebers aus finanziellen Gründen statt, wie es das Beispiel Gerhard Schröder zeigt, der nach seiner Amtszeit als Bundeskanzler, sich beim russischen Öl- und Gasproduzenten Gazprom als Aufsichtsratschef engagiert und dabei 250.000€ pro Jahr verdient (Hoffmann, 2014). Darüber hinaus, findet der Austausch an Kompetenzen auch in entgegengesetzte Richtung statt, nämlich wenn Fachleute aus der Wirtschaft in die Politik wechseln, um selbstständig und unmittelbar an Entscheidungsprozessen mitwirken zu können, wobei sie ihr Gehalt weiterhin vom vorangegangenem Arbeitgeber gezahlt bekommen (Spiegel, Ausgabe 21, 2012).

Lianos und Hetzel (2003, S. 16) unterscheiden zwischen zwei Typen des Lobbyismus: Be- schaffungs- und Gesetzeslobbyismus. Beschaffungslobbyismus konzentriert sich auf die Gewinnung von frei zugänglichen Aufträgen, wobei Gesetzeslobbyismus das Bemühen von einzelnen Interessenvertretern oder -gruppen beim Gesetzgebungsprozess mitzuwirken, beschreibt (Lianos & Hetzel, 2003, S. 16). Dabei zeichnet sich der Erfolg des Lobbyings durch den Einfluss an Regierungsentscheidungen aus, indem durch das Vorbereiten, Vermit- teln und Bewerten von Informationen, Gesetzesbeschlüsse beeinträchtigt oder ganz unter- bunden werden (Lianos & Hetzel, 2003, S. 39). Kleinfeld et al. (2007, S. 10) bestimmt Lobby- ismus als eine zulässige Form von Interessenvertretung, die ein bewusstes Einwirken auf einen bestimmten Sachverhalt beabsichtigt und darüber hinaus ein Teil von Öffentlichkeits- arbeit ist. Gleichzeitig existieren auch illegale Formen von Lobbyismus, sobald mit inoffiziellen monetären Mittel die Durchsetzung des Interesses beabsichtigt wird und der Lobbyismus somit korrupte Züge annimmt (Kleinfeld et al., 2007, S. 10).

Leif (2006, S. 14) definiert Lobbyismus als die effektive Durchsetzung von Einzelinteressen und unterscheidet diesen von allgemeiner Interessenvertretung, da Lobbying punktuell, pro- jektähnlich, und Interessenvertretung ständig passiert. Die informelle Eigenschaft des Lob- byings erlaubt es, dass „Lobbyisten den Handlungsspielraum nutzen, den Politiker und Be- amte bei ihren Entscheidungen haben“, da es weder offiziell legitimiert, noch an Regeln ge- bunden ist und sich außerhalb der öffentlichen Achtsamkeit bewegt. Ermöglicht wird das in Deutschland, durch Fehlen einer Informationspflicht über die Pflege von Kontakten (Leif & Speth, 2006, S. 15). Damit löst Lobbying eine Provokation gegenüber einer demokratischen Gesellschaft aus, die versucht die Machtstrukturen der Regierung offenzulegen und politi- sches Handeln höchstmöglich transparent zu gestalten (Leif & Speth, 2006, S. 15).

Für Kunczik (2010, S. 24) ist Lobbyismus Bestandteil von Public Affairs (PA) und Public Re- lations (PR). Rieksmeier (2007, S. 15) schreibt, dass PR öffentliches „Informations- und Kommunikationsmanagement von Organisationen mit ihren Umwelten“ ist und PA die „Kommunikationsprozesse und -strategien, die von Wirtschaftsakteuren in Richtung Politik betrieben werden“, beschreibt. Somit kann PA als ein Teil von PR betrachtet werden. Da die Grenzen der beiden Begriffe sich leicht ineinander verwischen, gelte zusammenfassend, dass es sich bei beiden Terminologien, um die generelle Verbindung zu Akteuren handelt, während Lobbyismus auf die direkte Interessenvermittlung aufmerksam macht (Leif & Speth, 2006, S. 29).

Abgrenzung des Lobbyismusbegriffs

Auf Grund der inflationären Menge unterschiedlicher Sichtweisen zum Terminus Lobbyismus, die sich im Wesentlichen alle mit Einfluss und Interessen auseinandersetzen, soll an dieser Stelle der Begriff abgegrenzt werden, indem eine Definition herausgearbeitet wird, die maßgeblich für diese Arbeit ist.

Kennzeichnend für diese Bachelorarbeit ist ein Lobbymusbegriff, der das Einwirken von organisierten Interessenvereinigungen, wie zum Beispiel Verbände und Gewerkschaften, auf politische Gremien und menschliche Entscheidungsträger aus der Politik, umfasst. Als Lobbyisten werden auch diejenigen bezeichnet, die selber am Entscheidungsverfahren involviert sind und heben sich erkennbar von Korruption ab, da diese Art von Machtmissbrauch branchenunabhängig agiert, meist mit Hilfe von Bestechung.

Darüber hinaus ist Lobbyismus nicht mit Politikberatung gleichzusetzen, da es sich dabei um eine neutrale Beratung für die gesamte Gesellschaft handelt, ohne ein spezielles Interesse voranzutreiben. Weiter ist unterscheidet Lobbyismus von PR, was gemäß der eigenen Wortbedeutung mit Öffentlichkeitsarbeit zu verstehen ist und Lobbyarbeit meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit betrieben wird.

2.2 Die deutsche Automobilindustrie

Die Geburt der deutschen Automobilindustrie findet sich in der Kombination der vier Her- kunftsbranchen Maschinenbau, Motorenbau, Fahrradbau und Elektrotechnik wieder. Dabei beruhen die Anfänge der Branche nicht auf einen Eingriff durch den Staat , sondern sind auf den erfinderischen Geist des Menschen zurückzuführen ist (Diez, 1988, S. 494). Somit be- ginnt am Ende des 19. Jahrhunderts die Geschichte der deutschen Automobilindustrie, nachdem im Jahre 1883 die „Benz & Co. Rheinische Gasmotorenfabrik“ in Mannheim von Carl Benz gegründet wurde, um die ersten Fahrzeuge zu fertigen (Daimler, 2015). Diese neue Art der Fortbewegung, prägte die weltweite, wirtschaftliche Entwicklung unserer Zeit wesentlich. Die Bedeutung der einzelnen Automobilhersteller, die entscheidend für den Er- folg der Branche ist, wird bis heute von der Umwelt anerkannt, obwohl die deutsche Auto- mobilbranche stets unter dem Einfluss politischer Maßnahmen steht (Boch, 2001, S. 16).

2.2.1 Bedeutung der deutschen Automobilindustrie

Nach Wallentowitz et al. (2009, S. 1) umfasst der Begriff Automobilindustrie neben Hersteller von Kraftwagen, Motoren und Kfz-Teilen auch die eigentliche Produktion, sowie Logistik- dienstleistungen und nachgelagerte Bereiche. Darüber hinaus werden die beiden Begriffe Automobilwirtschaft und Automobilbranche in dieser Arbeit als Synonym für die Automobilin- dustrie verwendet und beim Betrachten der Akteure der Fokus auf Automobilhersteller gelegt werden, die in Deutschland mindestens eine Produktionsstätte aufweisen. Dazu zählen so- wohl die deutschen „Original Equipment Manufacturers“ (OEMs), die internationale Bezeich- nung für Automobilhersteller, Daimler AG, Volkswagen Gruppe und BMW (Bayrische Moto- ren Werke) Gruppe, als auch die Tochterunternehmen der amerikanischen Firmen Ford Mo- tor Company und General Motors Company, Ford Werke AG und Adam Opel AG.

Auf Grund der besonders komplexen und technologisch anspruchsvollen Prozesse in der Automobilherstellung, verfügt diese über eine Vielzahl verschiedener Teilnehmer (Nunnenkamp, 2004, S. 11f. ):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Hierarchie der Akteure in der Automobilindustrie (in Anlehnung an: Wallentowitz et al., 2009, S. 2)

An der Spitze der oben abgebildeten Pyramide befinden sich die OEMs, die zuständig für die Fahrzeugarchitektur, Systemintegration, Produktion von Komponenten, Endmontage und Vertrieb sind und die Steuerung aller Prozesse der Automobilproduktion verantworten (Barthel et al., 2010, S. 16). Eine Stufe unterhalb, befinden sich die Tier-1-Zulieferer, die für die Systemintegration für Fahrzeugmodule, wie beispielsweise Brems- und Lenksysteme, Getriebe oder Sitzsysteme verantwortlich sind. Ihre Aufgabenfelder wachsen stetig seit den 90er Jahren (Barthel et al., 2010, S. 17). Ebenso wie die OEMs arbeiten auch die Tier-1- Zulieferer entlang einer globalen Wertschöpfungskette und übernehmen dabei immer häufi- ger Kompetenzen aus der Forschung und Entwicklung (F&E) der jeweiligen Fahrzeugherstel- ler (Barthel et al., 2010, S. 17-18). Kennzeichnend für den dritten Akteurstyp (Tier-2) inner- halb der Pyramide aus Abb. 1, sind kleine bis mittelgroße Unternehmen, die durch ihr spezi- elles Know-how über einzelne Komponenten und Technologien, unersetzbar sind, wohinge- gen die Tier-3-Zulieferer, meist Hersteller von Standardbauteilen und einfachen Rohmaterial, austauschbar für die Automobilhersteller sind (Barthel et al., 2010, S. 18).

Die folgende Tabelle zeigt die Größenordnung der deutschen Automobilhersteller und Tier1-Zulieferer, gemessen an der Umsatzhöhe und dem Beschäftigungsgrad.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 : Umsatz und Beschäftigung ausgewählter Automobilhersteller und Zulieferer (Quelle: Geschäftsberichte der Unternehmen, Stand 2014)

Mit 364,44 Mrd. Euro im Jahr ist die Automobilindustrie die deutlich umsatzstärkste Industriebranche Deutschlands (Abb. 2), wobei ihr Anteil am gesamten Geschäftsvolumen der Verarbeitenden Industrie 22,2%, im Jahr 2013, ausmacht und acht Jahre zuvor mit 21,4% nur unwesentlich kleiner war, was ein leicht überdurchschnittliches Wachstum - verglichen am Umsatz - bedeutet (Hild, 2014, S. 46).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Umsätze der Industriebranchen in Deutschland im Jahr 2013 (in Anlehnung an: Statista, 2013)

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Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Erfolgreicher Lobbyismus in der Automobilindustrie. Grundlagen, Forschungsstand und Best Practice
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Industrielles Management)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
44
Katalognummer
V314672
ISBN (eBook)
9783668144040
ISBN (Buch)
9783668144057
Dateigröße
1281 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lobbyismus, Lobbying, Automobilindustrie, VDA, Gesundheitswesen, Pharmabranche, Automotive, Interessenvertretung, EU
Arbeit zitieren
Alexander Grunskij (Autor), 2015, Erfolgreicher Lobbyismus in der Automobilindustrie. Grundlagen, Forschungsstand und Best Practice, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314672

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